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Der Autoboardcomputer als zentrales Tool für Location-Based-Services. Zur Akzeptanz von BMW Connected-Drive in Österreich

Diplomarbeit 2004 159 Seiten

BWL - Marketing, Unternehmenskommunikation, CRM, Marktforschung, Social Media

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Aufbau der Arbeit
1.3 Methodische Vorgehensweise

2 Theorieteil
2.1 Technische Protokolle der mobilen Datenübertragung
2.1.1 Global System for Mobile Communication (GSM)
2.1.2 General Packet Radio Service (GPRS)
2.1.3 Universal Mobile Telecommunication System (UMTS)
2.2 XML zur Informationsübertragung
2.2.1 Was ist XML (eXtensible Markup Language)?
2.2.2 Grundstruktur und Aufbau von XML
2.3 GEO-Dienste
2.3.1 Geographische Informationssysteme
2.3.2 Open GIS Consortium OGC
2.3.3 GML- Spezifikation des OGC
2.3.4 Wep-Map-Services, Web-Feature-Services
2.4 Location-Based-Services
2.4.1 Definition von „Location Based Services (LBS)“
2.4.2 Rolle von LBS im M-Commerce
2.4.3 Lokalisierungsmethoden
2.4.4 Gliederung standortbasierter LBS-Dienste
2.5 Rechtsrahmen der elektronischen Kommunikation
2.5.1 Europarechtlicher Einfluss im Telekommunikationsrecht
2.5.2 Liberalisierung des österreichischen Telekommunikationsmarktes
2.5.3 Datenschutzregelungen im Rahmen des TKG 2003
2.5.4 Rechtlicher Umgang mit ortsbezogenen Daten
2.6 Akzeptanzforschung
2.6.1 Akzeptanzaspekte im Zusammenhang mit Mobile-Commerce
2.6.2 Konsumentenforschung allgemein
2.6.3 Einstellung
2.6.4 Messung von Einstellungen
2.6.5 Verschiedene Modelle zur Messung von Technologieakzeptanz
2.6.6 Anwendung des TAM-Modells auf den Mobile-Commerce
2.7 Einsatz im Marketing
2.7.1 Mobiles Marketing
2.7.2 Relationship Marketing
2.7.3 Relationship-Marketing im M-Commerce
2.7.4 Kundenwert durch mobile Dienste
2.7.5 Personalisierung und Nutzerprofile

3 Methode
3.1 Qualitative Sozialforschung
3.2 Quantitative Sozialforschung
3.2.1 Die Befragung
3.2.2 Befragungsmethoden
3.3 Wie erstelle ich einen Fragebogen
3.3.1 Der Fragebogenerstellungsprozess
3.3.2 Frageformulierung
3.4 Wie wähle ich eine repräsentative Stichprobe
3.4.1 Prozess der Stichprobenermittlung
3.4.2 Stichprobenarten
3.4.3 Stichprobenwahl bei der Online-Befragung
3.5 Auswertung der Daten
3.5.1 Begriffsbestimmungen
3.5.2 Einteilung der Skalierungsverfahren
3.5.3 Auswertungsverfahren

4 Praxisteil
4.1 Der Autoboardcomputer als zentrales Kommunikationstool
4.2 BMW online
4.3 Mobile Dienste im Automobilbereich
4.3.1 Beispiele für mobile Dienste
4.3.2 Automobilhersteller und Telematikdienstleistungen
4.4 Umfrage: Akzeptanz von BMW-connected-drive in Österreich
4.4.1 Datenerhebungsmethode
4.4.2 Der Online-Fragebogen – Technische Umsetzung
4.4.3 Durchführung
4.4.4 Auswertung der Daten

5 Zusammenfassung / Ergebnisse
5.1 Zusammenfassung und Diskussion
5.1.1 Entwicklung von Technologie und Standards
5.1.2 Mehrwert für Kunden und Unternehmen
5.1.3 Ergebnisse der Befragung zur Akzeptanz mobiler Dienste im Auto

Anhang A: Fragebogen

Anhang B: Auswertung

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Das Sprachkonzept von XML

Abbildung 2: Linking in XML

Abbildung 3: Geographische Features der realen Welt

Abbildung 4: Lokalisierungsverfahren AOA

Abbildung 5: Lokalisierungsverfahren TDOA

Abbildung 6: Lokalisierungsverfahren E-OTD

Abbildung 7: Lokalisierungsverfahren A-GPS

Abbildung 8: Importance of Accuracy.

Abbildung 9: Technologielandschaft 2004

Abbildung 10: Detailmodell der Einflussfaktoren auf das Kaufverhalten

Abbildung 11: Schematische Darstellung der Hypothese über die Beziehung zwischen Einstellung und Kaufwahrscheinlichkeit

Abbildung 12: Theory of Reasoned Action (TRA)

Abbildung 13: Technology Acceptance Model (TAM)

Abbildung 14: Perspektiven mobiler Dienste - aus

Abbildung 15: Grundstruktur einer Erfolgskette

Abbildung 16: Customer Equity Model

Abbildung 17: Kundenperspektiven für mobile Dienste

Abbildung 18: Unterschiedliche Informationsquellen für Kundendatenbanken

Abbildung 19: Ablauf des Collaborative Filtering

Abbildung 20: Phasen des Forschungsablaufes

Abbildung 21: Fragen und Antworten als Prozess

Abbildung 22: Klassifizierung von Befragungstechniken

Abbildung 23: Entwicklung der Internet-Nutzung in Europa 2000 bis 2004

Abbildung 24: Entwicklung des Internet-Marktes in Österreich 1996 bis 2004

Abbildung 25: Stichprobenarten

Abbildung 26: Korrelationskoeffizient von Bravais-Pearson

Abbildung 27: Bivariate Regression

Abbildung 28: Altersverteilung der Stichprobe

Abbildung 29: Geschlechtsverteilung

Abbildung 30: Berufsverteilung

Abbildung 31: Ausbildung

Abbildung 32: Ausgaben für Mobiltelefon

Abbildung 33: Verwendung SMS Funktionalität / Bereitschaft für monatlichen Pauschalbetrag.

Abbildung 34: Geschäftsgespräche / Bereitschaft für monatlichen Pauschalbetrag

Abbildung 35: Telefonie zu Freunden / Bereitschaft für monatlichen Pauschalbetrag

Abbildung 36: Handyrechnung nach Kategorien / Bereitschaft für monatlichen Pauschalbetrag

Abbildung 37: Modifiziertes „Technology-acceptance-model“ von Davis

Abbildung 38: erweitertes TAM-Modell mit eingetragenen Korrelationskoeffizienten „r“

Abbildung 39: Sind mobile Dienste sinnvoll?

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Übliche Stichprobengrößen in Marketingforschungsstudien

Tabelle 2: Charakteristika der internationalen Märkte für Telematik

Tabelle 3: Ergebnisse der Korrelationen.

