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Kleinkindpädagogik im Kindergarten. Bindung, Fremdeln, Sprach- und Spielentwicklung bis zum zweiten Lebensjahr

Ausarbeitung 2015 21 Seiten

Pädagogik - Kindergarten, Vorschule, frühkindl. Erziehung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Bindung
1.1 Was ist Bindung?
1.2 Bindungstheorie nach John Bowlby
1.3 Rudolf Steiner zum Thema „Bindung“:
1.4 Welche Bedeutung hat Bindung für einen Menschen?
1.5 Welche verschiedenen Bindungsarten gibt es?
1.6 Bindungsqualitäten
1.7 Was bedeutet Feinfühligkeit für die Entwicklung eines Kindes?
1.8 Entwicklung der Feinfühligkeit
1.9 Was bedeutet „Bindung“ für die Praxis?

2. Fremdeln
2.1 Was ist Fremdeln?
2.2 Wie bemerkt man die Acht-Monats-Angst?

3. Emotionen
3.1 Was sind Emotionen?
3.2 Wie werden Emotionen bei Kindern ausgelöst?

4. Sprachentwicklung
4.1 Wie entsteht die Sprache?
4.2 Wie verläuft die Sprachentwicklung bei Kleinkindern?
4.3 Entwicklung des Spracherwerbs in der frühen Kindheit

5. Spielentwicklung
5.1 Die Bedeutung des Spiels für das Kleinkind
5.2 Welche Merkmale sollte das Spiel haben?
5.3 Was bedeutet die „sensomotorische Phase“ im Kleinkindalter?
5.4 Grundlagen der Lehre Piagets
5.5 Stadien der kognitiven Entwicklung nach Piaget
5.6 Das sensomotorische Stadium (bis 2. Lebensjahr)
5.7 Die Entwicklung des sensomotorisches Spiel nach Piaget im ersten Lebensjahr

6. Literatur

1.Bindung

Für die seelische Gesundheit ist es wichtig, dass sowohl der Säugling als auch das Kleinkind die Erfahrung einer warmherzigen, intimen und stetigen Beziehung zur Mutter oder einer gleich bleibenden Mutter-Ersatz-Person machen kann, von der es kontinuierlich „bemuttert“ wird. Die Beziehung sollte für beide Befriedigung und Genuss bedeuten. Diese komplexe, reiche und lohnende Beziehung zur Mutter während der ersten Lebensjahre ist es, die dann auf vielfache Weise durch Beziehungen zum Vater und zu den Geschwistern bereichert wird. Die Wissenschaft glaubt, dass sie die Grundlage für seelische Gesundheit und Charakterentwicklung bildet (vgl. Bowlby, 2005, S. 11). Bereits vor der Geburt beginnt ein vielfältiger Austausch zwischen Mutter und Kind, z.B. signalisieren Mutter und Fötus gegenseitig, ob sie gerade aktiv und wach oder ruhig und entspannt sind. Direkt nach der Geburt stehen dem Neugeborenen bereits vielfältige körpersprachliche Möglichkeiten zur Verfügung, um seinen Bezugspersonen klar zu machen, in welchem Zustand es sich gerade befindet. Über einige Lautsignale verfügt der Säugling bereits bei der Geburt, um seine Eltern über sein Befinden zu informieren. So gibt es spezielle Lautsignale für leichten Unmut, einen typischen Laut, den das Baby im Schlaf äußert, um zu melden, dass alles in Ordnung ist, usw. (vgl. Kindergarten heute, 2012, S. 7).

Der psychische Platz, den das Kind im Leben seiner Eltern einnehmen wird, ist im Wesentlichen bereits vor der Geburt festgelegt. Bei den australischen Aborigines besteht die Vorstellung, dass ein „Geistkind“ vor der Empfängnis mit seinem zukünftigen Vater über einen Traum oder eine Vision Kontakt aufnimmt. Er kann dieses „Geistkind“ an vorherbestimmten Orten, z.B. einem Fluss oder einem besonderen Baum finden. Der künftige Vater entwickelt innere Bilder von seinem Kind, denen eine wichtige Bedeutung für den psychischen Verlauf der Schwangerschaft zukommt. Die Art der Entstehung von inneren Bildern der Eltern über ihr Kind ist eng verknüpft mit ihrer eigenen Herkunftsgeschichte (vgl. Brisch, Hellbrügge, 2008, S. 13).

