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Erich Gutenberg - Personal als Produktionsfaktor. Eine kritische Anwendung auf das Thema Personal

Seminararbeit 2004 22 Seiten

BWL - Personal und Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Gutenbergs Theorie
2.1 Vorgehensweise
2.2 System der Unternehmung
2.3 Bedingungen der menschlichen Arbeitsleistung

3 Kritische Anwendung auf das Thema Personal
3.1 Der ökonomischer Kern des Personalwesens
3.2 Leerstellen der Theorie Gutenbergs
3.2.1 Erweiterter Bezugsrahmen der Personalwirtschaftslehre
3.2.2 Übertragbarkeit der Theorie auf die heutige Praxis

4 Generelle Kritik
4.1 Zweiter Methodenstreit
4.2 Vollkommene Information
4.3 Vorgehensweise

5 Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Bedingungen optimaler menschlicher Arbeitsleistung

Abbildung 2: Der erweiterte Bezugsrahmen der Personalwirtschaftslehre

1 Einleitung

In den zwanziger Jahren bildet das Rechnungswesen die Domäne der deutschen Betriebswirtschaft. Erich Gutenberg überspitzt die vorliegende Situation damit, dass er diese Disziplin in den ersten Jahrzehnten als eine „Betriebswirtschaftslehre der Wirtschaftsprüfer“[1] bezeichnet. Dort wurden die wissenschaftlich relevanten Leistungen erbracht. Eine einheitliche Betriebswirtschaftslehre gab es nicht, sie lag zerstückelt in vielen kleinen Einzeldisziplinen vor. Zu dieser Zeit standen sich grundsätzlich zwei Lager gegenüber. Eine Richtung die sich als Kunstlehre verstand, praxis- und anwendungsorientiert arbeitete und sich als Verfechter der Gemeinwirtschaft ansah und eine entgegengesetzte Richtung, die konsequent theoretisch und einkommensorientiert wissenschaftlichen Charakter besaß.[2] Zunächst setzte sich die erste Richtung mit seinem Vertreter Eugen Schmalenbach durch.

Bereits zu dieser Zeit, in der sich die Betriebswirtschaftslehre noch am Anfang ihrer zweiten Entwicklungsphase befand, wählte Erich Gutenberg als Thema seiner Habilitationsschrift „Die Unternehmung als Gegenstand betriebswirtschaftlicher Theorie“. Erich Gutenberg wurde von der Idee geleitet die betrieblichen Teilbereiche Produktion, Absatz und Finanzierung in einen Gesamtzusammenhang zu bringen. Gutenberg schreibt 1929: „So gesehen kann man die Unternehmung als einen Komplex von Quantitäten bezeichnen, die in gegenseitigen Abhängigkeitsverhältnissen zueinander stehen (funktional verbunden sind) (...) “.[3] In den 1951 folgenden „Grundlagen der Betriebswirtschaftslehre“ steht die Produktivitätsbeziehung zwischen Faktoreinsatz und Faktorertrag im Mittelpunkt. Die Verbindung erfolgt mikroökonomisch unter Ausschaltung des Irrationalen mit Hilfe einer Produktionsfunktion. Das Werk löste absolute Zustimmung wie auch strikte Ablehnung aus. Mit Hilfe seines Gesamtwerks, bestehend aus Band 1 Produktion, Band 2 Absatz und Band 3 Finanzierung, gelang es Erich Gutenberg, ein geschlossenes Einflussgrößensystem zu etablieren. Das Erscheinen der „Grundlagen der Betriebswirtschaftslehre“ kann durchaus als das bedeutsamste Ereignis für die Entwicklung der betriebswirtschaftlichen Theorie angesehen werden und hat damit den theoretischen Grundstein für die allgemeine Betriebswirtschaft gelegt.

Vor diesem Hintergrund steht im 2. Kapitel meiner Hausarbeit die Theorie Gutenbergs vom Personal als Produktionsfaktor im Mittelpunkt. Ausgehend von Gutenbergs Vorgehensweise, welche elementar für das Verständnis seiner Theorie ist, wird daraufhin das System der Produktionsfaktoren erläutert. Der Schwerpunkt wird hier auf die Bedingungen der menschlichen Arbeitsleistung gelegt. Im 3. Kapitel wird die zuvor erläuterte Theorie auf das Personalwesen und die Personalwirtschaftslehre übertragen. Hier soll die Frage beantwortet werden, wie die theoretische Systematisierung Gutenbergs in die Personalwitschaftslehre Einzug findet und wo mögliche Grenzen der Sichtweise Gutenbergs zu erkennen sind. Im Anschluss daran werden generelle Kritikpunkte an der Theorie Gutenbergs diskutiert. In der Schlussbetrachtung erfolgt eine Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse dieser Arbeit.

