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Diabetes mellitus bei Kindern. Welche positiven Effekte kann Sport haben?

Hausarbeit 2011 32 Seiten

Sport - Sportmedizin, Therapie, Prävention, Ernährung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

Abbildungsverzeichnis:

Tabellenverzeichnis :

1. Einführung in das Thema: Was ist Diabetes mellitus?
1.1 Durch welche Symptome äußert sich Diabetes?
1.2 Folgeerkrankungen von Diabetes mellitus

2. Insulin
2.1 Wie wirkt Insulin im Körper?

3. Die Diabetestypen:
3.1 Typ I Diabetes
3.2 Typ II Diabetes

4. Behandlungsmöglichkeiten

5. Diabetes und Sport
5.1 Unterzuckerung beim Sport

6. Diabetes bei Kindern

7. Diabetes im Schulsport

8. Handlungsvorschläge für Lehrerinnen und Lehrer

9. Diskussion

10. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis:

Anhang: Fragebogen

Abbildungsverzeichnis:

Abb. 1: Insulinbiosynthese (http://www.anatomie-online.com/Seiten/physi016.html)

Abb. 2: Blutglukosespiegel (Hürter, Lange, 2004, S.35)

Tabellenverzeichnis:

Tab. 1: Folgeerkrankungen des Diabetes mellitus (Hürter, Lange, 2004, S. 303 ff.)[1]

Tab. 2: Insulinausschüttungen im Körper bei gesunden Menschen (Hürter, Lange, 2004, S.)

Tab. 3: Insulinvarianten (Hebestreit et al., 2002, S.171)

Tab. 4: Empfehlungen zu Sportarten (Hebestreit et al., 2002, S.)

Kurzbeschreibung und Problemstellung:

Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Krankheit „Diabetes mellitus“ die im Volksmund auch „Zuckerkrankheit“ genannt wird. Diese Arbeit soll zunächst mit einer Einführung in das Thema beginnen, um ein erstes, generelles Verständnis über diese Krankheit, ihre Symptome und den hierbei wirkenden Stoff „Insulin“ zu schaffen, der im Zusammenhang mit Diabetes eine entscheidende Rolle spielt. Seine Wirkungsweise wird dann in Zusammenhang mit dem jeweiligen Diabetestyp erklärt. Diese werden in Kapitel drei vorgestellt, und in Kapitel 4, das die Behandlungsmöglichkeiten aufzeigt noch einmal aufgegriffen. Da besonders der Typ II Diabetes durch Sport behandelbar ist, wird sich die vorliegende Arbeit im nächste Kapitel mit dem Thema Diabetes und Sport beschäftigen. Hiervon ausgehend soll die Brücke zu Diabetes bei Kindern geschlagen werden um noch einmal darzustellen, wie sich diese Krankheit speziell bei Kindern äußert. Als Kinder werden hier alle Personen zwischen 0 und 20 Jahren bezeichnet, wobei sich diese Arbeit besonders auf den Abschnitt zwischen 6 und 20 Jahren, d.h. auf das Schulalter, bezieht. Zu diesem Kapitel sollen zwei Beispiele aus dem näheren Bekanntenkreis der Autorin als Veranschaulichung dienen. Lehrerinnen und Lehrer treffen im Unterricht auf diabeteskranke Kinder in diesem Alter und besonders beim Sportunterricht gilt es einiges zu beachten. So sollen in dieser Arbeit Handlungsvorschläge aufgezeigt werden, wie sich Lehrkräfte besonders im Sportunterricht gegenüber betroffenen Kindern verhalten können. Abschließend soll diskutiert werden, inwiefern im Sportunterricht positive Effekte vor allem für Kinder mit Typ II Diabetes erreicht werden können. Abschließend werden die Ergebnisse der Arbeit zusammengefasst.