1.1 Was ist Bindung?

Ohne eine verlässliche Bindung zu Mitmenschen ist das Leben sehr schwer zu bewältigen. Dies zeigen uns die Lebensläufe hospitalisierter oder unter emotionaler Verwahrlosung aufgewachsener Menschen. Bindung findet das ganze Leben statt und begleitet einen Menschen bis ins hohe Alter. Heute wird im pädagogischen Bereich noch zu wenig Rücksicht auf die Ergebnisse der Bindungsforschung sowie Befindlichkeit und seelische Gesundheit besonders der Kinder unter 3 Jahren genommen. Schlagwörter wie individuelle Eingewöhnung, Individualität, Erziehungs- und Bildungspartnerschaft usw. sind in allem Munde, aber wie sieht es in der Praxis aus?

Definition: Bindung

Laut Ainstwort& Bell kann Bindung definiert werden als das gefühlsmäßige Band, das eine Person oder Tier zwischen sich selbst und einem bestimmten anderen knüpft - ein Band, das sie räumlich verbindet und das zeitlich andauert. Bindung ist ein Verhalten, das darauf ausgerichtet ist, einen bestimmten Grad an Nähe zu dem Objekt der Bindung herzustellen und aufrecht zu erhalten (vgl. Grossmann/Grossmann, 2009, S. 243).

Bindung ist nach Bowlby „ein psychologisches Konstrukt, das Emotionen, Motivationen und Verhalten des Kindes je nach den Erfordernissen der Situation strukturiert. In sicheren Situationen wird kein Bindungsverhalten aktiviert. Das Kind wagt sich dann in den Raum und erkundet Gegenstände und Personen (Aktivierung des Erkundungssystems) - oft allerdings mit Rückversicherungsblicken. In unvertrauten Situationen oder wenn sich das Kind unwohl fühlt, wird dagegen das Bindungsverhalten aktiviert, z.B. Suchen der Bindungsperson, Hinkrabbeln, Festklammern, Anschmiegen, Schreien und Weinen oder Anlächeln. Bindung wird aus der Gesamtheit von Verhaltensweisen in einer Situation erschlossen, die dazu dienen, die Nähe zur Bindungsperson herzustellen und ihren Schutz zu erhalten“ (Oerter, Montada, 2002, S. 197).

1.2 Bindungstheorie nach John Bowlby

Die Grundlagen der Bindungstheorie wurden in der Mitte des letzten Jahrhunderts durch die Arbeiten des britischen Kinderpsychiaters und Psychoanalytikers John Bowlby (1907-1990), Vater der Bindungstheorie, und der amerikanischen Entwicklungspsychologin Mary Ainsworth (1913-1999) gelegt (vgl. Viernickel, Völkel, 2009, S.1). Ursache für die Auseinandersetzung mit dem Thema “Bindung“ dürfte eine tiefe, eigene Betroffenheit gewesen sein, die John Bowlby dazu bewegte, sich mit dem Leid der Kinder auseinander zu setzen, die früh von ihren Müttern getrennt wurden. Bereits 1940 beschrieb er die negativen Folgen längerer Trennungen von Mutter und Kleinkind. Bowlbys Forschung hat entscheidend dazu beigetragen, dass Trennungen von Mutter und Kind, sei es kurzfristig im Rahmen von Krankenhausaufenthalten, langfristig bei Heimunterbringung oder Adoptionsverfahren, sehr viel mehr bezüglich der seelischen Auswirkungen hinterfragt wurden. Auch heute ist noch viel Aufklärung bei Eltern und betreuenden Institutionen nötig, damit sie Sensibilität für die Bedürfnisse und seelische Vulnerabilität von Kindern im frühen Lebensalter entwickeln. Nach Bowlbyhat der Säugling die angeborene Neigung, die Nähe zu einer vertrauten Person zu suchen. Fühlt er sich müde, krank, unsicher oder allein, so werden Bindungsverhaltungsmuster wie Schreien, Lächeln, Anklammern und Nachfolgen aktiviert, welche die Nähe zur vertrauten Person wiederherstellen sollen (vgl. Bowlby, 2005, S. 7). Die Wurzeln der Bindungstheorie liegen in den Forschungsergebnissen Charles Darwins, der den Menschen in seiner biologischen Verwandtschaft zum Primaten sah. Vor allem Primatenkinder wie Neugeborene sind genetisch vorprogrammiert, enge bindungsartigeBeziehungen zu erwachsenen älteren Menschen einzugehen, die stärker und weiser sind als sie und die sie ständig versorgen (vgl. Grossmann/Grossmann, 2009, S. 7).

