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Die Weiterentwicklung der Stop-Motion-Technik durch Ray Harryhausen

Special Effects im Film

Hausarbeit (Hauptseminar) 2013 13 Seiten

Filmwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ursprung und Arten des Stop-Motion-Effekts

3. Ray Harryhausen als Weiterentwickler der Stop-Motion-Animation O´Briens

4. Stop-Motion in Verbindung mit anderen Spezial-Effekten

5. Anwendung von Stop-Motion in Filmen von Harryhausen

6. Schlussfolgerungen

Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Im Jahre 1895 zeigten die Gebrüder Lumiére die Bahnhof-Einfahrt eines Zuges in bewegten Bildern. Dabei sollen „die Zuschauer aus dem Saal gestürzt sein, aus Angst, sie würden vom Zug […] überrollt werden“[1]. Allein dieser Sachverhalt bezeugt, was die technische Entwicklung im Bereich des Films geschaffen hat: Bewegte Bilder, die die Realität imitieren sollen. Heutzutage ist es Standard, dass wir von animierten und sich bewegenden Bildern umgeben sind. Videoleinwände, Fernseher, Handys und Computer gehören zum Alltag und lösen keine große Bewunderung mehr aus. Wundern würden wir uns erst wieder, wenn uns dies alles weggenommen würde.

In vielen Filmen kann man jedoch keine flüssigen Bilder liefern, die sich so eins zu eins vor der Kamera abgespielt haben. Trotzdem will der Regisseur den Erwartungen des Publikums gerecht werden und muss dieses mit allen Regeln der Kunst unterhalten. So können die Zuschauer mittels visueller Effekte, die sich über das Jahrhundert stetig weiterentwickelt haben, in eine andere Welt eintauchen. In gewisser Weise wird das Publikum ausgetrickst, zum Beispiel auch durch Animation.

In Rolf Giesens „Lexikon des Trick- und Animationsfilms“ ist die Animation als Folge von Einzelbildern, die zusammen gesehen den Eindruck eines Bewegungsablaufs vermitteln, definiert.[2]

Sie ist also eine Beseelung eines noch nicht zum Leben erweckten Bildes. Animation arbeitet mit Einzelbildern, die gezeichnet, im Computer berechnet oder fotografische Aufnahmen sind.[3]

Dabei gilt Stop-Motion als eine Animationstechnik, die wie auch der Zeichentrickfilm, das Filmmaterial einbildweise erstellt. Doch anstatt dabei auf zweidimensionale Zeichnungen zurückzugreifen, werden dreidimensionale Modelle animiert.[4] So können wir in vielen Filmen riesige Dinosaurier oder Riesengorillas erleben, die vor allem seit den frühen 30er Jahren in der internationalen Filmlandschaft durch Stop-Motion entstanden sind.

Doch wie funktioniert diese Stop-Motion-Technik überhaupt und wo hat diese ihren Ursprung? Inwiefern hat es Ray Harryhausen geschafft diese weiterzuentwickeln? Auf diese Fragen werde ich in meiner Hausarbeit eingehen.

Zuerst werde ich den Ursprung und die Arten von Stop-Motion erläutern, ehe ich über den Künstler Harryhausen schreibe und wie dieser zum Weiterentwickler dieser Animationstechnik geworden ist. Dabei gehe ich auf das von ihm erfundene Prinzip der Dynamation ein, welches ich speziell in „Stop Motion in Verbindung mit anderen Spezial-Effekten“ beschreibe. Bevor ich mit meinen Schlussfolgerungen die Hausarbeit beende, erkläre ich kurz die Stop-Motion-Anwendungen in ausgewählten Filmen von Ray Harryhausen.

2. Ursprung und Arten des Stop-Motion-Effekts

Die Stop-Motion-Technik, auch „Model animation“ genannt, basiert grundlegend auf den am Ende des 18. Jahrhundert entwickelten „Stoptrick“ des französischen Filminnovators George Méliès. Dieser nahm mit einer Kamera eine Einstellung auf, stoppte die Aufnahme und veränderte einen Gegenstand im Bild oder nahm ihn sogar ganz raus, ehe er die nächste Einstellung filmte. Beim Zuschauer konnte so die Illusion entstehen, dass etwas wie durch Zauberei oder Magie verschwunden wäre.

