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Die Auswirkungen von ängstlichen und ärgerlichen Gesichtsausdrücken auf das Vermeidungs- und Annährungsverhalten

Hausarbeit 2013 20 Seiten

Psychologie - Persönlichkeitspsychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abstract

Einleitung

Methode
Stichprobe
Apparatur
Stimulus
Versuchsplan
Statistische Analyse

Ergebnisse

Diskussion

Literaturverzeichnis

Abstract

Es gibt eine Vielzahl von Studien, die die Bedeutung von Emotionen erforscht haben. Im Vergleich dazu gibt es nur eine verhältnismäßig geringe Anzahl von Studien, die sich der Bedeutung von Emotionen im anderen gewidmet haben. Der Emotionsausdruck und die Emotionserkennung spielt im sozialen Kontext eine wichtige Rolle und bestimmt die Interaktion zwischenmenschlicher Beziehungen maßgeblich mit. Emotionen wie Angst und Ärger sind bedeutende soziale Signale, die häufig das Handeln beeinflussen und mitbestimmen. So konnte in einigen Studien bereits gezeigt werden, dass Signale der Angst ein Annährungsverhalten und Signale des Ärgers ein Vermeidungsverhalten indiziert. Dies steht im Widerspruch zur allgemeinen Annahme, dass Angst eher zum Vermeidungsverhalten führt und Ärger zur Annährung, wie es auch Davidson 1992 in seiner Klassifikation von Emotionen nach Verhaltensdispositionen postulierte. In der hier vorliegenden Studie soll untersucht werden, inwiefern sich das Annährungsverhalten auf einen aversiven, ängstlichen Gesichtsausdruck und Vermeidungsverhalten auf einen ärgerlichen Gesichtsausdruck replizieren lässt und welche weiteren Faktoren in diesem Zusammenhang einen Einfluss auf die Verhaltenstendenzen ausüben.

Abstract

There are a variety of studies that have explored the importance of emotions. In comparison, there are only a relatively small number of studies have addressed the importance of emotions in others. The emotion expression and recognition of emotion in the social context plays an important role and determines the interaction between human relationships with decisive.Emotions such as fear and anger are important social signals that often affect and influence the selection action. It was already shown in some studies that signals of anxiety indicated a rapprochement behavior and signals of anger an avoidance behavior. This is in contradiction to the general assumption that fear rather leads to avoidance behavior and anger to approach, as postulated also Davidson 1992 in his classification of emotions by behavioral dispositions. This study will examine to what extent the approximation behavior can replicate to an aversive, fearful facial expressions and avoidance behavior on an angry facial expression and exercise which other factors in this context an influence on the behavioral tendencies.

Die Auswirkungen von ängstlichen und ärgerlichen Gesichtsausdrücken auf das Vermeidungs- und Annährungsverhalten

Die Erforschung von Emotionen und ihre nonverbale Kommunikation über Gesichtsausdrücke kann eine lange Forschungsgeschichte vorweisen. Charles Darwin war einer der ersten Wissenschaftler, der sich der Erforschung von Emotionen widmete. In seinem Werk "The Expression of the Emotions in Man and Animals" (1872) legte er den Grundstein für die weitere Erforschung auf diesem Gebiet. Darwin glaubte, dass sich Emotionen aus evolutionsbiologischen Gesichtspunkten entwickelt haben und sah Emotionen als angeborene, spezialisierte mentale Zustände an, die für das Überleben und der Fortpflanzung von großer Bedeutung sind (vgl. Zimbardo, P & Gerrig, R., 2008, S.454).

Weiterführend auf den Arbeiten von Darwin und auch dem schwedischen Anatomen Carl- Herman Hjortsjö, entwickelte Paul Ekman gemeinsam mit Wallace Friesen Ende der 7ogier Jahre das Facial Action Coding System (FACS), ein Kodierungsverfahren zur Beschreibung emotionaler Gesichtsausdrücke. Ekman führte weltweite Studien durch, um die Universalität der Emotionen zu überprüfen und postulierte 1982 seine Auffassung von den sieben universellen Basisemotionen: Freude, Überraschung, Ärger, Trauer, Ekel, Furcht und Verachtung. Ekman und seine Kollegen zeigten, was Darwin als Erster behauptete, dass bestimmte emotionale Ausdrücke universell für die menschliche Spezies sind. Wahrscheinlich sind sie angeborene Komponenten unseres evolutionären Erbes (vgl. Zimbardo, P & Gerrig, R., 2008, S.456).

