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Welchen Einfluss hat das geschlechtsspezfische Kommunikationsverhalten von Mann und Frau auf die Kommunikation im Internet?

Facharbeit (Schule) 2016 17 Seiten

Medien / Kommunikation - Fachkommunikation, Sprache

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das geschlechtsspezifische Kommunikationsverhalten von Mann und Frau
2.1. Geschlechtsspezifische Merkmale in der Männersprache
2.2. Geschlechtsspezifische Merkmale in der Frauensprache
2.3. Hypothesen zum weiblichen Sprachverhalten

3. Die Kommunikation von Mann und Frau im Netz
3.1. Das aktuelle Nutzungsverhalten in Deutschland und Erläuterungen zur Chatkommunikation
3.2. Die Männersprache im Netz
3.3. Die Frauensprache im Netz

4. Einfluss der geschlechtsspezifischen Kommunikation auf die Kommunikation im Netz

5. Fazit

6. Quellenverzeichnis

Anhang

1. Einleitung

Fallbeispiel einer Kommunikation im Internet:

Sie (10:30 Uhr): „Hallo Stefan, das vergangene Wochenende mit dir war sehr schön und ein tolles Erlebnis für mich. Hat‘s dir auch so gut gefallen? *kuss*“

Er (11:08 Uhr): „Ja, war gut.“

Sie (11:09 Uhr): „Ich freue mich schon auf den morgigen Abend, an dem wir gemeinsam etwas leckeres Kochen können. Danach machen wir‘s uns bei Kerzenschein gemütlich. J“

Er (11:51 Uhr): „Gute Idee, bin dabei.“

Sie (11:53 Uhr): „Ich bin jetzt ein wenig verwirrt… und weiß gar nicht, wie du das meinst... Hat das Wochenende dir denn gar nicht gefallen? Wollen wir uns morgen besser nicht treffen?“

Er (12.26 Uhr): „Doch, wie kommst‘e darauf?“

Einen derartigen beispielhaften Gesprächsablauf zwischen Mann und Frau findet man heutzutage häufig in der Internetkommunikation.Man fragt sich, was eigentlich zwischen den Beteiligten passiert ist.

Hat wirklich beiden das Wochenende gefallen? Sprechen Mann und Frau unterschiedliche Sprachen? Warum schreibt die Frau so ausführlich und mit vielen Adjektiven? Warum antwortet der Mann so kurz und direkt? Gibt es auch Situationen, in denen die Männer kommunikativer sind? Oder ist der Gesprächsverlauf eine Folge der Internetkommunikation? Wäre das Gespräch im Rahmen einer Face-to-Face-Kommunikation anders verlaufen?

Das Internet ist für die Wissenschaft natürlich ein sehr junges Thema, denn erstseit 20 Jahren bindetdas Internet das Interesse von Forschern und Soziologen. Demnach existieren erst wenige Veröffentlichungen oder Forschungsergebnisse, die die Integration des Internets in seine gesellschaftliche Umwelt analysieren. Auch der Zusammenhang zwischen geschlechtsspezifischer verbaler Kommunikation und der Netzkommunikationist noch unerforscht,[1] obwohl schon der Großteil der deutschen Bevölkerung auch im Netz kommuniziert (in 2015: Männer 82,2%, Frauen 73,1%)[2].

Da auch in meiner Umgebung die Menschen immer mehr im Internet kommunizieren, habe ich mich entschieden, in dieser Facharbeit den Einfluss der geschlechtsspezifischen Kommunikation auf die Kommunikation im Netz zu analysieren. Erst mit diesen Kenntnissen kann man auch das Verhaltender unterschiedlichen Geschlechter im Internet einordnen, bewerten und auch die Besonderheiten der Internetkommunikation verstehen.

Dazu werde ich im zweiten Kapitel die geschlechtsspezifischen Kommunikationsmerkmale von Mann und Frau gegenüberstellen. Ausgehend von diesen Ergebnissen wird im dritten Kapitel die Analyse der geschlechtsspezifischen Kommunikation im Internet im Vordergrund stehen, um dann zu prüfen, inwieweit die Internetkommunikation durch die geschlechtsspezifische Face-to-Face-Kommunikation beeinflusst wird. Diese Auswirkungen werden im vierten Kapitel zusammengefasst. Abgerundet wird die vorliegende Facharbeit danndurch ein abschließendes Fazit.

