Lade Inhalt...

Die Europäische Union. Friedensprojekt oder Wirtschaftsunion? (Sozialkunde, 10. Klasse)

Unterrichtsentwurf 2016 37 Seiten

Didaktik - Gemeinschaftskunde / Sozialkunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Sachanalyse
1.1 Die Geschichte der europäischen Integration
1.1.1 Die EU als Friedensprojekt
1.1.2 Die EU als Wirtschaftsunion
1.2 Aktualität der Themen Frieden und Wirtschaft in der EU
1.3 Weitere Ziele der EU
1.4 Auswirkungen der europäischen Ziele auf Deutschland
1.5 Die Rolle Deutschlands in der EU
1.6 Fazit

2. Didaktische Analyse
2.1 Didaktische Perspektive und Thema
2.2 Bedingungsfelderanalyse
2.3 Lehrplanbezug
2.4 Einordnung in die Unterrichtsreihe
2.5 Didaktische Begründung
2.6 Methodische Begründung
2.7 Kompetenzen
2.7.1 Methodenkompetenz
2.7.2 Kommunikationskompetenz
2.7.3 Urteilskompetenz

3. Stundenverlauf

Literaturverzeichnis

Anhang

1. Sachanalyse

In diesem ersten Teil des Unterrichtsentwurfs sollen die Inhalte, die in der Unterrichtstunde thematisiert werden, näher erläutert und in einen fachlichen Zusammenhang gebracht werden. Dabei soll das Fachwissen dargestellt werden, das für die didaktischen und methodischen Entscheidungen im zweiten Teil des Unterrichtsentwurfs als Hintergrundwissen benötigt wird.

1.1 Die Geschichte der europäischen Integration

Um die Ziele der europäischen Union verstehen zu können, sollte man zunächst die Geschichte der EU und damit ihre Entstehung etwas genauer betrachten. Aufgrund der Zielsetzung der Stunde und der Komplexität des Themas werden hierbei nur die Ereignisse erläutert, die für die europäische Wirtschaftspolitik und für die europäische Friedenspolitik eine zentrale Rolle gespielt haben.

1.1.1 Die EU als Friedensprojekt

Die Vergangenheit der europäischen Staaten war lange Zeit von Kriegen gezeichnet. Bereits vor den beiden Weltkriegen gab es immer wieder Gründe, die zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen zwei oder mehreren europäischen Ländern geführt haben. Ein Feind Deutschlands war unter anderem das Nachbarland Frankreich, mit dem zwischen 1870 und 1945 gleich dreimal Krieg geführt wurde. Der Deutsch-Französische Krieg 1870 begann dabei beispielsweise wegen eines Streits Frankreichs und Preußens um die spanische Thronfolge (vgl. Elvert 2006: 28). Doch auch zuvor gab es häufig Kriege in Europa, unter anderem die Koalitionskriege oder die Befreiungskriege unter Napoleon Bonaparte (Raschhofer 1969: 20). All diese Konflikte führten zu Millionen von Toten auf allen Seiten.

Nach dem zweiten Weltkrieg und der Kapitulation der Wehrmacht wurde Deutschland in vier Besatzungszonen eingeteilt. Jede der Siegermächte, also sowohl die drei Westmächte Frankreich, Großbritannien und die USA als auch die UdSSR, wollte ihre eigenen Interessen und Ideen in ihrer Zone umsetzen. Während die UdSSR unter Stalin versuchte ihre kommunistische Ideologie zu verbreiten, wollten die westlichen Alliierten eher den Kapitalismus in Deutschland verwirklichen (Lehmann 2000: 39f). Die USA versuchte sogar mit einer Containment-, also Eindämmungspolitik, gegen die Ausbreitung des Kommunismus anzukämpfen. So sollten die Aufbauprogramme des Marshall Plans beispielsweise den europäischen Ländern beim Wiederaufbau helfen. Einige osteuropäische Länder wie Polen, Ungarn oder Bulgarien, die Verbündete der Sowjetunion waren, lehnten die amerikanische Hilfe allerdings ab (vgl. Lehmann 2000: 62).

