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Zukunftsperspektiven des Wattenmeeres - Möglichkeiten zur Sicherung eines Ökosystems

Diplomarbeit 2004 143 Seiten

Ingenieurwissenschaften - Bauingenieurwesen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Ökosystem Wattenmeer
2.1 Beschreibung des Wattenmeeres
2.2 Verschiedene Wattarten-
2.3 Fauna und Flora
2.3.1 Vögel
2.3.2 Fische
2.3.3 Meeressäuger
2.3.4 Pflanzen

3 Internationaler Meeresschutz
3.1 Notwendigkeit von Maßnahmen durch anthropogene Einflüsse
3.1.1 Stoffeinträge
3.1.1.1 Nährstoffe und Eutrophierung
3.1.1.2 Schadstoffe
3.1.2 Schifffahrt
3.1.2.1 Entwicklung des Schiffsverkehrs
3.1.2.2 Meeresverschmutzung durch Schiffe
3.1.3 Fischerei
3.1.3.1 Garnelenfischerei
3.1.3.2 Miesmuschelfischerei
3.1.3.3 Auswirkungen auf Fischbestände
3.1.4 Küstenschutz
3.1.5 Ressourcennutzungen
3.1.5.1 Windenergie
3.1.5.2 Rohstoffförderung
3.1.5.3 Rohrleitungen und Kabel
3.1.6 Tourismus
3.1.7 Militärische Aktivitäten
3.1.8 Baggergutverklappungen
3.2 Internationale Konventionen zum Schutz des Wattenmeeres
3.2.1 MARPOL-Übereinkommen
3.2.2 OSPAR-Konvention
3.3 Internationale Nordseeschutzkonferenzen
3.4 Maßnahmen der EU

4 Trilaterale Wattenmeerkooperation
4.1 Trilaterale Wattenmeerkonferenzen und ihre Beschlüsse
4.2 Funktionsweise der Kooperation
4.3 Effektivität des Wattenmeerschutzes

5 Möglichkeiten einer interdisziplinären, unabhängigen Expertengruppe als Kontrolleinrichtung
5.1 Notwendigkeit der verbesserten Kooperation
5.2 Die Expertengruppe
5.3 Fundamentale Modifikationen der zukünftigen Kooperation
5.4 Struktur der Ressorts
5.4.1 Ressort I: Fishery
5.4.2 Ressort II: Representation of the Resident Population and their Interests
5.4.3 Ressort III: Coastal Defence & Dumping
5.4.4 Ressort IV: Military Affairs
5.4.5 Ressort V: Nature Protection & Environmental Protection
5.4.6 Ressort VI: Governmental Representation
5.4.7 Ressort VII: Use of Resources
5.4.8 Ressort VIII: Shipping
5.4.9 Ressort IX: Tourism & Recreational Activities

6 Kritische Betrachtung

7 Schlusswort

8 Quellen

1 Einleitung

Mit dem Wattenmeer liegt in der südöstlichen Nordsee eines der wertvollsten, vielfältigsten und einzigartigsten Gebiete der Erde. Seine Einzigartigkeit spiegelt sich vor allem in seiner hohen Dynamik und großen Produktivität wider. Im Verlauf des 20. Jahrhunderts traten die menschlichen Nutzungen des Wattenmeeres immer mehr in den Vordergrund und ließen eine nachhaltige Vorgehensweise anfangs außer Acht. Die Bedeutung, die das Ökosystem vor allem für die Natur, aber auch für den Menschen einnimmt, wird auch heute noch durch die stetige Zunahme der anthropogenen Einflüsse in ihrer Position gefährdet. Durch die verstärkte Entwicklung eines umweltbewussten Denkens und Handelns und der Erkenntnis, dass das Wattenmeer für die Zukunft zu erhalten und zu schützen ist, wurden sowohl in der Vergangenheit und werden auch heute noch Regelungen festgesetzt, die den Zustand des Ökosystems verbessern und für eine zukünftige Sicherung des Gebietes sorgen sollen.

Diese Regelungen wurden in Form von Konventionen, Richtlinien und Beschlüssen auf zahlreichen Konferenzen und Treffen, sowohl auf internationaler als auch europäischer Ebene, vereinbart und verabschiedet. Richtungsweisende Beispiele sind hierbei die Internationalen Nordseeschutzkonferenzen sowie im Besonderen die Trilaterale Wattenmeerkooperation zwischen den Niederlanden, Deutschland und Dänemark, die sich an folgendem Leitsatz orientiert:

„The Guiding Principle of the trilateral Wadden Sea policy as agreed at the Esbjerg Conference in 1991 is to achieve, as far as possible, a natural and sustainable ecosystem in which natural processes proceed in an undisturbed way.”[1]

Beide Entwicklungen - die Internationalen Nordseeschutzkonferenzen und die Trilaterale Wattenmeerkooperation - haben viel zu einer verbesserten Zusammenarbeit der Anrainerstaaten und einem verbesserten Wattenmeerschutz beigetragen. Jedoch besitzen gefasste Beschlüsse der Internationalen Nordseeschutzkonferenzen keine Rechtsverbindlichkeit, so dass bei einer Nichterfüllung keine Sanktionen gegenüber den Vertragsstaaten erfolgen dürfen. Ebenso verhält es sich bei der trilateralen Kooperation. Dort vereinbarte Maßnahmen basieren auf der 1982 durch die drei Anrainerstaaten unterzeichneten Absichtserklärung und besitzen aus diesem Grund keinen verpflichtenden Charakter. Eine Umsetzung ist somit vom Willen des jeweiligen Wattenmeeranrainers und seinen Bemühungen abhängig. Ein weiterer hinderlicher Aspekt der trilateralen Wattenmeerpolitik besteht darin, dass diese die Unterschiede in der rechtlichen und administrativen Struktur der drei Länder zu überwinden hat. Ein einheitlicher Schutz des gesamten Wattenmeergebietes ist unter diesen Umständen kaum möglich.

1987 wurde im Rahmen der Trilateralen Wattenmeerkooperation die Gründung des Gemeinsamen Wattenmeersekretariats beschlossen, um die Zusammenarbeit unter anderem hinsichtlich der Koordinierung gemeinsamer Aktivitäten und deren Überwachung wirksamer zu gestalten. So sollen zum Beispiel die vereinbarten gemeinsamen Grundsätze und Ziele durch diese zwischenstaatliche Organisation koordiniert werden. Das Wattenmeersekretariat besitzt jedoch nur einen Beobachterstatus und ist dadurch nicht weisungsbefugt. Die Idee hinter der Erschaffung einer solchen Institution geht jedoch schon in die richtige Richtung.

Für eine nachhaltige Sicherung des Ökosystems Wattenmeer ist allerdings die Umsetzung von Maßnahmen und Beschlüssen im Zuge einer trilateralen Zusammenarbeit notwendig, die nicht allein auf dem guten Willen der drei Länder beruhen darf. Deshalb sollte die Kooperationspolitik einen rechtsverbindlichen Charakter erhalten, so dass die Anrainerstaaten zu einem einheitlichen Vorgehen verpflichtet wären und es bei einer Missachtung geltenden Rechts zur Auferlegung von Sanktionen kommen würde. Ferner müsste eine Institution geschaffen werden, die mehr Kompetenzen in sich vereint, wodurch es zu einer schnelleren und vor allem effektiveren Arbeitsweise kommen kann.

Im Rahmen dieser Arbeit soll die Erschaffung einer interdisziplinären und unabhängigen Expertengruppe aufgezeigt werden, die an dem zuvor genannten Ansatz anknüpft und mit Hilfe einer verbesserten trilateralen Kooperationsstruktur die Schwächen der derzeitig betriebenen Wattenmeerpolitik auszugleichen versucht. So sollen in diesem Zusammenhang die Arbeitsweise der Trilateralen Expertengruppe und die erforderlichen Verbesserungen der derzeitigen Kooperationsstruktur und des rechtlichen Status erläutert werden.

