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Zum Wandel der Familie

Hausarbeit (Hauptseminar) 2003 18 Seiten

Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Pluralisierung der Familienformen

3. Heiratsneigung und alternative Lebensformen
3.1. Alleinleben
3.2. Nichteheliche Lebensgemeinschaften

4. Scheidungen und daraus resultierende Familienformen
4.1. Ein-Eltern-Familie
4.2. Stieffamilie

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Ist die Familie noch zu retten? Machen Ehe und Familie eine Krise durch?

Bis Mitte der 60er Jahre galt das Modell der modernen Kleinfamilie als ein unhinterfragtes Leitbild und diese Familienform wurde von der „überwältigenden Mehrheit“ der Bevölkerung auch gelebt. (Peuckert 1991: 14) Seit Ende der 60er Jahre sind nun Veränderungen zu beobachten, die für die Zukunft dieser Familienform bedrohlich zu sein scheinen. Der demographische Wandel – also Rückgang der Geburtenzahlen, immer weniger Menschen entschließen sich zu heiraten, immer mehr Ehen werden geschieden – wird als Zeichen für „Abkehr von Ehe und Elternschaft, Zerfall der Kernfamilie, Dauerkrise von Paarbeziehungenen“ interpretiert. (Burkart/Kohli 1992: 11) Ob es um Ehe und Familie wirklich so schlecht steht, soll im Folgenden geklärt werden. Dazu wird zunächst auf die Pluralisierung der Haushaltsstrukturen und Familienformen eingegangen und die Ursachen für diesen Wandlungsprozeß herausgearbeitet. Anschließend werden Heiratsneigung und Scheidungsursachen näher beleuchtet und dazu jeweils zwei alternative Lebensformen vorgestellt.

2. Pluralisierung der Familienformen

Der Typus der modernen Kleinfamilie hat seit 1965 zahlen- und anteilsmäßig abgenommen. Peuckert liefert zunächst eine Definition dieser Familienform: Unter moderner Kleinfamilie wird „eine selbstständige Haushaltsgemeinschaft eines Ehepaares mit seinen minderjährigen Kindern“ verstanden, „wobei der Mann Haupternährer und die Frau primär Mutter und Hausfrau ist“. (Peuckert 1991: 9) Im Zuge eines Modernisierungs- und Individualisierungsprozesses hat ein Wandel weg von diesem Modell stattgefunden. Die Normalfamilie existiert zwar noch, aber zum einen haben sich neben ihr viele verschiedene familiale und nichtfamiliale Lebensformen gebildet und sie zum Teil ersetzt und zum anderen ist ihre Verbindlichkeit gesunken.

In den späten 50ern und frühen 60ern war die Institutionalisierung der normativen Verbindlichkeit dieses Familientypus auf einem Höhepunkt. Das bedeutet, dass zu dieser Zeit die Eheschließung und die Familiengründung selbstverständlich und in gewisser Weise auch verpflichtend waren. (vgl. Peuckert 1991: 16) Doch diese Situation hat sich gewandelt. Durch die antiautoritäre Studentenbewegung Ende der sechzigerer Jahre wurde die Familie stark kritisiert und besonders die Ehe mußte an Verbindlichkeit einbüßen. Die Familie galt seitdem nicht mehr als unantastbare und alleintaugliche Lebensform. Hinzu kam dann auch noch der bereits erwähnte Individualisierungsprozeß, dessen Ursachen in der „ökonomischen Wohlstandssteigerung“ und in „unserer sozialstaatlichen Absicherung“ vermutet werden. (Nave-Herz 1997: 3) Durch diesen Prozess löste sich die feste Verbindlichkeit der Normalfamilie und alles was dazu gehörte immer mehr auf und man konnte durch die Gewinnung individueller Freiheit, die Chance wahrnehmen, zwischen verschiedenen Formen des menschlichen Zusammenlebens zu wählen.

Die verschiedenen Haushalts- und Familientypen lassen sich auf eine veränderte Heirats- und Scheidungsbereitschaft, der sich immer mehr durchsetzenden Erwerbstätigkeit der Frau und dem nachlassenden Kinderwunsch zurückführen. Die neuen Formen weichen vom Leitbild der bürgerlichen modernen Kleinfamilie ab. So ist ein Merkmal der Normalfamilie beispielsweise, dass man legal verheiratet ist. Als neue Formen, die davon abweichen gibt es heute das Alleinleben oder die nichtehelichen Lebensgemeinschaften. Weitere Merkmale der Normalfamilie wären 1. der gemeinsame Haushalt mit zwei Erwachsenen, 2. Kinder, 3. zwei leibliche Eltern, 4. der Mann als Haupternährer und Autoritätsperson und 5. Heterosexualität. Als abweichende Formen sind dazu zu nennen: 1. getrenntes Zusammenleben, Mehrgenerationenhaushalte oder Wohngemeinschaften, 2. kinderlose Ehen, 3. Ein-Eltern-Familien, Stieffamilien, Adoptivfamilien, 4. Zweikarrieren-Ehen, Commuter-Ehen, Hausmänner-Ehen und 5. gleichgeschlechtliche Paargemeinschaften. (vgl. Peuckert 1991: 20)

