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Teamarbeit. Die Gestaltung der betrieblichen Ausbildung in Teams

Hausarbeit 2016 18 Seiten

Führung und Personal - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Gestaltung der Ausbildung in Teams

3 Die Teambildung und -entwicklung

4 Teameigenschaften

4.1 Rollen im Team

5 Voraussetzungen für Teamarbeit

6 Regeln für Teamarbeit

7 Fazit

8 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Teamfähigkeit ist heutzutage eine der wichtigsten Schlüsselqualifikationen in der Arbeitswelt. Zunehmend wird Wert gelegt auf soziale Fähigkeiten bzw. Soft Skills wie Kommunikations-, Kooperations- und Teamfähigkeit - so auch in der betrieblichen Ausbildung. Jeder Auszubildende sollte im Team erfolgreich arbeiten und mit den Arbeitsweisen, Eigenschaften und Wertvorstellungen anderen umgehen können. Nicht umsonst ist Teamarbeit heutzutage eine der bevorzugten Arbeitsformen, denn gemeinsames Arbeiten macht auch Spaß und ist motivierend. Jeder kann Verantwortung übernehmen und sich mit seinen Stärken einbringen, um gemeinsam kreative und gute Ergebnisse zu erarbeiten. Kurz gesagt: geteilte Arbeit und doppelter Nutzen[1]. Und je besser man sich versteht, desto besser arbeitet man auch zusammen. Eine positive, anspornende Arbeitsatmosphäre zu schaffen, in der die Auszubildenden zu einem Team mit Wir-Gefühl zusammenwachsen, ist das Ziel eines jeden Ausbilders. Zudem werden im Team oft bessere Ergebnisse erzielt als von Einzelpersonen. Frei nach dem Motto: Team = Together everybody achieves more[2].

Die Zielsetzung dieser Hausarbeit im Rahmen des Seminars „Ausbildung der Ausbilder“ ist es, die Arbeitsform der Teamarbeit als Bestandteil der betrieblichen Ausbildung näher zu beleuchten. Es soll dargelegt werden, wie Teams gebildet werden und welche Eigenschaften Teams aufweisen. Zudem soll erläutert werden, welche Voraussetzungen und Rahmenbedingungen geschaffen werden müssen, um eine erfolgreiche Teamarbeit zu ermöglichen und welche Regeln bei der Teamarbeit zu beachten sind.

2 Die Gestaltung der Ausbildung in Teams

Viele Prozesse und Aufgaben in der heutigen Arbeitswelt sind so aufgebaut, dass sie nur effizient erreicht werden können, wenn mehrere Mitarbeiter konstruktiv zusammenarbeiten[3]. Deshalb wird Teamarbeit immer wichtiger. Die heutige Ausbildung muss die Auszubildenden auf diese Anforderungen vorbereiten und sie befähigen, teamorientiert arbeiten zu können. Teamarbeit sollte heute daher einen elementaren Bestandteil der betrieblichen Ausbildung darstellen. Die Teamarbeit in der Ausbildung dient dann hauptsächlich dazu, die Sozialkompetenz zu erhöhen und die Arbeit im Team zu erlernen und zu üben.

Dabei können die Auszubildenden in vielerlei Hinsicht von den Vorteilen der Teamarbeit profitieren: Aufgaben im Team zu erarbeiten kann sehr interessant, spannend und motivierend sein, da man sich intensiv mit anderen austauscht und durch Argumentieren gemeinsam zur Lösungsfindung kommt[4]. Die Arbeit im Team macht das Wissen, die Eigenschaften, die Fähigkeiten und die Erfahrung aller Mitglieder nutzbar. Somit ist der Informationsfluss und Erfahrungsaustausch bei Teamarbeit deutlich besser als bei anderen Arbeitsformen. Ein Team ist oftmals kreativer als eine Einzelperson und bringt effektivere Ergebnisse. Teamarbeit fördert Motivation und Arbeitszufriedenheit, weil man in guten Teams mehr Spaß bei der Arbeit hat und erfolgreicher zusammenarbeitet[5]. Wichtig ist, dass den Auszubildenden von Anfang an Verantwortung übertragen wird und sie ihre Erfahrungen sammeln können. So werden sie schnell lernen, dass Teamarbeit Synergien nutzt, da jeder seine Stärken einbringt und man viel voneinander lernen kann. Letztlich kann jeder seinen Beitrag zum großen Ganzen leisten[6] und individuelle Ressourcen können besser genutzt werden[7]. Es besteht jedoch auch immer die Gefahr, dass sich einzelne Teammitglieder nicht an der Arbeit beteiligen oder die Arbeit sehr ungleich verteilt ist[8]. Um Konflikte und Mobbing zu vermeiden, erfordert Teamarbeit vom Ausbilder eine intensive Betreuung[9].

