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Ephemere Kulträume. Raum und Material nationalsozialistischer Masseninszenierungen. 1933-1939

Doktorarbeit / Dissertation 2003 534 Seiten

Kunst - Kunstgeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung
1. Thematische Einführung
2. Forschungsstand
3. Ziele der Arbeit

Kapitel 1. Die Neuordnung von Zeit und Raum
I. Der nationalsozialistische Festtagskalender: Die Neuordnung von Zeit
1. Die volkserzieherische Aufgabe der politischen Feier
2. Der Festtagskalender
2.1 Propagandistische Einheitskalender
3. Feste der Gemeinschaft: Die Okkupation von öffentlicher und privater Lebenssphäre
4. Zusammenfassung: Die Erzeugung von Tradition und Geschichte
II. ‚Angewandter Nationalsozialismus‘
1. Rituale und Bräuche
III. Die Neuordnung von öffentlichem Raum
1. Der Status von Festplätzen und -straßen im Nationalsozialismus
2. Die sozialpolitische Aufgabe von öffentlichem Versammlungsraum
3. Der städtische Platz als neues Zentrum der ‚Volksgemeinschaft‘
IV. Der Festschmuck
1. Die Entwicklung eines Festschmuckapparates
2. Die mediale Verbreitung politisch-ästhetischer Wirkungsabsichten
V. Der staatlich kontrollierte Schmückungsapparat
1. Normierende Instanzen
2. Die Künstler und Architekten
3. Verwaltende und exekutive Kräfte
4. Die Einbindung der Bevölkerung

Kapitel 2. Der städtische Festraum
Die Stadt als Inszenierungsort
I. Städtische Festplätze: Berlin
1. Das Erbe preußischer Ordnung und großstädtischer Unordnung
2. Die Ausgestaltung des Tempelhofer Feldes für die Feiern zum 1. Mai
2.1 Tribünenanlagen
3. Die Verlagerung des Hauptkundgebungsplatzes: Der Lustgarten
3.1 Leer Räumen, Pflastern, Ordnen und Markieren: Der Boden des Festplatzes
4. Die liturgische Struktur des Raums
4.1 Monumentale Freitreppen und Altäre
5. Fahnenwände: Die Isolation des Platzes und die Negation der Stadt
5.1 Die Bedeutung der Blutfahne
5.2 Von der ‚farbigen Architektur‘ zur uniformen Architektur
5.3 Dynamische Architektur?
II. München: ‚Tod, Macht und Raum‘
1. Der Königsplatz
1.1 Die Umgestaltung zu einem politischen Forum
2. Die ‚Acropolis Germaniae‘?
3. Die Baumaterialien: Granit, Eisen und - Himmel und Erde?
III. Monofunktionale Festplätze: Nürnberg
1. Das Reichsparteitagsgelände
2. Feierstätte Zeppelinfeld: Von der Tribüne zum Steinwall
3. Die Fahne als Bauglied
IV. Zusammenfassung: Vom Feld zum Platz
V. Die Feststraße
1. Achsiale Paradestraßen
1.1 Dauerfestschmuck für die Reichshauptstadt
2. Uniforme Fassaden: ‚Gürtelschmuck‘
3. Wimpelgassen und Fahnentunnel: Die Deklamation des Himmels
4. Festaufbauten
4.1 Politisch-symbolische Wechselspiele und ‚Etappenorte‘
4.2 ‚Fahnentürme‘
4.3 Pylonen
5. Zusammenfassung: Städtische Feststraßen

Kapitel 3. Politische Kulträume in der Naturlandschaft
Naturraum als politischer Inszenierungsort
I. Die Inszenierung und Ästhetisierung von Rassenerhalt und Kriegsbereitschaft:
Die ‚Reichserntedankfeste‘ am Bückeberg
1. ‚Blut und Boden‘ - Das propagandistische Motiv
1.1 Die rituelle Begehung und zentrale Symbole
2. Die Auswahl der Veranstaltungsorte in Anbindung an selektive Geschichtsfragmente
2.1 Der Bückeberg als germanische ‚Thingstätte‘
3. Der Bückeberger Festplatz
3.1 Organische Formen: Die Anbindung des Festplatzes an den Naturraum
3.2 Der Bückeberger Festplatz als Denkmal: Das Unordnungs-Ornament
4. Die Materialien des Festplatzes
4.1 Holz: Die Metapher des Waldes
4.2 Erde als Speicher und Spender
4.2.1 Die Visualisierung der ‚Blut-und-Boden‘-Theorie
5. Das Landschaftspanorama
5.1 Pflugscharen zu Schwertern:
Der Bückeberg als germanisches Totenreich und Kriegsvorbote
6. Zusammenfassung: Kulträume in der Naturlandschaft
II. Grünschmuck als politisches Inszenierungsmaterial
1. Grünschmuck als nationales Symbol
1.1 ‚Deutsches‘ Eichenlaub versus mediterrane Olivenzweige
2. Ephemere Symbolbäume: Der Maibaum
2.1 Das Material des Maibaums: Stoff versus Papier - Sperrholz versus ‚seelenloses‘ Blech
3. Getreideschmuck: Die Metapher der Bindung
4. Vegetabile ‚Opfergaben‘ - nationaler und internationaler Herkunft

Kapitel 4. ‚Utopia‘ - Feuerräume und Lichtarchitektur
Die Nacht als Zeit- und Raumsphäre
I. ‚Lumen naturale‘ - Feuerinszenierungen
1. Feuer als politisches Inszenierungsmittel
1.1 Die Fackel: Attribut der Massen und Symbol der Freiheit
1.2 Sonnwendfeuer
1.3 Gemeinschaftsstiftende Feuerrituale
1.4 Feuerbilder: Das Ornament des Feuers
2. Feuer als geopolitisches Medium
2.1 Der Fackelstaffellauf bei den Olympischen Spielen 1936
2.2 ‚Opferfeuer‘: Das Eintreffen der Olympischen Flamme in Berlin
2.3 ‚Opferschalen‘: Das Olympische Feuer im Stadion
3. Feuergrenzen: Reviermarkierungen und Revierüberschreitungen
3.1 Fahnen als lodernde Flammengrenzen
II. ‚Lumen supranaturalis‘ - Lichtinszenierungen
1. Licht als Gestaltungsmittel
1.1. Die Isolierung und Erweiterung von Fragmenten im Festraum
1.2 ‚Lichtarchitektur‘: Erste Versuche auf dem Bückeberg 1933
2. Der Lichtdom
2.1 Die technische Umsetzung der Lichtdom-Inszenierung
2.2 Licht als integraler Bestandteil von Festarchitektur
2.3 Die Beleuchtungsanlagen des Zeppelinfeldes
3. Die Dramaturgie: Dynamisches und statisches Licht
3.1 Bewegtes Licht: Die Masse in Flammen
3.2 Die Erstarrung: Das Licht des Herrschers
3.2.1 Bildpropaganda: Licht als Herrschaftssymbol
3.2.2 Die Bezeichnung ‚Lichtdom‘
4. Die Vorführung von Erhabenheit, Überlegenheit und militärischer Potenz
4.1 Grafische Machtzeichen: Die Vertikale
5. Kultraum Lichtdom: Strategien zur kosmischen Herrschaftssicherung
5.1 Die liturgische Ausstattung des Lichtraums
6. ‚Technische Schönheit, die neue Romantik‘: Das Material Licht
6.1 ‚Virtuelle Volumen‘: Licht als dynamisches Material

5. Schlussbetrachtung

Anhang

1. Tafeln 1-3

2. Abkürzungsverzeichnis

3. Literatur:

I. Unveröffentlichte Quellen

II. Literaturverzeichnis

Das ursprünglichste, auf den Begriff R a u m fussende, formelle Prinzip in der Baukunst, unabhängig von der Konstruktion. Das Maskiren der Realität in den Künsten.1

Gottfried Semper, 1878

Kapitel 1 Die Neuordnung von Zeit und Raum

Einleitung

1. Thematische Einführung

Zu den neuen Aufgaben, die Deutschland seinen Architekten heute stellt, gehört die vorübergehende festliche Gestaltung von Räumen für besondere Begeben- heiten. Das Gebiet ist für den Baugestalter zum größten Teil neu und wir wollen durch unsere Veröffentlichung bewußt auf diese Aufgabe aufmerksam machen. Wir glauben, dass die festliche Gestaltung von Räumen zum notwendigsten Aus- druck unserer Zeit gehört und dass die Künstler, unter ihnen besonders die Archi- tekten, eine Fülle schöner, aber auch schwerer Aufgaben von hier zu erwarten haben.1

Deutsche Bauzeitung, 1935

Optische Präsenz im öffentlichen Raum war ein Bestreben der NSDAP, das sich seit ihren Gründungstagen artikuliert hatte.2 Nach der ‚Machtergreifung‘ ging es jedoch nicht mehr vorrangig darum, den öffentlichen Raum mit symbolischer Vehemenz zei- chenhaft zu markieren, um für die Partei zu werben, sondern um die Schaffung riesiger politischer Festräume, in denen fast alles „zum Symbol verwandelt wurde“3. Der Fest- platz und die Paradestraße sollten zu wesentlichen Bestandteilen einer jeden topographi- schen Struktur werden, um einen Rahmen für die kalendarisch verankerten Massenin- szenierungen der NSDAP zu bilden und um diese Instanz der autoritären Regierungs- gewalt ästhetisch zu stützen, dauerhaft zu etablieren und zu ritualisieren.

Bei der Ausführung politischer Massenfeste beschränkte man sich nicht auf den städti- schen Raum, sondern bediente sich ebenfalls des Naturraums, in der Absicht, auch diese Sphäre politisch zu okkupieren. Historische Orte, deren Fassaden für die Ideologie der Nationalsozialisten brauchbar waren, wurden selektiv erweitert. Vielerorts war jedoch die historische Architektursprache als politische „Kulisse“ für die Nationalsozialisten ungeeignet. Die architektonische Neugestaltung von Städten wurde zwar sehr rasch in Angriff genommen, so diente ephemeres Material wie Licht, Fahne und Feuer jedoch nicht nur zur Darstellung der staatlichen Symbole und zur Kennzeichnung und Erwei- terung von politischem Raum, sondern fungierte als eigenständiges „Baumaterial“ - zur Konstituierung von neuem Raum.

Im Gegensatz zu den Repräsentationsbauten und den umgestalteten und neu gebauten Plätzen, die in ihrer Materialität auf Ewigkeit, auf das ‚Tausendjährige Reich‘ setzten, waren die Gestaltungsmittel staatlicher Feiern unter freiem Himmel ephemerer Art. Als „Ausdruck eines neuen Lebensgefühles und einer neuen Lebensordnung“4 belegten die

„Zelebrationsapparate“ (Diers) urbane wie ländliche Orte mit der Staatssymbolik, ästhe- tisierten die proklamierten Ideologien der Partei und kennzeichneten und gliederten die „Erlebnisräume“ stets in Ausrichtung auf den autokratischen „Führer“. Die Ausmaße dieser requisitenartig erscheinenden Mittel entsprachen der Megalomanie der steinernen Staatsarchitektur. Mit den wahrhaftigen Materialschlachten, die bei dem Einsatz aller Schmückungsmittel veranstaltet wurden, etablierte „der Nationalsozialismus ein Sys- tem, das den technischen, sozialen und medialen Gestaltungsimperativen nicht nur Raum gab, sondern gleichzeitig den Beweis antrat, dass die Welt tatsächlich gestaltbar war.“5 Mit ihnen wurde deshalb nicht versatzstückhaft dekoriert, sondern gestaltet.

Wie es zeitgenössisch hieß, waren „Fahnentücher, Masten, Tribünen, Lichtkegel der Scheinwerfer [...] die ersten baulichen Mittel, aus ihnen erwächst die Neugestaltung der deutschen Städte“6. Alle diese Mittel waren schnell auf- und abzubauen. So konnten öffentliche Plätze, Straßen und andere Außenräume flexibel und oftmals spontan zu einem politischen Ort umgestaltet werden. Doch genauso rasch, wie die Ausformung riesiger geschmückter politischer Räume schon im Januar 1933 begonnen hatte, endete sie in den Kriegsjahren: Infolge des Krieges wurden Materialien knapp, was zu einer Einschränkung symbolischer Mittel führte7, und die Luftschutzverordnungen standen der Gestaltung von riesigen, von weitem sichtbaren Räumen diametral gegenüber.

2. Forschungsstand

Trotz eines vorhandenen Bewusstseins über die Ausmaße der ephemeren ästhetischen Mittel im ‚Dritten Reich‘8 hat sich die Kunstgeschichte nur partiell, nicht aber umfas- send dem Thema des Raums und des Materials nationalsozialistischer Massenin- szenierungen gewidmet.9 Es scheint, als läge es förmlich im Charakter des Ephemeren10 begründet, dass das Thema nationalsozialistischer Festkultur in kunsthistorischen Unter- suchungen bisher nur wenig Beachtung gefunden hat. Eine Auseinandersetzung mit diesem Themenkomplex fand eher in den Fachbereichen Volkskunde, Geschichte / Re- gionalgeschichte und Politologie statt. Lediglich einzelne Massenfeste wurden exemplarisch auch in jüngster Zeit unter einem kunsthistorischen Ansatz betrachtet, wie in der Dissertation zu den Olympischen Spielen 1936 von Thomas Alkemeyer11, der den Festschmuck wie die religiösen Strukturen der Festräume behandelt.

Im Fokus der Kunstgeschichte stand bislang in erster Linie nationalsozialistische Archi- tektur. Neben umfangreichen wissenschaftlichen Monographien über prominente Feier- plätze wie das Reichsparteitagsgelände in Nürnberg oder den Münchener Königsplatz gibt es auch übergeordnete Studien zu städtebaulichen Tendenzen, wie zum Beispiel die Dissertation von Christiane Wolf über Gauforen, bei denen der Festplatz stets eine zent- rale Rolle spielte.12 Ansonsten sind Festplatz und Feststraße als zusammenhängende Phänomene bisher eher selten Gegenstand von Analysen gewesen.13 So beschränken sich frühere Untersuchungen zur Straße im Nationalsozialismus auf die Reichsautobahn (RAB) oder auf die Achsenplanungen in den Gauhauptstädten mit besonderem Augen- merk auf die Berliner Achsenplanung im Zuge der Neugestaltung14 der Reichs- hauptstadt.

In der vorliegenden Arbeit stütze ich mich auf eine Bandbreite von Quellen und zeitge- nössischen internen wie auch offiziellen Berichten und auf Teilbereiche der Sekundär- literatur. Sehr aufschlussreich im Kontext einer nationalsozialistischen kunsthistori- schen Einordnung sind die Aufsätze und Veröffentlichungen des zeitgenössischen Kunsthistorikers Hubert Schrade, der seine Arbeit öffentlich den Zielen des National- sozialismus unterordnete, dabei jedoch sehr scharfsinnig die Phänomene des Materials und der Raumwirkung beschrieb.15 Schrade, der offenbar nicht nur über theoretische, sondern auch über praktische Erfahrungen verfügte, mag in vielerlei Hinsicht zu einer Förderung der Wahrnehmung von Festschmuck beigetragen haben.16 So hatte er schon 1935 eine Lehrveranstaltung mit dem Titel „Feier und Gestaltung von Festen seit dem Mittelalter“ durchgeführt.17 Vor allem seine Publikationen in den einschlägigen Archi- tekturzeitschriften18 mögen das Interesse auch der Tagespresse auf diesen Themen- bereich des Festschmucks gelenkt haben.

1940 wurde Heinz Weidners Dissertation Berlin im Festschmuck veröffentlicht.19 Diese Arbeit ist sowohl in Bezug auf die Benennung verschiedener Festaufbauten und Schmückungsarten als wichtige Quelle zu nennen als auch in der Beschreibung einzelner Inszenierungen20 und ihrer historischen Vorbilder21. Trotz einer zeitge-nössischen Auseinandersetzung mit diesem Themengebiet, wie vielfach in den Archi-tekturzeitschriften, wird dennoch in dieser Publikation weder dem Material noch dem Raum als Phänomen ein besonderer Stellenwert eingeräumt.

