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Trauerbegleitung von Kindern und Jugendlichen. Methoden und Aufgaben der Sozialen Arbeit

Akademische Arbeit 2008 32 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung

1. Trauerberatung
1.1 Worauf muss ein Trauerberater achten?

2. Arbeit mit Ritualen - Bedeutung und Funktion
2.1 Einsatz von Ritualen zur Trauerbegleitung
2.1.1 Abschiedsrituale
2.1.2 Erinnerungsrituale

3. Die Unterstützung der Trauerbewältigung durch Entspannungsübungen
3.1 Autogenes Training
3.2 Imaginationen

4. Kindertrauergruppen

5. Kunst und Musik als Hilfe bei der Trauerarbeit
5.1 Kinder- und Jugendliteratur bei der Trauerbewältigung
5.1.1 Die Arbeit mit Märchen

Literaturverzeichnis (inklusive weiterführender Literatur)

Anhang
Anhang 1: Legespiel „Gefühlsbär“
Anhang 2: Arbeit mit Gefühlsbändern
Anhang 3: Beispiel: „Adieu, Herr Muffin“, Kinderbuch
Anhang 4: Beispiel: „Du fehlst mir, du fehlst mir“, Jugendbuch
Anhang 5: „Farbenspiel“

Einleitung

In der Definition der IFSW (International Federation of Sozial Workers) heißt es u.a. zum Selbstverständnis und Auftrag der beruflichen Sozialen Arbeit:

Soziale Arbeit ist eine Profession, die sozialen Wandel, Problemlösungen in menschlichen Beziehungen sowie die Ermächtigung und Befreiung von Menschen fördert, um ihr Wohlbefinden zu verbessern. Indem sie sich auf Theorien menschlichen Verhaltens sowie sozialer Systeme als Erklärungsbasis stützt, interveniert Soziale Arbeit im Schnittpunkt zwischen Individuum und Umwelt bzw. Gesellschaft.

Professionelle Soziale Arbeit verfügt über eine Vielfalt von Methoden und Techniken so wie Handlungsmöglichkeiten, die sich sowohl auf den einzelnen Menschen wie auf die Umwelt konzentrieren. Die Intervention von professioneller Sozialer Arbeit reicht von rein personenbezogenen psychosozialen Prozessen, bis zur Beteiligung an sozialer Gesetzgebung, Planung und Entwicklung.

Dies bezieht mit ein Beratung, klinische Sozialarbeit, Gruppenarbeit, sozial-pädagogische Arbeit, Familienberatung und -therapie. Ferner sollen Menschen unterstützt werden, Soziale Dienste in Anspruch zu nehmen.

Die professionelle Soziale Arbeit bedient sich der Wissenschaften über menschliche Entwicklung, Verhalten und Soziologie, um schwierige Situationen zu analysieren, und um individuelle, organisatorische, soziale und kulturelle Veränderungen zu erleichtern. Professionelle Soziale Arbeit arbeitet schwerpunktmäßig auf Problemlösung und Veränderung hin.

Daher sind SozialarbeiterInnen AnwältInnen für Veränderung, die dazu dem/der Einzelnen ein Angebot unterbreiten. Professionelle Soziale Arbeit ist ein Netzwerk von Werten, Theorien und Praxis.“ [1]

Dies zeigt den hohen Anspruch, der an die Soziale Arbeit gerichtet ist. Professionalität ist also das wichtigste Instrument, um gemeinsam mit dem Klienten an Problemen arbeiten zu können, und vor allem gezielt Hilfe zur Selbsthilfe zu geben.

Wenn man Kinder kompetent in ihrer Trauer begleiten möchte, so setzt dies in hohem Maße ein fundiertes fachliches Wissen über ihre alterstypischen Vorstellungen, Reaktionen und Erlebniswelten voraus. Dem stehen jedoch, wie ich meine, die neuesten Pläne der Bundesregierung völlig entgegen. Diese sehen vor, so genannte „Hartz IV“ Empfänger nach wenigen Wochen des Anlernens in sozialen Einrichtungen der Pflege einzusetzen, um sie, natürlich viel niedriger bezahlt als die regulär ausgebildeten Mitarbeiter, als Pflegekräfte arbeiten zu lassen.

