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Die strategische Positionierung ausgesuchter Automobilbanken in Deutschland

Bachelorarbeit 2016 81 Seiten

BWL - Unternehmensforschung, Operations Research

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit
1.1 Problemstellung und Zielsetzung der Arbeit
1.2 Aufbau der Arbeit

2 Das Marktumfeld der Automobilindustrie in Deutschland
2.1 Markt und Entwicklung der Automobilindustrie in Deutschland
2.2 Aktuelle Anforderungen des Automobilmarktes
2.3 Herausforderungen der automobilen Finanzdienstleistung
2.3.1 Konkurrenzsituation
2.3.2 Qualitätsmanagement für Dienstleistungen
2.3.3 Weitere ausgewählte Herausforderungen
2.4 Volkswirtschaftliche Bedeutung der automobilen Finanzdienstleistung in Deutschland
2.4.1 Wertschöpfungseffekte
2.4.2 Beschäftigungseffekte
2.4.3 Technischer Fortschritt
2.4.4 Gewonnene Erkenntnisse
2.5 Einführung der E-Prämie

3 Die Struktur des Bankensystems in Deutschland

4 Das Geschäftsmodell Automobilbank
4.1 Leistungsangebot
4.1.1 Endkundenspezifische Serviceangebote
4.1.1.1 Finanzierung und Leasing
4.1.1.2 Mobilitätspakete und weitere Serviceleistungen
4.1.2 Partnerschaft mit dem Autohandel
4.1.2.1 Marktposition des stationären Handels
4.1.2.2 Bedeutung des Finanzierungsgeschäfts für den Autohandel
4.1.2.3 Exkurs Praxiserfahrungen
4.2 Ausgesuchte Ziele
4.2.1 Automobilbanken als zentraler Baustein der
Wertschöpfungskette
4.2.1.1 Automobilbanken und Autohersteller
4.2.1.2 Automobilbanken und Autohandel
4.2.2 Absatzunterstützung
4.2.3 Cross-Selling
4.2.4 Kundenbindung durch Finanzdienstleistungen
4.2.5 Direkter Zugang zur Zentralbank

5 Kurzportrait ausgewählter Automobilbanken
5.1 Volkswagen Financial Services AG
5.2 Mercedes-Benz Bank AG
5.3 Toyota Kreditbank Konzern

6 Mögliche strategische Ansätze
6.1 Definition strategische Positionierung
6.2 Ausgewählte rechtliche Aspekte
6.3 Positionierung der Autobanken mit Hilfe des Europasses
6.4 Strategisches Management mit der Balanced Scorecard
6.4.1 Definition
6.4.2 Strategieformulierung
6.4.3 Strategieimplementierung
6.4.4 Strategisches Lernen
6.4.5 Weitere ausgewählte Erfolgsfaktoren
6.5 Strategische Ansätze der Captives
6.6 Strategisches Marketing
6.6.1 Customer Relationship Management
6.6.2 Weitere Marketingaspekte
6.7 Weitere Strategieansätze
6.7.1 Einbindung moderner IT-Systeme
6.7.2 Bedeutung der Prozesseffizienz
6.7.3 Wertorientierte Geschäftssteuerung
6.8 Risikomanagement

7 Fazit

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: PKW-Neuzulassungen in Deutschland

Abbildung 2: Marktanteile nach Herstellerländern

Abbildung 3: Integration automobiler Finanzdienstleistungen in der Wertschöpfungskette

Abbildung 4: Volkswirtschaftliche Bedeutung der automobilen Finanzdienstleistung

Abbildung 5: Banken in Deutschland

Abbildung 6: Einfluss der Autobanken auf das Kaufverhalten

Abbildung 7: Der Beitrag der Autobanken zur Kundenloyalisierung

Abbildung 8: Struktur Volkswagen Aktiengesellschaft

Abbildung 9: Die Mercedes-Benz Bank im Überblick

Abbildung 10: Struktur Toyota Motor Corporation

Abbildung 11: Wettbewerbsumfeld der Automobilbanken

Abbildung 12: Strategischer Managementprozess

Abbildung 13: Wirkungskette

Abbildung 14: Customer Relationship Management

Abbildung 15: Prozessmodell Benchmarking

Abbildung 16: Restwertverlauf eines PKW

1 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit

In der vorliegenden Arbeit wird die strategische Positionierung ausgewählter Automobilbanken in Deutschland analysiert.

1.1 Problemstellung und Zielsetzung der Arbeit

Die Automobilindustrie ist einer der am schnellsten wachsenden Industriezweige in Deutschland.[1] In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, inwieweit Automobilbanken zum Erfolg der Automobilkonzerne beitragen, welche Aufgaben sie übernehmen und mit welchen Herausforderungen diese zu kämpfen haben. Ziel dieser Arbeit ist es, einen umfassenden Einblick in die Geschäftsfelder ausgewählter Automobilbanken zu erlangen. Dabei werden primär herstellerverbundene Automobilbanken betrachtet. Des Weiteren soll die Nachvollziehbarkeit strategischer Entscheidungen und der damit verbundene Einsatz ausgewählter Strategiewerkzeuge in Hinblick auf eine erfolgreiche strategische Positionierung im Markt erleichtert werden.

1.2 Aufbau der Arbeit

Zu Beginn dieser Arbeit wird das Marktumfeld der Automobilindustrie in Deutschland analysiert. Dabei wird vor allem auf den Automobilmarkt und dessen Entwicklung anhand der Neuzulassungen eingegangen. Folgend werden aktuelle Anforderung des Automobilmarktes und Herausforderungen anhand ausgewählter Aspekte diskutiert. Insbesondere die gegenwärtige Konkurrenzsituation, ein notwendiges Qualitätsmanagement und ein stetig steigender Preisdruck rücken dabei in den Fokus der Bearbeitung.

Vor dem Hintergrund einer strategischen Positionierung bedarf es der Betrachtung der volkswirtschaftlichen Bedeutung der automobilen Finanzdienstleistung. Daher folgt eine entsprechende Analyse unter den Aspekten Wertschöpfung, technischer Fortschritt, Beschäftigungseffekten und einer aktuellen politischen Entscheidung.

Im Anschluss daran wird das Bankensystem in Deutschland betrachtet. Hier rückt insbesondere die Einordnung von Automobilbanken in den Vordergrund.

Folgend wird das komplexe Geschäftsmodell von Automobilbanken detailliert erörtert. Dabei wird vor allem auf das umfangreiche Leistungsspektrum eingegangen. Weitere Bestandteile dieses Gliederungspunktes sind ausgesuchte Ziele der Automobilbanken.

Im Anschluss daran widmet sich das folgende Kapitel drei Kurzportraits ausgewählter Automobilbanken. Dabei handelt es sich um zwei deutsche und eine asiatische Automobilbank, welche zu den führenden Marktteilnehmern in der Automobilbranche gehören.

