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Zur "Goodwill" und "Badwill" Bilanzierung in den IFRS

Seminararbeit 2016 23 Seiten

BWL - Rechnungswesen, Bilanzierung, Steuern

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Problemstellung, Ziele und Gang der Untersuchung

2. Arten von Unternehmenszusammenschlüssen

3. Entstehung und Bilanzierung des derivativen Geschäfts- oder Firmenwerts
3.1 Zur Entstehung und zum Ansatz des Geschäfts- oder Firmenwerts
3.2 Zur Folgebewertung des Geschäfts- oder Firmenwerts
3.2.1 Zur Allokation des Geschäfts- oder Firmenwerts auf zahlungsmittel- generierende Einheiten
3.2.2 Zum Werthaltigkeitstest nach IAS
3.2.3 Zur Substitution des derivativen durch den originären Geschäfts- oder Firmenwert

4. Entstehung und Bilanzierung des negativen Unterschiedsbetrags
4.1 Zur Entstehung des negativen Unterschiedsbetrags
4.2 Zur erfolgswirksamen Behandlung des negativen Unterschiedsbetrags im Rahmen einer kritischen Überprüfung

5. Zusammenfassung der Ergebnisse und Ausblick

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Problemstellung, Ziele und Gang der Untersuchung

Im Zuge der Globalisierung ist ein weltweiter Anstieg der Unternehmenstrans- aktionen, insbesondere der Unternehmenskäufe und -übernahmen, sowie des entsprechenden Kaufvolumens zu verzeichnen.1 Im Rahmen dieser Transaktionen übersteigt bzw. liegt der bezahlte Preis nicht selten unter dem Buchwert bzw. dem Zeitwert der Bilanz des übernommenen Unternehmens.2 Hierbei ist hervorzuheben, dass den daraus resultierenden Differenzen aufgrund ihres wachsenden Ausmaßes eine enorme bilanzpolitische und somit auch wirtschaftliche Bedeutung zuzu- rechnen ist. Um diese Differenzen ordnungsgemäß bilanziell darstellen zu können, bedient man sich sog. „Unterschiedsbeträge“, ergo des GoF bzw. des negativen Unterschiedsbetrags.3 Die Rechtsgeschichte der für die Bilanzierung dieser Unterschiedsbeträge maßgeblichen Standards in den IFRS fußt im Jahre 1983 mit der Verabschiedung des IAS 22 als dem ersten GoF-Standard.4 Dieser Standard wurde sowohl im Jahre 1993 als auch im Rahmen der Anpassung an die US- amerikanischen Standards mit der Verabschiedung des IFRS 3 im Jahre 2004 und zuletzt auch im Jahre 2010, im Zuge der sog. „Verbesserung“, mehrfach überarbeitet und letztendlich grundlegend verändert bzw. ersetzt. Dadurch kam es zu einer stark ausgeprägten Heterogenität zwischen den Ansichten für die Bilanzierung der Unterschiedsbeträge in den IFRS und im HGB.

Vor dem Hintergrund der zunehmenden Internationalisierung der Rechnungs- legung in Deutschland, der EU sowie weltweit ist es von hoher Bedeutung, die aufgrund von mehreren Überarbeitungen relativ neuen internationalen Rechnungs- legungsstandards in Bezug auf die Bilanzierung des GoF sowie des negativen Unterschiedsbetrags zu analysieren und die Ergebnisse entsprechend darzustellen. Dies ist auch das Ziel der folgenden Seminararbeit. Dementsprechend wird auf die Betrachtung nationaler Rechnungslegungsvorschriften, nicht mehr bzw. noch nicht gültiger internationaler Rechnungslegungsvorschriften sowie weiterer bestimmter Sachverhalte aufgrund des Wesentlichkeits- und des Vereinfachungsprinzips weitestgehend verzichtet. Weiterhin basieren die in folgender Arbeit erzielten

Erkenntnisse auf einer theoretischen Literaturrecherche und der damit verbundenen Literaturanalyse.

Diese Seminararbeit ist in fünf Kapitel untergliedert. In den ersten zwei Gliederungspunkten wird das Thema grundlegend vorgestellt und die Arten von Unternehmenszusammenschlüssen erläutert. Die Kapitel drei und vier sind darauf aufbauend der Thematik der bilanziellen Behandlung des GoF und des negativen Unterschiedsbetrags nach IFRS gewidmet. Die Arbeit schließt mit einer kurzen Zusammenfassung der Ergebnisse und einem Ausblick.

