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Die Bilanzierung von Sachanlagevermögen gemäß IAS 16

Seminararbeit 2015 23 Seiten

BWL - Investition und Finanzierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Problemstellung
1.2. Zielsetzung und Vorgehensweise der Arbeit

2. Grundlagen der Bilanzierung von Sachanlagen in den IFRS
2.1. Anwendungsbereich des IAS 16
2.2. Definiton der Sachanlagen

3. Bilanzierung von Sachanlagen nach IAS 16
3.1. Ansatz von Sachanlagen
3.2. Bewertung von Sachanlagen
3.2.1. Zugangsbewertung
3.2.1.1. Anschaffungskosten
3.2.1.2. Herstellungskosten
3.2.2. Folgebewertung
3.2.2.1. Fortgeführte Anschaffungs- und Herstellungskosten
3.2.2.2. Neubewertungsmodell
3.3. Komponentenansatz
3.4. Abgang von Sachanlagen

4. Kritische Würdigung und Fazit

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Ermittlung der Anschaffungs- und Herstellungskosten

Abbildung 2: Bewertungslogik des Neubewertungsmodells

1. Einleitung

1.1. Problemstellung

Im Laufe der Zeit haben sich unterschiedliche Rechnungssysteme entwickelt. Gründe dafür können differente Rahmenbedingungen wie z.B. die Rechtstradition eines Landes sein.1 Die deutsche externe Rechnungslegung wird seit Jahren durch die anhaltende Globalisierung und den wachsenden Informationsbedürfnissen des Kapitalmarktes in- ternationalisiert. Es erfolgt ein Anpassungsprozess an die International Financial Repor- ting Standards (IFRS). Dabei verliert der Gläubigerschutz als oberstes Prinzip des Han- delsgesetzbuches (HGB) aufgrund steigender Informationsbedürfnisse der Eigenkapi- talgeber (Investoren) an Bedeutung.2 Daher liegt der oberste Bilanzierungsgrundsatz nach IFRS gemäß IAS 1.15 in einer detailgetreuen und realistischen Darstellung des Unternehmens (true and fair view). Die Bezeichnung IFRS bildet seit 2003 den Oberbe- griff für alle Standards und Interpretationen.3 Die Bilanzierungsregeln nach IFRS sind von kapitalmarktorientierte Unternehmen seit 2005 zwingend anzuwenden.4

Innerhalb der Vermögenswerte ist den Sachanlagen eine zentrale Bedeutung zuzuord- nen.5 Sachanlagen wie z. B. Grundstücke, Gebäude und Maschinen sind insbesondere bei Industrieunternehmen ein essenzieller Kernbestandteil der betrieblichen Tätigkeit und stellen i.d.R. den größten Posten auf der Aktivseite der Bilanz dar.6 So ist bei- spielsweise das Sachanlagevermögen der LANXESS AG mit 3.333 Mio. € (45,97 % der Bilanzsumme) der größte Bilanzposten auf der Aktivseite.7 Eine erhöhte Anlagenin- tensität kann in Folgeperioden zu hohen Abschreibungsbeträgen führen. Abschreibun- gen stellen für die Unternehmung betrieblichen Aufwand dar und sind unmittelbar er- gebniswirksam. Zudem ist neben einer hohen Kapitalbindung die Flexibilität der Un- ternehmung stark eingeschränkt, da das Sachanlagevermögen bei nachteiligen Markt- veränderungen i. d. R. relativ schlecht liquidierbar ist. Eine nachteilige Veränderung des Wettbewerbsumfelds kann daher zu hohen außerplanmäßigen Abschreibungen im Rah- men von Werthaltigkeitsprüfungen (Impairment-Test) nach IAS 36 führen.8 Außer- planmäßige Abschreibungen sind unmittelbar ergebniswirksam und führen zu einer Minderung des Periodenergebnisses. Die LANXESS AG wies daher aufgrund hoher außerplanmäßigen Abschreibungen auf Sachanlagen von 245 Mio. €. im Geschäftsjahr 2013 ein negatives Konzernergebnis i. H. v. -159 Mio. € aus.9 Die Höhe des Perioden- ergebnisses nach IFRS beeinflusst mittelbar den Aktienkurs und c.p. Angebot und Nachfrage. Die Dividendenausschüttung10 und letztendlich die Rendite der Eigenkapi- talgeber werden nicht unmittelbar beeinflusst, da als zur Bemessungsgrundlage das HGB-Periodenergebnis verwendet wird. Nichtdestotrotz führt ein gesunkener Aktien- kurs zu sinkenden Rendite auf das eingesetzte Kapital. Daher werden weniger Investo- ren bereit sein, Anteile der Unternehmung zu kaufen. Eine rückgängige Nachfrage führt dann i.d.R. ebenfalls zu einem sinkenden Aktienkurs.

