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Sportrehabilitation bei einer Schulterluxation

Indikationsspezifische Trainingsplanung nach dem Phasenmodell der Nachbehandlung basierend auf der ILB Methode für einen 3-monatigen Makrozyklus

von Andrea Flöcker (Autor)

Hausarbeit 2016 34 Seiten

Sport - Sportmedizin, Therapie, Prävention, Ernährung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Begriff „Sportrehabilitation“ / Aufgaben des Fachtrainers
2.1. Rehabilitationstraining im Fitnessstudio / Voraussetzungen
2.2. Das Phasenmodell der Wundheilung
2.3 Das Phasenmodell der Rehabilitation
2.4. Das 5-Stufen-Modell im Muskelaufbautraining in der Rehabilitation

3. Diagnose / Anamnese
3.1. allgemeine Daten
3.2. Gesundheitsanamnese
3.2.1. Abklärung möglicher Kontraindikationen
3.3. Sportanamnese, sportliche Vorgeschichte
3.4. Berufsanamnese
3.5. bisherige Behandlung
3.6. Tests
3.6.1. Biometrische Daten mit Bewertung im Vergleich zu Normwerten
3.6.2. Motorische Tests
3.6.2.1. Beweglichkeitstest nach der Neutral-Null-Methode
3.6.2.2. Muskelfunktionstest
3.6.2.3. Krafttest
3.6.2.4. Ausdauer / Laktatstufentest
3.6.3. Haltungsanalyse

4.Theoretische Grundlagen zum Krankheitsbild der Schulterluxation
4.1. Das Schultergelenk

5. Zielsetzung
5.1. indikationsspezifische Zielsetzung im Rahmen der Sportrehabilitation bei einer Schulterluxation
5.2. Bewertung weiterer Trainingsmotive und -wünsche des Kunden

6. Trainingsgrundlagen
6.1. Trainingsprinzipien
6.2. Superkompensation
6.3. Motivation

7. Trainingsplanung / Trainingsdurchführung
7.1. Makrozyklus
- Mesozyklus
- Mikrozyklus
7.4. tabellarische Darstellung des 3-monatigen Makrozyklus
7.4.1. Begründung für den Makrozyklus
7.5. Mesozyklusplanung für unseren Kunden
7.5.1. tabellarische Darstellung des 1. Mesozyklus / Trainingsplan
7.5.1.1. Übungsauswahl + Methode im 1. Mesozyklus
7.5.2. tabellarische Darstellung des 2. Mesozyklus / Trainingsplan
7.5.2.1. Übungsauswahl + Methode im 2. Mesozyklus
7.5.3. tabellarische Darstellung des 3. Mesozyklus / Trainingsplan
7.5.3.1. Übungsauswahl + Methode im 3. Mesozyklus
7.5.4. Begründung der Übungsauswahl in den Mesozyklen
7.6. Theorie und Grundlagen der ILB Methode
7.7. Methodik des Aufwärmens ( warm-up )
7.7.1. empfohlenes Aufwärmprogramm für unseren Kunden
7.8. Propriozeptionstraining / Koordinationstraining / Sensomotorik
7.9. Methodik des Abwärmens ( cool-down )
7.9.1. empfohlenes Abwärmprogramm für unseren Kunden
7.10. Dehnen
7.10.1. empfohlenes Dehnprogramm für unseren Kunden

8. Auswertung des Trainingsprozesses
8.1. Re-Test

9. Fazit

10. Schlusswort / Erklärung

11. Literatur- und Quellenverzeichnis

12. Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

Laut der Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation ( BAR ) steigen die Ausgaben für Rehabilitationsmaßnahmen stetig an. Im Jahr 2014 lagen die Ausgaben für Rehabilitationsleistungen bei 32,6 Mrd EUR. Das entspricht im 10 - Jahresvergleich ein Ausgabenplus von 6,9 Mrd EUR zum Jahr 2004 – eine beachtliche Steigerung von 27,3 %. Nicht nur ein Trend, der sich in den nächsten Jahren laut Statistischem Bundesamt fortsetzten wird, sondern auch ein deutliches Indiz dafür, dass qualifiziertes Fachpersonal in dieser Branche dringend benötigt wird. (vgl. www.bar-frankfurt.de/rehabilitation-und-teilhabe/daten-und-fakten)

