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Die Situation von Kindern alkoholabhängiger Eltern. Interaktion und Rollenmodelle

Bachelorarbeit 2015 57 Seiten

Psychologie - Klinische u. Gesundheitspsychologie, Psychopathologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung

1. Einleitung

2. Alkoholabhängigkeit
2.1. Begriffsdefinitionen
2.2. Klassifikation

3. Familie
3.1 System Familie
3.2 Erziehung

4. Einflüsse auf die Interaktion in der Familie mit alkoholabhängigen Eltern
4.1. Stimmungs-/Verhaltensschwankungen
4.2 Struktur/Familienrituale
4.3 (unterdrückte) Gefühle
4.4 Streit und Konflikte
4.5 Empirische Ergebnisse

5. Anpassung der Kinder und Rollenmodell
5.1 Rollenmodell nach Wegscheider
5.2 Empirische Ergebnisse

6. Zusammenfassung und Fazit

7. Literaturverzeichnis

8. Tabellenverzeichnis

9. Abbildungsverzeichnis

Zusammenfassung

Alkoholabhängigkeit kann sich verschieden auf die Kinder auswirken, beispielsweise durch Stressoren in der Familie. In dieser Arbeit wird sich dem Thema, wie sich die Alkoholabhängigkeit der Eltern auf die familiäre Situation der Kinder auswirkt, zugewandt. Im Rahmen dessen werden empirische Ergebnisse herangezogen, beispielsweise zu den Themen Gewalt, Atmosphäre, Rituale/Struktur, Gefühle und Erziehung. Ebenso wird darauf eingegangen, wie sich die Kinder an die familiäre Situation anpassen und ein Rollenmodell nach Wegscheider wird erläutert. Dieses wird im Anschluss empirisch überprüft. Die Studien wurden durch systematische Suche in Datenbanken gewonnen. Es stellte sich heraus, dass es durch eine Alkoholabhängigkeit Veränderungen in der familiären Umgebung der Kinder gibt, zum Beispiel eine veränderte Erziehung, Missbrauchs- oder Gewalterfahrungen. Jedoch kam auch zur Sprache, dass möglicherweise weitere, in diesen Familien gehäufte Stressoren, wie Scheidung oder Tod des Elternteils, die Hauptursachen sind. Es muss weiterhin eine Abgrenzung zu anderen psychischen Störungen bei den Eltern und deren Einflüssen geben.

1. Einleitung

2,7 Millionen Menschen zeigen einen missbräuchlichen Konsum und 1,6 Millionen sind laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung [BzgA] (2004) alkoholabhängig. Die Alkoholabhängigkeit hat Folgen in verschiedenen Bereichen wie Beruf, Gesundheit sowie Familie. Die Menschen in der näheren Umgebung werden dadurch zum Teil erheblich beeinflusst. Oft wurde in der Forschung bisher nur der Partner betrachtet. Bei den meisten der abhängigen Menschen leben jedoch auch Kinder mit im Haushalt und diese werden dadurch in ihrer Entwicklung eingeschränkt. Cotton (1979) beispielsweise belegte in ihrer Überblicksarbeit von 39 Studien, dass die Alkoholabhängigkeit einen großen Einfluss auf die Kinder hat. Überzufällig oft haben Kinder, die alkoholabhängig sind, ebenso Eltern mit dieser Diagnose. Kinder von alkoholkranken Eltern weisen ein erhöhtes Risiko zur Entwicklung von Alkoholstörungen und weiteren psychischen Störungen auf. Die Entstehung von psychischen Störungen verläuft jedoch nicht nach dem Ursache-Wirkungs-Prinzip. Die Entwicklungs-risiken sind eher als ein komplexes Gefüge zu sehen. Es wurden verschiedene Arten der Anpassung bei den Kindern festgestellt. (Zobel, 2006) Risikofaktoren im kindlichen Umfeld erhöhen die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten dieser. Nicht jedes Kind entwickelt eine psychische Störung. Viele verschiedene Kriterien (Risiko- und Schutzfaktoren) haben darauf einen Einfluss. (Moesgen, 2014) Es zeichnet sich ab, dass Merkmale der Umwelt, Persönlichkeitseigenschaften, Kognitionen und biologische Dispositionen des Kindes interagieren und letztendlich das Entstehen sowie die Ausprägung von psychischen Störungen bestimmen. (Klein & Zobel, 1997) Risikofaktoren, die in der Umgebung zu finden sind, werden Stressoren genannt. Dazu zählen zum Beispiel familiäre Belastungen. Die Kinder in alkoholbelasteten Familien erleben andere familiäre Bedingungen als Gleichaltrige ohne trinkende Eltern. (Zobel, 2006)

Mittels Literaturrecherche in Datenbanken stellte sich heraus, dass in der Forschung vorwiegend das Thema, welche Störungen und Beeinträchtigungen die Kinder entwickeln sowie die jeweiligen Häufigkeiten dazu, behandelt wird. In dieser Arbeit soll es jedoch darum gehen, welche Risikofaktoren, hier speziell die familiären Umweltbedingungen, es gibt. Wenn das Verständnis darüber erweitert wird, können Präventions- und Behandlungsmaßnahmen genauer und somit besser werden. Vor allem soll geklärt werden, wie sich die Alkoholabhängigkeit der Eltern auf die Kinder auswirkt. Die Literaturrecherche in den Datenbanken Psycinfo (Pubmed) sowie Psyndex zu diesem speziellen Unterthema der familiären Risikofaktoren ergab, dass es viele ältere Studien gibt, die bereits ab 1980 durchgeführt wurden. Deshalb werden im empirischen Teil viele ältere Quellen mit einbezogen. Im Rahmen der Recherche zu den Faktoren innerhalb der Familie stellte sich heraus, dass zur Erklärung der Auswirkungen Rollenmodelle entwickelt wurden. Das am meisten erwähnte war von Wegscheider und soll in dieser Arbeit ebenso Berücksichtigung finden.

