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Schadet Angst im Unternehmen dem wirtschaftlichen Erfolg?

Zu den Ursachen und Auswirkungen psychischer Belastungen am Arbeitsplatz

Hausarbeit 2015 21 Seiten

BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Bedeutung und Fragestellung dieser Arbeit
1.2 Vorgehensweise
1.3 Definitionen und Abgrenzungen
1.3.1 Angst
1.3.2 Wirtschaftlicher Erfolg

2. Hauptteil
2.1 Angstarten
2.2 Zusammenhänge zwischen Angstarten
2.3 Entstehung und Ursache
2.3.1 Allgemeine Entstehung von Angst
2.3.2 Stressoren am Arbeitsplatz
2.4 Auswirkungen und Folgen
2.4.1 Körperliche Reaktionen
2.4.2 Auswirkung auf die Leistung
2.4.3 Gewinnbringende Folgen von Angst
2.4.4 Kostenverursachende Folgen von Angst
2.5 Kosten und Gewinne durch Angst

3. Schluss
3.1 Zusammenfassung
3.2 Beantwortung der Fragestellung
3.3 Anhaltspunkte für weitere Forschung

Literaturverzeichnis

Bücher

Studien

1. Einleitung

1.1 Bedeutung und Fragestellung dieser Arbeit

„Geschäftsleute, die nicht wissen, wie sie Angst und Sorgen bekämpfen, sterben früh“ Diesen Standpunkt vertrat der französische Nobelpreisträger Alexis Carrel bis zu seinem Tod im Jahr 1944. Er war von der negativen Wirkung, die Angst auf den wirtschaftlichen Erfolg ausübt, überzeugt. Obwohl sich Wirtschaft und Gesellschaft seitdem verändert haben, hat die Thematisierung von Angst im wirtschaftlichen Umfeld nicht an Aktualität verloren. Das Angstniveau in unserer heutigen Gesellschaft hat sich im Vergleich zur Mitte des vergangenen Jahrhunderts drastisch erhöht, und aktuelle Entwicklungen prognostizieren die weiterhin steigende Bedeutung von Angst in Unternehmen, da das Vorhandensein ihrer Ursachen stetig zunimmt (Huber, 2013, S.39). Besonders hervorgehoben sei hier die Unsicherheit und Unvorhersehbarkeit in der Wirtschaftswelt, die in heutiger Zeit so hoch ist wie nie zuvor (Covey & Whitman, 2010, S.94). Laut einer Erhebung im Jahr 2007 des Statistischen Bundesamtes Wiesbaden sind psychische Belastungen am Arbeitsplatz sogar ein häufigeres Problem als körperliche (Riechert, 2011, S.5).

An der aktuell hohen Präsenz von Angst besteht also kein Zweifel. Laut Jürgen Margraf, einer der führenden deutschen Angstforscher, ist Angst ohnehin eine fundamentale Emotion des Menschen, das heißt ihre Allgegenwärtigkeit ist fester Bestandteil unseres Daseins (Huber, 2013, S.35). Darüber hinaus stellt Angst sogar einen der stärksten Einflüsse auf das menschliche Verhalten dar (Harding, 2012, S.21). Sowohl das Vorhandensein der Angst selbst als auch ihre starken Auswirkungen sind somit unvermeidbar.

Dementsprechend naheliegend ist es auch, dass in Betrieben nicht nur wirtschaftliche Kennzahlen, sondern auch die Emotionalität der Mitarbeiter Beachtung finden sollte. So vertreten auch Covey & Whitman (2010, S.98) die Ansicht, dass im heutigen Zeitalter eine wichtige Aufgabe von Führungskräften in der Leitung der Emotionen von Mitarbeitern besteht. Diese sind aber häufig nicht dazu ausgebildet. Die geschichtlich bedingte Trennung von Rationalität und Emotionen sowie die Vernachlässigung Letzterer im Betrieb hat noch heute Gültigkeit (Harding, 2012, S.75).