2. Arten von Unternehmenszusammenschlüssen

Um die Bedeutung der Unterschiedsbeträge umfassend darstellen und nachvoll- ziehen zu können bedarf es einer vorrangehenden Erklärung zu den Möglichkeiten der Entstehung dieser Differenzen. Grundsätzlich kommt es in den IFRS zur Entstehung und der damit verbundenen bilanziellen Behandlung der zu untersuchenden Differenzen im Rahmen von Unternehmenszusammenschlüssen.5

Die Definition eines Unternehmenszusammenschlusses gibt IFRS 3 wieder. Diesem zufolge handelt es sich um einen Unternehmenszusammenschluss, wenn es einen Erwerber gibt, welcher im Wege eines Geschäftsvorfalls oder eines anderen Ereignisses die Kontrolle über einen oder über mehrere Geschäftsbetriebe übernimmt.6 Hieraus kann wiederum konkludiert werden, dass für alle Unternehmenszusammenschlüsse ein Erwerber, also die Partei, welche die Gegen- leistung erbringt und dadurch die Kontrolle erlangt, identifiziert werden muss.7 Die Kontrolle ist nach IFRS und unter Rückgriff auf IAS 27 dann gegeben, wenn ein Unternehmen über die Möglichkeit verfügt, die Finanz- und Geschäftspolitik eines anderen Unternehmens zu bestimmen, um daraus einen Nutzen zu ziehen.8 Ein Geschäftsbetrieb ist nach der IFRS-Definition „eine integrierte Gruppe von Tätigkeiten und Vermögenswerten, die mit dem Ziel geführt […] werden, den Investoren einen Ertrag in Form von […] wirtschaftlichen Vorteilen zu erwirtschaften.“9. Vereinfacht formuliert, zeichnet sich ein Geschäftsbetrieb infolgedessen durch den Einsatz von Eingabegrößen zur Erbringung von Produkten und Dienstleistungen mit dem Ziel einer Profitgenerierung aus. Sind diese Voraussetzungen erfüllt, so lässt sich IFRS 3 auf einen Unternehmenszusammen- schluss anwenden. Ferner gibt das IASB im Umkehrschluss explizit vor, auf welche Arten von Transaktionen der IFRS 3 Standard nicht anzuwenden ist.10 Die Unternehmenszusammenschlüsse lassen sich i.S.d. IFRS 3 grundsätzlich in 3 Hauptformen unterteilen, und zwar in Unternehmenszusammenschlüsse durch den Kauf von Vermögenswerten und ggf. Schulden, in Unternehmenszusammen- schlüsse durch den Kauf von mehrheitlichen Anteilen eines Unternehmens sowie in Unternehmenszusammenschlüsse durch die Verschmelzung mit anderen selbst- ständigen Unternehmen.11 In den nachfolgenden Absätzen werden diese zuvor enumerierten einzelnen Arten von Unternehmenszusammenschlüssen präziser beschrieben.

Der Kauf von Vermögenswerten und ggf. Schulden ist eine gängige Art von Unternehmenszusammenschlüssen.12 Im Laufe eines solchen unmittelbaren Vor- gangs findet ein Erwerb statt, welcher sich auf die einzelnen vordefinierten Vermögenswerte und ggf. Schulden bezieht und folglich in Form einer Einzelrechtsnachfolge abläuft. Im Gegensatz dazu steht die Fusion bzw. die Ver- schmelzung, bei der im Zuge eines Zusammenschlusses von mindestens zwei Unternehmen die Gesamtheit der Vermögenswerte und Schulden des fiktiv erworbenen Unternehmens im Rahmen einer Gesamtrechtsnachfolge übernommen wird. Als Folge beider Transaktionen verliert der Erworbene seine Rechts- persönlichkeit, sofern er diese besessen hatte.13 In folgender Analyse wird die Verschmelzung nach dem Vereinfachungsprinzip dem Kauf von Vermögenswerten und Schulden gleichgestellt.

