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Außerschulische Lernorte. Die Zoom Erlebniswelt Gelsenkirchen

Hausarbeit 2015 18 Seiten

Pädagogik - Schulpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition Lernort
2.1 Primäre Lernorte
2.2 Sekundäre Lernorte

3. Notwendigkeit eines erweiterten Lernbereichs

4. Erlebniswelt als außerschulischer Lernort – Zoom
4.1 Gestaltung des Lernorts
4.1.1 Alaska
4.1.2 Asien
4.1.3 Afrika
4.2 Lerninhalte / Vermittlung
4.3 Zielgruppe
4.4 Kooperationspartner

5. Zoom- ein außerschulischer Lernort?

6. Vor und Nachteile – mit Bezug zu dem außerschulischen Lernort Wald

7. Lebensbegleitendes Lernen

8. Fazit

9. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Als ich noch zur Schule gehte, Zählte ich bald zu den Schlauen, doch ein Zeitwort recht zu biegen, bringte immer Furcht und Grauen. Wenn der Lehrer mich ansehte, sprechte ich gleich falsche Sachen, für die andern Kinder alle gebte das meist was zum Lachen. Ob die Sonne fröhlich scheinte oder ob der Regen rinnte: wenn der Unterricht beginnte, sitzt’ ich immer in der Tinte.“[1]

Dieser Auszug aus dem Gedicht „ Ein schlechter Schüler“ von Bruno H. Bull spiegelt das alltägliche Leiden von zahlreichen Schülern wieder. Die Jungen und Mädchen fühlen sich in der Schule unter Druck gesetzt und fürchten sich falsche Antworten zu geben, beziehungsweise den Anforderungen des Lehrers nicht nachkommen zu können. Sie haben generell eine abneigende Einstellung gegenüber der Institution Schule und damit auch keine große Freude daran Neues zu lernen.

Aufgrund der geltenden Schulpflicht in Deutschland, welche im Normalfall eine Dauer von zehn Jahren vorsieht[2], sind die Kinder jedoch trotz der Angst verpflichtet ihrer Schulpflicht nachzukommen.

Auch Peter Faulstich unterstreicht diese Zeilen, indem er notiert, dass Lernen häufig mit Druck, Angst und Versagensängsten seitens der Schüler verbunden ist. Diese negativen Gefühle entstehen oftmals aufgrund einer sehr autoritären Lehrperson[3] und fehlenden Freiräumen für selbstständige Erarbeitungen von neuen Erkenntnissen.

In Bezug zu dieser problematischen Ausgangssituation soll sich die vorliegende Arbeit zentral mit außerschulischen Lernorten beschäftigen und die Frage klären, inwieweit es sinnvoll ist Lernprozesse außerhalb typischer Bildungsstätten, wie der Schule, zu fördern.

Es ist nicht Sinn der Arbeit, möglichst viele Lernorte aufzuzählen, sondern es ist vielmehr das Ziel die Vor- und Nachteile, sowie ein außerschulisches Lernkonzept anhand des Beispiels einer Erlebniswelt aufzuzeigen.

Folglich wird zunächst der Begriff Lernort definiert und anschließend die Notwendigkeit außerschulischer Lernorte herausgearbeitet. Im Anschluss wird das ausgewählte Beispiel eines außerschulischen Lernorts aufgezeigt: die Zoom Erlebniswelt in Gelsenkirchen. Es werden die Lerninhalte, die Vermittlung, die Zielgruppen und Kooperationspartner der Erlebniswelt geschildert und anschließend mit den zuvor zusammengefassten theoretischen Fakten verbunden. Des Weiteren wird grob der außerschulische Lernort Wald mit einbezogen, um die Vor- und Nachteil der Zoom Erlebniswelt kenntlich zu machen. Zuletzt wird noch die Frage beantwortet, ob das Konzept und die Angebote der Erlebniswelt lebensbegleitendem Lernen entsprechen.

2. Definition Lernort

Der Begriff Lernort bezieht sich nicht nur auf die Institutionen Schule oder Universität, sondern ist deutlich weitläufiger. Ein Mensch lernt an jedem Ort und zu jeder Zeit. Diese Art zu Lernen ist den Menschen oft nicht bewusst, beziehungsweise meist nicht die Hauptintention wieso man sich an bestimmten Orten aufhält.[4] Somit kann man den Lerneffekt im alltäglichen Leben als eine Nebenwirkung von neuen Erfahrungen bezeichnen.

