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Negativer Transfer im deutschen und französischen Zweitspracherwerb

Hausarbeit 2013 13 Seiten

Didaktik - Französisch - Pädagogik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Spracherwerb: Was versteht man unter Spracherwerb
2.1. Zweitspracherwerb
2.1.1. Diverse L2-Typen
2.1.2. Grammatikerwerb
2.2. Spracherwerb des Deutschen und des Französischen
2.3. Die drei Stufen der Entwicklung des Deutschen- und Französischenerwerb als L2 nach Rieckborn

3. Transfer: was das bedeutet
3.1. Negativer Transfer
3.2. Negativer Transfer vom Tempus im DE und FR L2-Erwerb

4.Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung :

Die folgende Arbeit soll einen Einblick in den Transfer vom Tempus bei dem deutschen und dem französischen Zweitspracherwerb geben.

Dabei steht im Fokus, inwiefern diese Übertragung beim Erlernen des Deutschen (abgekürzt: DE) oder des Französischen (abgekürzt: FR) als zweite Fremdsprache (abgekürzt: L2) von negativer oder positiver Natur geprägt ist. Zunächst werden der Zweitspracherwerb und einige Phasen dieses Prozesses beschrieben. Anschließend folgen allgemeine Überlegungen vom Tempus im Deutschen und Französischen.

Im zweiten Teil dieser Arbeit wird zunächst der Vorgang des Transfers definiert und darauf basierend die positiven sowie negativen Transfer-Fälle bei dem Erwerb der ausgewählten Sprachen: DE und FR. In dem begrenzten Rahmen dieser Arbeit können nicht alle Hypothesen und alle Transfer-Fälle des Zweitspracherwerbes überprüft werden, deshalb werden nur einige allgemeine Angaben zu diesem Thema erfasst. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf dem Tempus-Erwerb.

2. Spracherwerb

Klann-Delius definiert den Spracherwerb als den Prozess des Erlernens der jeweiligen Muttersprache, wobei auch zu lernen ist, wie sich mit der Sprache eigene Gedanken und Gefühle ausdrücken lassen, sowie Handlungen vollzogen und von anderen verstanden werden können. Darüber hinaus deutet sie an, dass bei diesem Vorgang nonverbale Signale wie Mimik und Gestik von Bedeutung sind (vgl. Klann-Delius 1999:21). Des Weiteren vereinfacht der Amerikaner Steven Pinker den Lernspracherwerb als einen natürlichen kognitiven Prozess eines Kindes (Pinker, S. 1994).

Moderne linguistische Theorien wie die Prinzipien- und Parametertheorie und der Minimalismus wie u.a. Chomsky verwenden den Begriff Universalgrammatik (UG) um Spracherwerb zu definieren. Die UG besteht aus einem System universaler Prinzipien, die von dem Lerner parametrisiert sein können. In diesem System (musst nicht nochmal den ganzen Namen des Systems nennen) sind der Charakter der Regeln, die Informationen, die sprachlichen und nicht sprachlichen Laute, die Strukturen, Nomina und Verben einer- und über die Substanz einer Sprache vorhanden. So besitzen Kinder laut Chomsky sprachliche Universalien, mit deren Hilfe sie Sprache erlernen (vgl. Chomsky 1969: 45-46).

In Anlehnung an Pinker weist Gisela Szagun darauf hin, dass die Sprache vor allem dem Zweck dient: miteinander zu kommunizieren und daran kann ein Kind kaum gehindert werden. Kinder haben das Verlangen, ständig in die Welt, von der sie umgeben sind, mit Lauten einzusteigen. (nach Brokmann-Nooren, C., Gereke, I., 2007:140-141).

Neben diesen Faktoren hat sich auch der amerikanische Soziologe B.F Skinner Anfang der 60er Jahre mit der Theorie von Spracherwerb auseinandergesetzt und festgestellt, eine Sprache durch social learning and imitation erworben wird. Skinner konnte in seiner Untersuchung mit Kindern auf empirischer Weise nachweisen, wie ein Kind spontan Laute produziert, die es zuvor von sprachlichen Vorbildern gehört hat (vgl. Skinner, B.F 1957:243).

