Lade Inhalt...

GmbH und Einzelunternehmen im Rechtsformvergleich nach der Steuerreform 2015/16

Bachelorarbeit 2016 30 Seiten

BWL - Rechnungswesen, Bilanzierung, Steuern

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Steuerliche Änderungen und Problemstellung
1.2. Aufbau der Arbeit

2. Besteuerung der Rechtsformen
2.1. Steuerliche Behandlung Einzelunternehmen
2.2. Steuerliche Behandlung GmbH
2.3. Gewinnfreibetrag nach § 10 EStG
2.4. Leistungsvereinbarungen zwischen GmbH und Gesellschafter
2.5. Sozialversicherung

3. Rechtsformvergleich
3.1. Klassische Rechtsformvergleiche
3.2. Modellannahmen
3.3. Endvermögensmaximierung
3.4. Wiederveranlagung im Unternehmen
3.5. Veranlagung in Wohnbauanleihen/Gewinnfreibetrag nach § 10 EStG
3.6. Sozialversicherung und Anstellung als Geschäftsführer
3.7. Schlussmodell 1 – Wiederveranlagung in Aktien
3.8. Schlussmodell 2 – Wiederveranlagung im Unternehmen

4. Analyse der Schlussmodelle

5. Zusammenfassung

6. Anhang
6.1. Wiederveranlagung im Unternehmen bei 2 % Rendite
Wiederveranlagung im Unternehmen bei 5 % Rendite
6.2. Schlussmodell 1 – Alternativveranlagungsmöglichkeit 0 %
6.3. Schlussmodell 1 – Alternativveranlagungsmöglichkeit 20 %
Schlussmodell 2 – Wiederveranlagung im Unternehmen 0 %
6.4. Schlussmodell 2 – Wiederveranlagung im Unternehmen 20 %

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

1.1. Steuerliche Änderungen und Problemstellung

Im Zuge der Steuerreform 2015/16 wurden unter anderem die Tarifstufen des § 33 EStG, sowie der Steuersatz der Kapitalertragsteuer von 25 % auf 27,5 % reformiert. Von diesen gravierenden Änderungen sind sowohl das Einzelunternehmen als auch die GmbH betroffen, was die Frage der Vorteilhaftigkeit dieser beiden Rechtsformen aufwirft. Seit der Steuerreform kursieren viele Rechtsformvergleiche zwischen den beiden genannten Rechtsformen welche die Vorteilhaftigkeit meist lediglich an der Steuerbelastung messen und viele andere wichtige Faktoren und Gestaltungsmöglichkeiten gänzlich außer Acht lassen. Ziel dieser Arbeit ist es deshalb alle relevanten Einflüsse zu erläutern und mit verschiedenen Modellen einen Vergleich der beiden Rechtsformen unter verschiedenen Szenarien bestmöglich zu simulieren.

1.2. Aufbau der Arbeit

Im Kapitel 2 werden auf die wichtigsten Unterschiede sowie Einflussfaktoren in der Besteuerung der GmbH und des Einzelunternehmens eingegangen. Im Kapitel 3 werden anhand verschiedener Szenarien Vergleichssimulationen der beiden Rechtsformen durchgeführt und ihre Ergebnisse miteinander verglichen. In den letzten beiden Kapitalen dieser Arbeit werden die erlangten Erkenntnisse analysiert und zusammengefasst.

2. Besteuerung der Rechtsformen

2.1. Steuerliche Behandlung Einzelunternehmen

Der Einkommensteuer unterliegen natürliche Personen, das sind unter anderem Personengesellschaften, Gesellschaften bürgerlichen Rechts oder auch Einzelunternehmen. (Doralt & Ruppe, Steuerrecht Band I 11. Auflage, 2013, S. 21f) Bei diesen Unternehmensformen sind die Gesellschafter und nicht Gesellschaft das Steuersubjekt, man spricht hier vom sogenannten Durchgriffsprinzip, anders als bei Kapitalgesellschaften siehe dazu 2.2.

