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Hans Rosenthals "Dalli Dalli" - Die erfolgreichste Spielshow in der Geschichte der deutschen Fernsehunterhaltung?

Hausarbeit (Hauptseminar) 2002 23 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhalt

1. Vorwort

2. Hans Rosenthals „Dalli Dalli“ – Entstehung und Ablauf der Show

3. Tempo – das Prinzip der Sendung

4. Zuschauernähe und Prominenz bei „Dalli Dalli“

5. Ein Spiel für Schnelldenker oder Assoziationskünstler?

6. Nachwort

7. Literaturverzeichnis

1. Vorwort

In der vorliegenden Arbeit werde ich mich ausführlich mit einzelnen Themenbereichen der Unterhaltungssendung „Dalli Dalli“ beschäftigen. Wie bereits der Titel der Show erahnen läßt, lag ihre Stärke im Tempo, welches „Dalli Dalli“ wie einen „roten Faden“ durchzog. Der Untertitel „Ratespiel für Schnelldenker“ unterstrich das Anliegen der Spielshow. Alle Spiele, selbst die Gesangseinlagen standen, nicht zuletzt auf Hans Rosenthals Drängen hin, unter Zeitdruck. Die gedrängte Fülle, die dadurch entstand, verlieh unter anderem der Show das, was sie so einzigartig machte. Um allerdings den Erfolg und die Beliebtheit beim damaligen Publikum zu erklären, bedarf es gewiss einiger Überlegungen mehr. Mein Ziel ist es, herauszuarbeiten, wie es Hans Rosenthal gelang, die Show über all die Jahre zur besten Sendezeit im Abendprogramm des ZDF zu etablieren. Außerdem werde ich einen Schwachpunkt von „Dalli Dalli“, nämlich die Wahl des Untertitels, der meiner Meinung nach beim näheren Hinsehen Ungereimtheiten verursachen konnte, untersuchen.

Im ersten Arbeitsschritt gehe ich auf die Entstehung und den Ablauf von „Dalli Dalli“ ein. Dabei geht es mir besonders darum, unter welchen Umständen die Show ins Leben gerufen wurde. Damit einhergehend möchte ich in ausführlicher Form über das Wirken Rosenthals berichten, denn die Sendung war unbedingt in enger Verbindung mit seinem Namen zu sehen. Der Ablauf der Sendung, die einzelnen Spielrunden, die Jury, der Unterhaltungswert und die Starauftritte werden in diesem Abschnitt ebenso zur Sprache kommen.

Der darauf folgende Abschnitt widmet sich dem bereits angesprochenen Tempo der Show, welches auf das Erscheinungsbild von „Dalli Dalli“ eine große Auswirkung hatte. Dabei gilt mein besonderes Interesse der Fragestellung: welche Mittel wurden eingesetzt, um die ständige Präsenz von Eile zu demonstrieren und wie haben die Spiele die Geschwindigkeit beeinflusst? Zudem ist es in diesem Zusammenhang interessant zu erläutern, wodurch es dem Moderator Rosenthal gelingen konnte, Tempo in die Sendung zu bringen. Was Rosenthal mit Geschwindigkeit und Eile bewirken wollte, wird anschließend zu klären sein. In der Bearbeitung dieser Frage sehe ich einen Schlüsselpunkt in meiner Arbeit.

Die dritte Passage befasst sich einerseits mit dem Grund der kaum übersehbaren Anwesenheit von Prominenz in der Sendung, andererseits soll hier auch auf die Rolle des „ganz normalen“ Zuschauers eingegangen werden. Rosenthal war nämlich recht geschickt darin, Kontakt zum Zuschauer zu knüpfen, was ihm auch außerordentlich wichtig war. Zumal er wusste, dass nur ein gekoppeltes Auftreten von Prominenz und ‚einfachen’ Zuschauern auf Dauer ein belebendes Element für „Dalli Dalli“ sein konnte.

Ob der Untertitel der Show „Ratespiel für Schnelldenker“ angebracht und gerechtfertigt ist, soll abschließend hinterfragt werden. Kritische Zeitungsartikel aus der Anfangszeit von „Dalli Dalli“, dem Jahr 1971, sind hier der Ausgangspunkt meiner Überlegungen. Sicher verhallten die schlechten Kritiken, speziell aus Österreich im Laufe der Jahre mehr und mehr, was dennoch nicht bedeuten muss, dass die frühen Kritiken der Zeitungen unangebracht waren.