Zuallererst, zweites Kapitel, wird auf die Alkoholabhängigkeit eingegangen, um ein besseres Verständnis über dieses Krankheitsbild zu erhalten. Auf Definitionen zu wichtigen Begrifflichkeiten sowie Klassifikationen wird eingegangen. Im dritten Kapitel werden theoretische Grundlagen geboten, um den empirischen Teil besser zu verstehen. Damit das Rollenmodell nachvollzogen werden kann, wird auf das System Familie eingegangen. Vor allem das Krankheitsbild der Alkoholabhängigkeit zieht eine Umstrukturierung in der Familie nach sich. Ebenso von Bedeutung sind Begriffe wie Interaktion(smuster) und Erziehung, denn diese Themen werden in den Studien untersucht. Im vierten Kapitel wird auf die expliziten Einflüsse auf die Interaktion in der Familie mit alkoholabhängigen Eltern eingegangen. Vor allem wurde in folgenden Bereichen geforscht: Stimmungs-/Verhaltensschwankungen, Struktur/Familienrituale, (unterdrückte) Gefühle, Streit/Konflikte. Nachdem allgemeine Fakten diesbezüglich vorgestellt werden, findet ein Abgleich dieser mit Hilfe der Studien statt. Abschließend wird im fünften Kapitel, um das Verständnis der Familienstruktur zu erleichtern, das gängigste Rollenmodell von Wegscheider angeführt. Dieses beschreibt aus der systemischen Sicht, wie sich die Rollenverteilung innerhalb der Familie verändert. In der folgenden Arbeit ist unter dem Begriff der Familie immer Mann und Frau mit dem Kind/den Kindern gemeint. Ebenso werden in diesem Kapitel allgemeine Fakten zur Anpassung der Kinder geliefert.

2. Alkoholabhängigkeit

Zuallererst werden die wichtigsten Begriffe im Zusammenhang mit dem Thema geklärt: Alkohol, Alkoholismus, Sucht und Alkoholabhängigkeit und beispielsweise auch, wie sich im Laufe der Zeit die verwendeten Begriffe wandelten. Weiterhin wird darauf eingegangen, welche Begriffe die verschiedenen Klassifikationssysteme verwenden. Entzugserscheinungen werden erwähnt sowie, ab wann von einem kritischen Konsum gesprochen wird. Auf Alkoholabhängigkeit soll aber nur kurz eingegangen werden, da das Hauptaugenmerk des Themas auf familiären Einflüssen auf die Kinder von Alkoholabhängigen liegt.

2.1. Begriffsdefinitionen

Heutzutage ist der Alkohol in Deutschland in unbegrenztem Maße vorhanden, somit stellt es die tatsächliche Droge Nummer 1 dar. In unserer Gesellschaft ist das Trinken so akzeptiert und integriert, sodass Versuche, den Konsum einzuschränken unmöglich erscheinen. Ab wann aus einem Alkoholkonsum eine Abhängigkeit wird, ist sehr individuell und schwer bestimmbar. Die Gefahr eines Missbrauchs nimmt aber mit steigendem, regelmäßigem Konsum zu. (BzgA, 2004) Der Alkohol übernimmt dabei ganz unterschiedliche Funktionen und Bedeutungen. In der Gesellschaft wird das Genussmittel ambivalent betrachtet. Einerseits wird bei manchen festlichen Aktivitäten der Alkoholkonsum erwartet und somit der Wunsch nach einem Abschalten von alltäglichen Verpflichtungen. Andererseits wird erhofft, dass das Ausmaß des Konsums kontrolliert werden kann, um beispielsweise ein permanentes Versagen im Alltag zu vermeiden. Eine Person, die alkoholbedingte Probleme entwickelt, wird von der Gesellschaft abgelehnt. (Moesgen, 2014)

Die Krankheit Alkoholismus ist vielfältig mit unterschiedlichsten Begleit- und Folgeerkrankungen. (Moesgen, 2014) In fachlichen Diskussionen wurden mehrere neue Begriffe eingeführt, beispielsweise „Alkoholabhängigkeit“ statt „Alkoholismus“. Bei der diagnostischen Einteilung in der International Classification of Diseases [ICD] - 10 der Weltgesundheitsordnung [WHO] heißt es schädlicher Gebrauch bzw. beim Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders [DSM] - IV der Amerikanischen Psychiatrischen Association [APA] Missbrauch. (Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen [DHS], 2015) Auf die genauen Klassifikationen wird im Laufe der Arbeit noch eingegangen.