Im Zuge der Bearbeitung des Kernthemas wird im Anschluss auf strategische Instrumente eingegangen. Dazu erfolgt zunächst eine kurze Betrachtung ausgewählter rechtlicher Aspekte. Folgend wird insbesondere die Balanced Scorecard bezugnehmend auf ihren Einsatz als strategisches Managementinstrument detailliert erörtert. Der europäische Bankenpass, verschiedene Marketingaspekte wie beispielsweise das Customer-Relationship-Management, strategische Ansätze herstellerverbundener Automobilbanken und das Risikomanagement finden ebenfalls entsprechende Beachtung.

Im letzten Kapitel der vorliegenden Arbeit werden wichtige gewonnene Erkenntnisse zusammengefasst und hinsichtlich der zuvor erwähnten Zielsetzung bewertet.

2 Das Marktumfeld der Automobilindustrie in Deutschland

In den folgenden Abschnitten soll das Marktumfeld der Automobilindustrie in Deutschland näher betrachtet werden. Dabei werden zunächst das Marktsegment der Automobilindustrie sowie die Entwicklung in Deutschland erläutert. Im Anschluss daran werden die volkswirtschaftliche Bedeutung der automobilen Finanzdienstleistung in Deutschland und mögliche Herausforderungen untersucht.

2.1 Markt und Entwicklung der Automobilindustrie in Deutschland

Der inländische Umsatz der in Deutschland ansässigen Automobilindustrie betrug im Jahr 2014 131,2 Milliarden Euro. Zusammen mit dem Auslandsumsatz deutscher Automobilhersteller von 236,8 Milliarden Euro entspricht dies einem Gesamtumsatz in Höhe von etwa 368 Milliarden Euro. Daraus ergibt sich ein Anteil des im Inland erwirtschafteten Umsatzes von zirka 35,65%. Dies verdeutlicht die Bedeutung des Standortes Deutschland für deutsche Automobilhersteller.

Der Volkswagen Konzern generierte im Jahr 2014 einen Umsatz von mehr als 200 Milliarden Euro und war somit der umsatzstärkste Automobilhersteller weltweit.[2] Der Automobilhersteller Toyota erwirtschaftete im gleichen Jahr etwa 188 Milliarden Euro Umsatz. Mit etwa 130 Milliarden Euro Umsatz belegt die Daimler AG in diesem Ranking den dritten Platz.[3] Die Auswahl der in Punkt vier erläuterten Automobilbanken ist unter anderem in dieser Statistik begründet.

Im Jahr 2014 wurden zirka drei Millionen neue Personenkraftwagen in Deutschland zugelassen.[4] Damit wurde die zuvor prognostizierte Absatzmarke sogar leicht übertroffen. Maßgebend für dieses Wachstum in Höhe von drei Prozent, im Vergleich zum Vorjahr, war vor allem der Jahresbeginn als auch der Dezember, wo das Wachstum bei sechs beziehungsweise sieben Prozent lag.[5] Positive Treiber für den Konsum und damit auch den Neuwagenkauf sind laut VDA, dem Verband der Automobilindustrie, in erster Linie die Konjunktur, damit verbundene Einkommen und der robuste Arbeitsmarkt.[6]

Trotz des Wachstums sank der Anteil der Neuzulassungen privater Halter um zwei auf nun 36 Prozent und somit auf einen neuen Tiefstand. Die Gründe hierfür lagen unter anderem darin, dass Personenkraftwagen länger halten und dementsprechend auch länger gehalten werden.[7] „Das Durchschnittsalter des Bestands wächst seit Jahren.“[8]

Die folgende Abbildung zeigt die Entwicklung der PKW-Neuzulassungen in Deutschland. Die Anzahl der neu zugelassenen Personenkraftwagen in Deutschland ist verglichen mit dem Jahr 2004 leicht rückläufig, wobei ein leichter Anstieg von 2013 zu 2014 ersichtlich ist. Das Jahr 2009 hingegen zeigt einen starken Anstieg der Neuzulassungen. Dies ist insbesondere mit der sogenannten Umweltprämie, im Volksmund auch Abwrackprämie genannt, zu erklären. Jene Umweltprämie wurde im Jahr 2009 im Rahmen des Konjunkturpakets II eingeführt und betrug 2.500€.[9] Mit Hilfe dieser Prämie gelang der Bundesregierung die Förderung des Absatzes für Personenkraftwagen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 : PKW-Neuzulassungen in Deutschland

Quelle: Verband der Automobilindustrie (2014), o. S.

Eine aktuelle Statistik des Kraftfahrt-Bundesamtes bestätigt den zuvor erläuterten Trend. Im Jahr 2015 wurden 3,21 Millionen neue Personenkraftwagen zugelassen. Dies entspricht einem Wachstum von 5,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Ebenfalls interessant ist der weiterhin sinkende Anteil privater Halter, welcher mit 34,2 Prozent einen neuen Tiefstand erreichte.[10]

Die folgende Abbildung belegt einmal mehr die Vormachtstellung deutscher Automobilhersteller in Deutschland. Betrachtet werden hier die Jahre 2013 und 2014.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 : Marktanteile nach Herstellerländern

Quelle: Verband der Automobilindustrie (2014), o. S.

Mit einem Marktanteil von 72 Prozent waren die deutschen Automobilmarken auch im Jahr 2014 an erster Stelle. Den zweiten Platz im Bereich PKW-Neuzulassungen belegte Japan mit 8,8 Prozent, dicht gefolgt von den französischen Herstellern wie etwa Peugeot, Renault oder Citröen.

2.2 Aktuelle Anforderungen des Automobilmarktes

„Personenkraftwagen und Nutzfahrzeuge erfüllen einen großen Bereich von privaten und gewerblichen Mobilitätsanforderungen.“[11] Dabei gilt es, Dienstleistungen und Produkte an die jeweiligen Anforderungen anzupassen. Ein wichtiger Kernbereich, diese Anpassung betreffend, ist die Entwicklung neuer Technologien. Deren Ziele liegen in den Bereichen Sicherheit, Umweltschutz und Fahrzeugkomfort. Der stetige Fortschritt in diesen Bereichen zeigt sich beispielsweise in rückläufigen Zahlen an Verkehrstoten. Trotz einem steigenden Fahrzeugbestand und erheblich gestiegenen Fahrleistungen konnte seit 1970 ein Rückgang von über 805 pro Jahr erreicht werden. Ein Großteil dieser Entwicklung ist sicherlich auf neue, intelligente Sicherheits- und Fahrassistenzsysteme zurückzuführen.[12]

Eine weitere aktuelle Anforderung an den Automobilmarkt ist der Umweltschutz. „Aber nicht nur die Schadstoffemissionen sind rückläufig, sondern auch der Kraftstoffverbrauch und damit die CO2-Emissionen konnten in beachtlichem Umfang gesenkt werden.“[13] Diese Entwicklung gilt es auch zukünftig sicherzustellen.

