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Erziehungsberatung - Aufgaben und Aspekte des Beratungsprozesses

Hausarbeit (Hauptseminar) 2002 15 Seiten

Pädagogik - Familienerziehung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Begriffserklärung

3. Geschichtliche Entwicklung

4. Aufgaben der Erziehungsberatung

5. Gründe für das Aufsuchen der Erziehungsberatungsstelle

6. Ursachen der Schwierigkeiten

7. Arbeitsablauf der Erziehungsberatung
7.1. Anmeldung
7.2. Erstgespräch
7.3. Anamneseerhebung
7.3.1. Aspekte psychologischer Untersuchung
7.3.2. Aspekte ärztlicher Untersuchung
7.4. Beratung
7.5. Überweisung und Nachbetreuung

8. Fachkräfte der Erziehungsberatungsstelle

9. Träger der Erziehungsberatungsstellen

10. Schlusswort

Literatur

1. Einführung

Seitdem die Menschen in Kommunikation und Interaktion stehen, sprechen sie auch über Probleme und Schwierigkeiten, die sich innerhalb ihres Alltags ergeben. Dazu gehört auch das Rateinholen und Raterteilen in Erziehungsfragen. Dementsprechend gibt es die „Erziehungsberatung“ ohne Mitwirkung von Institutionen schon immer.

Ich befasse mich in dieser Hausarbeit dagegen mit Erziehungsberatung in einem institutionellen Kontext. Um einen besseren Einstieg in die Thematik der Erziehungsberatung zu ermöglichen, werden im Kapitel 2 der Beratungsbegriff und im darauffolgenden Kapitel die historische Entwicklung der Erziehungsberatung beschrieben. Aufgaben der Beratung werden im Kapitel 4 näher beschrieben. Im Kapitel 5 und 6 sind die Gründe für das Aufsuchen der Erziehungsberatungsstelle und die Ursache der Probleme bei den Kindern und Jugendlichen erläutert. Im Kapitel 7 gehe ich verstärkt auf den Beratungsablauf ein, da ich diesen für einen der wichtigsten Kriterien institutioneller Erziehungsberatung halte. Folgend verweise ich auf die Qualifikation der Beratungskräfte und die Trägerschaft der Erziehungsberatungsstellen und schließe dann mit dem 10. Kapitel, dem Schlusswort, ab.

In meiner Hausarbeit werde ich hauptsächlich von den Eltern sprechen, da ich überzeugt bin, dass es für den Behandlungserfolg vorteilhaft ist, wenn beide Elternteile bei der Beratung direkt dabei sind. Fest steht aber, dass das Beratungsgespräch auch mit jeder anderen Bezugsperson stattfinden kann.

2. Begriffserklärung

Ursprünglich heißt „Rat“ Vorrat, vorhandene Mittel und wird noch ursinngemäß in Begriffen wie Hausrat, Vorrat verwendet. Im späteren Verlauf entwickelt sich die Abstraktion von Rat im Sinne von „Hilfe“ und „Vorsorge“. Weiterhin entstehen bestimmte Berufsgruppen, wie z.B. Postrat, Justizrat und Studienrat. Mit der Zunahme der Differenzierungen und Spezialisierungen entstehen die heutigen modernen Beraterberufe wie Erziehungs-, Berufs- und Steuerberater. (vgl. Brand 1984, S. 14)

M. Brand definiert Erziehungsberatung als „Diagnose, Beratung, Therapie bei Verhaltensauffälligkeiten, Erziehungsschwierigkeiten und Entwicklungsstörungen unter Berücksichtigung des sozialen Umfeldes, außerdem die Vermittlung in anderen Spezialeinrichtungen und die Mitwirkung bei vorbeugenden Maßnahmen, die geeignet sind, zur allgemeinen Aufklärung in Erziehungsfragen und zur Verbesserung des Erziehungsklimas in der Öffentlichkeit beizutragen.“ (vgl. Brand 1984, S. 16f)

3. Geschichtliche Entwicklung

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts zieht die weltweit fortschreitende Industrialisierung wesentliche Umstrukturierungen in den gesellschaftspolitischen, ökonomischen und sozialen Bereichen nach sich. Der Wechsel von Agrarwirtschaft zur hauptsächlich industriell geprägten Ökonomie verändert unumgänglich auch die Familienstruktur. Die Drei-Generationen-Großfamilie wird von einer Zwei-Generationen-Kleinfamilie ersetzt. Der immer größer werdende Einfluss von außen und der Zwang zur Flexibilität bringen eine Lockerung familiärer Bindungen mit sich, wodurch die Erziehungsunsicherheit bei Eltern und Lehrern steigt. Zu den weiteren Gründen der Erziehungsunsicherheit zählen massiv einsetzende Landflucht, gleichzeitig steigendes Elend der Stadtarbeiter, Abnahme der Kinderarbeit, stetig ansteigende Delinquenz der Jugendlichen und Änderung der elterlichen Einstellung in Hinblick auf Strafmaßnahmen in der Erziehung. Durch diese sozialen Veränderungen entsteht bei der Elternschaft ein großer Bedarf nach externer Hilfe, die einer gesellschaftlichen und staatlichen Organisation erfordert.