So wünschenswert es wäre, dass diese Menschen wieder Arbeit bekommen, so könnten sie diese Arbeit wohl nur laienhaft und kaum professionell ausüben. Das werden vermutlich sie selber und auch die zu Pflegenden nach einiger Zeit spüren, nämlich dann, wenn die fachliche Inkompetenz die neuen Pflegekräfte an ihre Grenzen führt. Es ist zu hoffen, dass diese Idee der „Billiglohn- Sozialarbeit“ schnell wieder verworfen wird, und nicht noch auf andere Bereiche der sozialen Arbeit übergreift.

1. Trauerberatung

Beraten ist als ein Handeln definiert, das auf die Änderung eines - wie auch immer verursachten - Zustands der Hilfsbedürftigkeit, auf die Bewältigung einer Krise gerichtet ist. Hilfebedürftigkeit erfasst alle Formen von Problemlagen des Klientel, seien es nun Probleme mit der Sozialhilfe oder Fragen des Asylrechts genauso, wie bei Problemen in persönlichen oder Beziehungsfragen, bis zu krisenhaften Entwicklungen. Der Anlass der Hilfebedürftigkeit kann individueller Art sein oder auch aufgrund von externen Situationen hervorgerufen werden und muss individuell nicht immer als „Problem“ erlebt werden. Professionelle Beratung in der Sozialen Arbeit ist eine

- typische (häufig wiederkehrende, aufgaben-/auftragsbezogene)
- wertorientierte (auf berufseigene Normen bezogene)
- theoretisch fundierte (fachtheoretische Beiträge, Konzepte, Begründungen)
- eigenständige (sowohl von anderen beruflichen Handlungen als auch von anderen Beratungsberufen [wie bspw. der Psychologie, Medizin] unterscheidbare)
- und somit eine an den professionellen Prinzipien orientierte Praxis.[2]

Mit dem Begriff „Seelsorge“, der aus dem kirchlichen Bereich stammt, wird im Allgemeinen die Arbeit des Pfarrers oder Pastors in seiner Kirchgemeinde verbunden. Hier soll dieser Begriff allerdings weiter gefasst werden, beschreibt doch die Seelsorge vor allem eine spezielle beraterische Grundhaltung, die geeignet ist, Menschen in Not und Trauer zu unterstützen. Jeder, der sich einem anderen Menschen nahe fühlt, kann diese seelsorgerische Haltung einnehmen. Vor allem Erzieher, Sozialarbeiter und auch Psychologen, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, können sich ihnen bei Bedarf seelsorgerisch zuwenden. In der Trauerarbeit wird der kommunikative Anschluss, der zugleich auch menschliches Mitgefühl fordert, weniger über Fragen und Antworten hergestellt, sondern vielmehr über das Zuhören des Beraters, wie beispielsweise beim narrativen Interview (offene Erzählform). Es muss mehr Gewicht auf die Fähigkeit zum Zuhören gelegt werden, als auf die Fähigkeit, die richtigen zirkulären oder verflüssigenden Fragen zu stellen.[3]

Bei der Trauerberatung wird das/der trauernde Kind/Jugendliche bei seiner Bewältigung der aktuellen Situation unterstützt und begleitet. Die Trauerberatung wird dann notwendig, wenn im sozialen Umfeld, durch die Familie und Freunde, nicht ausreichend Unterstützung und Hilfe erfahren wird, und auch dann, wenn die Trauer einen komplizierten Verlauf nimmt.

