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Die Schlacht von Fiḥl 632. Fakt und Fiktion im Spiegel der Futūḥ-Literatur

Hausarbeit (Hauptseminar) 2015 29 Seiten

Orientalistik / Sinologie - Islamwissenschaft

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Schlacht- und Konfliktdarstellungen in der islamischen Historiographie

3. Einordnung der Untersuchungstexte und ihrer Autoren
3.1 Abū Ismā‛īl Muḥammad ibn ‛Abd Allāh al-Azdī al-Basrī / Ta’rīkh futūḥ al-shām
3.2 Ahmad bin Yahyā bin Djābir bin Dāwūd al-Balādhurī / Kitāb futūḥ al-Buldān
3.3 Abū Dja‛far Muḥammad bin Djarīr bin Yazīd al-Tabarī / Mukhtasar ta’rīkh al-rusul wa ’l-khulafa’

4. Textanalyse
4.1 Die Schlacht von Fiḥl in Ta’rīkh futūḥ al-shām
4.1.1 Textzusammenfassung
4.1.2 Textanalyse
4.2 Die Schlacht von Fiḥl in Kitāb futūḥ al-buldān
4.2.1 Textzusammenfassung
4.2.2 Textanalyse
4.3 Die Schlacht von Fiḥl in Mukhtasar ta’rīkh al-rusul wa ’l-khulafa’
4.3.1 Textzusammenfassung
4.3.2 Textanalyse

5. Zusammenfassung und Fazit

6. Literatur und Quellen

1. Einleitung

„Im ersten Jahrhundert nach dem Tode Muḥammads[1] erobern die zum Islam bekehrten Stämme Arabiens ein Großreich vom Atlantik bis zum Indus. Die Institutionen des islamischen Staates werden ausgebildet und formuliert; im Medium der arabischen Literatursprache schaffen die Muslime die Grundlage der klassischen islamischen Kultur.“[2]

Die arabisch-islamische Expansion markiert den Beginn einer Schlüsselepoche in der Geschichte des Islam. Der Verlauf der Eroberungen wurde (wie viele andere Themenkomplexe auch) in den frühen arabischen (erst mündlichen und dann) schriftlichen Überlieferungen festgehalten.[3] Die literarischen Darstellungen der „ersten großen Eroberungen der Muslims außerhalb der arabischen Halbinsel, in Syrien/Palästina, Irak/Persien und Ägypten/Nordafrika“[4] werden unter dem Begriff der Futūḥ-Literatur zusammengefasst. Die bis heute überlieferten Darstellungen stellen die Hauptquelle für das Studium dieser Epoche der Geschichte des Islam dar.

Mit welchem Erkenntnisinteresse werden Quellen (nicht nur) der Futūḥ-Literatur studiert? Zielt das Interesse besonders auf etwaige historische Fakten? Oder geht es eher um die Umstände der Erstellung der Quellen, um ihre impliziten Aussagen bezüglich der Interessen des Autors, der gesellschaftlichen Bedingungen, unter denen sie formuliert wurden?[5] Schlussendlich wird der Leser immer wieder auf die Frage nach einem historischen Kern zurückkommen. Der Futūḥ-Literatur werden einige Eigentümlichkeiten zugesprochen, die ihre derartige islam- oder geschichtswissenschaftliche Bearbeitung ebenso interessant wie problematisch machen und auf die in dieser Arbeit näher eingegangen werden wird.

Wie also sollte/könnte man eine Quelle lesen, worauf muss geachtet werden – und welche Konzepte sind dafür von Nutzen? Lässt sich ein vorhandener Interpretationsansatz anwenden oder müssen mehrere Sichtweisen kombiniert werden? Diesen Fragen wird anhand dreier Quellen zur Schlacht von Fiḥl[6] nachgegangen. Es wurden drei Quellen ausgewählt, um auf verschiedene Schreibstile zugreifen zu können, in der Hoffnung, verschiedene literarische Stilmittel oder andere textliche Phänomene vorzufinden; zudem, um inhaltliche Vergleiche möglich zu machen; jedoch mit steten Zweifeln, ob nicht die genaue Untersuchung einer einzigen Quelle mindestens ebenso sinnvoll gewesen wäre. Als Grundlage der Untersuchung der Beispielquellen werden in der Folge die Eigentümlichkeiten der Futūḥ-Literatur angerissen und einige Interpretationsweisen für derartige Quellen dargestellt.

