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ADS/ADHS: Erscheinungsformen und Therapiemöglichkeiten

Hausarbeit 2004 22 Seiten

Pädagogik - Pädagogische Psychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition

3.Das Erscheinungsbild des Aufmerksamkeits- Defizit- Syndroms
3.1 Symptome
3.2 Diagnose
3.3 Ätiologie
3.3.1 Physiologische Theorien
3.3.2 Psychologische Theorien
3.4 Veränderung der Symptome in den verschiedenen Lebensphasen

4. Therapiemöglichkeiten
4.1 Medikamentöse Therapien
4.2 Psychologische Therapien

5. Unterstützung und Intervention
5.1 Der Umgang im Klassenzimmer
5.2Der Umgang im Elternhaus

6. Schlussbetrachtung

Literaturliste

Bücher:

Zeitschriften:

Internetquellen:

1. Einleitung

„Ob der Philipp heute still wohl sitzen will…..“[1]

Wer kennt nicht diese Zeilen aus dem Buch „Der Struwwelpeter“ und die dazugehörige Person, den Zappelphilipp, wie ihn der Frankfurter Nervenarzt Dr. Heinrich Hoffmann schon vor 150 Jahren in seinem Klassiker der Kinderliteratur beschrieb. Es ist also kein Problem unserer so unruhigen Zeit, dass Kinder hyperaktiv oder in ihrer Aufmerksamkeit gestört sind, sondern ein Phänomen, das in seinen Auswirkungen schon lange bekannt ist.

Und damit ist auch schon eine erste Antwort auf die Frage gegeben, ob allein unsere Zeit Schuld an dieser Störung ist. Es ist jedoch davon auszugehen, dass die schon von Hoffmann beschriebene Symptomatik heutzutage wesentlich häufiger auftritt, als noch vor 150 Jahren.

Das Aufmerksamkeits- Defizit- Syndrom ist heute die am häufigsten diagnostizierte Kinder- und jugendpsychiatrische Erkrankung in Deutschland.[2]

So kommt Wender[3] in einer Studie von 1995zu dem Ergebnis, dass 6-10% aller Kinder unter einem Aufmerksamkeits- Defizit- Syndrom mit Hyperaktivität leiden.

Das Aufmerksamkeits- Defizit- Syndrom kommt jedoch nicht nur in der Kombination mit Hyperaktivität vor, sondern wird in der DSM IV (vergleiche Punkt 3.2 Diagnose) von 1994 auch in ihrer hypoaktiven Form beschrieben. Wird bei der Diagnose von ADS das DSM IV zugrunde gelegt, so kommen Baumgaertel u.a.[4] in ihrer Studie von 1995 zu dem Ergebnis, das 17,8% aller Grundschulkinder unter einem Aufmerksamkeits- Defizit- Syndrom leiden. Jedoch gibt es in den wissenschaftlichen Untersuchungen erhebliche Diskrepanzen in der Häufigkeit des Auftretens von ADS, was darauf schließen lässt, das der Krankheitsverlauf nur schwer einzugrenzen ist.

Auch die geografischen Unterschiede in der Diagnose von ADS sind erheblich. Bei neun Prozent aller amerikanischen Kinder wird ADS diagnostiziert; bei Kindern in Großbritannien liegt der Anteil unter 0,1 Prozent.[5]

Eindeutig ist jedoch der Trend zu erkennen, dass – zumindest in Deutschland- bei immer mehr Kindern ein Aufmerksamkeits- Defizit- Syndrom diagnostiziert wird.[6]

Unklar ist hierbei jedoch, inwieweit die vermehrte Diagnose von ADS auf einen tatsächlichen Anstieg der Symptomatik, auf eine erhöhte Sensibilität oder auch eine gewisse „Mode - Erscheinung“ zurückzuführen ist.[7]

Gefährlich ist es meiner Meinung nach eventuelle Fehler oder Unzulänglichkeiten in der Erziehung mit der ADS Symptomatik zu erklären, und sich damit den ursächlichen Problemen zu verschließen.

Geht man jedoch davon aus, dass das Krankheitsbild des Aufmerksamkeits- Defizit- Syndroms – mit und ohne Hyperaktivität- sowohl für die betroffenen Kinder, als auch für alle mit ihnen in Kontakt Stehenden eine enorme Belastung darstellt, verdient die Symptomatik einer eingehenden Betrachtung.

Die betroffenen Kinder leiden oft unter ihrer mangelnden Fähigkeit, soziale Beziehungen altersgerecht zu führen und die an Sie gestellten Erwartungen nicht erfüllen zu können. Die Eltern von Kindern mit Aufmerksamkeits- Defizit- Syndrom haben oft Schuldgefühle, ihre Kinder nicht „richtig“ erzogen zu haben und müssen sich zusätzlich den „strafenden“ Blicken ihrer Umgebung aussetzen. Kann ADS jedoch eindeutig diagnostiziert werden, ist dies oft eine Entlastung für alle Beteiligten. Eltern müssen nicht mehr mit „dem Vorwurf leben, in der Erziehung versagt zu haben. Kinder können das Stigma abstreifen, zu renitent, zu faul oder zu doof für die Schule“[8] zu sein.