2 Gutenbergs Theorie

2.1 Vorgehensweise

Die Theorie von Erich Gutenberg kann durch zwei Dimensionen charakterisiert werden. Gutenberg deckt Gesetzmäßigkeiten und Strukturen, wie zum Beispiel die Produktionsfunktion und die Verbrauchsfunktion auf. Gutenberg stellt so auf von Individuen unabhängige Sachverhalte ab.[4] Er geht methodologisch kollektiv vor, da die Unternehmung als Großes und Ganzes den Ausgangspunkt für seine Analyse darstellt. Das Übergeordnete wird zunächst erklärt und später in Konkretes aufgegliedert[5], wobei das soziale Ganze stets mehr ist als die Summe seiner Teile.[6] In einer Festrede zur Gründungsfeier der Universität Köln bestätigt Gutenberg 1957 die objektivistische und methodologisch kollektivistische Art seines Vorgehens, indem er sagt: „Erst wenn das Einzelne aus einem Ganzen heraus sinnvoll verständlich zu machen gelingt, bildet sich Wissenschaft. Das aber ist der Weg der Betriebswirtschaftslehre.“[7]

Gutenberg arbeitet bestimmte Strukturen, die allen Betrieben gemeinsam sind, heraus und setzt Elemente in Position.[8] Gutenberg nannte diese Bestimmungsfaktoren des Betriebes systemindifferente Tatbestände. Zudem gibt es systembezogene Tatbestände, die abhängig vom jeweiligen Wirtschaftssystem auftreten. Systemindifferente Faktoren sind in erster Linie die Produktionsfaktoren. Die Kombination der Produktionsfaktoren erfolgt unabhängig vom jeweiligen Wirtschaftssystem nach dem formalen Wirtschaftlichkeitsprinzip. Zwar variieren die Zielsetzungen der Betriebe in den verschiedenen Wirtschaftsordnungen, doch erfolgt die Realisierung immer unter der Beachtung des Wirtschaftlichkeitsprinzips. Gutenberg sieht das Aufrechterhalten des finanziellen Gleichgewichts des Betriebes als einen dritten systemindifferenten Bestimmungsfaktor des Betriebes an. Ein so beschriebener Betrieb ist im Weberschen Sinne ein Idealtyp[9], der nicht beobachtbar ist. Die systemindifferenten Tatbestände sind von den systembezogenen kategorial umklammert, so dass der jeweilige Realtyp des Betriebes bestimmbar wird. Der sozialistische Betriebstyp wird in der Planwirtschaft durch das Organprinzip, das Prinzip der Planerfüllung und durch das Gemeineigentum gekennzeichnet. In der Marktwirtschaft prägen das Autonomieprinzip, das erwerbswirtschaftliche Prinzip und das Prinzip des Privateigentums den kapitalistischen Betrieb. Gutenberg behandelt hier nur zwei weit auseinander liegende Pole.[10] Dazwischen liegende Wirtschaftssysteme lassen sich entsprechend einordnen. Die sogenannte kategoriale Umklammerung ist für das Verständnis der Unternehmung nach Gutenberg elementar.

2.2 System der Unternehmung

Die Aufgabe einer Unternehmung kann grundsätzlich in der Veräußerung der produzierten Güter oder Dienstleistungen auf den Absatzmärkten gesehen werden.[11] Die Erstellung der Leistung ist nur durch den Einsatz und die Kombination von Produktionsfaktoren möglich. Das System der Produktionsfaktoren lässt sich zunächst aufteilen in Elementarfaktoren und den dispositiven Faktor. Zu den Elementarfaktoren gehören die objektbezogene Arbeit, die Arbeits- und Betriebsmittel und die Werkstoffe, da sie die Elemente darstellen, aus denen der Prozess der Leistungserstellung besteht. Alle Einrichtungen und Anlagen, die die technische Voraussetzung betrieblicher Leistungserstellung bilden, stellen die Arbeits- und Betriebsmittel dar. Unter Werkstoffen werden alle Rohstoffe, Halb- und Fertigerzeugnisse verstanden, die der Produktion dienen.

