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Non-Formal Education. Wie man im Team besser lernt

Referat (Ausarbeitung) 2015 14 Seiten

Pädagogik - Pädagogische Psychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

2 Einleitung

3 Non-Formal Education - Der Versuch einer Definition
3.1 Thematiken

4 Kommunikation in der NFE
4.1 Mediale Unterstützung
4.2 Interkulturelle Kommunikation
4.3 Resonanz

5 Risiken und Nebenwirkungen
5.1 Mögliche Verluste im Teamprozess
5.2 Unklarer Ausgang

6 Fazit

7 Literaturverzeichnis

2 Einleitung

Als Ernst Ferstl den Ausspruch „Auch Umwege erweitern unseren Horizont“ aussprach, so könnte fast geglaubt werden, er habe damit den Wahlspruch der Non-Formal Education (NFE) kreieren wollen. Denn wenn eine Gruppe von Menschen zusammenkommt (Arbeitsgruppe), um ein funktional-differenziertes Team zu bilden und gemeinsam ein gesellschaftlich relevantes Thema zu bearbeiten, ist der Ausgang stets unvorhersehbar, der Weg dorthin allerdings eine Bereicherung für jedes Individuum. So muss ein Weg gefunden werden, der über das erratische Lernen und Denken hinausgeht, und gleichzeitig den nötigen roten Faden aufweist, welcher für brauchbare Ergebnisse in der Bildung unerlässlich ist. Die Herausforderung wird von mehreren Bildungsstätten angenommen und über das Konzept der Non-Formal Education umgesetzt.

Im Rahmen meiner Anstellung im Europahaus Bad Marienberg möchte ich meine Erfahrungen in diesem Bereich nutzen, um die Methodik und Philosophie der NFE mit den Methoden der Psychologie darzustellen. Dabei soll sich der Fokus vor allem auf die Gruppenprozesse richten, da diese Arbeit im Kontext des Seminars „Teamentwicklung“ in Modul 2 Sozialpsychologie geschrieben wird. Zunächst werden die wichtigsten Elemente der Non-Formal Education aufgezeigt und der Versuch einer Begriffsbestimmung unternommen. Darauf basierend werden mögliche geeignete Themen vorgestellt. Da in Gruppen Kommunikation die einzige Möglichkeit der Zusammenarbeit darstellt, soll diese Arbeit die kommunikativen Eigenheiten der Teamarbeit in der NFE-Jugendarbeit aufzeigen. Abschließend sollen vor einem summierenden Fazit noch Risiken bzw. Schwächen vorgestellt werden. Dabei werde ich versuchen diese mit dem Basiswissen der Sozialpsychologie zu bearbeiten und Möglichkeiten der Minimierung oder annähernde Annihilation dieser aufzeigen.

Das Europahaus Marienberg (EHM) ist eine moderne europäische Bildungsstätte im nördlichen Rheinland-Pfalz. Das EHM wurde 1951 als erstes Europahaus gegründet und ist damit „Stammhaus“ von weit über 100 vergleichbaren Einrichtungen in über 30 europäischen Ländern. Die umfassende und moderne Infrastruktur des Seminarzentrums steht für die methodenreiche Umsetzung der verschiedensten Bildungsprojekte zur Verfügung. Dabei wird die Jugendbildung unter dem Stichwort „think europe“ durchgeführt und arbeitet mit bi-, tri und multinationale Jugendbegegnungen zu europäischen Schwerpunktthemen. Die Projekte werden zumeist über einen Zeitraum von circa 8 Tagen mit Übernachtung im hausinternen Gästehaus durchgeführt. Das Ziel ist die Förderung eines gemeinsamen Europas und der Herausbildung von partizipativen und politisch gebildeten europäischen Bürgern.