Der Begriff Alkoholismus nahm durch den schwedischen Arzt Huss 1852 Gestalt an. (Soyka & Küfner, 2008) Bis zum Ende der 1970er Jahre wurde von Alkoholismus gesprochen und damit waren die körperlichen Folgen aufgrund eines zu starken Alkoholkonsums gemeint. Die Bevölkerung verwendete den Begriff aber vieldeutig und somit verabschiedete die WHO 1979 diesen. (BzgA, 2004)

Alkoholabhängigkeit wird als Synonym für den Begriff Trunksucht verwendet. Die WHO riet aber 1964 dazu, es als Abhängigkeit einer psychotropen Substanz zu bezeichnen und nicht mehr als Sucht wegen der Mehrdeutigkeit des Begriffes (z.B. auch in Gelbsucht). (DHS, 2015) Vor allem ist es auch von den nicht-stoffgebundenen Süchten abzugrenzen wie Sexsucht. (Soyka & Küfner, 2008) In der folgenden Arbeit wird nur der Begriff der Alkoholabhängigkeit verwendet.

Eine allgemein-abstrakte Definition von Abhängigkeit:

Als (stoffgebundene) Abhängigkeit bezeichnet man ein Syndrom, das Symptome der physiologischen, kognitiven und der Verhaltensebene umfasst. Das Abhängigkeits-syndrom ist bei allen Substanzen, die ein nennenswertes Abhängigkeitspotenzial aufweisen, ähnlich. (Soyka & Küfner, 2008, S.6)

Von Alkoholabhängigkeit als eine psychiatrische Erkrankung wird gesprochen, wenn folgende Kriterien zutreffen: Der Betroffene verspürt einen manchmal übermächtigen, oft starken Wunsch, Alkohol konsumieren zu müssen; die Interessen und das Denken werden auf den Alkoholkonsum eingeengt; ebenso liegt eine verminderte Kontrolle über die Menge des Getrunkenen vor. Hierbei wird von einer psychischen Abhängigkeit gesprochen, es wird subjektiv erlebt und geschieht unmerklich. (DHS, 2015) Sie ist meist mehr entscheidend für eine Diagnose, als die körperliche Abhängigkeit. Ein wesentliches Kernmerkmal ist das Fehlen der Kontrollfähigkeit. (Soyka & Küfner, 2008) Oftmals kommt die körperliche Abhängigkeit hinzu, eine Toleranzsteigerung sowie Entzugserscheinungen treten auf, diese sind objektiv beobachtbar. (DHS, 2015) Toleranzentwicklung meint, dass um die gleiche Wirkung zu erhalten, nun eine Dosissteigerung vorgenommen wird. (Soyka & Küfner, 2008) Wenn längerfristig große Mengen an Alkohol konsumiert werden, kommt es im Körper zu Veränderungen, speziell im Nervensystem. Beim plötzlichen Beenden des Konsums treten Fehlregulationen auf, die dann Entzugserscheinungen zur Folge haben. Es können Symptome auftreten wie Magen-Darm-Beschwerden, starkes Schwitzen usw. Schlimmstenfalls kann ein Delirium tremens eintreten, es ist lebensbedrohlich und es sollte unverzüglich ein Arzt konsultiert werden. Dazu zählen beispielsweise Bewusstseinsstörungen, Halluzinationen oder auch Angstzustände. (BzgA, 2004) Auf die ausführlichen biologischen Folgen des Alkoholkonsums auf den Körper wird in der folgenden Arbeit nicht weiter eingegangen.

Im ICD-10 wurde Abstand vom Begriff Alkoholmissbrauch genommen und sich für schädlichen Gebrauch entschieden. (Soyka & Küfner, 2008) Um schädlichen Gebrauch handelt es sich, wenn die Folgen (körperliche oder seelische) des Alkoholkonsums zu einer Schädigung der Gesundheit führen. Oftmals wird zur Erzielung der positiven Wirkung Alkohol in höherer Dosis getrunken, wobei aber kein Konsumzwang besteht. Schädlicher Gebrauch liegt bei vielen Alkoholabhängigen vor, es muss aber nicht zwangsläufig so sein. (DHS, 2015) Merkmale des schädlichen Gebrauchs sind: wenn Frauen täglich mehr als 40 g und Männer mehr als 60 g, auf den Reinalkohol bezogen, trinken; schlechte Laborwerte; körperliche Merkmale durch den Alkohol sind eruierbar; soziale Probleme feststellbar; das Alkoholentzugssyndrom wird nicht festgestellt. (BzgA, 2004) Es beginnt oft mit einem gewohnheitsmäßigen Konsum, wobei der Alkohol in überhöhtem Maße getrunken wird. Die positiven Effekte werden dabei angezielt, jedoch besteht kein Konsumzwang. (Moesgen, 2014)

Verschiedene Störungsbilder hängen auch mit der Alkoholabhängigkeit bzw. dem schädlichem Gebrauch zusammen, wie beispielsweise die Alkoholvergiftung oder affektive Störungen. Von einem riskanten Alkoholkonsum wird bei Konsummengen gesprochen, bei denen ein statistisch erhöhtes Risiko zur Entstehung von Erkrankungen festgestellt wurde. (DHS, 2015)