Speziell die Angst ist größtenteils negativ besetzt und wird in Unternehmen weitgehend tabuisiert (Neuhaus, 1990, S.2). So lautete einst die Aussage eines Vorstandsvorsitzenden eines deutschen Industrieunternehmens:

„Angst ist ein Wort, das ich nicht kenne.“ (Panse & Stegmann, 1996, S.15).

Zum einen ist die Tabuisierung trotz ständiger Präsenz von Angst problematisch. Zum Anderen ist es Tatsache, dass in der fernen und nahen Vergangenheit schon Einiges erreicht und erschaffen wurde, was ohne den gezielten Einsatz von Angst nicht möglich gewesen wäre. Und auch heute ist Angst für die Wirtschaft und auch anderweitig nicht ohne jeglichen Nutzen (Panse & Stegmann, 1996, S.16-30). Extremsportler Alexander Huber (2013, S.123) sieht in der Angst sogar seinen „besten Freund“.

Wegen des extrem hohen Ausmaßes an Aktualität, Einflussvermögen, und Umstrittenheit kann sich die genauere Betrachtung folgender Fragestellung lohnen:

Schadet Angst im Unternehmen dem wirtschaftlichen Erfolg?

1.2 Vorgehensweise

Um diese Fragestellung zu erörtern, wird im Folgenden zunächst der Begriff „Angst“ definiert und abgegrenzt und eine Messgröße für wirtschaftlichen Erfolg festgelegt. Es werden betriebswirtschaftlich relevante Angstarten sowie mögliche Ursachen vorgestellt und Folgen dieser Ängste sowie deren Auswirkungen auf den wirtschaftlichen Erfolg eruiert. Abschließend wird die ursprüngliche Fragestellung auf Grundlage der vorangegangenen Erörterungen beantwortet.

Die Rolle von Angst in der gesamten Volkswirtschaft wird nicht betrachtet, ebenso wenig spezielle Ängste auf der Führungsebene.

Auch die Frage, wie Mitarbeiter mit ihren eigenen Ängsten umgehen sollten bzw. wie Führungskräfte Angst beseitigen oder gezielt nutzen können, ist nicht zielführend und wird somit nicht erörtert.

Auf die detaillierte Beschreibung psychologischer oder physiologischer Abläufe wird ebenfalls verzichtet, da eine globale Betrachtung für die bestehende Fragestellung ausreichend ist.

1.3 Definitionen und Abgrenzungen

1.3.1Angst

Der Begriff „Angst“ ist nicht einheitlich definiert, denn er wird je nach Forschungsansatz unterschiedlich aufgefasst (Obidzinski, 2007, S.19).

Zimbardo & Gerrig (2008, S.62)definieren Angst als „unangenehme[n] Gefühlszustand, der als Folge, Begleiterscheinung oder Voraussetzung von Handlungen oder Ereignissen auftreten kann.“ Sie wird erlebt, wenn entweder körperliche Unversehrtheit oder das Selbstkonzept bedroht sind. Laut einer anderen Definition ist Angst die „elementare, unangepasste gefühlsmäßige Reaktion auf das Erkennen einer gegenwärtigen oder vorgestellten (…) Gefahr, welche die ganze Existenz, Leben, Leistungsfähigkeit der Gesamtpersönlichkeit (…) zu bedrohen scheint (Panse & Stegmann, 1996, S.38). Allgemein ist sie eine „körperlich-geistige Reaktion auf einen Stressor, der als bedrohlich empfunden wird" (Panse & Stegmann, 1996, S.43) und die Emotion, die uns zu Flucht oder Angriff veranlasst (Rost, 2005, S.289). Angst folgt also auf einen Reiz und löst ein Verhalten aus.