1.3 Rudolf Steiner zum Thema „Bindung“:

Rudolf Steiner, Begründer der Anthroposophie und Waldorf-Pädagogik, sagt zum Thema „Bindung“, das Kind benötige für sein eigenes Handeln Sicherheit, die ihm von Außen zukomme. Die bürgerlich-materiale Sicherheit sei hier nicht gedacht, sondern Erziehungspartner, die verlässlich und zuversichtlich die Zukunft entgegensehen. Die kindliche Grundstimmung des Kindes ist: „Die Welt ist gut“. Das Kind benötigt die Bestätigung der Erfahrung, dass die Welt gut ist oder genauer: dass die Welt der Ort ist, in der der Mensch das Gute neu verwirklichen kann. Verantwortung und Verbindlichkeit können erst in diesem Alter angelegt werden, wenn gleichzeitig Zuwendung und Liebe gegeben sind. Das Kind lebt in der Nachahmung des Vorbilds. Dies bedeutet, wie der Dichter Novalis formulierte: „Das Menschsein lernt der Mensch nur am Menschen“. Für den Erwerb der menschlichen Basisfähigkeiten braucht das Kind die zwischenmenschliche Beziehung (Vgl. Saßmannshausen, 2008, S.33-46).

1.4Welche Bedeutung hat Bindung für einen Menschen?

Eine Mutter-Kind-Bindung ist ein evolutionsbiologisches System, das dem Überleben des Kindes dient (vgl. Viernickel, Völkel, 2009, S. 29). Das Kind ist in der Vorphase noch nicht an eine spezifische Person gebunden. Die eigentliche Bindung wird mit dem motorischen Entwicklungsschritt der Lokomotion (ab etwa 7 bis 8 Monaten) und dem kognitiven Entwicklungsschritt der Objekt- und Personenpermanenz eingeleitet. Ab jetzt kann das Kind eine spezifische Person (Vater, Mutter) bei deren Abwesenheit vermissen, andererseits kann es aktiv Nähe und Entfernung regulieren. Den Höhepunkt erlangt das Kind zwischen 12 und 18 Monaten, vor Beginn des eigentlichen Sprechens. Das Kind kann zu Vater und Mutter Bindungen in unterschiedlicher Qualität aufbauen. Der Bindungstyp ist keine Persönlichkeitseigenschaft des Kindes, sondern das Charakteristikum einer spezifisch personenbezogenen Bindung des Kindes (vgl. Oerter, Montana, 2002, S.197-201).

1.5Welche verschiedenen Bindungsarten gibt es?

Der Mensch hat von Geburt an das biologische Bedürfnis nach Bindung. Dies zeigt der Säugling durch sein Verhalten, z.B. durch Weinen oder Klammern. Bindung kann Sicherheit vermitteln oder Unsicherheit hervorrufen. Es beeinflusst das gesamte Leben, z.B. Gesundheit, Paarbeziehung oder Stressresistenz. Die Reaktionen der Eltern auf das Kind sind wichtig. Eine angemessene Reaktion führt zu sicherer Bindung, z.B. durch feinfühliges bemuttern, falsche Reaktionen fuhren zu unsicherer Bindung, z.B. durch emotionale Vernachlässigung. Kein anderes Lebewesen ist so lange Kind, kein Tierjunges braucht so lange die Unterstützung der Eltern wie das Menschenkind. Sicher an ihre Eltern gebundene Kinder sind bereit zu lernen, den Dingen auf den Grund zu gehen, dabei etwas zu riskieren. Wer vertrauen darf, kann Vertrauen schenken und traut sich selbst etwas zu. Wie Eltern uns zureden, gütig, verständnisvoll, auf den sanften Zwang des besseren Arguments bauend oder aber uns herrisch in die Pflicht nehmen - so lernen wir auch mit uns selber umzugehen.

