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Catharina Regina von Greiffenberg am Beispiel der "Siegesseule"

Ihre schriftstellerische Tätigkeit als Ausdruck missionarischen Wirkens?

Hausarbeit (Hauptseminar) 2013 21 Seiten

Theologie - Historische Theologie, Kirchengeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zur Person Catharina Regina von Greiffenbergs

3. Historischer Kontext
3.1 Zum Politischen Hintergrund
3.2 Zum Religiösen Hintergrund

4. Kontextualisierung der Siegesseule

5. Inhalt der Siegesseule
5.1 Zum Aufbau
5.2 Die Siegesseule
5.2.1 Die Einleitungen
5.2.2 Teil
5.2.3 Teil
5.2.4 Teil

6. Missionarisches Wirken

7. Ziel und Zweck der Schrift -Arbeit an der Deoglori

8. Wirken der Catharina Regina von Greiffenberg

9. Schlussfolgerung

10. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

"Ach lobe/ lobe/ lob´/ ohn unterlaß und ziel/

den/ den zu loben du/ O meine Seel/ geboren!

Zu diesem Engel-Werk bis du von Gott erkohren/

daß du ihm dienen solst im wunderpreisungsspiel."

Catharina Regina von Greiffenberg - eine Schriftstellerin oder Missionarin? Das ist eine Frage, auf die man unweigerlich beim Rezipieren der von ihr verfassten Schriften, sowie auch der Literatur, die über und zu Von Greiffenberg verfasst wurde, stößt. So schreibt auch Traugott Koch, der die Passionsbetrachtungen Catharina Regina von Greiffenbergs untersuchte, dass es zu klären sei, "was mit der Wendung >Wirken für die Ausbreitung Gottes< gemeint ist: ihre schriftstellerische Tätigkeit oder eine bestimmte, aktiv betriebene Aktion in der gegebenen geschichtlichen Realität."

Die oben zitierte Strophe aus dem Sonnett Nr.6, das 1662 in einer Sammlung herausgegeben wurde, zeigt den Zusammenhang zwischen der schriftstellerischen Tätigkeit der Autorin und ihrem Glauben: Das Dichten als ein "Wunderpreisungsspiel." Das ist es, was Von Greiffenbergs Seele bestimmt und auf das ihr Wirken ausgerichtet zu sein scheint: die Preisung Gottes. Aber wie weit geht dieses "Wunderpreisungsspiel" ? Ist es nur eine dichterische Auseinandersetzung einer frommen Frau mit Gottes Wundern, oder aber eine missionarische Tätigkeit?

Dies gilt es im Laufe der vorliegenden Seminararbeit zu untersuchen. Dabei liegt der Fokus auf der Schrift "Siegesseule", die im Jahre 1675 herausgegeben wurde und von Catharina Regina von Greiffenberg verfasst wurde. Als einzige politisch motivierte Schrift, kommt ihr, und vor allem dem dritten Teil, im Rahmen der hier gestellten Frage erhöhte Aufmerksamkeit zu. So soll sowohl der politische, als auch der religiöse Kontext der Schrift beleuchtet werden. Zu welchem Zweck schrieb die Dichterin die "Siegesseule" ? Was bewegte sie dazu, einen Beitrag zum politischen Geschehen ihrer Zeit zu leisten? Was ist gemeint, wenn sie von der "Deoglori" spricht?

Die Motivation dieser Arbeit entsteht aus der außergewöhnlichen Sprache Catharina Regina von Greiffenbergs und der Worttheologie, die damit einhergeht. Stärke und Mut der Dichterin sind nur im Kontext ihres theologischen Verständnisses nachzuvollziehen. Wie bringt eine Frau in der Welt des 17. Jahrhunderts den Mut auf, sich in politische Geschehen einzumischen und zu versuchen, auf den österreichischen Kaiser selbst einzuwirken?

