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Die Sprachen Argentiniens im Online-Diskurs. Analyse ausgewählter Suchmaschinentreffer

Hausarbeit 2014 14 Seiten

Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Methoden
2.1 Was ist Diskursanalyse?

3. Das Korpus

4. Analyse
4.1 Wikipedia
4.2 argentina.gob
4.3 Los cuadernos del inadi
4.4 Tendenzen des Korpus

5. Abschließende Bemerkungen

1. Einleitung

Was tut ein Mensch, wenn er sich über ein ihm fremdes Land informieren will, aber weder persönliche Bekanntschaften zu Bewohnern dieses Landes unterhält, noch das Geld oder die Zeit hat, selbst in dieses Land zu reisen?

In früheren Zeiten wäre wohl der Gang in die nächste Bibliothek der erste Schritt gewesen, und er ist es für ältere Menschen wahrscheinlich immer noch. Angehörige der Generationen jedoch, die den medialen Wandel hin zum Computer vollzogen haben oder Menschen, die erst geboren wurden, nachdem dieser Wandel vollzogen war, werden in Internetsuchmaschinen den Namen des entsprechenden Landes eingeben und sich durch die Ergebnisse klicken. Wenn diese Ergebnisse gesichtet sind, konstruiert der Betrachter aus ihrer Gesamtheit ein mehr oder weniger konsistentes Bild des besagten Landes. Ob die einzelnen Teile dieses Bildes zutreffen oder nicht, ist für die vorliegende Arbeit irrelevant: Das Bild, das die Suchmaschine vom Land generiert, ist (zumindest vorläufig) das einzige Wissen, das der Betrachter über das Land hat. Folgt man nun der Annahme George Herbert Meads, wenn er sagt,

„Die Identität ist nicht so sehr eine Substanz als ein Prozeß, in dem die Übermittlung von Gesten in einen Organismus verlegt wurde. Dieser Prozeß existiert nicht für sich allein, er ist nur eine Phase der ganzen Gesellschaftlichen Organisation, deren Teil der Einzelne ist.“1

dann heißt das, die Suchmaschine hat einen nicht unerheblichen Anteil an der Bildung der nationalen Identität: Indem die Suchmaschine die Grundlage für die Konstruktion des Fremdbildes des Landes durch den einzelnen Leser bietet, wird sie zum Akteur im Prozess der Aushandlung der nationalen Identität.

Diese Art der Formung eines Fremdbildes ist natürlich nicht nur abhängig von der Suchmaschine, sondern auch von den Begriffen, nach denen der einzelne Betrachter sucht. So wird beispielsweise ein Musikliebhaber seinen Fokus bei der Suche nach Informationen über Argentinien auf andere Begriffe legen als ein Sportfan, und es besteht - zumindest theoretisch - die Möglichkeit, dass erstgenannter sich über dieses Land informiert und dabei niemals erfährt, dass Fußball für viele Argentinier eine große Rolle spielt. Umgekehrt kann es sein, dass der Sportfan seine Recherche beendet, ohne jemals das Wort Tango gelesen zu haben.

Diese Unterschiede zu erörtern kann allerdings nicht Aufgabe einer sprachwissenschaftlichen Arbeit sein, sondern fiele eher in die Domäne der Psychologie und/oder Soziologie. In der vorliegenden Arbeit geht es vielmehr um die sprachlichen Aspekte dessen, was die Suchmaschine dem Suchenden präsentiert. Ganz konkret sollen die ersten drei Google- Suchergebnisse für die Suchbegriffe lengua und argentina untersucht werden. Dabei ist offensichtlich, dass diese Arbeit nur einen kleinen Teil des gesamten Diskurses über die Sprachen Argentiniens und diesen Diskursausschnitt nicht mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln behandeln kann. Die Arbeit erhebt also keinen Anspruch auf Vollständigkeit und Letztgültigkeit, sondern versucht lediglich, aus einem sehr kleinen Korpus Tendenzen des Online-Diskurses um die Sprachen Argentiniens zu abzulesen.

2. Methoden

Ziel dieser Arbeit ist, wie eben erwähnt, nicht die abschließende Behandlung (so diese denn überhaupt möglich ist) des Diskurses über Sprachen in Argentinien, sondern die Betrachtung der Google-Suchergebnisse zu einigen Begriffen aus diesem Themenkomplex. Um klarzustellen, dass diese Betrachtungen theoriegeleitet und nicht (oder nur in vertretbarem Maße) willkürlich geschehen, umreiße ich nun die theoretischen Grundlagen dieser Arbeit.

2.1 Was ist Diskursanalyse?

Der Begriff des Diskurses, wie er hier zugrunde liegen soll, wird durch folgende zwei Zitate gut umrissen:

„Diskurse werden verstanden als [...] Gruppen von Äußerungen/Texten, denen dann weitere Eigenschaften zuerkannt werden, wie die gemeinsame thematische Orientierung, die wirklichkeitskonstituierende Funktion, die

Gebundenheit an unterschiedliche Gruppen von Akteuren usw.“2

„Ein Diskurs ist die Auseinandersetzung mit einem Thema,

- die sich in Äußerungen und Texten der unterschiedlichsten Art niederschlägt,
- von mehr oder weniger großen gesellschaftlichen Gruppen getragen wird,
- das Wissen und die Einstellungen dieser Gruppen zu dem betreffenden sowohl spiegelt
- als auch aktiv prägt und dadurch handlungsleitend für die zukünftige Gestaltung der gesellschaftlichen Wirklichkeit in Bezug auf dieses Thema wirkt“3

Gardt versteht unter einem Diskurs also eine Gruppe von Texten zu einem gemeinsamen Thema, die von verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen stammen, die einerseits den Diskurs aktiv gestalten, sich andererseits aber in ihren Einstellungen und Handlungen von den Texten beeinflussen lassen. Auch wenn Gardt diese Definition nicht als in der Fachwelt allgemein akzeptiert beschreibt und einschränkend erwähnt, dass je nach Forschungsparadigma unterschiedliche Aspekte dieser Definition stärker hervorgehoben werden, bezeichnet er sie doch gewissermaßen als kleinsten gemeinsamen Nenner4 der aktuellen Forschung.