Die Grenze wurde in den letzten Jahren immer wieder korrigiert. Bei Frauen sollte eine Menge von 12 g und bei Männern 24 g reinen Alkohols pro Tag nicht überschritten werden. Als Vergleich: Frauen sollten nicht mehr als 0,25 Liter Wein oder 0,5 Liter Bier zu sich nehmen; Männer sollten 0,5 Liter Wein oder 1,0 Liter Bier nicht überschreiten. Unter den 18 bis 69 Jahre alten Deutschen wurde bei 9,3 Millionen ein riskanter Konsum festgestellt. 2,7 Millionen konsumieren missbräuchlich sowie 1,6 Millionen seien akut abhängig. (BzgA, 2004) Dabei werden verschiedene Konsummuster unterschieden: geringer, gefährlicher, schädlicher und Hochrisiko-Konsum. (Soyka & Küfter, 2008)

Da aber unterschiedliche Verträglichkeitsgrenzen zwischen den Menschen bestehen, kommt es bei der Ausbildung einer Alkoholabhängigkeit jedoch nicht nur auf die Konsummenge an. Das Risiko, psychische oder soziale Schäden bedingt durch den Alkohol zu erleben oder anderen zuzufügen, steigt mit der konsumierten Menge an. Mindestens zwei Tage in der Woche sollte weiterhin kein Konsum stattfinden, um eine Gewöhnung zu vermeiden. Das Trinken in der Schwangerschaft, bei Einnahme bestimmter Medikamente, auf der Arbeit oder im Straßenverkehr ist ebenso schädlich sowie Rauschtrinken. (DHS, 2015)

In Deutschland ist die Alkoholabhängigkeit seit 1968 in der Reichsversicherungsordnung anerkannt. Seither ist es die Pflicht der Sozialversicherungen sowie Krankenkassen für Leistungen, die die Alkoholabhängigkeit oder aber auch die Folgeerkrankungen betreffen, aufzukommen. Es ist eine individuell unterschiedliche Erkrankung. Die Merkmale sind der Verlust der Selbstkontrolle sowie ein sich langsam steigernder Verlauf. Die Alkoholabhängigkeit wird jedoch nicht vorsätzlich erworben und sie ist multifaktoriell bedingt. (DHS, 2015) Die Entstehung sowie Manifestation der chronischen Krankheit Alkoholabhängigkeit wird durch genetische und psychosoziale Faktoren sowie durch die Umwelt bedingt. Es ist eine progressiv fortschreitende Erkrankung mit typischen Symptomen. Sie kann auch zum Tod führen. (BzgA, 2004) Der Verlauf sowie die Therapie von Alkoholabhängigkeit werden von vielen verschiedenen individuellen Faktoren beeinflusst, beispielsweise Komorbiditäten oder Vorerkrankungen. (DHS, 2015)

Der Missbrauch sowie die Abhängigkeit sind heutzutage das größte Problem in der Sozialmedizin. Die Lebenserwartung der Alkoholabhängigen sinkt erheblich und auch die Selbstmordrate ist bedenklich. Wenn ein riskanter Alkoholkonsum vorliegt, steigt das Sterberisiko an. (BzgA, 2004)

Die Alkoholabhängigkeit verändert den Menschen auch in seiner Art, wie er denkt oder fühlt. Meist wird sie jahrelang verleugnet, häufig auch bis zum Tod. Mitmenschen werden belogen und Gründe gesucht, warum heute getrunken werden muss. (Lambrou, 2010)

Die sozialen Folgen von Alkoholabhängigkeit können im Bereich des Familienlebens, der Arbeit, der Öffentlichkeit oder Delinquenz sein. Die Wirkung innerhalb der Familie ist komplex. Es beeinflusst die Partnerschaft sowie die Kinder. Sie führen oft die Familie. (Soyka, 2001) Mit dieser Frage, wie es sich auf die Kinder auswirkt, beschäftige ich mich ausführlich im Laufe dieser Arbeit.

2.2. Klassifikation

Da sich die vorliegende Arbeit mit dem Thema Alkoholabhängigkeit der Eltern beschäftigt, wird im Rahmen dieses Kapitels auf die beiden Klassifikationssysteme ICD-10 und DSM-IV eingegangen, um ein besseres Verständnis der Krankheit zu erhalten. Die geforderten Kriterien und Aspekte zur Diagnosestellung der Alkoholabhängigkeit werden ebenso benannt.

In Deutschland wird vorwiegend auf das Klassifikationssystem ICD-10 der WHO zurückgegriffen. Die WHO beschreibt in ihrem Klassifikationsschema drei Kernsymptome der Alkoholabhängigkeit: die Dosissteigerung, Entzugssymptomatik (sei es psychisch oder physisch) sowie der Kontrollverlust. Für das ICD-11 wird diskutiert, ob die Dosissteigerung ein wichtiges Symptom sei. (DHS, 2015)

Unter F10-15 sind die psychischen und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen zu finden und speziell die Störungen durch Alkohol sind als F10 codiert. (ICD-10, 2005) Zur Beantwortung der Fragestellung wird im folgenden Teil ausschließlich auf schädlichen Gebrauch und das Abhängigkeitssyndrom eingegangen.