Stop-Motion bedient sich dieses Tricks in Form von dreidimensionalen Gegenständen, die jedoch von frame zu frame (Bild zu Bild) nur geringfügig verschoben werden, um eine flüssige Bewegung entstehen zu lassen.[5]

Da die „Dias“ nicht in der gleichen Geschwindigkeit belichtet werden, wie sie aufgenommen worden sind[6], ist es allzu logisch, dass für nur sekundenlange Sequenzen, stundenlange und perfektionistische Arbeit am Set nötig ist.

Die Bestandteile der Aufnahme sind „eine Szenerie mit mehreren beweglichen Objekten“, sowie „eine Handlung, welche in dieser Szenerie stattfindet“, die zudem durch die technischen Möglichkeiten eingegrenzt ist.5 Während früher die Filmkamera für die Stop-Motion-Technik verantwortlich war, ist heutzutage die digitale Bildherstellung üblich, bei der eine Video- oder Digitalkamera, die mit einem Computer verbunden ist, verwendet wird. Diese wandelt durch ein Animationsprogramm das Geschehen in eine Filmdatei um, welche später noch geschnitten und synchronisiert werden kann.[7]

So kann man Stop-Motion in die drei wichtigsten Arten unterteilen: Puppenanimation / Modellanimation, Sachanimation und die Pixilation.

Bei der Puppenanimation werden bewegliche, plastische Puppen, die zum Beispiel aus Holz, Draht, Stoff oder Wolle angefertigt sind, also alle formbaren Modelle, animiert.[8] Der Begriff der Modellanimation wird dann verwendet, wenn beispielsweise Figuren aus Ton, Knete oder Legosteinen (auch „Brickfilm“ bezeichnet) verwendet werden.

Auch bei der Sachanimation werden dreidimensionale Objekte bildweise in ihrer Position verändert, sind dabei aber weder mit Mimik oder Gestik versehen und stehen somit einzig und allein für sich.[9] [10]

Pixilation steht für die Stop-Motion-Animation von Menschen, also meist Schauspielern. Hierbei werden reale Bewegungsabläufe unterbrochen und lassen den Menschen in den Szenen roboterartig wirken. Dieser Effekt wird genutzt, um genau das Gegenteil der flüssigen Modellanimation zu erreichen.[11] Die Pixilation zerhackt also die Bewegungsabläufe und lässt damit den Menschen zum Gegenstand im Film werden.

3. Ray Harryhausen als Weiterentwickler der Stop-Motion-Animation O´Briens

„ If you are tired of explosions, cursing, and lots of violence when you go to the movies, then watch Ray’s films“

- Ricardo Delgado -

Die ausschlaggebensten Ereignisse in der frühen Geschichte der Stop-Motion-Technik lassen sich in einem Satz zusammenfassen: Als der spätere Tricktechniker Raymond Frederick „Ray“ Harryhausen (1920 - 2013) 13 Jahre alt war, „sah er im Chinese Theater in Hollywood einen Film, der ihn zutiefst beeindruckte: King Kong und die weiße Frau mit den grandiosen Tricks von Willis O´Brien“[12]

Harryhausen fasste sich im gleichen Augenblick seinen Berufswunsch: Er wollte auch mythologische Fabelwesen und große monströse Tiere auf die Leinwand transferieren – und dies sollte mit Stop-Motion geschehen. Schon als Kind experimentierte er mit einer 16-mm-Kamera und einem selbstgebastelten Stop-Motion-Saurier. Später ging für ihn ein Traum in Erfüllung und er arbeitete mit „King Kong“-Schöpfer Willis O´Brien zusammen, mit dem er zusammen 1946 den Gorillafilm „Panik um King Kong“ zu produzieren begann.[13]

Egal in welcher Größe – Harryhausen verstand seine Aufgabe darin, Fabelwesen oder riesige Kreaturen zum Leben zu erwecken. Weltberühmt wurde er durch Tricks aus den Sindbad -Filmen (1958, 1973, 1977), Kampfszenen aus Jason und die Argonauten (1963) oder Kampf der Titanen (1981). Sogar Peter Jackson soll sich bei den in Der Herr der Ringe angewendeten Spezialeffekten an Harryhausens Tricks orientiert haben.

