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Vorschläge für Präventive Sozialarbeit im Bereich der Fremdenfeindlichkeit. Fallbeispiel Südafrika

Seminararbeit 2015 19 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitende Worte

Zahlen Daten Fakten Südafrika

Ursachen für Fremdenfeindlichkeit am Beispiel Südafrika

Politikfeldanalyse am Beispiel Südafrika

Kritische Begutachtung des Geschehens

Die Rolle der Sozialarbeit

Vorschläge für präventive Sozialarbeit

Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitende Worte

„Niemals, niemals und niemals wieder soll es geschehen, dass dieses schöne Land die Unterdrückung des einen durch den anderen erlebt“ Nelson Mandela Amtsantrittsrede 1994, zitiert aus: Mandela 1997, S. 830

Mit diesen Worten endete die Antrittsrede von Nelson Mandela 1994 vor dem Union Building in Pretoria. Nach Jahren der Unterdrückung, Folterung und Ermordung von schwarzen, farbigen und asiatisch abstammenden Südafrikanern durch die weiße Minderheit wurde Nelson Mandela am 9. Mai 1994 zum ersten schwarzen Präsidenten Südafrikas gewählt. Nach 5 Jahren an der Macht trat Mandela von seinem Amt zurück und verabschiedete sich aus der Politik. Da Südafrika seit Ende der Apartheid von Bürgerkriegen verschont blieb und im Vergleich zu anderen afrikanischen Staaten als wirtschaftlich stabil galt, wurde es immer mehr zum Zufluchtsort für Flüchtlinge aus anderen Ländern Afrikas. Der Anteil von Ausländern, welche legal in Südafrika leben, also mit entsprechenden Aufenthaltsgenehmigungen, betrug laut der Bundeszentrale für politische Bildung bei der letzten Datenerhebung 2013 2,5% von der Gesamtbevölkerung. Diese belief sich zu jenem Zeitpunkt auf 52, 98 Millionen. Hauptsächlich stammen die Flüchtlinge aus Zimbabwe, Malawi und Mosambik.[1] Der 2,5 % Ausländeranteil, also ungefähr 1,3 Millionen entsprechen jedoch nicht der Wirklichkeit. Der Südafrikanische Police service (SAPS) spricht in einem 2009 veröffentlichten Bericht von ungefähr 6 Millionen illegal in Südafrika lebenden Menschen[2]. Die FAZ behauptet sogar in ihrem Artikel vom 22.04.2015, das die Anzahl derjenigen, die über das Mittelmeer nach Europa fliehen lediglich 2-3% aller afrikanischen Flüchtlinge ausmachen. Die anderen versuchen ihr Glück weiterhin auf dem Kontinent und fliehen nach Südafrika oder in die Elfenbeinküste[3]. In den letzten Jahren wuchs der Unmut der Südafrikanischen Bevölkerung über die immer weiter zunehmenden Flüchtlingsströme aus Ländern wie Somalia oder Äthiopien. Im Mai 2008 entlud sich die Wut der einheimischen Bevölkerung erstmals und es wurde Jagd auf Menschen aus dem afrikanischen Ausland gemacht. Shops wurden geplündert, Menschen bei lebendigem Leib verbrannt oder mit Macheten umgebracht. Bilder, die an schlimmste Apartheid-Zeiten erinnerten. Nach den Ausschreitungen 2008 verschwand Südafrika wieder aus der internationalen Medienlandschaft und keiner nahm Notiz davon, dass der Hass gegenüber Ausländern weiterhin vorhanden war und es nur einen kleinen Funken brauchte um die Gewalt im Land am Kap wieder aufleben zu lassen. Der König der Zulu[4],Goodwill Zwelithini war es dann der diesen Funken entzündete. In der Küstenstadt Durban forderte er in einer Rede alle Ausländer dazu auf Südafrika zu verlassen: "We are requesting those who come from outside to please go back to their countries.” [5]

Dies sahen viele Südafrikaner zum Anlass erneut Jagd auf Ausländer zu machen. Zunächst wurden nur in Durban Shops geplündert und Menschen getötet, doch die Ausschreitungen weiteten sich bis in das Landesinnere nach Johannesburg aus. Bis zum jetzigen Zeitpunkt starben ungefähr 6 Menschen. Traurige Höhepunkte waren die Ermordung eines 14- Jährigen Jungen und die öffentliche Verbrennung eines Menschen, welche auf der Online-Plattform Youtube zu sehen war.