1. Einführung in das Thema: Was ist Diabetes mellitus?

Diabetes mellitus wird im Volksmund oft als „Zuckerkrankheit“ bezeichnet. Dieser Begriff beinhaltet bereits die zentrale Komponente dieser Krankheit, da der Zucker, genauer gesagt, die Blutglukose hier eine zentrale Rolle spielt. Was genau also ist Diabetes mellitus? Diabetes mellitus kann sowohl als Stoffwechselstörung als auch als Hormonstörung bezeichnet werden. Beide Bezeichnungen sind zutreffend: Bei Menschen, die an Diabetes erkrankt sind, kommt es früher oder später zu einem Mangel des Hormons Insulin (=Hormonstörung). Die Folge dieser Hormonstörung aufgrund des Insulinmangels ist eine Stoffwechselstörung. Dabei können die mit der Nahrung aufgenommenen Nährstoffe, besonders Kohlehydrate, im Körper nicht mehr richtig verwertet und umgewandelt werden. Genauer gesagt, die im Blut gelöste Glukose kann nicht oder nicht ausreichendin die Muskelzelle „eingeschleust“ werden. Für den Großteil dieser „Einschleusung“ ist ein insulinabhängiges Transmitterprotein zuständig. Dieses kann aufgrund der geringen Insulinkonzentration im Blut /oder aufgrund einer Störung des Proteins nicht in die Muskelzellmembran eingelagert werden und es kann folglich keine Glukose in die Muskelzellen gelangen um dort die nötige Energie zu liefern. Diabetes mellitus kommt in zwei Varianten, den sogenannten Typen vor. Man unterscheidet Typ I und Typ II. Letzterer wird noch in Typ II a und b unterteilt.

1.1 Durch welche Symptome äußert sich Diabetes?

Wie jede andere Krankheit äußert sich auch Diabetes beim ersten Auftreten durch verschiedene Symptome, nämlich durch sehr häufiges Wasserlassen, sehr großer Durst, auffällige Gewichtsabnahme und auffällig verminderte Leistungsfähigkeit. Diese Symptome sind typenunabhängig und müssen nicht alle gleichzeitig auftreten. Manchmal werden auch nicht alle Symptome als solche wahrgenommen, da z.B. großer Durst auch vom Wetter oder von körperlicher Aktivität abhängen kann. Die Symptome sind deshalb mit dem Zusatz „Sehr“ oder „Auffällig“ versehen, um deutlich zu machen, dass wenn jemand z.B. bei Hitze und/oder körperlicher Betätigung viel mehr als gewöhnlich trinkt, man erst dann zuverlässig von einem Symptom für Diabetes sprechen kann.

1.2 Folgeerkrankungen von Diabetes mellitus

Wenn Diabetes als Krankheit bei einer Person ausgebrochen ist, kann diese Stoffwechsel-m bzw. Hormonstörung noch einige Folgeerkrankungen nach sich ziehen die in der nachfolgenden Tabelle dargestellt sind (Hürter/Lange S. 303 ff.):

Tab.1: Folgeerkrankungen von Diabetes mellitus

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Diese Erkrankungen lassen sich noch in makrovaskulär (=die großen Blutgefäße betreffend) und in mikrovaskulär (= die kleinen Blutgefäße betreffend) unterteilen. Dabei gehören die Retinopathie, die Nephropathie und die Neuropathie zu den mikrovaskulären und die Durchblutungsstörungen zu den makrovaskulären Erkrankungen. Typ I und Typ II Diabetiker sind von diesen Folgeerkrankungen zwar in gleichem Maße betroffen, jedoch muss nicht jeder Diabetiker eine oder alle der aufgeführten Krankheiten bekommen. Zumal diese Folgeerkrankungen meist erst nach Jahren bzw. nach Jahrzehnten nach einer Erkrankung an Diabetes auf. Insbesondre die Retinopathie kann aber auch schon zum Diagnosezeitpunkt auftreten. In einem Interview beschreibt Matthias Steiner[2], dass ihn neben Symptomen wie verminderter Leistungsfähigkeit und großem Durst auch eine Verschlechterung des Sehvermögens zum Arzt führten, welcher dann Diabetes diagnostizierte. Siehe dazu auch Kapitel 5 * (Interview Matthias Steiner. Leider können einige der aufgeführten Krankheiten tödlich verlaufen, da die Folgen einer Durchblutungsstörung an Herz oder Gehirn zu einem Herzinfarkt oder zu einem Schlaganfall führen können. Daraus ergibt sich, dass „Die Lebenserwartung diabetischer Kinder und Jugendlicher[…] gegenüber der Normalbevölkerung reduziert ist.“ (Hebestreit, Ferrari, Meyer- Holz, Lawrenz und Jüngst, 2002, S. 172 auch Tabelle). Doch das Risiko tatsächlich an einer dieser Folgeerkrankungen zu erkranken, kann durch eine gute Einstellung des Diabetes, bzw. des Blutzuckerspiegels vermindert bzw. verhindert werden. Dazu tragen unter anderem Schulungen von Eltern und Kindern und verbesserte Kontrollmaßnahmen des Blutzuckers bei. Da besonders der Typ II Diabetes unter anderem durch körperliche Aktivität völlig reversibel ist, kann hier auch das Risiko einer Folgeerkrankung minimiert werden. Wird allerdings nichts gegen den Typ II Diabetes oder das erhöhte Gewicht unternommen, steigert das Übergewicht, bzw. die Fettleibigkeit das Risiko, die oben genannten Erkrankungen noch schneller zu bekommen.