Die Art und Weise der Interpretation der Futūḥ-Quellen ist Thema einer permanenten wissenschaftlichen Debatte, die sich auf einer grundsätzlichen Ebene mit der Interpretation von Quellen und dem Thema des Umgangs mit dem Vergangenen auseinandersetzt. Schließlich sind die Faktoren, die eine Interpretation der Quellen erschweren, nicht ausschließlich im Zusammenhang mit islamischer Geschichtsschreibung existent. Allerdings lassen verschiedene Umstände die Aussage zu, dass die besagten Probleme bei der Quelleninterpretation in diesem Fall besonders deutlich auftreten.

So sind die ersten schriftlichen Überlieferungen keineswegs in der Zeit der Ereignisse entstanden, über die sie berichten, sondern wesentlich später.[7] Die schriftliche Fixierung der Überlieferungen markiert eine Zäsur der Tradierung, die nun auch und zunehmend in schriftlicher Form erfolgte. Jedoch seien die ersten Quellen, so eine These, noch mit den spezifischen Charakteristika der mündlichen Tradierung behaftet.[8] Dies machte eine historiographische Untersuchung der Quellen schwieriger.[9] Die Form stünde im Vordergrund und der Inhalt sei sekundär. Die chronologische Abfolge der geschilderten Ereignisse werde beispielsweise von den Autoren[10] als weniger wichtig erachtet als die unterhaltsame Erzählweise. Somit sind sie als Quelle weniger „verlässlich“ als andere, zeitnah zum Ereignis schriftlich fixierte Quellen und bedürfen einer umso kritischeren Interpretation.[11] In diesem Zusammenhang sei noch erwähnt, dass die schriftlichen Überlieferungen zum einen unterschiedlichen Alters sind und die verwendeten Stilmittel ebenso divergent sein dürften – orientierten sich die Autoren respektive Erzähler doch an den Erwartungen des Publikums, welche sich mit dem Zeitgeist veränderten[12] und welcher sich nicht selten in einem Druck von politischen und religiösen Kräften auf die Autoren manifestierte.[13]

Des Weiteren haben viele der heute vorliegenden schriftlichen Überlieferungen der Futūḥ-Literatur die Eigenschaft, Paralleldarstellungen unterschiedlichen Alters desselben Ereignisses zu enthalten, die die Autoren, in diesem Zusammenhang vielleicht passender Kompilatoren genannt, schlicht übernommen haben, anstatt eine eigene Version aus den Quellen zu verfassen. Dieses Charakteristikum gilt es bei der Interpretation zu berücksichtigen - ob es die historiographische Einordnung der Werke erleichtert, ist umstritten.[14] Sowieso werden die Möglichkeit und die möglichen Kriterien einer Kategorisierung der Überlieferungen kontrovers diskutiert.[15] Insofern soll sich in dieser Arbeit nicht auf eine pauschale Zuordnung von bestimmten Attributen zu einzelnen Quellen- oder Quellengruppen bezogen werden.

Welche Konsequenzen haben diese Eigentümlichkeiten für den Umgang mit den Quellen über die frühislamische Geschichte? Ein kritischer Umgang mit historischen Quellen ist immer vonnöten. Die spezifischen Umstände der Tradierung der Inhalte der islamischen Geschichtsschreibung jedoch laden aus den oben genannten Gründen besonders zu einem kritischen Umgang mit den schriftlichen Überlieferungen ein, insofern, als eine Diskussion der Frage des Verhältnisses von Form und Inhalt historiographischer Quellen, was also Fakt ist und was Fiktion, einer Bearbeitung der Texte vorausgehen muss.