Um die Notwendigkeit einer verbesserten trilateralen Wattenmeerpolitik zum Schutz des Ökosystems besser verstehen zu können, soll im Folgenden zunächst eine kurze Darstellung des Wattenmeeres und seiner Funktionen erfolgen. Im Anschluss daran soll anhand der wichtigsten anthropogenen Einflüsse die Erfordernis des internationalen Meeresschutzes für das Wattenmeer verdeutlicht werden. In diesem Zusammenhang wird auch auf die wichtigsten internationalen und europäischen Vereinbarungen und Richtlinien eingegangen. Im weiteren Verlauf der Ausarbeitung soll auch auf die bereits erwähnte Trilaterale Wattenmeerkooperation, ihre Struktur und die Effektivität ihrer Vorgehensweise eingegangen werden.

Im Mittelpunkt der Arbeit steht die oben bereits angeführte Erschaffung einer Trilateralen Expertengruppe als eine Möglichkeit zur Sicherung des Ökosystems Wattenmeer, die im Anschluss daran dargestellt werden soll. Hierbei wird auch auf die grundlegende Modifikation der zukünftig agierenden Kooperation, welche zur Umsetzung eines effektiveren Wattenmeerschutzes erforderlich ist, eingegangen.

Abschließend soll anhand einer kritischen Betrachtung auf die Vor- und Nachteile der neuen Struktur eingegangen werden.

2 Ökosystem Wattenmeer

2.1 Beschreibung des Wattenmeeres

Als Wattenmeer wird der Lebensraum im Übergangsbereich zwischen der Festlandküste Nordwesteuropas und der Nordsee bezeichnet. Seine Fläche von etwa 9.000 km², die sowohl Inseln als auch Salzwiesen, Wattflächen und Priele umfasst, macht es zur größten zusammenhängenden Wattenregion der Welt. Sein Gebiet erstreckt sich über eine Länge von zirka 450 Kilometern (Luftlinie) entlang der Nordseeküste vom niederländischen Den Helder bis nach Esbjerg in Dänemark. Die Breite variiert zwischen 10 und 35 Kilometern, wobei das Gebiet zwischen dem schleswig-holsteinischen Eiderstedt und der Nordspitze Sylts das breiteste darstellt.[2] Eine Begrenzung des Wattenmeergebietes wird per Definition festgelegt, da es im physikalischen Sinne nicht möglich ist, diese Region einzugrenzen. Landseitig ist es durch die Festlanddeiche begrenzt. Die seeseitige Linie liegt einige Kilometer vor den west-, ost- und nordfriesischen Inseln und wird durch die so genannte 10 Meter-Tiefenlinie festgelegt.[3] Dadurch entsteht eine Zweiteilung des Wattenmeeres in das äußere, den Bereich zwischen der 10 Meter-Tiefenlinie und den Inseln[4], und das innere Wattenmeer zwischen den Inseln und den Festlanddeichen.[5]

Vom Festland aus münden einige Flüsse in das Wattenmeer, zu denen unter anderem die deutschen Flüsse Ems, Weser und Elbe sowie der dänische Fluss Varde Å gehören. Dieser ist mit seiner trichterförmigen Flussmündung, auch Ästuar genannt, als einziger relativ natürlich verblieben und wurde nicht durch anthropogene Eingriffe verändert. Insgesamt fließen durch die Flüsse jährlich rund 50 bis 60 km³ Süßwasser ins Wattenmeer.

Die Einzigartigkeit des Wattenmeeres hat das Interesse der Wissenschaftler in den letzten Jahrzehnten verstärkt auf sich gezogen. Außer der relativ kurzen Region[6] in der südöstlichen Nordsee, erfüllt kein anderes Wattengebiet alle der im Folgenden aufgeführten Eigenschaften[7]:

- Der Tidenhub muss mindestens 1,35 Meter betragen, um weite Bereiche überfluten und mit Sedimenten versorgen zu können.[8]
- Die Strömungen dürfen nicht zu stark und der Einfluss der Sturmfluten nicht zu groß sein, da die abgelagerten Sedimente ansonsten durch die erhöhte Erosionskraft wieder abgetragen werden würden.
- Eine Barriere in Form von Inseln, Strandwällen oder Sandbänken muss zur Sicherung ruhiger Sedimentationsräume vorhanden sein.
- Der Meeresboden muss flach sein und darf nur allmählich zum Land hin ansteigen.
- Der Küstenraum muss sich senken beziehungsweise muss der Meeresspiegel allmählich steigen, denn nur so können ständig neue Sedimente abgelagert werden.
- Das Hinterland muss flach sein. Bei ansteigendem Geländeprofil würden die Flüsse größere Kraft entwickeln und neben feinem Material auch grobe Sand- und Geröllfrachten transportieren.
- Ein gemäßigtes Klima bedingt die vorhandene Tier- und Pflanzenwelt.
- Die Produktion und Zufuhr von organischem Feinmaterial aus dem Meer und den Flüssen muss garantiert sein.

Besonders geprägt wird das Wattenmeer durch die Gezeiten, auch Tiden genannt. Sie entstehen durch die Anziehungskraft des Mondes und in geringem Maße auch der Sonne sowie durch die Fliehkraft zwischen dem Erdsystem und dem des Mondes. Das Wasser läuft zweimal täglich aus der Nordsee durch tiefe Rinnen zwischen den Inseln und Außensänden in Richtung Küste auf und anschließend auch wieder ab. Dies wird als Flut und Ebbe bezeichnet. Die bereits aufgeführten tiefen Rinnen werden in Niedersachsen Seegats und in Schleswig-Holstein Wattströme genannt. Von ihnen aus gelangt das einströmende Wasser über ein fächerförmiges System von tiefen und flacheren Prielen in das eigentliche Watt und in Richtung Festland. Der zeitliche Abstand zwischen zwei Hochwassern beträgt hierbei 12 Stunden und 25 Minuten, so dass sich eine tägliche Verschiebung der Tiden um etwa eine Stunde ergibt. Der Unterschied zwischen Hoch- und Niedrigwasser wird als Tidenhub bezeichnet. Ferner kommt es in Folge der Anziehungskräfte zu unterschiedlichen Tidenhöhen. Bei Neu- oder Vollmond, demnach an Tagen, an denen Sonne, Mond und Erde in einer Linie stehen, addieren sich die Anziehungskräfte und bewirken somit eine Verstärkung der Gezeitenbewegung. Als Folge dessen läuft die Flut höher auf und die Ebbe niedriger ab. Es kommt zu einer so genannten Springtide. Bei zu- beziehungsweise abnehmender Mondphase - Sonne, Mond, und Erde stehen im rechten Winkel zueinander - schwächen sich die Anziehungskräfte gegenseitig und es kommt zu einer geringeren Gezeitenbewegung. Das Hochwasser fällt niedriger aus und das Niedrigwasser läuft nicht so weit ab. Dieser Vorgang wird als Nipptide bezeichnet.[9]

In Folge dieser Naturerscheinungen kommt es zum Teil zu sehr unterschiedlichen Schwankungen im Tidenhub, die das Leben der Menschen sowie das der Lebewesen im Wattenmeer stark prägen. Sie alle richten ihren Rhythmus nach den Gezeiten aus. Von entscheidender Bedeutung ist dabei vor allem, dass die Phase der Flut kürzer ist als die der Ebbe. Dies bedeutet folglich, das Wasser läuft schneller auf als es wieder zurückgeht. Durch diesen Prozess kommt es bei jeder Flut zu einem hohen Eintrag von nähr- und sauerstoffreichem Wasser aus der Nordsee.