Im Juni 1948 wurde in den drei Besatzungszonen der westlichen Alliierten die Deutsche Mark als einheitliche Währung eingeführt. Die UdSSR ermöglichte ab diesem Zeitpunkt den Westmächten keinen Zutritt nach Berlin mehr. Berlin war zwar zu dieser Zeit ebenfalls in vier Zonen geteilt, allerdings musste die sowjetische Zone durchquert werden, um dorthin zu gelangen. Die UdSSR übernahm trotz Durchgangssperre für die Westmächte auch weder die Lebensmittel- noch die Energieversorgung der anderen Berlinzonen, so dass die Menschen in Westberlin nur noch durch eine „Luftbrücke“ (Lehmann 2000: 32) das Wichtigste für das Leben bekommen konnten. Diese Situation führte zu einem immer größer werdenden Konflikt zwischen den USA und der UdSSR, in dem auch die Verbündeten eine große Rolle spielten (Raschhofer 1969: 35f). Als 1949 die NATO und 1955 der Warschauer Pakt zustande kamen, war die Welt endgültig in zwei Lager aufgespalten. Aus sowjetischer Angst vor dem westlichen Kapitalismus wurde am 13. August 1961 in Berlin die Mauer gebaut, die fortan die DDR vom restlichen Teil Deutschlands trennen sollte. Nach der Berlinblockade trat mit diesem Schritt eine kurzzeitige Entspannung auf, allerdings nur, bis auf Kuba stationierte sowjetische Raketen entdeckt wurden, die Amerika als Bedrohung ansah (vgl. Willkens 1990: 64). Die Welt entkam nur knapp einem weiteren Weltkrieg, da die Situation sehr heikel war. Nur eine gemeinsame Abrüstungspolitik der USA und der UdSSR konnte eine weitere Katastrophe verhindern.

Alle Länder trauerten nach den beiden vorangegangenen Weltkriegen um die Menschen, die ums Leben kamen und die Bürger, die mit dem Wiederaufbau der zerstörten Städte beschäftigt waren, wünschten sich allmählich, dass sie in den kommenden Jahren von Katastrophen dieses Ausmaßes verschont bleiben. Nach dem Ost-West-Konflikt mussten sich die europäischen Staaten, die als Ostblock die UdSSR unterstützt haben, und die mit den USA verbündeten westlichen Länder allerdings erst wieder annähern. Dies begann unter anderem mit der „Ostpolitik [Willy] Brandts“ (Willkens 1990: 64). Nach dem Ende der UdSSR und dem Mauerfall, der zur deutschen Wiedervereinigung führte, vertiefte sich die europäische Annäherung weiter.

Auch die Feindschaft zwischen Deutschland und Frankreich sollte dabei niedergelegt werden. Um dafür Vorsorge zu leisten, schlug der französische Außenminister Robert Schuman vor, den anhaltenden Frieden durch eine Fusion der Kohle- und Stahlindustrie unter einer supranationalen Aufsicht zu sichern (vgl. Elvert 2006: 39). Diese brachte beiden Ländern und auch den anderen Mitgliedsstaaten nicht nur wirtschaftliche Vorteile sondern machte es auch unattraktiver und fast unmöglich, gegen eines der darin enthaltenen Länder Krieg zu führen. Aus diesem Grund wird der Schuman Plan, mit dem die europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) gegründet wurde, oft als Anfang der Europäischen Gemeinschaft bezeichnet und der neunte Mai, der Tag an dem die Schuman Erklärung damals verkündet wurde, wird heute jährlich als Europatag gefeiert (vgl. Elvert 2006: 52).

Wie dieser kurze geschichtliche und politische Hintergrund gezeigt hat war die Sehnsucht nach Sicherheit und Frieden, die durch immer wiederkehrende Kriege oder Konflikte geschürft wurde, ein Grund für den Zusammenschluss europäischer Staaten, der letztendlich immer weiter vertieft wurde und zur heutigen EU geführt hat. Aber auch aktuell vertritt die EU noch einige der Gründungsziele der ersten europäischen Gemeinschaften, die wie oben beschrieben wurde zu einem Großteil auf die blutige Vergangenheit zurückzuführen sind.

