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Der Einarbeitungsprozess von neuen Mitarbeitern in einer Vertriebsorganisation. Sozial-kognitive Lerntheorie nach Albert Bandura

Seminararbeit 2016 19 Seiten

Psychologie - Lernpsychologie, Intelligenzforschung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Vorgehensweise

2. Zur Person: Albert Bandura

3. Begriffliche Abgrenzung

4. Sozial-kognitive Lerntheorie
4.1 Bobo-Doll Experiment
4.2 Prinzipien des Modelllernens
4.2.1 Einführung
4.2.2 Aneignungsphase
4.2.3 Ausführungsphase
4.3 Selbstwirksamkeitserwartung
4.4 Auswirkungen des Modelllernens

5. Übertrag der sozial-kognitiven Lerntheorie auf den Einarbeitungs- prozess neuer Mitarbeiter in einer Vertriebsorganisation

6. Fazit

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Albert Bandura

Abbildung 2: Beispiel eines Behaltensprozesses

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Einteilung der Lerntheorien

Tabelle 2: Bobo-Doll Experiment

Tabelle 3: Teilprozesse des Beobachtungslernens

Tabelle 4: Quellen der Selbstwirksamkeitserwartung

1. Einleitung

1.1 Problemstellung und Zielsetzung

Seit vielen Jahrzehnten zählt das Thema „Lernen“ zu einem wichtigen Forschungsgegenstand von Psychologen, Pädagogen und Verhaltensforschern. Kaum ein anderes Thema weißt eine simultane Komplexität auf, wie das Lernen eines menschlichen Wesens. Von Kinderbeinen an bis ins hohe Alter hin sind wir in der Lage unser Verhalten situationsgerecht abzustimmen und uns neue Fähig- und Fertigkeiten anzueignen. Aus psychologischer Sicht wird das Lernen als ein Erfahrungsprozess bezeichnet. Dieser Prozess führt dazu, dass Menschen ihr Verhalten ständig anpassen und verändern.[1]

Auch in unterschiedlichen Arbeitssituationen sind Menschen in der Lage ihr Verhalten den Gegebenheiten unmittelbar anzupassen. Eine mögliche Erklärung hierzu könnte die sozial-kognitive Lerntheorie des kanadischen Psychologen Albert Bandura darstellen. Ziel dieser Ausarbeitung ist daher der Versuch die literarischen Grundlagen von Banduras Forschungsarbeit zu analysieren und auf einen Einarbeitungsprozess von neuen Mitarbeitern in einer Vertriebsorganisation zu übertragen.

1.2 Vorgehensweise

Um eine wissenschaftlich fundierte Aussage zur Übertragbarkeit der sozial-kognitiven Lerntheorie auf die Einarbeitung eines Vertriebsmitarbeiters treffen zu können, ist eine vorherige Analyse aller Ergebnisse aus Albert Banduras Forschungen notwendig. Kapitel zwei dient vorweg dazu den Lebensweg von Albert Bandura zu beleuchten. Kapitel drei dieser Ausarbeitung dient anschließend als Grundlagenkapitel und geht auf die begriffliche Abgrenzung zwischen „Lernen“ und „Lerntheorien“ ein. Das darauffolgende Kapitel widmet sich den Forschungsergebnissen von Albert Bandura in Hinblick auf seine sozial-kognitive Lerntheorie. Zusätzlich wird auch auf das berühmte „Bobo-Doll“-Experiment eingegangen. Anhand der in Kapitel vier erworbenen Kenntnisse werden die theoretischen Grundlagen Banduras in Kapitel fünf auf den Einarbeitungsprozess eines Vertriebsmitarbeiters transferiert und in einem Fazit abschließend zusammengefasst.

2. Zur Person: Albert Bandura

Albert Bandura wurde am 04. Dezember 1925 als Sohn osteuropäischer Einwanderer geboren. Sein Geburtsort Mundare – unweit der Stadt Edmonton – zählte damals zu einem beliebten Ort für Zuwanderer in Kanada. Bandura war der jüngste von sechs Kindern und auch der einzige männliche Nachfolger seiner Eltern. Die Mutter Banduras kam gebürtig aus der Ukraine und der Vater aus Polen. Beide hatten kaum schulische Bildung genossen – legten bei Ihren Kindern aber dennoch viel Wert darauf. So besuchte Albert Bandura nach Abschluss der Grundschule eine High-School und schloss ein Studium an. Er studierte an der University of British Columbia in Vancouver und erlangte den Titel des Bachelors in Psychologie. Später erhielt er an der University of Iowa den Mastertitel in klinischer Psychologie und bereits ein Jahr darauf auch seinen Doktortitel. Während seines Masterstudiums in Iowa lernte er seine spätere Ehefrau Virgina Vans kennen. Die beiden bekamen im Jahr 1954 die erste und 1958 die zweite gemeinsame Tochter. Nachdem Bandura den Doktortitel erworben hatte, wechselte er als Postdoktorand an das Wichita Guidance Center.[2]