Das Ziel der Arbeit ist nicht nur die Auseinandersetzung mit der Frage, ob Von Greiffenbergs Wirken als schriftstellerisch oder missionarisch zu bezeichnen ist. Des Weiteren soll eine methodische Aufarbeitung und Darstellung der Ergebnisse erfolgen, soweit dies im hier vorgegebenen Umfang möglich sein wird. Alle verwendeten Zitate sind in Rechtschreibung und Grammatik den Originalen nach beibehalten worden. Die Kapitel sind inhaltlich und systematisch geordnet: Das erste Kapitel dieser Arbeit ist der biographischen Person der Dichterin gewidmet. Vor dem Hintergrund dieser Person werden dann ihr bereits bemerkter Schreibstil, der Historische Kontext und schließlich die Siegesseule selbst und das Wirken Von Greiffenbergs zusammengetragen. Ich wünsche viel Freude beim Lesen dieser Arbeit und beim Eintauchen in die Welt und Sprache einer Dichterin des 17. Jahrhunderts, die die Forschung noch heute beschäftigt hält.

2. Zur Person Catharina Regina von Greiffenbergs

Die Biographie Von Greiffenbergs wurde ins Besondere durch Heimo Cerny und Hartmut Laufhütte erforscht. Die hier übernommenen Ergebnisse beziehen sich vor allem auf Heimo Cerny. Es soll ein kurzer Überblick über die Biographie Von Greiffenbergs gegeben werden. Dies soll in erster Linie hinsichtlich der Entwicklung des adligen Mädchens zu einer frommen Dichterin erfolgen.

Catharina Regina von Greiffenberg, oder "Freyherrin von Seysenegg", wie sie sich selber nannte, wurde am 7. September 1633 in Niederösterreich auf dem Schloss Seisenegg geboren. Von Greiffenberg fühlte sich schon früh ihrem Glauben und dem Dienst an Jesus Christus verpflichtet. Dafür war nicht zuletzt das Gelübde ihrer Mutter verantwortlich, wie Von Greiffenberg selbst in der "Zueignung-Schrift" der 1672 veröffentlichten Passionsbetrachtungen angibt. Und zwar liebt und verehrt sie Gott "nicht allein, wegen der Erschaffung und Erlösung,[...]sondern [...] wegen des Gelübdes meiner Mutter, die mich noch in ihrem Leibe zu deinem Dienst und Ehre aufgeopfert und verlobet hat, wofern ich zu leben kommen würde. Sie ist auch diesem Gelübde, mit guter unterweisung zur Gottesfurcht, Christlich nachgekommen." So wuchs Catharina Regina von Greiffenberg schon jung mit der Vorstellung auf, ihr Leben Gott zu widmen.

Catharinas Vater starb bereits früh (1641). Daraufhin wurde dessen Halbbruder, Hans Rudolf, zum Vormund des jungen Mädchens und dessen Schwester Anna Regina ernannt. Im Jahre 1651 wurde das Leben der achtzehnjährigen Catharina Regina durch den Tod der geliebten Schwester erneut erschüttert. Kurz danach reisten Von Greiffenberg, ihre Mutter und der Vormund Hans Rudolf nach Preßburg in Ungarn um an einem evangelischen Gottesdienst teilzunehmen. (Dies war dem niederösterreichischen, protestantischen Adel seit dem Westfälischen Frieden von 1648 erlaubt.) Von Greiffenberg berichtet von einer Art religiösem Erlebnis, das sie in der Kirche in Preßburg empfing. So sei ihr ein "Himmelslicht" aufgegangen, welches sie weiterhin auch als "Deoglori-licht" bezeichnet. Heimo Cerny bewertet das beschriebene Erlebnis folgendermaßen: Dies gab ihr den "Anstoß, ihr Dasein hinfort völlig dem Dienst Gottes zu unterwerfen, und zwar in Form ihres literarischen Schaffens. Hier also liegt die Geburtsstunde der geistlichen Dichterin Catharina Regina von Greiffenberg!"