Aktuelle Ziele der EU sind beispielsweise der internationale Kampf für „Frieden […] [und für einen] Raum der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts“ (Hellmann 2009: 107). Dazu arbeiten die EU-Mitgliedsstaaten seit dem Vertrag von Maastricht auch in der Bekämpfung von Kriminellen und terroristischen Vereinigungen zusammen (vgl. Hellmann 2009: 377). Die Europäische Union vertritt diese Ziele sowohl im innereuropäischen als auch im außereuropäischen Raum und bekam dafür im Jahr 2012 sogar den Friedensnobelpreis, dessen Preisgeld sie für Kinder, die in Kriegsländern aufwachsen, gespendet hat (vgl. Schmuck 2015).

1.1.2 Die EU als Wirtschaftsunion

Auch wenn Frieden einer der Hauptgründe für den ersten Zusammenschluss europäischer Staaten war, so wird in einer näheren Betrachtung deutlich, dass diese Solidarität zunächst durch eine Verflechtung wichtiger kriegswirtschaftlicher Zweige gesichert werden sollte. Als 1951 die europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl von Deutschland, Frankreich und vier weiteren europäischen Staaten gegründet wurde, versuchte man, einen neuen Krieg unmöglich zu machen, indem man die beiden Industriezweige aller Mitgliedsstaaten unter eine gemeinsame Behörde stellte, die zur Herstellung von Waffen oder auch Panzern und damit zur Kriegsführung nötig wären (vgl. Elvert 2006: 52). Da die EGKS erfolgreich war und ihren Mitgliedsstaaten neben Frieden auch noch wirtschaftliche Erfolge einbrachte, sehnten sich die Mitgliedsstaaten nach einer Integration weiterer Bereiche, da sie sich auch dort Vorteile durch einen Zusammenschluss erhofften.

1957 wurden die europäische Atomgemeinschaft und die europäische Wirtschaftsgemeinschaft durch den Vertrag von Rom gegründet. Mit ihnen sollten der Austausch von Kenntnissen über und die gemeinsame Entwicklung der Kernindustrie sowie eine tiefere Verknüpfung der Wirtschaft durch den Abbau von Handelshemmnissen ermöglicht werden (vgl. Elvers 2006: 70). Dadurch wurde auch die Grundlage für einen „[g]emeinsamen Markt“ (Elvers 2006: 70) geschaffen. Neben der Verflechtung der beiden Teilbereiche wurde wiederum ein supranationales Organ zur Kontrolle geschaffen. Im Jahr 1967 wurden die Gremien der bisherigen Gemeinschaften zusammengelegt (vgl. Zahlenbilder 2002: 12). In den darauffolgenden Jahren treten immer mehr Staaten den Gemeinschaften bei. Diese gründen zusammen die europäische Wirtschafts- und Währungsunion und planen neben der Einführung einer gemeinsamen Währung auch die Independenz der Zentralbank (vgl. Zahlenbilder 2002: 39). Die wirtschaftliche Vernetzung der Mitgliedsstaaten wurde mit dieser Union wiederum vertieft.

Die Mitgliedsstaaten der europäischen Wirtschaftsgemeinschaft arbeiten seit 1993 unter der Bezeichnung europäische Gemeinschaft zusammen. In diesem Jahr wurde auch der Vertrag von Maastricht verabschiedet, der die Europäische Union gründete, deren Mitgliedsstaaten fortan an einem gemeinsamen Binnenmarkt agieren können (vgl. Elvers 2006: 89). Der Binnenmarkt der EU ist durch vier Grundfreiheiten gekennzeichnet, nämlich durch „die Freiheit der Waren[,] […] Dienstleistungen[,] […] Arbeitskräfte [und] des Kapitals“ (Stratenschulte 2014). Ermöglicht werden diese Grundfreiheiten unter anderem durch den Wegfall der Kontrollen an den europäischen Grenzen der Mitgliedsstaaten (mit Ausnahme von Irland, Dänemark und Großbritannien). Bürger der EU können dadurch außerhalb ihres eigenen Landes arbeiten, sich niederlassen oder beispielsweise einkaufen gehen. Des Weiteren gibt es innerhalb der EU keine Zölle oder Handelshemmnisse mehr und länderübergreifende Zahlungen und Überweisungen können getätigt werden (vgl. Schmuck 2015).

