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Geldwäsche mit Immobiliengeschäften. Beschreibung des Phänomens und Präventionsmöglichkeiten

Seminararbeit 2015 22 Seiten

BWL - Investition und Finanzierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Erläuterung der Thematik
1.2 Zielsetzung und Gang der Arbeit

2. Geldwäsche und der Immobiliensektor
2.1 Begriffsdefinition Geldwäsche
2.2 Das 3-Phasen Modell
2.2.1 Die Platzierung / Placement
2.2.2 Die Schichtung / Layering
2.2.3 Die Integration / Integration
2.3 Allgemeines zum Immobilienmarkt
2.4 Geldwäsche im Immobiliensektor

3. Gängige Geldwäschetypologien unter Ausnutzung von Immobiliengeschäften
3.1 Die Geldwäschetypologien
3.2 Bewertung von Immobilien
3.2.1 Falsche Bewertung der Immobilien
3.2.2 Kurzzeitig aufeinanderfolgende An- und Verkäufe der Immobilien
3.3 Finanzierung von Immobilien
3.3.1 Die Loan Back Methode
3.3.2 Back to Back Loans
3.4 Nutzbarmachung bestimmter Berufsgruppen und Behörden für Geldwäschedelikte
3.4.1 Einsatz sogenannter Gatekeeper
3.4.2 Sicherheitsleistungen bei Zwangsversteigerungen

4. Bekämpfungs- und Präventionsmöglichkeiten gegen Geldwäscheaktivitäten in der Immobilienbranche
4.1 Die für Geldwäschebekämpfung zuständigen Instanzen
4.2 Die 40 Empfehlungen der FATF
4.3 Das deutsche Geldwäschegesetz, seine Mängel und potentielle Lösungsansätze

5. Schlussbemerkung

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

1.1 Erläuterung der Thematik

Mafia wäscht ihre Milliarden mithilfe von Windparks“, [1] lautet die Überschrift eines Internetartikels der „Welt“ Mitte 2013. „Die Polizei beschlagnahmte bei Necastri Vermögenswerte in Höhe von stolzen 1,3 Milliarden Euro. Dabei handelte es sich um Anteile an 43 Firmen, 98 Immobilien, sieben Fahrzeuge sowie 66 Finanzbeteiligungen“, [2] heißt es weiter im Text. Es muss nicht lange gesucht werden um weitere Berichte über Geldwäsche zu finden.[3]

Der Begriff Geldwäsche ist dem Großteil der Bevölkerung hierzulande sicherlich geläufig, doch hat dieser auch einen Hauch von etwas exotischem, weit entferntem. Die Menschen stellen sich darunter die Mafia, Organisationen mit mafiaähnlichen Strukturen oder sogar Einzeltäter vor, welche irgendwo auf der Welt, meistens jedoch in sog. Offshore Zonen[4] versuchen, ihre durch kriminelle Machenschaften erworbene, „schmutzige“ Geldmittel gegen „sauberes“ Bargeld umzutauschen. Doch an so weit entfernt liegende Steuerparadiese, wie z. B. Bermuda oder die Cayman Islands muss dabei erst gar nicht gedacht werden, um auf Geldwäschedelikte zu stoßen. Diese finden nämlich auch in uns weitaus besser bekannten Ländern und Regionen statt, u. a. auch in Deutschland. Häufig werden dazu von den Straftätern verschiedene Geschäftsvorgänge auf dem Immobilienmarkt ausgenutzt. Auf die Gründe hierfür und die einzelnen Arten der Ausnutzung soll in dieser Arbeit zu einem späteren Zeitpunkt eingegangen werden. Allerdings lohnt es sich schon jetzt die Tatsache zu erwähnen, dass bei einem geschätzten Transaktionsvolumen von ca. 22 Milliarden Euro auf dem deutschen Immobilien-Investmentmarkt im Jahr 2010, zugleich lediglich bei 292 von 11042 bundesweit gemeldeten Geldwäscheverdachtsanzeigen ein Bezug zu Immobilien festgestellt werden konnte.[5] Dieser geringe Anteil an den Gesamtanzeigen legt eine hohe Dunkelziffer nahe[6] und zeigt nach Meinung des Autors auch das riesige Potential, welches der Immobilienmarkt für kriminelle Machenschaften in sich birgt. Weltweit soll sich nach einem Bericht des Büros für Verbrechensbekämpfung der Vereinten Nationen sogar mehr als eine Billion Euro an gewaschenem Geld im Umlauf befinden.[7]

Doch wie genau schaffen es verbrecherische Organisationen ihre Geldmittel mit Hilfe des Immobilienmarktes zu „waschen“ und welche Bekämpfungs- oder Präventionsmechanismen stehen den zuständigen Behörden zur Verfügung?