1.2. Zielsetzung und Vorgehensweise der Arbeit

Ziel der Arbeit ist es, die Bilanzierung der Sachanlagen nach dem International Accounting Standard 16 (IAS 16) ausführlich darzustellen.

Zunächst werden im Rahmen des Grundlagenkapitels Sachanlagen definiert. Das nach- folgende Kapitel bildet mit dem Ansatz, sowie der Zugangs- und Folgebewertung von Sachanlagen den inhaltlichen Schwerpunkt der Arbeit. Die Zugangsbewertung erfolgt zunächst zu Anschaffungs- oder Herstellungskosten (im folgenden AHK). Im Rahmen der Folgebewertung wird neben dem Modell der fortgeführten AHK auf das Neubewer- tungsmodell näher eingegangen. Bei dem Modell der AHK wird zudem näher auf die Thematik der Abschreibungen eingegangen. Im Anschluss daran werden der Kompo- nentenansatz und die bilanzielle Vorgehensweise bei Ausbuchung von Sachanlagen thematisiert. In Kapitel 4 erfolgt neben dem Fazit eine kritische Würdigung des Neube- wertungsmodells.

2. Grundlagen der Bilanzierung von Sachanlagen in den IFRS

2.1. Anwendungsbereich des IAS 16

Die Bilanzierung und Bewertung von Sachanlagen wird im IAS 16 geregelt. Nach IAS 16.3 ist dieser Standard jedoch nicht anwendbar wenn:

- ein Sachverhalt einen anderen Standard verlangt (IAS 16.2)
- eine Sachanlage eine als Finanzinvestition gehaltene Immobilie ist (IAS 40)
- eine Sachanlage aus einem Unternehmenszusammenschluss resultiert (IFRS 3)  eine Sachanlage verkauft werden soll (IFRS 5)
- eine Sachanlage ein biologischer Vermögenswert ist (IAS 41)  es sich um Bodenschätze oder Rechte daran handelt (IFRS 6)

IAS 16 gilt bei Sachanlagen, welche die letzten drei genannten Punkte herstellen oder erhalten sollen.11 Mehrere Standards enthalten zudem weitere Regelungen in Bezug auf Sachanlagen wie z. B.: IAS 20 (Zuwendungen der öffentlichen Hand), IAS 21 (Wech- selkursänderungen), IAS 23 (Fremdkapitalkosten), IAS 36 (Außerplanmäßige Ab- schreibungen) und IAS 40 (Als Finanzinvestition gehaltene Immobilien).12 Die IAS 16 werden zudem durch IFRIC 1 ergänzt (Änderungen von Rückstellungen für Entsor- gungsverpflichtungen).