In Verbindung mit einem erhöhten Qualitätsniveau deutscher Automobilmarken spielt ein leistungsfähiger Service eine entscheidende Rolle. In sechs von neun Bewertungsklassen des jährlich erscheinenden Dekra-Gebrauchtwagenreports belegen deutsche Modelle den ersten Platz. Dies zeugt für ein erstklassiges Qualitätsbewusstsein deutscher Automobilhersteller. Dieser Qualitätsgedanke spiegelt sich ebenso in einem leistungsfähigen Service wieder.[14] „Je komplexer ein Produkt ist, umso höher sind die Anforderungen an den Service: Das Auto ist heute eines der anspruchsvollsten Erzeugnisse […].“[15] Dem Service obliegt daher die Aufgabe, technisch anspruchsvolle Fahrzeuge, mit entsprechendem Know-how zu warten und instand zu setzen. Insbesondere gilt es dieser anspruchsvollen Aufgabe mit einer hervorragenden Qualität nachzukommen. Weiterhin sollte dies zu wettbewerbsfähigen Preisen erreicht werden.[16]

Weitere Anforderungen an die Automobilindustrie liegen in der Integration der Kfz-Betriebe in den Wertschöpfungsprozess. Diese sind letztlich durch ihr Verkaufspersonal verantwortlich für den Vertrieb von Kraftfahrzeugen, Krediten und Versicherungen. Hierbei spielen ebenfalls mögliche EU-Richtlinien eine Rolle. Deren Auflagen gilt es umzusetzen. Der VDA fordert indes von der Europäischen Union, diese Auflagen so gering wie eben möglich zu halten, um eine damit verbundene Verteuerung von Krediten abzuwenden.[17]

Die deutsche Automobil Treuhand GmbH beobachtet seit über 75 Jahren den Automobilmarkt und erstellt dazu markenübergreifende Statistiken. Mit Hilfe dieser und weiterer Statistiken, wie etwa dem DAT-Marktspiegel, können realistische Prognosen zum Thema Restwert getroffen werden. Diese Restwertprognosen spielen eine entscheidende Rolle für Handelsbetriebe und Automobilbanken, da der Restwert eines Fahrzeuges ein wichtiger Faktor beim Wertverlauf und daher auch bei der Finanzierungsberechnung eines Fahrzeuges spielt.[18]

Die Anforderungen an ein notwendiges Markenmanagement durch die Fahrzeughersteller werden im späteren Verlauf dieser Arbeit erneut aufgegriffen.

2.3 Herausforderungen der automobilen Finanzdienstleistung

In den folgenden Abschnitten werden ausgewählte Herausforderungen der automobilen Finanzdienstleistung beleuchtet. Dadurch soll eine erste Übersicht über mögliche Problemstellungen im Hinblick auf eine nachhaltige Unternehmensstrategie geschaffen werden.

2.3.1 Konkurrenzsituation

Der Anteil von Finanzdienstleistungen an der volkswirtschaftlichen Wertschöpfung, welche ein PKW bis zur Verschrottung nach 10 bis 12 Jahren generiert, betrug im Jahr 2010 zirka 24%. Auf Grund dessen ist der Markt der automobilen Finanzdienstleistung für viele Anbieter attraktiv und dementsprechend einem hohen Wettbewerb ausgesetzt.[19] „Insbesondere bei der Finanzierung von Gebrauchtwagen […], der Vermittlung von Versicherungen […] konkurrieren die Autobanken mit einer Vielzahl markenunabhängiger Finanzierungsspezialisten […] Leasinggesellschaften, Universalbanken und Autovermietungen.“[20] Im Jahr 2014 geht Frank Stenner[21] bereits von einem Anteil in Höhe von 30% der externen Wertschöpfung und einem damit verbundenen Potential von 45% des gesamten Gewinnes aus. Diese positive Entwicklung der Bedeutung der automobilen Finanzdienstleister spricht für einen weiterhin wachsenden Wettbewerb.[22]

Die Konkurrenzsituation zwischen den zuvor erwähnten Teilnehmern des Finanzmarktes wird insbesondere in Gliederungspunkt drei erneut aufgegriffen. Dort werden die Struktur des deutschen Bankensystems und die entsprechende Einordnung von Autobanken in dieses System analysiert. Im vierten Gliederungspunkt dieser Arbeit werden zudem mögliche Alleinstellungsmerkmale von Automobilbanken angeführt.

2.3.2 Qualitätsmanagement für Dienstleistungen

„Die Erstellung einer hohen Dienstleistungsqualität hat sich in den vergangenen Jahren zu einem zentralen Wettbewerbsfaktor entwickelt.“[23] Ausgehend von dieser Entwicklung und einer starken Kundenorientierung, welche sich in subjektive und objektive Wahrnehmung differenzieren lässt, spielt das Qualitätsmanagement eine entscheidende Rolle. Ohne ein effizientes Qualitätsmanagement und eine damit verbundene objektive Leistungsbewertung können Probleme für Unternehmen die Folge sein.[24]

In diesem Zusammenhang stellt sich zunächst die Frage einer Definition des Begriffes Qualität. Eine im Zusammenhang mit Dienstleistungsunternehmen auftretende Definition ist die Folgende: „Gute Qualität ist die Erfüllung von Kundenanforderungen.“[25] Um Kundenanforderungen zu erfüllen, beziehungsweise bei Nichterfüllung auftretende Probleme zu vermeiden, gilt es zunächst einen Idealzustand zu erreichen, welcher aus einer Übereinstimmung objektiver und subjektiver Leistungsbewertung resultiert. Ist dieser Zustand erreicht, können mögliche Maßnahmen zur Qualitätssteigerung ergriffen werden. Dabei gilt es, sowohl interne Anforderungen, welche beispielsweise durch die Unternehmensleitung vorgegeben werden, als auch externe Anforderungen, wie zum Beispiel Gesellschafterinteressen und Kundenanforderungen von Käufern oder Nutzern zu erfüllen oder besser noch zu übertreffen.[26]

Abgesehen von möglichen Qualitätsanforderungen an die Endprodukte der Automobilhersteller, in diesem Fall Kraftfahrzeuge, auf die in dieser Arbeit nicht weiter eingegangen werden soll, stellt insbesondere der Bereich Kundenzufriedenheit in der automobilen Dienstleistung eine Herausforderung dar.