Erste wichtige Ansätze zu einer kunsthistorischen Auslegung nationalsozialistischer Inszenierungen im öffentlichen Raum lieferte die 1975 publizierte Arbeit von Klaus Herding und Hans-Ernst Mittig.22 Trotz ihres ebenso frühen Erscheinungsdatums zählen die Arbeiten von Klaus Vondung, Karlheinz Schmeer und Albrecht W. Thöne im Kon- text nationalsozialistischer Licht- und Feuerriten noch immer zu den fundiertesten Grundlagen.23 Erst in der neueren Forschung erschien der fundiert recherchierte Aufsatz „Festarchitektur im Dritten Reich“ von Sabine Behrenbeck.24 Dieser Aufsatz enthält interessante Denkanstöße, genauso wie ihre umfangreiche Dissertation, in der die Histo- rikerin Teilbereiche nationalsozialistischer Kultstätten, mit besonderem Augen-merk auf totenkultische Feiern, behandelt.25

Wesentliche Anregungen verdankt die vorliegende Arbeit Publikationen, Tagungen und Vorträgen zur Politischen Ikonographie, besonders im Rahmen des Graduiertenkollegs Politische Ikonographie unter der Leitung von Martin Warnke26 und Wolfgang Kemp27.

Teilbereiche der vorliegenden Arbeit stützen sich auf das Instrumentarium des noch jungen Forschungsbereichs der Materialikonographie. Hier sind besonders Arbeiten und Inspirationen von Monika Wagner hervorzuheben.28 Ihre jüngst erschienene Publikation Das Material in der Kunst hat immer wieder als wichtige Anregung gedient.29

3. Ziele der Arbeit

Während die Staatsbauten des Regimes verschiedene Planungsetappen durchliefen, die von der Skizze bis hin zu 1:1 Modellen reichten, wurden auch von den Festplätzen, die bauliche Maßnahmen verlangten, Modelle angefertigt, publiziert und vielfach in zeitge- nössischen Fachzeitschriften besprochen und abgebildet.30 Schwieriger hingegen ist es, die Ausarbeitungs- und Entwurfsphasen des eigentlichen Festschmucks durch verschie- dene Darstellungsmedien zurückzuverfolgen, da er nur im endgültigen Zustand publi- ziert wurde. Von den Festausschmückungen sind daher größtenteils nur kleine Frei- handskizzen in den entsprechenden Staats- und Stadtarchiven vorhanden31 - sofern sie erhalten sind.32

Häufig gehen die organisatorischen Vorgänge und Planungsphasen der Festschmuckge- staltung lediglich aus internen Korrespondenzen zwischen den zuständigen Stellen her- vor. Bei organisatorisch und technisch aufwändigen Inszenierungen wurden Proben durchgeführt, die ebenfalls schriftlich dokumentiert wurden. Hierzu gehören teilweise Pläne, die zumeist als Grundriss den jeweiligen Festplatz oder die Aufmarschwege dar- stellen. Für die organisatorischen Abläufe und Planungen der Masseninszenierungen sind als Quellenmaterial die ‚Minutenprogramme‘ besonders aufschlussreich. Diese bezeugen, wie minutiös und kontrolliert die Organisation, Ausführung und Begehung nicht nur dieser Massenzelebrationen, sondern des gesamten nationalsozialistischen Staates verliefen. Ebenso lieferten weit verbreitete Ratgeber und kleine Broschüren zur Feiertagsgestaltung wichtige Hinweise auf Gestaltungabsichten sowie auf ideologische Gehalte auch kleiner Parallelfeiern. (Abb. 1 u. 2) Diese Quellen sind in der NS- Kunstgeschichtsforschung bisher wenig beachtet und interpretiert worden.33

Mein besonderes Interesse gilt der ästhetischen Ausformung der zentralen Massenfei- ern. Dabei geht es nicht darum, die Wirkungsästhetik auf die Teilnehmer34 zu ergründen - dazu sind im sozialpsychologischen Bereich verschiedene empirische Studien er- schienen. Im Fokus der Untersuchung steht vielmehr der Umgang mit Raum und Mate- rial als Ausdrucksmittel einer autoritären Herrschaftsgewalt. Dabei ist nicht nur der Festplatz oder die Feststraße als umrissene Architektur erkenntnisleitend, sondern der Umgang mit „Umraum“35 überhaupt: Topographische und damit sichtbare historische Strukturen wurden entweder negiert oder es wurde eine nobilitierende Nähe36 zu ihnen gesucht.

Anhand exemplarischer Feierräume gehe ich der Frage nach, wann, wie und wodurch politischer beziehungsweise kultischer Raum nicht nur durch dauerhafte bauliche Maß- nahmen, sondern durch die Verwendung ephemerer Mittel konstituiert wurde. Darüber hinaus gilt es zu ermitteln, inwiefern ephemeres Material, im Gegensatz zu der Verwen- dung fester und dauerhafter Materialien37, andere Bedeutungsebenen zu konstituieren vermochte.38 Gerade in Anbetracht der Tatsache, dass vielfach in der Sekundärliteratur die ephemeren Inszenierungsmittel lediglich als „Kultrequisiten“39 abgehandelt werden, wird in der vorliegenden Arbeit der Versuch unternommen, den Status dieser Schmü- ckungselemente näher zu definieren und, so weit es möglich ist, nach einem Einfluss dieser kurzlebigen Werkstoffe wiederum auf die Staatsarchitektur zu fragen.40

Das Hauptziel ist es, erstmals den Umfang von ephemeren Gestaltungsmitteln und de- ren Relevanz als Träger politischer Absichten im Nationalsozialismus aufzuzeigen, die bisher nur vereinzelt untersucht worden sind. Auf der Grundlage der neueren Forschung der Materialikonographie41 versuche ich in der vorliegenden Arbeit der Frage nachzugehen, inwiefern eine Veränderung oder Lenkung eines kultischen Vorgangs beziehungsweise des daraus konstituierten Raums durch bewegliches Material bewirkt worden ist. Denn vielfach sind diese Materialien, wie Fahnen, Feuer oder Licht, innerhalb von kultischen Abläufen eingesetzt worden.

Deshalb wird die Struktur dieser Arbeit von den beiden Kriterien Raum (Umraum) und Material bestimmt. Die Betrachtungsweise beider Kriterien folgt dabei ihren politischen und ideologischen Bedeutungsabsichten.42 Die Arbeit gliedert sich in erstens städtische Kulträume, zweitens Kulträume in der Natur und drittens Kulträume, in denen Feuerund Lichtinszenierungen veranstaltet wurden. Dabei konzentriere ich mich auf die Ausrichtungsorte Berlin, München, Nürnberg und Hameln. Dort wurden zentrale Massenveranstaltungen abgehalten, die sich stets durch die Anwesenheit Hitlers und die Ausmaße der politischen Inszenierung auszeichneten. Kleinere Parallelfeiern, die zeitgleich reichsweit stattfanden, sind nur am Rande untersucht worden.43

Im ersten Teil stelle ich städtische (Berlin, München) und monofunktionale Festplätze (Nürnberg) vor. Auch die in dem Kapitel behandelten Feststraßen beziehen sich vor- nehmlich auf diese Orte. Im zweiten Teil liegt der Fokus auf einem Naturplatz in der Nähe Hamelns. Daran schließt sich die Untersuchung von Naturmaterial an. Die Feuer- inszenierungen im dritten Teil beziehen sich auf mehrere Orte. Den Kern der untersuch- ten Lichtinszenierungen bildet hingegen der Lichtdom auf dem Zeppelinfeld des Reichsparteitagsgeländes. Vorab werden in einem hinführenden Kapitel einzelne, zent- rale Phänomene nationalsozialistischer Festkultur behandelt: Die Einrichtung eines poli- tischen Festtagskalenders, die Schaffung und Verankerung von Ritualen44, die gesell- schaftliche Bedeutung von Festräumen und der staatlich gelenkte Organisationsapparat. Abschließend werden in der vorliegenden Arbeit übergeordnete Phänomene zusammen- gefasst, die sich als spezifische Merkmale nationalsozialistischer Kulträume nennen lassen.

I. Der nationalsozialistische Festtagskalender: Die Neuordnung von Zeit

1. Die volkserzieherische Aufgabe der politischen Feier

Feste und Feiern sind ein Gradmesser für den inneren Wert eines Volkes. Nichts zeugt mehr für den Kulturstand der Nation als die Frage, wie weit ihr die Kunst der Festgestaltung im kleinen und im großen erhalten geblieben ist.45

Der Große Herder, 1932

Noch vor der ‚Machtergreifung‘ gelang es durch Aktionen vergänglicher Natur die poli- tische Präsenz der NSDAP zeitlich und räumlich im Bewusstsein der Bevölkerung an- zusiedeln und auszudehnen. Hier handelte es sich allerdings um Ereignisse demonstrati- ven Charakters, die noch eine Divergenz zwischen Teilnehmer und Zuschauer aufwie- sen. Auch die Feiertage, die bereits konzipiert waren und schon an nationalistisches und militärisches Brauchtum anknüpften46, wurden zwangsläufig partei intern begangen. Das Ziel war von vornherein eine „erlebnismäßige[n] Verknüpfung aller Volksgenossen durch gemeinsame Anteilnahme an den großen Ereignissen der Zeit“47, das erst nach der ‚Machtergreifung‘ vollzogen werden konnte. Nichts lag näher als dies in Form von öf- fentlichen politischen Feiern zu tun.

Als die Anwesenheit dann aber nicht mehr auf Freiwilligkeit beruhte, verwischten sich die Grenzen zwischen den Demonstrierenden und den Zuschauern bei den Großkundge- bungen weitgehend.48 So war ein tiefer Einbruch in das öffentliche Leben gelungen. Die Intention, ein ganzes Volk zu mobilisieren, bedurfte Strategien, die sich nicht auf der Ebene der rationalen Reflexion politischer Inhalte aufhielten, sondern die man in sinnli- chem Erleben begründet sah, wie ein Zeitgenosse in einem Feierheft formulierte:

...die Menschen [haben] von seither [ein] Bedürfnis nach Sammlung, Besinnung, Glauben, Kraftsammlung, Willensbildung [...]. Hätten die Menschen einen sol- chen Grund, einen Standpunkt nicht, so hätten sie kein Gesetz, keine Bindung, keine Kraft. Sie wären ungleiche Irrlichter, in einen leeren und wirren Raum hin- eingesetzt. [...] während jeder menschliche Gedanke und der des Deutschen vor allem gesonnen ist, einen Kosmos, eine Ordnung zu sehen und zu erkennen, zu schaffen und zu leben.49

Durch die Neustrukturierung und -gestaltung der Feiertage sollten insgesamt gemein- same Aktivitäten geregelt werden.50 Früh schon hatte die nationalsozialistische Partei erkannt, dass gerade die ‚politische Feier‘ diese volkserzieherische Komponente bereit- hielt. „Wir stellten fest, daß die Feier eine großartige Führungs- und Erziehungsaufgabe enthält“51, schrieb Hermann Roth 1938 über den Sinn und die Gestaltung nationalsozia- listischer Feiern. Ein lexikalischer Eintrag von 1932 formulierte ähnliche Zielsetzungen: „Die Festprogramme [sollen] die formschöne u[nd] sinnrichtige Auslegung des Festinhalts mit den Mitteln der Ausdruckskultur unter Berücksichtigung seiner psychologischen und pädagogischen Werte sein.“52

Nur sollten diese Feste keine spontanen Ereignisse des „befreiten“ Bürgertums wie in der Französischen Revolution sein, sondern als strikt organisierte und institutionalisierte Massenveranstaltung verlaufen. Schon in der Französischen Revolution wurde in der Instrumentalisierung von Volksfesten zu jours nationaux oder grands jours vordergrün- dig ein volkserzieherischer Nutzen gesehen: Erstmalig postuliert durch die geistigen Wegbereiter der Aufklärung Denis Diderot und Jean-Jacques Rousseau.53 Vor allem hatte Rousseau „wohl als erster seit der Antike die Bedeutung des Festes für ein Volk oder einen Staat in aller Prägnanz herausgestellt“54. Bereits er sah in dem organisierten und institutionalisierten Ereignis des Festes die Möglichkeit, einem Volk, einer Nation ein Idealbild seines Wesens vorzuführen.55 Genau dieses „Idealwesen“ sollte im Natio- nalsozialismus staatlich gelenkt sein, geradezu als eine Eigenschaft eines totalitären Regimes. Eines der Hauptziele der neuen Herrschaft war daher, ab 1933 einen einheitli- chen reichsweiten Feiertagskanon und Feierstil zu erarbeiten und zu konstituieren.

2. Der Festtagskalender

Man könnte sagen, dass die Neuordnung der Zeit das vornehmste Attribut aller Herrschaft sei. Eine neu entstandene Macht, die sich behaupten will, muß an eine Neuordnung der Zeit gehen. Es ist, als beginne mit ihr die Zeit.56

Elias Canetti

Die Ausformung und Festlegung von politischen Feiern, die sich im Laufe der Jahre zu immer fester werdenden Ritualen verfestigen sollten, bedeutete in letzter Konsequenz die Einrichtung eines neuen Kalenders. Wobei allerdings nicht die Zeiteinheiten selbst verändert werden sollten, sondern die Gewichtung von markierten Höhepunkten. In ideologischer Hinsicht war für die Nationalsozialisten der faschistische Staatskult unter Benito Mussolini ein unmittelbares Vorbild.57 Schon früh hielt Mussolini „neue Natio- naltage und Jahresfeiern mit neuem Mythos und Ritual für unerläßlich“58. Doch ab dem 28. Oktober 1922 lief der faschistische Kalender nur als Zweitrechnung neben dem Gregorianischen Kalender. Einen konkurrierenden Kalender sollte es im Nationalsozia- lismus nicht geben, der durch den Erhalt kirchlicher Feiertage durchaus bestanden hätte. Dennoch wurde nicht strikt mit der Vergangenheit gebrochen, wie es in der Französi- schen Revolution als Ziel formuliert worden war, um sich vom ancien regime abzuwen- den, sondern es wurde an bereits bestehende Kalenderzyklen angeknüpft, christliche Feiertage umgedeutet und okkupiert, um bei der Umsetzung und Rezeption eines natio- nalsozialistischen Kalenders immer wieder Fragmente aus dem kollektiven Gedächtnis aufrufen zu können.59

So ging man nach der so genannten Machtergreifung sehr schnell daran, eine kanoni- sche Feierordnung aufzustellen.60 Da es jedoch wenige Anlässe aus der kurzen NS- Geschichte gab, die sich als nationale Feiertage oder für Großveranstaltungen anboten, wurden sie teilweise in Konkurrenz zum Kalendarium der christlichen Kirche angelegt. Zum Beispiel sollten die stets im Rundfunk übertragenen Morgenfeiern der Hitlerju- gend den sonntäglichen Gottesdienst ersetzen. Auch Festtage von anderen politischen Organisationen wurden übernommen, wie der 1. Mai: Ursprünglich als ‚Kampftag der Arbeit‘ von der ‚Zweiten Internationale‘ 1889 begründet, hatte dieser Gedenktag den Aufstieg der Arbeiterbewegung begleitet und manifestiert.61 Jetzt wurde versucht, alt- germanische Kulte in politisierter Form wiederzuerwecken. Dies eröffnete den Natio- nalsozialisten die Möglichkeit, „traditionelle und spezifische Geselligkeitsformen in ihre ideologische Konzeption einzubeziehen“62 und gleichzeitig deren Instrumentalisie- rung für nationale Zwecke63: „...man brach auf unterster Ebene in einen bislang nicht politisierten Feierfreiraum der Bevölkerung ein und begann ihn mit einem gelenkten Folklorismus zu besetzen.“64 Jetzt war es von großer Bedeutung, auch diese Volksgrup- pe65 für das System, mehr noch für die anstehende „Ausdehnung“ des ‚Dritten Reiches‘ zu indoktrinieren und zu mobilisieren. Verwoben mit althergebrachten propagierten Werten wie Gemeinschaft und Familie sollten diese Bedeutungen wieder eine neue Gel- tung erlangen, die der Partei schließlich auch zu einer Popularität verholfen hatten.66 Auch die italienischen Faschisten hatten diesen Tag als Feiertag okkupiert.67 Der 1. Mai war machtpolitisch somit der heikelste und insoweit symbolisch der bedeutsamste Fei- ertag der Nationalsozialisten.68 Die ideologische Konzeption zu diesem Feiertag hatte Goebbels bereits zu Beginn der 20er Jahre ausgearbeitet. Wahrscheinlich hatte er er- kannt, dass die Unterdrückung des 1. Mai nahezu die Herausforderung eines Tags des Widerstandes der „Roten“ gewesen wäre.69

Bereits am 27. Februar 1934 wurde ein Gesetz verabschiedet, welches zunächst drei nationale Feiertage bestimmte: Den ‚Heldengedenktag‘70 am 16. März, der den Platz des kirchlichen Volkstrauertags einnahm und seit 1925 in der Weimarer Republik be- gangen wurde; den ‚Tag der nationalen Arbeit‘ am 1. Mai, den man von der Arbeiter- bewegung übernahm, und den ‚Reichserntedanktag‘, als „Tag der Bauern“, der jeweils in der ersten Woche im Oktober, am Sonntag nach Michaelis, abgehalten wurde. Mit dem Erntedankfest wurde ebenfalls ein kirchliches Fest, welches stark volkstümlich orientiert war, politisch okkupiert. Gerade die Festsetzung dieser drei Nationalfeiertage bedeutete keine komplette Abkehr von den bisherigen Kalenderzyklen.71

In Deutschland existiert der Begriff der Nationalfeiertage, als „behördlich anerkannte, durch Arbeitsruhe und öffentliche Feiern ausgezeichnete Tage“72 erst seit dem Ende des 19. Jahrhunderts, obwohl schon im 18. Jahrhundert zwischen besonderen Feierlichkeiten von nationaler Bedeutung mit den Begriffen ‚Nationalfest‘ und ‚Volksfest‘ unterschieden wurde. Diese Vorgeschichte mag ein Motiv für die schnelle Durchsetzung im Nationalsozialismus gewesen sein.