1.2 Zielsetzung und Gang der Arbeit

Das Ziel dieser Arbeit besteht nicht nur darin auf die, am Ende des vorhergehenden Kapitels, gestellte Fragen einzugehen. Vielmehr geht es darum, dem interessierten Leser einen Überblick über „Geldwäsche mit Immobiliengeschäften“ zu verschaffen und bei Immobilienmarktteilnehmern auch eine gewisse Sensibilität für dieses Thema zu wecken. Denn erst durch das vertiefte Auseinandersetzen mit diesem Thema, kann sich bei den Protagonisten des Immobilienmarktes auch die erhoffte, notwendige Wachsamkeit entwickeln, welche benötigt wird um kriminelle Aktivitäten wie Geldwäsche nicht zu übersehen, oder sogar selbst ein Opfer derer zu werden.

Nach der erfolgten Einführung in das Thema „Geldwäsche mit Immobiliengeschäften“ und der im Anschluss daran erklärten Intention der vorliegenden Arbeit, wird im zweiten Kapitel zunächst der Begriff Geldwäsche definiert, bevor dann mit Hilfe des 3-Phasen-Modells dem Leser eine mögliche Strukturierung von Geldwäschevorgängen aufgezeigt wird. In Folge werden in den beiden letzten Abschnitten des zweiten Kapitels aufschlussreiche Informationen über den Immobilienmarkt und Gründe für dessen besondere Eignung bzw. Attraktivität für Geldwäschevergehen genannt. Im Fokus des dritten Teils stehen drei häufig vorkommende Geldwäschetypologien, welche sich speziell durch Ausnutzung von Immobiliengeschäften durchführen lassen. Diese einzelnen Klassifikationen werden anhand von jeweils zwei verschiedenen Beispielmethoden erörtert, mit dem Ziel den Leser über das ganze Potenzial der Immobilienbranche, welches sich die Geldwäscher zunutze machen können, zu informieren. Das daran anschließende vierte Kapitel widmet sich der Geldwäschebekämpfung- und prävention. Nachdem hier zunächst die zuständigen Behörden und deren verschiedene Regulierungen vorgestellt werden, kommt es im letzten Abschnitt zur Nennung weiterer Möglichkeiten der Geldwäscheprävention im Immobiliensektor. Abschließend wird die Arbeit durch eine kurze Schlussbemerkung abgerundet.

2. Geldwäsche und der Immobiliensektor

2.1 Begriffsdefinition Geldwäsche

Generell kann schon fast behauptet werden, dass für den Begriff Geldwäsche genauso viele Definitionen existieren, wie es darüber Bücher gibt. Gemäß Altenkirch können jedoch die unzähligen Definitionen in nur zwei Kategorien eingeordnet werden. Während seiner Aussage nach ein Teil der Definitionen den Geldwäscheprozess als solchen beschreibt, beschäftigt sich der andere, weitaus größere Teil mit der juristischen Darstellungsweise eines Geldwäschestraftatbestandes an sich. Weiterhin ist es auch so, dass sich die Begriffsbestimmungen von Staat zu Staat und sogar von Organisation zu Organisation differenzieren.[8] So definiert zum Beispiel die Financial Action Task Force on Money Laundering (FATF), eines der wichtigsten internationalen Komitees zur Bekämpfung von Geldwäsche, den Terminus folgendermaßen:

„The goal of a large number of criminal acts is to generate a profit for the individual or group that carries out the act. Money Laundering is the processing of these criminal proceeds to disguise their criminal origin.” [9]

Diese Definition beschreibt ein Geldwäscheprozess und kann wie folgt übersetzt bzw. sinngemäß interpretiert werden: „Geldwäsche ist ein Vorgang, der die Verschleierung der Herkunft kriminell erworbener Mittel bewirken soll.“

Die Determination des Begriffs Geldwäsche, welche im § 261 des deutschen Strafgesetzbuches (StGB) festgelegt ist, entspricht hingegen eher der vorher genannten, juristischen Darstellungsweise. Der Paragraph besagt nämlich, dass ein Geldwäscher jemand ist, der „(…) einen Gegenstand, der aus einer (…) genannten rechtswidrigen Tat herrührt, verbirgt, dessen Herkunft verschleiert oder die Ermittlung der Herkunft, das Auffinden, den Verfall, die Einziehung oder die Sicherstellung eines solchen Gegenstandes vereitelt oder gefährdet (…).“[10]