Nach der medizinischen Behandlung des jeweiligen Beschwerdebildes folgt gegebenfalls ein stationärer oder ambulanter Reha-Aufenthalt, gefolgt von der Physiotherapie. Die meisten Patienten erlangen nach der physiotherapeutischen Behandlung eine Belastbarkeit von 70-80 %, ein Erfolg, der zeigt, dass es nach dem Krankheitsbild bergauf geht aber trotzdem noch ein Defizit zur vollen Belastbarkeit bzw. zur ursprünglichen Leistungsfähigkeit. An dieser Stelle kann das rehabilitative Training im Fitnessstudio ansetzen und dem Patienten dabei helfen die vollständige Belastbarkeit zurück zu gewinnen. Zum einen gibt es die Möglichkeit auf der Grundlage des § 44 SGB IX den durch die Krankenkassen finanzierten Rehasport zu nutzen, welcher sich allerdings ausschließlich auf Rehasport-Gruppen bezieht mit einem Leistungsumfang von 50 Übungseinheiten und einer Dauer von 18 Monaten. Übungen an technischen Geräten sind hier komplett ausgeschlossen. (vgl. Rehasport, Winfried Möck, S. 22ff) Zum anderen gibt es das selbst zu finanzierende Rehasporttraining an den Geräten im Fitnessstudio, auf welches ich detailliert eingehen werde.

Im Rahmen meiner Abschlussarbeit zum Fachtrainer / in für Sportrehabilitation widme ich mich einer fiktiven Person – Frau Mustermann - welche an einer Schulterluxation erkrankt ist. Gemäß der Aufgabenstellung erstelle ich eine indikationsspezifische Trainingsplanung nach dem Phasenmodell der Nachbehandlung für einen Makrozyklus von 3 Monaten. Bevor die Trainingsplanung beginnt, gehe ich im Kapitel 2 näher auf den Begriff der Sportrehabilitation ein und erkläre das Phasenmodell sowie das 5-Stufen-Modell in der Rehabilitation. Im Kapitel 3 folgt eine ausführliche Diagnose des Ist-Zustandes um bestimmen zu können an welchem Punkt das sportrehabilitative Training ansetzten kann. Im Kapitel 4 gehe ich näher auf das Krankheitsbild ein, gefolgt im Kapitel 5 von der zum einen indikationsspezifischer Zielsetzung als auch persönlicher Zielsetzung des Kunden zum angestrebten Soll-Zustand. Im Kapitel 6 befasse ich mich mit den Trainingsgrundlagen für die in Kapitel 7 ausführliche Trainingsplanung für 3 Mesozyklen. Hier gehe ich detailliert auf die Planung und auf die Übungsauswahl ein und erläutere im Rahmen der Trainingsdurchführung die Grundlagen der ILB Methode. Die Methodik des Auf- und Abwärmens, das Propriozeptionstraining sowie das Dehnen runden den Hauptteil, das Muskelaufbautraining in der Sportrehabiliation, ab. Nach dem 3-monatigen Training folgt in Kapitel 8 die Auswertung des Trainingsprozesses im Rahmen eines Re-Tests. Anhand dieses Re-Tests ziehe ich in Kapitel 9 mein Fazit „der entscheidende Faktor für den Erfolg ist der Kunde selbst“ aus dem rehabilitativen Training im Fitnessstudio.

Ich bin überzeugt, dass das Studium zum Fachtrainer für Sportrehabilitation es eine sehr wichtige Weiterbildung ist um indikationsspezifische Trainingsprogramme für das muskuläre Aufbautraining bei verschiedenen Beschwerdebildern im Anschluss an die medizinische Heilbehandlung planen, durchführen und betreuen zu können. Da orthopädische Beschwerdebilder in der heutigen Zeit keine Seltenheit sind, sind die Inhalte dieses Studiums meiner Meinung nach wichtige Komponenten damit ein Trainer professionell arbeiten kann.