1 Einleitung

1.1 Problemstellung und Zielsetzung

Durch den Einsatz technologischer Unterstützung für Marketingaktivitäten können Unternehmen ihre Kunden gezielter erreichen. Eine besondere Bedeutung wird dabei der Tatsache beigemessen, dass der Zugriff auf internetbasierte Angebote immer mehr von mobilen Endgeräten erfolgt. Die Prognosen über Umsatzentwicklungen im Bereich M-Commerce haben ein breites Spektrum und kündigen nur vorsichtig einen steilen Anstieg an. Es ist nicht eine Killerapplikation notwendig um den M-Commerce-Markt erfolgreich zu entwickeln, sondern ein breites Portfolio an sinnvollen Diensten, die die Bedürfnisse der Zielkunden erkennen und effizient bedienen (Röttger-Gerigk 2002, 24). Es können somit jederzeit auf den mobilen Endkunden gezielte Marketingmaßnahmen gerichtet werden. Vor allem durch die Möglichkeit der Lokalisierung des Kunden – zu wissen wo sich der Kunde gerade befindet – können individuelle Leistungsempfehlungen erstellt werden. Hat das Unternehmen Kundenprofile, die durch die Inanspruchnahme von Leistungen ständig erweitert werden, entstehen so für den Endkunden letztendlich auf seine persönlichen Bedürfnisse zugeschnittene Angebote, die für ihn einen erkennbaren Nutzen darstellen.

Diese Arbeit behandelt die aktuelle Entwicklung mobiler Dienste im Automobilbereich und ihren praktischen Umsetzungsstand. Im Weiteren ist vor allem eine Generierung von personalisierten Leistungen ein entscheidender Mehrwert für solche Anwendungen. Die Möglichkeiten einer Kundenbewertung und den Aufbau eines Kundenprofils gewonnen aus den Rohdaten aller gespeicherten Leistungen, werden dabei dargestellt. Die rechtlichen Rahmenbedingungen im Zusammenhang mit dem Verarbeiten von personenbezogenen Daten ist ein weiterer wichtiger Aspekt dieser Arbeit. Ziel ist es, auch die Einschränkungen seitens des Datenschutz- und Fernabsatzgesetzes zu behandeln. Letztendlich sind auch gesellschaftliche Merkmale für die Akzeptanz und Aufmerksamkeit mobiler Dienste ein nicht unerheblicher Faktor. Welche Art von mobilen Diensten in welchem Umfang von den Kunden akzeptiert wird ist länderspezifisch nicht gleich. So ist es für einen Anbieter wichtig zu wissen, welche Länder potentiell für eine Expansion seiner Angebote in Frage kommen. Diese Arbeit untersucht die Akzeptanz mobiler Dienste in Österreich und das dadurch entstehende Potential für Anbieter von Navigationssystemen – erweitert durch Online-Mehrwertdienste - im Auto.

Folgende Fragestellungen entstehen in diesem Zusammenhang:

- Welche technischen Möglichkeiten sind für diese Anwendungen aktuell verfügbar, wie ist ihre praktische Anwendungstauglichkeit?
- Wie können vorhandene auf die geographische Lage bezogene Informationen für „Location-Based-Services“ gesammelt und verwendet werden?
- Wie können Kunden bewertet und durch Erstellung von Nutzerprofilen ein individuelles Angebot für sie generiert werden?
- Welche neuen Chancen bietet mobile Marketing mit Verortung des Kunden im Vergleich zu klassischen Marketingmaßnahmen?
- Akzeptiert der Kunde diese Art von mobilen Services?
- Welche rechtlichen Rahmenbedingungen (Telekommunikationsrecht und Datenschutzbestimmungen) entstehen im Zusammenhang mit der Verwendung personenbezogener Informationen?

Im praktischen Teil dieser Arbeit wird anhand einer empirischen Methode untersucht, inwieweit Personen in Österreich mobile Dienste als Erweiterung zur klassischen Nutzung von Mobiltelefonen und Kommunikationseinrichtungen im Auto akzeptieren. Hintergrund dieser Befragung ist die mögliche Einführung von BMW-online (connected-drive) als Dienst in Österreich. Die Auswertung der Befragung erfolgt auf Basis eines theoretischen Modells aus der Akzeptanzforschung.

1.2 Aufbau der Arbeit

Die Arbeit gliedert sich in einen theoretischen Teil, einem methodischen Teil (empirischen Untersuchung) und einem praktischen Teil am Beispiel eines in Österreich noch nicht angebotenen mobilen Dienstes im Auto.

Der theoretische Teil besteht im ersten Abschnitt aus einem kurz gefassten technischen Teil, der die Übertragungsprotokolle des Mobilfunks, Schnittstellen zur Informationsübertragung zwischen den Inhalten und die geographischen Grundlagendaten zur Lokalisierung beschreibt. Im weiteren Abschnitt werden „Location-Based-Services“ im Zusammenhang mit M-Commerce behandelt. Durch die Verwendung von personenbezogenen Informationen und der geographischen Ortung und Nachverfolgung von Aufenthaltsorten von Personen sind die rechtlichen Aspekte vor allem im Hinblick auf das neue Telekommunikationsgesetz ein zentrales Thema für die Entwicklung von mobilen Diensten. Ein Kernbereich als Basis für die empirische Untersuchung über die Akzeptanz mobiler Dienste stellt der Abschnitt Akzeptanzforschung dar. Dabei werden die Grundlagen der Konsumentenforschung über Einstellung und ihre wissenschaftlichen Methoden zur Messung sowie im Speziellen Modelle zur Messung von Technologieakzeptanz theoretisch aufgearbeitet. Welche Möglichkeiten sich dabei für das Marketing bieten, werden vom letzten Kapitel des theoretischen Bereiches behandelt.

Der methodische Teil beschäftigt sich vor allem mit den Werkzeugen der Sozialforschung. Eine besondere Bedeutung wird dabei im Rahmen dieser Arbeit der quantitativen Sozialforschung - als Basis für die durchgeführte Online-Befragung im Praxisteil - beigemessen. Die Zusammenstellung einer repräsentativen Stichprobe und der Aufbau des Fragebogens sind die behandelten Themen des methodischen Teils.

Der praktische Teil konzentriert sich auf mobile Dienste im Auto. Welche besonderen Gegebenheiten unterscheiden diese spezielle Nutzungssituation von anderen. Die Durchführung einer Online-Befragung über die Akzeptanz mobiler Dienste im Auto soll die Sichtweise der Nutzer darstellen.

Im Anhang der Arbeit befinden sich Detailinformationen zur Fragebogengestaltung und Auswertung der Online-Befragung.