Zumal sich die Entwicklung abzeichnete, dass sich landauf, landab eine (vielleicht unkritische) Zufriedenheit über „Dalli Dalli“ unter großen Bevölkerungsteilen verbreitete, was nicht zuletzt auch die Zeitungen positiv stimmen konnte. Schließlich wäre es auch einfach unangebracht gewesen, über eine Show mit solch überragenden Einschaltquoten negativ zu berichten.

Im Nachwort meiner Arbeit werde ich darauf zu sprechen kommen, wie sich bei „Dalli Dalli“ der jahrelange Erfolg in Zahlen und Auszeichnungen ausdrückte. Dass die Show bis zur letzten Sendung im Jahre 1986 ein Garant für hohe Einschaltquoten war, dass Rosenthal als Showmaster zum ‚Liebling der Nation’ avancierte, steht außer Frage. Gleichwohl scheint mir wichtig, in diesem Zusammenhang zu unterstreichen, mit welch einfachen Mitteln (aus heutiger Sichtweise) es Rosenthal gelingen konnte, seine Show unter den ganz großen Unterhaltungssendungen zu etablieren. Mit seiner Art, durch eine Quizshow zu führen, setzte er Maßstäbe, die auch heute noch einen Wert haben.

2. Hans Rosenthals „Dalli Dalli“ – Entstehung und Ablauf der Show

Die Sendung wurde fünfzehn Jahre lang von einem breiten Fernsehpublikum begleitet. Bis in die Mitte der 1980er Jahre gelang es Hans Rosenthal, sein „Dalli Dalli“ unter den großen Shows im Abendprogramm zu etablieren. Allein der Tod Rosenthals markierte das Ende der erfolgreichen Ausstrahlungen. Die Quizshow lief aus, was davon zeugte, wie eng verknüpft die beliebten Folgen mit der Person Hans Rosenthal waren.

Rosenthal moderierte jedoch nicht nur „Dalli Dalli“: vielmehr fand der Quizshowmoderator auch Zeit für Nebenprojekte, wie „Rate mal mit Rosenthal“ (1980 - 1986 im ZDF), ein heiteres Ratespiel für Leute wie ‚Du und ich’, oder seine Hörfunksendung „Spaß muß sein“, die anlässlich verschiedener Großveranstaltungen, wie beispielsweise die olympischen Segelwettbewerbe 1972 in Kiel, produziert wurde. Die Liste, der von ihm ausgedachten oder selbst moderierten Sendungen im Fernsehen, wie im Rundfunk, die generell dem Genre „Unterhaltungssendung“ (Quizshow) angehörten, ist unendlich lang.

Ich betone das Engagement dieses Showmasters so nachhaltig, um deutlich zu machen, dass „Dalli Dalli“ für Rosenthal nur die ‚Spitze des Eisberges’ war. Die jahrelangen hohen Einschaltquoten der populären Rateshow waren schließlich das Ergebnis harter Arbeit, die er in all den Jahren leistete. Der perfektionistisch veranlagte Rosenthal überließ nichts dem Zufall. Sein Weg ins Fernsehbusiness war außerdem recht beschwerlich, folgerichtig wollte er sich bei „Dalli Dalli“ keinesfalls einen Ausrutscher oder schlechte Vorbereitung ankreiden lassen. Er hatte aus einer – für ihn katastrophalen – Erfahrung gelernt, die er mit einer Sendung namens „Leichte Muse–Schwere Maschinen“ im Jahre 1958 anlässlich der Berliner Industrieausstellung gemacht hatte. „Vom Mikrofonausfall bis zur falschen Ausleuchtung, vom Durcheinander der Sendeabfolge bis zur chaotischen Kameraführung war wohl alles vertreten, was schließlich für Rosenthal zu einer vernichtenden Niederlage wurde“.[1] Dieses Erlebnis musste für einen Menschen, der Ordnung und gute Planung als wichtige Erfolgskriterien anerkannte, ein großes Ärgernis sein.