Dies macht die untrennbare Verbundenheit zwischen der Nordsee und dem Wattenmeer deutlich. Demnach ist das Wattenmeer kein autarkes System und auf die Zufuhr organischer Substanz von außen angewiesen. Es wird deshalb auch als Import-Ökosystem bezeichnet. Diese Abhängigkeit lässt sich ebenso in Zahlen ausdrücken: Der Eintrag an organischer Substanz aus der Nordsee und die pflanzliche Eigenproduktion stehen in etwa im Verhältnis von 2:3 zueinander. Wie wichtig die Zufuhr von außen hierbei ist, lässt sich leicht darstellen. Das Wattenmeer weist nur eine geringe Artenvielfalt auf, da nur wenige Arten überhaupt in der Lage sind, sich an die erschwerten Bedingungen im Wattenmeer, auf die später noch einmal eingegangen wird, anzupassen. Um dennoch in diesem Ökosystem überleben zu können, sind die meisten Arten auf eine hohe Individuenzahl angewiesen. Infolgedessen kommt es zu einer hohen Siedlungsdichte und einem großen Nahrungsbedarf, der vom Wattenmeer jedoch nicht gedeckt werden kann. Dadurch ist die Zufuhr von nährstoffreichem Wasser aus der Nordsee nötig, die zweimal täglich durch den Gezeitenvorgang gewährleistet wird. Dies macht deutlich, dass sich Einwirkungen auf die Nordsee letztlich und in verstärktem Maße auf das Wattenmeer auswirken.[10]

Die in das Wattenmeer gelangenden Schweb- und Sinkstoffe, auch Detritus genannt, werden auf unterschiedliche Art und Weise abgebaut. So werden sie zum Beispiel von filtrierenden Organismen wie den Muscheln durch das Wasser aufgenommen. Eine zirka drei Zentimeter lange Miesmuschel kann hierbei einen Liter Wasser pro Stunde filtern, so dass Miesmuscheln im Sommer rein theoretisch alle 10 bis 30 Tage das gesamte Wattenmeerwasser filtern. Der Abbau der genutzten Substanzen führt zu einer Remineralisierung und somit zur Anreicherung des Wassers mit Nährsalzen und Pflanzennährstoffen wie Nitrat, Ammonium und Phosphat. Die aufgenommene Nahrung wird dabei sortiert. Unverdauliche oder überschüssige Teilchen werden mit Schleim ummantelt und als so genannte Pseudofaeces ins Wasser abgegeben. Diese sinken in die Räume zwischen den Muscheln und sorgen auf diese Weise für eine Erhöhung der Muschelbank. Dies können bis zu 30 Zentimetern pro Jahr sein. In Bereichen von Miesmuschelbänken kommt es außerdem zu einer hohen Sedimentation von Feinmaterial, in denen es ohne die Muschelbänke oftmals keine geben würde. Wenn sich die Schwebstoffe am Boden des Wattenmeeres abgelagert haben, werden sie von den dort lebenden Bodenorganismen, auch als Benthos bezeichnet, abgebaut. Für den Abbau wird Sauerstoff benötigt, der ebenfalls mit dem Gezeitenwasser in das Ökosystem gelangt. Die produzierten Nährsalze dienen vornehmlich der Pflanzenproduktion, wobei nicht benötigte Mengen an die Nordsee abgegeben werden.[11]

2.2 Verschiedene Wattarten

Sowohl die Verteilung als auch die Sedimentation der organischen Substanz sind von den vorherrschenden Strömungsbedingungen abhängig. Hierdurch entsteht auch die unterschiedliche Schichtung des Bodenmaterials. Aufgrund dieser Schichtung sind im Bereich des Ökosystems drei Wattarten vorhanden. Sie bringen durch ihre unterschiedliche Zusammensetzung und Lage verschiedene Tier- und Pflanzengemeinschaft hervor.[12] Die drei Wattarten haben einen fließenden Übergang. Sie sollen in Tabelle 1 näher erläutert werden.

Tab. 1: Die wichtigsten Eigenschaften der drei Wattarten im Wattenmeer.[13]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Das Sandwatt: Mit einer vorherrschenden Korngröße von über 0,1 Millimetern Durchmesser besteht das Sandwatt zu fast 90 % aus Sand und nur zu geringen Anteilen aus Schlick, der sich aus Schluff und Ton zusammensetzt. Diese Wattart nimmt den größten Flächenanteil im Wattenmeer ein. Sie tritt häufig in der Nähe von Prielen und Seegats auf und ist somit einer hohen Strömungsgeschwindigkeit sowie dadurch bedingter ständiger Umlagerung der Oberflächenschicht ausgesetzt. Eine Ablagerung kleinerer Partikel ist unter diesen Bedingungen kaum möglich, so dass der Anteil an organischer Substanz gerade einmal 1 % beträgt. Dadurch zählt das Sandwatt zu einem der artenärmsten und fast vegetationsfreien Bereiche im Wattenmeer. Dennoch leben auch hier einige Lebewesen, die sich an die Bedingungen angepasst haben. Ein Beispiel ist der erwachsene Wattwurm, der mit seinen J-förmigen Wohngängen in bis zu 30 Zentimetern Tiefe vor den hohen Strömungsgeschwindigkeiten relativ gut geschützt ist. Bedingt durch einen guten Wasseraustausch und einen großen Porenraum wird das Sandwatt noch bis zu einer Tiefe von etwa 10 Zentimetern mit Sauerstoff versorgt. Darüber hinaus leben im Sandwatt auch der Bäumchenröhrenwurm, die Plattmuschel und der Seeringelwurm. Durch den starken Wellengang bildet sich meist eine deutlich sichtbare „Rippelstruktur“ aus. Trockenes Sandwatt besitzt eine feste Struktur. Es ist gut begehbar und wird deswegen auch häufig zu Wattwanderungen genutzt. Sein Bodenwassergehalt beträgt nur etwa 25 %.

Das Mischwatt: Die dominierende Korngröße des Mischwatts liegt bei 0,06 bis 0,1 Millimetern Durchmesser, wobei es zu 10 bis 50 % aus Schlick. Den restlichen Anteil bildet Feinsand. Mischwatt bildet sich vor allem in strömungsärmeren Bereichen, als Übergangszone zwischen dem Sand- und dem Schlickwatt aus. Ein typisches Kennzeichen ist die hohe Dichte von Kothaufen und Fraßtrichtern des Wattwurms, der diese Wattart zumeist sehr eng besiedelt. Unter optimalen Bedingungen kommen 25 bis 50 Tiere pro Quadratmeter Wattfläche vor. Weitere Lebewesen im Mischwatt sind der Pygospio- oder auch Rasenringelwurm, die Herz-, Platt- und Sandklaffmuschel sowie der Schlickkrebs. Bei einem Bodenwassergehalt von 25 bis 50 % ist das Mischwatt noch gut begehbar. Durch die verringerten Strömungsgeschwindigkeiten in diesem Bereich beträgt der Anteil an organischer Substanz zirka 4 %.

Das Schlickwatt: Vor allem in Landnähe tritt Schlickwatt auf. Es besitzt mit einer vorherrschenden Korngröße von weniger als 0,06 Millimetern, die zu mehr als 50 % aus Schlick besteht, einen sehr kleinen Porenraum, so dass der Wassergehalt des Bodens bei 50 bis 70 % liegt. Auf Grund dieser Tatsache besitzt das Schlickwatt meist eine glatte und wasserglänzende Oberfläche, in der man leicht einsinken kann. Durch die sehr geringe Strömungsgeschwindigkeit kommt es zu einem Gehalt an organischer Substanz von zirka 10 %. Da es sehr nährstoffreich ist, besitzt das Schlickwatt eine größere Artenvielfalt. Es ist um etwa ein sechsfaches reicher an Biomasse als zum Beispiel das Sandwatt. Auftretende Lebewesen in diesem Wattenbereich sind zum Beispiel die Pfeffermuschel, der Schlickkrebs, die Wattschnecke, der junge Wattwurm, die Strandschnecke und der Kotpillenwurm, dessen kleine schwarze Kotpillenhäufchen oft die Oberfläche des Schlickwatts kennzeichnen. Das relativ hohe Artenvorkommen hat allerdings zur Folge, dass auch ein erhöhter Sauerstoffbedarf notwendig ist. Der sehr kleine Porenraum und die kurze Zeit der Wasserbedeckung sorgen im Bereich des Schlickwatts für eine Unterversorgung von Sauerstoff. Es entstehen anoxische[14] Bedingungen, unter denen beim Abbau organischer Substanz Schwefelwasserstoff entsteht, der einen fauligen Geruch verursacht. Zudem wird Eisensulfid ausgefällt, welches dem Wattboden eine bläulich-schwarze Färbung verleiht. Diese Schicht wird auch als Reduktionsschicht bezeichnet und beginnt im Schlickwatt unter natürlichen Gegebenheiten schon wenige Millimeter unter der Oberfläche. Eine weitere Eigenschaft ist die dauerhafte Anlandung und Erhöhung des Schlickwatts, da bei jeder Flut neue Schwebstoffe aufgespült werden. Diese werden meist durch eine dünne Algenschicht vor dem Abtragen geschützt. Diese Art der Schlicksedimentation, nämlich das Binden von Stoffen durch Lebewesen und somit die Herausnahme aus dem aktuellen Stoffkreislauf des Ökosystems, wird als Biodeposition bezeichnet.

