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Erzähltechnische Analyse der Romananfänge von Theodor Fontanes "Effi Briest" und E.T.A. Hoffmanns "Die Elixiere des Teufels"

Seminararbeit 2002 12 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theodor Fontane: „Effi Briest“
2.1 Erzählverhalten / Person
2.2 Erzählperspektive
2.3 Erzählebenen
2.4 Erzähldistanz

3. E.T.A. Hoffmann: „Die Elixiere des Teufels“
3.1 Erzählverhalten / Person
3.2 Erzählperspektive
3.3 Erzählebenen
3.4 Erzähldistanz

4. Vergleichende Analyse
4.1 Wo lassen sich Unterschiede feststellen?
4.2 Was bewirken diese Unterschiede beim Leser?

Literaturverzeichnis Fehler! Textmarke nicht definiert.

1. Einleitung

Kurz möchte ich mein Vorgehen in dieser Arbeit schildern.

Dieser Arbeit liegen die jeweils ersten Seiten der Romane

- „Effi Briest“ von Theodor Fontane (S. 7-9) und
- „Die Elixiere des Teufels“ von E.T.A: Hoffmann

(S. 7-9 und 13-15)

zugrunde.

Ich habe mich also auch bei der vorgenommenen Analyse lediglich auf diese Seiten konzentriert und mich nicht am Rest der beiden Romane orientiert.

Daher sind alle Aussagen die ich diesbezüglich gemacht habe, nur auf die zugrunde liegenden Seiten bezogen und nehmen keinen Bezug darauf, ob und wenn ja, wie sich Dinge im Verlauf der beiden Texte ändern.

2. Theodor Fontane: „Effi Briest“

2.1 Erzählverhalten / Person

Bei Fontanes „Effi Briest“ wird die „Er-Form“ verwendet. Der Erzähler ist nicht Teil der erzählten Geschichte und nimmt daher nicht an der Handlung teil. Er spricht die Personen in der „Er-Form“ an:

„Rasch und sicher ging die Wollnadel der Damen hin und her, aber während die Mutter kein Auge von Der Arbeit ließ, legte die Tochter, die den Rufnamen Effi führte, von Zeit zu Zeit die Nadel nieder[…].“[1]

2.2 Erzählperspektive

Der Leser, das lässt sich bereits dem Romananfang entnehmen, wird von einem Erzähler geleitet, der das Geschehen mit Übersicht und Kenntnisreichtum ordnet.

„Zu Beginn des Romans, in einer breit angelegten Beschreibung des Briestschen Wohnsitzes in Hohen-Cremmen, ist ein Erzähler am Werk, der Wert auf klar aufgebaute, detaillierte und begrifflich exakte Beschreibung legt.“[2] Unter den Beschreibungen des Erzählers finden sich Äußerungen, die stark auf einen auktorialen Erzähler hinweisen.

„Er überschaut nicht nur die gesamte Topographie Hohen-Cremmens, er verweist auch auf die zweihundertjährige Tradition des Wohnsitzes“[3], so weiß er zum Beispiel, dass das Herrenhaus „schon seit Kurfürst Georg Wilhelm von der Familie Briest bewohn(t)“[4] wird.

Dies könnte der Erzähler sonst nur noch wissen, wenn er Bestandteil des Romangeschehens wäre. Da dies aber nicht der Fall ist, und der Erzähler Dinge weiß, die man durch reine Beobachtung nicht wissen kann, muss es sich hier um eine auktoriale Erzählsituation handeln.

Der auktoriale Erzähler (von lat. auctor, „Urheber, Berichterstatter") hat hier seinen Platz außerhalb der dargestellten Situation und Geschichte.

Das „lyrische Ich“ gibt dem Leser noch weitere Hinweise und Erläuterungen zum Briestschen Eigentum:

So gibt es dort eine

„Kirchhofsmauer, hinter der der Hohen-Cremmener Schindelturm mit seinem blitzenden, weil neuerdings erst wieder vergoldeten Wetterhahn aufrag(t)."[5].

