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Hat Erich Honecker die DDR geprägt und war er für ihren Untergang verantwortlich?

Hausarbeit (Hauptseminar) 2016 13 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Europa ab kaltem Krieg

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: Hat Erich Honecker die DDR geprägt? DER UNTERGANG UNTER HONECKER (1971 BIS 1990)

2. Hauptteil
2.1 Personenvorstellung
2.2 „Einholen ohne Überholen“
2.3. Kein Aufstieg ohne Unterstützung
2.4. Hinterlassenschaften Erich Honeckers nach dem Machtwechsel
2.5. Honeckers Umgang mit dem Wohnmangel nach der Ära Ulbricht
2.6. Die Folgen der Maßnahme zur Einheit von Wirtschafts und Sozialpolitik
2.7. Der Umgang mit den globalen Wirtschafts und Ölkrisen
2.8. Die Lösungsmaßnahmen Honeckers zur BeinahePleite 1982

3. Fazit

4. Literaturverzeichnis

1.Einleitung Hat Erich Honecker die DDR geprägt?

Nachfolgend soll der Frage nachgegangen werden, ob die Deutsche Demokratische Republik von Erich Honecker politisch, wirtschaftlich sowie gesellschaftlich geprägt wurde. Die Bedeutung der erkenntnisleitenden Fragestellung schöpft aus dem Interesse mittels empirischer Sozialforschung zu prüfen, inwiefern Honecker in seiner achtzehnjährigen Regierungszeit die DDR geprägt hat um schlußendlich zu untersuchen, ob er für dessen Untergang im Jahre 1990 verantwortlich war. Dieser Frage nach werde ich mich einleitend zunächst mit den Anfängen Honeckers politischer Karriere nach dem 2. Weltkrieg beschäftigen, um anschließend im zweiten Schritt näher auf die Hintergründe seines Aufstieges zum ersten Sekretär des Zentralkomitees einzugehen. Im Dritten und wichtigsten Abschnitt werde ich mich mit der Frage auseinandersetzen, inwiefern seine neue Leitlinie der "Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik" die DDR zum Negativen prägte. Seine Sozial- und Wirtschaftspolitik, welche die von Ulbricht und seiner Leitlinie „Einholen, ohne Überholen“ ablöste, werde ich am Beispiel des Wohnungsmangels und der globalem Ölkrise untersuchen. Außerdem werde ich mich mit seinem Umgang mit der Beinahe-Pleite im Jahre 1982 näher beschäftigen. Im Fazit werde ich mich zusätzlich kurz mit seinem Abgang und mit der von ihm hinterlassenen DDR beschäftigen, um abschließend herauszufinden, ob er für die DDR von Bedeutung war. Die Quellenangaben der verwendeten Literatur befinden sich in den Fußnoten als auch im Literaturverzeichnis.

2. Hauptteil

2.1.Personenvorstellung

Wer war Erich Honecker und wie gelang es ihm zur mächtigsten Person im Staate aufzusteigen? Erich Honecker war ein deutscher, kommunistischer Politiker, der von 1971 bis zum Jahre 1989 als Erster Sekretär des Zentralkomitees im Politbüro der SED die DDR regierte.1 Doch wie gelang ihm der innerparteiliche Aufstieg? Nach dem NS-Regime begann seine politische Laufbahn im Jahre 1946 mit dem Eintritt in die SED und der Gründung der marxistisch, leninistischen Jugendvereinigung (FDJ), dessen Vorsitzender er bis zum Jahre 1955 war.

Doch bereits einige Jahre zuvor gelang es Honecker mit der Zwangsvereinigung der SPD und KPD zur SED im Vereinigungsparteitag in den Parteivorstand der SED gewählt zu werden. Im Jahre 1949 gelang es ihm zum Mitglied des ZK aufzusteigen, um nach seiner Kandidatur im Jahre 1958 Vollmitglied des Politbüros der SED und zum Sicherheitssekretär des ZK gewählt zu werden. Als Sicherheitssekretär war er maßgeblich für den Bau der Berliner Mauer und den Schießbefehl an der innerdeutschen Grenze verantwortlich.2 Doch wie löste er im Jahre 1971 Ulbricht als Ersten Sekretär ab? Als Walter Ulbricht als Erster Sekretär des ZK ab 1969 den Rückhalt aufgrund von Meinungsverschiedenheiten mit dem sowjetischen Parteichef Leonid Breschnew bezüglich seiner geführten Wirtschaftspolitik verlor, gehörte Erich Honecker mit Willi Stoph und Günter Mittag zu denen, die Ulbricht mit sowjetischer Hilfe stürzen wollten, welches ihnen im Jahr 1971 gelang. So bahnte sich mit Honeckers Machtantritt eine politische Kehrtwende der SED an, welche die DDR maßgeblich prägte.3

2.2.„Einholen ohne Überholen“

WELCHE HINTERGRÜNDE VERHALFEN HONECKER ZUM AUFSTIEG?