Andrea Flöcker

Hamburg, im Juli 2016

2. Der Begriff „Sportrehabilitation“ / Aufgaben des Trainers

Bevor ich auf den Begriff „Sportrehabilitation“ eingehen, widme ich mich erst einmal dem Wort der „Rehabilitation“. Das Wort stammt ursprünglich aus dem Lateinischen und wird heute gleichgesetzt mit dem Wort „Wiederherstellung“. In der heutigen Zeit versteht man darunter die physische und / oder psychische Wiederherstellung nach einer Krankheit, Unfall oder Trauma. Das rehabilitative Training hat zum Ziel die möglichst vollständige Gesundheit durch gezielte Trainingsmaßnahmen und therapeutische Anwendung wieder herzustellen und damit die ursprüngliche Leistungsfähigkeit zurück zu erlangen. Der Begriff „Sportrehabilitation“ konkretisiert die Rehabilitation um ein gezieltes und indikationsspezifisches Fitnesstraining bei Schäden von Gelenk- und Muskelgruppen oder nach operativ oder konservativ behandelten Verletzungen. Die primären Ziele liegen in der Wiederherstellung der funktionellen Stabilität bei physiologischer Beweglichkeit. (vgl. www.mtz-kopp.com) Die Sportrehabilitation findet unter Anleitung von geschulten Trainern in gesundheitsorientierten Studios oder im Rahmen der Physiotherapie statt. Ein besonderes Augenmaß liegt auf, speziell für die Sportrehabilitation, geschulten Trainern. Die primäre Aufgabe liegt in der zielorientierten und indikationsspezifischen Trainingsplanung und -durchführung unter Berücksichtigung möglicher Kontraindikationen ( vgl. Kapitel 3.2.1 ) Der Trainer muss es sich zur Aufgabe machen stets verantwortungsvoll mit dem Kunden umzugehen, die rehabilitativen Ziele realistisch einzuschätzen und sich gegebenfalls weitergehende Informationen zu dem Krankheitsbild zu beschaffen. In den meisten Fällen werden die Übungen aus der Behandlungsphase der Physiotherapie im Studio übernommen oder weitergeführt. Daher ist es für den / die Fachtrainer / in für Sportrehabilitation unumgänglich die auf die Beschwerdebilder abgestimmten Übungen zu kennen. Die sekundäre, auch nicht zu unterschätzende Aufgabe ist die Motivation des Kunden zu fördern, den Kunden im Training zu begleiten , sowie die Sportrehabilitation möglichst attraktiv zu gestalten um sicher zu stellen, dass der Kunde regelmäßig sein Training durchführt um eine höchstmögliche Effektivität zu erreichen. Besonders nach bestimmten Krankheitsbildern hat Einfühlungsvermögen und psychologische Kompetenz einen hohen Stellenwert.

2.1. Rehabilitationstraining im Fitnessstudio / Voraussetzungen

Ein Rehabilitationstraining mit therapeutischem Hintergrund sollte nur in einem qualitativ hochwertigem Studio stattfinden. In den letzten Jahren ist eine immens hohe Expansion der großen „Discountstudios“ zu erkennen. Für eine bestimmte Zielgruppe sind diese mit Sicherheit die richtige Wahl, jedoch nicht für ein Rehabilitationstraining. Hier ist es sehr wichtig, dass bestimmte räumliche und auch apparative Voraussetzungen geben sind. Der / die Fachtrainer / in für Sportrehabilitation benötigt für ein professionell gestaltetes Training neben den gängigen Trainingsmaschinen Seilzüge, Therabänder und Matten sowie verschiedene Hilfsmittel für die Koordinationsschulung wie z.B. Airexpads, Therapiekreisel oder das Posturomed. Die Trainer sollten für das Rehabilitationstraining im Fitnessstudio eine qualifizierte Ausbildung haben, vorzugsweise mit einer Weiterbildung mit therapeutischem Hintergrund. Bevor das eigentliche Training startet, muss eine detaillierte Anamnese mit verschiedenen Eingangstestungen durchgeführt werden um feststellen zu können an welchem Punkt das therapeutische Training startet. Doch nicht zur seitens des Studios sollten bestimmte Voraussetzungen eingehalten werden, auch der Kunde sollte als Voraussetzung für ein Training im Studio einen gewissen Heilungsgrad erreicht haben, damit das Training in die Verantwortung des Trainers im Studio übergeben werden kann. Dafür ist es sicherlich sehr hilfreich den vorherigen Behandlungsplan des Arztes oder Physiotherapeuten zu kennen um gezielte therapeutische Inhalte und Übungen wählen zu können.