Man kann diese Beratung in drei Bereiche unterteilen:

1. professionelle Angebote von Psychologen, Sozialarbeitern, Pädagogen, Theologen
2. befähigte ehrenamtliche Mitarbeiter/-innen, die beispielsweise durch Hospizgruppen von professionellen Mitarbeitern für diese Aufgabe geschult wurden
3. Hilfe, Begleitung und Stütze durch Selbsthilfegruppen, in denen die trauernden Kinder und Jugendlichen erfahren, dass sie nicht allein sind, dass es anderen ebenso geht, wie ihnen[4]

Die Gefühle der Kinder und Jugendlichen ernst zu nehmen und anzusprechen, sie zu unterstützen, sich in ihrem Gefühlschaos zurechtzufinden, heißt in diesem Sinne „seelsorgerisch“ arbeiten. Es bedeutet in erster Linie sinnstiftend über Gefühle zu reden, bei Bedarf Trost zu spenden und aufbauende Worte zu finden. Für jüngere Kinder ist es, anders als bei älteren Kindern und Jugendlichen, oftmals noch sehr schwierig, ihre Gefühle in Worte zu fassen. Sie sind in der Verbalisierung noch ungeübt. Hier sollte der Sozialarbeiter kleine Hilfsmittel einsetzen, um das Gespräch zu unterstützen. Das Legespiel „Gefühlsbär“ und die Arbeit mit „Gefühlsbändern“ erscheinen mir unter den angebotenen Möglichkeiten dafür als besonders geeignet. Sie werden im Anhang vorgestellt.

1.1 Worauf muss ein Trauerberater achten?

Es gibt eine Anzahl von Leitlinien, nach denen der Berater dem Kind helfen kann, eine akute Trauersituation zu begleiten und zu einer angemessenen Lösung zu kommen. Diese Leitlinien gliedern sich in zehn Grundsätze, welche ich hier kurz vorstellen möchte:

1. Dem Kind helfen, den Verlust zu aktualisieren

Der Berater muss das Kind bei der Aktualisierung des Verlustes unterstützen, ihm bewusst machen, dass sich der Verlust wirklich ereignet hat, und der oder die Verstorbene nicht mehr zurückkehren wird. Wichtig sind hierbei Gespräche über den konkreten Verlust. Der Berater muss die Gefühle und Emotionen, die vom Kind kommen, aushalten können. Er muss es immer wieder anregen, über diese Gefühle zu sprechen, sollte immer wieder nachfragen, und es dem Kind ermöglichen, die Realität des Verlustes endgültig zu erfassen.[5] Dabei erscheint es mir sehr wichtig, dass sich der Berater bei der Wahl seiner Worte und der Form der Erklärungen nicht nur nach dem biologischen Alter des Kindes, sondern vor allem nach dem kognitiven Entwicklungsstand des Kindes richtet. Der Berater soll ein geduldiger Zuhörer sein, welcher, im Gegensatz zur häufig in Trauerfamilien herrschenden Sprachlosigkeit, das Thema Tod und Sterben bewusst zum Gesprächsinhalt macht.

2. Dem Kind helfen, seine Gefühle zu identifizieren und auszudrücken

Die trauernden Kinder (auch die Erwachsenen) spüren oft Gefühle wie Nervosität oder Unruhe. Diese sind unangenehm und werden somit nicht zugelassen. Dadurch wird eine wirksame Lösung der Trauer blockiert. Besonders die Gefühle von Hilflosigkeit, Schuld, Zorn und Angst bereiten den Trauernden Schwierigkeiten.

Den Zorn, den ein trauerndes Kind in sich trägt, muss der Trauerberater aushalten können. Das Kind fällt dabei in eine Form regressiver Hilflosigkeit, ein Verhalten, das aus einem früheren Entwicklungsstadium stammt, zurück. Dieser reale Zorn muss ausgelebt werden, da er ansonsten, wenn er nicht gegen den Verstorbenen oder andere Menschen gerichtet ist, gegen die eigene Person gerichtet wird. Er geht dann nach innen und kann als Depression, Schuld oder herabgesetztes Selbstwertgefühl erfahren werden. Er kann im Extremfall sogar zu Suizidgedanken- oder Handlungen führen. Deshalb muss der Trauerberater auch nach solchen Gedanken fragen. Hier sollten durch indirektes Fragen gute und auch schlechte Erinnerungen an den Verstorbenen beim trauernden Kind bewusst gemacht werden, damit Trauerarbeit erfolgreich geleistet werden kann.