In der Literatur wird Kundenzufriedenheit vorherrschend als ein „Nachkaufphänomen, bei dem der Kunde erworbene […] Dienstleistungen anhand seiner gewonnenen Nutzungserfahrungen beurteilt. In der Käuferverhaltensforschung wird Kundenzufriedenheit als hypothetisches Konstrukt verwendet, welches die Übereinstimmung zwischen den subjektiven Erwartungen und der tatsächlich erlebten Motivbefriedigung bei Produkten oder Dienstleistungen zum Ausdruck bringt. Werden die Erwartungen nicht erfüllt, so liegt Unzufriedenheit vor. Bei unzufriedenen Kunden besteht die Gefahr, dass sie (still) zur Konkurrenz abwandern […] und/ oder ihre Unzufriedenheit dem Unternehmen […] mitteilen.“[27]

Die obige Definition zeigt die Wichtigkeit der Kundenzufriedenheit vor allem im Hinblick auf die in Punkt 2.2.1 beschriebene Konkurrenzsituation. Im Dienstleistungsbereich gilt es daher, mit einem guten Service zu punkten, die Konkurrenz zu übertreffen und somit ein mögliches Abwandern der Kunden zu verhindern. Wie bereits zuvor erwähnt, gliedern sich mögliche Ansätze für eine Messung der Kundenzufriedenheit beziehungsweise der Leistungsbewertung in objektive und subjektive Verfahren, wobei erstere auf Indikatoren wie Umsatz oder Zurückgewinnungsrate und letztere auf Befragungen zum Beispiel zu wahrgenommenen Leistungsdefiziten abzielen.[28] Eine detailliertere Betrachtung verschiedener Messverfahren soll in der vorliegenden Arbeit nicht weiter erfolgen.

Ein umfassendes Dienstleistungs-Qualitätskonzept umfasst drei Säulen als Grundvoraussetzung für ein erfolgreiches Qualitätsmanagement. Das sogenannte Total Quality Management, kurz TQM, setzt sich aus Mitarbeiterorientierung, Kundenorientierung und Prozessorientierung zusammen.[29]

Im Bereich der Dienstleistung wird die Qualität anhand des Total Service Quality Ansatzes in folgenden Bereichen gemessen:

- Dienstleistungsdesignprozess
- Dienstleistungserbringungsprozess
- Kundenbeziehung
- Lücke zwischen Erwartung und Leistung

Wird einer dieser Inhalte vernachlässigt oder unterschätzt, so können daraus negative Folgen für das Unternehmen resultieren. Die Einführung eines Qualitätsmanagementsystem schafft hier eine geeignete Grundlage für diverse Qualitätsaktivitäten. Dazu zählen unter anderem Qualitätssystemaudits und Qualitätsstatistiken, wie etwa im Bereich des Beschwerdemanagements.[30]

2.3.3 Weitere ausgewählte Herausforderungen

Sowohl die Hersteller als auch der Handel „sehen sich im Zuge der stagnierenden Kfz-Nachfrage in den Kernmärkten Westeuropas und Nordamerikas einem wachsenden Preis- und Margendruck gegenüber.“[31] Dieser wird nicht zuletzt durch die zuvor erwähnte Konkurrenzsituation ausgelöst, in der Wettbewerber aus den sich industrialisierenden Volkswirtschaften in den Markt drängen. In Verbindung mit einer sinkenden Werkstattauslastung stellt diese Situation eine wesentliche Herausforderung dar.[32]

Weitere Herausforderungen betreffen den Bereich der Refinanzierung. Auch die automobile Finanzdienstleistung setzt in diesem Bereich unter anderem auf die Verbriefung von Forderungen, sogenannten Asset Backed Securities. So konnte die Mercedes-Benz Bank dieses Instrument im Jahr 2013 zur Refinanzierung nutzen und Papiere im Wert von einer Milliarde Euro am Markt platzieren. Auch bei diesen Auto-ABS wird die Branche vor neue Herausforderungen gestellt. Obwohl sich dieses Instrument durch eine exzellente Kreditqualität sowie ein stabiles Rating auszeichnet - und somit als eher risikoarm gilt - sieht es sich möglichen Regulierungsmaßnahmen seitens des Gesetzgebers gegenübergestellt. Geplante Regulierungen für den Verbriefungsmarkt unterscheiden nicht zwischen Immobilien-ABS und Auto-ABS. Die Folge von Regulierungen könnte daher ein Attraktivitätsverlust für mögliche Anleger sein. Dies wiederum könnte zu einem Bedeutungsverlust der Auto-ABS als Refinanzierungsquelle führen.[33]

„Neben diese Herausforderungen tritt die bereits seit geraumer Zeit festzustellende veränderte Anspruchshaltung der Automobilkunden.“[34] Mit Hilfe moderner Medien sind diese heutzutage besser informiert und sind somit in der Lage, diverse Dienstleistungsangebote zu vergleichen. Auf Grund einer geringer werdenden Markenbindung müssen Automobilunternehmen härter um ihre Kunden kämpfen.[35] „Auf Käufermärkten […] bekommt das kundenspezifische Marketing somit eine entscheidende Funktion.“[36]

2.4 Volkswirtschaftliche Bedeutung der automobilen Finanzdienstleistung in Deutschland

Die Automobilindustrie generierte im Jahr 2015 einen Umsatz in Höhe von etwa 365 Milliarden Euro in Deutschland.[37] Ein wesentlicher Teil dieser Umsatzleistung entfiel dabei auf den Bereich Finanzdienstleistung. Dementsprechend nimmt die automobile Finanzdienstleistung einen hohen Stellenwert ein.

„Neben bedeutenden betriebswirtschaftlichen Effekten auf die Ergebnisstruktur des jeweiligen Automobilherstellers haben die automobilen Finanzdienstleistungen der herstellerverbundenen Autobanken auch beträchtliche volkswirtschaftliche Effekte.“[38] Im Folgenden wird daher die volkswirtschaftliche Bedeutung der automobilen Finanzdienstleistung in Deutschland anhand der Zielgrößen Wertschöpfung, Beschäftigung und des technischen Fortschritts näher betrachtet.

2.4.1 Wertschöpfungseffekte

Die erste zu betrachtende Zielgröße gilt der volkswirtschaftlichen Wertschöpfung und damit verbundenen Effekten. Im Zuge dieser Betrachtung wird fortan auf die Theorie der Multiplikatoreffekte zurückgegriffen. Dabei wird davon ausgegangen, dass eine primäre wirtschaftliche Aktivität zusätzliche wirtschaftliche Aktivitäten veranlasst und dadurch einen Multiplikatoreffekt auslöst. Des Weiteren wird dabei zwischen Primär-, Sekundär- und Tertiäreffekten unterschieden, wobei letztere fortan nicht weiter behandelt werden. Die folgenden Werte sind somit als Untergrenze anzusehen, welche unter Berücksichtigung möglicher Tertiäreffekte letztlich durchaus höher ausfallen könnten.[39]

„Die Penetrationsrate der herstellerverbundenen Autobanken im Neuwagenmarkt liegt bei etwas mehr als 40%.“[40] Ausgehend von zirka 3,04 Millionen abgesetzten Neufahrzeugen im Jahr 2014 entspricht dies einer relevanten Absatzmenge in Höhe von etwa 1,31 Millionen Automobilen. Der durchschnittliche Verkaufspreis eines Neufahrzeuges lag im Jahr 2014 bei etwa 28.330 Euro. Daraus ergibt sich ein Umsatzvolumen von 37,1 Milliarden Euro. Folgend sollen ausschließlich Wertschöpfungseffekte in Deutschland erörtert werden. Daher sind sowohl Importfahrzeuge, mit entsprechend geringem Wertschöpfungsanteil in Deutschland, als auch solche Fahrzeuge abzuziehen, welche auch ohne Anreize durch die Inanspruchnahme von Finanzdienstleistungen verkauft worden wären. Bei dem Modell von Frank Stenner handelt es sich auf Grund fehlender exakter Daten um ein Schätzmodell.

