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Der Einfluss der Bild-Zeitung auf die Lesermeinung. Meinungsbildung und -manipulation

Hausarbeit 2015 27 Seiten

Medien / Kommunikation - Printmedien, Presse

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Aufbau der Arbeit

3 Grundlagenteil
3.1 Lesermeinung
3.2 Bild

4 Untersuchung der Meinungsbildung und –manipulation
4.1 Rezipient
4.1.1 Urteilsbildung
4.1.2 Konsonanz und Dissonanz
4.1.3 Involvement
4.2 Trägermedien
4.2.1 Allgemeines zur Manipulation der Meinung
4.2.2 Sprache
4.2.3 Gestaltung

5 Darstellung an einem Praxisbeispiel

6 Fazit

7 Literaturverzeichnis

8 Anhang

1 Einleitung

Im Zuge der gesellschaftlichen Entwicklung lässt sich Manipulation durch Massenmedien häufig nicht mehr nachverfolgen. Menschen greifen täglich zu Medien und rezipieren aufbereitete Inhalte. Inwieweit diese Inhalte der Wahrheit entsprechen oder ob sie die Realität verzerrt darstellen, lässt sich beim bloßen Rezipieren kaum erkennen. Somit steht die Frage nach den Auswirkungen der Manipulation der Journalisten im Zentrum der Kommunikationswissenschaften und soll im Folgenden näher untersucht werden.

„Bild’ dir deine Meinung.“ – So lautet der aktuelle Werbespruch der Bild-Zeitung des Axel Springer Verlags. In Werbespots der Boulevardzeitung folgen anschließend die Zeilen „Nichts ist härter als die Wahrheit“.[1]

Diese Seminararbeit beschäftigt sich mit dem Einfluss der Bild-Zeitung auf die Lesermeinung und die damit verbundenen Möglichkeiten der Boulevardpresse, ihre Leserschaft zu manipulieren. Ziel dieser Arbeit ist es herauszustellen, inwieweit die Bild-Zeitung ihren Werbesprüchen gerecht wird oder ob sie Einfluss auf die persönliche Meinung nimmt.

Dazu wird zunächst das Themengebiet der Lesermeinung. Des Weiteren wird die Gattung des Boulevardjournalismus erläutert und inwiefern die Bild-Zeitung darunter gefasst werden kann.

Des Weiteren soll die Bildung und Beeinflussung der Meinung unter den relevanten Perspektiven losgelöst voneinander betrachtet werden. Die Seite des Rezipienten fragt nach den Möglichkeiten, wie Meinungen im Alltag gebildet werden und welche Aspekte auf das Rezipieren eines Artikels wirken. Außerdem spielen situative Faktoren, wie der Grad der Involviertheit eine Rolle bei der Beeinflussung und werden an dieser Stelle ebenfalls analysiert.

Anschließend wird die Seite der Trägermedien betrachtet. Die Manipulation der Meinung wird zunächst allgemein definiert, um im Folgenden Merkmale aufzuzählen, die eine solche Manipulation begünstigen. Hierzu nach sprachlichen und gestalterischen Kriterien differenziert.

Zur abschließenden Zusammenfassung wird am „Fall Zschäpe“ erläutert, wie die aufgezeigten Merkmale praktisch in der Bild-Zeitung umgesetzt werden und im Vergleich zur Berichterstattung der Tageszeitung des Kölner Stadtanzeiger auf den Leser einwirken.

2 Aufbau der Arbeit

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3 Grundlagenteil

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.1 Lesermeinung

Der Begriff der Meinung beinhaltet eine persönliche Einstellung oder Überzeugung, die gegenüber einem Menschen, einem Sachverhalt oder einem Gegenstand eingenommen wird und das jeweilige Handeln beeinflussen kann. Meinungen unterscheiden sich in ihrer Intensität und Valenz.

Außerdem müssen an dieser Stelle die Begriffe des „Wissens“ und des „Meinens“ stark auseinander gehalten werden. Während Meinung als bloße Behauptung herausgestellt und revidiert werden kann, ist Wissen gegenüber direkten Anfechtungen resistent. Wissen zeichnet sich durch Begründetheit aus, welche sich „ihrerseits in einer hohen Stabilität oder Widerlegungsresistenz des Gewußten manifestiert.“[2] Bei der Meinung handelt es sich dagegen lediglich um subjektives und damit widerlegbares Wissen.

Der Begriff der Meinung muss zudem in drei Arten untergliedert werden. Während die persönliche bzw. individuelle oder private Meinung persönliche Präferenzen beinhaltet und die Meinung eines Einzelnen wiederspiegelt[3], entsteht die öffentliche Meinung in der Interaktion mit anderen und bildet das sogenannte Meinungsklima. Die veröffentlichte Meinung wiederum ist die von den Massenmedien dargestellte Meinung, ohne dass sich mit dieser auseinandergesetzt wurde.