Der Einkommensteuertarif nach § 33 Abs 1 EStG ist progressiv gestaltet und besitzt nun nicht mehr drei ansteigende Tarifstufen, sondern seit 2016 sechs verschiedene Tarifstufen. Der Einkommensteuertarif nach der alten sowie nach der neuen Rechtslage stellt sich wie folgt dar:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 : Einkommensteuertarif

Der Einkommensteuertarif nach§ 33 Abs 1 EStG ist ein progressiver Steuertarif welcher nun seit 2016 bei einem Einkommen ab EUR 11.000 mit 25 % Grenzsteuersatz startet und anschließend in mehreren Stufen schlussendlich den Grenzsteuersatz von 55 % annimmt. Die Folge aus einem derartigen Steuertarif ist, dass der Durchschnittsteuersatz mit zunehmenden Einkommen steigt und damit natürliche Personen mit einem höheren Einkommen überproportional belastet werden. Dadurch, dass Personen welche höhere Einkünfte erzielen durch die Steuerprogression deutlich stärker belastet werden als jene Personen welche nur geringe Einkünfte aufweisen, bezweckt der Staat eine Umverteilung welche eine größere Gleichheit in der Bevölkerung schafft.

2.2. Steuerliche Behandlung GmbH

Körperschaften sind juristische Personen wie beispielsweise die GmbH oder die AG und werden steuerlich anders wie natürliche Personen behandelt. Diese Körperschaften werden als eigene Steuersubjekte anerkannt, woraus sich der Dualismus in der Besteuerung ergibt. (Doralt & Ruppe, Steuerrecht Band I 11. Auflage, 2013, S. 335) Dieser Dualismus bedeutet, dass die Ebene der Körperschaft sowie jene Ebene des Gesellschafters zu unterscheiden und getrennt voneinander zu besteuern sind. (Doralt & Ruppe, Steuerrecht Band I 11. Auflage, 2013, S. 336) Daraus ergibt sich, dass bei juristischen Personen nicht das Durchgriffprinzip sondern das sogenannte Trennungsprinzip herrscht. Auf der Ebene der Gesellschaft werden die steuerlichen Gewinne mit dem proportionalen Körperschaftsteuersatz in der Höhe von 25 % abgegolten. Gewinne welche an die Gesellschafter ausgeschüttet werden stellen Einkünfte aus Kapitalvermögen dar und können mit der KESt endbesteuert werden. Wie bereits in der Einleitung kurz angesprochen, wurde dieser besondere Steuersatz nach § 27a Abs 2 EStG im Zuge der Steuerreform 2015/16 von 25 % auf 27,5 % erhöht. Des Weiteren besteht die Möglichkeit nach § 27 Abs 5 EStG die Einkünfte aus Kapitalvermögen nach dem allgemeinen Steuertarif zu besteuern. Diese Option auf Regelbesteuerung wird uns jedoch in diesem Rechtsformvergleich nicht mehr weiter begegnen, da sie nur von Vorteil wäre, wenn der Steuerpflichtige ein sehr geringes Einkommen aufweist oder seine Einkünfte mit den Verlusten aus anderen Einkünften ausgleichen kann. Für eine Kapitalgesellschaft welche ihre Gewinne vollständig an die Gesellschafter ausschüttet ergibt sich dadurch folgende Steuerbelastung:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Durch diese Anhebung des besonderen Steuersatzes hat sich die Steuerbelastung zu Ungunsten einer vollausschüttenden Kapitalgesellschaft von 43,75 % auf 45,625 % erhöht. Im Vergleich dazu beträgt der Grenzsteuersatz des progressiven Einkommensteuertarifs ab EUR 60.000,00 Einkommen 48 % und steigt dann noch weiter bis auf 55 % an. Daraus kann man schließen, dass eine Kapitalgesellschaft bei hohen Gewinnen steuerlich geringer als eine Personengesellschaft oder ein Einzelunternehmen belastet werden wird. Bei kleinen Gewinnen wird eine Personengesellschaft oder ein Einzelunternehmen selbstverständlich steuerlich besser wie eine Kapitalgesellschaft gestellt sein. Dies bedeutet also, dass es eine Gewinnschwelle geben muss, bei der beispielsweise ein Einzelunternehmen und eine GmbH die gleiche Abgabenbelastung aufweisen, doch dazu später mehr.