War es der mangelnde Rückhalt an der Wirtschaftspolitik Ulbrichts “Einholen ohne Überholen”, der Honecker zum Aufstieg verhalf? Im folgenden Abschnitt soll der Frage nachgegangen werden, ob die von Walter Ulbricht ausgerufenen Reformen, das ökonomische System der DDR und der daraus resultierende mangelnde Rückhalt an der Wirtschaftspolitik zum Aufstieg Honeckers führte. Um diese Tatsachen wissenschaftlich zu untersuchen ist es von Bedeutung einen Blick auf die Vergangenheit zu werfen, weil bereits in den 60er Jahren sich zwei Lager aus dem SED-Politikbüro etablierten. So stand der befürwortende Flügel Ulbrichts mit der Modernisierung des sozialistischen, gesellschaftlichen Systems auf der einen Seite und auf der anderen Seite die Gegner der Reformen mit Mehrheit im Politbüro um Erich Honecker. Das ökonomische Ziel Ulbrichts war es bis zum Jahre 1961 die Hauptaufgabe zu erreichen, den Verbrauch allen Lebensmitteln und Konsumgütern je Kopf der Bevölkerung über das Niveau der BRD anzuheben. Des Weiteren sah der Siebenjahresplan von Ulbricht vor, dass bis 1965 die Arbeitsproduktivität der DDR höher sein sollte als die der Bundesrepublik Deutschland. Somit lag der Hauptfokus seiner Maßnahme darin, die Industrieproduktion und die Arbeitsproduktion zu erhöhen, um den Klassenfeind in allen Belangen zu besiegen.

Die im Jahre 1957 proklamierte wirtschaftlichen- und sozialpolitischen Maßnahmen Ulbrichts, die das Ziel verfolgten, den sozialistischen Staat durch wirtschaftliche Erfolge gegenüber den westlichen kapitalistischen Wirtschaftssystemen abzuheben, stießen jedoch auf große Kritik im anderen Lager des Politbüros um Erich Honecker, weil der Faktor „Wohl des Menschen“ vergessen wurde. So waren die Befürchtungen des anderen Flügels, dass die alleinige Parteiherrschaft durch Ulbrichts Maßnahmen ins Wanken hätten gebracht werden können, unteranderem aufgrund von Protestbewegungen der immer mehr verarmenden Bevölkerung.4 Diesem Wissen nach soll im folgenden Abschnitt der Frage nachgegangen werden, ob die genannten Hintergrundfakten, wie das niedrige Pro-Kopf-Einkommen sowie der niedrige Lebensstandard der Bevölkerung für den Abgang Ulbrichts verantwortlich war und ein Machtwechsel mit neuer Sozial- und Wirtschaftspolitik nötig war. Der niedrige Lebensstandard der Bevölkerung der DDR im Vergleich zur Bevölkerung der BRD führte zum bröckelnden Rückhalt Ulbrichts politischer Maßnahmen, welche als gescheitert angesehen wurden. Dafür spricht, dass es ihm zwar mit seinen ökonomischen Maßnahmen in den ersten Jahren gelang, die Industrieproduktion zu steigern, jedoch das Fernziel, die Produktion der westlichen Länder einzuholen, ohne zu überholen, nie erreicht wurde. Nichtsdestotrotz spricht aller Kritik entgegen, dass es Ulbricht gelang, zwischen 1960 und 1969 mit seinen Maßnahmen das Bruttosozialprodukt in der DDR um ca. 5 % jährlich zu steigern, was zur Erhöhung des BRZ führte und folglich zum Anstieg der Standards in Punkten, wie z.B. Versorgung von Konsumgütern und des Lebensstandards. Ein großer Rückstand der Lebensstandards zur BRD bestand dennoch und vergrößerte sich in den 70er Jahren, welches auch in der Gesellschaft so wahrgenommen wurde. Zur Veranschaulichung dieses Phänomens zeigt die 1. Abbildung die Konsumgüterversorgung der Bevölkerung im Vergleich BRD zur DDR je 100 Haushalten zwischen 1960/65 und 1969, in welchem ein deutlicher Abstand der DDR zur BRD zu erkennen ist.5

(Abbildung 1): Ausstattung mit langlebigen Konsumgütern6

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.3.Kein Aufstieg ohne Unterstützung