Fröbel und Pestalozzi äußern schon am Anfang des 19. Jahrhunderts den Gedanken zur Erziehungsberatung, weil ihnen der Erziehungs- und Beziehungsaspekt in der Interaktion von Eltern und Kind sehr wichtig erscheint. (vgl. Dießner 1994, S. 6)

Die Entwicklung zur heutigen Erziehungsberatung in Deutschland geht auf drei unterschiedliche Ansätze zurück, die sich grundsätzlich unterscheiden und sich dann später zum Teil auch vermischen.

„1. die psychiatrisch-akademische Ausrichtung (Fürstenheim, Kersten)
2. die individualpsychologische Ausrichtung (Adler, Freudenberg)
3. die psychoanalytische Ausrichtung (Aichhorn)“ (vgl. Smidt/ Armbruster 1980, S. 3)

1906 gründet Fürstenheim die „Medico-pädagogische Poliklinik für Kinderforschung und Erziehungsberatung“ in Berlin und eine „Jugendsichtungsstelle“ in Frankfurt. Die Jugendsichtungsstelle ist für das „Sichten“ der sozial auffälligen Jugendlichen zuständig, um dann aufgrund der erstellten Gutachten das Ergreifen der erforderlichen Maßnahmen zu ermöglichen.

Kersten entwickelt aus Fürstenheims Sichtungsstelle eine Einrichtung, in der der Zusammenhang zwischen dem anthropologischen Element und der Delinquenz untersucht wird.

Adlers und Freudenbergs individualpsychologische Theorie und Praxis setzt sich ab 1926 in einigen Beratungsstellen durch. Im Vordergrund ihrer Beratungsarbeit steht die Zusammenarbeit mit den Eltern seelisch gestörter oder vernachlässigter Kinder und die Aneignung neue Möglichkeiten der emotionalen und sozialen Kommunikation innerhalb der Familie und externer Einrichtungen.

Ähnlich wie Freudenberg versteht auch der Aichhorn die Erziehungsberatung. Allerdings führt er anschließend aufgrund gestellter Diagnosen auf der Freudschen Psychoanalyse basierende Therapien durch. Mit dieser Funktionserweiterung entspricht die Erziehungsberatung weitgehend den allgemeinen Richtlinien.

1933 wird die Erziehungsberatungsarbeit in Deutschland verboten. Bedeutende Psychologen und Psychiater emigrieren und tragen viel zu der Entwicklung der Erziehungsberatungsstellen in den USA bei. (vgl. Smid/Armbruster 1980, S. 3ff)

Nach dem Zweiten Weltkrieg entstehen Erziehungsberatungsstellen nach einem angelsächsischen Child-Guidance-Clinic-Model. Dabei handelt es sich um institutionalisierte Beratungsstellen, die ärztlich–psychiatrisch und psychoanalytisch ausgerichtet sind. In den Jahren von 1950 bis 1953 werden mit Hilfe moralischer und materieller Unterstützung der Amerikaner und Engländer zwischen 50 und 100 Erziehungsberatungsstellen gegründet. Der Aufbau weiterer jugendpsychiatrischer und heilpädagogischer Einrichtungen folgt. 1953 werden in der BRD insgesamt 177 Erziehungsberatungsstellen mit 37 Nebenstellen gezählt. 1962 hat sich die Zahl der Einrichtungen verdoppelt, wobei die ländlichen Gebiete unterversorgt sind und bis heute bleiben. (vgl. Dießner 1994, S. 7ff)

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Details

Seiten
15
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638333290
ISBN (Buch)
9783656073901
Dateigröße
483 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v32665
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin – Institut für Allgemeine Pädagogik
Note
2,0
Schlagworte
Erziehungsberatung Aufgaben Aspekte Beratungsprozesses Pädagogisch-psychologische Beratung Grundlagen

Autor

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Titel: Erziehungsberatung - Aufgaben und Aspekte des Beratungsprozesses