1.3 Methodische Vorgehensweise

Die Basis dieser Arbeit stellt eine umfangreiche Literaturrecherche in den Bereichen Mobile-Marketing, M-Commerce, Location-Based-Services, Technologieakzeptanz und weiterer Bereiche dar. Vor allem meist englischsprachige Artikel aus wissenschaftlichen Journalen und Fachmagazinen waren zur Informationsgewinnung sehr wichtig. Durch die hohe Aktualität und rasch voranschreitende Entwicklung dieses sehr jungen Technologiebereichs können für die Themen des M-Commerce nur sehr aktuelle Literaturquellen verwendet werden. Die wissenschaftliche Fundierung der Bereiche Technologieakzeptanz und Konsumentenverhalten kann hingegen auf wissenschaftlich etablierte Literaturquellen verweisen.

Aufbauend auf die theoretischen Erkenntnisse wird die Online-Befragung gestaltet und im Zeitraum von drei Wochen durchgeführt. Die Ergebnisse werden nach der erfolgten Auswertung veranschaulicht im praktischen Teil dargestellt.

Zusammen mit den aus der Literatur gewonnen theoretischen Kenntnissen und den Ergebnissen der Befragung werden im praktischen Teil speziell für mobile Dienste im Auto sich ergebenden Auswirkungen erläutert.

2 Theorieteil

2.1 Technische Protokolle der mobilen Datenübertragung

Neben der Sprache werden über Mobilfunknetze immer mehr Datendienste übertragen. Für eine sinnvolle Nutzung von mobilen Datendiensten ist die Geschwindigkeit der Datenübertragung ein wesentliches Kriterium. Im Folgenden werden die drei wichtigsten Mobilfunktechnologien näher betrachtet. Diese Arbeit spart in ihrer theoretischen Betrachtung alle Formen von Wireless-LAN-Netzwerken aus, welche aber in Ergänzung zu Mobilfunknetzwerken (Verknüpfung durch Overlaynetze) eine sinnvolle Weiterführung mobiler Services im Gebäudebereich bis auf Stockwerkebene sein können.

2.1.1 Global System for Mobile Communication (GSM)

Die Entwicklung des GSM-Mobilfunksystems wurde 1982 von der Arbeitsgruppe „Groupe-Speziale-Mobile (GSM)“ im Auftrag der CEPT[1] gestartet. Die wichtigsten Zielvorgaben für diese Arbeitsgruppe waren (Walke 2001, 135):

- ein breites Sprach- und Datendienstangebot
- Kompatibilität zu den leitungsgebundenen Netzen
- länderunabhängiger Systemzugang für alle Mobilfunkteilnehmer
- automatisches europaweites Roaming[2]
- Unabhängigkeit von Herstellerfirmen und Unterstützung verschiedener Typen mobiler Endgeräte

Im Jahr 1987 wurde die ausgearbeitete Empfehlung in Form eines Memorandums durch die 13 beteiligten Staaten unterzeichnet. Der Testbetrieb des Mobilfunknetzes der 2. Generation (2G) wurde am 1. Juli 1991 von fünf Ländern aufgenommen und bis zum Jahr 1995 in einen flächendeckenden Betrieb erweitert (Walke 2001, 137).

Das Frequenzband zwischen 935 und 960 MHz wird verwendet als Feststation-Sendefrequenz (downlink). Die Frequenz zwischen 890 und 915 MHz dient für die der logischen Verbindung zwischen Handy und Basisstation (uplink). Dieses zugeordnete Frequenzband für uplink wird in 124 Kanäle aufgeteilt und - um eine weitere Erhöhung der Anzahl der parallelen Nutzer zu erreichen - in jeweils acht Nutzkanäle (Zeitschlitze) im Zeitmultiples („Time Division Multiple Acces – TDMA“) eingeteilt (Wiecker 2002, 430). Durch diese Einteilung können parallel bis zu 1000 Nutzer in einer Zelle (Radius ca. 300 Meter) gleichzeitig telefonieren. Während der Verbindung zwischen Sender und Empfänger wird genau ein Timeslot eines Kanals verwendet und für andere gesperrt. Die maximale Datenübertragung beträgt dabei 9,6 kbit/s. Für einen flüssigen Sprachverlauf ist diese Bandbreite völlig ausreichend. Bei einer Datenübertragung - etwa in Form eines Internetzugriffes - aber zu langsam.

2.1.2 General Packet Radio Service (GPRS)

GPRS ist eine Erweiterung des GSM-Netzes und verfolgt ein paketorientiertes Konzept zur Datenübertragung. Die Standardisierung dieses Dienstes war 1997 bereits weitgehend abgeschlossen (Walke 2001, 294), kam aber erst später in eine breitere Anwendung. Bei GPRS werden die zu übertragenden Daten in gleich große Pakete aufgeteilt und - anders wie bei GSM - unabhängig von freien Slots eines Frequenzkanals verschickt. Theoretisch kann bei Ausnutzung aller acht Zeitbereiche eine Übertragungsgeschwindigkeit von 115 kbits/s erreicht werden. Aufgrund starker Auslastung wird die Nutzung durch die Mobilfunkbetreiber auf maximal vier Kanäle eingeschränkt. Dadurch ergibt sich eine Übertragungsgeschwindigkeit von 48 kbit/s (Wiecker 2002, 431-432).

2.1.3 Universal Mobile Telecommunication System (UMTS)

UMTS ist der Mobilfunkstandard der 3. Generation (3G) und erfordert aufgrund der neuen Funkfrequenz und einer anderen Einteilung dieser neue Sender und Endgeräte. Der Standard für UMTS wurde weltweit unter der IMT2000-Norm (International-Mobile-Telecommunication) geregelt. Derzeit existieren drei Ausprägungen von UMTS (Wiecker 2002, 433):

- CDMA2000: Hochrüstung der CDMA-Netze in den USA
- WCDMA-FDD: getrennte Frequenzbereiche für up- und downlink in Europa und Asien
- WCDMA-TDD: Einsatz derselben Frequenz für up- und downlink (Sonderfall bei der Abbildung kleiner Zellen)

WCDMA (Wideband Code Division Multiple Access) ist das in Europa eingesetzte UMTS-Verfahren. Dabei wird die Frequenz – so wie bei GSM - nicht mehr in Kanäle und Timeslots eingeteilt. Das verwendete Verfahren bringt Vorteile in der Ausbreitungseigenschaft und somit eine Reduzierung von Interferenzen, es lässt eine uneingeschränkte Nutzerzahl in einer Mobilfunkzelle zu und die Bandbreiteanforderungen der einzelnen Nutzer gleichen sich untereinander aus. FDD (Frequenz Division Duplex) verwendet für das Senden und Empfangen zwei getrennte Frequenzbänder. TDD (Time Divivsion Duplex) verwendet hingegen dasselbe Frequenzband für up- und downlink (Wiecker 2002, 433).