Fragt man aber erst einmal nach Form einerseits und Inhalt andererseits, schließen sich weitere, grundsätzlichere Fragestellungen an: Sind die Kategorien „Form“ und „Inhalt“ überhaupt eindeutig voneinander abzugrenzen? Welchen wissenschaftlichen Mehrwert hat eine scheinbar erfolgreiche Abgrenzung? Wie könnten Ansätze aussehen, die nicht die Suche nach einem „historischen Kern“ einerseits und stilistischem Beiwerk andererseits in den Mittelpunkt stellen? Inwiefern sind derartige Verfahren wissenschaftlich von Nutzen, bzw. für welche Fragestellung ist welcher Ansatz adäquat?

Um sich diesen Fragen etwas konkreter zu nähern, sollen einige Interpretationsansätze für Quellen der frühislamischen Geschichte dargestellt werden. In der Geschichte der Interpretation von Quellen der frühislamischen Geschichte wurde eine Reihe verschiedener Interpretationsverfahren entwickelt, die die potentiellen Einflüsse auf die Quellen und damit ihre Glaubwürdigkeit unterschiedlich bewerten. Manche Interpretationsansätze wurden als zu unkritisch verworfen, manche existieren bzw. existierten aber auch nebeneinander. Als gegensätzliche Beispiele sei einerseits der „deskriptive“ Ansatz genannt, dessen Anhänger die schriftlichen Überlieferungen (und die häufig vorhandene Überlieferungskette) beim Wort nehmen[16] und andererseits der „skeptische“ Ansatz, der den Quellen jeglichen „wahren“, richtig überlieferten, Kern abspricht und sie somit als glaubwürdige Quelle verwirft[17] und stattdessen als literarischen Text verstanden wissen will.[18] “One need not espouse the extreme, ‚postmodern’, skeptical formulation that history is nothing but discourse, that there is no reality outside the text, in order to acknowledge that history is a linguistic construct, a text.”[19]

Zwischen diesen zwei Ansätzen positioniert sich der „traditionskritische“ Ansatz, welcher davon ausgeht, dass ein Teil der (nicht wie per Überlieferungskette suggerierten nur schriftlichen) Überlieferungen aus Gründen des Zeitgeistes entweder verändert oder gar erfunden wurde, der die Glaubwürdigkeit der Quellen jedoch nicht grundsätzlich anzweifelt. Die Quellen, so dieser Ansatz, sagen also zum einen einiges über das Wertesystem ihrer Autoren aus und verfügen zum anderen über einen historischen Kern unterschiedlichen Umfangs.[20] „Hence careful analysis of divergent versions of of the same account can, they feel, allow them in many cases to uncover the original –or at least earliest – extant form of a given set of accounts, not infrequently with the result that some historical facts about the earliest days of the Islamic community can be recovered.”[21]

Hinsichtlich der Identifizierbarkeit eines authentischen Kerns führt R. Stephen Humphreys die menschliche Intuition als letztes (und eventuell einziges) Instrument der Quelleninterpretation an.[22] Ob dieser Schritt wirklich vonnöten ist, ob sich nicht adäquate Interpretationsinstrumente finden lassen, soll diese Arbeit erhellen. Im Bewusstsein, dass eine wirklich umfassende Untersuchung der Quellen, etwa anhand des Fragenkatalogs von Humphrey nicht leistbar ist, sollen die vorliegenden Textausschnitte hinsichtlich einiger Interpretationsansätze untersucht werden. Punktuell soll nach verschiedenen Erzählmustern gesucht, sollen die möglichen Motive der Autoren für Art und Weise der Formulierungen beleuchtet werden. Zu Tage treten sollen dabei exemplarisch einige Widrigkeiten der Textanalyse sowie Widersprüche und Mehrdeutigkeiten (nicht nur) der Futūḥ-Literatur.

Die Textpassagen werden in diesem Sinn, in einem dieser Arbeit entsprechendem Umfang, sowohl mit Hilfe des skeptischen als auch des traditionskritischen Ansatzes kritisch untersucht. Neben der Zusammenfassung soll im Fazit auch eine Erörterung der verwendeten Interpretationsinstrumente stattfinden, die die Vor- und Nachteile der zwei durch die vorangestellten Zitate repräsentierten Ansätze darstellen soll, um unter Umständen einen einzigen, nützlichen Ansatz zu formulieren.