2002 wurde als Folge der Wirtschafts- und Währungsunion der Euro eingeführt, mit dem man heutzutage in 19 europäischen Ländern bezahlen kann. Außerdem sind immer mehr Länder der EU beigetreten, so dass die Mitgliederzahl heute „28“ (Zahlenbilder 2002: 16) beträgt. Im Jahr 2009 ist des Weiteren der Vertrag von Lissabon in Kraft getreten, durch den die EU rechtlich mit der EG fusionierte.

Die wirtschaftlichen Ziele der EU wurden im EU-Vertrag festgeschrieben, der mit dem Vertrag von Lissabon in Kraft getreten ist. Sie beinhalten unter anderem den „freie[n] und unverfälschte[n] Wettbewerb“ (Hellmann 2009: 107f) am Binnenmarkt und die zur Umsetzung der Grundfreiheiten benötigten offenen Grenzen der Mitgliedsstaaten. Außerdem setzt sich die EU für eine positive Preisniveaustabilität und eine expandierende und sich weiterentwickelnde Wirtschaft ein, mit der gleichzeitig die Arbeitslosigkeit in den EU-Mitgliedsstaaten gesenkt werden soll (vgl. Hellmann 2009: 107f).

1.2 Aktualität der Themen Frieden und Wirtschaft in der EU

Die beiden Themen Frieden und Wirtschaft haben in der europäischen Union sowohl in den vergangenen Jahren als auch in der aktuellen Debatte eine sehr zentrale Rolle gespielt. Im Bereich Ökonomie liegt das unter anderem an der Eurokrise, die seit 2010 über die EU hinweg gezogen ist und noch immer ihre Nachwirkungen zeigt. Auch wenn die gemeinsame Wirtschafts- und Währungsunion der EU bestimmte Vorgaben an die Mitgliedsstatten stellt, haben sich kaum welche der europäischen Länder an alle gemeinsamen Vereinbarungen beispielsweise zur Staatsverschuldung gehalten. Griechenland hat zum Beispiel immer wieder neue Kredite aufgenommen, die es zur Tilgung älterer Kredite benötigt hat, welche ebenfalls aufgrund der Staatsverschuldung aufgenommen werden mussten (vgl. Stratenschulte 2013).

Als die Investoren jedoch 2010 aufgrund der ausstehenden Zahlungen keine weiteren Kredite gewähren wollten, rutschte das Land immer näher an den Staatsbankrott. Da dieser Staatsbankrott auch ausländische Banken, die Griechenland Kredite gewährt hatten, stark getroffen hätte, und somit möglicherweise auch Kreditgeber anderer europäischer Länder verängstigt hätte, hat sich die Europäische Union dazu entschieden, Griechenland im Gegenzug für Reformen zu helfen. Allerdings kamen seitdem immer mehr europäische Länder, darunter auch Portugal, Irland und Spanien, ins Schwanken (vgl. Stratenschulte 2013). Um die Umgangsweise der EU mit der Eurokrise verstehen zu können, ist es wichtig, sich mit den europäischen Wirtschaftszielen auseinanderzusetzen.

Ganz aktuell versucht die europäische Union außerdem eine Flüchtlingskrise zu bewältigen. Aufgrund von Bürgerkriegen, Verfolgung oder Terror fliehen täglich Tausende von Menschen aus ihren Heimatländern. So haben 2014 mehr als 620000 Menschen Asyl in einem europäischen Land beantragt (vgl. Hirseland 2015). Im vergangenen Jahr ist diese Zahl so rasant gestiegen, dass sich in den ersten 9 Monaten bereits mehr als 830000 Menschen um Asyl in der EU beworben haben (vgl. Statistisches Amt der EU 2015: 2).