2. Definition

Aufmerksamkeits- Defizit- Syndrom (Abkürzung für: a ttention- d eficit-(h yperactivity)- d isorder)[9] ist eine Verhaltensdiagnose, in der eine Gruppe von störenden Verhaltensmustern beschrieben wird.[10]

Wie das Wort Syndrom (griechisch: “das Zusammenkommen“)[11] schon aussagt, treten beim Aufmerksamkeits- Defizit- Syndrom eine Gruppe von Krankheitszeichen typischerweise gleichzeitig auf.

Das Aufmerksamkeits- Defizit- Syndrom kann mit und ohne Hyperaktivität auftreten, und wird entsprechend als ADS oder AD/HS bezeichnet.[12]

Kinder mit Aufmerksamkeits- Defizit- Syndrom zeigen Verhaltensmuster, die nahtlos in „normales“ Verhalten übergehen können.

Die ärztliche Diagnose ADS wird gestellt, wenn diese Verhaltensmuster Schwierigkeiten für das Kind in den folgenden Bereichen mit sich bringen:

- Entwicklung
- Verhalten und Leistung
- Familienbeziehungen
- soziale Interaktion

Eine genaue Definition des Aufmerksamkeits- Defizit- Syndroms ist schwierig und eng an die auftretende Symptomatik gelehnt. Da es im menschlichen Verhalten keine definierten Grenzen geben kann, definiert sich das Aufmerksamkeits- Defizit- Syndrom über das Auftreten der Symptome in nicht zu vereinbarenden und unangemessenen Ausmaß.

3.Das Erscheinungsbild des Aufmerksamkeits- Defizit- Syndroms

So wie wir bei jedem Menschen ein individuelles Entwicklungs- und Begabungsprofil erkennen können, so ist auch die Ausprägung des Erscheinungsbildes des Aufmerksamkeits- Defizit- Syndroms bei jedem Menschen unterschiedlich.

Auch muss zwischen den beiden Formen des „Aufmerksamkeits- Defizit- Syndroms mit und ohne Hyperaktivität“[13] unterschieden werden.

So nehmen Kinder und Jugendliche mit Hyperaktivität, umgangssprachlich „Zappelphilippe“ genannt, „ihre Umwelt durch ihr unkontrolliertes, impulsives, unberechenbares Verhalten“[14] in Anspruch.

Tritt die Symptomatik des Aufmerksamkeits- Defizit- Syndroms ohne Hyperaktivität auf, so machen es die umgangssprachlich „Träumer“ genannten „ihrer Umwelt (...) durch ihre ständige geistige Abwesenheit“[15] schwer.

Jungen sind vom Aufmerksamkeits- Defizit- Syndrom wesentlich häufiger betroffen als Mädchen, wobei die Zahlen zwischen 4 : 1[16] und „5 bis 9 mal so häufig“[17] schwanken. „Eineiige Zwillinge …(sind)… meist gemeinsam betroffen.“[18]

3.1 Symptome

Menschen mit ADS haben keine spezifischen Symptome. Alle bei ihnen auftretenden Symptome können auch bei „gesunden“ Kindern auftreten. Was allerdings Kinder mit der Symptomatik des Aufmerksamkeits- Defizit- Syndroms von anderen unterscheidet, „ist deren Intensität, Penetranz und schlechte Beeinflussbarkeit durch die Intervention ihrer Bezugspersonen.“[19]

Auch müssen nicht immer alle Symptome gleichzeitig, beziehungsweise in der gleichen Intensität auftreten.[20] Man kann zwischen so genannten Kernsymptomen, die die eigentliche Störung beschreiben und sekundären Symptomen, die daraus resultieren, unterscheiden. Zu den Kernsymptomen werden im allgemeinen Unaufmerksamkeit (Aufmerksamkeitsschwäche) und Impulsivität gezählt. Die Hyperaktivität zählt nur bei einem Teil der ADS Kinder dazu. Andere Autoren zählen auch die „Störung der (…) Informationsaufnahme, deren Verarbeitung und Wiedergabe“[21] zu den Kernsymptomen.

Aufmerksamkeitsschwäche äußert sich durch Ablenkbarkeit und der Schwierigkeit, sich über einen angemessenen Zeitraum hinweg zu konzentrieren. Gleichzeitig ist die „Wahrnehmung gestört, denn alles, was an Informationen aus der Umgebung auf- und wahrgenommen wird, ist abhängig von der Aufmerksamkeit“[22]. Da die Aufmerksamkeit stunden - oder tageweise sehr schwankt, „verführt (das) die Beobachter dazu anzunehmen, es (das Kind) könne, wenn es nur wolle. Es kann aber nicht, wie es will.“[23]

Impulsivität ist gekennzeichnet von „mangelnder Verhaltenskontrolle …(einer)… niedrigen Frustrationstoleranz“[24] und eingeschränkter Fähigkeit, Handeln zu planen.