Selbstverständlich wird ebenso ein Blick auf den Inhalt der Quellen geworfen, anhand der Fragen, inwiefern sich die Darstellungen inhaltlich unterscheiden und – nicht zuletzt – welche Fakten als „geschichtswissenschaftlich nutzbar“ eingestuft werden können. Die Suche nach Fakten ist aber immer im Zusammenhang mit der Erprobung der Interpretationstechniken zu sehen und soll insbesondere als Impuls für eine Erörterung der Frage dienen, inwiefern es überhaupt sinnvoll ist, einen solchen Kern identifizieren zu wollen.

Nach einer Vorstellung der Autoren und ihrer Werke werden die vorliegenden Textabschnitte zusammengefasst. Im Anschluss werden die Texte analysiert, sprich: Es wird unter anderem versucht, einige der von Boaz Shoshan[23] und Albrecht Noth herausgearbeiteten Erzählmuster, beispielsweise „Topoi“[24], in den Texten zu identifizieren. Zudem wird nach weiteren potentiellen Erzählmustern in den Texten gesucht. Nicht zueltzt sollen mögliche Fakten und das Verhältnis von (möglicherweise) fiktiven und (möglicherweise) faktischen Elementen beleuchtet werden. Der Umfang dieser Arbeit macht es unmöglich, alle zur Verfügung stehenden Analyseverfahren und –fragestellungen anzuwenden, beispielsweise eine präzise Untersuchung der Überlieferungsketten. Das Ergebnis muss somit punktuell gültig und unvollständig bleiben.

Die drei Texte, anhand derer die obige Untersuchung vorgenommen werden soll, sind die Darstellung der Schlacht von Fiḥl[25] im Werk Futūḥ al-Shām von Abū Ismā‛īl Muḥammad ibn ‛Abd Allāh al-Azdī al-Basri[26] (im Folgenden al-Azdī) im Werk Kitāb Futūḥ al-Buldān von Abū Al-Abbās Ahmad Bin Jābir al-Balādhurī[27] (im Folgenden al-Balādhurī) sowie die Darstellung der Schlacht in Ta‛rikh al-Rusul wa‛l-Mulūk von Abū Dja‛far Muhammed b. Djafarīr al-Tabarī[28] (im Folgenden al-Tabarī).

2. Schlacht- und Konfliktdarstellungen in der islamischen Historiographie

Bevor die eigentlichen Texte behandelt werden, soll der Themenkomplex der Schlacht- und Konfliktdarstellungen näher beleuchtet werden. Vielen häufig wiederkehrenden Themenkomplexen in Literatur und/oder Geschichtsschreibung kann eine spezielle Funktion zugewiesen werden, von der sich wiederum stereotype literarische Mittel ableiten lassen. Dies gilt auch und insbesondere für Darstellungen von Schlachten und anderen Konfliktsituationen.

In seinem Werk zur islamischen Historiographie nennt Fred M. Donner das Bedürfnis nach einer kollektiven Identität und die Notwendigkeit einer Legitimierung des Handelns einer Gemeinschaft als Ursachen für die Herausbildung einer Geschichtsschreibung im Allgemeinen ebenso wie für die islamische Historiographie. Dabei spielen manche Themenkomplexe eine herausragende Rolle, weil diese Schlüsselereignisse sich besonders gut als legitimierende und Identität stiftende Bezugspunkte einer sich selbst bestätigenden und bestärkenden Gemeinschaft eignen.[29] Beschreibungen von Konflikten mit anderen Gemeinschaften fördern die Herausbildung einer eigenen Identität in Abgrenzung zu den „Anderen“. In diesem Prozess nehmen die Beschreibungen von Kriegen und Schlachten einen wichtigen Platz in der Reihe der oben erwähnten Themen ein.[30] Die Futūḥ-Literatur generell wird von Donner als Mittel zur Bestätigung und Stärkung der Hegemonialansprüche der Muslime bewertet. Dies mag ein Grund für die große Anzahl solcher Überlieferungen sein. Über Jahrhunderte hätten Muslime über andere Bevölkerungsgruppen geherrscht obgleich sie sich in der Unterzahl befanden. Insofern musste die – von der schieren Anzahl der Personen nicht abzuleitende – Macht der Muslime immer wieder gerechtfertigt werden.[31] Dies geschah nicht zuletzt durch die Betonung der Religiosität der Eroberer, deren Unternehmung – so häufig der Tenor der Futūḥ-Werke – die Umsetzung eines göttlichen Planes gewesen sei.[32] Die Legitimation der Eroberungen geschah zudem auf dem Feld der Genealogie: Häufig werden bestimmte Stämme oder Clans in den Überlieferungen erwähnt, deren Mitglieder daraus Ruhm und gemeinschaftsinterne Machtansprüche ableiten können.[33] Diese besonderen Charakteristika von Schlachtbeschreibungen finden sich auch in den untersuchten Texten.