2. Das geschlechtsspezifische Kommunikationsverhalten von Mann und Frau

Viele Wissenschaftler wie beispielsweise der Kommunikationspsychologe Dr. Friedemann Schulz von Thun[3] oder Deborah Tannen[4] haben sich in der Vergangenheit mit der geschlechtsspezifischen Kommunikation beschäftigt. Einigkeit besteht darin, dass die Kommunikationsstile von Mann und Frau unterschiedlich sind; bezüglich der Ursachen dazu gibt es verschiedene kontrovers diskutierte Theorien. In den folgenden Kapiteln 2.1. bis 2.3. werde ich nun diese Kommunikationsstile sowie die verschiedenen wissenschaftlichen Theorien in Kurzform darstellen. Diese Informationen bilden dann die Grundlage für die Analyse der Internetkommunikation.

2.1. Geschlechtsspezifische Merkmale in der Männersprache

Der Kommunikationsstil des Mannes basiert eher auf der Sachebene, bei der die Vermittlung von Informationen, Zahlen und Resultaten im Vordergrund steht. Der Kommunikationszweck der Männer ist darauf ausgerichtet, den eigenen Status festzulegen (Asymmetrie). [5] Männern ist es wichtig, durch ihre Kommunikation Unabhängigkeit zum Ausdruck zu bringen. Sie denken häufiger in Gewinner-Verlierer-Kategorien und wollen sich durch ihre Ausdrucksweise profilieren. Dabei bringen sie Ihr Anliegen auf den Punkt, was souverän und selbstsicherer wirkt. Das Gesprächsklima und Kooperation stehen dabei nicht im Vordergrund.[6]

Diese Basis beeinflusst die verbalen Ausführungen des Mannes. Sie sind geprägt von analytischen, status- und sachorientierten Aussagen, mit dem Ziel einer klaren Kommunikation. Männer verwenden häufig „Man-„ oder „Wir“-Formulierungen, um einen sachlichen sowie objektiven Eindruck zu vermitteln, um lange und ungestört zu reden. Es werden statusmanifestierende sprachliche Mittel bevorzugt (z.B.„Wir Ärzte“).[7]

Eine weitere Eigenschaft des männlichen Kommunikationsstiles ist die Objektivität und Generalität; sie reden unpersönlich, distanziert und oft auch allgemeingültig. Dadurch machen sie sich weniger verantwortlich für ihre Aussagen. Des Weiteren argumentieren sie häufig auch mit selbstaufwertenden Aussagen wie z.B. Selbstlob, Schuldzuweisungen und Witze auf Kosten anderer.[8]

Da der männliche Kommunikationsstil statusorientiert ist, fällt es den Männern grundsätzlich schwer, Fragen zu stellen, denn damit begeben sie sich in eine schwächere und untergeordnete Rolle als gewünscht.[9]

Auffällig ist auch, dass das Sprachverhalten eines Mannes abhängig von der jeweiligen Situation ist. In öffentlichen Situationen, bei denen einen sachbezogene Kommunikation im Vordergrund steht, fühlen sich die Männer wohler, da sie hier auch die Möglichkeit haben, sich zu positionieren und ihre sachbezogene Sprache zu nutzen. Das Zuhause, die private Situation also, ist für die Männer ein Ort der Entspannung, an dem es nicht unbedingt notwendig ist, zu reden und kein Druck besteht, sich ständig zu beweisen. Hier ist der Redeanteil entsprechend kleiner.[10]