Dass Angst mit Hilflosigkeit zusammenhängt, impliziert die Definition einer Führungskraft der Bayer AG. Für diese ist Angst das „Gefühl des Ausgeliefertseins, das Ohnmacht und fehlendes Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu handeln und zu entscheiden signalisiert.“ Tatsächlich definieren auch Experten Angst als die „Befürchtung, die Kontrolle über eine Situation zu verlieren“, ausgelöst durch eine „Gefahr, die zunächst als nicht zu bewältigen eingeschätzt wird oder als Ausdruck der inneren Unsicherheit“. (Panse & Stegmann, 1996, S.39-40)

Angst ist auch mit Gefühlen der Erregung, Verzweiflung und Beengung verknüpft und lässt keine Steuerung der Persönlichkeit durch Vernunft mehr zu (Neuhaus, 1990, S.35).

Zusammenfassend ist Angst also eine Emotion, die als Vermittler zwischen einem als bedrohlich empfundenen Reiz und dem darauffolgenden Verhalten dient. Sie ist definitionsgemäß mit Einschränkungen verbunden.

Angst umschließt sowohl die „Zustandsangst“ als auch die „Ängstlichkeit“. Es ist wichtig, zwischen diesen beiden Begriffen zu unterscheiden:

Zustandsangst ist „ein unangenehmes Gefühl, das in Situationen auftritt, die als bedrohlich eingeschätzt werden.“ (Schwarzer, 2000, S.88). Sie wird also durch einen situativen Reiz ausgelöst und ist nur kurzweilig, dafür aber sehr intensiv (Neuhaus, 1990, S.37).

Demgegenüber ist Ängstlichkeit „die Tendenz, auf solche [bedrohlich eingeschätzte] Situationen besonders emotional zu reagieren“ (Schwarzer, 2000, S.88). Es handelt sich also um eine Disposition, die die Anfälligkeit einer Person für Zustandsangst beschreibt. Sie ist dauerhaft gegenwärtig, benötigt also keinen Auslöser, wirkt aber weniger intensiv als die Zustandsangst (Neuhaus, 1990, S.37).

Weiterhin muss eine Unterscheidung zwischen „Angst“ und „Furcht“ vorgenommen werden:

„Angst“ ist laut Freud nicht auf ein bestimmtes Objekt, sondern auf eine Erwartung gerichtet und demnach zukunftsorientiert. „Furcht“ dagegen ist auf einen bestimmten Stressor bezogen (Panse & Stegmann, 1996, S.40) und kann als ein Spezialfall von Zustandsangst angesehen werden, der bei direkter Gefahr auftritt (Rost, 2005, S.339), nachdem die Situation bewertet wurde und Schäden erwartet werden (Rost, 2005, S.189).

Allerdings spielt diese Unterscheidung, die ohnehin umstritten ist (Panse & Stegmann, 1996, S.41), für unsere Betrachtung von Angst in Unternehmen keine Rolle.

1.3.2Wirtschaftlicher Erfolg

Erfolg erlangt ein Unternehmen durch die Erreichung der Unternehmensziele. Das wirtschaftliche Oberziel eines jeden Unternehmens ist die Gewinnmaximierung (Wöhe & Döring, 2013, S.67). Es muss also untersucht werden, ob Angst der Mitarbeiter die Gewinnmaximierung fördert oder beeinträchtigt. Das heißt, zur Beantwortung der Fragestellung müssen durch Angst verursachte Kosten auf der einen und Mehrgewinn auf der anderen Seite erörtert werden.

2. Hauptteil

2.1 Angstarten

Die Klassifizierung von Ängsten unterscheidet sich, ebensowie die Definierung,je nach Forschungsansatz und Anwendungsfeld. Einige Experten halten die Einteilung von Ängsten sogar prinzipiell für nicht notwendig (Panse & Stegmann, 1996, S.44). Für unsere betriebswirtschaftliche Betrachtung ist jedoch die geläufige Unterscheidung der drei Angstarten Existenzangst, Soziale Angst und Leistungsangst nach Schwarzer (1987, S.92) hilfreich. Im Folgenden wird jede dieser Angstarten kurz dargestellt und auf den betriebswirtschaftlichen Kontext übertragen.