Für die vorliegende Arbeit soll für den Begriff Geldwäsche allerdings die folgende Definition gelten: „Als „Geldwäsche“ bzw. „Geldwäscherei“ werden sämtliche Handlungen bezeichnet, die das Ziel besitzen, die Herkunft illegal erlangter Vermögensgegenstände zu verschleiern, um diese später unter dem Anschein der Legalität im Wirtschaftsverkehr benutzen zu können.“[11]

2.2 Das 3-Phasen Modell

Nachdem im vorhergehenden Kapitel eine Prozessdefinition gewählt wurde, veranschaulichen die kommenden Abschnitte nun detailiert einen möglichen Ablauf eines Geldwäschevorgangs. Wiederum ist an diesem Punkt zu erwähnen, dass in der Literatur verschiedene Modelle verwendet werden. Das darunter am weitesten verbreitete ist das 3-Phasen Modell, bestehend aus den Phasen der Platzierung (Placement), der Schichtung (Layering) und der Integration (Integration), welches anfänglich von der US-Zollbehörde zur Bekämpfung von Drogen-Geldwäsche konzipiert wurde, mit dessen System sich allerdings auch alle anderen Geldwäschehergänge problemlos untersuchen lassen.[12] Nach Werner ist die Reihenfolge der einzelnen Abläufe dieses Modells nicht unbedingt strikt festgelegt. Dementsprechend können die einzelnen Phasen z. B. auch parallel abgewickelt werden.[13]

2.2.1 Die Platzierung / Placement

Die Platzierung stellt die erste Stufe eines Geldwäscheprozesses dar. In dieser Phase versuchen Straftäter, ihre durch Verbrechen generierten Bargeldmittel in verschiedene Finanzinstrumente zu transformieren und letztendlich Bargeld in Buchgeld umzuwandeln. Dies kann z. B. durch Einzahlungen auf Bankkonten erfolgen.[14] Sicherlich gibt es auch hier viele nennenswerte Praktiken der Durchführung, da sie jedoch nicht das Kernthema dieser Arbeit darstellen, werden nur zwei häufig in der Realität angewandte, grob umrissen.

Beim sog. Structuring werden die hohen Bargeldbeträge vor der Einzahlung auf ein Bankkonto in kleine Teilsummen aufgesplittet, um so unter dem Grenzwert für einen identifizierungspflichtigen Betrag, von bspw. 15.000 Euro in Deutschland,[15] zu bleiben.[16] Des Weiteren existiert eine Technik, bei der gleichzeitig legale und illegale Gelder vermischt zum Einsatz kommen. Bei diesem sog. Commingling Money verleihen die Geldwäscher ihr Geld an vorzugsweise schlecht laufende Betriebe, welche dadurch ihre „geschäftlichen Einnahmen“ steigern können. Für die Geldwäscher kann sich ein derartiges Geschäft zugleich doppelt lohnen, denn neben dem gewaschenen Bargeld kann das eingebrachte Kapital in günstigen Fällen auch eine Verzinsung, sprich eine zusätzliche Einnahme, generieren.[17] Trotz der sehr vielen für die Geldwäscher in dieser Phase vorhandenen Möglichkeiten, ist die Platzierung u.a. auch wegen der hohen Anzahl, innerhalb einer nur kurzen Zeitspanne, eingesetzter Personen zur Umsetzung der Techniken,[18] die Phase mit dem höchsten Risiko entdeckt zu werden.[19]

2.2.2 Die Schichtung / Layering

Nachdem das Geld erfolgreich in der Finanzwelt platziert werden konnte, versuchen nun die Geldwäscher in der Phase der Schichtung jede Art von Rückverfolgungsmöglichkeit auf die kriminelle Herkunft ihres Barvermögens zu beseitigen.[20]

Dieses sog. „Verwischen der Papierspur der Gelder“ wird hauptsächlich durch den Einsatz von Offshore-Firmen und bzw. oder Bankinstituten, vorwiegend aus dem Ausland, arrangiert. Dabei spielt das heutzutage allseits präsente Internet, mit den damit verbundenen Möglichkeiten des Online Banking den Straftätern enorm in die Karten. Es ermöglicht ihnen nämlich jederzeit und von jedem beliebigen Ort aus ihre Transaktionen zu tätigen, ohne leibhaftig bei diesen vertreten sein zu müssen.[21]