Daraus resultiert, dass Diabetespatienten, unabhängig vom Typ nie an Diabetes selber sterben, sondern immer an den Folgeerkrankungen. Besonders häufige Todesursachen sind hierbei die Folgen von kardio-vaskulären Erkrankungen. Patienten mit Diabetes Typ II weisen außerdem eine erhöhte Mortalität im Vergleich zur gesunden Bevölkerung auf (Dailey, 2011, S.65-74).

2. Insulin

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Insulinbiosynthese

Insulin ist ein Hormon das in den B- Zellen der Langerhans’schen Inseln in der Pankreas (Bauchspeicheldrüse) gebildet wird (siehe Abb.1). Diese Zellinseln wurden erstmals 1869 von Paul Langerhans beschrieben. Insulin gehört zur Gruppe der eiweißartigen Hormone und setzt sich aus Aminosäuren zusammen (siehe Abb. 1). Es wirkt senkend auf den Blutzuckerspiegel und tritt damit in Wechselwirkung mit dem Hormon Glukagon, das ebenfalls in der Bauchspeicheldrüse gebildet wird und den Blutzucker ansteigen lässt.

Entdeckt wurde Insulin schon 1921, doch erst die kanadischen Wissenschaftler F. G. Banting und C. H. Best entdeckten seine Wirkung in Bezug auf die Diabeteserkrankungen. Schon ein Jahr später konnte in Toronto, Kanada der erste Diabetespatient wirkungsvoll mit Insulin behandelt werden. Insulin wurde bis 1979 aus den Bauchspeicheldrüsen von Schweinen gewonnen. Ab diesem Zeitpunkt war es möglich Humaninsulin (das Insulin von Menschen) gentechnologisch herzustellen.[3]

2.1 Wie wirkt Insulin im Körper?

Im Körper ist das Hormon Insulin für den Glukosestoffwechsel verantwortlich. Eine seiner Aufgaben besteht darin, zusammen mit Rezeptorproteinen dafür zu sorgen, dass die im Blut gelöste Glukose in die Muskelzellen gelangt. Dabei ist das wichtigste Rezeptorprotein das insulinabhängige „Glut-4“. „Insulinabhängig“ bedeutet in diesem Fall, dass dieses Rezeptorprotein, das sich innerhalb der Muskelzelle befindet, erst bei einer bestimmten Insulinkonzentration im Blut zur Zellwand kommt und so den Glukoseeinstrom vom Blut in die Muskelzelle ermöglicht.

Bei gesunden Menschen stimmt der Körper die Insulinmenge im Blut automatisch auf die Menge an Kohlehydraten ab, die wir zu uns nehmen, sodass der Blutglukosespiegel immer zwischen 60 mg/dl und 120 mg/dl liegt. Je nach Situation unterscheidet man im menschlichen Körper verschiedene Insulinausschüttungen:

Tab. 2: Insulinausschüttung im Körper bei gesunden Menschen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Konstanthaltung des Blutzuckerspiegels ist die zweite wichtige Aufgabe des Insulins. Bei zu niedrigen Werten <70mg/dl produziert der Körper kein Insulin mehr, da sonst eine Hypoglykämie, d. h. eine Unterzuckerung droht. Dazu mehr in Kapitel 5.1 . Bei Werten > 90 mg/dl wird dagegen Insulin produziert, um eine Hyperglykämie, d. h. eine Überzuckerung zu verhindern. Bei Diabetikern funktioniert die Insulinausschüttung nicht so problemlos, bzw. überhaupt nicht mehr, deshalb müssen sie die zuzuführende Menge an Insulin immer auf die Nahrung abstimmen die sie zu sich nehmen. Hierbei ist eine sehr gute Kenntnis über die Zusammensetzung der Nahrung, besonders über den Anteil an Kohlehydraten unabdingbar. Zur Erleichterung steht auf vielen Lebensmitteln bereits, wie viele Broteinheiten (B.E.) einer bestimmten Menge des Nahrungsmittels entsprechen. Eine Broteinheit enthält 12g Kohlehydrate (Hebestreit et al, 2002, S.172). Doch Insulin ist nicht gleich Insulin. Mittlerweile gibt es verschiedene Varianten, die sich nach dem Zeitpunkt des Wirkungseintritts, der max. Wirkung nach der Injektion und der max. Wirkungsdauer unterscheiden.

Tab. 3: Insulinvarianten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Anmerkung: Dabei ist die Wirkungsdauer von der injizierten Menge, dem Injektionsort und der Umgebungstemperatur abhängig.