Bei einem Verlust können aber auch Schuldgefühle auftreten. Diese sind weitgehend irrational und kreisen meist um die Todesumstände. Das Kind glaubt vielleicht, es hätte Schuld am Tod des Verstorbenen, oder es hätte diesen verhindern können. Hier muss der Berater Fragen stellen, wie: „Was hast du alles für ihn/sie getan?“. Nun kann das Kind aufzählen, und wird merken, dass es alles, was in seiner Macht stand, getan hat.

Das Kind kann nach einem Verlust große Angst und Hilflosigkeit verspüren. Ihm fehlt, anders als dem Erwachsenen, die Erfahrung, dass man auch ohne diese bestimmte Person weiterleben kann. So wird es eventuell völlig verzweifeln. Hier ist es besonders wichtig, dass der Berater diese Gefühle aushalten kann, dem Kind andere, neue Handlungsstrategien aufzeigt. Fragen wie: „Wer ist noch für dich da?“ oder „Wem kannst du deine Sorgen erzählen?“ können dem Kind die Erkenntnis bringen, dass es noch andere Menschen gibt, die für es da sein wollen und können.

Kindern kann auch die eigene Sterblichkeit bewusst werden, wenn z.B. ein Geschwister stirbt. Diese Angst, nun womöglich auch bald sterben zu müssen, kann zeitweise übermächtig werden. Dies kann bis zu psychosomatischen Beschwerden führen, und sollte dann in Form einer Therapie behandelt werden.[6]

Manchmal kann es auch sein, dass ein Kind nach einem Verlust nicht weint. Das kann verschiedene Ursachen haben. Es kann sein, dass das Kind von den Erwachsenen solch ein beherrschtes Verhalten vorgelebt bekommt, und Weinen und Jammern für nicht angebracht hält. Oder es schämt sich, seine Gefühle vor anderen zu zeigen. Hier muss der Berater manchmal sogar ein wenig die Tränen provozieren, dadurch löst sich beim Kind eine innere Spannung. Man spricht nicht umsonst vom „Ausweinen“. Tränen zuzulassen bedeutet auch, den Schmerz zu akzeptieren. Das muss der Berater dem Kind deutlich machen.

3. Dem Kind beim Weiterleben ohne den Verstorbenen helfen

Der oder die Verstorbene hat im Leben des Kindes eine wichtige Rolle gespielt. Mutter, Vater, Schwester oder Bruder. Diese Lücke kann niemand einfach „stopfen“, diese Erkenntnis soll dem Kind vermittelt werden. Aber es kann sich an den überlebenden Verwandten anlehnen, die Beziehung zu ihnen vertiefen. Dies soll behutsam und immer dem Tempo des Kindes angepasst geschehen. Der Berater soll gemeinsam mit dem Kind überlegen, wer künftig in seinem Leben wichtig sein könnte.

4. Dem Kind bei der emotionalen Ablösung vom Verstorbenen helfen

Der Berater soll das Kind ermutigen, neue Beziehungen einzugehen. Bei manchen Kindern wird das nicht nötig sein, da sie sich, um sich abzulenken, auf neue Aktivitäten und Personen geradezu „stürzen“ werden. Doch viele ziehen sich auch zurück, lassen neue Beziehungen nicht zu, weil sie Schuldgefühle dem Verstorbenen gegenüber haben. Hier muss der Berater die Einsicht vermitteln, das es kein „Verrat“ am Verstorbenen ist, neue, andere Beziehungen aufzubauen.

5. Dem Kind Zeit lassen für das Trauern

Jeder Trauerprozess hat seine eigene Zeit. Beziehungen sind getrennt worden, man muss sich vom Verstorbenen lösen, dafür braucht es Zeit und es muss nach und nach geschehen. Das Kind muss sich an den Verlust anpassen, dies geschieht auf sehr unterschiedliche Art und Weise. Es kann sein, dass in periodischen Abständen kritische Phasen auftreten, in denen die intensive Begleitung durch den Trauerberater ganz besonders wichtig ist. Meist ist das nach etwa drei Monaten der Fall, wenn die Umwelt meint, nun müsste alles wieder im „normalen“ Rhythmus gehen. Oder auch zum ersten Todestag, oder dem Geburtstag des Verstorbenen. Hier soll der Berater im Vorfeld mit dem Kind gemeinsam Rituale vorbereiten, die es dem Kind ermöglichen, sowohl Abschied als auch Erinnerung zu zelebrieren.