Der dispositive Faktor spaltet sich nochmals auf in einen originären Teil, der Betriebs- und Geschäftsleitung, und einen derivativen Teil, der Planung auf der einen und der Organisation auf der anderen Seite. Wichtig ist hier die Zweiteilung der menschlichen Arbeitsleistung in die objektbezogene Arbeitsleistung und die dispositive Arbeitsleistung. Unter objektbezogenen Arbeitsleistungen werden die Tätigkeiten verstanden, die ausführender bzw. weisungsgebundener Natur sind und in unmittelbarem Zusammenhang zur Produktion und anderen betrieblichen Funktionen stehen.[12] Diese ausführenden Tätigkeiten sind keinesfalls nur mit körperlicher Betätigung identisch, d.h. zur objektbezogenen Arbeit zählen auch Handlungen vorwiegend geistiger Art.[13] Dagegen liegen dispositive Aufgaben vor, wenn es sich um führende Tätigkeiten handelt, die mit der Planung und Leitung des betrieblichen Kombinationsprozesses im Zusammenhang stehen. Die Betriebs- und Geschäftsleitung , die das gesamtbetriebliche Geschehen steuert, lässt sich quantitativ nicht fassen und beinhaltet durch die individuellen Eigenschaften der Unternehmensleitung das Irrationale. In jeder Entscheidung, die die Geschäftsleitung trifft, gibt es Momente, die aus der Individualität derjenigen stammen, die zu entscheiden haben.[14] Erich Gutenberg sieht aber auch die rationalen Bestandteile des dispositiven Faktors, die in der Planung zum Ausdruck kommen, und die gestaltenden Bestandteile, die sich in der Organisation, also dem praktischen Vollzug der Planung niederschlagen.[15] Diese drei Merkmale, rational, irrational und gestaltend-vollziehend machen zusammen das Wesen des dispositiven Faktors aus.[16] Dementsprechend stellt jede Leistung eines Elementarfaktors gleichzeitig eine Leistung des dispositiven Faktors dar.[17] Hier zeigt sich die Abhängigkeit und Unselbständigkeit der Elementarfaktoren und gleichzeitig die beherrschende Stellung des dispositiven Faktors im System Gutenbergs. Gutenberg integriert den dispositiven Faktor nicht in die Produktionsfunktion, d.h. die dispositive Freiheit der Unternehmensleitung geht nach ihm somit in keine Formel ein. Es handelt sich beim dispositiven Faktor „(...) um eine Funktion, die (...) selbständig und originär neben den drei Elementarfaktoren steht, welche ohne diesen Faktor aus diesem Nebeneinander nicht in jenes Ineinander gebracht werden können, das ein Betrieb darstellt“[18].

Im Prozess der Leistungserstellung werden die drei Elementarfaktoren durch die Unternehmensleitung so kombiniert, dass ein optimales Verhältnis von Faktoreinsatz und Faktorertrag erzielt wird. Der Erfolg der Unternehmung hängt wesentlich von der Effizienz des Kombinationsprozesses und der spezifischen Leistungsfähigkeit der eingesetzten Faktoren ab. Im Folgenden soll die Komplexität der objektbezogenen Arbeitsleistung anhand von einzelnen Bestimmungsfaktoren angedeutet werden.

2.3 Bedingungen der menschlichen Arbeitsleistung

Bei der Entwicklung seines Systems der produktiven Faktoren geht Gutenberg von der Frage nach den Bedingungen optimaler Ergiebigkeit menschlicher Arbeitsleistung im Betrieb aus und unterscheidet drei Kategorien von Bedingungen.[19] Er klassifiziert zwischen subjektiven Bedingungen, objektiven Bedingungen und dem Arbeitsentgelt.

[...]


[1] Vgl. Gutenberg, E. (1989), S. 123.

[2] Vgl. Neuberger, O. (1997), S. 134.

[3] Vgl. Gutenberg, E. (1929), S. 42.

[4] Vgl. Schwingel, M. (2000), S. 39.

[5] Vgl. Wöhe, G./Döring U. (2000), S. 35.

[6] Vgl. Rutherford, M. (1996), S. 28.

[7] Vgl. Gutenberg, E. (1957), S. 612.

[8] Vgl. hierzu und im Folgenden Gutenberg, E. (1961), S. 340.

[9] Vgl. hierzu und im Folgenden Gutenberg, E. (1989), S. 254.

[10] Vgl. hierzu und im Folgenden Lücke, W. (1997), S. 1251.

[11] Vgl. hierzu und im Folgenden Gutenberg, E. (1961), S. 1 ff.

[12] Vgl. Lücke, W. (1990), S. 183.

[13] Vgl. Kern, W. (1988), S. 129.

[14] Vgl. Gutenberg, E. (1961), S. 103.

[15] Vgl. Aalbach, H. (1989), S. 534.

[16] Vgl. Gutenberg, E. (1961), S. 103.

[17] Vgl. hierzu und im Folgenden Gutenberg, E. (1961), S. 106.

[18] Vgl. Aalbach, H. (1989), S. 534.

[19] Vgl. hierzu und im Folgenden Wagner, H. (1966), S.19.

Details

Seiten
22
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638336376
Dateigröße
761 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v33063
Institution / Hochschule
Universität Hamburg – Personalwirtschaftslehre
Note
1,7
Schlagworte
Erich Gutenberg Personal Produktionsfaktor Eine Anwendung Thema Seminar Theoretische Grundlagen Personalwirtschaftslehre

Autor

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Titel: Erich Gutenberg - Personal als Produktionsfaktor. Eine kritische Anwendung auf das Thema Personal