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Die Außenpolitik des Römischen Reiches unter Konstantin dem Großen

Hausarbeit 2010 17 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Die Ausgangssituation

III. Militärpolitik unter Konstantin

IV. Die Außenpolitik unter Konstantin
1. Konstantin an der Rheingrenze
2. Konstantin an der Donaugrenze
3. Konstantin und Persien

V. Fazit

Literatur- und Quellenverzeichnis

Anhang

I. Einleitung

In dieser Hausarbeit beschäftige ich mich mit der Außenpolitik des Römischen Reiches, die unter Konstantin dem Großen betrieben wurde.

Die Forschung interessiert sich insbesondere für das Verhältnis Konstantins zum Christentum. Er ist einer der meist erforschten Kaiser in der Spätantike und trotzdem ist es nicht leicht Material zu seiner Außenpolitik zu finden.

Die Sicherheit vor äußeren Bedrohungen spielte für das römische Volk aber nach wie vor eine große Rolle. Die Verteidigung der Grenzen war lebensnotwendig und damit Konstantin als Kaiser bestehen bleiben konnte, musste er für die Zufriedenheit des Volkes sorgen und unter anderem das Sicherheitsbedürfnis durch sichtbare Erfolge befriedigen. Um mir eine Übersicht über seine Außenpolitik zu verschaffen, habe ich mir einen Überblick über seine Siegertitel verschafft.1

Bevor ich mich explizit der Außenpolitik zuwende, werde ich mich mit der Militärpolitik beschäftigen und die Ausgangslage erläutern, die unter Diokletian entstand und grundlegend für Konstantin und seinen Erfolg ist. Im weiteren Verlauf werde ich Konstantins Vorgehensweise an den gefährdeten Gebieten des Reiches, am Rhein, an der Donau und an der Grenze zu Persien darstellen. Hierzu nutze ich unter anderem die Veröffentlichung Karen Pipenbrinks „Konstantin der Große und seine Zeit“, die Dissertation Barcelós zu „Roms auswärtigen Beziehungen unter der Constantinischen Dynastie (306-363)“ sowie Oliver Schmitts „Constantin der Große“. Als Quellen nutze ich darüber hinaus Zosimos sowie die Panegyrici Latini um meine Aussagen zur Außenpolitik zu belegen.

II. Die Ausgangssituation

Am Ende des 3. Jahrhunderts v. Chr. befand sich das Römische Reich in einer Krise. Die rechtsrheinische Provinz Germanien und Dakien oberhalb der Donau mussten aufgegeben werden und ständige Usurpationen schwächten das Reich im Innern in der sogenannten Soldatenkaiserzeit.2

Am 20. November 284 wurde Diokletian in Nikomedeia von seinen Truppen zum Kaiser ausgerufen. Seine Macht musste er im Bürgerkrieg gegen Carinus festigen. Im August/September 285 wurde er nach dem militärischen Erfolg gegen Carinus vom Senat im Amt bestätigt, womit er der offizielle Kaiser war.3

Zur Bewältigung der Krise schuf Diokletian ein neues Herrschaftssystem, die Tetrarchie4, welche bis 294 mit dem Aufnehmen des vierten Caesers vollendet wurde. Die stetige lokale Nähe eines Herrschers und die Verfolgung des gleichen Zieles, nämlich dem Reich wieder Stabilität zu verleihen, führten zu genau zum Erreichen dieses Zieles. Hinzu kamen die Reformen Diokletians, die ich hier nur kurz nennen und nicht weiter erläutern werde: Es wurde eine umfassende Heeresreform durchgeführt, die eine stärkere Grenzbefestigung, die Vergrößerung des Heeres, die Einführung eines mobilen Feldheeres und die Integration von Germanen ins Heer beinhaltete. Letzteres fand allerdings auch schon vor Diokletian statt.

Des Weiteren wurden die Provinzen neu gegliedert und die Anzahl nahezu verdoppelt von 50 auf 95. Dabei wurden auch die Sonderstellungen einiger Provinzen annulliert, die Senatoren nicht mehr als Statthalter eingesetzt und die Trennung von ziviler und militärischer Verwaltung vollzogen. Es gab eine Steuerreform und eine Währungsreform, die für neue Stabilität sorgten. Stabilität versprach sich Diokletian auch von einer einheitlichen Religion, aus diesem Grunde wurden bis 311 Christen verfolgt.5

Die Außenpolitik der Tetrarchie war durch die Zusammenarbeit positiv geprägt. Sie schafften es die Grenzen gegen die Germanen, die Sarmaten und Perser erfolgreich zu befestigen und zu halten, sowie Aufstände in Nordafrika und Britannien niederzuringen.6