Nach langem Widerstand willigt Von Greiffenberg 1664 schließlich in eine Ehe mit ihrem ehemaligen Vormund und Onkel Hans Rudolf ein. Dass Von Greiffenberg zögerte, resultierte wahrscheinlich einerseits aus ihrer Deoglori-Verpflichtung, andererseits aus dem befürchteten Vorwurf einer Verwandtenehe. Traugott Koch vermutet außerdem, dass Catharina Regina ihre Keuschheit wahren wolle. Es ist jedenfalls zu bemerken, dass Von Greiffenberg sich in dieser Situation in einem inneren Konflikt befand. Hartmut Laufhütte schreibt zu der Eheschließung, dass sie als weiteres Beispiel für das konsequente Streben nach der Deoglori zu werten ist. Er begründet diesen Gedanken wie folgt: Es "stand ein Seelenheil auf dem Spiel; eine gefährdete Seele [und zwar die des Oheims Hans Rudolfs] mußte durch Selbstaufopferung gerettet werden: eine Extremform der Christusnachfolge." Allerdings gibt es für diesen Gedanken keine Belege; er bleibt Spekulation, auch wenn sich die Idee gut ins Bild der nach Ehre und Ehrmehrung Gottes strebenden Frau fügt. Nachdem man versuchte, einen kirchlichen Dispens zu erwerben, der ihnen jedoch verweigert wurde, wurden die beiden vom Abendmahl ausgeschlossen, mit der Begründung, dass sie im Konkubinat lebten. Unter der Beihilfe Sigmund von Birkens, wurden Hans Rudolf und seine Nichte auf bayreuther Territorium getraut. Als sie jedoch wieder nach Seisenegg zurückkehrten, bezichtigte man sie unerlaubter Eheschließung. Daraufhin schrieb Von Greiffenberg an den Kaiser Leopold I in Wien selbst. Am 12.August 1665 bittet sie den Kaiser

"Im Namen des gerechtesten Richters Himmels und der Erde Jesu Christi...uns von Aller Anklag und belegung der Regirung und des landMaeschallischen Gerichts Auf Einmahl Zu Absolvirn! und Wieder Alle Unßere Feind uns Alß unßer gnädigster LandsFürst in dero Schutz Zunehmen, Auch die Gnädige Freyheit und Erlaubnus Zugeben[...]"

Im Jahre 1666 zeigten die Briefe von Greiffenbergs Früchte und die Ehe wurde in Österreich anerkannt. Nach dem Tod Hans Rudolf von Greiffenbergs 1677 sieht sich Catharina Regina einer misslichen Lage gegenüber. Ihr Gatte hatte große Summen an Schulden bei Franz von Riesenfels aufgebaut, sodass diesem 1673 alle Besitzungen des Greiffenbergischen Ehepaars überschrieben wurden. Die Witwe konnte auch nach langen, erfolglosen Prozessen nur das Erbgut der Mutter retten, die bereits im Jahre 1675 verstorben war. 1680 wanderte Von Greiffenberg nach Nürnberg aus. Heimo Cerny beschreibt die Anerkennung, die ihre Schriften im Alter fanden eingehend. So schenkte Catharina Regina von Greiffenberg Gläubigen das, "wonach die zeitlebens gestrebt hatte: Stärkung des Glaubens, Vertiefung der Andacht und Lob des Höchsten." Am 8. April 1694 starb Von Greiffenberg nach einer schweren Krankheit und wurde auf dem St. Johannisfriedhof begraben.

3. Historischer Kontext

In diesem Kapitel der Seminararbeit wird der Historische Kontext Catharina Regina von Greiffenbergs untersucht. Bei einer solchen Untersuchung ist zwischen dem politischen und dem religiösen Hintergrund der Dichterin zu unterscheiden. Zunächst wird die Autorin einen kurzen Einblick in das politische Machtegefüge des 17. Jahrhunderts und über politische Herausforderungen geben, um dann auf die religiöse Situation Von Greiffenbergs einzugehen. Dabei steht die Frage, wodurch das religiöse Denken der Dichterin und ihrer Zeitgenossen beeinflusst wurde, im Vordergrund. Selbstverständlich muss man sich bei dieser Unterteilung bewusst sein, dass die politischen und religiösen Umstände zu dieser Zeit nicht klar voneinander zu trennen waren, sondern sich vielmehr beeinflussten, beziehungsweise sogar bedingten.

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Details

Seiten
21
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783668269767
ISBN (Buch)
9783668269774
Dateigröße
551 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v337672
Institution / Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen
Note
1,3
Schlagworte
Catharina Regina von Greiffenberg Theologie Siegessäule Mission

Autor

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Titel: Catharina Regina von Greiffenberg am Beispiel der "Siegesseule"