Nach Münch ist unser ganzes Leben als ein Lernort zu sehen, da uns jede Situation im Leben auf gewisse Weise prägt.[5]

Der Vorgang des Lernens, welcher sich an unterschiedlichen Bildungsorten abspielt, lässt sich in zwei Kategorien zusammenfassen.

2.1 Primäre Lernorte

Zum Einen gibt es die primären Lernorte, welche die Hauptaufgabe haben, Wissen zu vermitteln. Zu dieser Kategorie zählen zum Beispiel Schulen oder Universitäten.[6] In diesen Räumen ist ein fester Zeitplan integriert, welcher jede Unterrichtsstunde mit dem „Ertönen der Klingel“[7] beginnen und enden lässt, sowie beispielsweise die lernfreie Zeit der Ferien und die Klausurtermine vorgibt.[8] Somit ist es an diesen Stellen nur schwer möglich eine eigene unabhängige Zeiteinteilung des Lernens vorzunehmen, denn der Schüler steht nicht in der Position zu sagen, dass er lieber an einem Donnerstag acht Stunden zur Schule gehen möchte anstatt montags die Schulbank zu drücken. Ebenso wenig kann kein Schüler sagen, dass er die Klausur im November schreiben möchte, da er im Juni aufgrund von vielen Fußballspielen nur wenig Zeit für die Schule hat.

An dieser Stelle spiegelt sich jedoch auch ein Unterschied von der Schule zur Universität wieder. Die Studenten haben gewisse Module und Klausuren die sie erfüllen müssen, jedoch haben sie mehr Freiraum und können sich ihre Stundenpläne selber zusammenstellen und auch selbstständig entscheiden in welchem Semester sie ihre Klausuren und Hausarbeiten erledigen.

Anhand dieses Beispiels kann man verdeutlichen, dass nicht alle primären Lernorte identisch sind, sondern dass jeder seine individuellen Strukturen hat.

Insgesamt wird jedoch an den primären Lernorten bemängelt, dass die Art und Weise zu lernen sehr abstrakt ist und nur wenig mit der realen Welt und mit eigenen Erfahrungen der Schüler / Studenten zusammenhängt[9].

Den Lernenden wird viel erzählt, es werden Texte gelesen und teilweise Bilder angesehen, aber nur wenige Informationen werden im aktiven Umgang in der realen Welt gelernt. Viele sind gute Schüler/Studenten, aber können ihr Wissen nicht im wirklichen Leben anwenden.

2.2 Sekundäre Lernorte

Zum Anderen gibt es noch die sekundären Lernorte. Zu diesen Orten zählen so gut wie alle Plätze, die nicht nur die Intention verfolgen Wissen zu vermitteln. Es ist oft nicht nur ein beschränkter Raum[10], sondern es sind größere Flächen, wie zum Beispiel ein Park oder ein Wald.

Ein Unterschied bezüglich sekundärer Lernorte ist jedoch, dass es zum Einen kostenlose Plätze gibt (Wald, Park, Einkaufszentrum...) und zum Anderen kostenpflichtige Anlagen (Zoo, Museum, Theater...).

Keck und Thomas unterteilen die unterschiedlichen Lernorte in vier Kategorien.

Es gibt kulturelle Lernorte, wie ein „Theater, Museum oder [eine] Kirche“.[11] An diesen Orten lernt man besonders viel über unterschiedliche Kulturen oder auch Themen wie Kunst, Moral oder Religion.

Orte wie „der Wald, die Wiese“[12] oder auch Parks zählen Keck und Thomas zu den naturbezogenen Lernorten, da man an diesen Orten viel über die Natur in ihrer realen Vielfalt erfahren kann.[13] Beispielsweise erfährt man mehr über unterschiedliche Bäume, Gewässer oder Tierarten.

Zudem gibt es noch zahlreiche außerschulische Lernorte in der Arbeitswelt. Dies kann alles mögliche sein, wie zum Beispiel große Betriebe, Restaurants oder auch Einkaufsgeschäfte.[14]

Nahezu jeder Ort, an denen Menschen ihr Geld verdienen.

Arbeitsplätze dienen natürlich immer auch zur Weiterbildung, jedoch steht hier das Ziel die „Dienstleistung“[15] zu erfüllen an erster Stelle.

Als letzte Kategorie werden „menschliche [...] Begegnungsstätten“ genannt, an diesen steht der soziale Kontakt zu den Mitmenschen im Vordergrund. Zur Verdeutlichung nennen Keck und Thomas „Das Altersheim, das Krankenhaus oder das Jugend- und Freizeitzentrum“.[16]

Ergänzend bezieht sich Dahlmeier in seiner Ausführung auf Salzmann, welcher zusätzlich den Begriff Lernstandort ergänzt. Diese Standorte zählen zu den sekundären Lernorten, aber bieten zusätzlich gezielte Angebote an, sich Wissen durch selbstständige Entdeckertouren anzueignen[17].