Die persönliche Meinung muss daher zunächst kommuniziert werden, um Auswirkungen auf die Öffentlichkeit zu haben. Bleiben persönliche Meinungen dagegen verborgen, wird sich die öffentliche Meinung nicht verändern können. Aus diesem Grund ist es zum Beispiel möglich, dass Politiker an der Regierung bleiben, wenn die öffentliche Meinung sie unterstützt, obwohl einzelne, private Meinungen nur „Verachtung, für sie übrig [haben]“[4].

3.2 Bild

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

„Die Bild-Zeitung ist eine Zeitung, die nicht übersehen werden kann. An der nicht vorbeizukommen ist, ohne dass man sie wenigstens wahrgenommen hat.“[5]

Die Bild-Zeitung des Axel Springer Verlags zählt zu der Gattung der Boulevardmedien im Printbereich. Boulevardzeitungen unterliegen wiederkehrenden Mustern, die sich mit plakativen Schlagzeilen an Teilpublika wenden, welche primär unterhalten und im Bereich der sogenannten „Human-Interest“-Themen informiert werden wollen. Somit bildet Boulevardjournalismus das Gegenstück zum informativen Journalismus.[6] Bei Zeitungen dieser Art geht es darum, durch massenhafte Verbreitung den größtmöglichen Publikumskreis zu erreichen. Boulevardjournalismus arbeitet mit Emotionalisierung und Übertreibung und kommt damit dem Bedürfnis der Rezipienten nach Unterhaltung entgegen. Journalisten können mithilfe dieser Stilmittel auch ohne rein neutrale Informationsvermittlung hohe Verkaufszahlen generieren. Durch die formalen Merkmale werden die Inhalte der Boulevard-Zeitung unterstrichen und „sollen Blickfang und damit Kaufanreiz für potenzielle Leser sein.“[7]

Die 1952 gegründete Bild-Zeitung unter der Leitung des Chefredakteurs Kai Diekmann ist mit mehr als 2,2 Millionen verkauften Exemplaren im ersten Quartal 2015 die auflagenstärkste Zeitung in Deutschland und außerdem mit bild.de das am meisten verbreitete und umsatzstärkste Nachrichtenportal.[8] Mit einem breiten Spektrum an Erweiterungen der Bild-Zeitung und der 1956 eingeführten „Bild am Sonntag“ ist sie eine Symbiose aus überregionaler, regionaler und lokaler Zeitung.[9] So erreicht das Boulevardblatt pro Ausgabe knapp 12 Millionen Menschen. Wegen des einfachen Sprachstils ist die Bild-Zeitung besonders für den Teil der Leserschaft interessant, der aus bildungsfernen Milieus stammt. Der „typische Bild-Leser“ hat einen Volks- oder Hauptschulabschluss mit einer Lehre und ist zwischen 39 und 49 Jahre alt.[10]

4 Untersuchung der Meinungsbildung und –manipulation

Um die Meinungsbildung und -manipulation untersuchen zu können, werden die kognitiven Prozesse zunächst aus Sicht der Rezipienten betrachtet. Es wird dargestellt, wie der Leser die jeweiligen Inhalte aufnimmt und inwieweit sich einige situative Faktoren auf das Leserverhalten auswirken.

Im Anschluss werden die vom Trägermedium gesteuerten Prozesse betrachtet. Es wird untersucht, wie Journalisten Sachverhalte und Inhalte aufbereiten und die Aufmerksamkeit des Lesers durch gestalterische Merkmale gezielt gelenkt wird. Außerdem soll dargestellt werden, wie die Meinung des Lesers unter Verwendung von Stilmitteln und inhaltlichen Anhaltspunkten manipuliert wird.

4.1 Rezipient

4.1.1 Urteilsbildung

Menschen brauchen Zuordnungen und das Einordnen in (teils schon vorhandene) Schemata.[11] Während sich Menschen ihre Urteile bilden, ordnen sie daher neue Sachverhalte einer Kategorie zu, mit der sie vorher schon einmal in Kontakt gekommen sind. Da sich die Schemata ständig erweitern und immer mehr Kriterien aufweisen, fällt es den Menschen zunehmend leichter, Sachverhalte zu etikettieren. Dadurch besteht die Gefahr, dass sie besonders unter ungünstigen Bedingungen (Informationsmangel oder Zeitdruck) ihr Urteil unbewusst auf Heuristiken stützen.[12] Zum Beispiel werden Meinungen leichtfertig übernommen, ohne die exakten Hintergründe des neuen Falles zu kennen. An dieser Stelle werden zwei Arten von Heuristiken wichtige Rollen zugesprochen – der Repräsentativ- und der Verfügbarkeitsheuristik.

Während die Repräsentativheuristik nach der Wahrscheinlichkeit fragt, inwieweit eine Kategorisierung mit einem Prototypen möglich ist[13], werden Urteile in der Strategie der Verfügbarkeitsheuristik „anhand der Leichtigkeit, mit der Informationen verfügbar sind“[14], gefällt.

In den Fällen, in denen kein fundiertes Hintergrundwissen vorliegt, wird daher eher auf Informationen zurückgegriffen, die aus der Berichterstattung der Medien bereits vertraut sind.[15]

Auch beim persönlichen Reflektieren von gelesenen Inhalten der Bild-Zeitung greifen Rezipienten auf Heuristiken zurück und überschätzen so die Relevanz der aufbereiteten Artikel. So tritt häufig der Effekt ein, dass Leser die vorgefertigte Meinung schlicht übernehmen und sich bei weiteren Wiederholungen zunehmend aneignen.