2.2. Definitionen der Sachanlagen

Sachanlagen umfassen gemäß IAS 16.6 alle materiellen Vermögenswerte, die ein Un- ternehmen zur Herstellung oder zur Lieferung von Güter und Dienstleitungen einsetzt und welche regelmäßig eine Nutzungsdauer von mehr als einer Periode aufweisen. Da der Begriff des Vermögenswertes nicht in den IFRS definiert ist, wird das Rahmenkon- zept zur Hilfe genommen. Die IFRS haben stets Vorrang gegenüber dem Rahmenkon- zept. Das Rahmenkonzept dient dem Bilanzierenden nur als Entscheidungshilfe.13 In F.49a des Rahmenkonzepts wird ein Vermögenswert als eine Ressource verstanden, welche durch Transaktionen in der Vergangenheit Eigentum der Unternehmung ist, so- wie voraussichtlich einen zukünftigen wirtschaftlichen Nutzen aufweisen wird. Die De- finition des Vermögenswertes ist im Vergleich zum HGB detaillierter und orientiert sich stärker an Investoren als an Gläubiger.14 Sachanlagen sind materielle Vermögenswerte, welche eine körperliche oder physische Substanz aufweisen und für den Bilanzierenden „greifbar“ sind.15 Finanzielle Vermögenswerte und immaterielle Vermögenswerte zäh- len daher nicht zu den Sachanlagevermögen. Konkrete Beispiele für Sachanlagen wer- den in IAS 16.37 genannt. Unter Sachanlagen fallen insbesondere bebaute und unbebau- te Grundstücke, Gebäude, Maschinen und technische Anlagen, sowie Betriebs- und Bü- roausstattung.16

3. Bilanzierung von Sachanlagen gemäß IAS 16

3.1. Ansatz von Sachanlagen

Die Ansatzgrundsätze von Sachanlagen finden sich im Framework F. 47 bis F. 98 wie- der. Die Ansatz von Vermögensgegenständen erfolgt durch eine zweistufige Vorge- hensweise.17 Der Ansatz von Vermögensgegenständen erfolgt durch eine zweistufige Vorgehensweise.18 Auf der ersten Stufe muss der Vermögenswert den Definitionskrite- rien des Rahmenkonzeptes entsprechen. Diese Stufe wird in der Literatur auch als abs- trakte Bilanzierbarkeit genannt.19 Dabei wird die Definition eines Vermögensgegen- stands gemäß Rahmenkonzept F.4.4a geprüft. Bei positiver Übereinstimmung wird im zweiten Schritt die konkrete Bilanzierbarkeit geprüft. Die Prüfung erfolgt i. d. R. an- hand zwei Ansatzkriterien. Der Vorrang einer Standardreglung vor dem Framework kann als drittes Kriterium angesehen werden20 Es ist gemäß IAS 16.7 zu prüfen ob ein wahrscheinlicher und zukünftiger Nutzenzfluss zu erwarten ist und ob eine zuverlässige Wertermittlung der AHK möglich ist. Zudem ist zu prüfen ob ein anderer Standard Vorrang hat (z.B. bei Leasing nach IAS 17).21 Die zweite Stufe weist größere Anforde-rungen an den Bilanzierenden als die erste Stufe auf.22 Als wahrscheinlich gilt ein wirt- schaftlicher Nutzenzufluss, wenn die Eintrittswahrscheinlichkeit mehr als 50 % beträgt. Die Mehrheit der Argumente muss dementsprechend für einen Nutzenzufluss spre- chen.23 Ein Nutzenzufluss einer Sachanlage kann z.B. die von der Anlage in Zukunft hergestellten Produkte sein.24 Anhand diesem Kriterien zeigt sich beispielweise, dass nicht das Vorsichtsprinzip des HGB ausschlaggebend ist, sondern die „periodengerechte Gewinnermittlung“ als einer der zentralen Grundsätze in der IFRS-Rechnungslegung steht.25 Eine zuverlässige Wertermittlung bei den AHK ist dann gegeben, wenn sich Aufwendungen direkt dem Vermögenswert zurechnen lassen. Zuverlässig bedeutet ge- mäß F. 31 ohne wesentliche Fehler und frei von verzerrenden Einflüssen.26 Werden die Anforderungen beider Stufen erfüllt und ist der Vermögensgegenstand gemäß F.84 re- levant und wesentlich, erfolgt eine Aktivierung der Sachanlage.27

