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Die Parodie in Wernher der Gaertners Helmbrecht

Seminararbeit 2002 17 Seiten

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik

Leseprobe

INHALT

1. Einleitung
1.1 Zielsetzung
1.2 Gliederung der Arbeit

2. Hauptteil
2.1 Bauernparodie
2.2 Adelsparodie
2.3 Parodiefreier Schlussteil

3. Fazit und Zusammenfassung

1. Einleitung

Zuallererst muss gesagt werden, dass nur bekannte Texte parodiert werden können. Wobei ein Text auch eine Sozialform sein kann. Parodie ist eine Art Hyperbel. Es findet eine Übersemiotisierung statt. Der „Witz“, bei dem ein unerwarteter, unüberbrückbarer Zusammenprall heterogener Strukturen, welche nicht vereinbar sind, zusammentreffen, folgt ein Widerspruch, der wiederum durch Lachen ausgelöst wird.

Die Parodie möchte Vorbilder nachahmen ( „imitatio“ ). Es werden meist Evangelien oder Messen parodiert. Die Ziele der Parodie sind moralischer, politischer oder religiöser Art. Teilweise werden Bibelzitate verfremdet, welche dann als Seitenhieb dienen. Ebenso wie „Ironie, Satire, literarische Komik und literarischer Humor ist die Parodie nicht nur an die individuelle Anlage des Dichtenden, sondern auch an den Zustand des kollektiven reflektorischen Vermögens gebunden“[1].

Da eine Dechiffrierung von Parodiesignalen eines Textes vom jeweiligen literarischen Bewusstsein der Rezipienten abhängt, ist die Einordnung von Texten als Parodien oft umstritten, die Annahme parodistischer Elemente im Kontext eines „ernst“ gemeinten Werkes lässt sich hingegen meist besser absichern

1.1 Zielsetzung

Die Intension der vorliegenden Arbeit soll es sein, parodistische Elemente in der Schrift Helmbrecht aufzuzeigen, sie gemäß anerkannter Kategorien zu klassifizieren und die Symbolik, die der Ironie dienen, zu erläutern.

Die Interpretation stützt dabei sowohl auf beschriebene signifikante Merkmale und Gegenstände als auch auf die Untersuchung der Umgangsformen und Sitten.

1.2 Gliederung der Arbeit

Die Arbeit besteht im Hauptteil aus der Erörterung von Elementen der Bauernparodie, der Adelsparodie sowie des parodiefreien Schlussteiles.

Beide werden, sofern sie sich in eindeutiger Art und Weise der einen oder anderen Kategorie zuordnen lassen, aufgegriffen und anhand ihrer eigentümlichen Charakteristik mit Textbeispielen belegt.

Abschließend findet sich ein zusammenfassender Überblick, der resümierend auf die Arbeit sowie dem ihr zugrundeliegenden Werk fußt.

2. Hauptteil

2.1 Bauernparodie

Wernher der Gärtner eröffnet mit einer „grotesk- parodistischen Übersteigerung“[2] sofort den prologus ante rem, als er vom Helden der Geschichte ( Helmbrecht, der Bauernsohn; V. 10 ) zu berichten beginnt. Dieser habe lockig herabfallendes Haar getragen und in eine Kappe ( V. 10 – 15 ) zusammengefasst. Hierbei muss man hinzufügen, dass dies beides zu der Zeit für Bauern nach den Sitten- und Kleiderordnungen verboten war. Die gerade erwähnte Haube war reichlich bestickt mit Vögeln, unter ihnen sogar die Taube ( V. 18, wieder aufgenommen V. 1887 ), welche als „Vogel der Unschuld“[3] galt. Und gerade die Unschuld ist Helmbrecht im Begriff zu verlieren. Ebenso waren Episoden aus Heinrichs von Veldeke Eneide, dem Rolandslied und der dem Kreis der Dietrichepik angehörenden Rabenschlacht auf der Haube versehen, welche „zu höfischem Zeitvertreib in ritterlicher Gesellschaft vorgelesen wurden“[4], und mit einer höfischen Tanzszene eben aus der Welt also, in die der Bauernsohn mit aller Macht hineinstrebt. Dies weist die Unvereinbarkeit seiner Wunschvorstellungen mit der Realität des sozialen Standes auf, dem seine Familie ( vgl. V. 914 ) angehört. Die breite Darstellung der Haube dient als Spannungssteigerung. Ebenso ist sie ein Element, welches als Parodie der langatmigen Schilderung von Prunkstücken in der höfischen Dichtung diente.