Das Europahaus arbeitet vor allem inter- beziehungsweise transdisziplinär und reagiert damit auf entsprechende Veränderungen in der Gesellschaft (Preger, 2008). Die Bildungsprojekte (im Besonderen die multinationalen) bieten eine einmalige Möglichkeit zum Lernen und Lehren bei großer Heterogenität der Kursteilnehmer, andauernder sozialer wie auch thematischer Integration und größtmöglicher Egalisierung der Kursinvolvierten.

3 Non-Formal Education - Der Versuch einer Definition

Um später auf detaillierte Aspekte der NFE eingehen zu können, muss zunächst Prinzip, Gedankenmodell und Schwerpunkt dieser klargestellt werden. Da diese Form der Bildung nur sehr langsam in die etablierten Muster und Institutionen eingeflochten worden ist, bleibt die Auswahl an einschlägigen Monographien bis heute eher spärlich und selbst eine einheitliche Definition konnte sich noch nicht herauskristallisieren. Dennoch versuche ich im Folgenden mein Verständnis der NFE darzulegen und damit auch eine klare Begriffsbestimmung anzustreben.

Zunächst lässt sich festhalten, dass NFE zumeist negativ definiert wird, indem sie abgegrenzt wird von der Formalen beziehungsweise Informalen Bildung. Dabei soll die NFE den Median zwischen diesen beiden Extrempolen darstellen. Formal learning ist generell die typischerweise von Schulen, Universitäten und stark in das Gesellschaftsleben eingebunden Institutionen angebotene Form der Wissensvermittlung. Die Inhalte, die Zeitpläne und die Unterstützungsleistungen sind vorab klar strukturiert und zumeist wird das Lernen bei Erfolg mit einem Zertifikat o.ä. belohnt. Auf der anderen Seite wird informal learning im alltäglichen Leben realisiert und resultiert zumeist aus Aktivitäten in Familie, der Arbeit oder der Freizeit. Das Lernen läuft vollkommen unstrukturiert ab und führt normalerweise nicht zu einer schriftlichen Leistungszertifizierung. Der Lerner lernt dabei zumeist die Inhalte ohne sich dessen vollständig bewusst zu sein (s. a. Smith, 2001).

Um einen Schritt über diese dimensionale Beschreibung (Informales Lernen - NFE - Formales Lernen) hinaus zu wagen und die Besonderheiten des Lernprozesses der NFE herauszustellen, sind positive Zuschreibung und theoriegeleitete Definitionsansätze nötig (s. dazu Edelmann, 2000). Um zunächst rein etymologisch vorzugehen lässt sich aufzeigen, dass der Begriff der Non-Formal Education nicht ohne Grund von vielen Autoren und Lehrenden in seiner ursprünglichen, englischen Fassung übernommen wird. So kommt die Idee der Edukation (s. lat. educere) als Herauslösung/ Herausführung von etwas im Individuum bereits Angelegtem der Grundidee der NFE sehr nahe. Man geht davon aus, dass die Teilnehmer bereits das nötige Potential mitbringen und nur noch über verschiedene Methoden auf diese inhärenten Ressourcen fokussiert werden müssen. Damit wird die starke Verbindung zwischen NFE und dem globalen Kontext des lebenslangen Lernens klar. Denn jeder kann für sich individuell seinen Output kreieren (s. dazu auch Divergentes Denken in Brander, Kompa und Peltzer (1989)) ohne von äußeren Strukturen auf ein bestimmtes Ergebnis festgelegt zu werden. Damit sind die meisten Projekte offen für fast alle Altersbereiche. Einzige Einschränkung bezieht sich darauf bis zu welchem Grad sich die Teilnehmer auf die völlig neuen Methodiken einlassen können (vgl. Pimmer & Guilford, 1995).

