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Der Einfluss religiöser Aspekte auf das Einkommen

Empirische Arbeit mit dem Statistikprogramm "Stata" unter Verwendung fortgeschrittener Regressionsverfahren

Hausarbeit 2015 20 Seiten

Soziologie - Religion

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theorie

3 Forschungsstand

4 Empirische Forschung
4.1 Aufbereitung des Datensatzes
4.1.1 Abhängige Variable
4.1.2 Unabhängigen Variablen
4.1.3 Deskription der verwendeten Variablen
4.2 Durchführung der Regressionen
4.2.1 Einfluss der Konfession auf den Stundenlohn
4.2.2 Einfluss der Religiösität auf den Stundenlohn
4.2.3 Gesamtmodell

5 Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Spätestens seit dem rscheinen von Max Webers These über die Protestantische Arbeitsethik, ist die der Zusammenhang von Religion und Einkommen Gegenstand der Soziologie. Nichtsdestotrotz fokussieren sich die meisten Forscher auf dem Gebiet der sozialen Ungleichheit auf die Faktoren Klasse, Ethnie, Geschlecht und Bildung, während das Interesse an den Effekten religiöser Aspekte auf die Einkommensstruktur in den Hintergrund getreten ist. Oftmals wird argumentiert, dass mit einer zunehmenden Sekularisierung und einer Individualisierung der Religiösität, Religion an seiner Wirkkraft eingebüßt habe. Ob dem so ist soll in dieser Arbeit geprüft werden. Ebenso soll geprüft werden, ob Max Webers These von der protestantischen Ethik sich noch heute empirische Nachweisen lässt, ob also der protestantische Glaube einen positiven Einfluss auf das Einkommen einer Person hat. Hierzu werden die beiden größten Kirchengemeinschaften verglichen. Auf der einen Seite werden die Mitglieder der evangelische Kirche betrachtet, auf der anderen Seite die Mitglieder der römisch-katholische Kirche. Außerdem wird die Religiösität mit in die Analyse aufgenommen, um beobachten zu können, inwiefern die Religiösität einer Person, dessen Einkommen beeinflusst.

Als Datensatz wird der Allbus 2012 genützt. Bei diesem handelt es sich um eine allgemeine Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften, welche in der Regel alle 2 zwei Jahre durchgeführt wird. Es werden 2800 bis 3500 Personen über ihre Einstellungen, Verhaltensweisen und demographischen Merkmale in persönlichen Interviews befragt. 2012 (wie 1982, 1992 und 2002 zuvor) waren Religion und Weltanschauung Schwerpunkt der Befragung. 3467 Personen nahmen in jenem Jahr an der Befragung teil. Seit 2009 werden die Daten nach ihrer Aufbereitung vom Institut GESIS (LeibnizInstitut für Sozialwissenschaften) auf ihrer Website für alle interessierten Personen kostenlos zur Verfügung gestellt (vgl. GESIS.org). In dieser Hausarbeit wird die ALLBUS Vollversion 2012 verwendet. Die Berechnung der Daten wird mit einer multiplen Regression mit „Stata/SE“ Version 13.1 durchgeführt.

2. Theorie

In den Werken "Die Protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus" (1905/2009) und "Die Wirtschaftsethik der Weltreligionen" (1921/1988) liefert Max Weber eine soziokulturelle Erklärung für die, in den damaligen europäischen Gesellschaften, vorherrschenden Einkommensunterschiede zwischen Protestanten und Katholiken. Weber erforschte in diesen Werken den Zusammenhang zwischen Religion und wirtschaftlichem Fortschritt. Im besonderen, warum sich der moderne Kapitalismus in Europa entwickelt hat und warum in diesem Wirtschaftssystem Protestanten tendenziell erfolgreicher waren als Katholiken. Weber (1921) versteht Religion als eine systematisierte Ideologie. Diese Ideologie formt den Ethos seiner individuellen Mitglieder und beeinflusst deren Verhalten. Weber argumentiert, dass der Protestantismus den Individualismus fördere, da die Beziehung zu Gott im Protestantismus nicht durch eine Autorität oder die Kirche vermittelt wird, sondern dass die Individuen vielmehr Schöpfer ihres eigenen Glaubens seien. Die "Intellektuelle Autonomie" (Lenski 1963: 350) der Protestanten, die in in Kontrast stehe zur Obrigkeitshörigkeit von Katholiken, mache es wahrscheinlicher, dass diese einen wissenschaftlichen oder technischen Beruf oder ein selbstständiges Unternehmertum zur Profession machen. Desweiteren bemerkt Weber, dass Protestanten rationales Denken bevorzugen, da die protestantische Lehre ein mystisches Verständnis von Gott zurückweist und davon ausgeht, dass Gottes Wirken durch Logik und Experiment verstanden werden könne. (vgl. Merton 1938/2001). Der Protestantismus lehnt ebenso Traditionailsmus und Fatalismus ab, hat ein progressiveres Weltverständnis und glaubt, dass die Zukunft etwas sei, das rational transformiert werden könne. Dies begünstigt Triebverzicht und die Sublimierung von Verhalten.