Wie bei GPRS werden die Daten in Pakete zerlegt und unabhängig voneinander übertragen. Anders als bei GPRS können den Datenpaketen bei UMTS Prioritäten zugewiesen werden. Die theoretisch höchste Übertragungsrate liegt bei 2000 kbit/s. Datenraten zwischen 240 kbit/s und 1000 kbit/s erscheinen realistisch (Wiecker 2002, 434).

Weitere Übertragungstechnologien existieren als Zwischenstufen zwischen GSM und GPRS (HSCDS ca. 38-58 kbit/s) beziehungsweise zwischen GPRS und UMTS (EDGE ca. 170-470 kbit/s).

2.2 XML zur Informationsübertragung

Die Bildung von vernetzten Anwendungen, bei denen immer mehrere verschiedene Datenquellen beziehungsweise Technologien zusammenspielen, erfordert offene Standards für eine Interoperabilität zwischen den technischen Komponenten (Sen 2004, 1). Die Erweiterung des Mobilfunks durch mobile Datendienste und „Location-Based-Services“ (siehe Kapitel 2.4) bedeutet eine Verbindung von Mobilfunktechnologien, Übertragungsprotokollen, geographischer Verortung und Dateninhalten. XML (eXtensible Markup Language) hat sich als Meta-Auszeichnungssprache und offener Standard als Schnittstelle zwischen den Technologien etabliert. Im Folgenden werden die wesentlichsten Merkmale von XML kurz erläutert:

2.2.1 Was ist XML (eXtensible Markup Language)?

Seit 1985 existiert mit SGML (Standard-Generalized-Markup-Language) ein internationaler Standard für die Definition, Identifikation und Benutzung der Struktur und des Inhaltes von Dokumenten (Tim Weitzel, 17). HTML (Hyper-Text-Markup-Language) wurde als Anwendung von SGML in eine Auszeichnungssprache abgeleitet. In HTML können mit vordefinierten Tags Dokumente in bestimmten Formatierungen präsentiert werden. Es können in HTML keine eigenen Tags definiert werden. Auch können Datenstrukturen über Formatinformationen hinaus (z.B. der Zusammenhang der Daten untereinander) nicht beschrieben werden. Die Stellungnahme des Programmierers Brian Kernighan trifft das Problem von HTML sehr gut (Tim Weitzel, 17):

WYSIWYG „What You See Is What You Get“

Brian Kernighan meinte dazu: “What you see is all you’ve got”.

HTML ist eine Präsentationssprache für die Augen des Betrachters vor dem Computerbildschirm. Bei XML ist auch der Computer in der Lage die Daten zu interpretieren. Der Computer kann bei den übertragenen strukturierten Daten erkennen, ob es sich um eine Adresse oder eine Telefonnummer handelt.

Die Grundidee von XML als vereinfachte Teilmenge von SGML ist die Trennung von Inhalt und Struktur von der Formatierung. „XML ist eine textbasierte Meta-Auszeichnungssprache, die die Beschreibung, den Austausch, die Darstellung und die Manipulation von strukturierten Daten erlaubt, sodass diese von einer Vielzahl von Anwendungen genutzt werden können“ (Tim Weitzel, 18).

2.2.2 Grundstruktur und Aufbau von XML

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Das Sprachkonzept von XML.

Das XML-Dokument enthält die Dokumentdaten durch aussagekräftige XML-Elemente samt Attributen.

In der DTD (Dokumenttypedefinition) sind alle Regeln enthalten, welche erlaubten Tags das XML-Dokument enthalten darf. Das DTD-Dokument wird im XML-Dokument definiert und bietet so die Möglichkeit den Quellcode zu validieren (Überprüfung der korrekten Verwendung definierter Elemente).

Ein Stylesheet (CSS oder XSL) gibt vor, in welcher Formatierung das XML-Dokument dargestellt und am Ausgabegerät präsentiert werden soll.

Die Kompatibilität von XML-Dokumenten und XML-Schemata (DTD) sollte nach Vorstellung des W3C-Consortiums[3] eine weltweite Eindeutigkeit und Verwendbarkeit gewährleisten. Um eine Überschneidung von Namensgebungen zu vermeiden, wurde ein Konzept (W3C_Namespaces 1999) zur eindeutigen Verwendung von Namensräumen entwickelt. Die Definition sieht dabei die Verwendung der eigenen registrierten Domäne als weltweit eindeutiger Name getrennt durch den Präfix „:“ und dem jeweiligen standardisierten Namenselement vor.

Die Möglichkeit der Verlinkung von Dokumenten ähnlich wie in HTML wurde in XML erweitert. Mit XLINK kann in einem XML-Dokument gleichzeitig auf mehrere Dokumente verwiesen werden. In der XLINK-Spezifikation sind weiters auch bidirektionale Verlinkungen, welche in beide Richtungen referenzieren können, vorgesehen. Mit XPOINTER kann man direkt in Baumstrukturen in Zieldokumenten navigieren und ähnlich wie bei SQL, Abfragen aus Datenbeständen vornehmen (siehe Abbildung 2).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Linking in XML - aus (Tim Weitzel, 36).

2.2.2.1 Beispiel einer XML-Datei mit Erläuterungen

Das folgende Beispiel einer XML Datei stammt von http://news.orf.at. Der ORF bietet aktuelle Nachrichten im RDF-Schema[4]. Die Einbettung in eine beliebige Homepage erfolgt durch einen einfachen Link.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.3 GEO-Dienste

Die Nutzung von geographischen Informationen wird für immer mehr Anwendungen sinnvoll. Oft werden diese Daten, meist von öffentlichen Behörden oder Navigationsdatenanbietern erstellt und vertrieben,lokal im eigenen IT-System vor Ort gehalten. Vor allem durch die laufenden Aktualisierungen und Erweiterungen der GEO-Daten werden lokal von einem Drittnutzer gespeicherte Daten sehr rasch wertlos und unbrauchbar. Der direkte Zugriff zum Zeitpunkt der Verwendung notwendiger geographischer Informationen von externen Stellen erscheint am zweckmäßigsten. Der jeweilige Datenhalter stellt seine Daten als XML-Dokumente samt veröffentlichten Anwendungsschemata (DTD, XSL, CSS) zur Verfügung und bietet so der Öffentlichkeit die Nutzung für eigene Anwendungen unter vereinbarten Bedingungen an.