2.3. Gewinnfreibetrag nach § 10 EStG

Der Gewinnfreibetrag nach § 10 EStG kann von natürlichen Personen welche betriebliche Einkünfte erzielen unabhängig von der Gewinnermittlungsart in Anspruch genommen werden. (Doralt & Ruppe, Steuerrecht Band I 11. Auflage, 2013, S. 199) Der Gewinnfreibetrag ist nach § 10 Abs 1 Z 2 EStG wie folgt gestaffelt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Daraus ergibt sich ein höchstmöglicher Gewinnfreibetrag in der Höhe von EUR 45.350 bei einem Gewinn über EUR 580.000. Der Gewinnfreibetrag wird als eine Art fiktive Aufwendung vom Gewinn abgezogen. (Doralt, Steuerrecht 2013/14 Ein systematischer Überblick, 2013, S. 68) Der Gewinnfreibetrag unterteilt sich in einen Grundfreibetrag und einen investitionsbedingten Gewinnfreibetrag. Der sogenannte Grundfreibetrag nach § 10 Abs 1 Z 3 steht dem Steuerpflichtigen pro Veranlagungsjahr einmal ohne Investitionserfordernis zu. Dieser Grundfreibetrag steht bis zur Bemessungsgrundlage von EUR 30.000 zu und beträgt deshalb höchstens EUR 3.900. Übersteigt der Gewinn die Bemessungsgrundlage von EUR 30.000 kann ein investitionsbedingter Gewinnfreibetrag in Anspruch genommen werden, vorausgesetzt es wurden im Veranlagungsjahr begünstige Wirtschaftsgüter nach § 10 Abs 3 angeschafft. Dabei handelt es sich um körperlich abnutzbare Wirtschaftsgüter mit einer betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer von mindestens vier Jahren oder Wohnbauanleihen welche mindestens vier Jahre dem Betriebsvermögen gewidmet werden. Nach § 10 Abs 4 können unter anderem für gebrauchte Wirtschaftsgüter, PKWs sowie geringwertige Wirtschaftsgüter kein investitionsbedingter Gewinnfreibetrag geltend gemacht werden. Den natürliche Personen ist es sehr zu empfehlen den investitionsbedingten Gewinnfreibetrag komplett auszunutzen. Ein Einzelunternehmen welchem man einen Gewinn beim Grenzsteuersatz von 50 % unterstellt, hätte durch eine Investition ins Anlagevermögen die Abschreibungen in voller Höhe verteilt auf die Nutzungsdauer als Betriebsausgabe sowie zusätzlich die fiktive Betriebsausgabe des investitionsbedingten Gewinnfreibetrags für das Veranlagungsjahr, wodurch sich diese Investition durch die Steuerersparnis praktisch von selbst amortisieren würde.

2.4. Leistungsvereinbarungen zwischen GmbH und Gesellschafter

Bei Kapitalgesellschaften werden fremdübliche Vertragsbeziehungen wie beispielsweise Geschäftsführergehälter, Miet- oder Zinszahlungen steuerlich anerkannt und können so als Betriebsausgaben angesetzt werden. (Urnik & Steinhauser, 2016, S. 84) Für den Rechtsformvergleich wird speziell auf den Gesellschafter-Geschäftsführerbezug genau eingegangen werden. Dabei zu beachten ist, dass der Geschäftsführerbezug nicht nach eigenem Ermessen individuell gestaltet werden kann, denn er muss einem Fremdvergleich standhalten. Wurde der Geschäftsführerbezug zu hoch gewählt, handelt es sich um eine verdeckte Gewinnausschüttung, welche aufgrund der fremdunüblichen Vertragsgestaltung steuerlich nicht anerkannt wird. Bei Gesellschaftern welche als Geschäftsführer angestellt sind kommt es auf die Höhe der Beteiligung und auf die Art der Beschäftigung an, ob diese Einkünfte aus nichtselbständiger Tätigkeit oder aus selbständiger Arbeit beziehen. (Doralt, Steuerrecht 2013/14 Ein systematischer Überblick, 2013, S. 23) In den Vergleichsrechnungen welche auf den nächsten Seiten folgen, wird es sich um eine Ein-Mann-GmbH handeln, was die Konsequenz mit sich bringen wird, dass der Geschäftsführer Einkünfte aus selbständiger Arbeit beziehen wird. Eine Folge daraus ist, dass die GmbH für den Geschäftsführer folgende Lohnnebenkosten entrichten muss: (Urnik & Steinhauser, 2016, S. 85)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(in Anlehnung an Urnik & Steinhauser, 2016, S. 86)

Der Zuschlag zum Dienstgeberbeitrag, welchen man der Website der WKO entnehmen kann, ist abhängig vom Bundesland und beträgt zwischen 0,36 % und 0,44 %. Für die folgenden Modelle ergeben sich deshalb Lohnnebenkosten in der Höhe von 7,93 % welche die GmbH als Betriebsausgabe ansetzen kann.