Diese großen Flüchtlingszahlen stellen die europäischen Aufnahmeländer vor einige Herausforderungen, da sie beispielsweise für die Versorgung und die Unterkünfte aufkommen müssen. Gleichzeitig wird dafür auch eine große Anzahl an Personal benötigt, das sich um die Sicherheit oder um die Asylbewerbungen der Migranten kümmert. Da das von den europäischen und auch von den außereuropäischen Ländern mit Hilfe großer Geldmengen finanziert werden muss, ist die Verteilung und Versorgung der Flüchtlinge seitdem ein zentrales Thema in der europäischen Diskussion (vgl. Hirseland 2015). Geld, die wirtschaftliche Situation Europas und die Verteilung der Kosten, die durch die Flüchtlingskrise entstehen, sind also sehr aktuelle Themen und sprechen deshalb für eine Betrachtung der wirtschaftlichen EU-Zielkomponente im Unterricht.

Zugleich eröffnet die aktuelle europäische Flüchtlingskrise auch eine Diskussion über Frieden und Sicherheit. Die meisten Asylsuchenden kamen 2015 laut dem statistischen Amt der EU (kurz: Eurostat) aus Syrien. Die zweitgrößte Flüchtlingsgruppe sind Afghanen (vgl. Statistisches Amt der EU 2015: 3). Als Motive für die Flucht dieser Menschen können unter anderem der Syrien- und der Afghanistankrieg verzeichnet werden, die den beiden Ländern neben der Zerstörung der Städte auch weiteres soziales und finanzielles Unheil gebracht haben. Diese aktuelle Situation und die Debatte darum, wie Europa mit dieser Kriegssituation und den Rebellen- bzw. Terrorgruppen in den Ländern umgehen und ob es dagegen angehen sollte, um weitere Flucht und Vertreibung zu vermeiden, machen es unumgänglich, die europäischen Friedensziele und deren Hintergründe auch im Unterricht zu behandeln.

Der mögliche Austritt der Briten aus der EU macht das Stundenthema ebenfalls sehr aktuell, da Ende Februar entschieden wurde, dass im Juni ein Referendum zum Verbleib in der EU durchgeführt wird. Grund für die Entscheidung über einen Austritt war, dass einige britische Politiker sich nicht mehr sicher sind, ob die EU-Mitgliedschaft ihnen viele Vorteile bringt. So hat der Finanzprofi Gerard Lyons (2014: 7) beispielsweise in Untersuchungen über die Folgen eines möglichen Austrittes davon gesprochen, dass dieser die britische Wirtschaft ankurbeln würde und deren heutigen Stand wohl verbessern würde. Bei der Diskussion um den Austritt stellt sich also für Großbritannien und seine Bürger auch die Frage, welche Vorteile ihnen die EU bringt und dabei werden die Ziele der EU sowie die Vor- und Nachteile der Umsetzung in den Mitgliedsstaaten sicherlich auch bei dem Referendum eine große Rolle spielen.

1.3 Weitere Ziele der EU

Auch wenn Frieden und Wirtschaft einige der Hauptgründe waren, warum es zu einer Integration der Staaten in die EU gekommen ist, so zeigt der EU-Vertrag doch, dass es auch noch andere Ziele gibt, auf welche diese hinaus arbeitet (vgl. Hellmann 2009: 106ff). Beispielsweise setzt sich die Europäische Union auch für die Umwelt und die Natur ein, in dem sie unter anderem für sauberes Wasser und gegen Umweltverschmutzung kämpft. Gleichzeitig plädiert sie für eine ebenbürtige Stellung und gerechte Behandlung von Mann und Frau sowie für Kinderrechte (vgl. Hellmann 2009: 108).