In dieser Seminararbeit geht es zunächst darum die wirklichen Gründe für die immer wiederkehrende Eskalation der Gewalt gegenüber Ausländer zu finden. Im weiteren Verlauf wird die Rolle der Politik beleuchtet und ein Teil der Südafrikanischen Flüchtlingspolitik im Rahmen einer Politikfeldanalyse vorgestellt. Nach einer kritischen Begutachtung des Geschehens wird der Frage nachgegangen: Welche Möglichkeiten gibt es für die Soziale Arbeit präventiv gegen Ausländerhass vorzugehen und in welchem Zusammenhang stehen Soziale Arbeit und Politik in diesem Fall?

Der Autor wählt dieses Thema, da er sich mehrmals im Jahr in Südafrika aufhält und mit jungen Heranwachsenden arbeitet. Mit dieser Arbeit möchte er sich einen Überblick über die aktuelle Lage verschaffen, die Rolle der Politik begutachten und Wege finden wie die Soziale Arbeit hier tätig werden kann.

Aus Gründen der Vereinfachung wird in dieser Seminararbeit auf die weibliche Form verzichtet. Es werden jedoch beide Geschlechter angesprochen.

Zahlen Daten Fakten Südafrika

Die Republik Südafrika ist ein Staat an der Südspitze Afrikas. Im Norden grenzt er an Namibia und Botswana, im Nordosten an Simbabwe, Mocambique und Swaziland. Umgeben ist Südafrika sowohl vom Atlantischen als auch vom Indischen Ozean.

Laut auswärtigem Amt leben rund 53 Millionen Einwohner auf einer Fläche von ungefähr 1,2 Km².[6] 78% der Gesamtbevölkerung sind Schwarze und gehören u.a dem Stamm der Zulu, Xhosa oder Tshwana an. 10% sind weiße Südafrikaner und stammen entweder von den Nachfahren der holländischen oder englischen Kolonialisten ab. 9% machen die Farbigen, die sogenannten Coloureds, auch Mischlinge genannt aus. 3% der Gesamtbevölkerung machen die Asiaten aus, hauptsächlich Inder, welche während der Kolonialzeit von den Engländern nach Durban gebracht wurden um dort auf den Zuckerrohrplantagen zu arbeiten.

In Südafrika gibt es 11 anerkannte Landessprachen. Afrikaans, Englisch, Xhosa, Zulu, Tswana, Tsonga, Swasi, Sotho, Ndebele, Pedi, Venda.

Südafrika ist in 9 Provinzen unterteilt wobei Legislative und Executive örtlich getrennt sind. Der Regierungssitz befindet sich in der Hauptstadt Pretoria während sich das Parlament in Kapstadt befindet. Seit 1961, dem Austritt aus dem Commonwealth, kann sich Südafrika Republik nennen. Der Staatspräsident wird alle 5 Jahre von der Nationalversammlung gewählt. Seit 2009 ist dies Jacob Zuma. In der am 4.02.1997 verabschiedeten Verfassung sind u.a die Grundrechte und das Mehrparteiennsystem verankert[7]. Die einflussreichsten Parteien des Landes sind momentan der African national Congress ANC, welcher das Land unter Führung Nelson Mandelas von der weißen Vorherrschaft befreite und seitdem unangefochten an der Spitze steht, die Democratic Allianz (DA) und die Economic Freedom Fighter (EFF). Von 1948 bis 1994 herrschte das System der Apartheid (Unterdrückung) in Südafrika. Die verschiedenen Rassen wurden gezwungen in unterschiedlichen Gegenden zu leben und hatten aufgrund verschiedener Gesetze kaum Rechte. Noch heute geht ein tiefer Riss durch das Land und die Menschen verschiedener Hautfarben leben auch 21 Jahre nach Ende der Rassentrennung in unterschiedlichen Wohngebieten.

Ursachen für Fremdenfeindlichkeit am Beispiel Südafrika

In der heutigen Zeit wird viel über Fremdenfeindlichkeit diskutiert. Oftmals wird der Begriff verwendet ohne überhaupt die korrekte Bedeutung zu wissen. Deshalb zunächst eine Definition:

Ablehnende und feindselige Haltung gegenüber allem, was gegenüber den vertrauten Lebensumständen als fremd und deshalb bedrohlich empfunden wird. Fremdenfeindlichkeit richtet sich gegen Menschen, die sich durch Herkunft (Antisemitismus), Nationalität (Ausländerfeindlichkeit), Religion oder Hautfarbe (Rassismus) von der eigenen Umwelt unterscheiden. Sie äußert sich in Ausgrenzung, tätlichen Angriffen, systematischer Vertreibung bis hin zur Ausrottung (Thurich 2011, S. 22)