Beim schädlichen Gebrauch (F 10.1) muss eine existente Schädigung des Körpers oder der Psyche des Konsumenten vorhanden sein. Aus den Konsequenzen des schädlichen Verhaltens folgen meist auch soziale, negative Folgen, beispielsweise durch Kritik anderer. Für die Diagnose schädlicher Gebrauch reichen jedoch nicht die Ablehnung durch das Umfeld, ein „Kater“ sowie akute Intoxikation. Wenn ein Abhängigkeitssyndrom oder andere psychische Störungen durch den Alkohol vorherrschen, sollte nicht die Diagnose des schädlichen Gebrauchs vergeben werden. Es muss ein Gesundheitsschaden vorliegen. (ICD-10, 2005)

Die Diagnose Alkoholabhängigkeitssyndrom (F 10.2) umfasst eine Reihe körperlicher, kognitiver oder Verhaltensphänomene. Hierbei hat der Konsum für den Betroffenen die Priorität gegenüber anderen Dingen, die ihm früher wichtiger waren. Charakteristisch für das Abhängigkeitssyndrom „ist der oft starke, gelegentlich übermächtige Wunsch, (…) Alkohol oder Tabak zu konsumieren.“ (ICD-10, 2005, S. 92) Die Diagnose Abhängigkeitssyndrom sollte nur vergeben werden, wenn drei oder mehr der im Folgenden genannten Kriterien innerhalb des letzten Jahres zugetroffen haben. (ICD-10, 2005)

1. Ein starker Wunsch oder eine Art Zwang, psychotrope Substanzen zu konsumieren.
2. Verminderte Kontrollfähigkeit bezüglich des Beginns, der Beendigung und der Menge des Konsums.
3. Ein körperliches Entzugssyndrom (...) bei Beendigung oder Reduktion des Konsums, nachgewiesen durch die substanzspezifischen Entzugssymptome oder durch die Aufnahme der gleichen oder einer nahe verwandten Substanz, um Entzugssymptome zu mildern oder zu vermeiden.
4. Nachweis einer Toleranz. Um die ursprünglich durch niedrigere Dosen erreichten Wirkungen der psychotropen Substanz hervorzurufen, sind zunehmend höhere Dosen erforderlich (…).
5. Fortschreitende Vernachlässigung anderer Vergnügen oder Interessen zugunsten des Substanzkonsums, erhöhter Zeitaufwand, um sich die Substanz zu beschaffen, zu konsumieren oder sich von den Folgen zu erholen.
6. Anhaltender Substanzkonsum trotz des Nachweises eindeutiger schädlicher Folgen, z.B. Leberschädigung durch exzessives Trinken, depressive Verstimmungen infolge starken Substanzkonsums (…). (ICD-10, 2005, S. 93)

Beim letzten Kriterium sollte jedoch beachtet werden, dass sich der Konsument den schädlichen Folgen bewusst war. Weiterhin wird ein eingeengtes Verhaltensmuster zu den typischen Merkmalen gezählt. Von den Betroffenen wird das Fortsetzen des Konsums als ein innerer Zwang/Drang erlebt und er tritt erst auf, wenn versucht wird mit dem Konsum aufzuhören. (ICD-10, 2005) Psychische Abhängigkeit geht einher mit einem bestimmten Beschaffungsverhalten und krankhaften Einnahmemuster bezüglich der Menge sowie Dauer. Physische Abhängigkeit bezieht sich auf die körperliche Wirkungsweise. Letzteres äußert sich in der Toleranzsteigerung sowie den Entzugssymptomen. (DHS, 2015) In der ICD-10 (2005) wird auch noch genauer in abstinenten, gegenwärtigen, ständigen sowie episodischen Substanzgebrauch unterschieden.

In der ICD-10 Klassifikation der substanzbedingten Störungen wird davon ausgegangen, dass Missbrauch/schädlicher Gebrauch sowie Abhängigkeit unabhängig voneinander existieren. Oftmals trinken die Menschen am Anfang angepasst Alkohol, um sich an der positiven Wirkung zu erfreuen. Damit eine größere Wirkung erzielt wird, kommt es zur Erhöhung der Dosis und Häufigkeit des Trinkens und damit treten immer öfter beispielsweise Trunkenheit oder auch Rauschzustände auf. Nach jahrelangem und starkem Konsum stellen sich schließlich auch körperliche oder psychische Folgen ein. Des Öfteren folgt darauf ein Arztbesuch, es muss aber nicht zwangsläufig eine Sucht entstanden sein. Schädlicher Gebrauch kann auch ein Vorbote der Abhängigkeit sein, aus missbräuchlichem wird abhängiger Konsum. Hier hat der Betroffene dann beide Störungen, aber es wird nur von der Abhängigkeit gesprochen. (DHS, 2015)

Im Grunde genommen ähneln sich die beiden Klassifikationssysteme, doch bei der Diagnosevergabe gibt es ein paar Unterschiede. (Moesgen, 2014) Im DSM-IV (2003) wird Abhängigkeit als ein unangepasstes Schema des Alkoholkonsums verstanden, daraus folgen Leiden sowie Beeinträchtigungen. Mindestens drei der nun aufgezählten Punkte müssen innerhalb des letzten Jahres zugetroffen haben.

1. Toleranzentwicklung, (…):

a) Verlangen nach ausgeprägter Dosissteigerung, um einen Intoxikationszustand oder erwünschten Effekt herbeizuführen,

b) deutlich verminderte Wirkung bei fortgesetzter Einnahme der gleichen Dosis.