Das Bestreben, Nationalfeste unter staatlicher Regie zu führen, findet seinen Ursprung in Frankreich. Die Französische Revolution prägte die f ê tes civiques und 1791 wurde die Feier nationaler Festtage in Frankreich festgeschrieben. In Deutschland kam es so früh nicht zu vergleichbar detaillierten Diskursen. Die Geschichte der nationalen Feier- tage in Deutschland begann erst mit der Reichsgründung von 1871 (mit dem ‚Sedantag‘ am 2. September und dem ‚Reichsgründungstag‘ am 18. Januar) und löste nunmehr eine fast kontinuierliche innenpolitische Diskussion um die Bestimmung und Gestaltung von Nationalfeiertagen aus, die in der Weimarer Republik kulminierte.73 1927 hatte der SPDler Ernst Reuter Feste der Gemeinschaft „als bedeutendste Äußerung der Volkssitte besonders in den Großstädten“74 proklamiert. In der Weimarer Republik waren es der 1. Mai, der ‚Revolutionstag‘ am 9. November und der Verfassungstag am 11. August. Bis zur ‚Machtergreifung‘ Hitlers umfassten diese Nationalfeste allerdings immer nur ein Staatsgebiet, wie Preußen oder Bayern: „Einheitlich durchgesetzt hat sich keiner“75, wie in Meyers Lexikon von 1928 nachzuschlagen ist.

Das Bestreben, endlich Festtage reichsweit festzusetzen, war somit von einem nationa- len Gedanken geprägt. Deswegen wurden weitere Höhepunkte im Festtagskalender festgesetzt, die keine historische Anbindung hatten, wie die Reichsparteitage, die jähr- lich im September stattfanden, und der ‚Gedenktag für die Gefallenen der Bewegung‘ am 9. November, zur Zelebration partei eigener Geschichte, die zu den höchsten politi- schen Feiertagen zählten. Daneben war die Verordnung von einmaligen nationalen Fei- ertagen zu besonderen Anlässen möglich, wie bei Mussolinis Staatsbesuch 1937 und 1938 in Berlin oder, als eine der letzten großen Masseninszenierungen des Regimes, Hitlers 50. Geburtstag am 20. April 1939.76

Hitlers Geburtstag war seit dem Jahr der ‚Machtergreifung‘ ein integraler Bestandteil des NS-Feiertagskalenders gewesen und wurde öffentlich zelebriert. Damit war ein Termin im nationalsozialistischen Festtagskalender festgesetzt worden, welcher in der Ehrbezeugung eines Herrschers an höfische Traditionen anknüpfte. Alle anderen Festta- ge verfolgten geradezu das Prinzip des grand jour, welches das öffentliche Leben oder vielmehr eine utopistische Auffassung von einer idealen Öffentlichkeit sein sollte. Wo- bei humanistische Zielsetzungen hier bekanntermaßen nicht verfolgt wurden.

Die Bezeichnungen dieser Feste waren mitunter uneinheitlich: In zeitgenössischen Schriften wurden sie häufig als ‚politische Feier‘ bezeichnet, da sie „nicht zu jenen fest- gelegten oder wiederkehrenden Feiern des Reiches, Jahres- und Lebenslaufs gehören, sondern besondere Anlässe haben und ihre Abwandlung in eine Kundgebung oder die feierliche Umrahmung eines Ereignisses oder einer Veranstaltung nehmen“77. Ansons- ten wurde unterschieden zwischen ‚Feiern des Reiches‘ oder ‚nationalen Festen und Feiern‘, denen politische oder historische Ereignisse zugrunde lagen und deren Gestal- tung der NSDAP oblag, und ‚Feiern des Jahreslaufs‘, die sich an Vorgängen in der Na- tur orientierten, wie die Sommersonnenwende, und ‚Feiern der Familie und der Sip- pe‘.78 Bezeichnend ist, dass man trotzdem dafür plädierte, „politisch bestimmte oder brauchtumsmäßig verankerte Feiern nicht eindeutig zu unterscheiden, da beide Erscheinungen [...] bei allen Feiern großer totaler Bewegungen ineinandergehen“79.

Das Jahr 1939 bildete in dem bis dahin regelmäßigen kalendarischen Verlauf einen Ein- schnitt, da spätestens der Kriegsbeginn den Feierzyklus in vielerlei Hinsicht erheblich beeinträchtigte. Bereits ein Jahr zuvor waren wegen Kriegsvorbereitungen in organisa- torischer sowie finanzieller Hinsicht der Erntedanktag und die Reichsparteitage abge- sagt worden. Aus wirtschaftlichen Gründen wurden einige kirchliche Feiertage auf ei- nen Sonntag verlegt. 1942 verschob Hitler sogar den Maifeiertag vom 1. auf den 2. Mai, einen Samstag.80 Zum Teil führte Materialknappheit zu rituellen Einschränkungen.

Bis 1939 war der nationalsozialistische Feiertagskalender wie folgt strukturiert:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

So wurde das Kalenderjahr mit einem dichten Netz81 von politisierten Kulten und Feiern überzogen, die von riesigen massenmedial verbreiteten Großkundgebungen an nationalen Feiertagen bis hin zu lokal inszenierten Lebens- oder Jugendfeiern reichten. Fast in jedem Monat wurde ein Festtag gefeiert.

2.1 Propagandistische Einheitskalender

Die Festschreibung der Feiertage in Form von gedruckten Kalendern - in denen alle von der Partei bestimmten Feiern tatsächlich Erwähnung fanden - war die Manifestierung eines gültigen Zyklus schlechthin. „Propagandistische Einheitskalender“82 sollten eine „Gleichschaltung“ und Verbreitung der „richtigen“ Feiertage gewährleisten. Dies stellte sich, wie auch die einheitliche Begehung, realiter allerdings als schwierig heraus. 1937 wurde eine ‚Kalenderberatungsstelle‘ eingerichtet, der alle gedruckten Kalender zur Zensur vorgelegt werden mussten. Viele Exemplare wurden bemängelt. Nicht nur in- haltlich und gestalterisch, sondern weil sie manche Feiertage und parteipolitische Ereig- nisse nicht markierten. Einige Kalender wurden sogar auf die ‚Liste der schädlichen und unerwünschten Schriften‘ gesetzt: Konform mit dem Versuch, christliche Symbole zu verbannen, wurden kirchliche Kalender vor dem Krieg ganz verboten.83 Doch genauso wie der Beliebtheitsgrad bei der eigentlichen Begehung der verschiedenen Feste in der Bevölkerung unterschiedlich war, da sie sich teilweise zu sehr von brauchtumsmäßig verankerten Familienritualen (wie Weihnachten) abgrenzten, waren die Kalender der Partei sehr unbeliebt. Manche Feiertage wurden bis zum Zusammenbruch des Regimes nie ganz akzeptiert.

3. Feste der Gemeinschaft: Die Okkupation von öffentlicher und privater Lebenssphäre

Dass ein jeder alle Dinge des täglichen Lebens, alle Fragen des einzelnen Daseins [...] unter dem Blickpunkt der alles begründenden und umfassenden Weltan- schauung des Nationalsozialismus ausrichtet, das ist die Aufgabe der Feier, der ‚politischen‘ Feier, die wir formen wollen, weil wir das Ziel des Nationalsozia- lismus vollenden müssen auch in dem einzelnen ‚privaten‘ Dasein, das sich ‚hin- ter den Türen‘ abspielt.84

Feste und Feiern deutscher Art, 1938

Gerade die Festlegung von Nationalfeiertagen bedeutete einen stringenten Einschnitt in die Privatsphäre. Denn der Einfluss des Festes war nicht nur auf den Zeitraum oder den Ort der Veranstaltung an sich begrenzt, sondern bezog andere Lebensbereiche und Zeit- abschnitte mit ein. Die intensive mediale Propagierung dieser Feiertage fungierte dabei als wichtige unterstützende Maßnahme. Arbeitsruhe ist eine der heute noch gültigen Merkmale eines Feiertags. Weitaus relevanter und einschneidender für die Bevölkerung war der tatsächliche Eingriff in andere Abläufe des Alltags. So bestand stets für gewisse Teile der Bevölkerung eine Teilnahmepflicht, die streng kontrolliert und reglementiert wurde. Anreisende von außerhalb bekamen sogar eine Sondervergütung für Fahrt und Verpflegung.85 Für andere Bevölkerungsteile bestanden zeitliche Aufwendungen in Form von Vorbereitungen, wie etwa das Hängen von Fahnen an die Häuserfassaden und das Anfertigen von Schmückungselementen, vor allem zu den Erntedankfesten. Auch die Freizeitgestaltung blieb von den Festen nicht unberührt: Am ‚Heldengedenktag‘ und am 9. November wurden zum Beispiel die Programme der Lichtspielhäuser auf die Sinngebung des Tages abgestimmt86, wie auch zum ‚Reichserntedankfest‘, um den pro- pagandistischen Inhalt des jeweiligen Feiertages nicht auf den Zeitraum des Festes zu begrenzen, sondern auch in Freizeitaktivitäten miteinzubeziehen.

Auch der Rundfunk war auf die Übertragung der Massenfeiern eingestellt und die Ver- breitung der Sendungen idealerweise durch den Volksempfänger gewährleistet. Selbst kollektives Wecken sorgte für die pünktliche Teilnahme an den Festen. Bereits bei früheren Kundgebungen (z.B. der „braunen Bataillone“) war die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die Umzüge gelenkt, sodass Tätigkeiten angehalten wurden - auch wenn es nur für die kurze Spanne des Vorüberziehens war.87 Durch die Feiergestaltung gelang somit nicht nur die Beeinflussung und Durchdringung des öffentlichen, sondern auch des privaten Lebenszyklus mit politischen Ideologien. Ernst Cassirer schrieb schon damals hellsichtig, dass „im totalitären Staat keine private Sphäre unabhängig vom poli- tischen Leben besteht“88.

4. Zusammenfassung: Die Erzeugung von Tradition und Geschichte

Eine kalendarische Neuordnung birgt die Konstituierung und Verwaltung vergangener und zukünftiger Zeit. Als neue totalitäre Herrschaft bestand darin geradezu eine „Not- wendigkeit, tradierte Geschichte und Erinnerung durch eine eigene Geschichte und Er- innerung zu substituieren, d.h. Vergangenheit auszulöschen und durch eine neue Ge- schichtsschreibung zu ersetzen“89. Im Nationalsozialismus bedeutete die Erzeugung einer eigenen Geschichtsstruktur auf jeglicher Ebene nie eine gänzliche Auslöschung von Vergangenem, sondern eine sehr selektive Auswahl und Anbindung an einzelne Kapitel der Geschichte - wodurch nicht zuletzt auch der Begriff des ‚Dritten Reiches‘ zustande kam.90 Ein Phänomen, das auch in der Ästhetik in Stil-Konglomeraten mündet.

Die Geschichte war ein viel zu wichtiges Konzept, das zur Herrschaftslegitimation in- strumentalisiert werden konnte, als dass es einer kompletten Tilgung hätte unterliegen können. Trotzdem war es ein wichtiges Prinzip, den Eindruck zu erwecken, „als begin- ne mit ihr [der Geschichte des NS] die Zeit; wichtiger noch [...], dass sie nicht ver- geht“91. Ebenso verfuhr man bei der Neustrukturierung eines Feiertagskalenders. Man band selektiv Historizitäten an die Gegenwart und legitimierte dadurch vermeintlich zugleich das Geschehen der Gegenwart. Doch alleine die zyklische Form eines Kalen- ders kann ebenso eine zukünftige Struktur evozieren. Schließlich diente auch die Meta- pher des ‚Tausendjährigen Reiches‘92 als Zukunftsprojektion, in allerletzter Instanz schließlich als „Legitimation der Eroberung neuen Lebensraums“93, was gerade im Kontext der ästhetischen Ausgestaltung der Feiertage zum Ausdruck kommen sollte.

II. ‚Angewandter Nationalsozialismus‘

1. Rituale und Bräuche

...die dramatische Kunst von morgen wird eine94 soziale Handlung sein [...] vielleicht gelangen wir nach einer Übergangszeit zu majestätischen Festen, an denen ein ganzes Volk sich beteiligen wird95.

Adolphe Appia, 1918

Von den Nationalsozialisten wurde der öffentliche Raum bereits in den 20er Jahren ok- kupiert. So genannte ‚shock troops‘96 wurden eingesetzt, um die Geschlossenheit und Kampfbereitschaft der Partei - nicht selten mit Gewalt - zu demonstrieren und zu prak- tizieren.97 Besonders die politischen Gegner sollten sogar durch eine akustische Prä- senz, wie den rhythmisch monotonen Marschschritt oder durch Musikkapellen und Spielmannszüge, eingeschüchtert werden.98 Seit 1923 traten die formierten Anhänger mit einheitlichen braunen Uniformen zu Parademärschen an. (Abb. 3) Durch die Aus- stattung mit Fahne, Standarte und Uniform konnte optisch die Zugehörigkeit und Ge- schlossenheit demonstriert werden, wie sie schließlich bei den Massenkundgebungen nach der ‚Machtergreifung‘ in gesteigerter und tausendfach multiplizierter Form insze- niert und mit größtem Aufwand organisiert wurde. (Abb. 4 u. 5) Die „Tatpropaganda“99 konnte ortsunabhängig und ohne viel Aufwand und Kosten eingesetzt werden und ge- währleistete, zumindest für die kurze Zeitspanne ihrer Präsenz „schon vor der Über- nahme der Regierungsgewalt im öffentlichen Leben unübersehbar aufzutreten“100. (Abb. 6)

Die Kennzeichen dieser ‚Werbemärsche‘ sollten sich zu fest strukturierten Prozessionen und Festtagsritualen verdichten. Die Reglementierung und Ritualisierung dieser Festab- läufe gingen konform mit der kalendarischen Neustrukturierung und Verankerung der Festtage: Es sollten Rituale entwickelt werden, wie es zeitgenössisch hieß, „die länger bleiben werden als die Brauchformen der Kirche. Bewährte Formen werden dann immer mehr der deutschen Feier die Weihe und Ehrwürdigkeit echter Tradition verleihen.“101

Die Abläufe folgten dem Muster eines militärischen Appells, demonstriert wurde ge- meinschaftlicher Gehorsam gegenüber der Autorität, feierlich kulminierend im Treuege- löbnis für Hitler.102 Das primäre Element der Rituale war, Hitler zu feiern und zu glori- fizieren. (Abb. 7) Von mindestens genauso großer Bedeutung war die Autozelebration von Stellvertretern einer jeweiligen Volksgruppe, kulminierend in der Zelebration der gesamten Nation.103 Es gab jeweils eine zentrale Feier, die sich durch den Inszenie- rungsort und die persönliche Gegenwart Hitlers auszeichnete. Diese besaß die gewal- tigsten Ausmaße politischer Inszenierung. Die Staatsfeiern sollten jedoch im gesamten Reich zelebriert werden, um eine rituelle und ästhetische Allgegenwärtigkeit der Propa- gandainhalte und den Status der Staatsfeier zu manifestieren. So wurden reichsweit Pa- rallelfeiern veranstaltet, die von der jeweiligen Stadt oder Kleinstadt nach strengen An- weisungen ausgerichtet werden mussten.