In Summe ergibt sich aus oben genannten Werten und den erwähnten Schätzungen ein Umsatzeffekt durch Finanzdienstleistungen in Höhe von rund 15,9 Milliarden Euro. Mit einer weiteren Hinzurechnung in Höhe von 8 Milliarden Euro, welche sich aus der Vermarktung von Finanzdienstleistungen ergibt, resultiert letztlich ein volkswirtschaftlicher Umsatzeffekt von 23,9 Milliarden Euro.[41]

Auf Grund des zuvor erwähnten Umsatzeffektes sind Autobanken „heutzutage zweifelsohne ein integraler Bestandteil der automobilen Wertschöpfungskette.“[42] Die folgende Abbildung zeigt eben diese Integration von Finanzdienstleistungen in die automobile Wertschöpfungskette am Beispiel der Mercedes-Benz Bank, welche nach dem Motto „follow the car“ vorgeht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3 : Integration automobiler Finanzdienstleistungen in der Wertschöpfungskette

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Zieringer (2015), S. 139.

Die für die automobile Finanzdienstleistung entscheidenden Wertschöpfungsschritte sind in dieser Abbildung blau hinterlegt. Der Leistungsumfang dieser vier Schritte wird im Gliederungspunkt vier detailliert beschrieben.

2.4.2 Beschäftigungseffekte

Ein weiterer Aspekt der volkswirtschaftlichen Bedeutung der automobilen Finanzdienstleistung spiegelt sich in möglichen Beschäftigungseffekten wider. In diesem Zusammenhang sollen diese folgend anhand der in der automobilen Finanzdienstleistung beschäftigen Arbeitnehmer erläutert werden. „Nach Angaben des Arbeitskreises Autobanken (AKA) waren im Jahr 2013 knapp 10.000 Mitarbeiter bei herstellerverbundenen Autobanken beschäftigt.“[43] Hinzuzurechnen sind jene Beschäftigten, die in den Umsatzprozess involviert sind. Auszugehen ist hier von dem in Punkt 2.4.1 errechneten Umsatzeffekt im Neuwagengeschäft in Höhe von 15,9 Milliarden Euro.[44]

„Als Erfahrungswert in der Branche gilt, dass ein Beschäftigter in der Automobilindustrie etwa 250.000 bis 300.000 € erwirtschaftet. Umgekehrt formuliert bedeutet das: Ein Umsatz von 250.000 bis 300.000 € sichert einen Arbeitsplatz in der Automobilindustrie.“[45] Ausgehend von dieser Umsatzspanne ergeben sich zwischen 53.000 und 63.600 durch das Neuwagengeschäft induzierte Arbeitsplätze. Summiert mit den 10.000 Beschäftigten bei herstellerverbundenen Autobanken ergibt sich eine Summe zwischen 63.000 und 73.600 Arbeitsplätzen. Selbst wenn in diesem Fall von der Untergrenze ausgegangen wird, so resultieren aus der automobilen Finanzdienstleistung enorme Beschäftigungseffekte.[46]

2.4.3 Technischer Fortschritt

Der technische Fortschritt ist nicht auf die Weiterentwicklung von Automobilen beschränkt. Auch in der Bankenwelt konnten in der Vergangenheit erhebliche technische Fortschritte verbucht werden. Dabei hatten vor allem die „Computertechnologie und die Kommunikationstechnik wesentlichen Einfluss auf Geldanlage und Börse. Sie sorgten dafür, dass (im Extremfall) alle Informationen allen zum gleichen Zeitpunkt zur Verfügung stehen.“[47]

Übertragen auf den Bereich der automobilen Finanzdienstleistung bedeutet dies, dass Kunden von dieser Entwicklung in vielerlei Hinsicht profitieren können. Zunächst bietet der technische Fortschritt Kunden die Möglichkeit, Konditionen und Angebote ohne großen Aufwand miteinander vergleichen zu können. Ein wesentlicher Faktor diesen Vergleichsprozess betreffend ist der Einsatz von Zeit seitens der Kunden. Während in der Vergangenheit Prospekte und Werbeannoncen mit entsprechend hohem Zeitaufwand durchforstet werden mussten, genügt heute ein kurzer Blick auf die entsprechende Unternehmens- beziehungsweise Händlerwebsite. Weiterhin spielt „die zunehmende Versiertheit der Nutzer im Umgang mit dem Medium Internet und die Offenheit für neue Entwicklungen eine große Rolle.“[48]

In der Käuferverhaltensforschung wird in diesem Zusammenhang zwischen High- und Low-Involvement des Konsumenten differenziert. Dabei werden die folgenden vier Kaufentscheidungsprozesse unterschieden:

- Extensive Kaufentscheidungsprozesse
- Begrenzte Kaufentscheidungsprozesse
- Habitualisierte Kaufentscheidungsprozesse
- Affektgesteuerte Kaufentscheidungsprozesse[49]

Vorliegend spielt der extensive Kaufentscheidungsprozess eine entscheidende Rolle. Darunter fallen vor allem Kaufentscheidungen „in denen der Konsument großen Aufwand in die Identifikation relevanter Entscheidungskriterien und die vergleichende Beurteilung von Alternativen investiert. […] Autos sind ein typisches Beispiel.“[50] Der Kauf eines Automobils ist demnach als High-Involvement des Konsumenten einzustufen, da dieser viel Zeit in die Sammlung von Informationen investiert.[51]

Aufgrund der ständigen Ausweitung des Produktangebotes kann es allerdings zu einem sogenannten Information Overload kommen, in dem die Zunahme der Wahlmöglichkeiten für viele Kunden zum Problem wird und sie sich in der Informationsfülle verlieren.[52] Hier gilt es, seitens der Unternehmen notwendige Informationen wie beispielsweise den effektiven Jahreszinssatz, Eintauschprämien oder Kontaktdaten zur persönlichen Betreuung transparent zur Verfügung zu stellen.

„Die Effekte von Finanzdienstleistungen auf den technischen Fortschritt lassen sich […] im Gegensatz zu den beiden anderen volkswirtschaftlichen Zielgrößen nicht quantifizieren. Dass sie vorhanden sind, dürfte aber unbestreitbar sein.“[53] In diesem Zusammenhang spielen zwei wichtige Wirkungsketten eine Rolle. Nutzer von automobilen Finanzdienstleistungen haben eine kürzere Haltedauer als die übrigen Neuwagen-Käufer. Diese verkürzte Haltedauer hat zur Folge, dass der in der Automobilindustrie laufende technische Fortschritt in Form von neuen Technologien schneller auf den Markt gelangt. Aus dieser schnelleren Marktdurchdringung resultiert eine Erhöhung der Sicherheit sowie eine Entlastung der Umwelt durch spritsparende Technologien.