2.2. Das Phasenmodell der Wundheilung

Die Wundheilung nach einer Verletzung / Schädigung oder Trauma ist ein Regenerationsprozess, der sich in drei Phasen einteilen lässt. Jede Phase ist charakterisiert durch bestimmte Vorgänge, wobei die Vorgänge überlappend ablaufen. Der Beginn jener Verletzung / Schädigung ist geprägt durch die anfängliche Entzündungsphase – eine Reaktion auf die Verletzung mit dem Ziel das verletzte Gewebe zu entfernen, die Regeneration zu fördern und die Krankheit zu beseitigen. Diese Phase dauert ca. 1 Woche, während bereits am 3. Tag die Proliferationsphase einsetzt – die Bildung / Entstehung von neuem Bindegewebe. In dieser Phase kann der Regenerationsvorgang mit geringen Belastungen bereits aktiv unterstützt werden um die Durchblutungs- und Stoffwechselsituation zu verändern um erste Reize für das noch frische Gewebe zu setzen. Die Maturationsphase beginnt nach ca. 2-3 Wochen. Hier passt sich das Narbengewebe an und die definitive Gewebestruktur und – funktion werden festgelegt. Diese Phase kann Monate bis Jahre dauern. Die Dauer hängt letztendlich von verschiedene System- und lokalen Faktoren ab, die den Rehabilitationsverlauf beeinflussen. Grundsätzlich gilt dass günstige Bedingungen gefördert werden müssen und schädliche Einflüssen vermieden werden müssen. In der Maturationsphase, welche der qualitativen Phase zugeordnet wird, ist ein gezieltes Setzen von Spannungsreizen sinnvoll. Wichtig ist die abgestimmte Belastungssteuerung um den Heilungsprozess nicht zu stören. Die gesteigerte Durchblutung während der Aktivität wirkt sich positiv auf diesen Heilungsprozess aus, da durch diese vermehrt Nährstoffe in die verletzte Region transportiert werden. Des weiteren werden durch die gesteigerte Durchblutung über den Blutkreislauf Stoffwechselendprodukte und Wundmetaboliden entfernt.

2.3. Das Phasenmodell der Rehabilitation

Das Phasenmodell der Rehabilitation nach I. Froböse, CG. Wilke und G. Nellessen-Martens unterteilt den Rehabilitationsprozess in 4 Phasen. Die ersten beiden Phasen erfolgen durch Physio- und Sporttherapeuten, während die Phasen 3 und 4 sowohl in der Therapie als auch im Fitnessstudio im Rahmen der Sportrehabilitation stattfinden können. Das Aufbautraining im Studio setzt dort an wo der Physiotherapeut seine Arbeit beendet. Voraussetzung dafür ist eine Mindestbelastbarkeit von 70-80 %. Theoretisch könnte man sich die Frage stellen warum die Patienten nicht bis zur vollständigen Belastung in physiotherapeutischer Behandlung bleiben. Doch in der Praxis werden aus primär wirtschaftlichen Gründen von den Krankenkassen nur 12-18 Behandlungen übernommen. Diese reichen in den seltensten Fällen für eine vollständige Genesung aus. Die letzten Phasen der Heilung im Rahmen der Sportrehabilitation im Fitnessstudio müssen somit privat von den Patienten finanziert werden. Die folgende Abbildung zeigt den Prozess der Rehabilitation vom IST-Zustand „Verletzung“ bis zum SOLL-Zustand „Heilung-100% ige Belastbarkeit“ mit der Zuordnung der jeweiligen Phasen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1 – Heilungsverlauf – eigene Darstellung – nach Zwink, Skript Sportrehabilitation ( 2016 ), S. 8ff