2.5. Sozialversicherung

Der Einzelunternehmer, sowie der als Geschäftsführer angestellte GmbH-Gesellschafter unterliegen der Pflichtversicherung des GSVG. (Urnik & Steinhauser, 2016, S. 86) Die Pflichtversicherung umfasst die Pensions-, Kranken-, Unfallversicherung und betriebliche Vorsorgekasse. Die Sozialversicherung wird durch die Höchstbeitragsgrundlage nach § 48 GSVG begrenzt. Die Beitragssätze sowie die Höchstbeitragsgrundlage für das Jahr 2016 sehen wie folgt aus:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Für den Rechtsformvergleich werden die Beiträge zur betrieblichen Vorsorgekasse nicht in die Berechnung einfließen, da es sich bei diesen Zahlungen nicht um gewöhnliche Aufwendungen wie die Kranken-, Pensions- oder Unfallversicherung handelt. Die geleisteten Zahlungen führen nämlich zu einem unmittelbaren Guthaben für den Unternehmer. Um einen möglichst getreuen Vergleich zwischen der GmbH und dem Einzelunternehmer zu gewährleisten, muss in den Berechnungen der Geschäftsführerbezug mindestens die Höchstbeitragsgrundlage von EUR 68.040,00 aufweisen, damit es zu keinem Unterschied im Versicherungsumfang von den beiden Rechtsformen kommt.

3. Rechtsformvergleich

3.1. Klassische Rechtsformvergleiche

Ziel dieser Arbeit ist es einen steuerlichen Vergleich zwischen Einzelunternehmen und GmbH anzustellen, welcher möglichst allen relevanten Faktoren wie beispielsweise Zinseffekte und Gestaltungsmöglichkeiten beinhalten soll um so einen möglichst getreuen Rechtsformvergleich für die Praxis zu kreieren. Es ist trivial, dass die Steuerbelastung des Einzelunternehmens mit einem progressiven Steuertarifs und jener Steuerbelastung der GmbH, mit einem konstanten Steuersatz, bei einer gewissen Gewinnhöhe gleich hoch sein werden. Diese Überlegung machen sich fast alle Rechtsformvergleiche zu nutzen und vergleichen die Steuerbelastung der vollausschüttenden oder der vollthesaurierende GmbH mit dem Einzelunternehmen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 : vollständige Ausschüttung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3 : vollständige Thesaurierung

Beim Vergleich zwischen dem Einzelunternehmen und der vollständig ausschüttenden GmbH verschob sich durch die Steuerreform 2015/16 die Gewinngrenze von EUR 187.400 auf EUR 321.600, bei welcher die beiden Rechtsformen dieselbe Steuerbelastung aufweisen. Bei der angesprochenen Gewinnhöhe von EUR 321.600 beträgt für das Einzelunternehmen nach Abzug des Grundfreibetrages die Einkommensteuer, sowie für die GmbH die Summe aus Körperschaftsteuer und Kapitalertragsteuer jeweils EUR 146.730.

Vergleicht man das Einzelunternehmen mit einer vollständig thesaurierenden GmbH sind die Einkommensteuer und die Körperschaftsteuer bei einer Gewinnhöhe von EUR 49.165 gleich hoch. (Vor der Steuerreform lag die Grenze bei EUR 40.510)

[...]

Details

Seiten
30
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668268937
ISBN (Buch)
9783668268944
Dateigröße
1.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v337554
Institution / Hochschule
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck – Rechnungslegung, Steuerlehre und Wirtschaftsprüfung
Note
1,0
Schlagworte
Steuerreform 2025/16 GmbH Einzelunternehmen Rechtsformvergleich Steuerrecht Bilanzierung

Autor

Zurück

Titel: GmbH und Einzelunternehmen im Rechtsformvergleich nach der Steuerreform 2015/16