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Armut und Behinderung. Die Wechselwirkung beider Faktoren

Seminararbeit 2016 14 Seiten

Soziologie - Soziales System, Sozialstruktur, Klasse, Schichtung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abstrakt (deutsche Fassung)

Abstract (English version)

Einleitung

1. Begrifflichkeiten
1.1 Armut
1.1.1 Absolute Armut
1.1.2 Relative Armut
1.2 Behinderung

2. Die Wechselwirkung zwischen den Faktoren Armut und Behinderung
2.1 Armut als Ursache von Behinderung
2.2 Behinderung als Ursache von Armut

3. Situation in Österreich

4. Resümee

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abstrakt (deutsche Fassung)

Diese Seminararbeit geht um den Zusammenhang zwischen Armut und Behinderung. Die Begriffe „Armut“ und „Behinderung“ werden erklärt und die Beziehung beider Merkmale zueinander erläutert. Zum einen wird angeführt, wie Armut Behinderung beeinflusst und zum anderen wird gezeigt, wie Behinderung zu Armut führt. Zudem gibt die Arbeit einen Überblick wie sich dieser Zusammenhang auf Lebenssituationen von Menschen mit Behinderung in Österreich auswirkt.

Abstract (English version)

This seminar paper deals with the relationship between poverty and disability. The terms "poverty" and "disability" are explained and the interaction of both characteristics is illustrated. On the one hand the paper tries to show how poverty affects disability and on the other hand draws attention to the impact of disability on poverty. In addition, the paper gives an overview how this relationship affects life of people with disabilities in Austria.

Einleitung

Armut in reichen Industrieländern ist nicht mit Armut in Entwicklungsländern, wie zum Beispiel Angola, zu vergleichen. Jedoch dreht sich Armut nicht nur um ein zu geringes Einkommen, sondern auch um den „Mangel an Möglichkeiten, um an den zentralen gesellschaftlichen Bereichen zumindest in einem Mindestausmaß teilhaben zu können.“ (Schenk [2007], 243f) Der Mangel an Möglichkeiten kann einerseits von nicht vorhandenen finanziellen Ressourcen ausgehen, aber andererseits auch von physischen, psychischen und funktionellen Beeinträchtigungen. So ergibt sich die Tatsache, dass Armut und Behinderung in einem engen kausalen Zusammenhang stehen. Dies trifft wiederum auf alle Sozioökonomien, Österreich und Angola eingeschlossen, zu. Dementsprechend ist dieser Sachverhalt ein Phänomen, welches sich rund um den Globus antreffen lässt und arme Menschen weltweit einem erhöhten Behinderungsrisiko ausgesetzt sind, sowie Menschen mit Behinderungen meist armen Bevölkerungsgruppen angehören.

Aufgrund dieser Hintergründe ergeben sich folgende Fragen, zu denen die vorliegende Arbeit versucht Antworten zu finden:

„Inwiefern besteht ein Zusammenhang zwischen den Faktoren Armut und Behinderung? Wie beeinflusst Armut Behinderung bzw. Behinderung Armut?“

Anhand von Literaturrecherche wird sich bemüht diese Fragen zu klären. Zunächst werden die Begriffe Armut und Behinderung versucht zu definieren. Dabei werden zwei unterschiedliche Auffassungen von Armut dargelegt, die im Kontext der Armutsberichterstattung relevant sind und in der Literatur immer wieder vorkommen. Danach wird auf die Wechselwirkung beider Faktoren näher eingegangen. Anhand eines Modells wird ein grober Überblick über die hier nicht in ihrer ganzen Differenziertheit beschriebenen Zusammenhänge von Armut und Behinderung gegeben. Darauffolgend wird zuerst untersucht wie Armut Behinderung bedingt und danach skizziert, wie Behinderung zu Armut führen kann. Darauf folgt eine Darstellung dessen, wie sich dieser Teufelskreis auf Lebenslagen in Österreich niederschlägt.

1. Begrifflichkeiten

Bevor Inhaltliches folgt, versucht der folgende Abschnitt die Begriffe Armut und Behinderung zu definieren. Dabei wird auf die verschiedenen Unterscheidungen von Armut Rücksicht genommen, die im Kontext der Seminararbeit und der politischen Armutsberichterstattung von Relevanz sind.

1.1 Armut

Grundsätzlich stellt Armut einen Begriff dar, bei dem angenommen wird, dass ohnehin selbstverständlich sei, was darunter zu verstehen ist, da er in der Alltagssprache fest verankert ist. Dies schützt jedoch nicht vor fälschlichen Auffassungen oder Fehlinterpretationen des Termini (Hajek 2013, 50).

Unter der alltagssprachlichen Verwendungsweise des Wortes Armut wird allgemein ein Mangel verstanden (Brodbeck 2009, 59). Dieser grundsätzliche Mangel kann genauer unterschieden werden, weshalb sich im wissenschaftlichen Diskurs die Begriffe der absoluten und relativen Armut manifestierten.