3. Die Diabetestypen:

Wie in Kapitel 1 bereits angesprochen, kann Diabetes mellitus in zwei „Varianten“, den sogenannten Typen vorkommen. Hierbei ist das Unterscheidungskriterium die Insulinbildung in der Bachspeicheldrüse und die Empfindlichkeit der Muskelzelle gegenüber Insulin. In den nächsten zwei Unterkapiteln sollen die beiden Typen vorgestellt werden.

3.1 Typ I Diabetes

Der Typ I Diabetes wird als „Insulin abhängiger Diabetes mellitus“ (IDDM) bezeichnet (Hollmann, Wildor, 2009, S. 83) da im Verlauf dieser Krankheit die B-Zellen in den Langerhans’schen Inseln der Bauchspeicheldrüse völlig zerstört werden und somit für den Rest des Lebens keine Insulinproduktion mehr möglich ist. Das Insulin muss dem Körper mehrmals täglich zugeführt werden (z.B. über Spritzen) und ist für die Betroffenen lebenswichtig, da alle Muskeln in unserem Körper mit Glukose versorgt werden müssen, um richtig arbeiten zu können. Stellt man sich vor, dass z. B. der Herzmuskel nicht richtig arbeiten kann, weil dieser nicht ausreichend mit Glukose versorgt wird, wird schnell ersichtlich, warum die permanente Insulinzufuhr für Diabetiker so lebenswichtig ist.

Der Diabetes Typ I ist irreversibel und entsteht hauptsächlich durch das Zusammenspiel von drei Faktoren, nämlich genetischen Voraussetzungen, Viruserkrankungen und Autoimmunerkrankungen und tritt häufig bereits im Kindes- und Jugendalter (bis 20 Jahre) auf (Erkrankungen im höheren Alter sind zwar unüblich aber nicht unmöglich). Meist entsteht Diabetes Typ I indem erblich vorbelastete Kinder eine Viruserkrankung bekommen, die dann eine Autoimmunreaktion auslöst in deren Verlauf die insulinproduzierenden Zellen dauerhaft geschädigt werden. Dabei werden laut Hürter, Lange (2004, S.37-38) mehrere Phasen durchlaufen. In der ersten Phase, der Vor- oder Prädiabetes, können bereits Antikörper im Blut nachgewiesen werden, es treten aber noch keine diabetestypischen Symptome oder Beschwerden auf. Dazu kommt es erst, wenn nur noch 15-20% der B- Zellen vorhanden sind. In der nächste Phase, der Anfangs- oder Initialphase, ist der Bedarf an Insulin sehr hoch. Ca. zwei bis drei Wochen später sinkt der Insulinbedarf aber wieder ab, man nennt das Remissions- oder Erholungsphase. Sie dauert ungefähr ein bis zwei Jahre. Trotzdem kommt es am Ende zu einer vollständigen Zerstörung der B-Zellen und somit zum vollständigen Erliegen der Insulinproduktion. In dieser Nacherholungs- oder Postremissionsphase muss dem Körper ein Leben lang Insulin zugeführt werden. Das Ziel dieser Insulinzufuhr ist es, die Insulinausschüttung der Bauchspeicheldrüse zu imitieren und so einen tages- und mahlzeitenangemessenen Ersatz an Insulin zu erreichen (Dickhuth, Mayer, Röcker, Berg, 2007, S. 249). Die notwendige Insulindosis ist dabei abhängig von der Zusammensetzung der Mahlzeiten, der Tageszeit, von Größe, Gewicht und der körperlichen Betätigung. In Deutschland sind ca. 400.000 - 600.000 Erwachsene[4] und ca. 20.000 Kinder und Jugendliche betroffen. Jährlich erkranken etwa 2.000 Kinder zwischen 0 und 18 Jahren neu an Diabetes Typ I.