Desweiteren argumentiert Weber (1905), dass Katholiken eine humanistische Bildung bevorzugen, während Protestanten eine technischere und praxisorientiertere Bildung präferieren. Da pragmatisches und progressives Denken, rationale Organisation und selbstverantwortliches wirtschaftliches Handeln auschlaggebende Faktoren für den ökonomischen Erfolg einer Person sind, lassen sich nach Weber, die ökonomischen Ungleichheiten zwischen Protestanten und Katholiken auf unterschiedliche Wertesysteme zurückführen.

Webers Thesen wurden aus verschiedenen Gründen kritisert (vgl. Coleman 1990/1994), beispielsweise für den Mangel an empirischer Fundierung seiner Argumentation. Andere zeigten auf, dass sich die These lediglich in Mitteleuropa anwenden lässt. Desweiteren wurde argumentiert, dass sich die Grundlagen des mdernen Kapitalismus bereits im Italien des 14.

Jahrhunderst herausgebildet haben und nicht Großbritannien. Nichtsdestotrotz, bleibt die Protestantische Ethik eine einflussreiche These.

Ein Großteil der neueren Studien über religiöse Stratifizierung beziehen sich auf das Werk von Gerhard Lenski "Religious factor" (1961). Lenski unterstützt die These von Weber, dass ökonomischer Erfolg ein Nebenprodukt von in einer Religion inherenten Werten sei, und nennt eine Vielfalt an von der Religion beeinflussten Faktoren, die selbst wiederum Einfluss auf den ökonomischen Erfolg haben. Er bezieht sich hierbei auf Familienwerte, wie die Fertilitätsrate, das Heiratsalter, die Einstellung gegenüber der Lohnarbeit von Frauen, aber auch die von der Religion beeinflusste Einstellung gegenüber dem Bildungssystem, ökonomischem Erfolg und materiellem Besitz (vgl. Keister 2008).

Neben diesen, soziokulturellen Theorien zur religiösen Ungleichheit, sind noch konflikttheoretische Ansätze zu erwähnen. Diese versuchen den unterschiedlichen ökonomischen Erfolg von Religionsgemeinschaften durch Diskriminierung, Machtstrukturen und einem ungleichen Zugang zu Ressourcen zu erklären. Aufgrund von Loyalitäten gegenüber den Angehörigen der eigenen Gruppe und Anthipathien gegenüber anderen Gruppen treten die Gruppen in den Wettkampf miteinander und die soziale Ungleichheit wird reproduziert (vgl. Davidson/Pyle 2011). Auch wenn beide Theorien plausible Ansätze für die religiöse Ungleichheit liefern, so scheinen doch soziokulturelle Theorien von den meisten Forschern bevorzugt zu werden.

3. Forschungsstand

Das Verhältnis von Religiösität (gemessen durch die Frage der Häufigkeit von Gottesdienstbesuche oder der Frage, für wie wichtig jemand Religion in seinem Alltag betrachtet) und Einkommen hängt davon ab, welche Ebene betrachtet wird. Auf der internationalen Ebene ist ein klares Muster erkennbar, das die Religiösität mit dem ökonomischen Fortschritt eines Landes abnimmt. Es lieg also ein negativer Zusammenhang zwischen der Religiösität und dem Bruttoinlandsprodukt vor. Ausnahmen stellen hierbei lediglich die Ölproduzierenden Golfstaaten, postsozialistische Staaten, die eine niedriges Level an Religiösität aufweisen, und die USA, mit der höchsten Religiösität aller OECD Staaten, dar (Bettendorf/Dijkgraaf 2010)

Betrachtet man verschiedene Konfessionen und Religionen innerhalb eines Landes, so kann für viele westliche Staaten eine ähnliches Muster entdeckt werden, nämlich dass der Grad der Religiösität einer Religionsgemeinschaft negativ, bzw. der Grad der Sekularität der Gruppe positiv, mit dem Durchschnittseinkommen der Gruppe korreliert (ebd.). Betrachtet man jedoch Individuen innerhalb einer Religionsgemeinschaft, so zeigt sich ein gegenteiliger Effekt. Das Einkommen eines Mitglieds einer spezifischen Konfession steigt mit dessen Religiösität (ebd.).

Der Artikel „Religious participation and income“ (2003) von Lipford/Tollision aus dem „Journal of Economic Behaviour & Organization”, der den Einfluss der Teilnahme an kirchlichen Aktivitäten auf das Einkommen untersucht, ohne dabei die Religionsgemeinschaft zu kontrollieren, kommt zum Ergebnis, dass der Einfluss negativer Natur sei und bei höherem Einkommen, kirchliche Partizipation mit Arbeitsstunden substituiert würde (vgl. Lipford/Tollison 2003).