2.2.3 Die Integration / Integration

Erst im Zuge der Integrationsphase erreichen die Geldwäscher ihr anfänglich angestrebtes Ziel. In dem für sie günstigsten Fall weisen ihre Gelder nach dem Durchlaufen der beiden ersten Phasen, in dieser dritten Periode der Integration, keinerlei Beziehungen zu ihrem gesetzeswidrigen Ursprung mehr auf.[22]

Diese umgewandelten, nach außen sichtbaren Vermögen, können nun für viele verschiedene Investitionen wie z. B. für den Erwerb von Firmenbeteiligungen eingesetzt werden. Teilweise geht es sogar so weit, dass ganze Bankhäuser mit dem Ziel übernommen werden, weitere Geldwäschevorgänge über diese laufen zu lassen. Angesichts derartiger Eingriffe in die Wirtschaft kann es zu Besorgnis erregenden Entwicklungen kommen, in welchen eine Differenzierung, zwischen kaufmännisch seriös geführten Unternehmen und von Mitgliedern der organisierten Kriminalität beherrschten Unternehmen, kaum noch möglich ist.[23]

2.3 Allgemeines zum Immobilienmarkt

Nach den just erfolgten Anschauungen und Erklärungen der Begrifflichkeit und des Prozesses der Geldwäsche, nähert sich die Arbeit langsam dem zentralen Thema. Doch bevor einzelne Vorgehen von und Präventionsmöglichkeiten gegen Geldwäsche mit Immobiliengeschäften erläutert werden, wird zunächst auf den Immobilienmarkt als solchen und seiner Anfälligkeit für Geldwäschedelikte eingegangen.

Historisch bedingt lässt sich der Immobilienmarkt in Wohnimmobilien- und Gewerbeimmobilienmärkte einteilen. In beiden Arten von Märkten ist es den Teilnehmern möglich, Immobilien zu kaufen, zu verkaufen, zu bauen und zu verwalten. In jüngerer Vergangenheit entstanden immer mehr verschiede Investitionsinstrumente, wie bspw. Immobilienfonds oder auch Real Estate Investment Trusts, mit deren Hilfe es auch dem sog. „Durchschnittsbürger“ mittlerweile möglich ist, in Immobilien zu investieren. Diese und einige weitere Ursachen münden in einer exponentiell ansteigenden Anzahl der, mit dem Immobilienmarkt in Verbindung stehenden Finanztransaktionen und führen letztendlich dazu, dass dem Immobiliensektor eine außerordentlich wichtige Bedeutung, sowohl für die Wirtschaft im Allgemeinen, als auch für das Finanzsystem im Einzelnen zugesprochen werden kann.[24]

Des Weiteren bietet der Immobilienmarkt neben den gesetzestreuen Bürgern auch Straftätern, welche ihn für ihre kriminelle Aktionen wie Geldwäsche ausnutzen wollen, durch die in der Vergangenheit gestiegenen Immobilienpreise und durch die von staatlicher Seite gewährten Subventionen und Steuersenkungen, weitere erhebliche Anreize.[25] Zusätzlich hilft der hohe Grad der Internationalisierung der Immobilienmärkte und die daraus resultierende Vielzahl komplexer Transaktionen[26] den Straftätern die tatsächliche Herkunft ihrer Gelder, und oftmals auch die wirkliche Identität des letztgültigen, wirtschaftlichen Eigentümers der gekauften Immobilien zu verschleiern.[27]

2.4 Geldwäsche im Immobiliensektor

Neben den bereits erwähnten Punkten wären noch der kapitaleinladende Markt, sowie die sicheren und stabilen rechtlichen und wirtschaftlichen Konditionen weitere nennenswerte Argumente, welche die Geldwäscher dazu veranlassen könnten, Immobiliengeschäfte für ihre Tätigkeiten zu missbrauchen.[28]

Eine vom Bundeskriminalamt in Auftrag gegebene Studie fasst die Gründe für die Attraktivität des Immobilienmarktes für Geldwäschedelikte folgendermaßen zusammen:[29]

