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Die Methode von Paulo Freire

Hausarbeit 2003 17 Seiten

Pädagogik - Erwachsenenbildung

Leseprobe

Gliederung

1. Methoden allgemein

2. Paulo Freire
2.1 Grundlagen seiner Theorie
2.2 Methodische Umsetzung
2.3 Praktisches Beispiel der Umsetzung in Lateinamerika

3. Übertragung der Methode auf Industrienationen
3.1 praktisches Beispiel

4. Reflektion

2. Paulo Freire

Paulo Freire wurde 1921 in Brasilien geboren. Seine Familie gehörte der sozialen Mittelschicht an und er wurde christlich erzogen. Der christliche Gedanke prägt seine Methode und sein Menschenbild. Weiterhin beeinflussten ihn, in seiner Arbeit, Personen wie Sartes i. V. m. Gabriel Marcels, Ortega y. Gasset. Auch anthropologische und philosophische Grundgedanken von Marx und Fromm zeichnen seine Arbeit aus. In seiner methodische Arbeit ist der Einfluss von Hegel erkennbar. Bei der Durchführung greift er auf Mao Tse Tung zurück. Und seine Vorbilder auf politischer Ebene waren Guevara und Martin Luther King.[1]

Um die Methode von Paulo Freire zu verinnerlichen und danach zu handeln, ist es unserer Meinung nach wichtig, das Leben und seine Grundlagen für die Entwicklung seiner Methode kurz zu erläutern. Paulo Freire arbeitete als Lehrer und später als Professor und ihm wurde so die Lage der Bevölkerung in Brasilien vor Augen geführt. Die Mehrheit der Bevölkerung (70 – 75%) bestand aus Analphabeten, die aufgrund dessen kein Wahlrecht besaßen. Die Landbevölkerung war überwiegend verarmt und den Herrschaftsverhältnissen ausgeliefert. Durch seine Professur in Pädagogik, Philosophie und Geschichte interessierte er sich für die Erwachsenenbildung und engagierte sich schon früh für die Alphabetisierung der Bevölkerung. Er war sehr unzufrieden mit der Situation in der Erwachsenbildung, da für die Beschulung der Erwachsenen die gleichen Lehrmittel verwendet wurden, wie für Schulkinder. Außerdem wurde beim Lehrplan keine Rücksicht auf die Lebenswelt der Landbevölkerung genommen. Es wird die vorherrschende Bankiers-Erziehung, die später genauer erläutert wird, angewendet.

Zur gleichen Zeit war die brasilianische Gesellschaft in einem Umbruch. Ein Teil der Bevölkerung hielt an der geschlossenen Gesellschaft mit ihren Normen und Werten fest, und der andere hingegen wollte die Gesellschaft öffnen. In dieser Situation entstanden viele entgegengesetzte Tendenzen. So kam Freire zu der Frage ob und wie das Volk auf diese Entwicklungen vorbereitet war. Diese Umbruchsituation führte dazu, dass Paulo Freire es als nötig ansah eine Pädagogik zu entwickeln, die sich an die Situation des unterdrückten Volkes anpasst.[2]

2.1 Grundlagen der Methode von Paulo Freire

Paulo Freie entwickelte die Pädagogik der Unterdrückten und definierte diese wie folgt. „Die Pädagogik der Unterdrückten, bei der es sich um eine Pädagogik von Menschen handelt, die im Kampf um ihre Befreiung stehen, hat hier ihre Wurzeln. Die, die sich als Unterdrückte erkennen oder anfangen, sich als solche zu erkennen, müssen zu den Entwicklern dieser Pädagogik gehören.“[3]

Die wahre Berufung des Menschen ist nach Freire die Humanisierung. Aber da es Unterdrückung gibt, sind Unterdrückte sowie Unterdrücker enthumanisiert und von sich selbst entfremdet. Die Befreiung aus den bestehenden Herrschaftsverhältnissen ist nur möglich, wenn diese von den Unterdrückten ausgeht, denn diese müssen die Entwickler der Pädagogik der Unterdrückten sein. Und nur sie können die Humanisierung beider Seiten wieder herstellen.