Im Laufe eines Anteilskaufs bzw. eines Kaufs von mehrheitlichen Anteilen und im Gegensatz zum Erwerb von Vermögenswerten und Schulden werden Unternehmensanteile, wie bspw. Aktien, und somit das ggf. stimmberechtigte Eigenkapital erworben.14 Ein solcher mittelbarer Vorgang führt zur Entstehung eines Mutter-Tochter-Verhältnisses zwischen dem Erwerber und dem Erworbenen und daher zu einem Unternehmenserwerb und der damit in Verbindung stehenden Pflicht zur Einbeziehung des Erworbenen in den aufzustellenden Konzern- abschluss.15 Von einem Unternehmenserwerb, anstelle eines reinen Beteiligungs- erwerbs spricht man i.S.d. IFRS im Falle einer durch den Kauf entstandenen Beherrschungsmöglichkeit und folglich auch im Falle einer nicht hundert- prozentigen Übernahme der Unternehmensanteile.16 Kommt ein Unternehmens- erwerb durch einen Anteilskauf zustande, so entstehen vereinfacht formuliert zwei Konsequenzen für den Erwerber. Erstens wird der Kauf der Anteile im Einzel- abschuss des Erwerbers als eine Beteiligung ausgewiesen, da das erworbene Unternehmen mit seiner Rechtspersönlichkeit weiterhin existiert.17 Zweitens muss, wie bereits vorher erwähnt, das erworbene Tochterunternehmen im Falle des Zustandekommens eines Mutter-Tochter-Verhältnisses auch in den separat aufzu- stellenden Konzernabschluss des Erwerbers miteinbezogen werden.

In den nachfolgenden Kapiteln wird die Entstehung sowie die bilanzielle Erst- und Folgebehandlung des GoF untersucht und dargestellt. Interessant erscheint an diesem Punkt und aufgrund anhaltender Diskussionen insbesondere die aktuelle Sicht des IASB auf die Zweckmäßigkeit der Folgebewertung, auf die es im Laufe des Kapitels näher eingegangen wird.18

3. Entstehung und Bilanzierung des derivativen Geschäfts- oder Firmenwerts

3.1 Zur Entstehung und zum Ansatz des Geschäfts- oder Firmenwerts

Die Internationale Rechnungslegung unterscheidet generell zwischen dem originären, sprich dem selbsterschaffenen, und dem derivativen, sprich dem erworbenen GoF.19 Für den originären GoF herrscht im Rahmen der IFRS ein striktes Aktivierungsverbot.20 Daher wird der originäre GoF in dieser Arbeit nur rudimentär (vgl. Kapitel 3.2.3) behandelt werden. Der IFRS 3 Standard definiert den GoF als einen Vermögenswert, welcher den künftigen wirtschaftlichen Nutzen aus im Zuge eines Unternehmenszusammenschlusses erworbenen Vermögens.

[...]


1 Vgl. STATISTA (2016) und ferner auch SCHULIK (2008), S. 1-3.

2 Vgl., auch im Folgenden, KÜTING (2005), S. 2758.

3 Vgl. PELLENS ET AL. (2014), S. 738 f.

4 Vgl., auch im Folgenden, PELLENS ET AL. (2014), S. 736 f. und DIEMERS/HOMFELDT (2015), S. 265.

5 Vgl. PELLENS ET AL. (2014), S. 735-738 und BUCHHOLZ (2015), S. 71 f.

6 Vgl., auch im Folgenden, BUSCHHÜTER/STRIEGEL (2009), S. 313 f. sowie IFRS 3, Anhang A.

7 Vgl. IFRS 3.6.

8 Vgl. BUSCHHÜTER/STRIEGEL (2009), S. 314 und IFRS 3, Anhang A sowie IAS 27.4.

9 BUSCHHÜTER/STRIEGEL (2009), S. 314.

10 Vgl. IFRS 3.2.

11 Vgl. PELLENS ET AL. (2014), S. 738.

12 Vgl., auch im Folgenden, PELLENS ET AL. (2014), S. 738-740 und weiterführend hierzu KIENZLE (2006), S. 39 f.

13 Vgl. PELLENS ET AL. (2014), S. 739.

14 Vgl., auch im Folgenden, PELLENS ET AL. (2014), S.739-783 und ferner KIENZLE (2006), S. 40 f. 3

15 Vgl. PELLENS ET AL. (2014), S.739-783 sowie ferner KIENZLE (2006), S. 40 f.

16 Vgl. BUCHHOLZ (2013), S. 290 und PELLENS ET AL. (2014), S. 760 f.

17 Vgl., auch im Folgenden, PELLENS ET AL. (2014), S. 742.

18 Vgl. DIEMERS/HOMFELDT (2015), S. 265.

19 Vgl., auch im Folgenden, HOMMEL/WÜSTEMANN (2006), S. 57.

20 Vgl. hierzu IAS 38.48.

Details

Seiten
23
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668271838
ISBN (Buch)
9783668271845
Dateigröße
650 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v336684
Institution / Hochschule
Universität des Saarlandes
Note
1,7
Schlagworte
Goodwill Badwill IFRS IFRS 3 GoF Negativer Unterschiedsbetrag IAS 36 Impairment Test Substitution Unternehmenszusammenschlüsse

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