Die pflanzliche Produktion durch größere Algen wie Meersalat, Blasen- und Darmtang oder auch Seegras spielt im Wattenmeer eine untergeordnete Rolle, da diese sich in dem weichen Wattboden nicht dauerhaft ansiedeln können. Hauptproduzenten sind die Mikroalgen, also die einzelligen Algen, und hier besonders die auf der Wattoberfläche angesiedelten Kieselalgen. Sie verleihen der Oberfläche ihre bräunliche Farbe und können im Sommer mit einer Dichte von bis zu drei Millionen Zellen pro Quadratzentimeter vorkommen.[15] Wie Tabelle 2 zu entnehmen ist, erreicht das Watt dabei eine mehr als doppelt so hohe pflanzliche Produktion wie die freie Nordsee und wird im Wesentlichen nur von tropischen Regenwäldern und Korallenriffen übertroffen.

Tab. 2: Pflanzliche Produktion einiger Lebensräume (in Gramm Kohlenstoff pro m² und Jahr).[16]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.3 Fauna und Flora

Bedingt durch den hohen Nährstoffreichtum kommt es im Wattenmeer zu einem enormen Nahrungsangebot. Dieses ist mitunter einer der Faktoren, die dem Ökosystem für Pflanzen und Tiere eine so bedeutende Rolle zukommen lässt. Um einen besseren Überblick über die Vielfältigkeit der Faktoren zu erhalten, soll auf die wichtigsten von ihnen im weiteren Verlauf näher eingegangen werden.

2.3.1 Vögel

Das Wattenmeer stellt eines der wichtigsten Brutgebiete für die Seevögel Mitteleuropas dar. Schätzungsweise ein halbe bis dreiviertel Million Watt- und Wasservögel nutzt dabei im Sommer dieses Gebiet für ihr Brutgeschäft. Sie bevorzugen das Ökosystem vor allem aufgrund seines hohen Nahrungsangebotes und wählen zumeist Brutgebiete, die dicht an den benachbarten Wattflächen oder Prielen liegen. Geschützte Dünen, Salzwiesen und Strände werden hierbei besonders bevorzugt. Durch die geringe Distanz zwischen Nahrungs- und Brutgebiet ist die Möglichkeit einer wirksameren Bestandssicherung gegeben. Auffälligste und bekannteste Vertreter der Brutvögel sind Lach- und Silbermöwe, Austernfischer und Sandregenpfeifer.

Im Frühjahr und Herbst wird das Wattenmeer von ungefähr acht bis zehn Millionen Zugvögeln bevölkert. Das Ökosystem bildet hierbei eine wichtige Station auf dem bis zu 16.000 Kilometer langen ostatlantischen Zugweg, den diese Vögel jedes Jahr aufs Neue zu bewältigen haben, da ansonsten kaum geeignete Rastbiotope zur Verfügung stehen. Dabei stellt das Wattenmeer die größten Nahrungsressourcen zur Verfügung. Die Vögel ruhen sich hier auf geeigneten Rastplätzen für den bevorstehenden Flug aus und fressen sich innerhalb kürzester Zeit Fettreserven an, die sie für die teilweise sehr Kräfte zehrende Strecke benötigen. Die Brutgebiete dieser Vögel erstrecken sich dabei von Nordostkanada über Grönland und Nordskandinavien bis nach Nordrussland und Nordwestsibirien. Einige Vogelarten überwintern bei milder Witterung im Wattenmeer, machen aber mit einer bis anderthalb Millionen Tieren einen eher geringen Teil aus. Beispiele sind hier Brandgans und Eiderente. Aufgrund des eher geringen Nahrungsangebots zu dieser Jahreszeit kann es bei Extremereignissen wie plötzlicher Vereisung zu hohen Ausfällen bei den überwinternden Arten kommen. Die meisten Tiere ziehen somit weiter gen Süden, wo sie ihre Überwinterungsgebiete an der Atlantikküste Frankreichs und Portugals sowie an den Küsten West- und Südafrikas besiedeln. In Abbildung 1 ist dieser Zugweg am Beispiel von vier verschiedenen Vogelarten dargestellt, wobei der Alpenstrandläufer und der Knutt zu den am zahlreichsten vertretenen Zugvogelarten im Wattenmeer zählen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Brut-, Rast- und Überwinterungsgebiete auf dem ostatlantischen Zugweg.[17]

Eine weitere Rolle spielen die Gastvögel im Wattenmeerraum. Sie verbringen in ihrer Heimat nur die zum Brüten und zur Aufzucht der Jungen benötige Zeit. Die Brutgebiete liegen dabei überwiegend in den Tundren und an den Küsten Eurasiens, die sich von dort aus über die arktischen Inseln bis nach Grönland erstrecken. Zu den Gastvögeln gehören unter anderem Ringelgans, Pfeifente und Eiderente. Einige von ihnen mausern auf den Sänden im Watt. So zum Beispiel die Eiderenten, bei denen die Erpel während dieser Zeit ihre Schwungfedern abwerfen und somit für kurze Zeit flugunfähig sind. Dabei nutzen die mausernden Gastvogelarten den großen Nahrungsreichtum, um den hohen Energieverbrauch, der bei der Bildung eines neuen Federkleides benötigt wird, abzudecken. Das Wattenmeer fungiert ebenfalls als Übersommerungsgebiet. Bekannte Beispiele sind hier der Alpenstrandläufer und die Pfuhlschnepfe.[18]

2.3.2 Fische

Im Wattenmeer leben etwa 100 erfasste Arten, wobei alle auch außerhalb dieses Gebietes vorkommen. Ungefähr 20 von ihnen zählen zu den häufiger vorkommenden Arten. Dabei ernähren sie sich hauptsächlich von Plankton, Wirbellosen und kleinen Fischen und stellen ihrerseits eine wichtige Nahrungsquelle für Nutzfische wie Scholle, Hering und Flunder dar. Ebenso wie Vögel werden Fische verschiedenen Gruppen zugeordnet, je nach Bedeutung des Ökosystems für die entsprechende Fischart beziehungsweise ihrer Aufenthaltsdauer.

Die ganzjährig im Wattenmeer lebenden Fische, die sich unter anderem dort fortpflanzen, ihren Nachwuchs zur Welt bringen sowie sämtliche Lebensabschnitte in diesem Areal verbringen, werden als Standfische bezeichnet. Nur acht der im Wattenmeer lebenden 100 Fischarten gehören dieser Gattung an. Sie sind sehr gut an die robusten Verhältnisse im Wattenmeer und seinen Gezeitenzyklus angepasst. Zu den Standfischen gehören unter anderem der Butterfisch, der Seeskorpion und die Aalmutter.

Neben den Standfischen gibt es noch jene Arten, die einen bestimmten Jahresabschnitt im Wattenmeer verbringen. Sie werden Saisongäste genannt, wobei hier unterschiedliche Gründe für einen Aufenthalt vorliegen. Flunder und Grundel zum Beispiel leben fast das ganze Jahr im Wattenmeer und verlassen dieses nur zum Laichen in der offenen Nordsee. Die Meerforelle hingegen nutzt das Wattenmeer nur als Nahrungsquelle und laicht in den Flüssen. Andere Fische wie die Dicklippige Meeräsche, die Seenadel und der Hornfisch verlassen das Ökosystem im Winter, um in die wärmere Nordsee zu ziehen. Ihre Laichplätze jedoch befinden sich im Wattenmeer. Der Stint und der Dreistachlige Stichling kommen als einige der wenigen Arten im Winter in das Gebiet.