2.3.1 Geographische Informationssysteme

Geographische Informationssysteme liefern die raumbezogenen inhaltlichen Daten zur Anwendung mobiler Dienste. Ihre Entwicklung begann in etwa vor 40 Jahren, als Behörden des „US Bureau of Census“ und „British Ordnance Survey“ ihre Verwaltung von Geodaten auf eine digitale Speicherung umstellten (Bartelme 1995, 7). In der Folge begannen dann Firmen wie etwa ESRI, Intergraph und Sicad entsprechende Hard- und Software, die auf die Bedürfnisse von Geographischen Informationssystemen zugeschnitten waren, zu konzipieren. Ab Mitte der 80er Jahre begann ein intensiver Aufbau von GEO-Basisdaten und Applikationen durch die Anwender (Bartelme 1995, 7). Mit den neuen Möglichkeiten des vernetzten Zeitalters und offener Standards zum Austausch strukturierter Daten begann vor einigen Jahren die Zeit der Vermarktung und die Vernetzung von GEO-Daten zu riesigen geographischen Netzwerken[5].

2.3.1.1 Begriffsdefinition

Ein „Geographisches Informationssystem“ - in weiterer Folge als GIS bezeichnet - dient der Erfassung, Verwaltung, Analyse und Darstellung von raumbezogenen Fragestellungen. Ihre Anwendung erfolgt in den verschiedensten wissenschaftlichen und unternehmerischen Bereichen (Bartelme 1995, 12).

Die folgende Aufzählung zeigt nur eine Auswahl an möglichen Betätigungsfeldern für ein GIS (Helmut Saurer 1997, 8-12):

Natur- und Wasserschutz, Umweltplanung, Forstwirtschaft, Landwirtschaft, Geologie, Geographie, Archäologie, Raumplanung, Facility Management, Kartographie, Telematik, Verteidigung, Architektur, Höhlenforschung, Immobilien, Kommunalplanung, Bibliotheken, Universität- und Schulwesen, Wahlstatistik, öffentliche Sicherheitseinrichtungen, Verkehrssteuerung und -planung, Versorgungswesen, Logistik- und Flottenmanagement, Transportmanagement, Luft- und Schifffahrt, Fernerkundung, Telekommunikation und Location Based Services, Journalismus, Marketing, Finanzdienstleistungen, Einzelhandel, Tourismus.

Ein GIS wird von der Firma ESRI, dem Softwaremarktführer in diesem Bereich, folgendermaßen beschrieben:

“A geographic information system is a system for management, analysis and display of geographic knowledge, which is represented using a series of information sets such as maps and globes, geographic data sets, processing and work flow models, data models, and metadata” (ESRI 2004).

In den ersten Generationen von GIS-Systemen wurde von jeder Softwarefirma ein eigenes Datenmodell entwickelt und dieses funktionierte nur im eigenen Softwareprodukt. Es fehlten Standards zum Austausch von GEO-Daten zwischen den verschiedenen GIS- und CAD-Systemen. Diesem Manko wurde vor allem in den letzten Jahren viel Bedeutung zuerkannt. Durch die technische Weiterentwicklung von Datenbanksystemen wurde es auch möglich, die komplexen Daten- und Topologiestrukturen eines GIS-Systems in relationalen Datenbanken abzubilden. Diese GEO-Datenbanken speichern Vektor- und Rastergeometrien, Relationen zwischen einzelnen Layern, Topologieregeln und Metadaten.

2.3.2 Open GIS Consortium OGC

Das OGC[6] wurde 1994 gegründet und besteht mittlerweile aus etwa 130 Mitgliedern (GIS-Anbieter, Dienstleister, IT- und DB-Firmen, Datenlieferanten, Universitäten). Ihre Aufgabe sieht das OGC in der „… Definition einer Technologie, welche einem Anwendungsentwickler und Anwender ermöglicht, jede Art von geocodierten Daten und Geofunktionalität oder -prozess zu nutzen, welcher auf dem Netz verfügbar ist, innerhalb seiner Umgebung und seines jeweiligen individuellen und einzelnen Arbeitsablaufes. Angestrebt wird ein breiter Einsatz interoperabler SW-Komponenten von der Stange (Components of the shelf (COTS)), die vollständige Integration der Geodatenverarbeitung mit der normalen Informationsverarbeitung und der Schritt von Geodaten zu Geoinformationsdiensten“ (Geoinformatik-Service 2004).

2.3.3 GML- Spezifikation des OGC

“Geographic Markup Language” GML wurde vom OGC zum herstellerunabhängigen Austausch von Geodaten spezifiziert und ist eine XML-Codierung für die Modellierung, den Transport und die Ablage von Informationen mit Bezug zur Erde, einschließlich der räumlichen und nicht-räumlichen Eigenschaften der Objekte (ESRI2 2003, 44) (Open GIS Consortium 2003, 20).

Das zentrale Konstrukt von GML ist das Feature. Ein Feature ist die Abstraktion eines Phänomens der realen Welt. Jedes Feature hat ein Feature-Type. Ein Feature-Type in GML ist eine benannte Klassifikation eines Sachverhalts der realen Welt (Open GIS Consortium 2003, 18).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Geographische Features der realen Welt - aus (Portele 2004, 90).

Die digitale Darstellung der realen Welt kann als eine Menge von Features beschrieben werden. Der Zustand des Features wird durch einen Satz von Eigenschaften beschrieben. Die GML-Schemata beschreiben eine Auswahl an vordefinierten Typen (z.B. Geometrietypen: Punkt, Linie, Fläche).

Entsprechend dem XML-Konzept werden im Anwendungsschema (xsd) die GML-Regeln und Featuretypen beschrieben und im XML-Dokument (xml) die Instanzen codiert. Im folgenden Beispiel wird das Standard GML Feature „location“ (Open GIS Consortium 2003, 48) dargestellt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

GML als Austauschformat wird mittlerweile von den meisten Softwareanbietern im GIS-Bereich unterstützt und in die Softwareumgebung eingebaut. Dem Anwender bietet sich so die Möglichkeit seine GEO-Daten im OpenSource-GML-Datenformat abzuspeichern und im Netzwerk direkt als GML-Datei oder in Form eines Wep-Map-Service (siehe dazu das folgende Unterkapitel) anzubieten.

2.3.4 Wep-Map-Services, Web-Feature-Services

Ein Web-Map-Service bietet die internetbasierte Erzeugung von Karten aus Raster- und Vektordaten. Die generierten Karten können mit jedem gängigen Web-Browser visualisiert werden. Miteinander über das Web kommunizierende Services können innerhalb einer Organisation oder in einem organisationsübergreifenden Verbund laufen. Karten in Form eines Bildes (GetMap) und ihre Sachinformationen (GetFeatureInfo) werden von anderen Diensten direkt angefordert (Poth 2003, 299).

In einem Web-Feature-Service erfolgt der Zugriff auf Vektordaten, die als GML kodierte XML-Dokumente an einen Client geliefert werden und dort zur Weiterverarbeitung (z.B. in einem Desktop GIS) zur Verfügung stehen (Poth 2003, 299).