Die zweite Wirkungskette ergibt sich daraus, dass Autofahrer, die automobile Finanzdienstleistungen in Anspruch nehmen, ihr Fahrzeug besser ausstatten. Auf Grund dieser verbesserten Ausstattung ergibt sich zudem eine erhöhte Fahrzeugsicherheit sowie ein Beitrag zum Umweltschutz.[54]

Der technische Fortschritt spielt zugleich eine entscheidende Rolle im Wettbewerb. Um auch in diesem Bereich wettbewerbsfähig zu sein, bedarf es einer ausgeprägten Marktforschung, Flexibilität und Offenheit für neue Wege. Auf diese Gegebenheiten wird im späteren Verlauf dieser Arbeit, insbesondere in Punkt fünf, erneut eingegangen.

2.4.4 Gewonnene Erkenntnisse

Die folgende Abbildung stellt eine Übersicht der zuvor gewonnenen Erkenntnisse in den Bereichen Wertschöpfung, Beschäftigung und technischer Fortschritt dar. Zudem wird zwischen Primär- und Sekundäreffekten unterschieden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4 : Volkswirtschaftliche Bedeutung der automobilen Finanzdienstleistung

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Diez / Maier (2015), S. 25.

Nicht zuletzt auf Grund dieser Primär- und Sekundäreffekte „zeigt sich, dass die automobilen Finanzdienstleistungen […] eine nicht zu unterschätzende volkswirtschaftliche Bedeutung haben.“[55] Zusätzlich zu den abgebildeten Effekten sind abschließend noch solche zu betrachten, welche aus dem Werkstatt- und Gebrauchtwagengeschäft resultieren. Die angesprochenen Effekte sind daher als eine eher konservative Schätzung zu betrachten, welche zukünftig zu mehr Aufmerksamkeit in den Bereichen Politik und Öffentlichkeit führen soll.[56]

2.5 Einführung der E-Prämie

Unstrittig ist der Einfluss politischer Entscheidungen auf die Automobilindustrie. Ein aktuelles Beispiel ist die viel diskutierte E-Prämie. Vor dem Hintergrund einer angestrebten Energiewende, deren Ziel der ausschließliche Einsatz sauberer Energien ist, sollen zögernde Kunden durch einen finanziellen Anreiz zum Kauf eines Elektrofahrzeuges motiviert werden.

Aktuell gibt es in Deutschland etwa 25.500 zugelassene Elektroautos. Seit dem Jahr 2008 ist ein deutlicher Anstieg dieser Zahlen erkennbar. Die Anzahl der zugelassenen Elektrofahrzeuge in Deutschland stieg in diesem Zeitraum um etwa 1700%.[57] Gemessen an der Gesamtanzahl zugelassener Personenkraftwagen entspricht dies allerdings lediglich einem Marktanteil in Höhe von weniger als 0,1%.[58]

Dieser geringe Marktanteil hat mehrere Gründe. Zum einen ist die Technologie der Elektrofahrzeuge im Vergleich zu jener der Verbrennungsmotoren relativ jung. Weiterhin gibt es einige Nachteile bei einer täglichen Nutzung. Die Vielzahl aktueller Elektrofahrzeuge hat je nach Fahrweise eine Reichweite von etwa 180-250 Kilometern und ist dementsprechend weniger für Fernreisen geeignet. Grundsätzlich ist es möglich, eine vorherige Routenplanung vorausgesetzt, auf ein flächendeckendes Tank- bzw. Ladesäulennetz zurückzugreifen. Allerdings nimmt ein entsprechender Ladevorgang trotz verschiedener Schnelllademöglichkeiten verhältnismäßig viel Zeit in Anspruch.

Des Weiteren sind die Listenverkaufspreise von Elektrofahrzeugen deutlich höher als von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren. Ein Vergleich zweier ähnlich ausgestatteter Volkswagen Golf Modelle macht dies deutlich. Während ein benzinbetriebener VW Golf mit Highline-Ausstattung 24.475€ kostet, liegt der Grundpreis für die Basisversion des e-Golf bei 34.900€.[59]

Ungeachtet eines entsprechenden Umweltbewusstseins potentieller Käufer spielt der Kaufpreis eine wichtige Rolle im Prozess der Kaufentscheidung. An diesem Punkt soll der finanzielle Anreiz der E-Prämie in Höhe von 4.000€ ansetzen. Zusätzlich zu einer Kaufpreissubventionierung sollen zudem weitere Anreize wie etwa ein zehnjähriger KFZ-Steuererlass für Elektroautos geschaffen werden.

Während die Reaktionen der Automobilhersteller durchweg positiv ausfallen, üben Ökonomen, Umweltschützer und Teile der Industrie Kritik an der E-Prämie. Diese zielt unter anderem darauf ab, dass eine solche Einmalprämie mehr als kurzes „Strohfeuer“ zu sehen sei und nicht als eine nachhaltige Lösung, welche zielführend im Hinblick auf das Ziel der Bundesregierung wirkt. Dieses liegt darin, bis 2020 eine Million Elektroautos auf deutsche Straßen zu bringen.[60]

Sicherlich wird sich die Einführung der E-Prämie in den Absatzzahlen von Elektrofahrzeugen bemerkbar machen. Ob sich dies zukünftig jedoch in einem ähnlichen Umfang wie im Falle der „Abwrackprämie“ im Jahr 2009 widerspiegelt, bleibt vorerst unklar und darf bezweifelt werden.

3 Die Struktur des Bankensystems in Deutschland

„Als Bank wird im Allgemeinen eineWirtschaftseinheitbezeichnet, deren Kerngeschäft in der Bereitstellung geld- und kreditbezogenerDienstleistungen besteht.“[61] Im Folgenden soll das Bankensystem in Deutschland näher betrachtet und erläutert werden.

„Die Bankendichte in Deutschland ist in den letzten Jahren erheblich zurückgegangen. Während man 1990 noch rund 4.700 Banken in Deutschland zählen konnte, ist die Anzahl bis heute um mehr als die Hälfte zurückgegangen. Gleichwohl ist sie mit rund 2.000 Kreditinstituten im Vergleich zu anderen Ländern immer noch hoch.“[62] Dieser starke Rückgang stellt die Bankenbranche vor neue Herausforderungen, auf die in Punkt vier detailliert eingegangen wird.