Innerhalb der betrieblichen Ausbildung bilden in der Regel alle Auszubildenden desselben Lehrjahres ein großes Team, welches sich am ersten Ausbildungstag kennenlernt und durch geeignete Teambildungsmaßnahmen des Ausbilders zu einem Team zusammengeführt wird. Gemeinsam erarbeitet dieses Team Aufgabenstellungen ohne direkte Hilfe des Ausbilders. Die Aufgaben sind durch ein Ziel definiert. Betrifft die Zielsetzung bzw. das Ergebnis der Teamarbeit die Auszubildenden selbst, ist ein höheres Engagement zu erwarten. Beispielsweise kann die Organisation von gemeinsamen Team-Events wie Elternabend, Grillfest, Weihnachtsfeier oder ein Ausflugs zur Ausbildungsbörse eine tolle Teamaufgabe sein. Jeder Auszubildende kann seine Stärken gewinnbringend einsetzen, Verantwortung übernehmen und mitentscheiden, wie ihre Team-Veranstaltungen gestaltet werden. Je nach Aufgabenstellung kann die große Gruppe an Auszubildenden in kleinere Teams unterteilt werden.

Die Aufgaben werden die Auszubildenden durchaus vor Herausforderungen stellen, die sowohl angenehme als auch konfliktbehaftetere Erfahrungen mit sich bringen werden. Jedoch tragen genau diese gemeinsamen Erfahrungen dazu bei, aus der zusammengewürfelten Gruppe Auszubildender ein arbeitsfähiges Team zu bilden. Erst so kann sich ein Teamgeist entwickeln, der die Effektivität der Zusammenarbeit steigert[10]. Dadurch, dass die Teams je nach Aufgabenstellung variiert werden, lernen die Auszubildenden mit verschiedenen Charakteren umzugehen und sich intensiver mit den eigenen Eigenschaften und Arbeitsweisen und denen anderer auseinanderzusetzen.

Gerade zu Beginn der Ausbildung ist für die Auszubildenden die Zugehörigkeit zu einem Team wichtig. Die Arbeit im Team gibt den Jugendlichen ein Gefühl von Sicherheit und erfüllt ihr Bedürfnis nach Gruppenmitgliedschaft. Die Gruppe dient als neues Bezugssystem, an dem sich die Auszubildenden orientieren können. Zudem erleichtert die Arbeit in einer Gruppe, sich vom Elternhaus zu emanzipieren, sich einen Status und Anerkennung verschaffen sowie durch die gemeinsame Stärke die eigenen Interessen durchzusetzen[11]. Somit ist die Ausgestaltung der Ausbildung in Teams auch unter diesen Gesichtspunkten der persönlichen Entwicklung der jugendlichen Auszubildenden sinnvoll.

Zudem durchlaufen die Auszubildenden innerhalb ihrer Ausbildung die verschiedensten Abteilungen. In jeder Abteilung müssen sich die Auszubildenden in vorhandene Teams – wenn auch nur für einen begrenzten Zeitraum – einfügen. Hier treten sie nicht als Team an Auszubildenden eines Lehrjahres auf, sondern als individuelle Person. Somit ist Kooperations- und Teamfähigkeit während der gesamten Ausbildung eine wichtige Kompetenz, die der einzelne Auszubildende erlernen muss und die ihn befähigt, innerhalb bestehender Teams zu arbeiten. Die Auszubildenden lernen verschiedene Teams mit ihren Teammitgliedern, Rollenverteilungen und Regeln kennen. Sie können sich ein Bild machen von verschiedenen Arbeitsweisen und Arbeitsatmosphären und für sich erkennen, in welchen Teams sie sich am wohlsten fühlen und die besten Ergebnisse erzielen. Am Ende der Ausbildung zu reflektieren, warum bestimmte Teams besser zusammengearbeitet haben und erfolgreicher waren als andere und auch zu analysieren, warum bestimmte Teamarbeiten weniger erfolgreich und konfliktreicher verlaufen sind, stellt für die Auszubildenden eine wichtige Erkenntnis für die Teamarbeit im späteren Berufsleben dar.