Nach Freire ist der Mensch ein Wesen der Beziehung, ein historisches, kulturschaffendes und kommunikatives Geschöpf, das nicht nur die Welt, sondern auch sich selbst verändern kann. Der Mensch existiert nicht nur in der Welt, sondern auch mit ihr, dies unterscheidet ihn vom Tier. Der Mensch ist aktiv und kreativ, dadurch kann er Erfahrungen, die er in der Welt gesammelt hat, reflektieren. Das bedeutet, dass der Mensch in einer dialektischen Beziehung mit der Welt steht. Daraus ergibt sich auch der Mensch als historisches Wesen. Er kann in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft unterscheiden und ist damit in der Lage seine Situation zu durchschauen, wenn er nicht entfremdet ist. Dabei darf er seine existentielle Situation „nicht als schicksalhaft und unwandelbar betrachten, sondern nur als begrenzend“.[4] Nach Freire wird der Mensch bei der Wahrnehmung einer Grenzsituation befähigt diese zu überschreiten und damit seine Situation zu verändern.

Eine weitere Grundlage der Freire´schen Methode ist der Dialog. Freire möchte die antidialogische Kultur, die Kultur des Schweigens, durchbrechen.

Dies geschieht mit Hilfe der Kommunikation zwischen den Menschen, wobei Anschauungen, Haltungen und Erfahrungen sprachlich vermittelt werden.

Die dialogische Beziehung ist eine horizontale Beziehung zwischen den Personen, das heißt die Beziehung ist nicht hierarchisch – beide Seiten können voneinander lernen. Der Lehrer wird zum Schüler und gleichzeitig wird der Schüler auch zum Lehrer. Es gibt nur noch Lehrer-Schüler und Schüler-Lehrer.

Freiere bezeichnet den Dialog als Akt der Schöpfung, denn das Wort bedeutet gleichzeitig Aktion und Reaktion. Das heißt die Realität und die Bedeutung eines Wortes sind von der individuellen Wahrnehmung und von den sozialen Erfahrungen eines Menschen geprägt. Aufgrund des gemeinsamen Erfahrungsaustausches ist der Dialog Grundlage für die Planung gemeinsamer Aktionen im Kampf gegen die Unterdrückung. Der Charakter des Dialoges ist dadurch gekennzeichnet das er nur durch Liebe, Bescheidenheit, Hoffnung, Glauben, gegenseitiges Vertrauen und durch kritische Haltung zustande kommt. Der Antidialog dagegen ist lieblos, arrogant, hoffnungslos, misstrauisch und akritisch.

Ein wesentliches Element dieser Methode ist die Bewusstseinsbildung. Freire nennt diesen Prozess „Conscientizacâo”. Hierbei handelt es sich um einen Erkenntnisakt, während dessen schon die Veränderung beginnt. Die Menschen müssen die sozialen, politischen und wirtschaftlichen Widersprüche begreifen, um überhaupt Maßnahmen gegen die Unterdrückung zu ergreifen, dafür ist dieser Lernvorgang notwendig. Allerdings ensteht kritisches Bewusstsein nicht automatisch, sondern es muss sich entwickeln. Freire unterteilt den Prozess der Bewusstseinsbildung in die folgenden drei Stufen.

1. semi-transitives Bewusstsein

Der Mensch sieht seine Situation als unveränderlich an und sein Erfahrungswert ist damit begrenzt. Er hat keine Kraft Widerstand zu leisten und resigniert.

2. naive-transitive Bewusstsein

Durch den Dialog nehmen die Menschen ihre Lebenswelt und die damit verbundenen Widersprüche wahr.

3. kritisch-transitive Bewusstsein

Der Mensch nimmt die Missstände der Welt in der er lebt nicht nur wahr, sondern er kann sie auch kritisch reflektieren. Er ist in der Lage Lösungen für seine Probleme zu suchen.

Das Ziel von Freire ist es, dass die Bevölkerung die dritte Stufe des Bewusstseins erlangt.

Paolo Freire erkannte das echte Befreiung und damit auch das Erreichen des kritisch-transitiven Bewusstseins nicht durch die vorherrschende Bildungsmethode erreicht werden kann. Aus diesem Grund entwickelte er die Problemformulierende Bildung als Gegenpol zur vorherrschenden Bankiers-Methode.