2. Entzugssymptome, die sich durch eines der folgenden Kriterien äußern:

a) charakteristisches Entzugssyndrom der jeweiligen Substanz (…),
b) dieselbe (oder eine sehr ähnliche) Substanz wird eingenommen, um Entzugssymptome zu lindern oder zu vermeiden.

3. Die Substanz wird häufig in größeren Mengen oder länger als beabsichtigt eingenommen.

4. Anhaltender Wunsch oder erfolglose Versuche, den Substanzkonsum zu verringern oder zu kontrollieren.

5. Viel Zeit für Aktivitäten, um die Substanz zu beschaffen (…), sie zu sich zu nehmen (…) oder sich von ihren Wirkungen zu erholen.

6. Wichtige soziale, berufliche oder Freizeitaktivitäten werden aufgrund des Substanzkonsums aufgegeben oder eingeschränkt.

7. Fortgesetzter Substanzkonsum trotz Kenntnis eines anhaltenden oder wiederkehrenden körperlichen oder psychischen Problems, das wahrscheinlich durch die Substanz verursacht oder verstärkt wurde (…).

(DSM-IV, 2003, S. 99)

Kein Mensch kann vorhersagen, ob er eine Abhängigkeit oder körperliche Schäden entwickeln wird. Der Konsum sollte deshalb immer hinterfragt werden und jeder sollte sich über den Prozess der Entwicklung einer Abhängigkeit informieren.

3. Familie

Im folgenden Kapitel werden theoretische Grundlagen zur Familie geliefert sowie wichtige Begriffe wie Interaktion, Erziehung, Kindheit, Familienrituale usw. definiert. Zuallererst wird auf das Verständnis der Familie als System eingegangen. Vor allem bei den Rollenmodellen, die im 5. Kapitel Thema sind, ist diese Sichtweise vorwiegend der Hintergrund. Die Familie wird als Individuen, die sich gegenseitig beeinflussen, verstanden. Ebenso wird auf die Interaktion zwischen den einzelnen Personen innerhalb der Familie eingegangen.

In mehreren Studien wird die Erziehung, genauer der Erziehungsstil, von alkoholabhängigen Eltern untersucht, deshalb werden hierfür Grundlagen geliefert. Die Kommunikation und Interaktion im Rahmen der Erziehung haben einen Einfluss auf die Familienatmosphäre. Abschließend werden noch Faktoren, die förderlich oder hinderlich für die Entwicklung des Kindes sein können, genannt.

3.1 System Familie

Eine Sucht beispielsweise betrifft immer die ganze Familie. Sie muss stets in ihrer Individualität betrachtet werden. Daher wird diskutiert, ob es überhaupt eine Theorie zu diesen Familien geben kann. Gemeinsamkeiten können aufgezeigt werden. Die verschiedenen Beziehungszusammenstellungen werden untersucht. (Gemeinhardt, 2005)

Um die Prozesse des Familiengeschehens besser einordnen zu können, eignet sich das Modell der familientherapeutischen Arbeit. Dieses sieht die Familie als Ganzes an, als System. Die einzelnen Individuen werden mit ihrer Gefühlswelt und ihrer individuellen Entwicklung betrachtet. In diesem System sind die Familienmitglieder in einer bestimmten Art und Weise untereinander verbunden. (Zobel, 2006) In der Familienpsychologie zählt zum System Familie: die einzelnen Elemente/Familienmitglieder, Subsysteme (Eltern, Geschwister) sowie das Gesamtsystem; das beeinflusst sich wechselseitig. Die Beziehung zwischen den Eltern wird beispielsweise durch Geschwisterstreitigkeiten verändert. Wenn es zu einer großen Veränderung auf einer Systemebene kommt, dann hat dies Auswirkungen auf das gesamte System und es kann möglicherweise zu einer Umorganisierung kommen. Daraus folgt eine neu balancierte Struktur. Es wird angenommen, dass sich Interaktionsmuster innerhalb der Familie als ein wesentlicher Beziehungsaspekt gegenseitig beeinflussen. Die Interaktion zwischen Mutter und Kind ist zum Beispiel davon abhängig, ob sie allein sind oder der Vater dazu kommt. Alle Familienmitglieder sind als Individuen zu sehen, die sich ständig entwickeln. (Noack, 2008) In der Psychotherapie, vor allem Familientherapie, findet zunehmend ein Umdenken von der Begutachtung des Individuums allein zur Betrachtung des Systems statt. Hierbei wird davon ausgegangen, dass eine Veränderung in einer Person Veränderungen in seinem Umfeld sowie in seinen Beziehungen zur Folge hat, da er ein Teil der Umgebung ist. Die Familie ist nicht statisch, sie stellt ein sich selbst regulierendes und aufrechterhaltendes System dar, also sie entwickelt sich ständig. Interaktionen üben die Kinder in Beziehungen zu anderen, vor allem in der Familie. Jede Familie entwickelt eigene Interaktionsmuster und Gewohnheiten. (Bätz, 1997)