Der Schreiber, welcher in seinem Vorspruch den jungen Bauernsohn als „Narren und Gaukler“[5] titulierte, brauchte in der Dichtung nicht lange nach der Bestätigung seines Urteils zu suchen. Wernher der Gärtner selbst bietet ihm eine Reihe ähnlicher Urteile über den jungen Helmbrecht an, welcher den bäurischen Stand verlassen möchte und Ritter werden wollte.

Schon in V. 41 bezichtigt er ihn als einen geutôren. Dieser Ausdruck steht im Zusammenhang mit der vorangegangen Feststellung ûf gebûren swarte kom nie bezzer houbetdach, dan man ûf Helmbrehte sach ( V. 38 – 40 ). Hiermit wird Helmbrechts Narrheit, welche sich in der äußerst „unkonventionellen, unbäuerlichen Haarpracht“[6], aber vielmehr noch im Tragen der dafür erforderlichen, einem Bauern unangemessenen Haube bloßstellt, zunächst im ständischen Sinne als bäuerische superbia bezeichnet.

Wernhers Anteilnahme an seiner Figur ist zunächst in epischer Distanzierung mit der bloßen Abwertung Helmbrechts als geutôren getan. Er lässt allerdings das „grausame Ende eines solchen bäuerlichen Narren“[7] in einem unvermittelt einsetzenden owê daz ie gebûre solhe hûben solde tragen dâ von so vil ist ze sagen! ( V. 54 – 56 ) erahnen.

In Beziehung auf die Anteilnahme mit seinem Publikum nimmt er zunächst den Gegensatz zwischen der kostbaren Haube und dem im adligen Sinne unwürdigen Träger auf und charakterisiert diesen als Toren. Sein warnendes owê und die unbestimmte Ankündigung, dass über das Tragen der Haube noch viel zusagen ist, erzeugen indessen eine Spannung zwischen der Ausgangssituation und den Folgen, welche nicht mehr ständisch gebunden bleibt. Hinzu kommt, dass der provozierte ritterliche Stand trotz mancher Ankündigungen des alten Helmbrechts ( V. 337 – 344 ) nicht als Rächer in Aktion tritt. Man kann diese Art der erzählerischen Spannung, welche nicht nur durch den Gattungsunterschied bedingt ist, sogar als „didaktische Spannung auffassen, die die Folgen törichten Verhaltens in den Blickpunkt geraten lässt“[8].

[...]


[1] Fromm, Hans: Komik und Humor in der Dichtung des deutschen Mittelalters. München, 1961.

[2] Tschirch, F., Einführung. In: Wernher der Gärtner. Helmbrecht. Stuttgart 1978.

[3] Ibid.

[4] Ibid.

[5] Nar und gaukelaere sind im Vorspruch wohl als Synonyme zu verstehen; vgl. M. Lexer, Mhd. Handwb. I, 1059. goukelaere ist hier wohl als Ableitung von mhd. Goukel = „närrisches Treiben“ aufzufassen.

[6] Sowinski, Bernhard: Helmbrecht der Narr. In: PBB 90 ( Tüb. 1969 ), S. 225.

[7] Sowinski, Bernhard: Helmbrecht der Narr. In: PBB 90 ( Tüb. 1969 ), S. 226.

[8] Ibid.

Details

Seiten
17
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638334709
ISBN (Buch)
9783638789769
Dateigröße
439 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v32853
Institution / Hochschule
Universität Karlsruhe (TH)
Note
2,3
Schlagworte
Parodie Wernher Gaertners Helmbrecht Mediävistik

Autor

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Titel: Die Parodie in Wernher der Gaertners Helmbrecht