Im Jahr 1953 begann Bandura dann mit seinen ersten eigenen Lehrveranstaltungen an der Stanford University. Während er sich im Masterstudium stark der klinischen Psychologie widmete, fand er zusammen mit seinem ersten Doktoranden, Richard Walters, Gefallen am Thema der Lernpsychologie und veröffentliche gemeinsam mit ihm sein erstes Buch „Adolescent Agression“. Das Buch legte den Grundstein für seine späteren Forschungsarbeiten. An der Stanfort University fokussierte sich Bandura auf[3] „[...] problems of personality change and familial antecedents of child behaviour disorder“.[4] Albert Bandura wurde unter anderem mit seinem Experiment „Bobo Doll“ zu einem der führenden Psychologen des 20. Jahrhunderts. Mit dieser Studie forschte er zu den ersten Ansätzen seiner später bekannten sozial-kognitiven Lerntheorie.[5] Bandura war schon damals überzeugt, dass man dem menschlichen Lernen durch Beobachten mehr Beachtung schenken und bisher erforschte Lerntheorien überdenken sollte.[6] „Over the years, the various behavior theories have contributed much to our understanding of how behavior is learned and modified by direct experience. However, the traditional ways of conceptualizing and studying human behavior have been too circumscribed and often hampered by the mechanistic models of an earlier period of development. In recent years substantial progress has been made in our understanding of psychological processes, which calls for a reexamination of some of the fundamental assumptions about how human behavior is acquired and regulated.“[7]

Die sozial-kognitive Lerntheorie nach Albert Bandura erweiterte zuerst die Ansätze der behavioristischen Lerntheorien mit Erkenntnissen des sozialen Lernens. Seit 1969 kam es allerdings zu einem Umdenken Banduras und er sieht sich seither als ein Vertreter der kognitiven Lerntheorien. Diese erweitert er mit Theorien des sozialen Lernens, sodass folglich daraus eine völlig neue Lerntheorie entstanden ist, die zwischenzeitlich auch literarisch als eigenständige Lerntheorie angesehen wird.[8] Später in den 1970er Jahren erweiterte Bandura seine Lerntheorie auch noch mit Ergebnissen aus seinen Forschungen zur Selbstwirksamkeitserwartung.[9] Aufgrund seiner zahlreichen neuen Erkenntnisse im psychologischen Bereich, insbesondere im Bereich der Lerntheorien, wurde Albert Bandura im Jahr 1974 zum Präsidenten der American Psychological Association ernannt. Albert Bandura hat insgesamt zwölf Mal die Ehrendoktorwürde erhalten. Unter andrem auch von der Freien Universität Berlin.[10]

3. Begriffliche Abgrenzung

Im Allgemeinen wird unter dem Begriff „Lernen“ das Erlangen von Informationen verstanden.[11] In der Psychologie wird der Begriff des Lernens noch erweitert und nicht nur das rein schulische Lernen erfasst. Lernen ist unter psychologischen Gesichtspunkten ein Prozess, der durch äußere und innere Faktoren des Menschen abhängig ist. Durch diese Faktoren machen wir individuelle Erfahrungen in unserem Leben, die unsere zukünftigen Handlungen entsprechend beeinflussen.[12] Zusätzlich wird das menschliche Lernen als ein Erfahrungsprozess angesehen, der zu einer kontinuierlichen Änderungen bzw. Anpassung des Verhaltens führt.[13]

Mit Lerntheorien im Vergleich werden die Prozesse, die bei Lernvorgängen ablaufen, psychologisch untersucht und analysiert. „Lerntheorien sind Versuche, zu synthetisieren und zu organisieren, was über menschliches Lernen bekannt ist.“[14] Bis heute herrscht eine kontroverse Diskussion unter Forschern, in wie viele Lerntheorien die menschliche Informationsverarbeitung eingeteilt werden sollte.[15] Tabelle eins verdeutlicht wie die beiden größten Lerntheorien unterschieden werden können.