In den darauf folgenden Jahren nahmen sich viele Forscher dieser These an und versuchten die Befunde von Ekman und seinen Kollegen zu replizieren oder zu widerlegen. Es wurde kontrovers diskutiert welche Emotionen nun tatsächlich zu den kulturübergreifenden Basisemotionen gezählt werden durfte. Vor allem die Befunde zu den Emotionen Überraschung und Verachtung waren nicht eindeutig. So sagt Ekman 1992 selbst, dass der distinkte, universelle Gesichtsausdruck nur für die Emotionen von Freude, Trauer, Ärger, Ekel und Angst gut belegt ist. Ekman versuchte spezifische Charakteristika von Basisemotion heraus zu arbeiten und definierte neun wesentliche Aspekte. Danach sind die wichtigsten Kennzeichen: unterscheidbare universelle Signale, unterscheidbare Physiologie, schnelles Auftreten, sowie kurze Dauer, Vorhandensein in anderen Primaten und universelle, unterscheidbare vorausgehende Ereignisse.

Neben diesen grundlegenden Aspekten der Emotionsforschung traten mit der Zeit noch weitere Faktoren in das Blickfeld der Forscher, so definierten beispielsweise Stein und Trabasco 1992 Emotionen als Reaktion auf Ziele und Ergebnisse. Demnach folgt nach einer Zielerreichung oder bei einer Zielsicherung Freude. Hingegen erfolgt Trauer, wenn Ziele nicht erreicht werden können. Ärger kann entstehen, wenn ein "Agent" den Verlust eines Ziels bewirkt oder es entsteht Angst bei Erwartung ein Ziel nicht zu erreichen.

Eine andere Klassifikation stellte Davidson 1992 auf. Zum einen unterscheidet er Emotionen nach der Valenz. Für ihn war Freude etwas Positives und Ekel, Ärger, Trauer oder Angst mit etwas Negativem behaftet. Hier war aber die Frage, welche Valenz der Emotion Überraschung zuzuordnen war. Zum anderen wies er auf den wichtigen Aspekt der Verhaltensdisposition hin. Demnach führt eine Emotion zu einem Annährungs- oder Vermeidungsverhalten. Er beschrieb, dass Freude, Ärger und Überraschung zur Annährung führt und Angst und Ekel zur Vermeidung. Auf die Trauer geht er in diesem Zusammenhang weniger ein, sagt aber, dass Depressive eher einen Mangel an Annährungsverhalten, sowie positiven Affekt zeigen würden, als gesteigertes Vermeidungsverhalten und negativen Affekt. Demnach kann man Emotionen in zwei motivationale Systeme einordnen. Der aversiven Motivation, welche zum Vermeidungsverhalten führt und der appetitiven Motivation, welche zum Annährungsverhalten führt.

Auf physiologischer Ebene untersuchte Lang 1995 diesen Sachverhalt, als er Studien zum Startle Reflex durchführte und herausfand, dass beim Betrachten positiver IAPS-Bilder der Reflex größer als mit verglichenen negativen Bildern war. 1998 fanden Förster und seine Kollegen einen ähnlichen Befund in ihren Studien über die muskuläre Innervation bei aversiven und appetitiven Reizen. Sie fanden heraus, dass die Beugung des Armes, was einer relativen Annährung entsprach, größer bei einer Belohnungserwartung war und die Streckung des Armes größer bei Verlustvermeidung war.

Diese beiden Studien weisen darauf hin, dass aversive bzw. appetitive Stimuli zu einer physiologischen Voraktivierung des Organismus führen, der zum großen Teil auf einer unbewussten Ebene abläuft. Diese Ergebnisse sind für die hier vorliegende Studie wichtige Voraussetzungen für das Funktionieren des Experimentes, wie wir später sehen werden.

Alle bisher aufgeführten Studien beschäftigten sich mit den gefühlten Emotionen im Betrachter. Emotionen in anderen haben aber ebenfalls eine wichtige Funktion, denn sie können als Informationen gewertet werden. So signalisieren sie beispielsweise Gefahr oder Sicherheit. Emotionen in anderen können eigene Handlungstendenzen auslösen, auch können sie Handlungstendenzen anderer vorhersagen, wie Adams und Kollegen 2006 berichten.

Das Erkennen von Emotionen in anderen hat demzufolge einen großen Einfluss auf die motivationale Komponente unseres Verhaltens und spielt somit eine wichtige Rolle in der sozialen Interaktion. Es gibt einige Studien, die sich bereits mit dieser Thematik auseinander gesetzt haben. So konnten zum Beispiel Palermo und Coltheart 2004 in ihrer Studie "Photographs of facial expression: Accuracy, response time, and ratings of intensity" zeigen, dass angstvolle Gesichtsausdrücke seltener und langsamer erkannt werden als alle anderen Emotionen.

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Details

Seiten
20
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783668266148
ISBN (Buch)
9783668266155
Dateigröße
672 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v336579
Institution / Hochschule
International Psychoanalytic University
Note
Schlagworte
auswirkungen gesichtsausdrücken vermeidungs- annährungsverhalten

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