Einer Vielzahl kleinerer und mittlerer Banken stehen international tätige Groß- und Landesbanken gegenüber.[63] Auf Grund der Organisationsstruktur, welche sich in privatrechtliche, öffentlich-rechtliche und genossenschaftliche Banken unterteilen lässt, wird in der Literatur auch vom sogenannten 3-Säulen-Prinzip gesprochen.[64] Die Unterschiede betreffen unter anderem die Eigentumsstrukturen, Geschäftstätigkeiten sowie Gewinnabsichten und -verteilung.[65]

Des Weiteren wird in diesem Zusammenhang von einem Universalbankprinzip gesprochen. „Kennzeichnend für das deutsche Bankwesen ist das Universalbankprinzip.“[66] Zahlreiche Bankdienstleistungen werden durch sogenannte Universalbanken angeboten. Durch die breite Aufstellung in Bezug auf das Leistungsspektrum der Banken können mögliche Risiken in verschiedenen Geschäftssparten besser ausgeglichen werden als bei stark spezialisierten Instituten.[67]

Die folgende Abbildung zeigt die Systematisierung der Banken in Deutschland. Wie bereits zuvor erörtert, kommt dem Bereich der Universalbanken, welcher etwa 94 Prozent umfasst, eine fundamentale Bedeutung zu.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5 : Banken in Deutschland

Quelle: Deutsche Bundesbank (2015 a), o. S.

„Einen großen Teil des Universalbanksektors bilden die Sparkassen und Kreditgenossenschaften.“[68] Zu den großen deutschen Kreditbanken zählen die Deutsche Bank AG und die Commerzbank AG, jeweils mit ihrem Hauptsitz in Frankfurt am Main, die Deutsche Postbank AG mit Sitz in Bonn sowie der heutige Mutterkonzern der früheren Hypo-Vereinsbank namens Unicredit.[69] Die Deutsche Bank verfügt nicht zuletzt durch die Übernahme der Postbank über ein großes Filialnetz in Deutschland und ist die größte dieser vier Großbanken.[70]

„Die Landesbanken sind als regionale Zentralinstitute der Sparkassen und deren zentraler Verrechnungsstelle beim bargeldlosen Zahlungsverkehr entstanden.“[71] Im Rahmen ihres öffentlichen Auftrags stellen sie Finanzdienstleistungen beispielsweise für Länder und Gemeinden bereit.[72] Sie agieren „im Geschäft mit Großkunden […] als Konkurrenten der Geschäftsbanken“[73].

Sparkassen sind hauptsächlich öffentlich-rechtliche Kreditinstitute, „d.h. Träger der Sparkassen sind meistens Gemeinden oder Gemeindeverbände“[74]. Auch sie durchliefen eine Entwicklung hin zu Universalbanken, welche verschiedenste Arten von Bankgeschäften betreiben.[75] Dazu zählen unter anderem die „Hereinnahme von Spareinlagen“[76] sowie die Darlehensvergabe an Privathaushalte und mittelständische Betriebe. „Aufgrund des […] Regionalprinzips müssen sich die Sparkassen in ihrer Geschäftstätigkeit auf die Region ihres Sitzes beschränken.“[77]

Kreditgenossenschaften oder Genossenschaftsbanken gelten als Banken des Mittelstandes. Zu unterscheiden sind hier gewerbliche Kreditgenossenschaften, wie beispielsweise Volksbanken, und ländliche Kreditgenossenschaften, wie zum Beispiel Raiffeisenbanken. Letztere sind aus dem Zusammenschluss von kleinen Gewerbetreibenden entstanden.[78]

Primär gewähren Realkreditinstitute, wie etwa eine Hypothekenbank, langfristige Darlehen zur Finanzierung öffentlicher Projekte oder dem Bau von Immobilien. „Bausparkassen sammeln auf Grundlage abgeschlossener Bausparverträge bei Bausparern Geld ein und vergeben […] Darlehen.“[79] Zu diesen Spezialbanken zählt beispielsweise die Kreditanstalt für Wiederaufbau, kurz KfW, welche die staatliche Wirtschaftsförderung stark unterstützt. Weitere Spezialbanken sind zum Beispiel Bürgschaftsbanken. Mit 122 Banken, was zirka sechs Prozent der Bankenanzahl in Deutschland entspricht, ist der Anteil an Spezialbanken, zumindest gemessen an der Bankenanzahl, eher gering.[80]

Wie zuvor erwähnt, unterliegt der Finanzmarkt einem hohen Wettbewerb. Konventionellen Universalbanken stehen spezialisierte Banken, wie etwa Automobilbanken und moderne Technologien im Bereich Finanzdienstleistungen, kurz FinTech, gegenüber. Das Leistungsangebot der Automobilbanken wird in Punkt vier der vorliegenden Arbeit detailliert analysiert. Unter den Sammelbegriff FinTech „fallen alle Technologien rund um Finanzdienstleistungen. Die Start-ups und Unternehmen im FinTech-Segment wildern meist in den Geschäftsfeldern der alteingesessenen Banken und Versicherungen. Die Bandbreite der Firmen im Segment reicht von mobilen oder webbasierten Zahlungssystemen über Kontoverwaltung bis zu Anlagekonzepten und -strategien.“[81]

Ein modernes Beispiel für eine solche Technologie ist mit CrossLend eine grenzüberschreitende Kreditplattform, welche Kreditnehmer aus Hochzinsländern mit möglichen Investoren aus Ländern mit niedrigen Zinsen zusammenbringt.[82] Auf Grund dieser Entwicklungen befindet sich die Finanzwelt im Wandel und wird durch neue Dienstleistungsanbieter vor neue, bisher unbekannte, Herausforderungen gestellt.

4 Das Geschäftsmodell Automobilbank

Bereits im frühen 20. Jahrhundert beschäftigte sich die Automobilindustrie mit dem Thema Finanzdienstleistungen. Im Jahr 1926 wurde die Ford Credit Company AG als erste herstellereigene Bank gegründet. Heute ist diese Bank unter dem Namen Ford Bank bekannt.[83] In den folgenden Gliederungspunkten soll zunächst der Begriff der Automobilbanken definiert werden. Im weiteren Verlauf dieser Arbeit werden das Leistungsangebot für Autohandel und Endkunden, ausgewählte Ziele sowie mögliche Risiken von Automobilbanken erläutert.

Automobilbanken sind Banken, die mit den Automobilherstellern verbunden sind. Ihnen werden geschäftspolitische Kernaufgaben in den Bereichen Finanzierung angeschlossener Handelsorganisationen, Kundengewinnung und -bindung für den Fahrzeugvertrieb sowie die Unterstützung der Fahrzeugmarken zuteil. Sie werden auch als Autobanken bezeichnet. Sie leisten mit ihrer am Marketing ausgerichteten Strategie einen wichtigen Beitrag zur der Erfüllung der Ziele.[84]

4.1 Leistungsangebot

Automobilbanken zählen zu den Spezialbanken. Sie übernehmen Sonderaufgaben im Absatzprozess der Automobilhersteller.[85] Sie wirken wie ein Stabilisator bzw. Katalysator, da sie den Absatz in guten Konjunkturphasen beschleunigen und in schwachen Konjunkturphasen den Absatz der Automobilhersteller stabilisieren.[86] „In einem gesättigten Pkw-Markt haben sich die Autobanken nachhaltig etabliert.“[87] Fraglich ist in diesem Zusammenhang, welche konkreten Aufgaben ihnen zu Teil werden und wie sich diese im Leistungsspektrum der Automobilbanken wiederfinden. Da Automobilbanken sowohl Angebote für Endkunden als auch welche für den Autohandel bereits stellen, soll dies folgend analysiert werden.