Daher stelle ich die These auf, dass zwar Honecker mitgewirkt hat zum ersten Sekretär des ZK aufzusteigen, welches Vorhaben jedoch einerseits ohne Unterstützung aus seinem Politbüro um Willi Stoph, Günter Mittag und des sowjetischen Parteichefs Leonid Breschnew und anderseits ohne den mangenden Rückhalt an Ulbrichts wirtschaftspolitischen Maßnahmen nicht möglich gewesen wäre. Für meine These spricht, dass bereits im Jahre 1967 Ulbricht sich mit dem sowjetischen Staatschef Breschnew aneckte und somit sich in der Sowjetunion unbeliebt machte. Die Abgrenzung zur Führung der sozialistischen Staaten spricht auch für den Abgang Ulbrichts, weil die DDR vom sowjetischen geführten „Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe“ (RGW) abhängig war. Dieser Rat galt als Pendant zum Marshallplan der Westländer. Ohne finanzielle Unterstützung aus diesem Bund wäre die DDR wahrscheinlich schon früher untergegangen. Auch führte die Tatsache, dass Ulbricht die Führungsrolle der Sowjetunion in Frage stellte, seine Machtposition ins Wanken, weil er die Meinung vertrat, dass der Sozialismus in den Ostblock-Staaten nicht so weit verwirklicht worden war wie in der DDR. Aufgrund dessen verlor Ulbricht zwei Jahre später den Halt im Politbüro, da unteranderem auch seine Wirtschafts- und Außenpolitik keine Unterstützung mehr fand, die den Untergang Ulbrichts besiegelte. So arbeiteten Erich Honecker, Willi Stoph, der Vorsitzende des Ministerrates und stellvertretender Vorsitzender des Staatsrats sowie Günter Mittag, ein Mitglied im Politbüro mit Unterstützung des sowjetischen Parteichefs Leonid Breschnew an der Aufgabe Ulbricht abzulösen. Die Hilfe des sowjetischen Parteichefs war der wohl schwerwiegendste Grund für den Untergang Ulbrichts, weil im März 1971 diesem der Rücktritt von Breschnew nahegelegt wurde, welcher „Bitte“ er nachging.

Unter dem Druck seines eigenen Politbüros sowie von Leonid Breschnew übertrug Ulbricht in jenem Jahr die Funktion des Ersten Staatssekretärs des SEDZentralkomitees und den Vorsitz über den Nationalen Verteidigungsrat an Erich Honecker. Damit lag die Macht im Staate in den Händen Honeckers.7

2.4.Hinterlassenschaften Erich Honeckers nach dem Machtwechsel

DIE NEUEN AKZENTE HONECKERS WIRTSCHAFTS- UND SOZIALPOLITIK

Was hat Erich Honecker besonderes in seiner achtzehnjährigen Führung hinterlassen? Bereits mit dem Machtwechsel setzte er neue Akzente. Die Wirtschafts- und Sozialpolitik der DDR wurde vollständig auf den Kopf gestellt. So standen nicht mehr Industrie und deren Förderung im Mittelpunkt der Politik, wie unter Ulbricht, sondern der Ausbau sozialer Leistungen, welche den Lebensstandard der Bevölkerung anheben und sichern sollte. Die zentrale Überlegung bestand in der Annahme, dass die Bürger sozialpolitische Wohltaten der Idee des Sozialismus anrechnen und sich so mehr denn je von der Ideologie des Sozialismus begeistern lassen würden. Davon erhoffte sich die DDR-Regierung wiederum eine Steigerung der Effektivität. Der Wohnungsbau und die Maßnahme zum Anstieg der Kaufkraft mit dem Ziel der steigenden Zufriedenheit der Bevölkerung und der Arbeitsproduktivität rentierten sich jedoch kaum (Abbildung 2). Dieser Politwechsel unter Honecker trat mit dem Abbruch Ulbrichts Reformen mit der Verkündigung der „Einheitlichkeit von Wirtschafts- und Sozialpolitik" ein, welche jedoch zu vielen Fehlentscheidungen seinerseits führte und somit zur nachhaltigen, negativen

[...]


1 https://de.wikipedia.org/wiki/Erich_Honecker.

2 http://www.zeitklicks.de/ddr/zeitklicks/zeit/politik/die-aera-honecker/erich-honecker/.

3 Ebd.

4 http://www.sz-online.de/nachrichten/ueberholen-ohne-einzuholen-2004374.html

5 http://www.bpb.de/izpb/10105/die-ddr-in-den-sechziger-jahren?p=all.

6 http://www.bpb.de/cache/images/8/10108-st-article220.gif?42BDA.

7 http://www.zeitklicks.de/ddr/zeitklicks/zeit/politik/die-aera-ulbricht/walter-ulbricht/.

Details

Seiten
13
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668245556
ISBN (Buch)
9783668245563
Dateigröße
619 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v334787
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin – Politikwissenschaft
Note
1,7
Schlagworte
Erich Honecker ddr Geschichte Strukturen Politikwissenschaft Hausarbeit Erster Sekretär Einholen ohne Überholen Ulbricht Deutsche Demokratische Republik Machtwechsel 1982 Beinahe-Pleite Ölkrise

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