1.1.1 Absolute Armut

Unter den Begriff der absoluten Armut fällt der Mangel „an den Mitteln für das physische Überleben.“ (Biewer 2005, 153) Absolute Armut wird insofern definiert, dass die Existenz eines Individuums aufgrund seines geringen Einkommens, welches pro Tag unter einem USDollar für alle Bereiche des Lebens liegt, bedroht ist. Zumeist leben die von absoluter Armut betroffenen Menschen unter benachteiligenden Bedingungen, wie schlechter Hygiene, erschwertem Zugang zu ausgewogener Nahrung und Bildung, und sind aufgrund ihres schlechten gesundheitlichen Allgemeinzustandes oftmals von Erkrankungen betroffen (Schwinge 2008, 187).

1.1.2 Relative Armut

Als relativ arm wird eine Person bezeichnet, die nicht imstande ist, so zu leben, wie es der gesellschaftlichen Norm entspräche. Bei relativer Armut wird der Lebensstandard der jeweiligen Gesellschaft als Bezugsgröße herangezogen. Dabei werden Faktoren, wie zumeist das durchschnittliche Einkommen, seltener die Versorgung mit Wohnraum und Bildungsangeboten, berücksichtigt. Relativ arm ist jemand, wenn ihr bzw. sein Einkommen eine festgesetzte Mindestgröße unterschreitet (Biewer 2005, 153; Hajek 2013, 51). Dabei variieren die Grenzen je nach Autor und liegen meist bei 40-60% unter dem durchschnittlichen Einkommen der Menschen eines Landes. Zu kritisieren ist dabei, dass der Richtwert des Einkommens möglicherweise wenig über eventuelle Notlagen verrät (Biewer 2005, 153). Als Beispiel kann genannt werden, dass eine Familie zwar im Besitz von Wohnraum ist, jedoch nicht angemessen heizen kann, um der Kälte des Winters zu trotzen.

1.2 Behinderung

Den Begriff Behinderung zu definieren ist eine schwierige Aufgabe, da es viele verschiedene Erklärungsmodelle gibt und er sich durch seine nicht vorhandene Spezifität auszeichnet. Zum Teil entsteht diese Unspezifität aufgrund der Heterogenität des Personenkreises der Menschen mit Behinderungen und „zum anderen durch die unzureichende statistische, wie auch sozialpolitische Operationalisierung des Merkmals Behinderung“. (Wegscheider [2016], 1) Das soziale Modell der Vorstellung von Behinderung besagt, dass eine Behinderung nicht ausschließlich eine medizinische Diagnose oder eine Eigenschaft einer Person, sondern etwas, das im Interagieren von Menschen mit ihrem Umfeld geschieht, sei (Austrian Development Agency 2011, 2; König 2014, 34ff). Die UN-Behindertenrechtskonvention bejaht diesen Sachverhalt in ihrer Definition von Behinderung: „Zu den Menschen mit Behinderungen zählen Menschen, die langfristige körperliche, seelische, geistige oder Sinnesbeeinträchtigungen haben, welche sie in Wechselwirkung mit verschiedenen Barrieren an der vollen, wirksamen und gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft hindern können.“ (o.A. [2016], [1])

Aus diesem Kapitel der Arbeit geht hervor, dass es sich bei den Begriffen Armut und Behinderung um umstrittene, nicht leicht definierbare Termini handelt. Zudem sind beide durch Mängel gekennzeichnet. Bei Armut mangelt es an Gütern, um das Überleben zu sichern oder dem Standard der Gesellschaft gerecht zu werden und Behinderung steht im Zusammenhang mit dem Mangel an der gleichberechtigten Teilhabe in der Gesellschaft. Doch wie beeinflussen sich die beiden Faktoren gegenseitig? Dieser Frage nachzugehen ist Inhalt des nächsten Kapitels.

2. Die Wechselwirkung zwischen den Faktoren Armut und Behinderung

Dieses Kapitel versucht die Wechselwirkung zwischen den Faktoren Armut und Behinderung zu beleuchten. Dabei werden wesentliche Merkmale der Zusammenhänge zwischen Armut und Behinderung nicht in ihrer ganzen Differenziertheit skizziert, da dies den Rahmen dieser Seminararbeit sprengen würde. Es wird daher auf ein Erklärungsmodell der Austrian Developement Agency näher eingegangen, um einen groben Überblick über die Verbindung von beiden Faktoren zu geben. In den Unterkapiteln wird zum einen angeführt wie Armut Behinderung bedingt und zum anderen wie Behinderung Armut beeinflusst.

Über das Verhältnis der Faktoren Armut und Behinderung herrscht relativ weiter Konsens. Vielfach wird dieses als Teufelskreis bezeichnet, da der Zusammenhang beider ohne Hilfe von außen schwer zu durchbrechen ist (Austrian Development Agency 2011, 3). Die Beziehung zwischen Armut und Behinderung ist keineswegs als einseitig zu verstehen, sondern es fällt auf, dass diese zweiseitig bzw. zirkulär gestaltet ist. So kann ein Faktor sowohl Ursache als auch Konsequenz des jeweils anderen Faktors sein.

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Details

Seiten
14
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668243415
ISBN (Buch)
9783668243422
Dateigröße
542 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v334461
Institution / Hochschule
Universität Wien – Bildungswissenschaft
Note
1,0
Schlagworte
Armut Behinderung Wechselwirkung Benachteiligung
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Titel: Armut und Behinderung. Die Wechselwirkung beider Faktoren