Zusammenfassend kann gesagt werden: „Da heute kein Haushaltstyp und keine Familienform mehr so eindeutig dominiert wie noch vor 20 bis 30 Jahren, kann man zu Recht von einer Pluralisierung der Haushaltsstrukturen und Familienformen sprechen“. (Peuckert 1991: 30)

3. Heiratsneigung und alternative Lebensformen

In den letzten Jahren hat die Institution Ehe stark eingebüßt. Besonders deutlich wird das an den Eheschließungszahlen, die von 1950 bis 2000 von 750.452 auf 418.550 gesunken sind. (vgl. Statistisches Jahrbuch 2002: 67). Das bedeutet zwar nicht, dass sich die Menschen nicht mehr binden wollen, aber mehr und mehr wird die Ehe als eine formale Einrichtung gesehen. Eine Legalisierung der Liebe scheint vielen nicht mehr notwendig, denn vielmehr steht der affektive Charakter der Paarbeziehung im Vordergrund. (vgl. Peuckert 1991: 35) Besonders junge Paare wollen zunächst erst einmal nicht heiraten. Für sie ist eine andere Frage viel wichtiger: Ob sie nun weiter allein leben möchten oder einen gemeinsamen Haushalt gründen wollen. Burkart und Kohli formulieren dazu treffend: „Immer mehr Menschen ziehen es vor, alleine zu wohnen. Viele Paare leben zusammen, verzichten aber auf eine Eheschließung – manche nur, um die Tragfähigkeit ihrer Beziehung zu testen; andere damit die immer mögliche Trennung einfacher zu bewerkstelligen ist. Die Eheschließung wird von vielen nicht prinzipiell ausgeschlossen, aber der Zeitpunkt wird auf ein unbestimmtes Datum in der Zukunft verschoben.“ (Burkart/Kohli 1992: 11) Die Neigung zu einer späteren Heirat spiegelt sich in den Eheschließungszahlen der ledigen Männer und Frauen wieder. 1985 heirateten ledige Männer noch mit 26,6 Jahren, wogegen das Heiratsalter im Jahr 2000 schon bei 31,2 Jahren lag. Nicht anders sieht es bei den ledigen Frauen in der Bundesrepublik Deutschland aus. Hier stieg das Heiratsalter zwischen 1985 und 2000 von 24,1 Jahre auf 28,4 Jahre. (vgl. Statistisches Jahrbuch 2002: 70)

Dass die Eheschließungszahlen sinken und das Erstheiratsalter steigt, verbindet Peuckert mit historisch-sozialen Wandlungsprozessen. Zum einen sind Frauen aufgrund der zunehmenden Erwerbstätigkeit unabhängiger und somit nicht mehr auf einen Ehepartner angewiesen, der sie versorgt. Weiterhin hat sich die öffentliche Einstellung zur Sexualität verändert und die Akzeptanz gegenüber nichtehelichen Paarbeziehungen ist gewachsen. Eine weitere Ursache für zunehmende Ehelosigkeit sieht Peuckert in dem, durch die Industrialisierung hervorgerufenen, steigenden Erfordernis nach Mobilität. Gerade wer im Beruf erfolgreich sein möchte, muss mobil sein – Partnerschaft und erst recht Ehe rücken in den Hintergrund.

Aber auch aufgrund des Rückgangs der Geburtenzahlen ist ein Eheschließungsrückgang zu verzeichnen, denn oft wurde dann geheiratet, wenn die Frau ein Kind erwartete. Dieses Motiv der kindorientierten Eheschließung entfällt also auch immer häufiger. (vgl. Peuckert 1991: 35)

Während es vor einigen Jahren eine Selbstverständlichkeit - ja geradezu verpflichtend - war, zu heiraten, ist es heute völlig normal eine Hochzeit aufzuschieben oder die Ehe ganz und gar abzulehnen. „Die Ehe ist nicht mehr länger, die einzig mögliche Lebens- und Wohnform.“ (Burkart/Kohli 1992: 27) Neben der Ehe haben sich alternative Lebensformen herausgebildet, die mehr und mehr an Zuspruch und Attraktivität gewinnen. Im folgenden Abschnitt werden zwei alternative Lebensformen vorgestellt.

3.1. Alleinleben

Seit Ende des 2. Weltkriegs ist in der Bundesrepublik Deutschland ein drastischer Anstieg der Zahl der Alleinlebenden zu verzeichnen. Wieviele Alleinlebende es gibt, wird an der Statistik der Einpersonenhaushalte deutlich. 1939 gab es etwa 1,98 Millionen Einpersonenhaushalte und bis 1979 war die Zahl bis auf 7,35 Millionen angestiegen. 10 Jahre später zählte man 9,81 Millionen solcher Haushalte (vgl. Statistsiche Jahrbücher bis 1990 zit. nach Peuckert 1991: 39) und in den darauffolgenden Jahren wurde die 10-Millionen-Grenze überschritten. Im Jahr 2000 gab es in den alten Bundesländern 11,37 Millionen Einpersonenhaushalte. (Statistisches Jahrbuch 2001: 64)

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Details

Seiten
18
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638331562
Dateigröße
467 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v32433
Institution / Hochschule
Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig – Institut für Sozialwissenschaften
Note
gut
Schlagworte
Wandel Familie Hauptseminar

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