III. Militärpolitik unter Konstantin

Die Heeresreform, die unter Diokletian nicht konsequent durchgeführt wurde, wurde von Konstantin aufgenommen und fortgeführt. Die Trennung des Heeres in ein mobiles Feldheer (comitatenses) und das fest stationierte Heer (limitanei) wurde nun mit Nachdruck durchgesetzt. Die gewünschte schnelle Mobilität hatte auch einen Verbesserung der Infrastruktur zufolge. Die mobile Feldeinheit wurde an strategisch sinnvollen Punkten im Landesinneren stationiert um schnell reagieren zu können und feindliches Eindringen niederschlagen zu können. Die kürzere Dienstdauer der Mitglieder des comitatus bis zur Entlassung und der Erringung der Privilegien eines Veteranen sowie ihr Ansehen, das ihnen mehr Stärke und Kraft nachsagt, führten zu einer, wenn auch geringen, Abnahme der Qualität der Moral und Kampfkraft der Grenztruppe.7

Konstantin setzte als Kommandeure des Heeres den magister peditus und den magister equitus ein. Allerdings wurde diese Trennung von Infanterie und Kavallerie auch nicht streng durchgeführt. Beide Teile des Heeres wurden von beiden Feldherren kommandiert.

Um seine Macht zu halten und ernstzunehmende Usurpationen zu verhindern, war es für Konstantin wichtig, dass er viele Offiziere und Soldaten als Unterstützung hinter sich hatte. Schon zur Regierungszeit seines Vaters hat er als Feldherr gedient und sich Anerkennung und Respekt verschafft. So wuchs zwischen Konstantin und dem Heer aus dieser Loyalität eine starke Verknüpfung, die es ihm ermöglichte sich erfolgreich gegen alle inneren Feinde durchzusetzen.8 Die Kampfverletzung Konstantins 324 in Adrianopel machte ihn bei den Truppen beliebt.

Wie wichtig die außenpoltischen Erfolge für das römische Volk waren, zeigen auch einige Alltagsgegenstände oder Münzen. So wurde 1985 auf dem Gelände einer römischen Villa ein Würfelturm gefunden mit der Inschrift Pictos victos, hostis deleta, ludite securi ( „Die Pikten sind besiegt, der Feind ist vernichtet, spielt unbekümmert.“) sowie utere felix vivas („Nutze ihn und lebe glücklich.“).9

Konstantin setze die von Diokletian begonnene Integration von Germanen ins Heer fort. Es ging ihm dabei aber nicht darum die heidnischen Barbaren zu Römern umzuerziehen, aber dennoch wurden die paganen Eigenschaften nach der Rekrutierung eher abgeschwächt.10 Besonders die Kämpfe gegen Maxentius und Licinius ermutigten zur Rekrutierung von Männern aus Gebieten hinter der Grenze in die Armee. Die Stärke und den Mut der Barbaren, die die Römer schon oft zu spüren bekommen haben, konnten Konstantin so gezielt für seine eigenen Zwecke einsetzen.

IV. Die Außenpolitik unter Konstantin

Die Militärpolitik war beeinflusst durch die Außenpolitik und die Erfolge in der Außenpolitik beeinflussten die Militärpolitik. Die römischen Kaiser hatten außer den innenpolitischen Krisen im 3. und 4. Jahrhundert auch außenpolitische Probleme zu bewältigen, denn trotz der Integration vieler Germanen, welche es zum Teil zum großen Feldherren brachten, waren die meisten Stämme den Römern nicht wohlgesonnen. Die Barbaren11 standen im Mittelpunkt der weströmischen Außenpolitik. Die Grenzen verliefen entlang der Donau und des Rheins. Die Grenze in Britannien stellte zur Zeit Konstantins kaum Schwierigkeiten dar.12 Lediglich im Jahr 313/14 erwarb er in Kämpfen den Beinamen Britannicus maximus und es ist schwer ihm außenpolitische Erfolge vor dieser Zeit anhand seiner Siegernamen nachzuweisen, da es in keinen Inschriften welche gab. Aufgrund der Tatsache, dass Konstantin ein Usurpator war, wurde es ihm lange Zeit verweigert, Siegestitel anzunehmen.13 Afrika war zu seiner Zeit nicht gefährdet.14 Im Osten war es Persien, das den Römern Schwierigkeiten bereitete.15

Rom als Kaiserresidenz hatte schon in der Tetrarchie ausgedient. Um ein schnelles Eingreifen bei Angriffen aus dem Feindesland zu gewährleisten, wählten die vier Herrscher neue Residenzstädte. Ganz im Westen wählte Konstantius I. Trier, welches nahe genug an der germanischen Grenze lag. Maximian hatte vor ihm dort residiert und wählte nun Mediolanum in der Poebene. Galerius hielt sich in Sirmium an der Save und in Thessalonike auf, während Diokletian in Nikomedia residierte. Diese Stadt bot ihm die Möglichkeit schnell an der Donau zu agieren und er befand sich auch nicht zu weit weg von der Grenze zu Persien.16

Konstantin erbaute sich eine Stadt nach seinem Namen: Konstantinopel, das neu gegründete Byzanz. Die Gründe hierfür sind vielfältig, ich hebe an dieser Stelle nur die militärische Bedeutung hervor.