Der Unterschied zur Formalen Bildung besteht strukturell darin, dass in der Formal Education allen der gleiche Inhalt offeriert wird und auch der gleiche Output erwartet wird. Bei der NFE soll aus dem gleichen Input vollkommen individueller Output generiert werden. So entstehen aus ein und derselben Aufgabe häufig vollkommen unterschiedliche Lösungsansätze und Ideen. Die Flexibilität von Inhalten und Methoden müssen darauf individuell reagieren können und lernerzentriert für Möglichkeiten der Bedingungen der Umsetzung sorgen (Smith, 2001). NFE wird häufig auf der Grundlage einer lose organisierten voluntaristischen Gruppe mit flacher Hierarchie durchgeführt. Damit sind für diese Form der Bildung keine Institutionen wie Schulen und Universitäten nötig, was auch die Möglichkeit des Einsatzes in wirtschaftlich und infrastrukturell schwachen Regionen der Welt mit sich bringt (vgl. Thompson, 1981).

Die Non-formalen Lernmethoden beziehungsweise digitalen Lernformen im Europahaus werden mit starkem Fokus auf die partizipative Aktivierung der Teilnehmer/innen ausgewählt. Das methodische Repertoire muss der Zielgruppe entsprechen und eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema ermöglichen. Im Einzelnen werden schwerpunktmäßig folgende Methoden eingesetzt: Informationsfilm(e), fachliche Präsentationen, Bilder und Grafiken, Diskussionsrunden und Debriefingeinheiten, Lehrgespräche mit Experten, Evaluationen, digitale Präsentationen und Medien, Kleingruppenarbeit, Fachrecherche, Quiz, Exkursion, Museumsbesuch (siehe auch Kapitel 4.1).

Das Kohärenzgefühl (s. Antonovsky, 1997) der Teilnehmer soll über das partizipative Mitgestalten der Kurse gesteigert werden. Durch die neuen Reize und das Wiederfinden des eigenen Selbst in einem größeren Gruppenkontext wird die Sinnhaftigkeit gesteigert. Die Seminarinhalte sollen die Umwelt der Teilnehmer verstehbarer erscheinen lassen und letztlich wird die Welt durch neue Informationen und Kompetenzen auch deutlich handhabbarerer. Zumal über das frisch generalisierte europäische Netzwerk neue soziale

Widerstandsressourcen gewonnen werden können. Dies alles kann allerdings nur gelingen, wenn alle Lerninhalte und Strukturen der Teamarbeit auf der Basis eines „buttom up“ Entscheidungsmechanismus entstehen (Fordham et al, 1979)

3.1 Thematiken

Die Thematiken sollten natürlich so gewählt werden, dass die Vorteile der NFE möglichst gut zum Tragen kommen. Häufig sind dies gesellschaftlich relevante Themengebiete wie Politik, Wirtschaft oder Ethik. Dabei wird zwar kaum neues kristallines Wissen aufgebaut und es wird auch nicht dem Kompetenzwahn der modernen Pädagogik nachgegeben (Krautz, 2009), jedoch sollen Werte aufgebaut werden, Alltagskompetenzen gestärkt und fluides Wissen generiert werden. Respekt, Toleranz und kulturelle Vielfalt sollen in einer heterogenen Gruppe Jugendlicher erfahrbar werden.

Schon Scribner und Cole (1973) zeigten die Schwächen der Formal Education auf und konstatierten eine Diskontinuität zwischen Schulinhalten und der alltäglichen Lebenswelt der Lerner. Dabei zeigen sie am Beispiel des Fremdsprachenerwerbs die Überlegenheit von Informaler Bildung gegenüber Formaler Bildung auf. Ihre Forderung einer Neustrukturierung des gesamten Bildungssystems stützt sich dabei auf sozialpsychologische und anthropologische Überlegungen. NFE will an diesen Realitätsbezug erneut anknüpfen und nicht nur abstrakte und zumeist akademische Kompetenzen, sondern auch soziale Werte und Alltagspraxis ausbilden. Häufig eingesetzt wird NFE für Grundlagenbildung, das Erlernen von Lesen und Schreiben, in Vorschulkursen, im Erlernen von politischen beziehungsweise wirtschaftlichen Zusammenhängen, in der Gesundheitsbildung und für die Bearbeitung von aktuellen ethischen Fragen der Gesellschaft. Die letzten Themen, welche ich als Teamer bearbeitet habe sind: 70 Jahre Kriegsende - Die EU als Garant für Frieden?, Überwachung im 21. Jahrhundert und Storytelling - Wir schreiben unsere Geschichte Europas.