[...]


[1] Die Schreibweise von arabischen Namen, Orten und Begriffen orientiert sich an Orthographie und Umschrift in: The Encyclopaedia of Islam, Leiden: Brill, 1960-2005.

[2] Endreß, Gerhard: Der Islam, 1997, S. 140. Eine graphische Darstellung der Eroberungen befindet sich im Anhang I.

[3] Die Eroberungen und Schlachten gehörten offenbar zu den beliebtesten Themen der Autoren der Überlieferungen aus dem Zeitraum, der in dieser Arbeit eine Rolle spielen soll: von 730-925, in Orientierung an Chase F. Robinsons Kategorisierung. Jener schreibt über die Themenwahl der arabischen Tradenten: „[…] the reading of histories of the early caliphates gives rise to a chronic sens of déja vue: different books often cover the same ground.” Robinson, Chase F.: Islamic Historiography, 2003, S. 18.

[4] Noth, Albrecht: Quellenkritische Studien, 1973, S. 32.

[5] R. Stephen Humphreys begründet die Notwendigkeit eines solchen Nachfragens überzeugend und präsentiert im Anschluss einen Fragenkatalog: „The Arabic narrative sources represent a rather late crystallization of a fluid oral tradition. The sources can become an adequate foundation for „scientific“ histroy only when we have learned a great deal more than we presently know about this oral tradition: ist origins, the social and cultural institutions by which it was shaped and transmitted, the cariations and transformations it underwent in the course of transmission, the circumstances in which it was first committed to writing, the degree of alteration suffered by early written versions before the at last achieved their definitive form in the mid-3rd/9th century, etc.” Humphreys, R. Stephen, Islamic History, 1991, S. 70.

[6] Alternativ zum Namen „Fiḥl“ werden in der Literatur mitunter die Worte „Fahl“ oder „Pella“ verwendet. In dieser Arbeit wird der Ort der Schlacht „ausschließlich Fiḥl“ genannt.

[7] „During this first period, which began with Muhammad’s revelations and ended in ca. 730, the prevalence of orality, so characteristic of the pre-Islamic Hijaz, continued.” Robinson, Chase F.: Islamic Historiography, 2003, S. 20. Siehe auch: Paret, Rudi: „Die Lücke in der Überlieferung über den Urislam“, in Westöstliche Abhandlungen, hrsg. von Fritz Meier, Wiesbaden: Harrassowitz, 1954, S. 147-153, S. 151.

[8] Humphreys, R. Stephen, Islamic History, 1991, S. 86.

[9] „We cannot, as several authors have pointed out, treat the later compilations as historiographically neutral repositories of „objective“ information from which nuggets of early fact can simply be mined, without any understanding of the compilations themselves and the purposes behind them.“ Donner, Fred M., Narratives of Islamic origins, 1999, S. 126.

[10] Die Charakteristika mancher Überlieferungen der islamischen Geschichtsschreibung legen die Frage nahe, ob das Wort „Autor“ für die islamischen Geschichtsschreiber überhaupt passend ist, schließlich scheinen die Geschichtsschreiber nicht selten lediglich verschiedene Darstellungen der Überlieferungen nebeneinander gestellt zu haben, ohne die Ereignisse in eigenen Worten zu beschreiben. Wäre also ein Wort wie „Kompilator“ nicht eine bessere Umschreibung? Im Bewusstsein dieses Problems wird in dieser Arbeit das Wort „Autor“ verwandt, der Vermeidung von Kunstbegriffen und weil sich dann die Möglichkeit eröffnet, durch die Benutzung des Wortes „Kompilator“ (zusätzlich oder alternativ) an bestimmten Stellen auf dieses Charakteristikum der islamischen Geschichtsschreibung hinzuweisen.