Speziell für die Örtlichkeit betreffende und andere im Zusammenhang stehende räumliche Informationen in der mobilen Internetumgebung wurde vom OGC eine Spezifikation für Open-Location-Services (OpenLS) entwickelt, um den steigenden Anforderungen an „Location-Based-Services“-Diensten mit OpenSource-Standards entgegenzukommen (Open GIS Consortium2 2003).

2.4 Location-Based-Services

2.4.1 Definition von „Location Based Services (LBS)“

Unter Location Based Services, in weiterer Folge abgekürzt mit LBS, versteht man ortsgebundene Services, die auf den Aufenthaltsort des Nutzers abgestimmte Informationen liefern. Ein elektronisches Informationssystem kann dabei die Wichtigkeit von Informationen in Abhängigkeit vom jeweiligen Standort des Nutzers bewerten (Baeumerth 2002, 225). Die Positionsbestimmung erfolgt durch den Dienstanbieter automatisch. Der Nutzer muss also nicht explizit mitteilen an welchem Ort er sich gerade befindet.

Varshney unterscheidet hinsichtlich der Positionsinformation in einem LBS- System fixe, bewegliche und mobile Entitäten. Dabei werden die Positionsinformationen der fixen Entitäten in Datenbanken für die jeweilige Region abgespeichert. Die Positionsbestimmung der beweglichen und mobilen Entitäten erfolgt on-demand. In einer personalisierten LBS- Architektur werden dem Nutzer nach Eintreten in einen definierten geographischen Bereich die von ihm abonnierten Dienste und Informationen bereitgestellt (Varshney 2003, 241).

2.4.2 Rolle von LBS im M-Commerce

„Wir sprechen dann von mobile Commerce oder M-Commerce, wenn die von den Anwendern auf Kundenseite eingesetzte Infrastruktur zur Nutzung von E-Commerce-Applikationen mit Mobilkommunikationselementen bestückt und vom Anwender deshalb prinzipiell an jedem beliebigen Ort und zu jeder beliebigen Zeit nutzbar ist, da der Anwender die portablen Komponenten immer mitführen kann. Diese Ubiquität des Informationszugriffs einerseits und der damit verbundene Anspruch auf das ubiquitäre Vorhalten von Informationen andererseits kennzeichnen das Handlungsfeld zwischen Nachfrager und Anbieter im M-Commerce“ (Gasenzer 2001, 2).

So gesehen ist M-Commerce nur eine Erweiterung der bestehenden Applikationen des E-Commerce auf mobile Anwender. Durch einige besondere Merkmale hat der M-Commerce gegenüber dem E-Commerce eine spezifische Rolle. Eine davon ist die Möglichkeit positionsbasierte Anwendungen zu erstellen. Laut Alan Dix in „Exploiting Space and Location as a Design Framework for Interactive Mobile Systems“ ist der Standort ein Schlüsselelement für mobile Systeme (Dix 2000, 285). Das umfasst die Möglichkeit, den Standort eines Anwenders zu bestimmen und die Veränderung der Position des Anwenders mitzuverfolgen. Mit Hilfe von Zeit, Position und personalisierten Präferenzprofilen, können auf die Bedürfnislage abgestimmte Leistungen vom Anbieter bereitgestellt werden.

Weil diese Informationsdienste einen hohen Grad an Automatisierung ermöglichen, können LBS-Dienste zu einem zentralen Leistungselement des M-Commerce werden. Für den Anwender ergeben sich Einsparungen an Interaktionsschritten (die Information zur Positionsbestimmung wird automatisch und exakt übergeben) und damit ein höheres Nutzenniveau. Für den Anbieter entsteht eine kostengünstige Ausweitung seiner Distributionskanäle mit integrierter automatisierter Leistungserstellung (Gasenzer 2001, 4).

LBS-Dienste stellen aber im Verhältnis zu M-Commerce Anwendungen im Bereich Entertainment und Handystyling (Klingeltöne, Screensavers, …) einen noch sehr geringen Anteil am Umsatz dar. Derzeit müssen die Anbieter hoffen, dass sich auch dieser Bereich in der nächsten Zeit entwickelt. Die Mobilfunkanbieter, aber auch andere Unternehmen, haben bereits sehr viel in diesen Bereich investiert und müssen die Zeit bis zur Etablierung von LBS-Diensten mit den Umsätzen aus anderen Bereichen ausgleichen. Obwohl die Prognosen für die nächsten zwei Jahre einen steilen Anstieg vorhersagen ist die tatsächliche Durchsetzung von LBS-Diensten noch ungewiss und bleibt wie so oft bei neuen technologischen Entwicklungen möglicherweise in ihrer Entwicklungsphase stecken.

2.4.3 Lokalisierungsmethoden

Damit der Anbieter seinem Kunden ortsbezogene mobile Dienste offerieren kann, muss er wissen wo sich dieser befindet. Dazu sind verschiedene Verfahren zur Positionsbestimmung entwickelt worden. Diese weisen zum Teil beträchtliche Unterschiede hinsichtlich Genauigkeit, Geschwindigkeit und Notwendigkeit einer Modifikation an Netzinfrastruktur und Endgeräten auf. Es kann dabei keines der Verfahren pauschal als die beste Lokalisierungsmethode qualifiziert werden. Vielmehr hängt es von der Art der Anwendung ab, welche Lokalisierungsmethode als die Geeignete erscheint. Grundsätzlich kann zwischen Netzwerkbasierten und endgerätebasierten Verfahren der Lokalisierung unterschieden werden. In weiterer Folge werden einige wichtige Verfahren dargestellt.

2.4.3.1 Netzwerkbasierte Verfahren zur Lokalisierung

2.4.3.1.1 Cell of Origin (COO)

Bei diesem Verfahren wird jeder Wabe einer Funkzelle eines Mobilfunknetzes eine Geokoordinate zugeordnet. In Verbindung mit der Cell-ID kann ein Endgerät, das sich in dieser Funkzelle befindet einer aktuellen Position zugewiesen werden. Die Lokalisierungsgenauigkeit hängt dabei von der Größe der Zelle ab. Im Stadtbereich sind mit diesem Verfahren Genauigkeiten von 150 Meter möglich, in ländlichen Gebieten wo die Funkzellen größer sind, kommt es zu größeren Ungenauigkeiten. Ein großer Vorteil dieses Verfahrens liegt aber in der kurzen Lokalisierungszeit von weniger als 3 Sekunden und in der einfachen Implementierung in bestehende Mobilfunknetze. Es ist kein Upgrade der Endgeräte bzw. der Netzinfrastruktur notwendig. Dadurch können auch bestehende Kunden mit ihren Endgeräten sehr einfach diese Services nutzen (Röttger-Gerigk 2002, 419).