3.2 Typ II Diabetes

Der Typ II Diabetes wird als „Nicht Insulin abhängiger Diabetes mellitus“ (NIDDM) bezeichnet (Hollmann, Wildor, 2009, S. 83). Dieser ist nach Dickhuth et al. (2007, S. 249) „vorwiegend eine Erkrankung des mittleren und höheren Lebensalters (>40 Jahre)“ und wird deshalb im Volksmund auch oft „Alterszucker“ genannt. Ursprünglich erkrankten nur vorwiegend ältere Menschen an Diabetes Typ II. Heutzutage spielt das Alter bei den meisten Patienten mit diesem Diabetestyp nur noch eine sekundäre Rolle. Mittlerweile ist der Hauptgrund für eine Erkrankung an Diabetes Typ II das vermehrte (Über-) Gewicht bzw. die Fettleibigkeit (Adipositas) in der Bevölkerung. Adipositas stellt insbesondre in den westlichen Industrienationen eines der dominierenden Gesundheitsprobleme dar und geht meist mit metabolischen Veränderungen des Körpers, z.B. mit einer Insulinresistenz, einher. Diese ziehen dann wiederum Folgeerkrankungen, z.B. den Diabetes Typ II nach sich (Wabitsch, Zwiauer, Hebebrand, Kiess, 2005, S. 157). Bei dieser Ursache für die Erkrankung ist der Diabetes durch drastische Gewichtsreduktion, eine nachhaltige Ernährungsumstellung und durch eine generell radikale Änderung des Lebensstils wieder komplett reversibel. Erfolgt dieser Wandel nicht, bzw. verfällt die betreffende Person schnell wieder in alte Ess- und Lebensgewohnheiten ist auch dieser Diabetestyp ab einem gewissen Stadium irreversibel. Dieses Endergebnis ist leider auch bei den meisten Patienten mit Typ II Diabetes der Fall. Sie schaffen es nicht entsrechende Therapiemaßnahmen umzusetzen und benötigen meist schon von Anfang an eine zusätzliche Medikation mit Insulinpräparaten. (Wabitsch et al, 2005, S. 169). Bei beiden Haupterkrankungsgründen, egal ob Alter oder Übergewicht, ist der Diabetes Typ II zusätzlich durch eine angeborene Insulinunempfindlichkeit der Zellen und einer chronische Insulinresistenz gekennzeichnet, die sich dann durch einen, oder beide der bereits genannten Faktoren verstärkt. Das heißt, es ist zwar Insulin im Blut, aber es wirkt nicht, bzw. nur ungenügend (Eine Ursache dafür könnte eine Störung des Schlüssel-Schlossprinzips an Hormon und/oder dem Glut-4 Rezeptor sein). Als Folge davon wird ein immer höherer Insulinspiegel im Blut benötigt, um noch genug Glukose in die Zellen zu transportieren. Im Endstadium der Krankheit erschöpfen die insulinproduzierenden B- Zellen dann mehr und mehr. Der Diabetes II manifestiert sich und die betreffende Person wird, wie der Diabetes Typ I Patient dauerhaft insulinabhängig. Anhand des Kriteriums „Gewicht“ wird dieser Typ II Diabetes noch in Typ IIa und Typ IIb unterteilt. Unter Typ IIa fallen die Normalgewichtigen mit ca. 1 Mio. Betroffenen (BMI >25) (Vgl. Neumann, 2009, S. 304) und unter Typ IIb fallen die Übergewichtigen mit ca. 4 Mio. Betroffenen. Die meisten Menschen in Deutschland, die an Diabetes mellitus erkrankt sind, haben Typ II Diabetes. Man spricht von ca. 4-5 Mio. Betroffenen. Das heißt 5-6% der deutschen Bevölkerung und davon 10-12% der über 50- jährigen sind von Diabetes Typ II betroffen (Wabitsch et al, 2005, S.157). Durch gesellschaftliche Tendenzen, wie schlechte Ernährung und Bewegungsmangel erkranken heute aber auch vermehrt Kinder an diesem Diabetestyp. Darauf wird in Kapitel 6 genauer eingegangen. Laut Wabitsch et al (2005, S. 157-158) verursachen der Diabetes Typ II und seine Folgeerkrankungen (siehe Kapitel 1.3) in Deutschland jährlich Kosten in Höhe von 25 Mrd. Euro. Diabetes Typ II ist demnach nicht nur eine sehr teure sondern auch eine sehr ernstzunehmende Erkrankung.

[...]


[1] Die Tabellen kommen in den angegebenen Büchern nicht als Tabelle, sondern als Text vor, die Autorin hat der Übersichtlichkeit wegen eine tabellarische Darstellungsweise vorgezogen.

[2] Interview mit Matthias Steiner unter: diabetes-world Redaktion (2008) Matthias Steiner- Das Interview (2005). Zugriff am 03. Juli 2011 unter http://www.diabetes-world.net/Portal-fuer-Patienten-und-Interessierte/Lebenssituationen/Prominente.htm?ID=3845

[3] Kapitel 2 nach Hürter, Lange (2004, S. 31).

[4] Nach Hürter, Lange (2004, S.31) sind es 200.000-250.000

Details

Seiten
32
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783668287723
ISBN (Buch)
9783668287730
Dateigröße
855 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v338058
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz – Institut für Sportwissenschaft
Note
1,7
Schlagworte
Diabetes Schulsport Diabetes Typ 1 Diabetes Typ 2 Handreichung

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