2.2. Geschlechtsspezifische Merkmale in der Frauensprache

Die Kommunikation der Frauen basiert auf einer möglichst harmonischen Beziehungsebene [11] mit dem Streben nach Harmonie, emotionaler Nähe und der Akzeptanz des Gesprächspartners (=Gleichberechtigung). Frauen möchten eine Symmetrie erreichen, die vermittelt „Wir sind gleich, wir sind uns nahe“.[12] Ruth Ayaß beschreibt diesen Stil als „unterstützend, emotional, persönlich, kooperativ und egalitär“[13]. Deborah Tannen definiert diesen Stil als „Bindungssprache“.[14]

Diese Basis beeinflusst somit auch die Art der Ausführungen. Frauen besitzen und nutzen einen größeren Wortschatz, um ihre Gefühle und Stimmungen zu beschreiben. Sie drücken gerne ihre Gefühle aus, indem sie Übertreibungen, Formen der Verniedlichungen (z.B. „das ist ja süß“) und Intimitäten nutzen. Vermieden werden hingegen Kraftausdrücke, Flüche und Zweideutigkeiten.

Auch zeichnet sich die verbale Kommunikation der Frau durch eine teamorientierte Denkweise aus. Dies erkennt man an dem Streben nach Konsens sowie Formulierungen, die eher auf die Gefühle des Gesprächspartners achten. Sie formulieren Vorschläge vorsichtiger, bringen Relationen zum Ausdruck und reagieren meist auf einen rauen und aggressiven Umgangston sensibel.[15] Oft genutztes Stilmittel sind hierbei die empathischen Adverbien, die als Intensivierungsmittel fungieren („so“, „wirklich“, „ehrlich“, „Das ist ja so wahr“).[16]

Um im Gespräch zu bleiben und den Wunsch nach Symmetrie zu erfüllen, verwenden Frauen häufig W-Fragen und tag-questions (Rückversicherungsfragen, z.B. „Siehst du das nicht auch so?“). „Fragen sind eines der stärksten kommunikativen Mittel, weil an eine Frage immer eine Antwort gekoppelt ist, […] somit kann durch Stellen von Fragen, ein Gespräch aufrechterhalten werden“.[17]

Anders als beim Mann ist der Redeanteil der Frauen in privaten Situationen höher als in öffentlichen Momenten, da sie sich privat wohl fühlen, das Zuhause ein Ort der Entspannung ist und sie endlich frei über alles sprechen können. Da für Frauen der Status und die öffentliche Erwartungshaltung sekundär ist, sind sie in der Öffentlichkeit eher zurückhaltend, abwartend und schweigsam.[18] Tannen bezeichnet dieses Situation als der „wortreiche Mann und die schweigsame Frau“.[19]

2.3. Hypothesen zum weiblichen Sprachverhalten

Durch die Darstellung der geschlechtsspezifischen Kommunikationsstile von Mann und Frau ist klar geworden, dass es deutliche Unterschiede im Sprachverhalten gibt. In den letzten Jahrzehnten sind verschiedene Hypothesen zum weiblichen Sprachverhalten entwickelt worden, die im Folgenden in Kurzform dargestellt werden, da diese Hypothesen Ursache für die zu überprüfende Kommunikation im Netz sein könnten.

Die Defizithypothese geht davon aus, dass die „Frauensprache“ gegenüber der „Männersprache“ minderwertig ist. Die These, dass Frauen eher in einfachen Satzgefügen sprechen und Männer häufiger Haupt- und Nebensätze nutzen, begründet dies. Otto Jespersen beschreibt bereits in den 20er Jahren in „Die Sprache, Ihr Natur, Entwicklung und Entstehung“, dass diese sprachlichen Unterschiede biologisch vorgegeben sind. Er schreibt den Frauen ein sprachliches Defizit zu.[20]

Im Gegensatz zur Defizithypothese bewertet die Differenzhypothese die Andersartigkeit der weiblichen Sprache nicht negativ. Die Differenzhypothese, auch bekannt als Theorie der zwei Kulturen, begründet das unterschiedliche Sprachverhalten mit den kulturellen Unterschieden zwischen Männer- und Frauenwelt. Die Erfahrungen in gleichgeschlechtlichen Freundesgruppen bereits im Kindesalter führen demnach zu einem ansozialisiertem Sprachverhalten.[21]