Noch bevor die ‚Volksgemeinschaft‘ auf dem zentralen Festplatz eintraf, versammelten sich die uniformierten Teilnehmer, die dort einmarschieren sollten, auf außerhalb lie- genden Plätzen der verschiedenen Stadtbezirke. Von dort aus marschierten sie gemein- sam und idealerweise synchron zum zentralen Kundgebungsplatz. Bei diesen so ge- nannten ‚Sternmärschen‘ zogen die Teilnehmer beim Anmarsch sternförmige Bahnen, da sich diese Sammelplätze geographisch um den zentralen Ort verteilten. (Abb. 8 u. 9) Dadurch wurden gleichzeitig „die durchquerten Regionen auch stellvertretend durch die Marschierer in das [Fest]geschehen mit eingebunden“104. Dieses Ritual fand seine „ter- ritoriale Ausweitung der Einnahme auf das gesamte deutsche Reichsgebiet“ durch den ‚Adolf-Hitler-Marsch‘.105 (Abb. 10)

Um einen temporalen Synchronismus der Rituale zu gewährleisten, wurde das Massen- medium Rundfunk eingesetzt. Die „ausführliche Berichterstattung in den Medien“106 bestimmte den zeitlichen Ablauf der Haupt- wie auch der Parallelveranstaltungen, die sich im gesamten Land verteilten. Mit akustischen Signalen, wie Glockenläuten, mar- kierte man bestimmte Abschnitte des Programms. Als poitisches Zeichen stand es in symbolischer Konkurrenz zum Einsatz von Kirchenglocken und war bereits bei Gedenktagen militärischer Siege als Siegesgeläut eingesetzt worden.107 Schließlich sollte auch auf jedem ‚Gauforum‘ des Reiches der Glockenturm als zentrales architektonisches Element dienen und den sakralen Kirchturm akustisch und topographisch ersetzen.108 (Vgl. Abb. 14 u. 15)

Als zum Beispiel am 25. Februar 1934 die Politischen Leiter in Nürnberg auf dem Reichsparteitagsgelände vereidigt wurden, standen als „Vertreter“ nur ein Bruchteil (der immerhin noch aus 30.000 Teilnehmern bestand) auf dem Königsplatz in München. Die 14 Kanonenschüsse, die zur Vereidigung abgefeuert wurden, hörten, durch die Rund- funkübertragung, über eine Million.109 Eingeläutet wurde jede Feier durch akustische Signale „mit Fanfarenrufen oder Musik“. Nachdem sich die Zuschauer platziert und die Formationen auf dem Feld aufgestellt hatten, wurden durch einen Fahneneinmarsch prozessionsartig die „mobilen“ Symbole der Partei in den Festraum getragen, die sich ebenfalls aufstellten und verharrten, in Erwartung Hitlers, der im Festraum immer erst später eintraf. Im Mittelpunkt jeder Feier stand die Rede Hitlers, die einen zentralen Punkt in der Übertragung einnahm. Abschließend sprach die Gemeinschaft das Be- kenntnis im ‚Sieg Heil‘, das genauso „wie das gemeinsam gesprochene Glaubensbe- kenntnis und das große Schlußgebet im christlichen Gottesdienst“110, eine bindende und verpflichtende Wirkung ausüben sollte. Die akustische und emotionelle Auflösung der Feier fand durch den gemeinsamen Gesang der Nationalhymne statt.

Wie sich auch in der Festraumgestaltung äußern sollte, knüpften liturgische Formen an kirchliche Vorbilder an.111 Bezeichnungen und Begriffe112 reihten sich ebenfalls in den Gebrauch einer religiösen Terminologie ein, derer sich die Nationalsozialisten für ihre Massenveranstaltungen (später sogar ihre Kriegshandlungen) bedienten. ‚Gottesdienste‘ oder ‚Weihestunden‘ wurden zelebriert, Glaubensbekenntnisse rezitiert113, was die Ver- anstaltungen mit religiösen Riten gleichsetzte. So lautet es in einem Feierheft:

Die Versuche der Gegenwart, eine ‚liturgische‘ Form in der politischen Feier zu entwickeln bzw. fortleben zu lassen, sind sehr beachtlicher Art. Diese liturgische Form erstrebt eine deutliche übersichtliche Feierordnung unter möglichst starker Einbeziehung und Beteiligung der Gemeinschaft.114

Marginale Abweichungen gab es durch einzelne zusätzliche Elemente, durch die sich die symbolische Aussage der jeweiligen Veranstaltung manifestierte. So wurden bei Heldengedenkfeiern Kränze niedergelegt oder ins Feuer geworfen.115 Hinzu konnten Rahmenveranstaltungen kommen wie Volkstänze, in entsprechend „germanisch“- volkstümlichem Ambiente, oder militärische Schauvorführungen. Panem et circenses war bei mehrtägigen Veranstaltungen wie den Reichsparteitagen sogar wichtig, da sie die Massen - auch nach anstrengenden, sich oft über Stunden hinziehenden Aufmär- schen - bei Laune hielten. Dass aber ebenso vielfach menschliches „Versagen“ und technische Pannen die reibungslosen Abläufe und die Ernsthaftigkeit der liturgischen Riten beeinträchtigten, wird in den internen Berichten oftmals erst deutlich. Diese Stö- rungen vermochten die bildlichen und filmischen Mittel, die Offiziellen Berichte und die Propagandabeschreibungen aufzufangen und zu verbergen.116

Bräuche, die von den festgelegten Strukturen einer politischen Ausrichtung abwichen, wurden verboten, um eine vollständige politische Okkupation eines jeden Feiertages zu gewährleisten.117 Das zentrale Anliegen war, nicht nur zukünftige Traditionen zu schaf- fen, sondern die Feiern in eine feste hierarchische Struktur mit autokratischer Ausrich- tung einzubetten.

III. Die Neuordnung von öffentlichem Raum

1. Der Status von Festplätzen und -straßen im Nationalsozialismus

Im Gegensatz zu den mittelalterlichen Kirchen, die als weltabgewandte, ganz in sich geschlossene Räume vom äußeren Leben abrückten und nur von oben her über die Dächer hinweg in das Getriebe der Stadt hineinsahen, stellen sich die Gemeinschaftsbauten und Hallen der Bewegung breit mitten ins Leben und ste- hen stets in Verbindung mit einem weiten, festlichen Versammlungsplatz unter freiem Himmel.118

Der öffentliche Raum war schon vor 1933 für die NSDAP Ort der politischen Selbstdarstellung und Demonstration gewesen, wie für viele politische Organisationen, vornehmlich für die Kommunisten. Bis zum Kriegsausbruch sollte der Platz wie die Straße in unermessliche Dimensionen einer „gebauten Megalomanie“119 gesteigert werden, wie sie nur in einem totalitären Regime eine so große Bedeutsamkeit erlangen. Die Repräsentationsabsichten einer jeden politischen Regierungsform prägen die Stadtplanung und die Gestaltung von Platzanlagen und Wegesystemen.120 Je repräsentationsbedürftiger sich ein vor allem totalitäres oder absolutistisches System zeigt, umso konkreter werden diese Bedürfnisse in der Stadtplanung umgesetzt.

Im Nationalsozialismus sollte - aus „dem neuen Geiste wahrer Volksgemeinschaft“ entsprungen - die bauliche und ephemere Gestaltung der Straßen und Plätze „Millionen Volksgenossen die geziemende architektonische Einfassung geben“121. Wilhelm Lotz122 schrieb 1937 in dem Fachorgan Die Kunst: Die „alten städtebaulichen Elemente der Straße und des Platzes [haben] neues Leben und einen neuen Sinn bekommen. Das was man bisher nur als Verkehrsweg und bestenfalls als optisch wirkungsvolles Bild ange- sehen hat, das wurde zum Rahmen und Raum für die aufmarschierten Formationen“123. Auch der Kunsthistoriker Otto Stelzer proklamierte in seiner Dissertation: „Der städte- bauliche Charakter der neuen Baukunst zeigt ebenso wie unsere großangelegte Malstät- tenarchitektur, dass es uns nicht um den Innenraum geht. Unsere Baukunst ist in erster Linie Freiraumarchitektur.“124

Ob im Zuge der neuen Zentrumsplanungen der Großstädte, in gänzlich neu geplanten Siedlungen oder in der unberührten Natur, der Festplatz sollte die räumliche Umsetzung des Prinzips absoluten Gehorsams darstellen. An diesem Ort sollte sich die Volksge- meinschaft Jahr für Jahr versammeln und ihre Treuebekenntnisse dem „Führer“ schwö- ren. Entsprechend schrieb auch Speer: „Die Größenordnungen all dieser Projekte - ob es sich um das Zeppelinfeld in Nürnberg oder um die Große Halle in Nürnberg handelt - sind nur aus der Programmgestaltung zu verstehen.“125

Konform mit der Absicht, die kalendarischen Strukturen und zeitlichen Abläufe der Veranstaltungen zu reglementieren und zu ritualisieren, sollten auch „jeweils die glei- chen Räumlichkeiten und Örtlichkeiten immer wieder [benutzt werden], um [...] durch die Tradition und Gewohnheit sich mehr und mehr von materiellen Voraussetzungen zu lösen“, wie der Autor Hermann Roth 1938 in einem Heft zur Feiergestaltung prokla- mierte.126 Die „Gemeinschaft [sollte] über kurz oder lang wissen, wo ihre Feierstätte liegt. Sie wird damit zu einem Mittelpunkt, der uns den Sinn der Feiern, [..] erfüllen hilft.“127

Die Bedeutung dieser Bauaufgabe im Nationalsozialismus verdeutlicht die Aufnahme in den Nachtragsband von Wasmuths Lexikon der Baukunst von 1937, dem ‚Festplätze‘ eine gesonderte Eintragung wert sind.128 Dies zeigt, dass dieser Form von Architektur im Nationalsozialismus eine Sonderstellung zukam. Im selben Band ist auch das Stich- wort ‚Platzanlage‘129 nachzuschlagen. In einem Beratungsheft, Die Feier, heißt es 1938: „In vielen Gegenden Deutschlands sind nicht nur neue Feierstätten in großer Anzahl entstanden, sondern auch Kundgebungsplätze und -felder, dem Zweck, eine Gemein- schaft zu versammeln, wieder zugeführt worden..“130 (Abb. 11) Die Architekturhistori- kerin Anna Teut schrieb später, dass die „Aufmarschplatzgestaltung [...] den bedeu- tendsten Beitrag des Nationalsozialismus zur Baukunst des Jahrhunderts darstellt“131. Auch Hitlers ‚Hofarchitekt‘ Albert Speer wertete im Nachhinein „die Aufgaben für den Architekten [...] einen Rahmen für eine Kundgebung von mehreren hunderttausend Menschen“ zu schaffen, im Gegensatz zur Architektur, als das „einzig Neue und von der Ideologie her Verursachte“ im Nationalsozialismus.132 Die Gestaltung von Festplät- zen bekam einen Status, den sie in der deutschen Architekturgeschichte weder zuvor noch später jemals erhalten hatte.

2. Die sozialpolitische Aufgabe von öffentlichem Versammlungsraum

Im Nationalsozialismus ist es die „Disziplin und Ordnung, die das neue politische und staatliche Leben bestimmt, die den Feierstätten zwangsläufig die Gestalt schafft“133, wie es über den Königsplatz im Völkischen Beobachter heißt. Die zentrale Bedeutung des nationalsozialistischen Festplatzes lag in seiner volkserzieherischen Funktion. Nicht nur bei seiner direkten Nutzung. Feierräume sollten sogar als eine der „vielfältigen Bauauf- gaben der Jugend [...] alle erzieherischen Kräfte unserer Kulturarbeit auf das Glück- lichste vereinen“134, wie es 1937 der Leiter des Amtes Bildende Kunst formulierte. So- gar in Wohnvierteln wurde zeitgenössisch die zentrale Funktion der Straße „nicht ver- kehrs-technisch, sondern soziologisch definiert: ‚Die kleinste Einheit des Zusammen- wohnens ist die Siedlungsstraße als Nachbarschaft.‘“135 Dass gar eine KdF- Urlaubsanlage, wie das ‚Seebad der 20.000‘136, einen zentralen Festplatz erhalten sollte, verdeutlicht erst recht die pädagogische Aufgabe von Festplätzen, wenn dem Menschen sogar in seiner scheinbar apolitischen Freizeit seine Rolle als nur marginales „Element“ der totalitären Gesellschaft nicht nur vorgeführt, sondern stets erlebbar gemacht werden sollte. (Abb. 12)

Im Laufe der Geschichte war die Platzanlage schon immer Ort politischer Artikulation und Demonstration. Besonders geeignet ist ein Platz für die Repräsentation einer herr- schenden Gesellschaftsordnung und ihrer Wertvorstellungen - ob in ephemerer Form feierlicher Versammlungen oder in dauerhafter Umsetzung in der Architektur oder als Monument. In den frühesten Städten entstanden Plätze aus einem praktisch-nützlichen Bedürfnis heraus: als Marktplatz; als ein allgemein zugänglicher und für öffentliche Aktivitäten verfügbarer Ort; für den Handel oder zur Verteidigung. Politische Systeme, kulturelle Traditionen und ökonomische Funktionen beeinflussten schon früh die Ge- staltung des Platzes und seine umliegende Bebauung. In der griechischen Antike galt schon das Vorhandensein einer agora, der Marktplatz, als wichtiger Bestandteil des freien Handels und Glaubens.

Ihre Wichtigkeit erlangte die agora in ihrer politischen Funktion. Noch Aristoteles hatte proklamiert, genau diesen Zweck über Handelsaktivitäten zu stellen.137 Auch während der Französischen Revolution hatte dieses Anliegen zu neuen architektonischen PlatzKonzepten geführt, wie in den utopischen Entwürfen von Étienne Louis Boullée. Hier war „der eigentliche Ort dieser Utopie [...] der Festplatz“138, als „Inbegriff des Traums einer totalen Vergemeinschaftung“139. Der geschlossene Raum war hingegen, „so Guibourt, [...] einer Monarchie und einer Verwaltung vorbehalten, die sich dem Volk entfremdet hatten und die freie Öffentlichkeit fürchten mußten“140.

Während der Platz in einer Demokratie die freie Meinungsäußerung, ein öffentliches Kundtun von Ideen und Anliegen ermöglicht, kann der Platz ebenso zu einer besseren Kontrollierbarkeit der dort stattfindenden Ereignisse, also auch der Massen, dienen. Deswegen hat der Platz in totalitären Systemen stets große Bedeutung erlangt. Während der Platz also einerseits öffentliches Handeln zulässt, kann er andererseits restriktiv sein. Genau diese Ausformung prägt den Festplatz im Nationalsozialismus: „Da es nicht darum ging, der Masse zu ihrem Recht zu verhelfen und diese sich selbst verwirklichen zu lassen, d.h. ein politisches ‚Bewusstsein‘ zu entwickeln, kann der von Architektur umschlossene Raum bzw. Platz nicht als institutionalisierter Ort von miteinander in Kommunikation Tretenden angesehen werden.“141 Wie in den Utopien des späten Abso- lutismus verliert sich der Einzelne und bleibt „an eine Beziehung der Unterordnung [...],

den absolutistischen Staat gebunden, die die Individualität tendenziell vernichtet“142. Während bei den f ê tes r é volutionnaires 143 jedoch kein kompletter kultischer Bruch mit früheren Traditionen erfolgte - so feierte nicht der Herrscher, sondern alleine das Volk

-, wurde im Nationalsozialismus nach architektonischen Lösungen gesucht, die beide Anliegen ermöglichten: Die Huldigung Hitlers und des Volkes in einem Raum: Dort versammelt, um einerseits Zeuge und andererseits Partizipient von Ritualen und Selbstdarstellungen zu werden.144

3. Der städtische Platz als neues Zentrum der ‚Volksgemeinschaft‘

Da der Festplatz als Stätte genormter Bräuche und Rituale zu funktionieren hatte - und demokratische oder liberale Nutzungsmöglichkeiten geradezu verbannt werden mussten -, wurde es ab 1933 notwendig, Richtlinien und Kriterien für diese neue Bauaufgabe aufzustellen. In den Städten galt es, noch vor der geplanten architektonischen Umgestal- tung einen Platz oder Ort zu finden, der überhaupt ein Fassungsvermögen für zehn- oder gar hunderttausende Menschen hatte, was die Erweiterung und Umänderung bereits bestehender Plätze erforderte, die idealerweise eben nicht durch in der Platzmitte aufge- stellte Monumente wie Reiterstandbilder oder Brunnen unterbrochen wurden, die der jeweils herrschenden Gesellschaft unmittelbar auf dem Platz dauerhaft Ausdruck zu verleihen hatten. Der Aufwand richtete sich nach dem jeweiligen Zustand: Es folgten Auseinandersetzungen und Umänderungen der vorhandenen Platz-Architektur, mit der Ausrichtung der Zufahrtsstraßen, -wege oder Gassen und mit der Möblierung und Pflas- terung des Platzes.