Das Wattenmeer spielt als „Kinderstube“ für viele Jungfische eine große Rolle, wobei die ausgewachsenen Fische hauptsächlich in der offenen Nordsee vorkommen. Die wichtigsten Speisefische der Nordsee - Scholle, Seezunge, Hering und Sprotte - nutzen hierbei die große Nahrungsvielfalt des Gebietes, um für ausreichend Nachwuchs zu sorgen.

Mit mehr als 50 % der bekannten Arten machen die Irrgäste und Wanderfische den größten Teil der im Wattenmeer lebenden Fische aus. Bei den Irrgästen tritt das Phänomen auf, dass sie nur dann im Wattenmeer anzutreffen sind, wenn bestimmte für sie günstige Verhältnisse vorherrschen. Verändern sich diese zu ihren Ungunsten, verlassen sie das Gebiet wieder. Vertreter dieser Gattung sind der Rote Knurrhahn und der Schellfisch. Auf ihren Wanderwegen streifen viele Fischarten das Wattenmeer, wobei die meisten von ihnen als im Bestand gefährdete Art eingestuft sind. Dabei begeben sich diese Fische zum Zwecke der Fortpflanzung auf Wanderschaft. Bekannte Wanderfische sind Aal, Wittling, Kabeljau, Kliesche und Steinbutt.[19]

2.3.3 Meeressäuger

Im Wattenmeergebiet kommen hauptsächlich zwei Meeressäugearten vor, nämlich der Seehund und der Schweinswal. Für den im Wattenmeer lebenden Seehund haben vor allem die Sandbänke des Ökosystems wichtige Funktionen zu erfüllen. Sie dienen der Geburt, der Aufzucht der Jungen, der Paarung, dem Haarwechsel und als Erholungsplatz nach der Nahrungssuche. Während des Haarwechsels wurden im August 2004 zirka 12.803 Seehunde im gesamten Wattenmeergebiet per Flugzählung erfasst, wobei davon auszugehen ist, dass der Bestand größer ist, da nur die sich auf den Sandbänken befindlichen Seehunde gezählt werden konnten. Die Gesamtzahl verteilt sich dabei auf die einzelnen Regionen wie folgt: In den Niederlanden 3.194 Seehunde, in Deutschland 7285 (in Niedersachsen 3.098, in Schleswig-Holstein 5.032) und in Dänemark 1.479.[20]

Im Winterhalbjahr halten sich nicht so viele Tiere im Wattenmeer auf, weil die als Nahrung dienenden Fische sich auch in die wärmere Nordsee zurückgezogen haben. In dieser Zeit nutzen die Tiere hauptsächlich die Sandbänke der Außensände. Im Frühjahr nimmt die Zahl der Seehunde wieder zu, und mit Beginn der Wurfphase Ende Juni rücken sie immer weiter in das Wattengebiet und die dort liegenden inneren Sandbänke vor. Die Wurfzeit kann sich dabei bis Ende Juli erstrecken. Besonders in dieser Zeit benötigen die Seehunde viel Ruhe und dürfen keinen größeren Stresssituationen oder Störungen ausgesetzt werden. Diesbezüglich sind besonders junge Seehunde stark gefährdet. So kann es leicht zu einer Verletzung im Bereich des Nabels kommen. Außerdem kann die durch eine Störung verursachte Trennung vom Muttertier zu einer lebensbedrohlichen Situation für die Jungen führen. An die Zeit der Aufzucht schließt sich die Paarungszeit an, wobei die Paarung selbst im Wasser praktiziert wird. Von Anfang Juni bis Mitte September liegt zudem die Phase des Haarwechsels, für die die Seehunde wiederum die Sandbänke aufsuchen. Die Tiere liegen dann „faul“ in der Sonne. Durch die hierbei aufgenommene UV-Strahlung wird Vitamin D aufgebaut, welches ihre Fellentwicklung fördert. Auch hier benötigen die Tiere viel Ruhe. Seehunde sind Nahrungsopportunisten. Dies bedeutet, sie essen die Nahrung die am häufigsten vorhanden und am einfachsten zu fangen ist. Während junge Tiere sich vorwiegend von kleinen Fischen und Garnelen ernähren, werden in späteren Jahren vorwiegend Flundern und Grundeln zur Nahrungsgrundlage, wobei die Flundern beinahe zwei Drittel der Nahrung ausmachen. In Abbildung 2 ist ein Jahreskalender der Seehunde mit den darin enthaltenen Entwicklungsphasen dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Jahreskalender der Seehunde.[21]

Der zweite Hauptvertreter der Meeressäuger ist der bereit erwähnte Schweinswal. Er gehört zu den Zahnwalen und wird auch Kleiner Tümmler oder Braunfisch genannt. Er ist mit den Delphinen verwandt, gehört einer der kleinsten Walarten an und lebt in kleinen Gruppen, so genannten Schulen. In der gesamten Nordsee wurden durch Flug- und Schiffszählungen ungefähr 340.000 Tiere gezählt, von denen gerade einmal 5.900 im schleswig-holsteinischen und dänischen Wattenmeerteil leben.[22] Vor der Nordseeinsel Sylt befindet sich ein natürliches Aufzuchtsgebiet für die nach einer Tragzeit von elf Monaten geborenen Jungtiere. Weitere Gebiete liegen vor der deutschen Insel Amrum und der dänischen Insel Rømø. Schweinswale leben im Sommer in Küstennähe und im Winter in der offenen Nordsee. Ihre Paarungszeit liegt im Juli.

Ein kleiner Bestand von Kegelrobben existiert in der Nähe der westfriesischen Insel Terschelling (315 Tiere) und westlich der nordfriesischen Insel Amrum sowie vor Helgoland (30 bis 40 Tiere).[23] Diese ostatlantische Unterart ist ursprünglich an den felsigen Küsten Islands, Großbritanniens, Irlands und der Färöer-Inseln heimisch. Sie gilt in der Wattenmeerregion aufgrund ihrer Bestandsgröße als nicht lebensfähig.[24]

2.3.4 Pflanzen

Ein funktionsfähiges Ökosystem ist auf verschiedene Arten von Produzenten angewiesen. Hieraus ergibt sich ein Nahrungskreislauf oder genauer noch eine Nahrungskette (siehe Abbildung 3).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Stark vereinfachtes Schema der Verflechtung von Nahrungsketten im Watt.[25]

Die Pflanzenwelt stellt dabei die Primärproduzenten dar, welche die zur Fortpflanzung benötigte Energie dem Sonnenlicht entnehmen. Alle weiteren Produzenten entnehmen diese Energie ihrer jeweiligen Nahrung. Auf diese Art und Weise entsteht ein Geflecht von Abhängigkeiten. So besteht eine Verbindung zwischen dem Wattenmeer und der Nordsee, den Binnengewässern und der Atmosphäre, da all diese Systeme über ihre Kreisläufe miteinander verzahnt sind.

Die Pflanzen des Wattenmeeres müssen gut an die vorherrschenden Bedingungen angepasst sein, vor allem an die Auswirkungen durch die Gezeiten. Diese verursachen neben kräftigen Wellen auch starke Schwankungen bei der Wasserbedeckung und dem Salzgehalt sowie den Lichtverhältnissen. Da nur wenige Arten sich an diese Verhältnisse angepasst haben, besitzt das Wattenmeer - Algen ausgenommen - kaum größere mit Pflanzen besiedelte Bereiche. Jedoch bietet das Ökosystem auch Vorteile. So steht den vorhandenen Pflanzen das volle Tageslicht zur Verfügung, da im Wattenmeer keine hochwachsenden Pflanzen für Schatten sorgen können. Hieraus ergibt sich eine Verteilung der Pflanzen, die Abbildung 4 zu entnehmen ist.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Verteilung der Pflanzen im Wattenmeer.[26]

Aus der Abbildung geht hervor, dass im Besonderen die natürliche Übergangszone zwischen dem Festland und dem Wasser, die so genannte Salzwiese, von den Pflanzenarten bevorzugt wird.[27] Dabei beinhaltet sowohl der Wattboden, als auch das Meerwasser durch den hohen Grad an organischer Substanz, die ins Wattenmeer eingetragen wird, einen erheblichen Anteil an Nährsalzen.