1.6 Bindungsqualitäten

Die Bindungsbeziehungen von Kindern zu ihren Eltern sind nicht alle gleich. Mary Ainsworth hat durch eine Vielzahl von Untersuchungen gezeigt, dass sich Bindungen zwischen Kindern und ihren vertrauten Personen qualitativ unterscheiden können. Sie entwickelte ein Testverfahren, das „Fremde Situation“, im engl. „strangesituation“ genannt wird. Der Test ermöglicht die Feststellung der Bindungsqualität bei Kindern im Alter von 12 bis 18 Monaten. Die Testsituation besteht aus acht dreiminütigen Episoden. Innerhalb dieser Zeit wird das Kind mit einer fremden Person in einem fremden Raum konfrontiert. Das Kind wird dabei beobachtet, wie es mit Trennungen der Mutter umgeht, wenn sie den Raum verlässt (vgl. Viernickel, Völkel, 2009, S.17-18).

Es wurden vier unterschiedliche Bindungsqualitäten identifiziert:

Die unsicher-vermeidende Bindung (A): Unsicher-vermeidend gebundene Kinder wirken selbständig und stabil. Gegenüber Fremden verhält sich das Kind oft distanzlos und agiert manchmal vertraulicher mit ihnen als mit der Mutter. Das Kind erfuhr häufig Zurückweisung und Ignoranz durch Bezugsgruppen oder Eltern. Der Ausweg aus einer belastenden Situation geschieht durch Beziehungsvermeidung. Die Kinder haben Stress, zeigen diesen aber nicht.

Die sichere Bindung (B): Das Kind mit einer sicheren Bindung zeigt seine emotionale Belastung. Das Kind kann sich auf seine Eltern verlassen und erlebt sich als tüchtig, hat Vertrauen in die Welt. Die Auswirkungen im Erwachsenenalter sind eine stabile Partnerschaft, sie haben einen verlässlichen Freundeskreis und zeigen eine hohe Stressresistenz.

Die unsicher-ambivalente Bindung (C): Unsicher-ambivalent gebundene Kinder reagieren überängstlich. Trennungen belasten das Kind stark, weil es nicht weiß, wie die Eltern reagieren. Es entsteht durch Überbehütung oder Überforderung. Das Kind erlebt ständig den Wechsel zwischen feinfühligem und abweisendem Verhalten. Das Kind ist unsicher und ständig aktiv, da es immer auf die Bindungsperson achten muss, um sie einschätzen zu können. Bei Belastung reagiert es mit Verzweiflung.

Die unsicher-desorganisierte bzw. desorientierte Bindung (D): Kinder mit einer desorientierten Bindung zeigen ein bizarres Verhalten, z.B. abrupte Stimmungswechsel. Das Kind hat bei der Trennung kein funktionierendes Handlungsmuster. Die Mütter/ Väter dieser Kinder sind oft stark traumatisiert. Es kann aber auch sein, dass das Kind selber traumatisiert ist und aus diesem Grund kein anderes Bindungsverhalten zeigen kann (vgl. Viernickel, Völkel, 2009, S.21-22).

1.7Was bedeutet Feinfühligkeit für die Entwicklung eines Kindes?

Ein Zitat von Goethe bringt die zentralen Grundlagen der Bindungstheorie auf den Punkt. „Zwei Dinge sollten Kinder von ihren Eltern bekommen: Wurzeln und Flügel.“ Viele Eltern befürchten heute noch, sie könnten ihr Kind im ersten Lebensjahr „vollkommen verwöhnen“. In ihrer Phantasie sehen sie ein Kind, dem sie jeden Wunsch erfüllen müssten. Feinfühligkeit unterscheidet sich von Verwöhnung und Überbehütung dadurch, dass feinfühlige Eltern ihr Kind in seiner zunehmenden Selbständigkeit und seiner wachsenden Kommunikationsfähigkeit fördern.