4.1.2 Konsonanz und Dissonanz

Die Selektivität der Rezipienten ist Ausgangspunkt der zu untersuchenden Beeinflussung durch die Massenmedien. In diesem Kontext ist die „Theorie der kognitiven Dissonanz“[16] von großer Bedeutung. Danach versuchen Menschen Artikel zu vermeiden, die nicht ihrer eigenen Meinung entsprechen, und sich vielmehr Artikeln zuzuwenden, die ihre eigene Meinung stärken.[17] Besteht bereits eine Einstellung oder Meinung zu einem Thema, kann dies schon zu einer Beachtung bzw. Nicht-Beachtung eines Artikels führen.

Besteht dagegen keine vorgefertigte Meinung vor der Beachtung eines Artikels, ist es wahrscheinlicher, der Rezipient entwickelt seine Meinung nach der des Autors, als dass er sich dieser widersetzt.[18]

Darüber hinaus wenden sich Menschen eher dissonanten Texten zu, wenn sie von einem Format publiziert wurden, welches auf der gleichen politischen Ebene agiert. An dieser Stelle wird der Zeitung, zu der ein Rezipient am häufigsten greift, eine elementare Rolle zugesprochen, da dieses Format die Meinung eher beeinflussen kann, als ein Format, mit welchem sich der Rezipient nicht auf einer Meinungsebene befindet.[19]

Weitere Auswirkungen haben bestimmte Artikelmerkmale, die gezielt die Aufmerksamkeit des Lesers beeinflussen wollen. „Unabhängig vom Inhalt [beeinflusst] der Betonungsgrad eines Artikels, gemessen an Platzierung und Größe der Überschriftenlettern, am stärksten die Entscheidung des Lesers, sich einem Artikel zuzuwenden“.[20] Artikel von erheblichem Umfang und einer prominenten Platzierung, verfügen über einen hohen Betonungsgrad. Verbunden mit einer neutralen Überschrift rezipieren die Leser diese Artikel unabhängig von ihrer Einstellung.[21]

[...]


[1] vgl. Meedia (2014), Web.

[2] Rott, H. (2005), S. 183

[3] vgl. Kuran, T. (1997), S. 66.

[4] Kuran, T. (1997), S. 69

[5] Brumm, D. (1980), S.127

[6] Journalisten des „informativen Journalismus“ haben die Aufgabe die Meinungsvielfalt durch objektive Berichterstattung in einer demokratischen Gesellschaft zu generieren und die nötigen Informationen über Sachverhalte zu liefern, damit sich die Gesellschaft daraufhin ihre eigene Meinung bilden kann. Es ist also ein Angebot, welches der Journalist seinen Lesern liefert, das individuell verstanden und interpretiert werden soll.

[7] vgl. Pürer, H., Raabe, J. (2007), S. 18.

[8] Statista (2014), Web.; Meedia (2015), Web.

[9] vgl. Wilke, J. (2002): S.434.

[10] vgl. Media-Analyse (2015), Web.

[11] vgl. Brosius, H. (1995), S. 18; vgl. Piaget, J. Theorie der kognitiven Entwicklung; vgl. Minsky (1977); Rumelhart (1980), S.36.

[12] vgl. Strack, F. (1985), S. 241f.

[13] Ein wiederkehrendes Beispiel für „Repräsentativheuristik“ ist das Beispiel der Lotteriespieler. Die Wahrscheinlichkeit einer geordneten Zahlenabfolge (bspw. 1-2-3-4-5-6) wird von vielen Menschen weitaus niedriger angesehen, als die einer Zahlenabfolge, welche zufällig und verstreut im Zahlensystem (bspw. 3-12-28-31-39-45) ausgewählt wurde, obwohl beide Zahlenfolgen gleich (un)wahrscheinlich sind.

[14] vgl. Daschmann (2000), S.30.

[15] müssen wir beispielsweise das Risiko einer Erkrankung oder einer Todesursache schätzen und wann diese am ehesten auftreten würde, ohne dabei über fundiertes Hintergrundwissen zu verfügen, so verwenden wir auf Informationen, die uns in der Vergangenheit begegnet sind oder über die in den Medien viel berichtet wurde.

[16] vgl. Festinger, L. (1973), S.27ff.

[17] vgl. Donsbach, W. (1992), S. 26ff.

[18] vgl. Donsbach, W. (1992), S. 67.

[19] vgl. Donsbach, W. (1992), S. 67.

[20] Donsbach, W. (1992), S. 48

[21] vgl. Donsbach, W. (1992), S.48, 67.

Details

Seiten
27
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668248588
ISBN (Buch)
9783668248595
Dateigröße
1.5 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v334992
Institution / Hochschule
Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft
Note
1,0
Schlagworte
Bild Bild-Zeitung Lesermeinung Meinung Boulevardpresse Boulevard Einfluss Manipulation Massenmedien Meinungsbildung

Autor

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