Eine Erklärung für diesen paradoxen Effekt ist, das eine sekulare Orientierung und die Betonung von weltlicher Bildung und Erfolg im Diesseits, statt der Fokussierung auf Erlösung und das Jenseits, einen positiven Effekt auf das Einkommen haben, gleichzeitig aber fromme und kirchlich aktive Mitglieder innerhalb einer Religionsgemeinschaft über mehr soziales Kapital, wie auch über bessere Sanktionsmechanismen für disfunktionales Verhalten verfügen, was ebenfalls eine positive Wirkung auf die ökonomischen Möglichkeiten eines1 Individuums hat (Glaeser/Sacerdote 2012).

Für die USA kann eine deutliche religiöse Stratifizierung nachgewiesen werden, an deren Spitze sekular und liberal orientierte Religionsgemeinschaften wie das Judentum, Unitarier und die Episkopalkirche stehen. Im unteren Bereich finden sich dahingegen konservativ und jenseitig orientierte Gruppen, wie die Mormonen, die Zeugen Jehovas und evangelikale Protestanten1 wieder. Für Katholiken konnte im Laufe des 20. Jahrhunderts eine stetige Verbesserung der ökonomischen Stellung festgestellt werden, die dazu führte, dass Katholiken zu den moderaten protestantischen Konfessionen aufgeschlossen haben und mit ihnen gemeinsam eine Mittelstellung innherhalb der religiösen Schichtung einnehmen, mit einem Durschnittseinkommen, das nahezu identisch ist mit dem US-Amerikanischen Gesamtdurchsnittseinkommens (Davidson/Pyle 2011; Keister 2008). Es ist zwar anzumerken, dass sich diese Ergebnisse, aufgrund der spzeifischen Situation in der USA, mit einem für westliche Staaten sehr hohen Level an Religiösität und einer enormen Vielfalt an Religionen und Konfessionen, schlecht auf deutsche Verhältnise übertragen lassen.

Für Deutschland ist die Forschungslage etwas dünner, aber auch hier suggerieren Studien einen ähnlichen Effekt, nämlich dass nach Jahrhunderten, in denen Katholiken über eine niedrigere soziale Stellung als Protestanten verfügten, diese allmählich aufgeschloßen haben und heute die Zugehörigkeit zur katholischen oder evangelischen Kirche keinen bedeutenden Einfluss mehr auf das Einkommen einer Person hat (Helbig/Schneider 2014). Durch die Zeit des Nationalsozialismus und der anschließenden Teilung Deutschlands während des kalten Kriegs, verlor der Konflikt zwischen Katholiken und Protestanten, der über Jahrhunderte hinweg prägend für das Gesicht Deutschlands war, an Relevanz und andere Identitätskonstruktionen traten in den Vordergrund (vgl. Kimmel 2008). Desweiteren lässt sich im Zuge der Modernisierung ein Bedeutungsverlust der Religion - und insbesondere der institutionalisierten Religion - feststellen. So konnte beispielsweise auch ein deutlich schwindender Einfluss der Konfession auf das Wahlverhalten festgestellt werden (ebd.). Es kann daher davon ausgegangen werden, dass sich, der einer Konfession spezifische "Ethos", der auf dem ökonomischen Feld wirksam werden könnte, ebenfalls aneinander bzw. der katholische an die hegemoniale protestantische Kultur angeglichen hat. Mit der Modernisierung kam es allerdings nicht nur zu einem allgemeinen Bedeutungsverlust von Religion, sondern auch zu einer Individualisierung und Heterogenisierung von religiösen Vorstellungen und Praktiken, es ist deshalb gut vorstellbar, dass der individuellen Religiösität eine weitaus größere Bedeutung (z.B. auf den ökonomischen Erfolg) beizumessen ist, als der formalen Konfessionszugehörigkeit. Auch dies soll im Rahmen dieser Arbeit so gut wie möglich getestet werden.

4. Forschung

4.1 Aufbereitung des Datensatzes

4.1.1 Abhängige Variable

Da der Einfluss religiöser Aspekte auf das Einkommen bestimmt werden soll, wird als abhängige Variable der Nettostundenlohn aller Befragten genutzt. Dieser hat im Folgenden die Bezeichnung „Stundenlohn“. Zur Berechnung des Nettostundenlohn wird das monatlichen Nettoeinkommen aller Beschäftigten in der offenen Abfrage (v344) (vgl. ALLBUS 2012: 371) benützt. Dieses wird durch 4,25 geteilt (gängiger Faktor zur Umrechnung von Monaten in Wochen) und nochmals geteilt durch das Arbeitsstunden pro Woche (v249; Abk.: „Wochenst“) (vgl. ALLBUS 2012: 240).

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Details

Seiten
20
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668243613
ISBN (Buch)
9783668243620
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v334704
Institution / Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen – Institut für Soziologie
Note
2,3
Schlagworte
einfluss aspekte einkommen empirische arbeit statistikprogramm stata verwendung regressionsverfahren

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Titel: Der Einfluss religiöser Aspekte auf das Einkommen