Die weiteren Grundsätze für die Trauerbegleitung werde ich nur kurz vorstellen bzw. benennen:

6. Dem Kind „normales“ Verhalten interpretieren

7. Das Einkalkulieren individueller Unterschiede in der Trauer

8. Kontinuierliches Beistehen des Trauerberaters

Anders als bei einer Therapie, die auf eine bestimmte Zeitspanne konzentriert ist, soll der Berater dem Kind mindestens für einen Zeitraum von zwölf Monaten zur Verfügung stehen, und darüber hinaus als Ansprechpartner da sein. Ein kontinuierlicher Beistand lässt sich auch gut in einer Gruppe, wie z.B. einer Kindertrauergruppe, leisten.

9. Beim Kind das Abwehrverfahren und die Bewältigungsstile untersuchen

10. Beim Kind Beschwerden und mögliche Krankheiten erkennen und für entsprechende Überweisung zu einem Arzt oder Therapeuten sorgen

Stellt der Berater fest, dass bei dem Kind eine pathologische Trauerreaktion vorliegt, muss er es an einen Spezialisten überweisen. Da eine solche Behandlung von pathologischen Trauerreaktionen besondere Techniken und Interventionen sowie ein Verständnis der Psychodynamik voraussetzt, liegt sie für den Trauerberater wahrscheinlich jenseits seines Tätigkeitsfeldes und seines Könnens. In einem solchen Fall muss der Trauerberater seine Grenzen kennen und erkennen. Er muss wissen, wann ein Kind zu einem Spezialisten für Trauertherapie oder zu Fachleuten für andere Arten der Psychotherapie zu überweisen ist.[7]

Zusammenfassend möchte ich feststellen, dass der Berater unbedingt fachlich kompetent und empathisch mit dem Kind arbeiten sollte. Er muss die Besonderheiten des jeweiligen Trauerfalls berücksichtigen und darf kein „Standartprogramm“ fahren. Den zeitlichen Rhythmus bestimmt immer das Kind. Er muss mit dem Kind aushalten, innehalten und in eine positive Zukunft schauen. Er soll Ressourcen erspüren, und sie dem Kind eröffnen.

Wo sollte die Beratung stattfinden? Hierfür eignet sich natürlich ein Beratungsraum in der Praxis des Trauerberaters. Besser geeignet erscheint jedoch das gemeinsame Arbeiten im häuslichen Umfeld des Kindes. Hier gibt es viel Vertrautes für das Kind, es fühlt sich in gewisser Weise sicher. Im Unterschied dazu sollte bei einer Trauertherapie immer das Milieu einer Praxis benutzt werden.[8]

2. Arbeit mit Ritualen - Bedeutung und Funktion

Der Begriff „ Ritus “ stammt aus der antiken römischen Kultur und bezeichnete dort die Regeln für religiöse Feierlichkeiten. Rituale verfügen über eine enorme Symbolkraft, die über die Möglichkeit von Sprache hinausgeht.

Heutzutage sind die religiösen Inhalte der Rituale vordergründig kaum noch vorhanden. Rituale sind aber dennoch von großer Bedeutung und werden von Generation zu Generation weitergegeben. Sie gehören zu den grundlegenden Kommunikationsformen der Menschheit. Besonders wichtig sind dabei so genannte Initiationsriten, welche den Übergang von der Kindheit zum Erwachsenalter hervorheben. Sie nehmen eine zentrale Rolle unter allen Ritualen ein. Genannt seien hier z.B. die Jugendweihe, die Konfirmation und auch die Kommunion als offizielle Riten.

2.1 Einsatz von Ritualen zur Trauerbegleitung

Der Tod ist ein wichtiges Ereignis im Leben des Menschen. Gerade dabei sind Rituale um Abschied, Verlust und Trauer so wichtig.