Im Doing-Gender-Ansatz wird das spezifische Kommunikationsverhalten weiter gefasst als in der Differenzhypothese. Er geht davon aus, dass nicht nur geschlechtsspezifische Gründe für die Unterschiede verantwortlich sind, sondern auch die soziale Situation. Das Kommunikationsverhalten orientiert sich demnach auch nach dem Wissen darüber, wie man sich als Mann und Frau zu verhalten hat.[22]

Es soll in dieser Facharbeit nicht Aufgabe sein, die verschiedenen Hypothesen zu bewerten. Jedoch deuten die verschiedenen Ansätze daraufhin, dass die geschlechtsspezifischen Unterschiede in der verbalen Kommunikation auch evolutionsgeschichtliche Ursachen haben könnten. Im dritten Kapitel werde ich nundie geschlechtsspezifische Kommunikation im Netz analysieren, um dann den Einfluss der verbalen Kommunikation auf die Netzkommunikation bewerten zu können.

[...]


[1] Vgl. Christian Papsdorf: Internet und Gesellschaft. Frankfurt am Main 2013, S. 30

[2] http://de.statista.com/statistik/daten/studie/3100/umfrage/internetnutzung-in-deutschland-nach-geschlecht-seit-2001/

[3] Vgl. Friedemann Schulz von Thun: Miteinander reden 3. Reinbek bei Hamburg 1998

[4] Vgl. Deborah Tannen: Du kannst mich einfach nicht verstehen. München 1993

[5] Vgl. http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/GESCHLECHT-UNTERSCHIEDE/Geschlecht-Kommunikation.shtml

[6] Vgl. Katrin Oppermann /Erika Weber: Frauensprache-Männersprache. Zürich 1995, S. 37ff.

[7] Vgl. Antje Kreher: Frauensprache – Männersprache, Die Geschlechtsspezifischen Unterschiede in der Kommunikation. Norderstedt 2008, S. 9

[8] Vgl. Antje Kreher: Frauensprache – Männersprache, Die Geschlechtsspezifischen Unterschiede in der Kommunikation. Norderstedt 2008, S. 9

[9] Vgl. Katrin Oppermann/Erika Weber: Frauensprache – Männersprache. Zürich 1995, S. 78

[10] Vgl. Deborah Tannen: Du kannst mich einfach nicht verstehen. München 1993, S. 80ff.

[11] Vgl. Katrin Oppermann/ Erika Weber: Frauensprache- Männersprache. Zürich 1995, S. 23

[12] Vgl. http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/GESCHLECHT-UNTERSCHIEDE/.shtml

[13] Vgl. Ruth Ayaß: Kommunikation und Geschlecht. Stuttgart 2008, S. 65

[14] Vgl. Deborah Tannen: Du kannst mich einfach nicht verstehen. München 1993, S.

[15] Vgl. Katrin Oppermann / Erika Weber: Frauensprache-Männersprache. Zürich 1995, S.30ff

[16] Vgl. Julia Brenner: Männersprache / Frauensprache. Geschlechtsspezifische Kommunikation. Norderstedt 2003, S. 19

[17] Vgl. Anke Kalaiah: Gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede bei den digitalen Kommunikationsformen? Norderstedt 2007, S. 15

[18] Vgl. Deborah Tannen: Du kannst mich einfach nicht verstehen. München 1993, S. 80ff

[19] Vgl. Ebenda, S. 80

[20] Vgl. Otto Jespersen: Die Sprache, Ihre Natur, Entwicklung und Entstehung. Heidelberg 1925

[21] Vgl. Julia Brenner: Männersprache / Frauensprache. Geschlechtsspezifische Kommunikation. Norderstedt 2003, S. 15

[22] Vgl. Anke Kalaiah: Gibt es geschlechtssspezifische Unterschiede bei den digitalen Kommunikationsformen? Norderstedt 2007, S. 12

Details

Seiten
17
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668272033
ISBN (Buch)
9783668272040
Dateigröße
547 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v337813
Note
1+ (15 Punkte)
Schlagworte
welchen einfluss kommunikationsverhalten mann frau kommunikation internet

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