2.1. Zweitspracherwerb

Unter dem Begriff Zweitspracherwerb wird einfach ausgedrückt, das Erlernen einer weiteren Sprache, neben der Muttersprache, verstanden. Viele Autoren und LinguistInnen, wie Meisel und Rieckborn verwenden die Termini bilingualer Spracherwerb und Zweispracherwerb als Synonyme (vgl. Meisel 2003:1., Rieckborn, S. 2006:8). In dieser Arbeit wird jedoch der Begriff Zweitspracherwerb eingesetzt. Zweitspracherwerb ist ebenfalls ein kontinuierlicher Prozess. Der Begriff an sich lässt auch die Möglichkeit offen, dass eine zweite Sprache auch später als die erste Sprache erworben werden kann (vgl. Rothweiler, M. 2007:103-106).

Anders als bei dem Lernen einer ersten Sprache (Abgekürzt: L1), stellt das L2-Lernen eine anstrengende Aufgabe dar. Diese Aufgabe verläuft langsamer, ist mühevoller und führt selten zum gleichen Erfolg als die L1. Dies lässt sich auf die von Chomsky kategorischen Differentiation zwischen L1 und L2 zurückführen. Während Chomsky für L1 die innere, individuelle und vorsätzliche Sprache versteht deren Quelle das Unbewusste ist, spielt die Sprache für einen L2-Lerner eine externe untergeordnete Rolle, die meistens in dem Sinne sich entwickelt, in anderen Wortern, L2 speilt für die Lerner eine untergeordnete Rolle, weil sie sich meistens erschließt sich die L2 aus dem Sinn (vgl. Chomsky, N. 1995:14).

2.1.1. Diverse L2-Typen

Einen weiteren wichtigen Aspekt bilden die L2- Typen in der Spracherwerbtheorie. Besonders zwei Unterbegriffe sind hier zu unterscheiden: der kindliche- und der erwachsene Zweitspracherwerb. Bei dem kindlichen Zweitsprachenerlernen liegt der Erwerbsbeginn in dem Alterszeitraum zwischen 0-10 Jahren. Erwachsener L2-Erwerb dagegen beginnt erst nach dem zehnten Lebensjahr und ist ziemlich begrenzt (vgl. Rothweiler, M. 2007:105-106). Weiterhin wird dem Konzept über Zweit- und Fremdspracherwerb die Definition von Bloomfield hinzugefügt, der die Zweisprachigkeit als „native-like control oft two languages“ (Bloomfield, L. 1965:56) charakterisiert, somit stellt der L2-Erwerb eine fast unmöglich zu erreichende Leistung dar.

Es wird eine weitere Unterscheidung bei L2-Typen getroffen, nämlich die zwischen Fremdspracherwerb und Zweitspracherwerb. In Deutschland erwachte das Interesse an diesem Forschungsgebiet in den 1970er und den 1980er Jahren. Zu dieser Zeit wurden mehrere Erst- und Zweitspracherwerbkonstellationen gründlich untersucht, u. a. mit Hilfe von dem ESF-Projekt (vgl. Klein, W. & Perdue, C. 1997: S. Kap. 4.3.1). Demnach wird von Zweitsprache gesprochen, wenn es sich um eine langue handelt, die den Arbeitstag organisiert, in der gearbeitet und vielleicht sogar der Lebenspartner angesprochen wird. Die Zweitsprache wird sich in der alltäglichen Sprachpraxis ohne den Besuch von Sprachunterricht angeeignet oder sie wird in einer Verbindung von alltäglicher Praxis und Sprachunterricht zum Beispiel in der Schule erlernt. (vgl. Clyne 1968:130-139). Mit anderen Worten: Sprachen, die nicht in schulischen oder schulähnlichen Institutionen angewandt wird, sondern ganz oder zum großen Teil in praktischen Lebenssituationen ausgeübt werden, nennen sich Zweitsprachen. Wenn der Sprachenerwerb in einem Kurs bzw. durchs Lehren- Lernen stattfindet, ist die Rede von Fremdsprachen. In Deutschland lässt sich dies dadurch erklären, dass es die Fachausdrücke „DaZ“ (Deutsch als L2) und „DaF“ (Deutsch als Fremdsprache) gibt. „(…) DaF ist ein Studienfach für LehrerInnen, die Deutsch im Inland für Ausländer oder im Ausland unterrichten (…); DaZ ist ein Studiengang für diejenigen, die Deutsch nicht als Muttersprache haben, (…) sondern Deutsch eher die zu lernende Gesellschaftssprache ist (…) (Rothweiler, M. 2007:106).