In den Umgestaltungsplänen der Städte war der Festplatz wichtiger Bestandteil des Prinzips der „totalen Planung und Gestaltung“145 von Raum und entwickelte sich zu einem Schema, das aus einem Achsenkreuz, einem Festplatz und einer Kuppelhalle be- stand. (Abb. 13) Dieses Prinzip sollte in vereinfachter Form selbst auf Dörfer und Kleinstädte übertragen werden. Die Bauaufgabe, neue Festplätze für das ‚Dritte Reich‘ zu schaffen, umfasste daher nicht nur die Gestaltung von Hauptkundgebungsplätzen in den insgesamt fünf ‚Führerstädten‘ (Berlin, Hamburg, München, Nürnberg und Linz), die eine absolute Baupriorität hatten, sondern sollte alle 46 kleinen und mittelgroßen Gauhauptstädte146 miteinbeziehen, die per Reichsgesetz offiziell für eine Neu- oder Umgestaltung vorgesehen waren.

Bei jeder neuen Stadtgründung und Siedlungsplanung, sogar bei kleinen Gemeinden mit noch so geringer Einwohnerzahl, sollten Feierstätten und für kultische Massenspiele ‚Thingplätze‘147 errichtet werden. Sogar die mittelalterliche Form des Stadtangers wur- de diskutiert und als Platzform in Betracht gezogen.148 In den zeitgenössischen Fach- blättern und -zeitschriften sind die Ausschreibungen und Ergebnisse dieser Wettbewer- be dokumentiert, deren Vielzahl den Status dieser Architekturgattung nochmals verdeut- licht.

Auch in dem Bestreben, das Reichsgebiet in den Osten auszudehnen und dort „Ideal- städte“ anzulegen, sind monumentale Zentrumsplanungen nachzuweisen.149 Für Preß- burg, die Hauptstadt der Slowakei, die 1939 militärisch und außenpolitisch dem Deut- schen Reich als Satellitenstaat angegliedert wurde, war ein Wettbewerb für die Gestal- tung des nach dem Kriege zu erbauenden neuen Regierungsviertels ausgeschrieben worden. Auf einem unbebauten Gelände im Zentrum der Stadt sollten öffentliche Ge- bäude und Ministerien, eine Volkshalle, ein Ehrenplatz mit Siegessäule errichtet wer- den, die an einen 125 x 250 Meter großen Festplatz angrenzten. Der Platz sollte um drei bis vier Meter abgesenkt und mit Tribünen für 30.000 Personen versehen werden. Den nördlichen Abschluss hätte dann eine Volkshalle für 7.500 Personen gebildet.150

Der Neubau von Kultplätzen innerhalb der Stadt verdichtete sich in der Entwicklung des städtebaulichen Programms des ‚Gauforums‘151. Bereits 1933 zeichnete sich diese Entwicklung ab, in Konkurrenz zum historischen Stadtkern einen geschlossenen partei- politischen Komplex zu setzen, dessen Bestandteile ein Aufmarschplatz, ein Glocken- turm, ein Parteigebäude und eine große Halle waren.152 Vor allem in den Entwürfen der Gauforen, die ab 1936 nach einem Schema des Architekten Hermann Giesler153 in den Gauhauptstädten entstehen sollten, spielte der Fest- oder Aufmarschplatz eine zentrale Rolle. Als funktionales wie auch stilistisches Vorbild diente der umgestaltete Königs- platz in München. Sein erstes Schema für ein Gauforum hatte Giesler, stark von Hitler beeinflusst154, für Weimar, die ‚Geburtsstadt der deutschen Klassik‘, entwickelt, das sich in allen anderen Kreis- und Gauhauptstädten wiederholen sollte.155 (Abb. 14) Tat- sächlich blieb es das Einzige, das fast komplett ausgeführt wurde.156 Es bestand aus dem 92 x 165 Meter großen ‚Adolf-Hitler-Platz‘ (heute Carl-August-Allee), um den sich hierarchisch angeordnet das Reichsstatthalter- und Gaugebäude, der Gau- oder Glocken- turm, das Haus der Parteigliederungen, der Bau der DAF und die Gauhalle beziehungs- weise ‚Halle der Volksgemeinschaft‘, die insgesamt 15.000 Menschen fassen sollte, gruppierten.157 Dieses Prinzip wurde als beispielhaft für Neuplanungen angesehen. Bis 1938 häuften sich die Planungen und Entwürfe zu der reichsweiten städtischen Neuge- staltung. (Abb. 15) Bereits im Herbst 1938 wurden allerdings viele Projekte wieder ein- gestellt. Erst 1941 keimte wieder vereinzelt „eine neue, durch überzogene Monumenta- lität geprägte Planungsphase“ auf.158

In vielen Gauhauptstädten trat die vorhandene Altstadt mit der neuen Zentrumsplanung nicht nur in Konkurrenz, sondern wurde von ihr dominiert, was oftmals radikale Ein- brüche in die bestehende Stadtstruktur nach sich zog.159 (Abb. 16) Die neuen monumen- talen Bauten und Anlagen sollten die alten städtischen Maßstäbe übertreffen und die topographischen Proportionen der Stadtsilhouette verändern: Kirchturmspitzen wurden so förmlich auf die Größe eines Reiterstandbildes reduziert, historische Prachtstraßen zu Gassen miniaturisiert.

Das Fassungsvermögen und die Größe der Fest- Appell- oder Versammlungsplätze in den Gauhauptstädten entsprachen immer in etwa der Bedeutung der jeweiligen Stadt.160 Gleichzeitig sollte die Größe der Festplätze genau Hitlers Anliegen nachkommen, dass „der Maßstab der Einzelmenschen [...] dem Maßstab der Formationen“161 weichen solle. Enger gefasst noch hieß es im Völkischen Beobachter: „Nicht die Masse, sondern die Formation [...] sind letzthin doch der Grundmaßstab“162. So lautet es in einem Ratgeber zur Feiergestaltung über „Aufstellungsräume“ auf dem Festplatz: „Je 4 Mann gehen auf den Quadratmeter (dicht gedrängt 5 Mann).“163

IV. Der Festschmuck

1. Die Entwicklung eines Festschmuckapparates

Die Baukunst hat zu allen Zeiten an der Gestaltung der F[estdekoration] wesent- lich teilgenommen. In den vergänglichen Festaufbauten, in Holz, Stuck, Lein- wand, Papier, Farben und Grünschmuck bot sich ihr die Möglichkeit, viele künst- lerische Gedanken der schöpferischen Phantasie freier zum Ausdruck zu bringen, als in den für die Dauer berechneten Werkstoffen des Steins, Ziegels u. dgl.164

Wasmuths Lexikon der Baukunst, 1937

Der Brauch, zu besonderen Anlässen die wichtigsten Straßenzüge und Plätze einer Stadt auszuschmücken, reicht bis zum ersten Jahrhundert des letzten Jahrtausends zurück. Schon im antiken Rom wurde die Via Sacra mit Girlanden geschmückt. Oftmals fand der öffentliche Festschmuck eine denkmalhafte Umsetzung in der Schaffung von Tri- umphtoren, Siegesbögen und Ehrenpforten, die besonders in der Barockzeit dem Einzug des Herrschers huldigten.165 Im Nationalsozialismus wurden vielfach Schmückungs- elemente historischer Vorbilder herangezogen.166 Die zeitlich unmittelbarsten Vorbilder lieferten die Herrscherinszenierungen des Kaiserreiches, bei denen wichtige Abschnitte von Trauermärschen oder von Geburtstagsparaden durch Wappen, Fahnen und Grün- schmuck ausgekleidet wurden.167 (Abb. 17-19) Sogar die internationalen Weltausstel- lungen, deren Inszenierungen sich besonders durch die Verwendung moderner Medien, wie das Licht, auszeichneten, lieferten wichtige Vorbilder. Damit wurde eine Bandbrei- te von religiösen, politischen und sogar kommerziellen Vorbildern okkupiert.

Das Ziel war einen einheitlichen nationalsozialistischen Festschmuckapparat zu konsti- tuieren. So wurden die Hauptinszenierungsmittel, die sich bereits in der nationalsozia- listischen ‚Kampfzeit‘ etabliert hatten, Fackeln, Fahnen und Uniformen, im Wesentli- chen nach der ‚Machtergreifung‘ beibehalten und zu den fest verankerten politischen Feiertagen in unermessliche Dimensionen gesteigert: Textiles Material wie riesige Ha- kenkreuzfahnen flatterten an hohen Masten und meterhohe, breite Fahnenbanner wur- den in den städtischen Räumen wie Wände gespannt. Kilometerlange Grüngirlanden

umwanden Tribünenteile und schmückten die Hausfassaden ganzer Straßenzüge. Künst- liches und natürliches Licht (in Form des Feuers) wurden als Gestaltungselemente zur selektiven Akzentuierung oder Negierung nächtlicher Inszenierungsräume verwendet: Lodernde Bergfeuer leuchteten von den Gipfeln und die beim Marschieren getragenen Fackeln ließen Paradestraßen wie mit Lava durchzogen erscheinen. Mit elektrischem Licht wurden Staatsbauten illuminiert und das Rot der Fahnen zum Leuchten gebracht. Wie bei Theaterinszenierungen wurde Licht bei Veranstaltungsabläufen in statischer sowie in bewegter Form als dramaturgische Komponente eingesetzt. In höchst innovati- ver Form wurden ganze Lichträume mit diesem noch jungen Medium geschaffen. Als ephemeres Gestaltungsmittel diente ebenso die „menschliche Architektur“168: Die Mas- sen, die zuvor ungeordnet zu den Versammlungsplätzen geströmt waren, marschierten in gewaltigen gegliederten Marschsäulen heran und wurden im Festraum zum ‚Orna- ment der Masse‘169 (Kracauer) degradiert: „Gruppen von Fahnenträgern mit möglichst gleich gutem Wuchs, die zu beiden Seiten des Hoheitszeichens in guter Haltung auf- marschieren, wirken reich und festlich wie Standbilder“170, hieß es nach zeitgenössi- scher Ansicht. Schließlich bediente man sich ephemerer Aufbauten, wie sie aus dem Festschmuck seit jeher bekannt sind: Holztribünen, Schmuckaufbauten und riesige hohe Feuerpylone. 1937 bekam ‚Festdekoration‘, wie der ‚Festplatz‘, sogar einen eigenen Eintrag in Wasmuths Lexikon der Baukunst.171

Der ephemere Festschmuck bildete mit den Symbolen von Staat und Partei, die bei den Feiern und Massenveranstaltungen omnipräsent sein sollten, eine enge Synthese: Als eines der wichtigsten und ständig eingesetzten Inszenierungsmittel sorgten Fahnen für die Allgegenwärtigkeit und ständige Wiederholung des Parteiemblems Hakenkreuz172, das bereits seit um die Jahrhundertwende von verschiedenen Gruppen und Verbänden als politisches Symbolzeichen völkischer und antisemitischer Bestrebungen beschlag- nahmt und 1920 in die nationalsozialistische Parteifahne aufgenommen worden war. Auch die Uniformen173 der „menschlichen Architektur“ demonstrierten durch ihre An- ordnung und Farbe politische Zugehörigkeit und völkische Geschlossenheit und dienten als mobile Träger politischer Zeichen. (Abb. 20) Schon 1925 hatte der Kunsthistoriker und Reichskunstwart Edwin Redslob auf einen emotionellen Wert der Symbole hinge- wiesen: Sie würden als „gefühlsmäßige Momente“ helfen, „das ‚Staatsgefühl‘“ durch- zusetzen und dieses „im Herzen der Staatsbürger verankern“.174 Auch Hubert Schrade verwies auf deren Wichtigkeit, als er 1934 schrieb: „Der Nationalsozialismus hätte niemals zu der Bewegung werden können, wenn er symbollos aufgebrochen wäre.“175

Dieses Konglomerat aus christlichen, volkstümlichen und politischen Symbolen und sogar innovativen Gestaltungsmitteln diente dazu, auf der Basis vorhandener Rezepti- onsgrundlagen in den Festräumen die Massen aus dem Alltag herauszulösen176, um sie in das totalitäre System von „Führer“ und „Gefolgschaft“ einzubinden. Doch genauso wie der Bezug zu historischen und unmittelbaren Vorbildern bei der Konstituierung eines Festtagskalenders förmlich verleugnet wurde, band man die Feiermittel nur sehr selektiv und punktuell an ihre Vergangenheit an.177 Entsprechend schrieb auch Weidner: „...nicht nur bei den ausgesprochenen Festplatzgestaltungen, sondern auch bei den aus- gesprochenen Straßenausschmückungen [...] sind [...] Unterschiede gegenüber früheren Zeiten feststellbar.“178 Nicht nur zeitlich, sondern auch ästhetisch wurde mit der Schaf- fung eines betont nationalsozialistischen Festschmuckapparates suggeriert, es beginne auch mit dem Festschmuck die „neue“ Zeit.179

2. Die mediale Verbreitung politisch-ästhetischer Wirkungsabsichten

Zur Verbreitung und gleichzeitig zur Stilisierung der ästhetischen Absichten trug die staatlich gelenkte „Propaganda-Maschinerie” (Thomae) wesentlich bei. Kaum eine rituelle Handlung, ein Symbol oder ein Motiv blieb dem Moment verhaftet: Jeder politisch wichtige Akt und jede ästhetisch bedeutungsträchtige Szenerie wurde reproduziert. Besonders Memorabilien der nationalsozialistischen Feierlichkeiten und Staatsereignisse ließen „die Motive der NS-Kunst bis in den Alltag dringen“180. Offizi- elle Abzeichen181 und Plaketten, Festpostkarten, Briefmarken182 und Plakate (in denen auch ein Streben Hitlers nach Nachruhm deutlich wird) drangen in den öffentlichen und privaten Raum ein. Auch der Festschmuck fand seine Verbreitung auf Postkarten mit Ansichten geschmückter Festplätze, -straßen und Monumente. (Abb. 21 u. 22) Mit den in kleinen Bildformaten verkauften Aufnahmen, die sich kaum von Amateuraufnahmen unterschieden, ließen sich auch private Photoalben ergänzen und so die Erinnerungsqualitäten idealisieren, und es konnte eine Teilnahme signalisiert oder gar vorgetäuscht werden. Während sich die reichsweite Rundfunkübertragung auf die Verbreitung der akustischen Signale stützte, bediente man sich in der Auswahl des verbreiteten Bildmaterials der zentralen optischen Programmteile183, die noch heute die Rezeption dieser Massenveranstaltungen prägt.

Jedes reproduzierte Bild einer Masseninszenierung konnte durch verschiedene Bearbei- tungs- oder Reproduktionstechniken wie Retusche, Photocollage und -montage sowie durch selektive und ideale Standpunkte auf eine selektive, eng abgegrenzte Aussage limitiert, erweitert oder gänzlich neu konzipiert werden und fungierte als idealisierte Darstellung einer jeden politischen Inszenierung. (Abb. 23 u. 24) Besonders die Pres- sephotographie184 diente nicht nur der Multiplikation von Inszenierung und Symbol, sondern „der Stilisierung der nationalsozialistischen Selbstdarstellung“185. Durch die photographischen Reproduktionen war es überhaupt erst „möglich, die spezifische Äs- thetik im Zusammenwirken von steinerner und menschlicher Architektur auch fotogra- fisch eindrucksvoll zur Geltung zu bringen“186.

Von besonders gelungenen Inszenierungen wurden jährlich in der Presse dieselben Bil- der abgedruckt.187 Während realiter des öfteren Festakte oder Aufmärsche buchstäblich ins Wasser fielen188, konnte durch die Verwendung vermeintlich „dokumentarischer“ Bildmittel, also durch die Verwendung früherer idealer Aufnahmen, auch diese Kom- ponete verdrängt werden. Auch die Wochenschauaufnahmen dokumentierten individu- elle, besonders ästhetisch verwertbare Höhepunkte.189 Der Film bot sich vor allem dazu an, Bewegungsabläufe als weiteres Element idealisiert zu inszenieren.190 Je erfolgrei- cher die ästhetische Ausgestaltung einer Feier war, um so häufiger wurde sie wiederum in der Presse gezeigt. Aus diesem Grund sind Feiern wie die 700-Jahrfeier Berlins, die als misslungen galt, noch eher unbearbeitet.

[...]


1 Semper 1878, S. 213. Sperrung im Original.

1 DB 16/17.April 1935, S. 315.

2 Bis zur Machtergreifung waren die wesentlichen drei Gestaltungsmittel „um im öffentlichen Raum ohne öffentli- ches Handeln aufzutreten“ das Plakat, die Fahne und das gezeichnete Hakenkreuz. Bereits mit diesen Mitteln konnten Teile eines Ortes, wie Wände und Mauern, mit den Symbolen der Partei bemalt, behängt, beklebt und beschmiert werden. Siehe Schmeer 1956, S. 23. Zu den so genannten ‚Sturmtrupps‘ siehe: Balistier in Diesener/Gries 1996, S. 23-34 und Bytwerk in Diesener/Gries 1996, S. 35-50.