Die Themen sind also zumeist sehr kontrovers und erfordern von den Teilnehmern ein Höchstmaß an Engagement, welches den Seminaren aber zumeist ohne weiteres zuteilwird. Da einem NFE-Seminar häufig nur eine begrenzte Zeitdauer zur Verfügung steht, wird das Programm häufig sehr dicht. Über die genaue Struktur des Zeitplans entscheiden allerdings die Teilnehmer selbst und genauso entscheiden sie selbst, wann die Lerneinheit des Tages abgeschlossen werden soll, was häufig zu einem Arbeitsmarathon bis in späte Nachtstunden führt.

4 Kommunikation in der NFE

Da ein Seminar basierend auf der NFE immer einen Gruppenprozess darstellt, in welchem einzelne Teams ausgebildet werden (die wiederum über die Synopse ihrer kulturspezifischen und individuellen Erfahrungen neue Inhalte schaffen) wird das Plenum mit immer wieder neuen Inhalten bereichert. Dies führt zu einem selbstreferentiellen Prozess in dem zirkulär die Zusammenarbeit ohne die Notwendigkeit weiterer exklusiver Systeme funktionieren kann (s. Autopoiesis in Willke (2000)). Dafür sind die gängigen Sprechakte der verbalen Kommunikation, die alle über die erlernte englische Sprache erfolgen, möglichst nach denen von Rosenstiel (2000) vorgeschlagenen Prinzipien zu gestalten. Diese setzen sich aus folgenden Bewertungsaspekten einer Nachricht zusammen:

- Einfachheit
- Kürze
- Gegliedertheit
- zusätzliche Anregungen
- Zusammenfassungen
- Bitten um Rückmeldungen

Allerdings spielt auch die non- und paraverbale Kommunikation im Seminar eine herausragende Rolle. So lässt sich das Gesprochene über Gestik, Mimik und Körperhaltung soweit unterstreichen, dass die Sprechinhalte durch die non-verbale Kommunikation optimal unterstützt werden und somit von den Jugendlichen besser verstanden werden. Dies ist vor allem notwendig, wenn Teilnehmer der Vermittlungssprache (Englisch) in keinem adäquaten Maß mächtig sind (s. Börner, 2006). Um allerdings auch Emotionen und Motivationen der Teilnehmer zum Beispiel im Prozess des Debriefings richtig einschätzen zu können, muss auch auf die paraverbalen Aspekte der Kommunikation (Stimmfarbe, Intonation, Kadenzen) geachtet werden. Bei der Reflexion der einzelnen Übungen werden immer wieder Konzepte der Metakommunikation aufgegriffen, um die Empathie und das Verständnis für die vorangegangenen sozialen Prozesse zu stärken. Ein Beispiel hierfür ist die Kommunikation der Denkhüte nach De Bono (1989).

4.1 Mediale Unterstützung

Das Europahaus reagiert auf die Wichtigkeit der digital gestützten Kommunikation (Rosenstiel, 2000) mit einer starken medialen Unterstützung aller Seminarinhalte. Dafür stehen Laptops, Tablets, Kameras, Aufnahmegeräte und Beamer zur Verfügung.

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Details

Seiten
14
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668275881
ISBN (Buch)
9783668275898
Dateigröße
765 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v337862
Institution / Hochschule
Universität Koblenz-Landau – Psychologie
Note
Schlagworte
Non-Formal Education Gruppenprozess Lernprozess Teamentwicklung Sozialpsychologie

Autor

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