Bei der Erziehung und Sozialisation ist die familiale Interaktion entscheidend. Bei der sozialen Interaktion sind Personen verbal oder nonverbal voneinander abhängig. Der eine Partner beeinflusst durch das, was er tut, das Verhalten des Interaktionspartners. Wenn die Interaktion öfter stattfindet, entstehen mit der Zeit Interaktionsmuster. Sie sind ein wichtiger Teil der Beziehungen, wie sie beispielsweise zwischen Familienmitgliedern bestehen. Zur Beziehung gehören neben den Interaktionsmustern ebenso kognitive Repräsentationen von der eigenen Person sowie dem Partner. Entsprechend meiner Repräsentation gehe ich mit einer bestimmten Erwartung an die Interaktion, wie der Partner z.B. reagieren könnte. Durch Erfahrungen werden die Repräsentationen stabilisiert oder verändert. Zu den Repräsentationen zählt Allgemeines, wie auf eine Frage folgt eine Antwort; Partnerspezifisches wie immer, wenn ich meine Frau auf die Arbeit anspreche, reagiert sie genervt; oder auch Situationsspezifisches wie wenn wir in einer Gruppe sind, lacht meine Frau über meine Witze, wenn wir allein sind, aber nicht. Innerhalb der sozialen Interaktion wird Verhalten als eine Information gesehen. Ich beziehe immer Stellung zum Verhalten meines Partners, auch wenn ich nicht reagiere, auch dies beeinflusst die Interaktionssequenz. Interaktionsbeiträge können dem Partner etwas übermitteln, ihn dazu veranlassen, etwas zu tun oder sie sind auf andere Ziele ausgerichtet. Dies ist zielgerichtetes Handeln. Das Interaktionsverhalten wird nicht immer bewusst eingesetzt. Menschen werden als aktive Gestalter ihrer Umwelt gesehen, in diesem Rahmen wird von Handeln gesprochen, wenn das Verhalten zielgerichtet ist. Also wenn das Verhalten mit Zielen, Vorstellungen oder bestimmten Werten in Verbindung gebracht werden kann, beispielsweise die Erziehungsziele der Eltern. Ein Auslöser für konflikthafte Interaktionen können unterschiedliche Vorstellungen der Eltern und Jugendlichen von Zielen sein. (Noack, 2008)

Familienrituale stellen symbolisch gesehen eine Form der Kommunikation dar. Durch sie erfährt das System Familie Stabilität, da bestimmte Muster immer wiederholt werden. Grenzen und Regeln werden im Rahmen dessen definiert. Zu Familienritualen gehört beispielsweise, Geburtstage zu feiern oder Mahlzeiten zusammen zu essen. Die Kinder sind von den Eltern in einer bestimmten Art und Weise abhängig, da sie sich Bedürfnisse wie Liebe und Zuneigung nicht selbst erfüllen können. Ebenso ihre Entwicklung wird von der Familie beeinflusst. (Bätz, 1997)

3.2 Erziehung

Eine große Beachtung in der Forschung finden die Interaktions- und Kommunikationsprozesse innerhalb der Familie. Eine wichtige Rolle im Rahmen der Vermittlung von Werten, Normen und Verhaltensmustern spielt die Kernfamilie. Das Selbstbild des Kindes sowie die Sicht auf die Dinge werden durch die Familienatmosphäre und Kommunikationsprozesse geprägt. Vor allem bei der Entstehung von psychischen Störungen sollte das Familienklima nicht vernachlässigt werden. Beispielsweise die Entwicklung von Verweigerungsverhalten oder unangepasstem Verhalten hängt oft auch mit dem Verhalten der Eltern zusammen, ebenso das Wohlbefinden und die Kompetenzen der Kinder. (Eickhoff, 2000)

Wenn die elterliche Erziehung sowie die Wirkung dessen psychologisch erforscht wird, dann spielt die Vorstellung des Erziehungsstils eine große Rolle. Vor allem geht es um den Einfluss dessen auf die Entwicklung des Kindes. Beim Definitionsversuch von Erziehungsstil wird erst in Erziehungswissen und -praktiken unterschieden. Ersteres meint alle alltagspsychologisch fundierten Ziele, Einstellungen sowie instrumentellen Überzeugungen bei der Erziehung. Erziehungspraktiken bezeichnen dem gegenüber spezielle Verhaltensweisen auf das Kind bezogen. Erziehungswissen und -praktiken müssen nicht immer reibungslos funktionieren. Generell ist das spezifische Verhalten der Eltern und nicht das Wissen entscheidend für die Kinder. Ein Beispielmodell zur Erklärung der elterlichen Erziehungswirkung ist das Zweiprozess-Modell. (siehe Abbildung 1) (Hock, 2008)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 Zweiprozess-Modell elterlicher Erziehungswirkung (Hock, 2008, S.495)