3 Alkemeyer/Richartz in Herrmann/Nassen 1994, S. 83.

4 Schmeer 1956, S. 6.

5 Welzer 1997, S. 40.

6 Wolters 1940, S. 10.

7 Vice versa erteilte Hitler 1943 den Befehl, wegen des totalen Krieges keine Kränze mehr zu bestellen, um in der Öffentlichkeit nicht den Anschein zu erwecken, es sei genügend Material vorhanden. BA Koblenz, R 43 II/1267a, S. 68 ff. Zit. nach: Ackermann 1990, S. 255.

8 Dieses Bewusstsein wird durch die gegenwärtige Verbreitung von Bild- und Filmmaterial unterstützt, das besonders den Umgang mit Lichtinszenierungen, wie zur Milleniumsfeier an der Berliner Siegessäule oder zum einjährigen Gedenken an das am 11. September 2001 zerstörte World Trade Center, prägt. Vor allem in der Lichtinszenierung der Eventgruppe ‚Art-in-Heaven‘ zur Milleniumsfeier glaubte die Presse Vorbilder Speers zu erkennen. Frappierender war jedoch m. E. der Einsatz zwei parallel zueinander in den Himmel aufsteigender Lichtstrahlen in New York, welche die zerstörten Zwillingstürme markierten. Die Umsetzung sphärendurchdringender Lichtsäulen ist gerade im Kontext der politischen Lage der Vereinigten Staaten als eindeutige Machtgeste zu lesen - umso erstaunlicher ist es daher, dass die Presse auf diese Lichtinszenierung eher unkritisch reagiert hat.

9 Zu einzelnen Festplätzen, wie zum Münchener Königsplatz, zum Berliner Reichssportfeld, wie auch zum Reichsparteitagsgelände in Nürnberg sind bereits wichtige Aufsätze und Publikationen erschienen, die in den entsprechenden Kapiteln herangezogen wurden und im beiliegenden Literaturverzeichnis aufgeführt sind.

10 Die Bezeichnung des Ephemeren (griechisch ephemeros), das Flüchtiges, Vergängliches, auf/für den Tag bezeich- net, wurde durch die Aufsatzsammlung Mo(nu)mente:Formen und Funktionen ephemerer Denkmäler geprägt, das 1993 von Michael Diers herausgegeben wurde. (Diers 1993). Zum Ephemeren siehe ebenfalls: Neumeyer in Imorde 1999.

11 Alkemeyer/ Körper, Kult und Politik 1996.

12 Wolf 1999.

13 Zu erwähnen sei die kurze Abhandlung „Aufmarschplätze“ von Karl Arndt in: Arndt/Koch/Larsson 1978, S. 118- 126. Hier umreißt der Autor verschiedene architektonische und nutzungsgebundene Merkmale der prominentesten Feierplätze in Berlin und Nürnberg.

14 Siehe dazu: Reichhardt/Schäche 1998.

15 Vgl. die programmatische Schrift von Hubert Schrade: Schicksal und Notwendigkeit der Kunst, Leipzig 1936. Weitere relevante Publikationen werden jeweils im Kontext der Arbeit und im Literaturverzeichnis aufgeführt.

16 Hubert Schrade entwarf als Heidelberger Universitätsprofessor die Festausschmückung der Aula der Neuen Universität und des Hauptsaals der Heidelberger Stadthalle im Jubiläumsjahr 1936. Hormann/Präger in Buselmeier/Harth/Jansen 1985, S. 338.

17 Ebd.

18 Die genauen Angaben hierzu sind im Literaturverzeichnis unter ‚Schrade‘ aufgeführt. 3

19 Weidner 1940.

20 Der Begriff der Inszenierung wird hier als „die bewußte propagandistische Zurschaustellung einer bestimmten politisch-ideologischen Idee, wenn nicht Programmatik“ verstanden und verwendet. Vgl. Behrenbeck/Nützadel 2000, S. 127 ff. und 149 f.

21 Die frühe historische Festkultur hat hingegen seit der Mitte der 80er Jahre in der Forschung zunehmend an Bedeu- tung gewonnen. Als Auswahl siehe: Baxmann 1989; Oechslin/Buschow 1984; Axel Stähler: ‚ Perpetuall monuments ‘ . Die Repräsentation von Architektur in der italienischen Festdokumentation (ca. 1515 - 1640) und der englischen court masque (1604 - 1640) Münster 2000; Giuse Radogna: Die ephemeren Festdekorationen anl äß lich der Medici- Hochzeiten von 1565 bis 1589 in Florenz. Ein Vergleich ihrer politischen Bedeutung; unveröffentlichte Magisterar- beit der Universität Kiel, 1998; Imorde 1999; Anne Spagnolo-Stiff: Festarchitektur im französischen Königtum (1700 - 1750); Weimar 1996; Lydia Kessel: Festarchitektur in Turin zwischen 1713 und 1773: Repräsentationsformen in einem jungen Königtum, München 1995; Roy Strong: Feste der Renaissance 1450-1650. Kunst als Instrument der Macht, Freiburg 1991; Hettling/Nolte 1993; Hugger 1987.

22 Herding/Mittig 1975. Hans-Ernst Mittig hat seitdem eine Reihe weiterer Aufsätze zu nationalsozialistischer Ästhetik verfasst, die in Teilbereichen der vorliegenden Arbeit dienlich waren. Diese sind an entsprechender Stelle und im Literaturverzeichnis aufgeführt.

23 Schmeer 1956; Vondung 1971; Thöne 1979. Als eine der ersten Schriften zu einer religiösen Einordnung des nationalsozialistischen Regimes siehe: Voegelin[1938]1993. In Anbindung an Klaus Vondungs und Karlheinz Schmeers Auffassung, in die sich auch die aktuellen Arbeiten von Yvonne Karow und Claus-Ekkehard Bärsch einreihen, folge ich dem Gedanken, den Nationalsozialismus als „innerweltliche Religion“ zu betrachten. Dementsprechend erfolgte eine „theologische“ Einordnung der Inszenierungsräume als Kulträume, welche die Untersuchung liturgischer Strukturen und zugleich in Religion und Kultus tradierte und verankerte Materialien wie Licht und Feuer ermöglichte. Siehe: Bärsch 1998; Karow 1997; Harten in Herrmann/Nassen 1994, S. 239-247.

24 Behrenbeck in Brock/Preiß 1990, S. 201-252.

25 Behrenbeck 1996. Besonders das Kapitel 3.3 ‚Kultbauten und Heilszeichen: Feierraumgestaltung und Symbolspra- che‘, S. 343-436. In ihren umfangreichen Untersuchungen hat die Autorin grundlegende Aspekte kultischer Funktio- nen und Phänomene dieser Masseninszenierungen, besonders im Hinblick auf den Totenkult, herausgearbeitet. Siehe auch: Behrenbeck 2000.

26 Da bei einem der Hauptkapitel der Naturraum eine vorrangige Bedeutung hatte, sei als Inspirationsquelle die Publikation Politische Landschaft von Martin Warnke hervorgehoben: Warnke 1992.

27 Die Forschungsstelle zur Politischen Ikonographie hat ihren Sitz im Warburg Haus Hamburg, die eine umfangreiche Bibliothek und einen Bildindex umfasst.

28 Hier sei das von Monika Wagner initiierte Materialarchiv des Kunstgeschichtlichen Seminars Hamburg erwähnt; Eine Text- und Bildsammlung zu Materialien in der Kunst nach 1945.

29 Wagner 2001. Siehe auch: Wagner/Rübel/Hackenschmidt 2002.

30 Zu diesen Fachzeitschriften gehören in erster Linie: Das Zentralblatt der Bauverwaltung, Die Baugilde, Der Baumeister und Die Kunst im Dritten Reich.

31 Bisher ist lediglich bekannt, dass in Nürnberg im Rahmen der Reichsparteitage ein Modell angefertigt wurde, das den Grünschmuck jeder Hausansicht festgelegte, wie auch den Fahnenschmuck. Siehe: Behrenbeck in Brock/Preiss 1990, S. 226. In einem zeitgenössischen Ratgeber heißt es: „Zur planmäßigen Gestaltung von Fassadenschmuck können selten Baupläne beschafft werden. Es genügen Skizzen, die auf durchscheinendem Detail-Zeichenpapier über Lichtbildern und Ansichtskarten rasch hingeworfen werden. Undeutliche Stellen werden freihändig ergänzt. Von diesen Skizzen können Lichtpausen gefertigt werden, die der Werbung und der Gleichschaltung der Mitarbeiter dienen.“ Kolbrand 1937, S. 140.

32 Zur Dezimierung des Schriftmaterials des nationalsozialistischen Regimes durch Vernichtungsmaßnahmen, Plünderungen und Zerstörungen in den letzten Kriegsmonaten siehe: Heinz Boberach: „Quellen zum Nationalsozialismus“, in: Enzyklopädie des NS 1998, S. 330-341.

33 Öfter finden diese Hefte und Ratgeber bei den Volkskundlern als Quellenmaterial Erwähnung, da sie Aufschluss darüber geben können, welche Festinhalte auf „unterster“ Volksebene verbreitet werden sollten.

34 Zu diesem Forschungsansatz siehe: Brockhaus 1997; Straub 1998. Für weitere Forschungen zu Betrachterperspek- tiven sei die 1997 gegründete interdisziplinäre Arbeitsgruppe zur Sozialstrukturforschung genannt: Ein Projekt „Zur Sozialpsychologie des NS-Geschichtsbewußtseins“ unter der Leitung von Harald Welzer am Psychologischen Institut der Universität Hannover. Den Mittelpunkt dieser Studien stellt die Frage dar, von welchen lebensgeschichtlichen Erfahrungen die Erinnerung an die NS-Zeit konstituiert wird. Zu der Dokumentation einer Bandbreite von Interviews und Befragungen sind in den letzten Jahren Stichwortkataloge erstellt worden. An Publikationen zu diesem For- schungsansatz siehe: Welzer 1997 und 2002.

35 Warnke 1992, S. 24.

36 Siehe: Gruber in Daidalos 49/1993, S. 81. Gruber bezieht sich hier auf das 1928 von Hermann Hösäus errichtete Gefallenendenkmal an der Außenseite der Kaiser-Wilhelm Gedächtniskirche zu Berlin, das an deren Bedeutung partizipierte.

37 Zu dauerhaften Materialien im Nationalsozialismus (und der Weimarer Republik) siehe: Fuhrmeister 2001.

38 Georg Friedrich Koch geht in Bezug auf das Reichsparteitagsgelände kurz auf diesen, wie er schreibt, „Wieder- spruch“ zwischen ephemeren und dauerhaften Materialien ein und behauptet: „Dadurch wird die Architektur selbst in ihren wesentlichen Elementen zur Folie ephemerer Dekoration.“ Koch in Arndt/Koch/Larsson 1978, S. 140.

39 So zum Beispiel Yvonne Karow: „Die Bühnen- und Dekorationsarchitektur gilt ausschließlich als Inszenierungshil- fe der Liturgie, eine Funktion, die als eine NS-spezifische bestimmt wird.“ (Karow 1997, S. 17). Siehe auch die Überschrift der „Kulissenarchitektur“ bei Karow 1997, S. 33. Siehe auch Vondung: „...in den nationalsozialistischen Feierräumen [wurde] die Hakenkreuzfahne oder die Führerbüste meist von Hoheitsadlern, Leuchtern oder ähnlichen Ausstattungsstücken flankiert. [...] Die Art der Requisiten [...] und ihre Verwendung [...] zeigen doch, dass über technische Gesichtspunkte hinaus versucht wurde, den christlichen Sakralraum nachzuahmen und die daraus resultie- rende konsekrierende Wirkung zu nutzen.“ Vondung 1971, S. 155. „Kultrequisiten“ S. 189-193.

40 Es wurden dabei Gedankenstränge weitergeführt, wie beispielsweise Dieter Bartetzko in einem Kapitel „Aus Fah- nen werden Pfeiler“, aufgeworfen hat. Siehe: Bartetzko/ Illusionen in Stein 1985, S. 62-70. Auch Volker Ackermann behauptet, dass Albert Speers Ausgestaltung von Hindenburgs Totenfeier, am 7. August 1934, im Tannenberg- Denkmal, das später von den Gebrüdern Krüger umgebaut wurde, die spätere Struktur beeinflusste: „Speer plazierte Hindenburgs Sarg so in die Mitte des Ehrenhofes, daß sich für den am Eingang des Denkmals stehenden Betrachter eine Fluchtlinie über Sarg, Rednerpult, Kreuz und Turm ergab. Auf diese Weise nahm er die Achsengliederung vor- weg, die später in das Achteck eine bestimmte, auf Hindenburg zulaufende Richtung brachte.“ Ackermann in Beh- renbeck/Nützenadel 2000, S. 99.

41 Dieser Forschungsbereich nahm 1969 mit Günter Bandmann seine Anfänge und erfuhr eine ihrer bisher gründlichs- ten Untersuchungen in den Studien Monika Wagners zum Material in der Moderne. Bandmann in Städel-Jahrbuch 2/1969, S. 75-100. Zu grundlegenden Überlegungen siehe auch: Kemp/ Ausst.Kat. 1976, S. 9-14 und Wagner 2001.

42 Siehe zu diesen kunsthistorischen Betrachtungskriterien: Warnke 1984.

43 Auf eine Vollständigkeit und eine Katalogisierung wurde in diesem Rahmen nicht hingearbeitet.

44 Rituale werden im Folgenden im Sinne einer Ausübung kultischer, religiöser Handlungen verstanden. Riten sind mit Bräuchen, beispielsweise volkstümlicher Art, gleichzusetzen. Zu nationalsozialistischen Ritualen siehe: Behrenbeck 1996; Gamm 1962; Voegelin[1938]1993; Loiperdinger 1987.

45 Der große Herder, Bd. 4/1932, S. 842, Stichwort: ‚Feste und Feiern‘.

46 Siehe dazu: Kratzer 1998, S. 143 ff. Zum allgemeinen Forschungsstand von Feiertagen des Nationalsozialismus siehe auch frühere Publikationen wie von Schmeer 1956; Vondung 1971; Schellack 1990.

47 „Die Topographie dieses unerschlossenen Areals erscheint umso dringlicher, als es sich keineswegs um festen Grund und Boden handelt, (...) sondern um Erscheinungen von höchst vergänglicher Natur.“ Schmeer 1956, S. 5.

48 Schmeer 1956, S. 25.

49 Roth 1938, S. 14 f.

50 Balistier in Diesener/Gries 1996, S. 25 ff.

51 Roth 1938, S. 19 f.

52 Der große Herder Bd. 4/1932, S. 842, Stichwort: ‚Feste und Feiern‘.

53 Siehe dazu: Baxmann 1989, S. 30 ff.; Schellack 1990, S. 7.

54 Hugger 1987, S. 11.

55 Hugger 1987, S. 12 f. „Während fünf Tagen sollen dabei die Leistungen der Gesellschaft in Wissenschaft, Agrikul- tur wie Kunst eben dieser Öffentlichkeit vorgeführt und bewußt gemacht werden.“ Oechslin/Buschow 1984, S. 49.

56 Canetti 1990, S. 445 f. Siehe auch: Aleida Assmann: Zeit und Tradition. Kulturelle Strategien der Dauer, Beiträge zur Geschichtskultur, Band 15, Hrsg. Jörn Rüsen, Köln/Weimar/Wien 1999.

57 Vondung 1971, S. 15 f. Mussolini hatte 1922 in Italien die Macht übernommen. Seine faschistische Partei war ab 1929 allein herrschend.

58 Vondung 1971, S. 16.

59 Zu germanischen Vorbildern siehe: Hamkens 1936, S. 7 ff.

60 Zu den Gesetzentwürfen und der legislativen Festlegung dieser Feiertage siehe: Karl-Heinz Minuth (Bearb.): Akten der Reichskanzlei, Regierung Hitler 1933-1938, Hrsg. für die Historische Kommission bei der Bayrischen Akademie der Wissenschaften, Bd. 1, Boppard 1983.