Den Begriff der Analyse nutzt Gardt zur Klassifizierung der Diskursanalyse innerhalb der Wissenschaften. Er findet jeweils Argumente dafür und dagegen, die Diskursanalyse (in Analogie zu Begriffen wie der Psychoanalyse einerseits und der Textanalyse andererseits) als Methode, Theorie oder Haltung zu bezeichnen, wobei diese Unterscheidung für die vorliegende Arbeit nur marginal von Bedeutung ist. Gardt drückt es so aus:

„Für die Praxis des wissenschaftlichen Arbeitens ist diese Unterscheidung nicht wirklich relevant, denn bezeichnet man die Diskursanalyse als Theorie, dann lassen sich [ihre] Analyseverfahren eben als die dieser Theorie angemessenen Methoden betrachten.“5

Wichtiger als die Unterscheidung, ob die Diskursanalyse selbst eine Methode ist oder eine Theorie, die sich verschiedener Methoden bedient, ist die Frage, was jemand, der Diskursanalyse betreibt, denn nun konkret tut. Gardt stellt fest, dass die von ihm konsultierte Literatur das Aufgabenfeld der Diskursanalyse nur sehr allgemein beschreibt.6 Anschließend an diese Feststellung kategorisiert er die zu analysierenden Strukturen nach Ebenen: Die kleinste zu analysierende Ebene ist die des Satzes, auf der er das Vorkommen und die Behandlung von Neologismen, Varietäten, Schlagwörtern, Morphemen, syntaktischen Merkmalen etc. betrachtet sehen will. Auf nächsthöherer Ebene werden Texte und Teile von Texten auf deren Layout, Aufbau, Topoi, Intention etc. hin untersucht. Erst auf der nächsten Ebene werden Faktoren, die über einzelne Texte hinausgehen, wie Themenfelder oder Diskursstrategien, behandelt.7

Bei dieser Menge von Merkmalen, die analysierbar wären, ist es klar, dass je nach Diskurs und Text einige eine größere Rolle spielen als andere. „Grundsätzlich gilt, dass jede Methode sinnvoll ist, die dazu beiträgt, die Bedeutung eines Textes zu erschließen.“ schreibt Gardt.8 Allerdings bedeute dies nicht, „einer Beliebigkeit der Bedeutungsanalyse Tür und Tor zu öffnen. Bedeutungsanalysen basieren auf Konventionen, die eine Vergleichbarkeit der Analyseergebnisse innerhalb eines bestimmten Rahmens ermöglichen.“9 Der Rahmen werde durch den zu analysierenden Text selbst vorgegeben. Um der Beliebigkeit der Analyseergebnisse vorzubeugen, soll dieses immer durch den Text selbst belegbar sein.

3. Das Korpus

Betreibt man beispielsweise Lexikographie, erscheint die Zusammenstellung von Korpora eher unproblematisch. Für diesen und ähnliche quantitativ-analytische Forschungsbereiche bieten sich große, online verfügbare Textkorpora an, wie sie für verschiedene Sprachen und Zeiträume zum Beispiel auf der Homepage des Instituts für Linguistik an der Berliner Humboldt-Universität gelistet sind10, anhand derer man computergestützt die Verwendungshäufigkeiten und -zusammenhänge von Worten analysieren kann. Möchte man aber Diskursanalyse betreiben, so ist das Ziel der Analyse laut Gardt ein anderes:

„Die Diskursanalyse zielt auf den semantischen Tenor eines Diskurses, seine semantische Tiefenstruktur, und begreift diese Tiefenstruktur [...] als Hinweis auf epistemische Grundlagen, auf Denkformen, auf Mentalitäten in einer Gesellschaft.“11

[...]


1 Mead, George Herbert (1998): Geist, Identität und Gesellschaft aus der Sicht des Sozialbehaviorismus. Frankfurt am Main: Suhrkamp. S. 222

2 Gardt, Andreas (2013): Textanalyse als Basis der Diskursanalyse. Theorie und Methoden. In: Ekkehard Felder (Hrsg.): Faktizitätsherstellung in Diskursen. Die Macht des Deklarativen. Berlin: De Gruyter, S. 29. 2

3 Gardt, Andreas (2007): Diskursanalyse. Aktueller theoretischer Ort und methodische Möglichkeiten. In: Ingo Warnke (Hrsg.): Diskurslinguistik nach Foucault. Theorie und Gegenstände. Berlin, New York: Walter de Gruyter, S.31

4 Vgl. ebenda.

5 Ebd., S. 32.

6 Vgl. Gardt 2007: 27

7 Vgl. ebenda ff.

8 Gardt 2013 S. 44.

9 Ebd., S. 38.

10 https://www.linguistik.hu-berlin.de/institut/professuren/korpuslinguistik/links/korpora_links [Zugriff am 2.3.2014].

11 Gardt 2007 S. 32.

Details

Seiten
14
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668271388
ISBN (Buch)
9783668271395
Dateigröße
491 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v337786
Institution / Hochschule
Universität Kassel – Institut für Romanistik
Note
1,3
Schlagworte
Onlinediskurs Sprachen Argentiniens Suchmaschinen Sprachwissenschaft Linguistik lengua argentina Selbstbild Fremdbild Diskurslinguistik

Autor

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