Hyperaktivität drückt sich durch gesteigerten Bewegungsdrang, grobe Motorik und Sprache sowie der mangelnden Fähigkeit sitzen zubleiben aus.

Tritt das Aufmerksamkeits- Defizit- Syndrom mit Hypoaktivität auf, „schlägt sich die

Aufmerksamkeitsstörung weniger in körperlicher, sondern in geistiger Bewegung nieder. Sie verlieren sich in ihrer Traumwelt, die auch hyperaktiv sein kann.“[25]

Bei den sekundären Symptomen zählt das mangelnde Sozialverhalten zu den problematischsten. Kindern mit Aufmerksamkeits- Defizit- Syndrom fällt es schwer Regeln zu akzeptieren und sich in eine Gruppe zu integrieren. „Sie tun sich schwer, den richtigen Umgangston und eine Handlungsweise zu finden, die in der jeweiligen Gemeinschaft üblich und akzeptiert sind“[26]. Dieses Verhalten anderen gegenüber führt oft zu „Ausgrenzungen des (…) Kindes“.[27]

[...]


[1] Hoffmann, Dr. Heinrich: “Der Struwwelpeter“ Schreiber Verlag Esslingen 1992

[2] vergl.: Spallek, Roswitha: Aufmerksamkeits- Defizit- Syndrom; Walter Verlag, Düsseldorf und Zürich 2002;Seiten 7 bis18

[3] Wender, P.H.: Attention- deficit- hyperactivity disorder in adults. Oxfort University Press, New York,Oxfort 1995 Zitiert nach: Spallek, R …. a.a.O. 2002 Seite7

[4] Baumgaertel,A.; Wolraich,M.; Dietrich,M.: Comparison of diagnostic criteria for Attention Deficit Disorder in a German elementary school sample.Journal of the American Acadamy of Child and Adolescent Psychiatry. 1995;34,629-638; Zitiert nach: Spallek, R …. a.a.O.2002 Seite 7

[5] vergl.: Holowenko, Hendryk: Das Aufmerksamkeits Defizit-SyndromBeltz Verlag, Weinheim und Basel 1999 Seite 13f

[6] Holowenko, Hendryk: Das Aufmerksamkeits ..a.a.O. 1999 Seite 14

[7] vergl.: Spallek, Roswitha a.a.O. 2002 Seite 13ff

[8] vom Hofe, Jutta; Störenfried Kind in: Menschen das Magazin; Publikom Z Verlagsgesellschaft mbH Ausgabe 2/2003 Seite 15

[9] Der Brockhaus …a.a.O.2001 Seite: 601

[10] Holowenko, Hendryk: Das….. a.a.O.1999 Seite 19

[11] Der Brockhaus ….a.a.O 2001 Seite: 601

[12] Spallek, Roswitha: a.a.O 2002 Seite 10f

[13] „Der Brockhaus“ Psychologie: Fühlen, Denken und Verhalten verstehen; Verlag Brockhaus Mannheim, Leipzig 2001 Seite: 58

[14] Aust-Claus, E. und Hammer, P.-M. : Das ADS- Buch; Obestebrink Verlag; Ratingen 2000 Seite: 46

[15] ebd. Seite 46

[16]: Eichlseder, Walter: Unkonzentriert? Quadriga Verlag; Weinheim/Berlin 1995 Seite56

[17] Bundesverband der Elterninitiativen zur Förderung Hyperaktiver Kinder e.V. Herausgegeben im Selbstverlag 1996 Seite: 12

[18] ebd. Seite 12

[19] Spallek, Roswitha: Aufmerksamkeits…. a.a.O. 2002Seite 16

[20] vergl.: Eichlseder, Walter: Unkonzentriert? A.a.O. 1995 Seite:9ff

[21] Spallek, Roswitha: Aufmerksamkeits…. a.a.O.2002 Seite 16

[22] ebd. Seite: 17

[23] Eichlseder, Walter: Unkonzentriert? A.a.O. 1995 Seite: 14

[24] Dietz, Christoph: Aufmerksamkeits- Defizit- Syndrom und Hyperaktivität- Was ist das? Auf: http://www.ads-hyperaktivitaet.de/Neuhaus/hauptteil_neuhaus.html 8. März 2004

[25] Spallek, Roswitha: Aufmerksamkeits…. a.a.O.2002 Seite 19

[26] Eichlseder, Walter: Unkonzentriert a.a.O.1995 Seite: 19

[27] ebd.

Details

Seiten
22
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638335270
ISBN (Buch)
9783638652056
Dateigröße
565 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v32937
Institution / Hochschule
Katholische Hochschule für Sozialwesen Berlin
Note
1,3
Schlagworte
ADS/ADHS Erscheinungsformen Therapiemöglichkeiten

Autor

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Titel: ADS/ADHS: Erscheinungsformen und Therapiemöglichkeiten