Die Spielidee zu „Dalli Dalli“ stammte von ihm und lief bereits im Hörfunk des WDR unter einem anderen Namen, nämlich „Die dreifache Chance“. Dabei bestand die Aufgabe der Kandidaten darin, nach dem Ping–Pong–System zu einem bestimmten Thema innerhalb von 15 Sekunden unendlich viele Begriffe zu nennen. Dieses bereits im Hörfunk erprobte Spiel schlug Rosenthal im Jahre 1970 dem damaligen ZDF-Programmdirektor Joseph Viehöver vor, der seinerseits aufgrund von Umstrukturierungen im Unterhaltungssektor des ZDF in Nöten war: „Der Goldene Schuß“ mit Vico Torriani lief am 2.7.1970 aus und so brauchte Viehöver „eine Unterhaltung, die Entspannung bringen soll ohne große Kulissenkunststücke“.[2]

Damit war für Rosenthal eine gewisse Richtung vorgegeben und er wusste, dass dieser Auftrag, so einfach er klingen mochte, nicht leicht zu erfüllen war. Menschen nach getaner Arbeit zu amüsieren und zu vergnügen war und ist nicht leicht. Dennoch wollte er sich mit ‚bloßer’ Unterhaltung nicht begnügen. Die Sendung mußte, so der Anspruch des Moderators, gut verpackt auch Wissen vermitteln bzw. hier und da in der Lage sein, politische Anspielungen leisten zu können. Die Einbeziehung der Zuschauer spielte für ihn eine ebenso große Rolle, wie die Präsenz von recht bekannten Menschen des öffentlichen Lebens in der Show.

In erster Linie standen für Rosenthal jedoch eine, bis ins Detail geplante Vorbereitung und schließlich der schnurgerade Ablauf der Sendung. Eine wichtige Grundlage im Umgang mit dem Medium Fernsehen bildete für Rosenthal sein Engagement bei der Produktionsfirma Bavaria in München. Hier hatte er die Möglichkeit, mit damals namhaften Unterhaltungsprofis zusammenzuarbeiten. Außerdem konnte er Konzepte und Modelle für Unterhaltungsproduktionen ausarbeiten. Im Nachhinein waren die Erfahrungen, die Rosenthal bei der Bavaria machte von außerordentlicher Bedeutung.[3] Er selbst kommentierte das Erlernte in seiner Autobiographie folgendermaßen: „Denn damals begriff ich, daß bei einer Fernsehsendung alles akkurat vorbereitet sein muß, nichts dem Zufall überlassen bleiben darf, jede Einzelheit stimmen und stehen muß“.[4]

Am 13.5.1971 lief „Dalli Dalli“ zum ersten Mal über die Bildschirme. Um bei seiner ersten Sendung eventuellen Pannen vorzubeugen, bestand Rosenthal allerdings auf eine Aufzeichnung. Alle weiteren Folgen waren live produziert. So baute er also zu Beginn eine doppelte Sicherung ein. Einerseits wurde bereits Tage vor dem Sendetermin geprobt, andererseits wollte er sich auf die Proben allein, zumindest bei der Erstausstrahlung nicht verlassen.

Die Mannschaften, die aus jeweils zwei prominenten Personen bestanden, erhielten Titel aus denen sich der Zuschauer erschließen konnte, welchem Genre die jeweilige Mannschaft angehörte. In der ersten Sendung waren die Rubriken ‚Film’, ‚Sport’, ‚Politik’ und ‚Wissenschaft’ vertreten. Die acht prominenten Mitspieler, die jeweils paarweise eingeführt wurden, traten also zu vier Spielparteien an, von denen jeweils zwei Parteien in der ersten Runde gegeneinander spielten, um jeweils drei Aufgaben zu lösen. Diese Runde nahm von den drei Runden, die insgesamt gespielt wurden die meiste Zeit in Anspruch. In Runde zwei spielten die beiden Verliererteams um den dritten Platz. Die beiden siegreichen Teams aus Runde eins durften in der dritten Runde um den Sieg spielen.

[...]


[1] Henschke, 1999, S.164

[2] vgl. Ebd., S. 170f.

[3] vgl. Ebd., 1999, S.166

[4] Zit.n. Henschke, 1999, S.166

Details

Seiten
23
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638336246
ISBN (Buch)
9783638681803
Dateigröße
554 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v33050
Institution / Hochschule
Universität Hamburg – Institut für Germanistik II - Fachbereich Medienkultur
Note
1
Schlagworte
Hans Rosenthals Dalli Spielshow Geschichte Fernsehunterhaltung

Autor

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