Definition: Feinfühligkeit

„Unter ‚Feinfühligkeit’ versteht man die Fähigkeit, kindliche Signale wahrzunehmen, richtig zu interpretieren sowie angemessen und prompt auf sie reagieren zu können“ (Lengning, Lüpschen, 2012, S. 24).

„Grundvoraussetzungen für einen feinfühligen Umgang mit Kindern sind zum einen das Wahrnehmen ihrer verbalen und nonverbalen Signale, zum anderen das angemessene Reagieren der pädagogische Fachkraft auf diese Signale“ (Remsperger, 2013, S.5).

1.8 Entwicklung der Feinfühligkeit

Mary Ainsworth (1913-1999) untersuchte mit Hilfe der „Fremde Situation“-Experimente die Bindungsqualität zwischen Kindern im Kleinkindalter und ihren Müttern. Sie führte diese Experimente weltweit durch, um kulturunabhängige und allgemeingültige Aussagen zum Bindungsverhalten von Kindern machen zu können.

Ainsworth hat eine gute elterliche Feinfühligkeit in der Interaktion mit dem Kind durch vier Merkmale definiert:

1. Die Eltern nehmen die Signale der Kinder wahr. Sie haben es aufmerksam im Blick und bemerken schnell, dass das Kind ihnen gerade etwas Wichtiges mitteilt.
2. Die Eltern interpretieren die Äußerungen des Kindes richtig. Dies gelingt gerade dann am besten, wenn sie sich in die Lage des Kindes versetzen können und nicht ihre eigenen Bedürfnisse als Verständnisgrundlage heranziehen. So bemerkt das Kind, dass es Einfluss auf seine Umwelt hat.
3. Die Eltern reagieren prompt, d.h. umgehend und ohne Verzögerungen.
4. Die Eltern regieren angemessen auf die Äußerungen des Kindes, d.h. sie dosieren ihre Interventionen entsprechend den realen Bedürfnissen des Kindes.

Feinfühlige Eltern haben in ihrer Kindheit meist selber eine sichere Bindungsbeziehung erfahren. Gelingt es, dass die Eltern aus Sicht des Kindes handeln, so entwickelt das Kind ein Ur-Vertrauen in seine soziale Umwelt. Eine unsichere Bindung entwickelt sich, wenn die Eltern nicht feinfühlig auf die Bedürfnisse ihres Kindes reagieren (vgl. Viernickel, Völkel, 2009, S.23). Bereits mit 10 Monaten weinen die Säuglinge feinfühliger Mütter nur dann, wenn sie die Mutter brauchen - ohne ansteigenden Cortisolspiegel und sind umgehend wieder beruhigt, wenn die Mutter reagiert. Die Kinder wissen vorher schon, dass ihr Weinsignal erfolgreich sein wird. Säuglinge weniger feinfühliger Mütter dagegen weinen häufiger und mit ansteigendem Cortisolspiegel, weil sie nicht sicher sind, ob ihre Bindungsperson umgehend kommt. Sie können mit keiner verlässlichen und wirkungsvollen Zuwendung rechnen und zeigen deshalb eher psychologische Stressreaktionen (vgl. Grossmann, Grossmann, 2009, S.5).

Viele Eltern sind überzeugt, ihr Kind müsse so früh wie möglich lernen, Frustrationen auszuhalten. Das Mütterbuch von Johanna Haarer (1934), Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind“ wurde jeder Mutter nach der Geburt während der NS-Zeit und auch noch nach dem Ende des Faschismus (letzte Auflage 1987) als Geschenk überreicht. Erziehungsratschläge, z.B. das Kind einfach nachts schreien zu lassen, wenn es aufwacht, weil es die Lungen kräftige, geistern immer noch in den Köpfen der jungen Eltern herum und werden heute noch von Generation zu Generation weiter vermittelt (vgl. Brisch, 2009, S.46-47).

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Details

Seiten
21
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668273368
ISBN (Buch)
9783668273375
Dateigröße
574 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v337907
Institution / Hochschule
Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter – Bildungswissenschaften
Note
1
Schlagworte
Kleinkindpädagogik Bindung Entwicklungspsychologie Spielentwicklung

Autor

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Titel: Kleinkindpädagogik im Kindergarten. Bindung, Fremdeln, Sprach- und Spielentwicklung bis zum zweiten Lebensjahr