In der Literatur wird ein Kunde als „Mensch, der Interesse an den Produkten oder Dienstleistungen eines Unternehmens oder an deren potenzieller Nutzung hat“ beschrieben.“[88] Da sowohl der klassische Endkunde, welcher beispielsweise einen Finanzierungsvertrag abschließt, als auch der Autohandel, welcher diesen vermittelt, vorherrschend als Kunden einer Autobank angesehen sind, gilt es, diesen Kundenbegriff in Bezug auf das Leistungsspektrum von Automobilbanken weiter zu differenzieren.[89]

[...]


[1] Vgl. McKinsey&Company (2015), o. S.

[2] Vgl. Statista (2016 a), o. S.

[3] Vgl. Statista (2016 a), o. S.

[4] Vgl. Verband der Automobilindustrie (2014), o. S.

[5] Vgl. Verband der Automobilindustrie (2014), o. S.

[6] Vgl. Verband der Automobilindustrie (2014), o. S.

[7] Vgl. Verband der Automobilindustrie (2014), o. S.

[8] Verband der Automobilindustrie (2014), o. S.

[9] Vgl. Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (o. J.), o. S.

[10] Vgl. Kraftfahrt-Bundesamt (o. J.), o. S.

[11] Bäuning / Scheibach (2015), S. 89.

[12] Vgl. Bäuning / Scheibach (2015), S. 91 f.

[13] Bäuning / Scheibach (2015), S. 93.

[14] Vgl. Bäuning / Scheibach (2015), S. 94 f.

[15] Bäuning / Scheibach (2015), S. 95.

[16] Vgl. Bäuning / Scheibach (2015), S. 95.

[17] Vgl. Bäuning / Scheibach (2015), S. 96 f.

[18] Vgl. Bäuning / Scheibach (2015), S. 97.

[19] Vgl. Stenner (2010), S. 6.

[20] Stenner (2010), S. 6.

[21] „Dr. Frank Stenner war von 1992 bis 2004 Vorsitzender der Geschäftsführung der BMW Bank. Von 2005 bis 2006 leitete er das Konzerntreasury der BMW Group. Dr. Stenner arbeitet seit 2006 als Autor, Berater und Dozent. Im Jahr 2012 wurde er von der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen auf eine Gastprofessur berufen.“ (Springer (2015), o. S.)

[22] Vgl. Stenner (2015), S. 6.

[23] Bruhn (2008), S. 3.

[24] Vgl. Brunner (2010), S. 15.

[25] Brunner (2010), S. 15.

[26] Vgl. Brunner (2010), S. 15 f.

[27] Gabler Wirtschaftslexikon (o. J.), o. S.

[28] Vgl. Brunner (2010), S. 21.

[29] Vgl. Brunner (2010), S. 31.

[30] Vgl. Brunner (2010), S. 32 f.

[31] Zieringer (2015), S. 147.

[32] Vgl. Zieringer (2015), S. 147.

[33] Vgl. Zieringer (2015), S. 148.

[34] Zieringer (2015), S. 148.

[35] Vgl. Zieringer (2015), S. 149.

[36] Zieringer (2015), S. 149.

[37] Vgl. Statista (2016 a), o. S.

[38] Diez / Maier (2015), S. 23.

[39] Vgl. Stenner (2015), S. 24 f.

[40] Stenner (2015), S. 25.

[41] Vgl. Stenner (2015), S. 25 f.

[42] Zieringer (2015), S. 139.

[43] Diez / Maier (2015), S. 26.

[44] Vgl. Diez / Maier (2015), S.26.

[45] Diez / Maier (2015), S. 26.

[46] Vgl. Diez / Maier (2015), S. 26.

[47] Leber (2013), S. 85.

[48] Knappe / Kracklauer (2007), S. 29.

[49] Vgl. Knappe / Kracklauer (2007), S. 40 f.

[50] Knappe / Kracklauer (2007), S. 40 f.

[51] Vgl. Knappe / Kracklauer (2007), S. 41.

[52] Vgl. Knappe / Krackauer (2007), S. 45.

[53] Stenner (2015), S. 26.

[54] Vgl. Stenner (2015), S. 27.

[55] Diez / Maier (2015), S.27 f.

[56] Vgl. Diez / Maier (2015), S. 28.

[57] Vgl. Statista (2016 b), o. S.

[58] Vgl. Statista (2016 c), o. S.

[59] Volkswagen AG (2016), o. S.

[60] Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH (2016), o. S.

[61] Das Wirtschaftslexikon (o. J.), o. S.

[62] Deutsche Bundesbank (2015 a), o. S.

[63] Vgl. Deutsche Bundesbank (2015 a), o. S.

[64] Vgl. Hassan (2014), o. S.

[65] Vgl. Hickel (2013), o. S.

[66] Deutsche Bundesbank (2015 a), o. S.

[67] Vgl. Deutsche Bundesbank (2015 a) o. S.

[68] Deutsche Bundesbank (2015 a), o. S.

[69] Vgl. Meyer (2013), o. S.

[70] Vgl. Deutsche Bundesbank (2015 a), o. S.

[71] Deutsche Bundesbank (2015 a), o. S.

[72] Vgl. Deutsche Bundesbank (2015 a), o. S.

[73] Deutsche Bundesbank (2015 a), o. S.

[74] Deutsche Bundesbank (2015 a), o. S.

[75] Vgl. Deutsche Bundesbank (2015 a), o. S.

[76] Deutsche Bundesbank (2015 a), o. S.

[77] Deutsche Bundesbank (2015 a), o. S.

[78] Vgl. Deutsche Bundesbank (2015 a), o. S.

[79] Deutsche Bundesbank (2015 a), o. S.

[80] Vgl. Deutsche Bundesbank (2015 a), o. S.

[81] DS Media GmbH (o. J.), o. S.

[82] Vgl. Christina Cassala (2015), o. S.

[83] Vgl. Stenner (2015), S. 2.

[84] Vgl. Stenner (2015), S. 1.

[85] Vgl. Simler / Riel-Sommer (2015), S. 38.

[86] Vgl. Stenner (2015), S. 1 f.

[87] Stenner (2015), S. 1.

[88] Bentz / Ströbel (2015), S. 1.

[89] Vgl. Bentz / Ströbel (2015), S. 1 f.

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Titel: Die strategische Positionierung ausgesuchter Automobilbanken in Deutschland