61 Dieser Gedenktag war erstmals 1890 mit Massendemonstrationen begangen worden. In der Weimarer Republik gab es mit Ausnahme von 1919 jedoch keine Durchsetzung als gesetzlichen Feiertag - im Unterschied zu vielen anderen Ländern, in denen dieser Tag ein gesetzlich geregelter Feiertag war. Vgl. Reichel 1991, S. 215. Zu National- feiertagen im Kaiserreich und in der Weimarer Republik siehe: Schellack 1990 bes. Kap. II und III.; Fricke: Kleine Geschichte des Ersten Mai. Die Maifeier in der Deutschen und internationalen Arbeiterbewegung, Frankfurt am Main 1980; Helga Stachow: Rituale der Erinnerung: Die Maifeiern der Hamburger Arbeiterbewegung zwischen 1890 und 1914, Schriftenreihe Arbeitskreis Volkskunde und Kulturwissenschaften 4, Marburg unveröffentlichte Magisterarbeit, Universität Hamburg 1994; Udo Achten (Hrsg.): Illustrierte Geschichte des 1. Mai, Oberhausen 1980.

62 Schellack 1990, S. 290. Am 1. Mai 1933 war noch gemeinsam mit den Gewerkschaften ein Sternmarsch in Berlin organisiert worden, an dem 1,5 Millionen Menschen teilnahmen. Doch bereits am nächsten Tag wurden die Gewerkschaftshäuser von der SA besetzt, das Gewerkschaftsvermögen beschlagnahmt und die führenden Gewerkschaftsfunktionäre verhaftet und durch die Deutsche Arbeitsfront (DAF) abgelöst. Zu dem Feiertag und zu der politischen Situation siehe: Dieter Fricke: Kleine Geschichte des Ersten Mai. Die Maifeier in der Deutschen und internationalen Arbeiterbewegung, Frankfurt am Main 1980; Lauber/Rothstein 1983; Schellack 1990.

63 „Die fortschreitende Neuzeit mit dem Einbruch der Technik entwurzelte - besonders in den Großstädten - die Menschen, löste sie aus Heimat und Volk und ließ sie von einem ‚Weltfeiertag‘ Glück und Freiheit erhoffen. Heute haben wir erkannt, dass einer Weltverbrüderung die Verbrüderung des eigenen Volkes vorangehen muß, und dass gerade die Arbeit ein Volk zusammenzuschließen vermag.“ Scharff 1934, S. 44.

64 Schellack 1990, S. 309.

65 Siehe zum Status des Arbeiters im Nationalsozialismus: Eberhard Heuel: Der umworbene Stand: Die ideologische Integration der Arbeiter im Nationalsozialismus 1933 - 1935, Dissertation Universität Marburg 1988, Frankfurt am Main u.a. 1989.

66 Whyte in Ausst. Kat. Kunst und Macht 1996, S. 44.

67 Vgl. Schellack 1990, S. 291.

68 Reichel 1991, S. 212. Siehe zum 1. Mai im Nationalsozialismus: Wieland Elfferding: „Von der proletarischen Masse zum Kriegsvolk. Massenaufmarsch und Öffentlichkeit im deutschen Faschismus am Beispiel des 1. Mai 1933“, in: Behnken/ Inszenierung der Macht 1987, S. 17-51; Lauber/Rothstein 1983.

69 Reichel 1991, S. 212 f.

70 Zu Heldengedenkfeiern in der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus siehe: Behrenbeck 1996, S. 282 ff.

71 Vgl. Kratzer 1998, S. 172.

72 Meyers Lexikon, Bd. 8, Leipzig 1928, S. 1034, Stichwort: ‚Nationalfesttage‘. 11

73 Vgl. Schellack 1990, S. 4.

74 Eichberg/Dultz u.a. 1977, S. 36 und Fn 51, S. 233.

75 Meyers Lexikon 1928, S. 1034, Stichwort: ‚Nationalfesttage‘.

76 Vgl. Enzyklopädie des NS 1998, S. 596, Stichwort: ‚Nationale Feiertage‘. Der 20. April war ansonsten kein gesetzlicher Staatsfeiertag. Siehe dazu weiter: Peter Bucher: Hitlers 50. Geburtstag. Zur Quellenvielfalt des Bundesarchivs. Beiträge zum Archivwesen, zur Quellenkunde und Zeitgeschichte, Hrsg. Heinz Boberach u. Hans Boom, Schriften des Bundesarchivs Bd. 25, Boppard 1971, S. 423-446.

77 Siehe dazu: Roth 1938, S. 9 ff., hier S. 14.

78 Roth 1938, S. 11 f. Diese Begriffe wurden geprägt von der ‚Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Glaubensbewegung‘. Vgl. Vondung 1971, S. 29.

79 Roth 1938, S. 11.

80 Enzyklopädie des NS 1998, S. 596, Stichwort: ‚Nationale Feiertage‘.

81 Thamer 1994, S. 420 f. Zu der Politisierung dieses Festes siehe: Faber/Gajek 1997.

82 Kratzer 1998, S. 168.

83 Vgl. Kratzer 1998, S. 166 ff.

84 Von Meyenn 1938, S. 15.

85 Wie bei den Arbeitern, die als „Menschenmaterial“ an den zentralen Maifeiern in Berlin teilnehmen mussten. Zur Kontrolle sollten sie vor und nach dem von der SA bewachten Aufmarsch ihre Arbeitskarten abstempeln. Bei Nichtteilnahme wurde mit fristloser Kündigung gedroht. Der „Anreiz“ war, dass ihnen dadurch der Tag als Arbeitstag vergütet wurde. Siehe dazu: François-Poncet 1947, S. 113 f. und Schellack 1990, S. 311.

86 Schmeer 1956, S. 66. Dies trifft sicherlich auch für weitere Feiertage zu. 14

87 Schmeer 1956, S. 17 und 19.

88 Cassirer 1945 1985, S. 371. In einer zeitgenössischen ideologischen Schrift heißt es entsprechend: Der National- sozialismus „ist eine ideelle Bewegung, die zunächst und ausschlaggebend auf dem Glauben und dem unbedingten Vertrauen zu ihrem Führer beruht. Sie ist eine Glaubensbewegung und wurzelt in einer Art von Bekehrung des ein- zelnen Menschen von außen nach innen, von sich selbst zur Gemeinschft.“Wille und Werk des NS [o.J.], S. 14. (LA Berlin F-Rep 240 Nr. 291 d.)

89 Welzer 1997, S. 41.

90 Siehe zu der „Erfindung“ von Traditionen: Eric J. Hobsbawm und Terence Ranger (Hrsg.): The invention of tradition, Cambridge 1999.

91 Canetti 1990, S. 445 f.

92 „Hitler mochte es nicht unter einem Tausendjährigen Reich tun.“ Canetti 1990, S. 445 f.

93 Enzyklopädie des NS 1998, S. 757, Stichwort: ‚Tausendjähriges Reich‘.

94 Von Meyenn 1938, S. 15.

95 Ausst. Kat. Adolphe Appia 1979, S. 13. Das Theater als Reflektor gesellschaftlichen Wandels, dafür waren schon die Inszenierungen Max Reinhardts am Deutschen Theater oder Edward Gordon Craig oder Georg Fuchs charakteris- tisch, die im Folgenden nur am Rande als Vorbilder untersucht werden. Zu Appia siehe auch: Bablet 1981; Giertz 1975.

96 Jeremy Noakes o.A. Nach Balistier in Diesener/Gries 1996, S. 27.

97 Siehe dazu: Balistier in Herrmann/Nassen 1994, S. 91 ff.

98 Schmeer 1956, S. 17.

99 Siehe: Balistier in Diesener/Gries 1996, S. 23-34.

100 Schmeer 1956, S. 22. Thomas Balistier weist darauf hin, dass die Propagandamärsche zum Teil auch scheiterten - zugleich in dem Zusammenhang auf die Gefahr hinweisend, dem „Mythos der Omnipräsenz nationalsozialistischer Propaganda“ zu erliegen. Ein Grund der „Legende“ zu verfallen, seien die von den Nazis verbreiteten und rezipierten „Selbstzeugnisse“ und „Tatsachenberichte“. Siehe Balistier in Diesener/Gries 1996, S. 27 ff.

101 Dippe-Bettmar 1938, S. 49.

102 Vgl. Herz 1994, S. 215.

103 Wie aus einem Heft zum Erntedanktag 1936 hervorgeht: „Die beispiellos große Kundgebung solle nicht nur die Kraft des Bauerntums zeigen, sondern auch eine sichtbare Kundgebung des Willens seiner Führung sein.“ Hardt 1936, S. 11. Den Teilnehmern der zentralen Maifeiern in Berlin gab man zu verstehen, es handele sich nicht, „um eine politische Tat, sondern um eine sozialistische Treueversicherung. Es handle sich darum, die Solidarität der Ar- beiterschaft, die Einheit aller durch die Heiligkeit der Arbeit Verbundenen, die deutsche Brüderschaft zu feiern“, wie der französische Diplomat und Botschafter André François-Poncet schrieb. François-Poncet 1947, S. 113 f.

104 Karow 1997, S. 23. Bei Karow auf die Sternmärsche zum Reichsparteitagsgelände bezogen.

105 Ebd.

106 Herz 1994, S. 214.

107 So zum Beispiel im Gedenken an die ‚Völkerschlacht‘ bei Leipzig am Sedanstag. Siehe dazu weiter: Ansgar Hense: Glockenläuten und Uhrenschlag. Der Gebrauch von Kirchenglocken in der kirchlichen und staatlichen Rechtsordnung (Dissertation der Universität Freiburg), Reihe: Staatskirchenrechtliche Abhandlungen, Bd. 32, Berlin 1998. Siehe dazu S. 183.

108 Ein Höhepunkt dieser Entwicklung stellte die Schaffung einer Olympischen Glocke, als zweitwichtiges neues Symbol für die Olympiade dar. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich Glockengeläut schon längst zur Markierung von Programmabschnitten von Propagandaveranstaltungen manifestiert. Auch diese stand in entscheidender Konkurrenz zu der christlichen Glocke. Bereits 1933 wurde betont, dass die Glocke (im selben Jahr von dem Glockenbildhauer Walter E. Lemcke entworfen und als Modell hergestellt) „in der Größe und von dem Ton der kleinen, etwa 60 Zent- ner schweren und fast mannshohen Glocke des Berliner Doms“ ausgeführt werden soll. „Kleine Nachbildungen der Glocke in verschiedenen Größen und in verschiedenen Metallen sollen als Erinnerungszeichen gegeben und auch an die Zuschauer verkauft werden.“Hannoverscher Kurier 331/18. Juli 1933. Zur olympischen Glocke siehe: Diem [1936]1967, S. 76.

109 Vgl. Schmeer 1956, S. 24. Auch kleinere Feiern wie die ‚Verpflichtung der Jugend‘, an denen nicht die gesamte Bevölkerung teilnahm, wurden, wie in diesem Falle am Vorabend, im Rundfunk als Feierstunde übertragen.

110 Damus in Schnell 1978, S. 127. In Bezug auf nationalsozialistische Feiern.

111 Siehe dazu vor allem: Vondung 1971, S. 113 ff.

112 Siehe zu spezifisch nationalsozialistischen Begriffen: Cornelia Schmitz-Berning: Vokabular des Nationalsozialismus, Berlin 1998.

113 Siehe dazu: Schievelbusch 1992, S. 83 und vor allem: Vondung 1971. Das ambivalente Verhältnis der nationalsozialistischen Ideologie zur Kirche wird innerhalb der Methoden deutlich, einerseits die christlichen Feste und ihre Dominanz im Alltagsleben der Bevölkerung zu verdrängen und sich gleichzeitig der christlichen Symbolik zu bedienen. Gerade diese Anleihen konnten an eine in der Bevölkerung bereits vorgeprägte Rezeption anknüpfen. In der Kunstgeschichte hat erst die neue Forschung, auf dieser Ambivalenz aufbauend, untersucht, inwiefern der Bau von christlicher Sakralarchitektur unter dem Regime weiterverfolgt wurde. Vgl. zur Rezeption und Bauvorhaben christlicher Sakralbauten im Nationalsozialismus: Clemens-Schierbaum 1995. Siehe auch: Fuhrmeister in Ausst. Kat. Clemens Holzmeister 2000; Brülls 1994; Karnapp in Nerdinger 1993.

114 Roth 1938, S. 28.

115 „Dazu haben sich zum Beispiel schon entwickelt der feierliche Einmarsch der Fahnen, das Aufhängen oder das in die Flammen werfen von Kränzen beim Totengedenken, die gemeinsam gesprochenen Bekenntnisse [...], die auch gesungen werden, oder auch eine feierliche Form des einzeln gesprochenen Kurzgedichts oder des Gesanges, die für uns etwa die ähnliche, wenn auch größere Bedeutung hat, wie das Gebet für die Kirche.“ Dippe-Bettmar 1938, S. 49.

116 Siehe dazu: David Bankier: „Vorstellungswelt und Wirklichkeit im Dritten Reich“, in: Arnold Harttung (Hrsg.): Dieöffentliche Meinung im Hitler Staat. Die ‚ Endlösung ‘ und die Deutschen; eine Berichtigung, Berlin 1995. S. 25 ff. Bankier vergleicht Presseartikel über Massenveranstaltungen mit internen Berichten. Freundlicher Literaturhinweis von Torsten Koch, Hannover. Siehe dazu auch: Brockhaus 1997.

117 Vgl. Enzyklopädie des NS 1998, S. 450, Stichwort: ‚Erntedanktag‘. Hier bezogen auf die Erntedankfeste. 19

118 Umlauf 1941 in Teut 1967, S. 331.

119 Speer 1969, S. 63 ff. Nach Vondung 1971, S. 150. Zum Kennzeichen der Monumentalität und der Weihe nationalsozialistischer Feierstätten siehe weiter: Ebd., S. 150 ff.

120 Trotzdem erfüllte im Nationalsozialismus die Straße (in Form von Zugangs- und Zufahrtsstraßen zu den Festplätzen und der Reichsautobahn) vielfach pragmatische, wirtschaftliche und militärische Funktionen, die dem Organisationsfanatismus des Regimes entsprachen. Bereits Napoleon hatte die ‚Nationalstraße‘ als Eroberungs- und Besatzungsmittel angelegt, das schon im Altertum als Träger militärischer Transaktionen diente. Die Straße diente ebenso der Propagandaverbreitung - vergleichbar mit dem Spannen von Eisenbahnnetzen im 19. Jahrhundert, als Medium fortschreitender Kommunikation. (Vgl. Wolfgang Schivelbusch, Geschichte der Eisenbahnreise. Zur Industrialisierung von Raum und Zeit im 19. Jahrhundert. Frankfurt/M. 1989.)

121 Wasmuths Lexikon der Baukunst 5/1937, S. 188, Stichwort: ‚Festdekoration‘.

122 Wilhelm Lotz war einer der wichtigsten Mitarbeiter des Werkbundmitgründers Walter Riezler und Herausgeber der Zeitschrift Die Form. Vgl. Rabinbach in Schnell 1978, S. 70.

123 Lotz in Die Kunst 75, 8/Mai 1937, S. 239. Zit. nach Behrenbeck in Brock/Preiß 1990, S. 225.

124 Stelzer 1939, S. 90.

125 Speer in Reif 1979, S. 40.

126 Roth 1938, S. 66.

127 Ebd.

128 Wasmuths Lexikon der Baukunst 5/1937, S. 188, Stichwort: ‚Festplätze‘.

129 Hier heißt es: „Man [kann] die Plätze etwa einteilen in: Verkehrsplätze und Parkplätze, Bahnhofsplätze, Marktund Versammlungsplätze (Aufmarschplätze), Architekturplätze, Erholungsplätze. Selbstverständlich ist die Grenze zwischen den einzelnen Plätzen häufig fließend.“ Versammlungsplätze werden als Plätze definiert, die „in der Nähe, aber doch abseits vom Verkehr liegen. [...] Schon im Altertum war der Versammlungs- oder Ratsplatz [...] getrennt.“Wasmuths Lexikon der Baukunst 5/1937, S. 439, Stichwort: ‚Platzanlage‘.

130 Roth 1938, S. 65.

131 Teut 1967, S. 181. Anna Teut war eine zeitgenössische Architekturkritikerin. Diese Einordnung ist somit verflochten mit zeitgenössischen Tendenzen und Auffassungen.

132 Pehnt 1989 (Albert Speer im Gespräch), S. 128. Das neue Tätigkeitsfeld für den Architekten, das gleichzeitig als Ausdruck für eine „florierende“ Bauwirtschaft gesehen werden konnte, wurde auch in der zeitgenössischen Presse propagiert, wie zum Beispiel: „Ein Architekt [...] er sitzt tief über eine Arbeit gebeugt, der junge Architekt. Das Städtchen Boizenburg/Elbe sucht einen Bebauungsplan für einen Adolf-Hitler-Platz; Hamburger Architekten sind zum Wettbewerb zugelassen. [...] Wir sehen eine helle Zukunft vor uns.“Hamburger Anzeiger (Sonderbeilage „Fünf Jahre und wie wir sie erlebt haben“) vom 30. Januar 1938.