2.4.3.1.2 Angle of Arrival (AOA)

Dieses Verfahren beruht auf Radio- und Funktechnik. Der Standort einer mobilen Sendeeinheit wird durch Kreuzpeilung in einem Antennenfeld ermittelt (Röttger-Gerigk 2002, 420). Die Position wird durch die Richtung des ankommenden Signals mindestens zweier Basistransmitterstationen (BTS) durch eine Auswerteeinheit bestimmt (siehe Abbildung 4).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Lokalisierungsverfahren AOA - aus (Röttger-Gerigk 2002, 420).

Wie bei COO liegt auch hier ein großer Vorteil darin, dass bestehende Endgeräte und Netzinfrastrukturen ohne Adaptierung verwendet werden können. Ein Nachteil dieses Verfahrens ist allerdings, dass die Funkwellen durch natürliche oder künstliche Oberflächen reflektiert werden können. Der Lokalisierungsfehler wächst üblicherweise mit der Entfernung zur BTS (Röttger-Gerigk 2002, 421).

2.4.3.1.3 Time Difference of Arrival (TDOA)

“Time Difference of Arrival” ist eine sehr gebräuchliche Methode für netzwerkbasierte Ortungssysteme. Anders als bei AOA hängt die Genauigkeit nicht von der Entfernung zu den BTS ab, es werden aber mindestens drei BTS benötigt um die Positionsbestimmung durchführen zu können. Es können wie bei COO und AOA bestehende Endgeräte verwendet werden. Installationen an der Netzwerkstruktur sind einfach durchzuführen. Bei TDOA wird der Laufzeitunterschied des Funksignals von der Mobileinheit zur BTS gemessen und an eine zentrale Auswerteeinheit gesendet. Mit Hilfe des Laufzeitunterschiedes zwischen zwei BTS wird um jene BTS, bei der das Signal zuerst ankommt, eine Hyperbel gelegt (siehe Abbildung 5). Durch paarweise Durchführung für mindestens drei BTS ergibt sich der Standort des mobilen Endgerätes. Von Nachteil ist bei diesem Verfahren, dass die BTS zeitlich synchronisiert werden müssen und dass die Messdauer zur Positionsbestimmung etwa 10 Sekunden dauert (Röttger-Gerigk 2002, 422).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Lokalisierungsverfahren TDOA - aus (Röttger-Gerigk 2002, 421).

2.4.3.1.4 Time of Arrival (TOA)

TOA ist ein verwandtes Verfahren zu TDOA. Der Unterschied liegt darin, dass hier nicht der Laufzeitunterschied sondern lediglich die Laufzeit für die Berechnung der Position herangezogen wird. Bei dieser Methode sind allerdings größere Netzwerkmodifikationen nötig, wodurch höhere Investitionskosten verursacht werden (Röttger-Gerigk 2002, 422).

2.4.3.2 Endgerätebasierte Verfahren zur Lokalisierung

2.4.3.2.1 Enhanced Observed Time Difference (E-OTD)

Im Unterschied zu TDOA werden bei E-OTD (siehe Abbildung 6) die Laufzeitunterschiede von mindestens 3 BTS durch das mobile Endgerät berechnet und an eine zentrale Auswerteeinheit gesendet. Voraussetzung ist auch bei diesem Verfahren, dass die Zeitmessung präzise erfolgt. Das mobile Endgerät muss die Real Time Difference (RTD) zwischen den BTS kennen (Röttger-Gerigk 2002, 422). Bezüglich der Genauigkeit liegt E-OTD zwischen 50 und 125 Meter, ist also genauer als COO, jedoch mit dem Nachteil, dass die Auswertezeit bei etwa 5 Sekunden etwas über jener von COO liegt. Weiters müssen für E-OTD bestehende mobile Endgeräte und Komponenten in der Netzwerkstruktur modifiziert werden. Wie bei AOA entstehen auch hier Schwierigkeiten in städtischen Gebieten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6: Lokalisierungsverfahren E-OTD - aus (Röttger-Gerigk 2002, 423).

2.4.3.2.2 Global-Positioning-System (GPS)

Global-Positioning-System ist eine Positionsbestimmung per Satellit. Im Jahr 1978 wurde GPS vom US-Militär installiert. Mittels 24, die Erde umkreisende Satelliten in einer Höhe von 20200 Kilometer kann auf jedem Punkt der Erde der Standort bestimmt werden (Bollmann 2001, 335-336). Für die zivile Nutzung wurde GPS Anfangs nur mit verfälschten Werten freigegeben. Damit erzeugte das US-Militär eine Ungenauigkeit im Ortungssystem um die militärische Nutzbarkeit für andere Staaten einzuschränken. Eine Genauigkeit von nur 100 Metern war dadurch möglich. Erst im Jahr 2000 wurde die absichtliche Verfälschung des GPS-Signals abgeschaltet. Seitdem ist GPS auch für die zivile Nutzung - abhängig von Umgebung und Hardware - auf 5-10 Meter genau (AreaMobile 2004, 1).

Zur Positionsbestimmung benötigt GPS eine direkte Sichtverbindung zumindest zu 4 Satelliten, was nicht immer möglich ist. Außerdem benötigt GPS einen hohen Energiebedarf, was bei mobilen Endgeräten zu einem raschen Verbrauch der Akkuleistung führt. Die Bestimmung der Position erfolgt in mehreren Schritten: suchen des ersten Satelliten, erfassen, suchen des nächsten, … und so weiter. Anschließend werden Informationen heruntergeladen, Zeitdifferenzen berechnet und die Position bestimmt. Dieser Prozess dauert zwischen 40 Sekunden und wenigen Minuten (Ajluni 2002, 31).

Neben dem GPS-System gibt es von Russland noch das Global Navigation Satellite System GLONASS. Europa will seine Abhängigkeit vom GPS-System der USA durch das Galileo Projekt beenden. Galileo ist ein 30-Satelliten-Netzwerk und wird so wie GPS die Basisdienste für den Anwender frei zur Verfügung stellen (Europe 2002, 5). Gestartet wird das Projekt voraussichtlich erst 2009.

2.4.3.2.2.1 Assisted-GPS (A-GPS)

Assisted-GPS verwendet zusätzlich zu den GPS-Modulen in den Endgeräten stationäre GPS-Empfänger (siehe Abbildung 7). Diese GPS-Empfänger sammeln regelmäßig Informationen über zur Lokalisierung verfügbare Satelliten. Um den Standort eines mobilen Endgerätes zu bestimmen, wird nun mittels Zellidentifikation (COO) die ungefähre Position und der nächstliegende stationäre GPS-Empfänger bestimmt. Die Lokalisierung erfolgt nun im mobilen Endgerät in einem zweiten Schritt unter Benutzung jener Satelliten, die der stationäre GPS-Empfänger vorschlägt. Daraus sich ergebende wesentliche Vorteile gegenüber einer GPS-Anwendung sind die kürzere Lokalisierungszeit und der geringere Akkubedarf im Endgerät. Weiterhin ist aber ein Sichtkontakt zu mindestens 4 Satelliten notwenig, was vor allem bei Straßenschluchten, bei schlechten Wetterverhältnissen und in Gebäuden nur schwer möglich ist (AreaMobile 2004, 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 7: Lokalisierungsverfahren A-GPS - aus (Röttger-Gerigk 2002, 425).