[11] [...] this uncertainty of about the Islamic sources has gradually undermined the historians’ confidence in almost every aspect of the traditional view of Islamic origins.” Donner, Fred M., Narratives of Islamic origins, 1999, S. 2.

[12] „One’s sources dictate one’s story, and well-placed historians are apt to have worked with accounts that were produced in élite-circles to which they themselves belonged, and in which they enjoyed courtly appeal.” Robinson, Chase F.: Islamic Historiography, 2003, S. 124.

[13] Donner, Fred M.: Narratives of Islamic origins, 1999, S. 3.

[14] Donner, Fred M., ebd., S. 125. Ob ein Zusammenhang hergestellt werden kann zwischen dem Alter eines Futūḥ-Werkes und seines inhaltlichen Ausrichtung bzw. Spektrums, ist umstritten. Noth argumentiert etwa, dass die älteren Werke nur einzelne Ereignisse beschreiben, wohingegen die später geschaffenen Werke umfassender tradieren. Donner hält diese Annahme für logisch, aber unbewiesen. Donner, Fred M., ebd., S. 175/176.

[15] Als Beispiel sei die Klassifizierung der islamischen Überlieferungen in eine irakische und eine medinensische Schule durch Wellhausen genannt, ein Ansatz, der die Herkunft der Autoren und ihrer Quellen mit bestimmten Attributen verknüpft – und der von Albrecht Noth überzeugend widerlegt wurde. Landau-Tasseron, Ella: „Sayf Ibn ‛Umar in Medieval and Modern Scholarship“, in: Der Islam, Band 67, 1990, Heft 1, S. 1-26, S. 4.

[16] Als Beispiele für die (bewusste oder unbewusste) Anwendung des deskriptiven Ansatzes gelten, laut Donner: Hugh Kennedys Werk „Muhammad and the Age of the Caliphates“ (1986)und William Muirs „The Life of Mahomet“ (1858-61). Donner, Fred M.: Narratives of Islamic origins, 1999, S. 7.

[17] In diesem Zusammenhang merkt R. Stephen Humphreys an, dass keiner der Vertreter dieser Herangehensweise die Existenz gewisser Fakten komplett negieren würde. An einen verlässlichen Kern von Stammes- und Personennamen würden alle glauben. Humphreys, R. Stephen: Islamic History, 1991, S. 87.

[18] Diese radikale Quellenkritik bezieht sich nicht nur auf Quellen der islamischen Geschichtsschreibung, sondern ist Teil eines allgemeinen Ansatzes, der die Fähigkeit, vergangene Ereignisse „objektiv„ zu überliefern insofern anzweifelt, als er Objektivität im Allgemeinen als nicht existent erachtet wird. Realität wird als Konglomerat von Diskursen betrachtet und der Versuch einer Abbildung dieser wird genauso als Herstellung betrachtet wie die Realität selbst: „Diskurse sind Praktiken, die systematisch die Gegenstände bilden, von denen sie sprechen.“ Keller, Reiner: Diskursforschung, 2004, S. 45. Hayden White fasst diese Sicht auf Geschichte wie folgt zusammen: „Kontinentaleuropäische Autoren – von Valéry und Heidegger bis zu Sartre, Lévi-Strauss und Michel Foucault – haben ernsthafte Zweifel am Wert einer eigenständigen „historischen“ Forschung an gemeldet, den fiktiven Charakter historischer Rekonstruktionen hervorgehoben und den Anspruch der Historiographie auf einen Platz unter den Wissenschaften angefochten.“ White, Hayden: Metahistory, 1991, S. 15.

[19] Otter, Monika: Inventiones, 1996, S. 10, zitiert nach: Shoshan, Boaz: Poetics of Islamic Historiography, 2004, S. XVIII.