Zudem sollen die Mitgliedsstaaten und ihr Zusammenhörigkeitsgefühl gestärkt werden, indem das gegenseitige Verständnis und der Austausch gefördert werden. Insgesamt soll dieser Austausch die Weiterentwicklung der EU in gleich mehreren Teilbereichen wie zum Beispiel in Forschung und Technologie beschleunigen, um die EU auch für Investoren attraktiver zu machen (vgl. Hellmann 2009: 108). Die gegenseitige Unterstützung bei finanziellen oder politischen Problemen und die Schaffung guter Lebensbedingungen für die Bürger werden auch von der EU vorangetrieben.

Des Weiteren repräsentieren und vertreten die Mitgliedsstaaten der EU auch bestimmte Werte, die in Artikel I-2 des EU-Vertrages näher erläutert werden. So spielen beispielsweise die „Achtung der Menschenwürde, Freiheit, Demokratie, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit und die Wahrung der Menschenrechte“ (Hellmann 2009: 106f) eine sehr zentrale Rolle in der innerstaatlichen und europäischen Politik. Die EU versucht außerdem, andere Länder zur Wahrung und Umsetzung dieser Werte zu ermutigen und unterstützt diese in ihrem Vorhaben. Gleichzeitig wird regelmäßig kontrolliert, dass auch die EU-Länder die gemeinsam festgelegten Werte und Ziele wahren und umsetzen.

Auch aktuell lässt sich feststellen, dass die EU Wert darauf legt, dass die festgelegten Ziele und Werte auch umgesetzt werden. Deutlich wurde dies beispielsweise Anfang März, als der Präsident des Europäischen Parlaments, Martin Schulz, einen griechischen Politiker „nach rassistischen Äußerungen“ (FAZ o.A. 2016) gegenüber der Türkei, die seiner Meinung nach in der Europäische Union nicht geduldet werden sollen, aus einer Sitzung ausschloss.

1.4 Auswirkungen der europäischen Ziele auf Deutschland

Die europäische Integration hat Deutschland sowohl Vor- als auch Nachteile gebracht. Der gemeinsame europäische Binnenmarkt hat viele neue Absatzmöglichkeiten für Deutschland geöffnet, die dazu beitragen, dass die deutsche Wirtschaft immer weiter steigt, neue Arbeitsplätze entstehen und mehr Geld investiert werden kann (vgl. Hüther 2014). Deutsche Bürger können nun ohne Grenzkontrollen reisen und müssen beim Einkauf in einem anderen EU-Land keine Zölle bezahlen. Dank der gemeinsamen Währung müssen sie außerdem bei Reisen ins europäische Ausland selten Geld umwechseln (vgl. Schmuck 2015). Der Binnenmarkt eröffnet durch den gewachsenen Wettbewerb aber gleichzeitig einen Kampf um Niedrigpreise. So ermöglicht er es beispielsweise deutschen Firmen, ihre Produktion ins Ausland zu verlegen, um Produktions- und Personalkosten zu sparen (vgl. Hüther 2014).

Dank der Bemühungen der europäischen Gemeinschaft leben die Deutschen seit dem Ende des zweiten Weltkriegs in Frieden und blieben beispielsweise von Hungersnöten verschont. Werte wie Gleichberechtigung und die Gleichstellung von Frau und Mann werden gewahrt und beispielsweise auch vor Gericht vertreten. Da europäische Gremien die Umsetzung der europäischen und demokratischen Werte regelmäßig untersuchen und notfalls Konsequenzen ziehen, werden deutsche Bürger wohl auch in Zukunft auf die Verwirklichung dieser Werte vertrauen können (vgl. Zahlenbilder 2002: 25). Die Kooperation mit den europäischen Nachbarn beschert der Bundesrepublik also auch eine gewisse Sicherheit, die unter anderem auch durch die gemeinsame Arbeit gegen Terror und Kriminalität und ihren gemeinsamen Standpunkt in der Weltpolitik geschaffen und vertieft wurde. Im Falle finanzieller oder politischer Schwierigkeiten könnte Deutschland nämlich wahrscheinlich auf europäische Hilfe hoffen, die gerade erst Griechenland von den EU bekommen hat (vgl. Hellmann 2009: 377).