Die Salzwiese: Eine besondere Vegetationsform stellt die Salzwiese dar. Durch ihre Lage im Übergangsbereich und somit nahe der Mittleren Tidehochwasser-Linie (MTHW-Linie) wird diese Zone in unregelmäßigen Abständen, zum Beispiel bei Sturmfluten oder stärkeren Winden, überflutet; der untere Teil fast täglich. Durch diesen Vorgang besitzt der Salzwiesenboden eine hohe Konzentration an Salzen. Unter gewöhnlichen Umständen ist Salz in hoher Konzentration giftig für Pflanzen, da es unter anderem den Wasserhaushalt empfindlich stört. Durch einen höheren Salzanteil im Boden der Salzwiese würde den Wurzeln das Wasser entzogen werden, so dass die Pflanzen vertrocknen. Nur die speziell angepassten salztoleranten und -liebenden Pflanzen, auch Halophyten genannt, können sich in diesem Bereich behaupten. In anderen Vegetationsgegenden hätten sie jedoch kaum eine Chance und würden durch artenstärkere Pflanzen verdrängt werden. Die Salzpflanzen haben hierbei verschiedene Methoden entwickelt, um sich den besonderen Gegebenheiten anzupassen. Zum einen wird das Salz aus dem Zellinneren ausgeschlossen wie es beispielsweise beim Schlick- und Andelgras der Fall ist. Eine andere Praktik ist das Verdünnen des Salzgehaltes durch eine erhöhte Wasseraufnahme und -speicherung und gleichzeitig einer stark herabgesetzten Verdunstung, die so genannte Sukkulenz. Pflanzen wie der Queller und die Strandsode sind hier stellvertretend zu nennen. Der Queller verdankt seinen Namen dieser Methode, da sein Spross durch die vermehrte Wasseraufnahme bei höheren Temperaturen zu quellen beginnt. Salzpflanzen können darüber hinaus durch spezielle Drüsen in den Blättern das Salz ausscheiden. Diese Art ist dabei eine der effektivsten und wird unter anderem vom Strandflieder, dem Milchkraut und auch dem Schlickgras betrieben. Bei der Keilmelde wird das überschüssige Salz in so genannten Blasenhaaren auf der Blattoberfläche gesammelt. Diese sterben bei hoher Konzentration ab, ohne das Blatt selbst zu gefährden. Ganz ähnlich funktioniert es bei Strandaster, Strandwegerich oder Bottenbinse, indem das Salz in bestimmten Blättern (zum Beispiel am unteren Stengel wie bei der Strandaster) gespeichert wird, bis diese absterben und dann abgeworfen werden.

Ebenfalls eine Besonderheit der Salzwiese ist der hohe Nährstoffgehalt des Bodens. Durch die Überflutungen kommt es zu einer Überstauung des Salzwiesenbodens mit Meerwasser. Der Boden nimmt vermehrt Nährstoffe auf, während die Pflanzen dafür sorgen, dass Schwebstoffe zurückgehalten werden und sedimentieren können. So kommt es unter natürlichen Umständen zu einer ständigen Auflandung in den Bereichen, die stärker mit Salzpflanzen bewachsen sind, da diese tief verwurzelt sind und somit der Strömung trotzen können.[28]

Das Seegras: Zu den wenigen Pflanzen, die im unmittelbaren Meeresbereich vorkommen, gehört das Seegras. Im Wattenmeer existieren zwei Arten, zum einen das Gemeine Seegras und zum anderen das kleinere Zwergseegras. Das Gemeine Seegras kommt vor allem in den tieferen Regionen bis an die Mittlere Tideniedrigwasser-Linie (MTNW-Linie) vor. Dort, wo weniger als 10 bis 15 % der mittleren Oberflächenstrahlung eindringen, kommt das Gemeine Seegras nicht mehr vor. Im trüben Wattenmeerwasser ist das Vorkommen folglich auf eine Tiefe von drei bis vier Metern beschränkt. Es bildet heute keine Wiesen mehr sondern eher einzelne Büschel. Dabei war diese Gattung zu Beginn des 20. Jahrhunderts stark in Form von Seegraswiesen verbreitet, bis in den 1930er Jahren ein Schleimpilz die Bestände befiel und für ein Massensterben sorgte, welches bis heute nicht kompensiert werden konnte. Das Zwergseegras taucht bis zur MTHW-Linie auf, bleibt aber innerhalb des Gezeitenbereichs und bildet dichte Wiesen. Beide Arten benötigen ein relativ stabil gelagertes Sediment zum Festwachsen. Ebenso muss der Salzgehalt des Wassers über 6 ‰ für das Gemeine Seegras beziehungsweise 10 ‰ für das Zwergseegras liegen. Die Wassertemperatur muss zwischen 10 und 20 °C liegen.

Allgemein erfüllt das Seegras wichtige Funktionen im Ökosystem. Vor dem starken und immer noch anhaltenden Rückgang der Seegraswiesen gehörten diese, neben den bereits angesprochenen Kieselalgen, aufgrund einer hohen Versorgung mit Nährstoffen, welche sich in den Wiesen sehr gut ablagern können, zu einem der Hauptproduzenten organischer Substanz. Durch ihr Wurzelwerk sorgen die Wiesen außerdem für eine Verfestigung des Wattbodens. Zwischen den einzelnen Büscheln werden sie auch als Aufzuchtsgebiet von kleinen Fischen, Krebsen und anderen Kleinsttieren genutzt und dienen diesen als Lebensraum. Sogar als Nahrung wird das Seegras genutzt. Vögel, wie zum Beispiel die Ringelgans, ernähren sich auf ihrem Zugweg von den an Land geschwemmten Blättern.[29]

3 Internationaler Meeresschutz

3.1 Notwendigkeit von Maßnahmen durch anthropogene Einflüsse

Im Laufe der Zeit haben die verschiedenen „Eingriffe“ des Menschen verstärkte Ausmaße angenommen, so dass daraus teilweise gravierende Folgen für das Ökosystem Wattenmeer resultierten. Die Jagd, die Fischerei oder auch landwirtschaftliche Aktivitäten haben dabei eine lange Tradition und werden von der einheimischen Bevölkerung schon seit Jahrhunderten praktiziert. So waren der Ackerbau und die daraus gewonnenen Produkte in der Küstenregion schon im Mittelalter eine wichtige Einnahmequelle. Mit der Einführung neuer Techniken, wie zum Beispiel erhöhter Motorenleistung der Fischereischiffe, sowie mit Entstehung besserer Kühl-, Lagerungs- und Transportmöglichkeiten und somit auch einer stetig ansteigenden Nachfrage aus dem Binnenland nach „Küstenprodukten“, wurden die menschlichen Aktivitäten im Bereich der Fischerei extensiviert. Durch den Bau von Deichen - dieser begann etwa im 12. Jahrhundert - entlang der Küstenlinie wurden die sicherere Ansiedlung von Menschen und Landgewinnungsmaßnahmen ermöglicht. Der Schiffsverkehr stieg stetig an, womit die Nordsee zu einer der am meisten befahrenen Schiffsrouten der Welt geworden ist. Häfen wurden gebaut und erweitert, Flüsse fortwährend vertieft. Die Küstenregion rückte als Erholungs- und Freizeitgebiet immer mehr in den Vordergrund und der Tourismus wurde zu einer bedeutenden Einnahmequelle für die Einheimischen. Durch die industrielle Entwicklung und produktiven Ansprüche an die Landwirtschaft kam es zu hohen Nähr- und Schadstoffeinträgen in die Flüsse und die Nordsee sowie das Ökosystem selbst. Auf der Suche nach neuen Energie- und Rohstoffquellen wurden Erdgas und Erdöl gefördert, Windenergie nutzbar gemacht und Kies und Sand als Rohstoffe entnommen. Rohrleitungen und Kabel zur besseren Versorgung der Anrainerstaaten wurden verlegt und militärische Übungen in diesem Gebiet durchgeführt. Zudem wurden Baggergut, Müll, Klärschlamm, Munition und radioaktive Abfälle verklappt.[30]