133 VB (Sonderausg.) 30. Jan. 1936.

134 So auch Hartmann: „Von den vielfältigen Bauaufgaben der Jugend sei hier die eine behandelt, in der sich alle erzieherischen Kräfte unserer Kulturarbeit auf das Glücklichste vereinen: Der Bau unserer Feierräume.“ Hartmann [1937]in Wulf 1983, S. 196.

135 Reichsheimstättenamt der NSDAP und der DAF (Hrsg.) 1934, S. 23. Zit. nach Münk 1993, S. 212. An anderer Stelle heißt es: „Der Platz in der Siedlung ist lange vergessen worden. [...] Es fehlte von vornherein der Willen zur Gemeinschaft und damit auch die zwingende Notwendigkeit für den Platz. Was die Straße für die Wohnnachbar- schaft ist, ist für die Gemeinde der Platz. Er ist im besten Sinne der Siedlungsmittelpunkt.“ Reichsheimstättenamt der NSDAP und der DAF (Hrsg.): Heft 4, Siedlungsplanung, Leipzig 1934, S. 7. Zit. nach Münk 1993, S. 211. Dieter Münk untersucht im Kern seiner Arbeit, inwiefern die Machtstrukturen öffentlicher Bauten auch auf das Siedlungs- wesen übertragen wurden und das Netz politischer Bedeutungsinhalte dadurch engmaschiger wurde. Das Prinzip, in einem Siedlungsraum vor allem sozialkulturelle und ideologische Wertmuster zu fordern, gehörte, nach Münk, zu einem der zentralsten Anliegen der Stuttgarter Schule und des Architekten Heinz Wetzel, dessen Theorien und Ent- würfe stark von mittelalterlichen Vorbildern in der Siedlungsplanung geprägt waren.

136 Das noch zum größten Teil erhaltene, aber nie ganz fertig gestellte und vor allem nie in Betrieb gegangene ‚See- bad der 20 000‘ in Prora auf der Insel Rügen war unter Arbeitsminister Robert Ley von dem Kölner Architekten Clemens Klotz zwischen 1936 und 1939 errichtet worden und erhielt auf der Pariser Weltausstellung 1937 einen ‚Grand Prix‘. Die insgesamt 4,5 Kilometer lange KdF-Anlage wurde parallel zur Küste in einem riesigen kammarti- gen Kreisbogen errichtet, mit schubladenartig bis an den Strand vorgezogenen Gebäudeteilen. Die je zwei etwa zwei Kilometer langen Abschnitte waren durch Restauranttrakte, Kasinos und Tanzsäle „aufgelockert“ und in regelmäßi- gen Abständen durch gläserne „Liegehäuser“ unterbrochen, in denen sich die Urlauber sonnen und an Fitnessgeräten stählen sollten. Das Zentrum der Anlage bildet der Festplatz, an dem die zwei Gebäudetrakte mit je sechs Geschossen südlich und nördlich angrenzen. Auch hier handelt es sich wieder um einen quadratischen Fest- beziehungsweise Versammlungsplatz mit einer Gesamtgröße von 400.000 Quadratmetern, der durch große Treppen mit einem 80 Meter in das Meer hineinragenen Landeplatz verbunden ist - vermutlich für messianische Anflüge Hitlers. Geplant war ferner, auf dem Festplatz eine riesige säulengeschmückte „Halle der 20.000“ für Massenveranstaltungen zu bauen, die allen 20.000 Urlaubern Platz bieten sollte, von der allerdings bis zum Baustop bei Kriegsausbruch 1939 nur noch eine Randbebauung fertig gestellt wurde. Vgl. Dankwart Guratzsch: „Auferstanden aus Ruinen“, in: Die Welt vom 13.10.2000; Weihsmann 1998, S. 185. An weiterführender Literatur siehe: Bernfried Lichtnau: Prora auf Rügen. Das unvollendete Projekt des 1. KdF-Seebades in Deutschland. Zur Geschichte und Baugestaltung, Peenemünde 1998; Jürgen Rostock und Frank Zadnicek: Paradiesruinen. Das KdF-Seebad der Zwanzigtausend auf Rügen, Berlin 1992.

137 Webb 1990, S. 29.

138 Harten/Harten 1989, S. 115.

139 Harten 1994, S. 155. Harten nennt hier die Idee des cirque national, ein Amphittheater, konzipiert für die großen Feste der Nation. Siehe dazu: Ebd. S. 115 ff. Siehe zu weiteren Vorbildern: Ausst. Kat. Revolutionsarchitektur. Ein Aspekt der europäischen Architektur um 1800, Hrsg. Winfried Nerdinger u.a., Deutsches Architekturmuseum Frankfurt am Main, München 1990; Klaus Jan Philipp (Hrsg.): Revolutionsarchitektur. Klassische Beiträge zu einer unklassischen Architektur, Braunschweig [u.a.] Vieweg 1990.

140 Harten/Harten 1989, S. 113.

141 Jochen Kunst: „Architektur und Macht, Überlegungen zur NS-Architektur“, in: Mitteilungen, Kommentare und Berichte der Phillipps-Universität Marburg Nr. 3, 1971, S. 51-56, hier S. 52. Zit. nach Münk 1993, S. 129.

142 Harten 1994, S. 115.

143 Vgl. dazu: Oechslin/Buschow 1984, S. 43.

144 In Bezug auf die absolutistische Ausrichtung von Massen siehe dazu: Harten 1994, S. 115 f.

145 Teut 1967, S. 181.

146 Vgl. dazu: Weihsmann 1998, S. 241 ff. Diese Zahl bezieht sich auf den Stand vom Frühjahr 1938, einschließlich ‚Ostmark‘, und umfasst die bis dahin gebildeten 40 Gaue. 1933 waren es noch 32, einschließlich Danzig und Königsberg. Siehe weiterführend dazu: Michael Rademacher: Handbuch der NSDAP-Gaue 1928-1945. Die Amtsträger der NSDAP und ihrer Organisationen auf Gau- und Kreisebene in Deutschland und Ö sterreich sowie in den Reichsgauen Danzig-Westpreußen, Sudetenland und Wartheland, Vechta 2000.

147 Zu Thingplätzen siehe eine kurze Abhandlung mit weiterführender Literatur in der vorliegenden Arbeit: ‚Der Bückeberg als germanische ‚Thingstätte‘‘S. 155 ff.

148 Der Anger ist die platzartige Erweiterung einer Straße. Eine zeitgenössische Definition lautet wie folgt: „Der Stadtanger [...] gibt der neuen Stadtmitte das neue Gesicht. Von seinem südlichen Ausgangspunkt, dem Fernbahnhof, bis zu dem Thingplatz, dem Heiligtum der Stadtgemeinde im Norden, ist er der von dichten Baumreihen gesäumte heilige Weg der Stadtgemeinschaft.“ Simon in DB 10/4. März 1936, S. 196.

149 Vgl. Nerdinger/ Bauen 1993, S. 29.

150 Vgl. Weihsmann 1998, S. 1141.

151 Siehe ausführlich dazu: Wolf 1999.

152 „Grundsätzlich wünscht der Führer in allen Gauhauptstädten die Errichtung eines Gauforums, an dem in der Hauptachse die Parteibauten, eine Gauhalle, ein Kundgebungsplatz, ein Glockenturm aber auch die Behörde des Reichsstatthalters einen Sitz hat.“ Speer am 26. August 1941, Nachdruck in Dülffer/Thies/Henke, S. 66. Zit. nach Weihsmann 1998, S. 30.

153 Zu Giesler siehe: Hermann Giesler: Ein anderer Hitler, Bericht seines Architekten. Erlebnisse, Gespräche, Reflexionen, Leoni am Starnberger See 1982.

154 Siehe zu dem Eingreifen Hitlers in die Planungen der Gauforen: Wolf 1999, S. 31 f. 25

155 Siehe weiterführend dazu: Hermann With: „Das Weimarer ‚Gauforum‘: Geschichtszeugnis-Sachzeugnis- Denkmal?“, in: Vergegenständlichte Erinnerung. Ü ber Relikte der NS-Architektur, Hrsg. Gerd Zimmermann und Christiane Wolf, Weimar 1999, S. 47-53.

156 Unvollendet blieb der Glockenturm, mit der zweitgrößten Glocke Deutschlands, von dem heute nur noch Überreste bestehen. Vgl. Weihsmann 1998, S. 871. Siehe ausführlich zur Baugeschichte: Wolf 1999, S. 65 ff.

157 Weihsmann 1998, S. 870 f. und 874. Nach 1945 nutzten die sowjetische Militäradministration sowie DDR- Behörden die Gebäude. Nach der Wende kam das Landesverwaltungsamt hinzu. Die Halle, erst in den 60er Jahren vollendet, diente aufgrund eines fehlenden Nutzungskonzeptes lange Zeit nur als Lagerraum. Im Kulturstadtjahr 1999 wurde die Mehrzweckhalle als Ausstellungszentrum genutzt. Die Treuhand Liegenschaftsgesellschaft vermietete sie an die Kunstsammlungen. Auf 18.000 Quadratmetern wurden dort zwei Ausstellungen gezeigt: Eine Rückschau auf die NS-Kunst sowie rund 500 Gemälde aus DDR-Zeiten, die der Treuhand Anfang der 90er bei der Auflösung von Parteien und Massenorganisationen zufielen. Homepage des MDRs (Mitteldeutscher Rundfunk), „Weimar virtuel- le“/Orte, Quelle: http://www.mdr.de/weimar99/daten_de/orte/gauforum.html. Zuletzt eingesehen am 29. April 2002.

158 Nerdinger/ Bauen 1993, S. 37.

159 Vgl. Nerdinger/ Bauen 1993, S. 29: Winfried Nerdinger bezieht sich hierbei auf die Gauhauptstädte in Bayern; München, Augsburg, Bayreuth, Nürnberg und Würzburg. Diese Tendenz kann aber auch bei anderen Städten verfolgt werden. So plante der Architekt Hubert Groß in Würzburg eine Achse, die über den Main verlaufen sollte, sodass das neue Zentrum der Altstadt gegenüberstand, was aber gleichzeitig den Abbruch mehrerer Altbauten vorausgesetzt hätte. Nerdinger/ Bauen 1993, S. 29. Vgl. auch Weihsmann 1998, S. 912 f.

160 Für Hamburg war eine Platzfläche von 250 x 360 Metern für 350.000 Menschen vorgesehen. Im Gegensatz zu Berlin, wo die Ausmaße 300 x 800 Meter für 500.000 Menschen betragen sollten. Weihsmann 1998, S. 22.

161 Petsch 1976, S. 94, Anm. 115.

162 Lotz in VB (Sonderbeilage) 5. Sept. 1937.

163 Kolbrand 1937, S. 125.

164 Wasmuths Lexikon der Baukunst 5/1937, S. 182, Stichwort: ‚Festdekoration‘.

165 Zu historischen Tribünen und Toren siehe: Adolf Reinle: „Vergängliche und dauerhafte Festarchitektur vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert“, in Hugger 1987, S. 129 ff.

166 Zu historischen Vorbildern einzelner Schmuckbauten siehe: Weidner 1940, Kapitel: „Die Bestandteile des Berliner Festschmucks“, S. 165-183.

167 Siehe dazu: Ackermann 1990, S. 240 ff.

168 „Menschliche Architektur“ ist ein zeitgenössischer Begriff. Vgl. Schrade in NS Monatshefte 51/Juni 1934, S. 512.

169 Zum ‚Ornament der Masse‘ siehe: Kracauer 1977, S. 50 ff.

170 Kolbrand 1937, S. 125.

171 Wasmuths Lexikon der Baukunst 5/1937, S. 182, Stichwort: ‚Festdekoration‘.

172 Schmeer 1956, S. 13; Hattenhauer 1998. Siehe an zeitgenössischen Schriften: Rosenberg 1933, S. 688 u. 701; Lechler 1934.

173 Siehe: Schmeer 1956, S. 13 f. Die Ent-Individualisierung des Einzelnen durch das Tragen von Uniformen wird in der nachfolgenden Beschreibung deutlich: „Das Gewoge der vielen Menschen in den Strassen der Stadt der Parteitage wird immer stärker. Zu den vielen Uniformen, die schon in den letzten Tagen das Bild beherrschten, kommen nun auch die Politischen Leiter...“Presseschreiben, Deutsches Nachrichtenbüro Nürnberg vom Sept. 1936, Blatt 22 (Sta N C7/1 936).

174 Redslob 1925, S. 58. Zit. nach: Ackermann 1990, S. 253. Siehe zu Biographischem: Edwin Redslob: Von Weimar nach Europa, Erlebtes und Durchdachtes, Berlin 1972.

175 Schrade 1934, S. 10.

176 Zu den Gegensätzen zwischen Alltag und Feiertag siehe: Schievelbusch 1992, S. 83 ff.; Alkemeyer in Dreßen 1986, S. 76; Herding/Mittig 1975, S. 8.

177 Bei Weidner wie auch in Wasmuths Lexikon der Baukunst werden historische Festschmucktraditionen genannt, ohne sie allerdings in direkte Verbindung mit dem nationalsozialistischen Festschmuck zu setzen. Vielmehr dienen sie dazu, die Übersteigerung ihrer Größenverhältnisse zu demonstrieren. In Beratungsheften und Zeitschriften sowie in der Presse werden diese Bezüge nicht genannt.

178 Weidner 1940, S. 190.

179 Zu dem Prinzip der „neuen Zeit“ siehe: Canetti 1990, S. 445 f.

180 Siehe weiter dazu: Mittig in Wagner 1991, S. 457 f.

181 Bei den Reichsparteitagen waren zum Beispiel die Eintrittskarten nur in Verbindung mit diesen Abzeichen, die über das ganze Jahr verkauft wurden, gültig. So wurde der Besucher regelrecht zu seinem Besitz und zum Anstecken dieser Abzeichen gezwungen, die gleichzeitig als Zeichen der aktiven Teilnahme galten. Wie die Verweigerung des Hitlergrußes konnte so optisch eine Teilnahmeverweigerung gedeutet werden. Mit dem Verkauf der Plaketten zu den Reichsparteitagen beispielsweise wurde nicht nur ein Teil der Kosten gedeckt (der Erlös betrug 1936 immerhin 1,5 Millionen Reichsmark), sondern sie dienten auch als Teilnahmeappell. Darüber hinaus wird deutlich - besonders im Zusammenhang mit den Sondermarken -, dass die Allgegenwärtigkeit dieser Feste sich bis ins kleinste Detail voll- zog.

182 Siehe weiterführend dazu: Hans-Jürgen Köppel: Politik auf Briefmarken. 130 Jahre Propaganda auf Postwertzeichen, Düsseldorf 1971.

183 Siehe dazu: Herz 1994, S. 230. Vgl. dort in Bezug auf das Reichsparteitagsband ‚Parteitag der Macht‘ von 1934, S. 226 ff.

184 Der Münchener Photograph Heinrich Hoffmann, der als Hitlers Reichsphotograph fungierte, trug wesentlich zur photographischen Inszenierung des Führerkultes bei. Zu Hoffmann siehe die umfangreiche Publikation: Herz 1994.

185 Herz 1994, S. 330 f.

186 Ebd. nach Hinz.

187 Wie der eigens für photographische Aufnahmen nachinszenierte Fackelzug zur Machtergreifung im Januar 1933.

188 In Goebbels Tagebüchern sind fast in jedem Eintrag kurze Bemerkungen über das Wetter. So schrieb er beispiels- weise am 14. September 1936: „Gestern: herrlicher Sonnentag. Früh Luitpoldhain. Im großen Stil, nach altem Ritus, aber diesmal ohne Panne. S.A. und S.S. Appell. Ergreifend. Fast eine religiöse Zeremonie.“ Goebbels/ Tagebuch 1936/1937 2001, S. 182.

189 Burden 1967, S. 94. Hier bezogen auf die Reichsparteitage nach 1935.

190 Vice versa schrieb Burden: „Es gibt keinen Zweifel, dass die Choreographie der Massen, in perfektem Urwerkrhytmusticken vor einem teuren und spektakulärem Hintergrund, nicht lediglich für den momentanen Effekt auf die Teilnehmer und Besucher gemacht wurde, sondern auch, um auf Celluloid - für nationale und internationale Propagandazwecke - festgehalten zu werden.“ Burden 1967, S. 94.

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Titel: Ephemere Kulträume. Raum und Material nationalsozialistischer Masseninszenierungen. 1933-1939