Die folgende Abbildung zeigt die Ziele im 4-Phasenmodell der Rehabilitation. Die meisten Ziele sind phasenübergreifend und bauen größtenteils aufeinander auf.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.2 – Ziele im 4-Phasenmodell – eigene Darstellung – , Skript Sportrehabilitation ( 2016 ) + Froböse, S. 11ff

Genau wie die Ziele sind auch die Inhalte des 4-Phasenmodells phasenübergreifend.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.3 – Inhalte im 4-Phasenmodell – eigene Darstellung – , Skript Sportrehabilitation ( 2016 ) + Froböse, S.11ff

2.4. Das 5-Stufen-Modell im Muskelaufbautraining in der Rehabilitation

Das aus der Fitnesstrainer B-Lizenz bekannte 5-Stufen-Modell der Trainingssteuerung mit den 5 Stufen Diagnose, Zielsetzung, Trainingsplanung, Trainingsdurchführung & Analyse beinhaltet die gezielte Veränderung eines IST-Zustandes in einen angestrebten SOLL-Zustand. Die Steuerung wird eingesetzt um

- den Trainingserfolg zu optimieren.
- Überlastungen / Übertraining zu vermeiden sowie daraus resultierende Verletzungen
- eine Trainingsmonotonie zu vermeiden

Das 5-Stufen-Modell zum Muskeltraining von Froböse und Lagerstrǿm ( 1991 ) mit den Hauptzielen eines rehabilitativen Muskeltrainings geht gezielt auf die speziellen Anforderungen im Muskelaufbautraining in der Sportrehabilitation ein um einen höchstmöglichen Therapieerfolg zu erreichen. Dieses 5-Stufen-Modell dient als Ergänzung zum 5-Stufen-Modell der Trainingssteuerung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.4 – 5-Stufen-Modell zum Muskeltraining in der Rehabilitation – eigene Darstellung – , nach Froböse, Ingo, Training in der Therapie ( 2015 ) S. 74ff

Die Gliederung der 5 Stufen stellt sowohl eine hierarchische als auch eine zeitliche Ordnung dar. Es muss nicht jede Stufe bis zum Ende durchlaufen sein. Die einzelnen Stufen können sich – je nach gesundheitlichem Zustand – auch überschneiden. Jedoch sollte der / die Fachtrainer / in dafür Sorge tragen, dass gemäß dem Prinzip der progressiven Belastungssteigerung ( vgl. Kapitel 6.1. ) die Abfolge der einzelnen Stufen beibehalten wird.

3. Diagnose / Anamnese

Die erste Stufe der Trainingssteuerung stellt die Diagnose dar. Hier werden mittels Eingangsgespräch und speziellen Tests relevante Daten des Kunden gesammelt um die Leistungsfähigkeit und den Gesundheitszustand für die Trainingsdurchführung beurteilen zu können. Für den / die Fachtrainer / in für Sportrehabilitation stehen allerdings das aktuelle Beschwerdebild und die bisher therapeutischen Maßnahmen im Vordergrund. Im Idealfall gibt es einen ärztlichen oder physiotherapeutischen Befund.

3.1. allgemeine Daten

In der Allgemeinanamnese werden die persönlichen Daten des Kunden aufgenommen.

Nachname: Mustermann

Vorname: Maria

Geburtsdatum: 15.03.1981

Alter: 35 Jahre

Geschlecht: weiblich

3.2. Gesundheitsanamnese

In der Gesundheitsanamnese wird das zur Zeit bestehende Krankheitsbildbild und auch andere eventuelle Beschwerdebilder erfasst. Sie ist mit der wichtigste Teil der Eingangsdiagnostik.