Aufgrund der teilweise nachgewiesenen Auswirkungen auf das Ökosystem Wattenmeer und dessen Veränderungen sind einige der oben genannten Eingriffe mittlerweile eingestellt beziehungsweise verboten worden. Beispiele sind das Verklappen von Klärschlamm, Müll, Munition und radioaktiven Abfällen, das Einleiten von Öl oder die Verwendung von TBT-haltigen Antifouling -Anstrichen in der Schifffahrt. Andere wurden zum Teil durch Gesetze und Richtlinien eingeschränkt, so zum Beispiel die Menge von Stoffeinträgen, das Ausmaß und die Praktiken der Fischerei oder die Nutzung der vorhandenen Energie- und Rohstoffquellen. Im Folgenden soll ein Überblick über die wichtigsten anthropogenen Einflüsse und ihre Folgen für das Ökosystem gegeben werden.

3.1.1 Stoffeinträge

Stoffeinträge gelangen auf unterschiedliche Weise in das Ökosystem, zum einen durch die offene Nordsee und zum anderen durch die in das Wattenmeer mündenden Flüsse. Des Weiteren erfolgt ein hoher Eintrag über die Atmosphäre. Das Wattenmeer fungiert bei den Stoffeinträgen auch als Nährstoffsenke. Menschliche Eingriffe wirken sich aufgrund dessen im Bereich des Ökosystems aus. Im Folgenden werden kurz die verschiedenen Arten der Stoffeinträge vorgestellt und ihre Auswirkungen auf das Ökosystem Wattenmeer dargelegt.

3.1.1.1 Nährstoffe und Eutrophierung

Das Wattenmeer verfügt von Natur aus über einen hohen Gehalt an Nährstoffen, welcher für den Nahrungsreichtum in diesem Gebiet verantwortlich ist und somit auch sehr bedeutend für Fauna und Flora ist. Vor allem die organischen Verbindungen Stickstoff und Phosphor sind für eine „Überdüngung“, die so genannte Eutrophierung, des Meerwassers verantwortlich. Durch sie kommt es zu einer verstärkten Produktion von Biomasse, die wiederum eine übernatürliche Algenblüte, also das Wachstum von Plankton oder ganzen Algenmatten, hervorruft. Diese sorgen durch ihr erhöhtes Vorkommen im Wasser für eine zusätzliche Trübung, was zur Folge hat, dass der Benthos nicht ausreichend mit Sonnenlicht versorgt werden kann. So kann es unter anderem zu einem fortschreitenden Absterben von Seegraswiesen infolge eines flächendeckenden Massenvorkommen von Grünalgenmatten, welche stark von dem erhöhten Nährstoffangebot profitieren, kommen. Ferner können sich die Algenmatten beispielsweise über Miesmuschelbänke legen und diese dadurch „ersticken“. Das Absterben des Planktons verursacht außerdem einen höheren Bedarf an Sauerstoff als unter natürlichen Umständen vorhanden ist, so dass es vermehrt zur Entstehung von Reduktionsschichten an der Oberfläche kommt, den so genannten Schwarzen Flecken. Der dabei entstehende Schwefelwasserstoff ist giftig und sorgt somit für ein weiteres Absterben des Benthos. Dieses auftretende Phänomen des Sauerstoffmangels hat sich im Laufe der Zeit zunehmend verstärkt. Abbildung 5 bietet einen Überblick über den Verlauf der Eutrophierungsprozesse.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 5: Eutrophierungskaskade in der Deutschen Bucht.[31]

Dies sind die hauptsächlichen Auswirkungen der erhöhten Nährstoffzufuhr, deren Ursachen in der erhöhten Zufuhr, vor allem durch die einmündenden Flüsse, zu suchen sind. Diese transportieren über diffuse Quellen sowie Punktquellen größere Nährstofffrachten in das Wattenmeer. Diffuse Quellen sind hierbei vor allem das Grundwasser, Oberflächenabläufe, Dränagen und die atmosphärischen Einträge. Zu den Punktquellen zählen kommunale Kläranlagen und Direkteinleitungen der Industrie.

Obwohl im Laufe der letzten Jahre ein starker Rückgang sowohl bei Stickstoff als auch bei Phosphor zu beobachten ist (siehe auch Anschauungsbeispiel Abbildung 6), ist dieser doch sehr ungleichmäßig vor sich gegangen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

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Abb. 6: Spezifische Stickstoff(TN)- und Phosphor(TP)-Belastungen (durchschnittlicher jährlicher Eintrag) des südlichen Wattenmeeres (Rhein, Maas, Nordseekanal, IJsselmeer und Ems) und des zentralen und nördlichen Wattenmeeres (Weser, Elbe).[32]

Durch die Verwendung phosphatfreier Waschmittel und den Einbau einer phosphoreliminierenden Stufe in der Abwasserreinigung ist der Eintrag von Phosphor seit 1985 um mehr als die Hälfte reduziert worden und wird vor allem durch die Verbreitung der verbesserten Abwasserreinigungstechnik weiter gesenkt. Hingegen ist beim Senken der Stickstoffeinträge nur ein geringfügiger Fortschritt zu erkennen. Hauptgrund dafür ist der hohe Einsatz von Düngemitteln in der Landwirtschaft und obwohl hier bereits eine Verringerung des Stickstoffüberschusses seit 1987 durchgeführt wird (von zirka 120 Kilogramm pro Hektar und Jahr auf zirka 40 bis 90 Kilogramm pro Hektar und Jahr[33] ), hat sich im Verhältnis nur eine geringe Abnahme der Gesamtkonzentration ergeben. Dies liegt daran, dass Stickstoff eine hohe mittlere Aufenthaltszeit im Grundwasser besitzt und es erst innerhalb der nächsten 20 Jahre zu einer Verbesserung der Flussqualität kommen wird. Auch der atmosphärische Eintrag von Stickstoff, der etwa ein Drittel der gesamten anthropogenen Einträge ausmacht, spielt eine Rolle. Dieser Anteil wiederum setzt sich zu jeweils einem Drittel aus den Einträgen durch den Kraftfahrzeugverkehr sowie der Landwirtschaft zusammen. Das letzte Drittel geht auf Emissionen aus der Industrie, dem Schiffsverkehr und diversen anderen Quellen zurück. Die Eintragsrate ist dabei nicht ganz exakt zu bestimmen, da der Wind ebenso eine Rolle spielt wie die Umsetzung der Gase abhängig von der meteorologischen Wetterlage ist. Jedoch ist davon auszugehen, dass bei steigender Verkehrsdichte und weiteren Emissionen aus der Landwirtschaft eine notwendige erhebliche Reduzierung der atmosphärischen Einträge ohne entsprechende Regelungen nicht eintreten wird.[34]

3.1.1.2 Schadstoffe

Eingetragene Schadstoffe werden in zwei Kategorien unterteilt. Zum einen in die anorganischen wie Cadmium, Quecksilber, Blei, Kupfer, Nickel und Zink, welche teilweise auch zu den Spurenelementen beziehungsweise Schwermetallen gehören. Die zweite Gruppe bilden die organischen Schadstoffe wie Chlorkohlenwasserstoffe (CKW), polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), Organozinnverbindungen wie TBT und andere synthetisch hergestellte Stoffe, die normalerweise nicht in der Umwelt vorkommen. Es wird vermutet, dass beide Gruppen einen erheblichen Einfluss auf das Ökosystem Wattenmeer ausüben. Jedoch sind längst noch nicht alle Folgen ausreichend erforscht worden.