3 Die Teambildung und -entwicklung

Zur Bildung von Teams, der Schaffung eines Wir-Gefühls und einer leistungsfähigen Zusammenarbeit durchlaufen die Auszubildenden die folgenden vier Entwicklungsphasen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung: Entwicklungsphasen eines Teams[12]

Diese Phasen treten in der Regel immer auf, wenn ein Team neu zusammengesetzt wird, so auch den Auszubildenden eines Lehrjahres. Die vier Phasen Forming, Storming, Norming und Performing laufen nicht strikt getrennt nacheinander ab, sondern greifen ineinander.[13]

In der ersten Orientierungs- und Formierungsphase („forming“) ist das Ziel, aus den einzelnen Auszubildenden ein gemeinsames Team zu bilden. Die Gruppenmitglieder lernen sich kennen, man „beschnuppert“ sich vorsichtig, freundlich und höflich. Dieser erste Kontakt kommt in der Regel am ersten Ausbildungstag zustande, weshalb diesem für die Formierungsphase eine besondere Bedeutung zukommt[14]. Da sich die Mitglieder noch nicht kennen, besteht ein gewisser Sicherheitsabstand und es ist noch wenig gegenseitiges Vertrauen vorhanden. Man muss erst noch „miteinander vertraut werden“[15]. Die Auszubildenden orientieren sich deshalb zunächst vorwiegend am Ausbilder und testen aus, wie sie sich in der Gruppe verhalten können[16]. Die Formierungsphase wird normalerweise durch die Ausbilder in Form einer Einführungswoche organisiert. Es findet zunächst eine Vorstellungsrunde statt, um sich besser kennenzulernen. Beispielsweise kann jeder Auszubildende etwas über sich und seine Eigenschaften erzählen, in dem er drei Adjektive findet, die ihn selbst beschreiben und die mit dem Anfangsbuchstaben seines Vornamens beginnen. Verschiedene Teambildungsmaßnahmen, Übungen, Spiele und der gemeinsame Besuch diverser Begrüßungs- und Einführungsveranstaltungen dienen der Teambildung in der ersten Orientierungsphase.

In der Konfrontations- und Konfliktphase („storming“) wird die Rollen- und Aufgabenverteilung im Team geklärt und es werden Verantwortungsbereiche definiert. Häufig kommt es hierbei zu Cliquenbildung und Konfliktsituationen, da sich Einzelne in der Gruppe bestmöglich positionieren und das eigene „Revier markieren“ möchten[17].

In der folgenden Kooperations- und Normierungsphase („norming“) werden Normen, Regeln, Umgangsformen und Vorgehensweisen für die gemeinsame Teamarbeit gefunden und akzeptiert. Jedes Teammitglied findet seine Rolle und Aufgabe im Team und es entwickelt sich ein Wir-Gefühl[18]. Somit ist die gemeinschaftliche Basis für eine aufgaben- und zielorientierte Zusammenarbeit geschaffen. Das Team wird durch gemeinsame Erfahrungen weiter stabilisiert[19].

In der letzten Phase, der Arbeits- und Wachstumsphase („performing“), arbeiten die Auszubildenden ziel- und ergebnisorientiert im Team erfolgreich zusammen. Durch konstruktive Zusammenarbeit und flexible Rollen- und Aufgabenverteilung können Problemstellungen effizient und effektiv gelöst werden. Das Team hat in dieser Phase seine bestmögliche Leistungsfähigkeit erreicht und bringt kreative und wirksame Problemlösungen[20].

Gerade auf die Teambildung und –entwicklung muss die Ausbildungsleitung einen starken Fokus legen und sich darum intensiv kümmern. Der Prozess der Teamentwicklung kann je nach Bedarf stark vom Ausbilder beeinflusst und gesteuert werden. Verschiedene Ausbildungsmethoden wie die Leitfragenmethode, die Leittext-methode oder die Projektmethode können hier unterstützen und die Teambildung und –entwicklung vorantreiben[21]. Oft wird Teamarbeit in Zusammenhang mit Projekten geübt und vermittelt, wo sie auch im Berufsleben am häufigsten zum Einsatz kommt. Jedoch sollten sich Ausbilder vorab bewusst sein, dass Teambildung und -entwicklung Prozesse sind, die länger dauern und meist nicht reibungslos verlaufen[22].