Ursachen für den Fremdenhass in Südafrika reichen bis tief in die Geschichte des Landes. Im Jahre 1886 wurde am Witwatersrand, in der Nähe von Johannesburg, große Goldvorkommen entdeckt. Um diese riesigen Mengen Gold ans Tageslicht zu bringen wurden Minen geschaffen. Um dort produktiv zu arbeiten wurden Arbeiter benötigt. Hierfür wurden billige Arbeitskräfte aus dem afrikanischen Ausland geholt, hauptsächlich aus Malawi und Mozambique. Zwischen 1896-1898 stammten 60,2 % der schwarzen Arbeiter aus Mozambique. 20 Jahre später im Jahre 1906 waren es bereits 65% (Fisch 1991, S.229). Da die weißen südafrikanischen Bergarbeiter nicht auf eine Gehaltsstufe mit den Einwanderern gestellt werden wollten traten sie in den Streik und forderten unter dem Slogan: „Fairer Lohn für die weißen Südafrikaner“ eine bessere Bezahlung als schwarze Arbeiter und die Einstellung von mehr weißen Südafrikanern. Übergriffe gegenüber Ausländern waren zu dieser Zeit keine Seltenheit. Tatsächlich sollte bis in die späten 1970er Jahre die Mehrzahl der Südafrikanischen Minenarbeiter immer noch aus dem Ausland kommen (Fisch 1991, S.229).

Nach dem Ende der Apartheid 1994 erhofften sich viele schwarze Südafrikaner eine Verbesserung ihrer Lebensverhältnisse. Als sie jedoch merkten, dass viele Versprechen der neugewählten Regierung, u.a die Schaffung von Millionen Arbeitsplätzen, nicht erfüllt wurden wuchs die Unzufriedenheit im Land. Laut statistischem Bundesamt beträgt die Arbeitslosigkeit am Kap knapp 25%[8]. Am Ende der Apartheid 1994 betrug sie 20%.[9] Inoffiziell wird jedoch von einer Arbeitslosenquote von etwa 40% ausgegangen. Laut der Südafrikanischen Statistikbehörde haben 32% aller schwarzen Südafrikaner nicht genügend Geld zur Verfügung um sich richtig zu ernähren.[10]

Nun sind es die schwarzen Südafrikaner, die ähnliche Gründe nennen wie die weißen Arbeiter bereits 100 Jahre zuvor, um ihre Jagd auf Einwanderer zu rechtfertigen. Die Begründung hieß, früher wie heute, im Wortlaut: „Die Ausländer nehmen uns die Jobs weg“ oder weiter „Sie stehlen unsere Jobs, unsere Häuser, unsere Frauen“[11]. Ein Grund für die immer wiederkehrenden Übergriffe ist also eine tiefe Unzufriedenheit und die Angst davor, aufgrund der Vielzahl von Ausländern im Land und dem Mangel an Arbeitsplätzen, selbst keine bezahlte Beschäftigung zu finden. Dies wird durch verschiedene Aussagen wie der von Jonathan Jansen, einem schwarzen Erziehungswissenschaftler aus Südafrika deutlich: "Viele Südafrikaner sind einfach neidisch, weil die Einwanderer fleißiger und erfolgreicher sind"[12]

Ein weiterer Grund für die Fremdenfeindlichkeit am Kap könnte auch der große Nationalstolz im Land sein. Trotz aller Missstände, hoher Kriminalitätsrate und niedriger Lebenserwartung (56 Jahre) hat der Autor die Erfahrung gemacht, das Südafrikaner sehr stolz auf ihr Land sind, besonders nach der erfolgreich ausgerichteten Fußballweltmeisterschaft 2010. Doch hängt ein hoher Nationalstolz mit Fremdenfeindlichkeit zusammen?

Genau dieser Frage ist die Universität in Bielefeld nachgegangen. In einer Langzeitstudie, welche 2006 veröffentlicht wurde, geht ganz klar hervor, dass es ein kausalen Zusammenhang zwischen Nationalstolz und Fremdenfeindlichkeit gibt. Es wurde zunächst im Jahre 2002 der Nationalstolz von 1740 Forschungsteilnehmern gemessen. 4 Jahre später wurden dieselben Personen über Fremdenfeindlichkeit befragt. „ Je höher der Nationalismus der Befragten 2002 war, desto stärker lehnen dieselben Befragten im Jahr 2006 „Fremde“ und fremde Gruppen ab (Becker/Wagner/Christ 2007. S 131-149)

Somit könnte der große Nationalstolz durchaus im Zusammenhang mit der Fremdenfeindlichkeit in Südafrika stehen.