Trotzdem wird A-GPS eine gute Chance auf eine breite Anwendung in mobilen Endgeräten zugesprochen. Weil keine Modifikationen am Netz erforderlich sind, ist die „start-up-Zeit“ für die Einführung kurz und die GPS-Integration relativ kostengünstig und einfach durchzuführen. Die Genauigkeit der Lokalisierung beträgt 5 – 50 Meter und der Lokalisierungsvorgang dauert nur wenige Sekunden (>5). Weil damit in Amerika die Vorgaben der FCC[7] erfüllt werden können, wird voraussichtlich ein Großteil der Mobilfunkbetreiber in Amerika dieses Lokalisierungsverfahren einsetzen (Röttger-Gerigk 2002, 425).

2.4.3.2.2.2
Differential-GPS (D-GPS)

Sind die Genauigkeiten von A-GPS - etwa zur Bootsmanövrierung in Häfen - nicht ausreichend, muss Differential-GPS zur exakten Lokalisierung eingesetzt werden. Bei D-GPS werden zusätzliche Referenzstationen mit exakt bestimmter Position errichtet. In dieser Referenzstation ist ein GPS-Modul integriert, welches aus den verfügbaren Satelliten jederzeit den Koordinatenwert für den eigenen Standort berechnet. Dieser errechnete Wert wird nun mit dem exakten (bekannten) Wert verglichen und ein Korrekturfaktor daraus ermittelt. Dieser Korrekturwert dient dem jeweiligen Endgerät für eine präzisere Positionsbestimmung. Die Genauigkeit dieses Verfahrens liegt bei <10 Meter (Edmondson 1996, 3).

2.4.3.3 Einflüsse auf die Entwicklung von LBS

Die vorgestellten Verfahren zur Lokalisierung von mobilen Endgeräten und deren Nutzer weisen große Unterschiede bezüglich Genauigkeit, Lokalisierungsgeschwindigkeit, Notwenigkeit einer Modifikation der Netzinfrastruktur und Endgeräte sowie der Gebäudetauglichkeit auf.

Derzeit werden in Mobilfunknetzen Cell-ID, TDOA-Verfahren und A-GPS als Lokalisierungsverfahren favorisiert. Keine dieser Technologien ist in allen relevanten Kriterien (Genauigkeit, Beantwortungszeit, Versorgungsbereich, Kapazität und Implementierungskosten) überlegen.

Welche der dargestellten Lokalisierungsverfahren sich durchsetzen wird, hängt auch von den Anwendungen ab. Für viele Services reicht die Genauigkeit von COO völlig aus. Dazu zählen z.B. Pannenservice, Road-Assistance und Fahrplanauskunft. COO erfordert außerdem nur geringe Investitionen in die Netzinfrastruktur und kann die bestehenden Endgeräte ohne Modifikationen nutzen. Die genaueren GPS-Technologien können in Gebäuden nur begrenzt eingesetzt werden. Erst eine Kombination von Technologien wie GPS, Zelltriangulation und Wireless-Local-Area-Network in Gebäuden eröffnen die Möglichkeiten um indour/outdoor Tracking in der Zukunft bereit zu stellen (Pfeiffer 2003, 50).

In Abbildung 8 wird die Wichtigkeit der Positionierungsgenauigkeit im Zusammenhang mit der Lokalisierungszeit von Anwendungen dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 8: Importance of Accuracy - aus (Position 2001, 4).

Für die letztendliche Wahl der Lokalisierungsverfahren durch die Mobilfunkbetreiber sind auch die Vorgaben der Regierungen und die Standardisierung durch Normungsinstitute von Bedeutung.

Folgende Lokalisierungsmethoden wurden bisher durch das American-Standardisation-Institute (ANSI) und durch das European-Telecommunications-Standards-Institute (ETSI) standardisiert: COO, TOA, TDOA, E-OTD und A-GPS (Röttger-Gerigk 2002, 426).

Weiters gibt es internationale Anstrengungen, Mindestanforderungen für die Positionsbestimmung in Notsituationen (E112 in Europa / E-911 FCC-Mandat in USA) sowie für Sicherheits- und Überwachungszwecke festzulegen.

Der Gesetzgeber in den USA (FCC Federal Communication Commission) hat die Mobilfunkbetreiber verpflichtet, den Standort aller von einem Mobiltelefon aus gewählten Notrufnummern 911 automatisch zu lokalisieren und die Koordinaten an ein 911-Call-Center zu übermitteln. Die Genauigkeit der Lokalisierung soll in zwei Ausbaustufen je nach Lokalisierungsmethode zwischen 50 und 100 Meter in 95% aller Fälle nicht überschreiten (Pfeiffer 2003, 48; Varshney 2003, 241). Durch diese Vorgabe müssen die Mobilfunkbetreiber eine Infrastruktur bereitstellen, die es für eine Refinanzierung notwendig macht, diese auch in zunehmendem Maße kommerziell zu nutzen.

Die großen Märkte wie Amerika, Europa und Asien sind in der Umsetzung von Standards und Implementierung unterschiedlich weit fortgeschritten (siehe Abbildung 9).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 9: Technologielandschaft 2004 (Prognose von Signalsoft) - aus (Grigat 2002, 20).

[...]


[1] CEPT Conference Europeene des Administrations des Postes et des Telecommunications

[2] Roaming: Vereinbarung zwischen zwei Netzbetreibern (national oder international) über gegenseitige Anmeldung bei Eintritt ins Fremdnetz.

[3] world wide web consortium - http://www.w3c.org

[4] W3C Recommendation 10 February 2004 RDF Vocabulary Description Language 1.0: RDF Schema

[5] siehe z.B. http://www.geographynetwork.com/

[6] Open GIS Consortium OGC http://www.opengis.org/

[7] Federal Communication Commission (FCC). Bis Ende 2005 müssen in den Vereinigten Staaten die Positionsdaten von 95% der Nutzer in den Mobilfunknetzen zur Verfügung stehen.

Details

Seiten
159
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638334617
ISBN (Buch)
9783638717717
Dateigröße
2.8 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v32839
Institution / Hochschule
Fachhochschule Salzburg – Betriebswirtschaft und Informationsmanagement
Note
Sehr gut
Schlagworte
Autoboardcomputer Tool Location-Based-Services Akzeptanz Connected-Drive

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Titel: Der Autoboardcomputer als zentrales Tool für Location-Based-Services. Zur Akzeptanz von BMW Connected-Drive in Österreich