Krankheitsbild /

ärztliche Diagnose: Schulterluxation rechts

Krankheitsverlauf: 10.2.2016 Sturz auf den Arm beim Skifahren

bisherige medizinische

Versorgung 10.2.2016 sofortige Reposition im Krankenhaus mit anschließender

Ruhigstellung für 10 Tage im Schlingenverband

20.2.2016 Beginn der physiotherapeutischen Behandlung:

3 x wöchentlich / 18 Einheiten mit Übungen zur

- Muskelentspannung
- Schmerzlinderung
- Erhaltung der Muskelkraft
- Verbesserung der Beweglichkeitstraining
- Stabilisation des Schultergelenks

aktuelles Beschwerdebild: es besteht eine leichte mit mittlere Bewegungseinschränkung

bei Rotationsbewegungen

Frau Mustermann ist soweit schmerzfrei

eine Abduktion von 90° kann ohne Schmerzen gehalten werden

Medikamente: keine; Schmerzmittel konnten nach 1 Woche abgesetzt werden

behandelnder Arzt: Erstversorgung im General Public Hospital Zell am See

Weiterversorgung: Chirug Dr. Baumann, Tel.: 040-123 45 67

Physiotherapeut: Michael Baum Sports & Physio, Tel.: 040-765 43 21

3.2.1. Abklärung möglicher Kontraindikationen

Es gibt eine Reihe von Kontraindikationen, unterteilt in absolute und relative Kontraindikationen, die gegen eine Trainingsdurchführung sprechen. Diese führe ich nicht im einzelnen alle auf. Bei Frau Mustermann liegen keine zu erkennenden Kontraindikationen für ein Training im Fitnessstudio vor. Der behandelnde Arzt sowie der Physiotherapeut haben ihre Zustimmung für ein Training gegeben.

3.3. Sportanamnese, sportliche Vorgeschichte

In der Sportanamnese wird die sportliche Vorgeschichte der Kundin erfasst. Hier kann sich der Trainer bereits ein erstes Bild über das Leistungsniveau machen um Kenntnisse von Bewegungsabläufen oder koordinative Fähigkeiten in der Trainingsplanung zu berücksichtigen.

Frau Mustermann hat früher bereits mehrere Jahre in einem Fitnessstudio trainiert, so dass ihr der Großteil der Kraftgeräte bekannt ist. Mit Beginn ihrer Schwangerschaft vor 4 Jahren hat sie mit dem Fitnesstraining aufgehört. Aktuell betreibt sie keinen Sport. Die Kundin wünscht sich durch den Sport wieder etwas fitter zu werden.

3.4. Berufsanamnese

Anhand der Berufsanamnese kann der Trainer die physische als auch psychische Belastbarkeit der Kundin beurteilen sowie den Stressfaktor grob einschätzen. Des weiteren gibt sie Auskunft über eine stehende oder sitzende Tätigkeit und wie die Kundin zeitlich in ihren Beruf eingespannt ist.

Beruf: Büroangestellte, sitzende Tätigkeit

Wochenarbeitszeit: 20 Stunden an 4 Tagen, ansonsten als Mutter zu Hause

Stressfaktor: mittel

3.5. bisherige Behandlung

Da die Kundin primär aus rehabilitativen Gründen nach einer Verletzung ins Fitnessstudio kommt, ist es für den / die Fachtrainer / in für Sportrehabilitation unumgänglich sich ein Bild über die vorherige ärztliche als auch physiotherapeutische Behandlung zu machen. Dafür bringt die Kundin im Idealfall alle ihre vorliegenden Befunde zur Durchsicht mit. So hat der Trainer einen Überblick welche Behandlungen in der Physiotherapie bereits stattgefunden haben und wo der Trainer mit seiner Trainingsplanung ansetzen kann. Des weiteren informiert der ärztliche Befund in welchem Rahmen ein Training durchgeführt werden darf. Das dient auch zur Absicherung des Handelns vom Trainer. Die bisherige Behandlung habe ich unter den Punkt 3.2. Gesundheitsanamnese bereits aufgeführt, so dass ich es hier nicht erneut dokumentiere.

3.6. Tests

Damit der Leistungsstand der Kundin ermittelt werden kann, werden neben dem Anamnesefragebogen, verschiedene motorische Tests durchgeführt. Sie dienen hauptsächlich zur Bestimmung des gegenwärtigen Leistungsstandes im Vergleich zu Normwerten, zur Bestimmung der optimalen Belastungsintensitäten als auch im Rahmen des Re-Tests zur Ermittlung der Leistungssteigerung um den Erfolg der Kundin schwarz auf weiß zu dokumentieren. Im sportrehabilitativen Bereich muss der Trainer einschätzen können inwieweit bestimmte Tests durchgeführt werden können, da die Kunden in der Regel nicht voll belastbar sind.