Zu den ältesten uns überlieferten Ritualen gehören die Toten-Rituale der antiken Hochkulturen. Selbst die Neandertaler begruben ihre Toten schon mit einem Ritual, sie legten Blumen in das Grab hinein.

Rituale sind einem ständigen Wandel unterworfen. Sie erneuern sich und treten in veränderter Gestalt in die gewandelte gesellschaftliche Wirklichkeit. So lassen sich etwa moderne soziale Rituale in gesellschaftlichen Kontexten wie dem Sport, dem Personenkult, der Jugendkultur und der Werbung erkennen.

Rituale ermöglichen darüber hinaus die symbolische Auseinandersetzung mit Grundfragen der menschlichen Existenz, etwa dem Bedürfnis nach zwischenmenschlicher Beziehung, dem Streben nach Sicherheit und Ordnung, dem Wissen um die eigene Sterblichkeit oder dem Glauben an eine transzendente Wirklichkeit (z.B. durch Freundschaftsrituale, Staatsrituale, Begräbnisrituale, Grabbeigaben).

Derartige Rituale sind daher Ausdruck der Conditio humana, des menschlichen Selbstbewusstseins, der symbolischen Verfasstheit menschlichen Handelns.[9] Man muss kulturelle, religiöse und einheimische Bräuche beachten, auch wenn sie denjenigen fremd erscheinen, die mit der Durchführung einer Trauerfeier beauftragt sind. Rituale sind ein Dank, Tribut und gegenseitiges Teilnehmen an Trauer und Schmerz, Trost und Hoffnung.[10] Rituale schaffen nicht nur Lebenssinn und Stabilität, sie ermöglichen auch Wandel und Veränderung, und sind deshalb auch zum Auflösen von festgefahrenen Denk- und Verhaltensmustern sehr gut geeignet. Dies macht sie so wertvoll für die pädagogische und therapeutische Arbeit.[11] Doch gerade in unserer schnelllebigen Zeit verändern sich auch Rituale sehr schnell. Gerade in diesem Bereich ist vieles im Wandel begriffen. Wichtig erscheint mir, an dieser Stelle nochmals zu betonen, dass die Rückbesinnung auf die Trauer in und mit der Familie, wobei „Familie“ alle heutigen Formen des Zusammenlebens meint, meines Erachtens einer erfolgreichen Trauerbewältigung am förderlichsten erscheint.

[...]


[1] Vgl. www.ifsw.org/en/p38000409.html

[2] Vgl. www.dbsh.de

[3] Vgl. Natho, Frank „Bindung und Trennung“, Edition Gamus,2007, S.162-165

[4] Vgl. Burghelm, Werner (Hsg.) „Das Unbegreifliche annehmen“ / Trauer zulassen/ Trauer leben, S.137 ff

[5] Vgl. Worden, William „Beratung und Therapie in Trauerfällen“, Verlag Hans Huber, 2007, S. 51-52

[6] Vgl. Worden, William „Beratung und Therapie in Trauerfällen“, Verlag Hans Huber, 2007, S 52-57

[7] Vgl. Worden, William „Beratung und Therapie in Trauerfällen“, Verlag Hans Huber, 2007, S. 57-63

[8] Vgl. Worden, William „Beratung und Therapie in Trauerfällen“, Verlag Hans Huber, 2007, S. 65

[9] Vgl. www.wikipedia/org/wiki/Ritual.de

[10] Vgl. Kübler- Ross, Elisabeth „Kinder und Tod“, Knaur, 2000, S.249 ff

[11] Vgl. Natho, Frank „Bindung und Trennung“, Edition Gamus,2007, S. 205 ff

Details

Seiten
32
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783668244030
ISBN (Buch)
9783668244047
Dateigröße
823 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v335065
Institution / Hochschule
Ernst-Abbe-Hochschule Jena, ehem. Fachhochschule Jena
Note
1,7
Schlagworte
trauerbegleitung kindern jugendlichen methoden aufgaben sozialen arbeit

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