2.1.2. Grammatikerwerb

Grammatikerwerb meint das Erlernen u.a. von den Flexionsformen, morphologischen und syntaktischen Regularitäten einer natürlichen Sprache. (vgl. Hadumod, B. 1990:287).

Zu Beginn des Lernprozesses einer Sprache, unabhängig davon ob es sich um eine L1- oder L2-Sprache handelt, sind der Grammatik- und der Wortschatzerwerb die ersten Sprachentwicklungen, die in Erscheinung treten. Wie schon angedeutet, stellt dies nach Szagun für ein Kind, das seine Muttersprache lernt, keine schwierige Aufgabe dar. Dagegen erweist es sich als eine komplex erregbare Gehirnarbeit für Erwachsene, die eine L2-Sprache lernen. Während L2-Lerner versuchen sich die Grammatik bewusst zu machen und länger brauchen, um sie zu beherrschen und Sätze zu bilden, fangen die L1-Lerner nach ziemlich kurzer Zeit damit an, Wörter zu gebrauchen und zu kombinieren, ohne das dabei der Begriff „Grammatik“ fällt. (vgl. Szagun, G. 2013: 63). So können Kinder Sätze konstruieren und verstehen, die sie nie zuvor gehört haben. Des Weiteren können sie Urteile darüber abgeben, welche Sätze grammatisch sind und welche nicht, ohne, dass es ihnen erklärt wurde. Bei dem L2-Grammatikerwerb kann der vollständige Gewinn jedoch den ganzen Lernprozess lang andauern.

Szagun hat beispielsweise einen Überblick über den L1-Grammatikerwerbs gegeben, und dabei festgestellt, dass dieser nach dem 36ten Lebensmonat eines Kindes vervollständigt wird. (vgl. Szagun, G. 2013: Kap. 3).

2.2. Spracherwerb des Deutschen und des Französischen

Diesbezüglich haben einige Sprachforscher schon Ende des 19. und zu Beginn des 20.

Jahrhunderts (zunächst fürs Deutsche, später auch fürs Französische)

Tagebuchaufzeichnungen gemacht, um dem Spracherwerb ihrer eigenen Kinder (in den meisten Fällen) nachzuvollziehen. Mit Videoaufnahmen von Gesprächen, Interviews, Spontandaten und deren Verschriftlichungen, haben Wissenschaftler die Entwicklung des Spracherwerbs beobachtet, mit zahlreichen Hypothesen und mit unterschiedlichen Absichten. (z.B. Preyer 1882; Scupin und Scupin 1907, 1910; Stern und Stern 1928; Leopold 1949; Bronckart & Degang 1913; Meisel 1985; Behrens 1993; Szagun 2001; Rieckborn 2007).

Szagun (2001) und Rieckborn (2007) haben in ihren Studien auf zwei verschiedenen Perspektiven hingewiesen, zum Beispiel liefern sie Beweise dafür, welche Phasen der Spracherwerb durchläuft bis hin zur vollkommenen Beherrschung. Beide Autorinnen stimmen zu, dass Kinder im Grunde drei Hauptphasen durchschreiten: eine erste, eine mittlere und eine Endphase. Von den ersten Wörtern, wie Mama, bis zu dem Erwerb von komplexeren Satz- und Verbkonstruktionen, wie beispielsweise Passivsätzen oder Haupt- und Nebensätzen.

[...]

Details

Seiten
13
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783668236486
ISBN (Buch)
9783668236493
Dateigröße
658 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v333964
Institution / Hochschule
Universität Bremen
Note
1,7
Schlagworte
Französisch Sprachunterricht Zweitsprache Tempus Deutsch

Autor

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Titel: Negativer Transfer im deutschen und französischen Zweitspracherwerb