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Die Devlin-Hart-Kontroverse. Ein rechtsethischer Konflikt zum Thema "Darf das Recht die Moral beeinflussen?"

Hausarbeit 2004 13 Seiten

Ethik

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Der Wolfenden Report und seine Vorgeschichte

3. Patrick Devlin: The Enforcement of Morals
3.1 Die Rolle der Moral für die Gesellschaft
3.2 Die Festlegung von Moral und Unmoral

4. H.L.A. Hart:

5. Devlin und Hart, gemessen am Schadensprinzip von John Stuart Mill

6. Schlussgedanken

1. Einleitung

Die stetige Veränderung der Gesellschaft ist untrennbar verbunden mit einer Anpassung und Modifizierung ihrer Werte und Normen. Tendenziell ist die Entwicklung von moralischen Prinzipien von Generation zu Generation auf stärkere Liberalisierung ihrer Inhalte ausgerichtet. Sie bietet somit Anlass zur Frage, ob sie der Integrität der Gesellschaft zum Schaden sei und Moral demzufolge durch das Recht gestärkt, bzw. durchgesetzt werden dürfe. Diese Frage zieht in ihrem Umfang eine Fülle anderer rechtsethischer Konflikte mit sich, wie zum Beispiel jene über die Grenzen des Machtbereichs von staatlich gesetztem Recht, die Trennung von privater und öffentlicher Moral oder die Begrenzung der Rechte des Individuums zum Schutz der Gesellschaft. Die wohl berühmteste Kontroverse zum Einfluss von Recht auf Moral entbrannte in den 1950er bzw. 60er Jahren zwischen dem Rechtspositivisten und Richter des Obersten Gerichts Großbritanniens Lord Patrick Devlin und dem Rechtsphilosophen Herbert Lionel Adolphus Hart anlässlich eines umstrittenen Berichts des 1954 vom britischen Parlament eingesetzten Wolfenden- Komitees. Seine Aufgabe war die Prüfung einiger skandalöser Rechtsurteile gegen Homosexuelle und Prostituierte. Konklusion seiner Arbeit und Kernaussage des Berichts war die Forderung, Homosexualität nicht länger als Verbrechen zu betrachten und einen gewissen Privatraum dem Einwirken des Rechts vorzuenthalten. Letztere gab den Ausschlag für eine Auseinandersetzung zwischen Befürwortern, allen voran Patrick Devlin und Gegnern, insbesondere H.L.A. Hart, der rechtsgestützten Moral, deren Gegenstand weniger die normative Beurteilung von Homosexualität als das Verhältnis von Moral, Recht und Gesellschaft war. Der wesentliche Streitpunkt dieser Debatte ist der Umgang mit moralisch strittigen Handlungen, die sich nicht unmittelbar auf andere auswirken und ihnen keinen ersichtlichen Schaden zufügen, so genannte victimless immoralities. Ihre Klassifizierung als Straftat ist auf den ersten Blick nicht zureichend begründbar, soll aber in der nachfolgenden Darstellung zweier ausgeprägter rechtsethischer Positionen näher betrachtet werden.

2. Der Wolfenden Report und seine Vorgeschichte

Im Winter 1953 erreichte die Zahl der Verhaftungen von Homosexuellen aufgrund strafrechtlich verfolgbarer „Notzucht“ mit 3087 Arresten ihren Höhepunkt in der Geschichte Englands, oft zusammengefasst unter dem Begriff The Great Purge („Die große Säuberung“). Unter den Angeklagten befanden sich auch Novellist Rupert Croft-Cooke, Journalist Peter Wildblood und der als Lord Montagu bekannte Edward Douglas-Scott-Montagu, deren Präsens in der Öffentlichkeit auch die Medien auf diese Prozesse aufmerksam machte. Am 26. August 1954 berief das Britische Unterhaus ein Abteilungskomitee, bestehend aus 15 Männern und Frauen zur Untersuchung von Gesetzen gegen homosexuelle Vergehen. Unter der Leitung von John Frederick Wolfenden, dem Vize-Kanzler der Universität Uppingham, beriet sich das Komitee über drei Jahre und veröffentlichte am 3. September 1957 als Resultat seiner Überlegungen den Report of the Departmental Committee on Homosexual Offences and Prostitution („Bericht des Abteilungskomitees über homosexuelle Vergehen und Prostitution“). Diese Studie enthielt die Empfehlung, homosexuelles Verhalten zwischen Erwachsenen bei gegenseitigem Einverständnis nicht länger als eine Straftat zu betrachten:

"…homosexual behavior between consenting adults in private should no longer be a criminal offence."[1],

Gesellschaft und Gesetz die individuelle moralische Freiheit von privaten Handlungen respektieren sollten: "… the importance which society and the law ought to give to individual freedom of choice and action in matters of private morality[2], und jene private Moral nicht zum Einflussbereichs des Gesetzes gehöre: “ there must remain a realm of private morality and immorality which is … not the law’s business ” [3]. Diese liberalen Empfehlungen trugen 1967 wesentlich zur Einführung des Sexual Offences Act bei, ein Gesetz, das dem Privatleben von homosexuellen Erwachsenen ein Maß an Freiheit einräumte und als Wendepunkt in der Legalisierung von Homosexualität im westlichen Kulturraum gilt.

3. Patrick Devlin: The Enforcement of Morals

Die in ihren Ausführungen umfangreichste Kritik am Bericht des Wolfenden- Komitees, ein 1959 veröffentlichter Aufsatz mit dem Titel The Enforcement of Morals stammt von dem Rechtspositivisten Lord Patrick Devlin. Der ehemalige Richter des Obersten Gerichts Englands Queen´s Bench, sieht in differierendem moralischen Verhalten innerhalb einer Gesellschaft eine substanzielle Gefahr für eben diese und begründet so die Notwendigkeit des Rechtseinflusses auf die Moral. Als Reaktion auf eine sich anbahnende Reform einzelner Normen im englischen Sexualstrafrecht verfasste er eine Abhandlung zur Ethik der Rechtswissenschaft, deren für die Devlin- Hart- Debatte relevanten Kernaussagen ich im folgenden Kapitel wiedergeben möchte.

[...]


[1] Vgl. The Wolfenden Report: Report of the Committee on Homosexual Offences and Prostitution, Paragraph 62.

[2] Vgl. ebd.

[3] Vgl. ebd.

Details

Seiten
13
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638336963
ISBN (Buch)
9783638819664
Dateigröße
450 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v33150
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
1,7
Schlagworte
Devlin-Hart-Kontroverse Konflikt Thema Darf Recht Moral Einführung Angewandte Ethik

Autor

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