Wie dieses Kapitel kurz aufgezeigt hat, bringt die EU Deutschland in beiden Bereichen Vorteile, in wirtschaftlicher Hinsicht und im Hinblick auf Frieden. Gleichzeitig beeinflussen aber auch die weiteren EU Ziele das Leben im EU-Mitgliedsland. Aufgrund der geringen Tiefe dieses Themas in der geplanten Stunde und den Bezug auf die Themen Frieden und Wirtschaft wird die Analyse anderer Vor- und Nachteile der EU-Mitgliedschaft hier nicht weiter aufgeführt.

1.5 Die Rolle Deutschlands in der EU

Deutschland ist für die EU aus mehreren Gründen ein wichtiges Mitglied. Zum einen hat das deutsche Gewerbe einen international hoch angesehenen Ruf, weshalb Made in Germany weltweit als Zeichen von Qualität steht und Deutschland Exporterfolge beschert. Durch die Verflechtung der deutschen Industrie mit der der anderen europäischen Länder profitieren letztere aber auch vom Wachstum und der Weiterentwicklung der deutschen Ökonomie, durch welche neben neuen Arbeitsplätzen auch „Investitionen in anderen Euro-Ländern“ (Hüther 2014) ermöglicht werden. Da der europäische Binnenmarkt den freien Personen- und Dienstleistungsverkehr gestattet, können diese Arbeitsplätze beispielsweise auch von Arbeitern aus anderen EU-Ländern besetzt werden.

Der Erfolg der deutschen Industrie und Wirtschaft wird auch an der „hohen Wettbewerbsfähigkeit […] [und an ihren] hohe[n] Überschüsse[n]“ (Hüther 2014) deutlich, die dazu beitragen, dass Deutschland im internationalen Vergleich als ein reiches Land gilt. Innerhalb der EU liegt die BRD in der zweiten Hälfte der zehn reichsten Staaten und kann damit beispielsweise osteuropäischen Ländern helfen, die nicht so wohlhabend und finanzkräftig sind (vgl. Steffen 2013). Dies ist zum Beispiel auch der Fall, wenn deutsche Firmen ihre Produktion dank des geöffneten Binnenmarktes ins Ausland verlegen und somit dort neue Beschäftigungsmöglichkeiten schaffen (vgl. Hüther 2014). Des Weiteren ist Deutschland der „größte[]

Nettozahler der Europäischen Union“ (Hüther 2014) und unterstützt durch europäische Fonds so auch Unternehmen, Regionen und Städte in anderen Staaten wie es beispielsweise in der europäischen Finanzkrise der Fall war.

Insgesamt ist die Stellung der Bundesrepublik weltweit anerkannt. Dies liegt nicht zuletzt auch an der starken Demokratie, die Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg und nach seiner nationalsozialistischen Vergangenheit aufgebaut und verwirklicht hat. Mit dieser will Deutschland heutzutage als Vorbild vorangehen und kämpft deshalb auch in der EU für die Verwirklichung von demokratischen Werten wie der Menschenwürde und Gleichheit in anderen Staaten (vgl. Hüther 2014). Damit trägt Deutschland zur Friedenssicherung bei.

1.6 Fazit

Wie die vorhergehende Sachanalyse gezeigt hat steht die EU sowohl für Frieden als auch für verflochtene Wirtschaftsbeziehungen zwischen den Mitgliedsstaaten. Allerdings sind diese beiden Themen nicht die einzigen, mit denen sich die europäische Union beschäftigt wie man in Kapitel 1.3 sehen konnte. Frieden war zwar einer der Hauptgründe für die ersten Zusammenschlüsse europäischer Staaten beispielsweise in der Montanunion, aber wie sich bereits an deren Namen zeigt, hatte diese gegründete Union auch etwas mit Industrie und letztendlich der Wirtschaft zu tun.