3.2. Bewertung von Sachanlagen

3.2.1. Zugangsbewertung

Sachanlagen, welche gemäß dem Rahmenkonzept die Kriterien eines Vermögenswertes erfüllen, sind bei ihrer Zugangsbewertung mit den Anschaffungs- oder Herstellungskos- ten anzusetzen (IAS 16.15). In F.4.56 wird zudem ausgeführt, dass die AHK die am häufigsten verwendete Bewertungsgrundlage darstellen. Gemäß F.4.55 bzw. IAS 16.6 stellen die AHK den Betrag an Zahlungsmittel oder Zahlungsmitteläquivalente dar, der für den Erwerb oder der Herstellung des Vermögensgegenstandes aufgewendet wurde, sowie den beizulegenden Zeitwert einer Gegenleistung zum Kauf- oder Herstellungs- zeitpunkt.28 Die Anschaffungskosten entsprechen gemäß IAS 16.23 dem Barwert am Erfassungstag. Falls eine Sachanlage bei einem Tausch erworben wurde, ist diese mit dem beizulegenden Zeitwert (fair value) anzusetzen. Der Tausch muss nach IAS 16.25 eine wirtschaftliche Substanz aufweisen.29 Geringwertige Sachanlagen können nach Zugang vollständig abgeschrieben werden.

[...]


1 Vgl. Thommen, Achleitner (2012), S. 463.

2 Vgl. Kümpel (2004), S. 2.

3 Vgl http://ifrs-portal.com/Grundlagen/Was_sind_IFRS_IAS/Was_sind_IFRS_IAS_01.htm. Abruf am 20.04.2015.

4 Vgl. http://ec.europa.eu/finance/accounting/legal_framework/ias_regulation/index_de.htm. Abruf am 30.04.2015. Siehe auch §315a HGB.

5 Vgl. Tanski (2005), S.1

6 Vgl. Pellens, Fülbier, Gassen, Sellhorn (2011), S.340.

7 Vgl. LANXESS Geschäftsbericht 2014 (2015), S. 128.

8 Vgl. Pellens et al. (2011), S. 288.

9 Vgl. http://www.manager-magazin.de/unternehmen/industrie/lanxess-weist-verlust-aus-und-halbiert-die- dividende-a-955753.html. Abruf am 22.04.2015.

10 Zu beachten ist hier, dass die HB1 für die Höhe der Dividendenausschüttung maßgebend ist.

11 Vgl. Eitzen, Zimmermann (2013), S. 195.

12 Vgl. Buschhüter, Striegel (2011), S. 456; Heuser, Theile (2007), S.143.

13 Vgl. Thommen, Achleitner (2012), S.469.

14 Vgl. Federmann (2010), S. 290.

15 Vgl. Tanski (2005), S. 3

16 Vgl. hierzu ergänzend §266 Abs. 1 HGB.

17 Vgl. Eitzen, Zimmermann (2013), S. 174.

18 Vgl. Eitzen, Zimmermann (2013), S. 174.

19 Vgl. Kümpel (2004), S. 31.

20 Vgl. Federmann (2010), S. 321.

21 Vgl. Federmann (2010) S. 323.

22 Vgl. Kümpel (2004) S. 33.

23 Vgl. Buchholz (2011), S. 61.

24 Vgl. Tanski (2005), S. 6

25 Kümpel (2004), S. 33.

26 Vgl. Tanski /2005), S. 7.

27 Vgl. Thommen, Achleitner (2012), S. 475.

28 Vgl. Pellens et al. (2011), S. 343.

29 Vgl. Buschhüter, Striegel (2011), S. 464.

Details

Seiten
23
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783656984665
ISBN (Buch)
9783656984672
Dateigröße
620 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v336890
Institution / Hochschule
FOM Essen, Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Hochschulleitung Essen früher Fachhochschule
Note
1,3
Schlagworte
IFRS IAS 16 Sachanlagen Neubewertung

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