Woher sollte der Erzähler von der kürzlichen Vergoldung des Wetterhahns wissen, wenn er nicht Teil der Geschichte ist, und es somit gesehen, erlebt oder erzählt bekommen hat.

Der Erzähler weiß es nur deshalb, weil er als auktorialer Erzähler, sowieso alles weiß, da er wie ein Geist über allem schwebt, alles und jeden kennt und alles, was passieren wird schon im Voraus weiß.

Die ganz genauen Detailbeschreibungen der Handlungsorte lassen ebenfalls auf die auktoriale Erzählsituation schließen.

Man hat als Leser das Gefühl, dass der Erzähler sich in der Umgebung, die er beschreibt, sehr gut auskennt, ja fast zuhause ist. Denn er weiß genau, wie sich etwas in dieser Umgebung anfühlt. So zum Beispiel auch, dass die Front des Herrenhauses

„bei bewölktem Himmel einen angenehmen und zugleich allerlei Zerstreuung bietenden Aufenthalt“[6] gewährt.

Noch hinzu kommt, dass der Erzähler die Vorlieben der Familienmitglieder kennt, denn er weiß:

„an Tagen aber, wo die Sonne niederbrannte, wurde die Gartenseite entschieden bevorzugt, besonders von Frau und Tochter des Hauses, die denn auch wieder heute…“[7]

Wenn der Erzähler dann auch noch Bemerkungen, wie zum Beispiel „auch heute wieder“[8] einfließen lässt, bemerkt man deutlich, dass er weiß wovon er spricht und dass er das Geschehen auch schon länger kennt als der Leser.

Der Erzähler schöpft hier aus seinen Erfahrungen mit der Familie Briest.

Die Existenz des auktorialen Erzählers zeigt sich auch ganz deutlich daran, dass er zusätzliche Bemerkungen gibt, wie zum Beispiel:

„[…] so sah auch wohl die Mama von ihrer Handarbeit auf, aber immer nur flüchtig und verstohlen, weil sie nicht zeigen wollte, wie entzückend sie ihr eigenes Kind finde, zu welcher Regung mütterlichen Stolzes, sie vollberechtigt war.“[9]

Das Wissen des Narrators umfasst sowohl die Außensicht, das äußerlich Wahrnehmbare, als auch die Innensicht, zu der die Gedanken, Gefühle und Träume der Personen zählen.

[...]


[1] Fontane, Theodor: Effi Briest. 3. Auflage. München: Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, 1997. (S. 8).

[2] Reisner, Hanns-Peter; Siegle R.: Lektürehilfen Theodor Fontane „Effi Briest“. 3. Auflage. Stuttgart: Klett, Verlag für Wissen und Bildung, 1994. (S. 123)

[3] Reisner, Hanns-Peter; Siegle R.: Lektürehilfen Theodor Fontane „Effi Briest“. 3. Auflage. Stuttgart: Klett, Verlag für Wissen und Bildung, 1994. (S. 123)

[4] Fontane, Theodor: Effi Briest. 3. Auflage. München: Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, 1997. (S. 7).

[5] Ebd. S. 7.

[6] Fontane, Theodor: Effi Briest. 3. Auflage. München: Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, 1997. (S. 8).

[7] Ebd. S. 8.

[8] Ebd. S. 8.

[9] Ebd. S. 8/9.

Details

Seiten
12
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638336383
ISBN (Buch)
9783638748971
Dateigröße
386 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v33064
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen – FB Germanistik
Note
1 -
Schlagworte
Erzähltechnische Analyse Romananfänge Theodor Fontanes Effi Briest Hoffmanns Elixiere Teufels Germanistik Einführungsseminar

Autor

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Titel: Erzähltechnische Analyse der Romananfänge von Theodor Fontanes "Effi Briest" und E.T.A. Hoffmanns "Die Elixiere des Teufels"