In seinem Bürgerkrieg gegen Licinius entdeckte er die hervorragende Lage, in der sich Byzanz befand. Die Stadt, welche an der Kreuzung des Seeweges zwischen Mittelmeer und Schwarzem Meer, sowie des Landhandelsweges zwischen Asien und Europa lag, bot neben der guten Lage auch die Möglichkeit stark ausgebaut zu werden. So vergrößerte er die Fläche mindestens um das Dreifache. Nach seinem Sieg über Licinius brauchte Konstantin aber auch eine oströmische Residenz und er wählte verständlicherweise nicht die eng mit dem Andenken Diokletians verbundene Stadt Nikomedia. Aus dieser Position konnte er die gefährdeten Grenzen an der Donau und zu Persien jeweils schnell erreichen.17 Aber auch in Trier wurden von Konstantin zumindest an der kaiserlichen Residenz Umbauten vorgenommen.18 Von hier aus agierte er gegen die Germanen an der Rheingrenze.

[...]


1 Kienast, Dietmar: Römische Kaisertabelle, wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1990, S.298.

2 Leppin, Hartmut: Einführung in die Alte Geschichte, C.H. Beck oHG, München 2005, S.120.

3 Kienast, Dietmar: Römische Kaisertabelle, wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1990, S.262.

4 „Die „Tetrarchie” bezeichnet das von Diokletian geschaffene System einer gemeinsamen Herrschaft von vier Kaisern: Zwei „Oberkaiser“ (Augusti) und zwei „Unterkaiser“ (Caesares) sollten miteinander regieren; nach 10 Jahren sollten Caesares zu Augusti aufrücken und nach 20 Jahren zurücktreten. Im regelmäßigen Wechsel durch freiwillige Abdankung und Kooptation neuer Caeseres sollte dieses innovative Modell vor allem den Usurpationen vorbeugen. Leibliche Söhne der Caeseres waren von der Herrschaft ausgeschlossen. […]“, Antike Welt, Heft 3/2007, 38. Jahrgang, Philipp von Zabern, S.11.

5 Pipenbrink, Karen: Konstantin der Große und seine Zeit, Darmstadt ² 2007, S.12-21.

6 Pipenbrink, Karen: Konstantin der Große und seine Zeit, Darmstadt ² 2007, S.10-12.

7 Vgl. Lenski, Noel (Hg.): The Cambridge Companion to the Age of Constantine, Cambridge University Press 2006, S .331.

8 Konstantin war selber ein Usurpator gewesen. 306 n.Chr. ließ er sich von den Truppen seines verstorbenen Vaters zum Augustus ausrufen, gab sich aber kurz darauf in der Rolle des Caesers zufrieden. In dieser Rolle blieb er bis zum Tod des Galerius 311 n.Chr. Danach kam es zum Bürgerkrieg, bei dem er sich 312 im Westen gegen Maxentius durchsetze und 324 gegen Licinius im Osten. Trotz der schweren Zeit des Bürgerkrieges gelang es den Herrschern die äußeren Grenzen des Reiches weiter zu halten und den Feinden das zerrüttete Reich nicht preiszugeben.

9 Siehe Anhang Abb. 2.

10 Lenski: S. 324 (übersetzt).

11 Eusebius beschreibt diejenigen als Barbaren, die unzivilisiert außerhalb der Grenzen des Römischen Reiches nach ihren wilden Sitten lebten (Eusebius: VC I, 25).

12 Konstantius I., Konstantins Vater hatte 306 gegen die Pikten und Schotten siegreich gekämpft.

13 Kienast, , Dietmar: Römische Kaisertabelle, wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1990, S.42-43.

14 Der Kaiser Maximian hatte nach der Beseitigung des Usurpators Iulians auch maurische Stämme in Afrika zurückgeschlagen und die Grenze mit Befestigungsanlagen verstärkt (Oliver Schmitt: Constantin der Große, Kohlhammer Urban Taschenbücher, Stuttgart 2007).

15 Für eine Übersicht des römischen Reiches zurzeit Konstantin des Großen siehe Karte im Anhang (Abb. 1).

16 Oliver Schmitt: Constantin der Große, Kohlhammer Urban Taschenbücher, Stuttgart 2007, S.64.

17 Josef Engemann, „Warum gründete Konstantin eine zweite Hauptstadt?“ in: Konstantin der Große, Kaiser einer Epochenwende, Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg 2007, S.150.

18 Antike Welt, Heft 3/2007, 38. Jahrgang, Philipp von Zabern, S.19.

Details

Seiten
17
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783668235427
ISBN (Buch)
9783668235434
Dateigröße
8.9 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v333767
Institution / Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel – Historisches Seminar
Note
1,3
Schlagworte
Antike Constantin Römisches Reich Außenpolitik

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Titel: Die Außenpolitik des Römischen Reiches unter Konstantin dem Großen