In der Bankiers-Methode sieht das Bildungssystem so aus das der Lehrer sich als übermittelndes Subjekt sieht, der Schüler hingegen ist das zuhörende Objekt. Die Aufgabe des Lehrers besteht also darin den Schüler mit Wissen zu füllen, es ist ihm nicht bewusst, dass der Schüler eigene Gedanken und Ansichten hat. Das Bankierskonzept ist die Methode der Unterdrücker mit dem Ziel die Menschen kritikunfähig und zu lenkbaren passiven Wesen zu machen um so ihren Status quo zu erhalten. Aus diesem Grund besteht die Hauptaufgabe des Lehrers in der Problemformulierenden Bildung darin, den Schüler zum kritischen Denken anzuregen, damit dieser in der Lage ist auf die Wirklichkeit zu reagieren, indem er sie reflektiert und mit anderen kommuniziert. „Das erkennen des Dialogs als fundamentale Erkenntnisstruktur bedeutet, das der Unterricht zu einer Begegnung werden muss, in der Erkenntnis gesucht und nicht übertragen wird“[5] Für Freire ist die Bankiers-Methode in der Schule ein Instrument, um die Schüler zu kontrollieren und so an das bestehende System anzupassen.[6]

Die Unterdrücker mythologisieren die Welt. Die Welt wird so dargestellt, dass sie so wie die Unterdrückten sie vorfinden etwas gegebenes ist, was sich nicht ändern lässt. Der Mythos besagt, dass die Unterdrücker überlegen und die Unterdrückten unterlegen sind. Die Unterdrücker erhalten den Mythos aufrecht, damit sich an ihrer Situation nichts ändert. Damit die Unterdrückten den Mythos durchbrechen können, müssen sie erst einmal erkennen wer und was sie sind, also Unterdrückte.

Das Verlangen nach Freiheit muss bei den Unterdrückten hervorgerufen werden, damit sie sich selbst befreien können. Doch viele Menschen haben Angst vor der Freiheit, weil ihnen auch die Sicherheit genommen wird und sie selbst Verantwortung übernehmen müssen. Die Furcht vor der Freiheit kann dazu führen, dass auch die Unterdrückten später zu Unterdrückern werden. Damit dies nicht eintritt, muss den Unterdrückten die Angst vor der Freiheit genommen werden.

2.2 Methodische Umsetzung

Bei der methodischen Umsetzung stand die Frage im Vordergrund, wie die Bevölkerung am besten Lesen und Schreiben lernt und gleichzeitig das kritisch-transitive Bewusstsein erreicht. Die „Schüler“ sollen die Einsicht bekommen, dass sie ein kulturell, handelndes Subjekt sind. Freire stellte fest, dass es hierbei sehr wichtig ist, den gesellschaftlichen Kontext, sowie das Lebensumfeld der Gruppe, mit der er gerade arbeitet, immer zu berücksichtigen. Damit er immer angemessen auf die Situation der einzelnen Gruppen eingehen kann.

In Freires Arbeit ist ein wichtiger Punkt die generativen Wörter. Diese sind Wörter, die in diesem Lebenskontext zentrale Bedeutung haben, sie müssen immer auf das Lebensumfeld der Gruppe, mit der gearbeitet wird, bezogen sein. Sie sind also emotional beladen, und erleichtern es der Gruppe einfacher zu lernen, da sie die Wörter mit etwas verbinden können. Die Wörter stehen immer in Verbindung mit einem generativen Thema. Um die generativen Wörter / Themen herauszufinden analysiert Freire die Situation der Landarbeiter. Da Freire mit verschiedenen Gruppen (z. B. Landarbeiter, Slumbewohner, Gruppen in Chile oder Brasilien) arbeitet, diese Gruppen werden Kulturzirkel genannt, werden für jede Gruppe verschiedene generative Wörter / Themen herausgefunden, damit sie immer an der Lebenswelt der einzelnen Kulturzirkel orientiert sind. Hierbei geht er wie folgt vor:

[...]


[1] Vgl. Von Paulo Freire lernen (S. 34 – 39)

[2] Vgl. Die Methode Paulo Freire (S. 19 – 22)

[3] Zitat: Pädagogik der Unterdrückten (S. 40)

[4] Zitat: Pädagogik der Unterdrückten (S. 68)

[5] Zitat: Von Paulo Freire lernen S. 44

[6] Vgl. Pädagogik der Unterdrückten und Emanzipatorische Erwachsenenbildung mit sozial Benachteiligten S. 36ff

Details

Seiten
17
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638341851
Dateigröße
482 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v33795
Institution / Hochschule
Hochschule Koblenz (ehem. FH Koblenz) – Studiengang Sozialpädagogik
Note
2,0
Schlagworte
Methode Paulo Freire

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