Besonders der erste Grund lässt sich durchaus auch auf Deutschland beziehen. Viele Bürger sind enttäuscht über politische Entscheidungen, wie sie beispielsweise bei der Euro-Rettung getroffen wurden. Auch Zustände in der Gesellschaft wie Altersarmut oder Hass Predigten von Salafisten auf offener Straße machen viele Menschen wütend. Bewegungen wie Pegida, welche gegen eine Islamisierung des Abendlandes kämpft, oder ein zunehmender Ausländerhass, welcher sich im Abbrennen von Flüchtlingsheimen bemerkbar machte, haben nicht lange auf sich warten lassen. Ähnlich wie in Südafrika lautet hier die Devise: „Erst sind wir dran, solange es Missstände in der Gesellschaft gibt haben wir keinen Platz für Ausländer“.

Politikfeldanalyse am Beispiel Südafrika

Im Politlexikon wird die Politikfeldanalyse wie folgt definiert:

Politikwissenschaftliches Teilgebiet, das sich mit der Untersuchung konkreter, materieller Politikbereiche (Umwelt-, Haushalts-, Sozial-, Finanzpolitik etc.) beschäftigt und untersucht, was Regierungen und Verwaltungen tun (das Regierungshandeln), welche Gründe und Absichten sie verfolgen und was sie konkret bewirken und verändern können. (Schubert/Klein 2011, S. 180)

Im Folgenden wird das Problem der Fremdenfeindlichkeit genauer analysiert. Folgende Fragen sollen beantwortet werden:

1. Wie kam es zu dem Problem?
2. Was tun politische Akteure?
3. Warum tun sie es?
4. Was bewirken sie damit?

Wie kam es zu dem Problem? Die Frage wurde zu großen Teilen bereits im vorigen Kapitel beantwortet. Das Problem der Fremdenfeindlichkeit reicht bis tief in die Kolonialgeschichte des Landes. Immer waren es Ängste und Unzufriedenheit in Verbindung mit einem hohen Nationalstolz welche zu Fremdenfeindlichen übergriffen führten.

Was tun politische Akteure? Zunächst einmal muss festgehalten werden, dass die Politik unter der Führung des Präsidenten Jacob Zuma sich bei den Ausschreitungen im April 2015 sehr lange zurückhielt, bevor sie aktiv wurde. Erste Berichte über Gewalt gegenüber Ausländer stammen vom 10.04.2015. Die erste Stellungnahme von Präsident Zuma kam erst 6 Tage später, am 16.04.2015. In seiner Rede verurteilte er die Jagd auf legal in Südafrika lebende Afrikaner. Viele Ausländer hätten das Recht in Südafrika zu leben und leisten einen wichtigen Beitrag für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes. Weiter betonte er die Gastfreundlichkeit, die Südafrikaner während Zeiten der Apartheid in anderen Ländern genießen durften, und machte deutlich, dass dies niemals vergessen werden dürfe[13].

[...]


[1] http://www.bpb.de/gesellschaft/migration/laenderprofile/200200/zuwanderung?p=all

[2] http://www.saps.gov.za/about/stratframework/annual_report/2008_2009/2_crime_situation_sa.pdf

[3] http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/migration-afrika-leidet-unter-seiner-bildungsmisere-13553417.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

[5] http://www.timeslive.co.za/local/2015/04/16/hate-speech-charge-laid-against-zulu-king-over-foreigners-remark

[6] http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Aussenpolitik/Laender/Laenderinfos/01-Nodes_Uebersichtsseiten/Suedafrika_node.html

[7] Siehe Verfasssung Südafrikas http://www.gov.za/documents/constitution/constitution-republic-south-africa-1996-1

[8] http://de.statista.com/statistik/daten/studie/254735/umfrage/arbeitslosenquote-in-suedafrika/

[9] http://www.factfish.com/de/statistik-land/s%C3%BCdafrika/arbeitslosigkeit

[10] http://www.zeit.de/2013/38/suedafrika-junge-maenner-gewalt/seite-2

[11] http://www.zeit.de/2008/22/Suedafrika

[12] http://www.tagesspiegel.de/politik/toedliche-pogrome-in-suedafrika-schwarze-zuenden-fuenf-afrikanische-einwanderer-an/11653282.html

[13] http://www.thepresidency.gov.za/pebble.asp?relid=19491

Details

Seiten
19
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668240940
ISBN (Buch)
9783668240957
Dateigröße
792 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v334250
Institution / Hochschule
Duale Hochschule Baden-Württemberg, Stuttgart, früher: Berufsakademie Stuttgart
Note
1,6
Schlagworte
vorschläge präventive sozialarbeit bereich fremdenfeindlichkeit fallbeispiel südafrika

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