Die EU achtet sehr darauf, dass ihre Mitgliedsstaaten die festgelegten Ziele und Werte auch vertreten. Diese europäischen Ziele beeinflussen wie Kapitel 1.4 gezeigt hat auch das Leben der Deutschen. Gleichzeitig prägt Deutschland mit seinen Ideen und seiner Entwicklung auch andere europäische Staaten und unterstützt diese. Trotzdem bringt die EU-Mitgliedschaft wie Kapitel 1.4 angedeutet hat, neben den Vorteilen auch ein paar Nachteile für die Mitgliedsstaaten. Da die geplante Stunde allerdings nur von den Zielen der EU handelt, wurde in der vorhergehenden Sachanalyse darauf verzichtet, andere Vor- und Nachteile der EU-Mitgliedschaft zu benennen.

2. Didaktische Analyse

2.1 Didaktische Perspektive und Thema

Die Schülerinnen und Schüler arbeiten Frieden und wirtschaftliche Kooperation als wichtige Ziele der EU heraus und benennen diese. Sie erläutern, dass die EU durch geschichtliche Ereignisse wie vorhergegangene Kriege und der daraus folgenden Integration mehrerer Politik- und Wirtschaftsbereiche geprägt wurde und sie somit sowohl als Friedens- als auch als Wirtschaftsprojekt angesehen werden kann. Damit setzen sie sich mit dem Thema dieser Stunde auseinander, die sich damit beschäftigt, ob die EU ein Friedensprojekt oder eine Wirtschaftsunion ist. Sie erläutern allerdings auch, dass die EU ebenfalls für andere Ziele wie beispielsweise die Wahrung der Menschenrechte und Demokratie oder den Umweltschutz eintritt und erschließen damit, dass die EU gleich mehrere wichtige Ziele hat. Am Ende der Stunde bewerten sie, inwiefern die EU mit ihren Zielen ihren eigenen Lebensalltag und das aktuelle politische Geschehen beeinflusst und erörtern gleichzeitig, welchen Einfluss die EU auf die Bürger ihrer Mitgliedsstaaten hat und welche Vor- und Nachteile das für diese mitbringt. Dabei diskutieren sie, inwiefern Deutschland Europa und Europa Deutschland braucht.

2.2 Bedingungsfelderanalyse

Die Unterrichtsstunde wird für den Sozialkundeunterricht der Klasse 10a des Xxxxxxx Gymnasiums geplant. In der Klasse sind aktuell 21 Schüler, dreizehn Mädchen und acht Jungs, im Alter von 15 bis 17 Jahren. Seit ihrem neunten Schuljahr unterrichte ich die Klasse im Fach Sozialkunde und parallel im Hauptfach Englisch. In diesem Zeitraum haben sich eine respektvolle Umgangsweise und ein gutes Unterrichtsklima entwickelt, die durch eine konstante Mitarbeit fast aller Schüler und durch regelkonformes und diszipliniertes Verhalten geprägt sind. Insgesamt ist die Klasse sehr motiviert und zeigt Interesse und eine sehr positive Arbeitshaltung. Bei neuen Themen sind die SuS in der Lage, die bereits gelernten Arbeitsstrategien selbstständig anzuwenden und sich so eigenständig mit den neuen Inhalten vertraut zu machen. Sie kennen auch bereits Strategien, die sie zur erfolgreichen Arbeit mit einer Karikatur und Texten benötigen und wissen, worauf bei Schülervorträgen geachtet werden muss. Trotzdem müssen sie hin und wieder darauf hingewiesen werden, dass sie bei der Arbeit mit der Karikatur nach dem Dreischritt Beschreiben, Analysieren und Bewerten vorgehen sollen, da ihre Antworten sonst verwirren können.

[...]

Details

Seiten
37
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668242005
ISBN (Buch)
9783668242012
Dateigröße
688 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v324248
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz – Sozialkunde
Note
1,7
Schlagworte
EU europäische Union Frieden Wirtschaft Ziele der EU Wirtschaftskrise Flüchtlingskrise Syrienkrieg
Zurück

Titel: Die Europäische Union. Friedensprojekt oder Wirtschaftsunion? (Sozialkunde, 10. Klasse)