Tabelle 1: Einteilung der Lerntheorien

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Abbildung nach: Lefrancois, G. (2012), S. 23.

Banduras kognitive Theorie des sozialen Lernens baut in Grundzügen auf der Lerntheorie des Kognitivismus auf und wird um den Gedanken des sozialen Lernens erweitert.

4. Sozial-kognitive Lerntheorie

4.1 Bobo-Doll Experiment

Das bekannteste Experiment in Bezug auf die sozial-kognitive Lerntheorie von Albert Bandura ist das sogenannte „Bobo-Doll Experiment“. Gemeinsam mit zwei weiteren Forscherinnen der Stanford University hat Bandura im Jahr 1963 das Verhalten von Kindern getestet, die unterschiedliche Szenen mit großem Aggressionspotential schauten. Getestet wurden insgesamt 96 Kinder im Alter zwischen 3-5 Jahren, welche in vier Gruppen aufgeteilt wurden.[16] Nachfolgende Tabelle verdeutlicht die Aufteilung:

Tabelle 2: Bobo-Doll Experiment

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Abbildung nach: Tausch R., Tausch A.-M. (1973), S. 52.

Während des Experiments verübten die Modelle (die Erwachsenen) eine äußert ausgeprägte Form von Aggressivität gegenüber einer Plastikpuppe, der sogenannten „Bobo-Doll“. Sie schlugen die Puppe mit Stöcken, warfen sie in die Luft oder setzten sich auf sie. Gleichzeitig wurde die Puppe auch mit verbalen Ausdrücken diskriminiert. Nach der 10-minütigen Beobachtungsphase wurden die Kinder für 20 Minuten in einen separaten Raum gebracht, in dem sie kein attraktives Spielzeug vorfanden. Stattdessen war im Raum die gleiche Puppe platziert, die die Kinder in den vorherigen Situationen gesehen hatten. Das Ergebnis des Experiments zeigte, dass die Kinder der Gruppen A – C alle eine doppelt so hohe Aggressivität gegenüber der Puppe zeigten wie die Kontrollgruppe D. Sie ahmten das identische Aggressionsverhalten nach, das sie zuvor gesehen hatten. Das Ergebnis der Studie gilt als Grundstein für die sozial-kognitive Lerntheorie Banduras. Menschen sind dem Ergebnis zufolge in der Lage durch Beobachtung anderer deren Verhaltensweisen zu erlernen und sie in gegeben Situationen selbst auszuüben.[17]

4.2 Prinzipien des Modelllernens

4.2.1 Einführung

„The abbreviation of the acquisition process through observational learning is vital for both development and survival. Because mistakes can produce costly, or even fatal consequences, the prospects for survival would be slim indeed if one could learn only by suffering the consequences of trial and error. [...] The more costly and hazardous the possible mistakes, the heavier is he reliance on observational learning from competent examples.“[18]

[...]


[1] Vgl. Bodenmann, G.; Perrez, M.; Schär, M. (2011), S. 14ff.

[2] Vgl. Parajas, F. (2004), S. 1-4.

[3] Vgl. Boeree, G. (2006), S. 3.

[4] o.V. (1972), S. 787.

[5] Vgl. Boeree, G. (2006), S. 4ff.

[6] Vgl. Mietzel, G. (1998), S. 193.

[7] Bandura, A. (1977), S. vi.

[8] Vgl. Bandura, A. (1979), S. 7f.
Vgl. Edelmann, W. (2000), S. 278f.

[9] Vgl. Vgl. Lefrancois, G. (2012), S. 367f.

[10] Vgl. Parajas, F. (2004), S. 10f.

[11] Vgl. Lefrancois, G. (2012), S. 5.

[12] Vgl. Edelmann, W. (2000), S. 277f.

[13] Vgl. Bodenmann, G.; Perrez, M.; Schär, M. (2011), S. 14f.

[14] Lefrancois, G. (2012), S. 21.

[15] Vgl. Edelmann, W. (2000), S. 278f.

[16] Vgl. Bandura, A.; Ross, D.; Ross, A. (1963), S. 4f.

[17] Vgl. Tausch R., Tausch A.-M. (1973), S. 52.

[18] Bandura, A. (1997), S. 12.

Details

Seiten
19
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783656987031
ISBN (Buch)
9783656987048
Dateigröße
535 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v337231
Institution / Hochschule
FOM Essen, Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Hochschulleitung Essen früher Fachhochschule
Note
1,7
Schlagworte
Albert Bandura Lerntheorie sozial-kognitiv Bandura

Autor

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