Anorganische Schadstoffe: Einige der Schwermetalle erfüllen als Spurenelemente wichtige Aufgaben für die Menschen, Tiere und Pflanzen so zum Beispiel beim Wachstum oder der Fortpflanzung. Eine tägliche Zufuhr von wenigen Milligramm, beispielsweise von Eisen oder Zink, oder von wenigen Mikrogramm, von unter anderem Chrom oder Selen, sind für den Menschen lebensnotwendig. Jedoch wirken diese Spurenelemente stark toxisch, wenn sie in zu hoher Dosis vorkommen beziehungsweise zugeführt werden. Dies ist unter anderem bei Kupfer und Chrom zu beobachten. Schwermetalle wie Blei, Cadmium oder Quecksilber besitzen ebenfalls stark toxische Eigenschaften. Aufgrund ihrer hohen Persistenz[35] im Wasser reichern sie sich zwar auch im Wasser selbst, insbesondere aber im Boden und somit auch in den Sedimenten an. Durch den Benthos werden sie aufgenommen und gelangen durch den Verlauf der Nahrungskette bis zu den Endkonsumenten, zu denen neben den Meeressäugern auch der Mensch zählt. Es kann zur Schwächung ihres Immunsystems kommen, die Fortpflanzungsfähigkeit kann negativ beeinflusst werden und die mögliche Ausbildung von Mutationen erhöht sich.

[...]


[1] vgl. COMMON WADDEN SEA SECRETARIAT, TheSixth Trilateral Governmental Conference on the Protection of the Wadden Sea, Kapitel 3.

[2] vgl. H. MEYER, Lebensraum Wattenmeer, S. 18.

vgl. W. REUTER, Das Wattenmeer, S.10.

[3] vgl. B. BEHRENDS, Gesamtsynthese Ökosystemforschung Wattenmeer, S. 1.

[4] Es wird eine gedachte Verbindungslinie zwischen den Enden der Inseln beziehungsweise den Sandplaten gezogen.

[5] vgl. K. BUCHWALD, Nordsee, S. 84.

[6] Das Wattenmeer macht 0,56% der gesamten Länge der europäischen Küste aus. (vgl. W. REUTER, Das Wattenmeer, S.10.)

[7] vgl. B. BEHRENDS, Gesamtsynthese Ökosystemforschung Wattenmeer, S. 1-3.

vgl. T.-D. KÜNNEMANN, Salzwiesen, S. 9-10.

[8] Unter Sediment versteht man die Ablagerung von Teilchen oder Stoffen im bewegten Wasser. Sedimentation bezeichnet die Bildung von Sedimenten. (vgl. wissen.de GmbH, WAHRIG Fremdwörterlexikon, Suchbegriffe: Sediment, Sedimentation.)

[9] vgl. K. KOCK, Das Watt, S. 5-6.

vgl. H. MEYER, Lebensraum Wattenmeer, S. 18-20.

[10] vgl. K. BUCHWALD, Nordsee, S. 123-125.

[11] vgl. LANDESAMT FÜR DEN NATIONALPARK SCHLESWIG-HOLSTEINISCHES WATTENMEER/UMWELTBUNDESAMT (Hrsg.), Wattenmeer, S. 98.

vgl. H. MEYER, Lebensraum Wattenmeer, S. 57-58.

[12] vgl. K. KOCK, Das Watt, S. 5-6.

[13] vgl. H. MEYER, Lebensraum Wattenmeer, S. 34-35.

[14] Anoxisch bedeutet, dass kein frei verfügbarer, gelöster Sauerstoff vorhanden ist. (vgl. wissen.de GmbH, WAHRIG Fremdwörterlexikon, Suchbegriff: anoxisch)

[15] vgl. W. REUTER, Das Wattenmeer, S.28.

[16] vgl. K. KOCK, Das Watt, S. 19.

[17] LANDESAMT FÜR DEN NATIONALPARK SCHLESWIG-HOLSTEINISCHES WATTENMEER/UMWELTBUNDESAMT (Hrsg.), Wattenmeer, S. 125.

[18] vgl. K. KOCK, Das Watt, S. 97-109.

vgl. LANDESAMT FÜR DEN NATIONALPARK SCHLESWIG-HOLSTEINISCHES WATTENMEER/UMWELTBUNDESAMT (Hrsg.), Wattenmeer, S. 116-127.

vgl. H. MEYER, Lebensraum Wattenmeer, S. 103-111.

[19] vgl. LANDESAMT FÜR DEN NATIONALPARK SCHLESWIG-HOLSTEINISCHES WATTENMEER/UMWELTBUNDESAMT (Hrsg.), Wattenmeer, S. 112-113.

vgl. K. KOCK, Das Watt, S. 94-97.

vgl. W. REUTER, Das Wattenmeer, S. 33-41.

[20] vgl. TRILATERAL SEAL EXPERT GROUP, Counting Harbour Seals in the Wadden Sea in 2004, Absatz 1-4.

[21] K. KOCK, Das Watt, S. 115.

[22] vgl. F. DE JONG, Wadden Sea Quality Status Report 1999, S. 55.

[23] vgl. F. DE JONG, Wadden Sea Quality Status Report 1999, S. 54.

[24] vgl. K. BUCHWALD, Nordsee, S. 52-59.

vgl. K. KOCK, Das Watt, S. 109-119.

vgl. LANDESAMT FÜR DEN NATIONALPARK SCHLESWIG-HOLSTEINISCHES WATTENMEER/UMWELTBUNDESAMT (Hrsg.), Wattenmeer, S. 132-135.

vgl. H. MEYER, Lebensraum Wattenmeer, S. 117-121.

[25] vgl. J. ABRAHAMSE, Wattenmeer, S. 115.

[26] K. KOCK, Das Watt, S. 121.

[27] vgl K. KOCK, Das Watt, S. 120-129.

[28] vgl. K. KOCK, Das Watt, S. 130-133.

vgl. T.-D. KÜNNEMANN, Salzwiesen, S. 20-25.

vgl. H. MEYER, Lebensraum Wattenmeer, S. 135-139.

[29] vgl. K. KOCK, Das Watt, S. 122-125.

vgl. LANDESAMT FÜR DEN NATIONALPARK SCHLESWIG-HOLSTEINISCHES WATTENMEER/UMWELTBUNDESAMT (Hrsg.), Wattenmeer, S. 84-85.

vgl. K. REISE, Vorkommen von Grünalgen und Seegras…, S. 15-16.

[30] vgl. J. LOZÁN, Warnsignale aus Nordsee & Wattenmeer, S. 16-17, 61, 99, 250.

[31] vgl. J. LOZÁN, Warnsignale aus Nordsee & Wattenmeer, S. 187.

[32] J. BEUSEKOM, Eutrophication, S. 18.

[33] vgl. J. LOZÁN. J, Warnsignale aus Nordsee & Wattenmeer, S. 63.

[34] vgl. F. DE JONG, Wadden Sea Quality Status Report 1999, S. 3-6.

vgl. LANDESAMT FÜR DEN NATIONALPARK SCHLESWIG-HOLSTEINISCHES WATTENMEER/UMWELTBUNDESAMT (Hrsg.), Wattenmeer, S. 198-201.

vgl. J. LOZÁN, Warnsignale aus Nordsee & Wattenmeer, S. 61-62, 182.

vgl. Ders., Warnsignale aus dem Wattenmeer, S. 28-30.

vgl. H. MEYER, Lebensraum Wattenmeer, S. 172-174.

vgl. K. REISE, Vorkommen von Grünalgen und Seegras…, S. 5-6.

[35] Persistenz bedeutet Beständigkeit, Beharrlichkeit. (vgl. wissen.de GmbH, WAHRIG Fremdwörterlexikon, Suchbegriff: Persistenz.)

Details

Seiten
143
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638336826
ISBN (Buch)
9783656567905
Dateigröße
2.7 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v33127
Institution / Hochschule
Hochschule Bremen
Note
2,7
Schlagworte
Zukunftsperspektiven Wattenmeeres Möglichkeiten Sicherung

Autor

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Titel: Zukunftsperspektiven des Wattenmeeres - Möglichkeiten zur Sicherung eines Ökosystems