Willis O´Briens Stop-Motion-Aufnahmen gelten als Meisterleistungen der Spezialeffekte in der Filmgeschichte. Alle konnten von ihm lernen, Harryhausen sogar persönlich. O´Brien modellierte anfänglich seine Figuren aus Knetmasse. Es erforderte also nicht nur technisches Geschick, um die Bewegungsabläufe so realistisch wie möglich darzustellen, sondern auch hohe künstlerische Qualitäten.

Doch die Stop-Motion allein reichte O´Brien nicht, um realistische Darstellungen zu schaffen. Deswegen kombinierte er andere Spezial-Effekte mit seiner Technik.[14] Natürlich hätte er die Möglichkeit gehabt, seine Figuren in eine Miniatur-Szenerie zu stellen, allerdings sollte auch direkte Interaktion von dem animierten Modell und realen Schauspielern geschehen können, um beispielsweise auch den Größenvergleich zwischen diesen darstellen zu können.[15] So wurde Stop-Motion mit Rückprojektion zusammen eingesetzt. Auch Harryhausen nutzte dieses Prinzip und entwickelte dieses unter dem Namen Dynamation weiter.

[...]


[1] Müller, Lukas: „Digitale Stop Motion Animation im Unterricht“. Pädagogisches Institut Basel, Basel 2008. S.6

[2] Giesen, Rolf: „Lexikon des Trick- und Animationfilms“. Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag GmbH, Berlin 2003. S.7

[3] Müller, Lukas: „Digitale Stop Motion Animation im Unterricht“. Pädagogisches Institut Basel, Basel 2008. S.12

[4] Giesen, Rolf: „Lexikon des Trick- und Animationfilms“. Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag GmbH, Berlin 2003. S.399

[5] Müller, Lukas: „Digitale Stop Motion Animation im Unterricht“. Pädagogisches Institut Basel, Basel 2008. S.17

[6] Manthey, Dirk; Moos, Ludwig: „Making of... Wie ein Film entsteht“. Rowohlt Verlag, Hamburg 1998. S.181

[7] Müller, Lukas: „Digitale Stop Motion Animation im Unterricht“. Pädagogisches Institut Basel, Basel 2008. S.17

[8] Brakalov, Bogdan: „Analoge Tricktechnik im Zeitalter digitaler Medien – Eine Untersuchung zur Ästhetik und Aussage in Musikvideos.“ Kunstpädagogik LMU München, München 2011. S.10

[9] Schoemann, Annika: „Der Deutsche Animationfilm. Von den Anfängen bis zur Gegenwart 1909-2001“. Gardez Verlag, Sankt Augustin 2003. S.32f

[10] Richter, Sebastian: „Digitaler Realismus. Zwischen Computeranimation und Live-Action. Die neue Bildästhetik in Spielfilmen“. transcript Verlag, Bielefeld 2008. S.65

[11] Brakalov, Bogdan: „Analoge Tricktechnik im Zeitalter digitaler Medien – Eine Untersuchung zur Ästhetik und Aussage in Musikvideos.“ Kunstpädagogik LMU München, München 2011. S.11

[12] Manthey, Dirk; Moos, Ludwig: „Making of... Wie ein Film entsteht“. Rowohlt Verlag, Hamburg 1998. S.182

[13] http://www.stern.de/kultur/film/pionier-der-spezialeffekte-stop-motion-meister-ray-harryhausen-ist-tot-2008241.html, 17.09.2013, 19:34 Uhr

[14] http://www.alleyways.de/abgeschminkt/kino-wissen/special-effects-teil-2/, 18.09.2013, 17:34 Uhr

[15] http://www.alleyways.de/abgeschminkt/kino-wissen/special-effects-teil-2/, 18.09.2013, 18:01 Uhr

Details

Seiten
13
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783668241121
ISBN (Buch)
9783668241138
Dateigröße
592 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v334322
Institution / Hochschule
Bauhaus-Universität Weimar – Fakultät Medien
Note
1,3
Schlagworte
Special-Effects SFX Stop-Motion Ray Harryhausen Film Montage Technik

Autor

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