Als Beispiel für diese sogenannten Lernstandorte nennt Dahlmeier: „ Zoologische Gärten mit ihren Zooschulen, Schulmuseen und Kindertheater“.[18]

3. Notwendigkeit eines erweiterten Lernbereichs

Trotz der Tatsache, dass das Lernen an außerschulischen Orten nicht explizit im Vordergrund steht, wie es zum Beispiel in der Schule der Fall ist, hat jeder außerschulische Lernort „besondere(..) Vorzüge (...)“.[19]

Als einen bekannten Befürworter für das außerschulische Lernen lässt sich Johann Amos Comenius anführen. Er kritisiert das eintönige Lernen in den Schulen und sagt, dass den Schülern nur die Welt erklärt wird, es aber oft keinen Spielraum gibt, dass die Kinder/ Jugendlichen die Welt selbstständig erkunden können.[20] Comenius vertritt die Auffassung, dass nichts allein durch eine autoritäre Lehrperson gelehrt werden soll[21], sondern, dass „Die Menschen (...) soviel wie möglich ihre Weisheit nicht aus Büchern schöpfen, sondern aus Himmel und Erde, aus Eichen und Buchen“.[22]

Folglich sollen die Menschen eigene Erfahrungen sammeln und die Welt mit eigenen Augen entdecken.[23] Diese Erkundungen sind an außerschulischen Lernorten besonders realitätsnah und die Personen haben nicht nur die Möglichkeit sich selbstständig und aktiv das Wissen anzueignen, sondern sie lernen gleichzeitig mit allen Sinnen.[24] Es wird nicht nur aus Büchern gelesen, denn ein Kind kann beispielweise in einem Streichelzoo das Fell der Tiere mit eigenen Händen fühlen und den natürlichen Geruch der Gehege wahrnehmen.

[...]


[1] Bruno H. Bull „Ein schlechter Schüler“ URL: https://books.google.de/books?id=NtJhCPewiNAC&pg=PA24&lpg=PA24&dq=bruno+horst+bull+ein+schlechter+schüler&source=bl&ots=vS2EjdxTrW&sig=OMRwTgelLB04r2D4kI-_2l4xvzs&hl=de&sa=X&ved=0CCAQ6AEwAGoVChMIiePl-9-KyAIVgm8UCh07EgqO#v=onepage&q=bruno%20horst%20bull%20ein%20schlechter%20schüler&f=false (abgerufen am 17.09.2015).

[2] vgl. § 37 Schulpflicht in der Primarstufe und in der Sekundarstufe 1 URL: https://www.schulministerium.nrw.de/docs/Recht/Schulrecht/Schulgesetz/Schulgesetz.pdf (abgerufen am 17.09.2015).

[3] vgl. Faulstich 2005, S. 9ff.

[4] vgl. Arnold 2010, S. 197.

[5] vgl. Münch 1985, S. 23.

[6] vgl. Münch a.a.O., S.25.

[7] Faulstich 2005, S. 7.

[8] vgl. Faulstich ebd.

[9] vgl. Münch 1985, S. 25.

[10] vgl. Münch a.a.O., S.24.

[11] vgl. Einsiedler 2014, S. 411.

[12] Einsiedler 2014, S. 411.

[13] vgl. Einsiedler ebd.

[14] vgl. Einsiedler ebd.

[15] Münch 1985, S.25.

[16] Lernorte Rudolf W. Keck und Bernd Thomas in Handbuch Grundschulpädagogik und Grundschuldidaktik Einsiedler 2011 s.411.

[17] Dühlmeier 2010, S. 17 zit. N. Salzmann 1989, S.48.

[18] Dühlmeier 2010, S.17.

[19] Arnold 2010, S. 197.

[20] vgl. Flitner 2007, S. 111.

[21] vgl. Flitner a.a.O., S. 113.

[22] Flitner a.a.O., S. 112.

[23] vgl. Flitner a.a.O., S. 111.

[24] vgl. Einsiedler 2014, S.410.

Details

Seiten
18
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668258129
ISBN (Buch)
9783668258136
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v336177
Institution / Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Note
1,7
Schlagworte
Erlebniswelt außerschulisch Schule Lernen Lernort Lernkonzept Vorteile Nachteile Schulpflicht

Autor

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Titel: Außerschulische Lernorte. Die Zoom Erlebniswelt Gelsenkirchen