Existenzangst basiert auf einer empfundenen Bedrohung der körperlichen – auf betriebswirtschaftlicher Ebene betrachtet aber auch der beruflichen – Existenz. Viel Bedeutung kommt hier der Angst vor dem Arbeitsplatzverlust zu, deren Quote auffällig hoch ist. Eng damit verbunden sind auch Ängste vor dem Identitätsverlust, vor dem Verlust materieller Sicherheit und vor Veränderungen in der Umwelt bzw. vor der Zukunft im Allgemeinen. Eine weitere Form der Existenzangst ist die Angst vor Verarmung, wobei der Betroffene befürchtet, seinen bereits erarbeiteten Erfolg wieder zu verlieren. Diese Form der Angst lässt sich besonders häufig bei Personen mit hohem finanziellen und sozialen Status beobachten, die diesen erst durch eigene Anstrengung erreicht haben. Desweiteren zählen auch die Angst vor dem Alter und vor Krankheit zu den Existenzängsten. (Panse & Stegmann, 1996, S.45-49)

Soziale Angst entsteht, wenn soziale Anforderungen als Bedrohung des Selbstkonzepts empfunden werden (Schwarzer, 1987, S.94). Im Grunde ist sie die Angst vor Nichtbeachtung, Nichtanerkennung, Ablehnung und Zurückweisung beim Interagieren mit anderen Menschen. Sie kann sich in Angst vor Vorgesetzten äußern, da diese durch ihre Machtposition Einfluss auf die Karriere und den sozialen Status des Betroffenen nehmen können. Andersherum tritt auch die Angst vor Unterstellten auf, denn diese können dem Vorgesetzten schnell den Autoritätsstatus aberkennen, interne Informationen nach außen tragen, oder selbst zur Konkurrenz des Vorgesetzten oder sogar des gesamten Unternehmens werden. Eine dritte Form der sozialen Angst im Betrieb ist die Angst vor Kollegen. Sie tritt sehr häufig auf, da Angestellte gezwungen sind, einen Großteil ihrer Zeit mit nicht selbstausgewählten Personen auf engem Raum zusammenzuarbeiten. Die jeweiligen Arbeitsweisen können sehr unterschiedlich sein und kollidieren, darüber hinaus sind Kollegen oft auch gleichzeitig Konkurrenten. Derartige und auch andere Probleme werden vor allem mit neuen Kollegen empfunden, da man diese kaum kennt und ihnen grundsätzlich mit Misstrauen begegnet. Angst vor einem Kollegen kann zu Mobbing desselbigen führen, was wiederum Angst beim Mobbingopfer vor dessen Kollegen auslöst. Zu den sozialen Ängsten zählen weiterhin die Angst davor, seine Meinung frei zu äußern, da man als Konsequenz Nachteile befürchtet, sowie die Angst davor, Präsentationen oder Reden vor einem Publikum zu halten. (Panse & Stegmann, 1996, S.50-57)

Wolfgang Rost (2005, S.344) erwähnt außerdem die Angst vor menschlichem Kontakt, vor Kritik und davor, Forderungen zu stellen und „Nein“ zu sagen.

Leistungsangst tritt bei empfundener Bedrohung des Selbstkonzeptes durch Leistungsanforderungen auf (Schwarzer, 1987, S.94) und ist in der heutigen Wettbewerbsgesellschaft weit verbreitet. Sie tritt beispielsweise auf, wenn der Betroffene beurteilt wird oder andere beurteilen soll, in Prüfungssituationen, oder bei Veränderungen im Betrieb, die die Struktur des Unternehmens oder die persönliche Arbeitssituation und Arbeitsposition betreffen. (Panse & Stegmann, 1996, S.59-62)

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Details

Seiten
21
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668268456
ISBN (Buch)
9783668268463
Dateigröße
693 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v337607
Institution / Hochschule
Fachhochschule Westküste Heide
Note
2,0
Schlagworte
schadet angst unternehmen erfolg ursachen auswirkungen belastungen arbeitsplatz

Autor

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