In diesem Modell wird der Einfluss der Erziehung auf die Entstehung von Ängstlichkeit, Bewältigungsstrategien sowie -kompetenzen verdeutlicht. Ängstlichkeit entsteht hierbei durch ein bedrohliches, inkonsistentes, also für das Kind nicht vorhersehbares Erziehungsverhalten, dadurch wird die Handlungskontrolle des Kindes eingeschränkt. Dieses immer wiederkehrende Erziehungsverhalten verursacht eine relativ stabile Konsequenzerwartung (wahrscheinliche Folgen werden erwartet), Kompetenzdefizite sowie -erwartungen (eigene Einschätzung der Handlungsmöglichkeiten in Problemsituationen) beim Kind. Diese Erwartungen ziehen einen höheren Grad an Unsicherheit nach sich. Daraus folgt, dass wenig protektive Verhaltensweisen aufgebaut werden können sowie problemlösende Handlungen möglicherweise nicht angefangen oder durch Misserfolge abgebrochen werden. Um Kompetenzen aufzubauen, sind vor allem durchführungsorientierte Erziehungspraktiken wichtig, diese zeigen sich vorwiegend, während ein Problem oder eine belastende Episode bearbeitet wird. Bei der Entwicklung von Konsequenzerwartungen beim Kind werden ergebnisorientierte Praktiken bevorzugt. Hierbei wird das vorliegende Verhalten oder Resultat dessen bewertet. Zu durchführungsorientierten Praktiken zählen die Stile Unterstützung sowie Einschränkung. Unterstützende elterliche Handlungen sind solche, die dem Kind helfen, Problemlösestrategien aufzubauen, Voraussetzungen zum Erwerb zu schaffen, motivational und emotional dabei zu helfen sowie Erfolgszuversicht zu stärken. Zur Einschränkung zählen Praktiken, die das Übernehmen von Wissensinhalten/fertigen Lösungen, Orientierungen an anderen Meinungen oder auch das Aufrechterhalten der Alkoholabhängigkeit der Eltern begünstigen; beispielsweise das aktive, explorative Verhalten wird behindert. Zu ergebnisorientierten Praktiken zählt ebenso, dass Eltern dem Kind positive und negative Rückmeldungen geben. Hierbei sind die Häufigkeit, Intensität sowie Inkonsistenz von Bedeutung. Ängstlichkeit beim Kind entwickelt sich vor allem, wenn im Erziehungsverhalten hohe Einschränkungen, wenig Unterstützung, viel Tadel/Strafen (wirkt bedrohlich) sowie eine inkonsistente Rückmeldung (keine Vorhersehbarkeit) vorhanden ist. (Hock, 2008) Kinder benötigen eine Umwelt, in der sie Regeln und Normen lernen können. Damit dies optimal funktioniert, sollte es klare Grenzen und ebenso Regeln geben, beispielsweise durchschaubare Sanktionen und nicht für das gleiche Verhalten am einen Tag Lob und am nächsten Tag Strafe. Die Eltern stellen Identifikationsobjekte dar. (Bätz, 1997)

Die Kindheit wird durch Risiko- und Schutzfaktoren verschieden beeinflusst. (Petermann & Petermann, 2013) Kindheit ist der Ausdruck des Verhältnisses, das zwischen Kindern und Erwachsenen besteht. Während des Alltagslebens wird dieses Generationenverhältnis stets neu geprägt. (Zeither, 2000) Bestimmte Faktoren in der familiären Umgebung begünstigen eine gesunde Entwicklung. Es gibt Leitlinien der Erziehung, die eine positive Eltern-Kind-Interaktion sowie einen entsprechenden Erziehungsstil beinhalten. Von großer Bedeutung sind folgende Aspekte: die Entwicklung einer Bindung zwischen der Mutter und dem Kind; Sensibilität der Eltern für die Bedürfnisse der Kinder; Anleitung der Kinder zur Selbstregulation (beispielsweise bei großen Stressreaktionen). Zu den am meisten erforschten Risiken bei der Entstehung von Problemverhalten der Kinder zählen ein negatives Familienklima sowie unpassendes Erziehungsverhalten. Familiäre Risikofaktoren sind: fehlende Harmonie in der Familie sowie kaum emotionale Wärme; wenig gegenseitige Akzeptanz; Inkonsistenz im Erziehungsverhalten; Vernachlässigung und Kindesmissbrauch. Des Weiteren sind ungünstige Faktoren: Armut, frühes Mutter-sein, geringer sozioökonomischer Status, Trennung bzw. Scheidung der Eltern, Alkoholmissbrauch, psychische Erkrankungen sowie Kriminalität. Die Kombination verschiedener Risikofaktoren erhöht die Wahrscheinlichkeit auf eine Entwicklung eines Problemverhaltens. (Petermann & Petermann, 2013) In dieser Bachelorarbeit ist Alkoholabhängigkeit das Thema. Scheidungen bzw. Trennungen sind auch Faktoren, die im Rahmen der Abhängigkeit möglich sein können.

Es wurde untersucht welche Merkmale von Vätern risikohaft für die Entwicklung der Kinder sind: junges Vater-werden; geringes Bildungsniveau; Arbeitslosigkeit; Abhängigkeit von einer Substanz; psychische Erkrankungen; erlebte Gewalt/Missbrauch in der eigenen Kindheit; Probleme, den emotionalen Zustand des Kindes zu erfassen sowie Mangel an Empathie; fehlende Kompetenz zur Erziehung; Erziehungsverhalten ist autoritär; Aggressivität sowie wenig Hilfe von außerhalb wird akzeptiert. (Petermann & Petermann, 2013)

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Details

Seiten
57
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783656988618
ISBN (Buch)
9783656988625
Dateigröße
646 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v337373
Institution / Hochschule
Hochschule Magdeburg-Stendal; Standort Stendal
Note
1,3
Schlagworte
Psychologie Alkoholabhängigkeit Alkoholismus Kinder System Familie

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Titel: Die Situation von Kindern alkoholabhängiger Eltern. Interaktion und Rollenmodelle