[20] Der traditionskritische Ansatz wird, laut Donner, unter anderem von Geo Widengren und Albrecht Noth vertreten. Donner, Fred M.: Narratives of Islamic origins, 1999, S. 16.

[21] Donner, Fred M., ebd., S. 15/16.

[22] Humphreys, R. Stephen, Islamic History, 1991, S. 91.

[23] In seinem Buch untersucht Boaz Shoshan Al-Tabarīs Weltgeschicht mit Hilfe eines skeptischen Ansatzes. Shoshan, Boaz: Poetics of Islamic Historiography, 2004.

[24] Der Begriff „Topos, Topoi“ wird von Albrecht Noth in seinen „Quellenkritischen Studien“ als „häufig wiederkehrende Erzählmotive“ umschrieben, die ob ihrer stereotypen Art Zweifel an der historischen Richtigkeit ihrer Inhalte aufkommen lassen. Diese Erzählmuster sind eher als Symbole für verschiedene Motive des Erzählers zu werden. Auf den Begriff wird im Zuge der Textanalyse zurückgekommen. Noth, Albrecht: Quellenkritische Studien, 1973, S. 101.

[25] Diese Schlacht zwischen den muslimischen Kämpfern und den byzantinischen Streitkräften fand im Jahr 635 statt und endete mit einem Sieg der Muslime. Die Stadt lag im heutigen Al-Urdun und wird in verschiedenen (auch geographischen) arabischen Quellen erwähnt. Für weitere Informationen zur Schlacht und zur Stadt, siehe: Buhl, Fr.: „Fahl“, in: Enzyklopaedie des Islam. Geographisches, Ethnographisches und Biographisches Wörterbuch der Muhammedanischen Völker, hrsg. von M. Th Houtsma, A. J. Wensinck, Band II Leiden: Brill, 1927, S. 39.

[26] ‛Amir, Abd al-Mun‛im (Hrsg.): Azdī, Ta’rīkh futūḥ al-shām, Kairo 1970, S. 111-114.

[27] Segin, Fuat (Hrsg): De Goeje, M. J. (Hrsg.): Liber expugnationis regionum auctore Imámo Ahmed ibn Jahja ibn Djábir al-Beládsorí, Frankfurt am Main: Institute fort he History of the Arabic-Islamic Science at the Johann Wolfgang Goethe University, 1992, S. 115.

[28] De Goeje, M. J.: Annales quos scripsit Abū Djafar Mohammed Ibn Djarir At-Tabarī, Leiden: Brill, 1890, S. 272-274.

[29] “Of course the identification of key events may be part of a reciprocal process, in which the first stirrings of communal consciousness begin to adumbrate certain historically meaningful events, and the increasingly sharp focus on those events helps in turn to further solidify the feelings of communal identity and so on.” Donner, Fred M.: Narratives of Islamic origins, 1999, S. 142.

[30] Donner führt Kriege und Schlachten, also Konflikte der islamischen Gemeinschaft mit anderen Gruppen, in der Kategorie der „boundary themes“, sprich: „[…] events that define the community or group in relation to others. […] One kind consists of events that are taken as affirmations of the community’s distinct identity, or represent affirmations of key aspects of the community’s identity. The most obvious are conflicts with other communites […]“Donner, Fred M., ebd., S. 143.

[31] Donner schreibt dazu: “The theme of futūḥ […]aimes to explain (and in doing so, to justify) the way in which Muslim hegemony over non-Muslims in the Islamic state arose, and to chronicle when particular regions and cities were first brought into the bosom of the expanding Islamic state Donner, Fred M., ebd., S. 177.

[32] Donner, Fred M., ebd., S. 177.

[33] Donner, Fred M., ebd., S. 178/179.

Details

Seiten
29
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668249400
ISBN (Buch)
9783668249417
Dateigröße
874 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v335110
Institution / Hochschule
Universität Hamburg
Note
1,7
Schlagworte
schlacht fiḥl fakt fiktion spiegel futūḥ-literatur

Autor

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Titel: Die Schlacht von Fiḥl 632. Fakt und Fiktion im Spiegel der Futūḥ-Literatur