3.6.1. biometrische Daten mit Bewertung im Vergleich zu Normwerten

Die Ermittlung biometrischer Daten, unterteilt in anthropometische ( messbare ) und internistische ( körperinterne ) Daten, dient einer ersten Einschätzung des Kunden. Die Daten werden anhand von Formeln errechnet, bzw. mit einem Messgerät ermittelt. In der folgenden Tabelle erwähne ich die biometrischen Daten von Frau Mustermann mit einer Bewertung zu den Normwerten. Auf die Erläuterung der einzelnen Formeln verzichte an dieser Stelle. Diese Formeln gehören zum Grundwissen eines Fitnesstrainers und sind daher aus der Fitnesstrainer B-Lizenz bekannt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.5 – biometrische Daten im Vergleich zu Normwerten – eigene Darstellung –

* Erläuterung zum THQ Wert:

Liegt dieser Quotient bei Frauen über 0,85, so spricht man von einer androiden (apfelförmigen) Fettverteilung. Diese „Apfelform“ ist gesundheitlich deutlich ungünstiger als die „Birnenform“ ( Fett hauptsächlich im Hüft- und Oberschenkelbereich ). Diese Körperfetteinlagerung im Bauchraum – so genanntes vizerales Fett ist wesentlich stoffwechselaktiver als das Fettgewebe in der Gesäßregion. Aus diesem Grund besteht bei Menschen mit „Apfelform“ ein erhöhtes Risiko für das Auftreten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Durch Bewegung kann man dementsprechende Schutzfaktoren aufbauen.

3.6.2. motorische Tests

Im Rahmen der motorischen Tests werden Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit und Koordination mit verschiedenen Muskelfunktionstests getestet. In dem Fall von Frau Mustermann ist zu beachten, dass sie nicht bei allen Tests maximal belastbar ist. Hier liegt es in der Verantwortung des Trainers den Testumfang richtig einzuschätzen.

3.6.2.1. Beweglichkeitstest nach der Neutral-Null-Methode

Um den Bewegungsumfang der einzelnen Gelenke bei Frau Mustermann zu erkennen werden mit dem Winkelmesser ( auch: Goniometer ) die Bewegungsausmaße der Gelenke gemessen.

(vgl. Training in der Therapie, Ingo Froböse, S. 244ff) Dieses Verfahren nennt sich die Neutral-Null-Methode, da in der Ausgangsstellung der Messung die Neutral-Null-Position eingenommen wird. Diese ist definiert mit:

- aufrechter Stand, Blick nach vorne
- Handflächen zeigen in Richtung Oberschenkel, Daumen nach vorne
- Füße hüftbreit auseinander und parallel.

Die Messungen finden aus dieser Position statt. Die Beweglichkeit eines Gelenks wird mit drei Zahlen dokumentiert, welche jeweils die Endstellungen sowie die Nullposition angeben. Die Zahl vor der Null steht für alle Bewegungen vom Körper weg ( Extension, Abduktion, Aussenrotation ) bzw. bei Bewegungen der Wirbelsäule in die Lateralflexion oder Rotation bezeichnet die Zahl vor der Null die Bewegung nach links und die Zahl nach der Null die Bewegung nach rechts. Die Zahl hinter der Null steht für alle Bewegungen zum Körper hin ( Flexion, Adduktion, Innenrotation ).

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Details

Seiten
34
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668272613
ISBN (Buch)
9783668272620
Dateigröße
1.5 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v337716
Note
1,7
Schlagworte
Fachtrainer für Sportrehabilitation Schulterluxation Academy of Sports Rehabilitation Phasenmodell der Nachbehandlung ILB Methode Makrozyklus indikationsspezifische Trainingsplanung Sportrehabilitation orthopädische Beschwerdebilder Krafttraining Trainingsplanung

Autor

  • Andrea Flöcker (Autor)

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Titel: Sportrehabilitation bei einer Schulterluxation