Damit auch die Auszubildenden die Teamentwicklung einschätzen können, ist es hilfreich, ihnen die vier Phasen der Teamentwicklung zu Beginn der Ausbildung vorzustellen. So wissen sie, was auf sie zukommt und in welcher Phase sie sich während des Teambildungsprozesses befinden. Dadurch können sie auf den Teamentwicklungsprozess selbst positiv Einfluss nehmen[23].

4 Teameigenschaften

Ein Team besteht in der Regel aus einer Gruppe von mindestens drei Personen, die ein gemeinsames Ziel verfolgen und dieses gemeinsam engagiert erarbeiten bzw. zusammen für dessen Erreichung verantwortlich sind. Teams besitzen oder entwickeln ein Wir-Gefühl. Dieser Teamgeist befähigt ein Team, durch erhöhte Motivation auch bessere Leistungen zu erbringen als Einzelpersonen.

Teams unterscheiden sich von Gruppen dahingehend, dass sie sich also nicht nur zusammenschließen, um Gruppenprozesse zu erfahren und die Sozialkompetenz zu steigern, sondern um ein gemeinsames Ziel zu erreichen[24]. Gemeinsam werden außerordentliche Leistungen erbracht und Probleme und Konflikte bewältigt, wobei sich jeder für das Team verantwortlich fühlt[25].

Teams sind sogenannte formelle Gruppen. Formelle Gruppen werden von außen, also bspw. durch den Ausbilder zusammengesetzt, ebenso wird die Aufgabenstellung von außen vorgegeben[26]. Bei der Zusammenstellung des Teams aller Auszubildenden eines Jahrgangs konnte vorab kein Einfluss auf gewünschte Eigenschaften oder Fähigkeiten der Mitglieder gelegt werden, da sich Ausbilder und Auszubildende vorab nicht kannten. Das Team wird also rein zweckmäßig gebildet, um zusammen Aufgaben zu erarbeiten.

[...]


[1] Vgl. Meier (2012), S. 6.

[2] Vgl. Küper / Stein (2008), S. 213.

[3] Vgl. Jacobs / Preuße (2010), S. 86.

[4] Vgl. Küper / Stein (2008), S. 212.

[5] Vgl. Meier (2012), S. 7.

[6] Vgl. Bürger (2014), S. 105.

[7] Vgl. Besemer u.a. (1998), S. 51.

[8] Vgl. Koch, J. (1998), S. 55.

[9] Vgl. Küper / Stein (2008), S. 212.

[10] Bemeser u.a. (1998), S. 53.

[11] Vgl. Küper / Stein (2008), S. 203.

[12] Eigene Darstellung in Anlehnung an Küper / Stein (2008), S. 208.

[13] Vgl. Birker, G. / Birker, K. (2001), S.52.

[14] Vgl. Küper / Stein (2008), S. 208.

[15] Bähr (1999), S. 6F – 16.

[16] Vgl. Küper / Stein (2009), S. 209.

[17] Vgl. Küper / Stein (2008), S. 208f.

[18] Vgl. Birker, G. / Birker, K. (2001), S. 52.

[19] Vgl. Bähr (1999), S. 6F – 16.

[20] Vgl. Küper / Stein (2008), S. 208f.

[21] Vgl. Bähr (1999), S. 6F - 1.

[22] Vgl. Bähr (1999), S. 6F - 8.

[23] Vgl. Horger-Thies (2012), S. 13.

[24] Vgl. Bähr (1999), S. 6F - 7.

[25] Vgl. Bähr (1999), S. 6F - 7.

[26] Vgl. Küper / Stein (2008), S. 204.

Details

Seiten
18
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783656988304
ISBN (Buch)
9783656988311
Dateigröße
635 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v337308
Institution / Hochschule
Hochschule Fulda – Fachbereich Wirtschaft
Note
1,7
Schlagworte
Ausbildung der Ausbilder AdA AdA-Schein Gruppen anleiten Teambildung Teamarbeit Ausbildung

Autor

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