- Die Investitionsbeträge pro Transaktion und die des gesamten Marktes sind enorm hoch, sodass viel Geld mit einer einzelnen Transaktion umgesetzt werden kann,
- Immobilien sind angesehene Anlageobjekte, durch welche auch vollkommen legale Einnahmen generiert werden können (z. B. Mieteinnahmen),
- Geldwäscher haben es durch die Internationalisierung der Märkte einfacher ihre Transaktionen ziemlich komplex, bzw. kaum verfolgbar zu gestalten,
- mögliche Nutzung von Immobilien für andere rechtswidrige Delikte, wie bspw. die Beheimatung von Drogenlaboren,
- große Problematik bei der objektiven Preisfeststellung einer Immobilie, da diese von verschiedenen, leicht manipulierbaren, Kriterien abhängt,
- leicht vertuschbare Eigentumsverhältnisse erleichtern den Geldwäschern die Geheimhaltung ihrer wahren Identität,
- Ermittlung des tatsächlichen wirtschaftlichen Anlasses einer Transaktion nur bedingt möglich, da der Immobilienmarkt traditionell oft für spekulative und gewinnbringende Geschäfte benutzt wird,
- kaum vorhandene Beaufsichtigungen oder Regulierungen am Immobilienmarkt, im Vergleich mit dem Finanzmarkt.

3. Gängige Geldwäschetypologien unter Ausnutzung von Immobiliengeschäften

3.1 Die Geldwäschetypologien

Zweifellos lässt sich aus den vorher genannten Argumenten, die besondere Eignung des Immobilienmarktes für Geldwäschestraftaten entnehmen. Bei der Begehung dieser Straftaten bedienen sich die Geldwäscher unterschiedlicher Methoden und Techniken. Obwohl die meisten dieser Methoden unerlaubte und strafbare Handlungen darstellen, existieren auch solche, denen die Illegalität erst durch das Aufkommen einer Verbindung zu anderen Geldwäschehandlungen nachgewiesen werden kann.[30] Ein Bericht der FATF und eine im Auftrag des BKA durchgeführte Studie gruppieren die Methoden in sog. Typologien[31] ein. Im weiteren Verlauf setzt sich die Arbeit mit den drei, nach Ansicht des Verfassers wichtigsten und in der Realität wahrscheinlich auch am häufigsten anzutreffenden, Typologien auseinander und zeigt mögliche Durchführungsbeispiele auf.

3.2 Bewertung von Immobilien

Dieser Typus handelt von den Mitteln der Geldwäscher bei Käufen und / oder Verkäufen von Immobilien, deren wahren Wert zu manipulieren. Da jedoch die Vorgehensweise zur Immobilienbewertung in der Immobilienwertermittlungsverordnung offiziell geregelt ist,[32] werden zu diesem Zweck oftmals spezielle, nur sehr schwer zu bewertende Immobiliengruppen wie z. B. Hotelanlagen, Golfplätze und Kongresszentren ausgewählt.[33] Das seltene Vorkommen derartiger Objekte führt zu stark eingeschränkten Vergleichsmöglichkeiten bei deren Bewertung,[34] was wiederum zur Folge hat, dass Geldwäscher sich einer relativ großen Freiheit bei der finalen Preisgestaltung bedienen können.

3.2.1 Falsche Bewertung der Immobilien

Durch Unter- bzw. Überbewertung von Objekten kann bei Immobiliengeschäften „(...) Bargeld in den Finanzkreislauf eingeschleust, sowie die Herkunft inkriminierter Gelder weiter verschleiert werden.“[35] Und obwohl eine falsche Bepreisung generell einen Verdacht nach sich ziehen sollte, ist dies z. B. in Deutschland wegen den „(…) etablierten Strukturen bei Immobilientransaktionen, die einen unmittelbaren Vergleich der Preise nicht erlauben(…)“,[36] nicht immer der Fall. So kann ein Geldwäscher eine Immobilie für einen, statt dem offiziell durch den Notar beurkundeten, in Wirklichkeit jedoch höher liegenden Preis, erwerben. Die Diskrepanz zwischen den beiden Beträgen wird in solchen Fällen mit inkriminierten Geldern bar „unter der Hand“ beglichen.[37] Diese Technik bringt noch einen weiteren Vorteil mit sich. Neben der gelungenen Einspeisung kriminell erworbener Barmittel in die Finanzwelt, verringert sich die von dem Käufer zu zahlende Grunderwerbsteuer,[38] da die Bemessungsgrundlage für deren Höhe nicht dem in solchen Fällen tatsächlich bezahlten, sondern dem offiziell eingetragenen Kaufpreis entspricht.[39] Überdies kann es zu Fällen kommen, in denen die Geldwäscher „(…) versuchen, das Ergebnis eines in Auftrag gegebenen Gutachtens (…)“[40] zur Immobilienpreisermittlung „(…) zu beeinflussen, indem Parameter der Bewertung falsch angegeben, verändert oder gefälscht werden.“[41]

3.2.2 Kurzzeitig aufeinanderfolgende An- und Verkäufe der Immobilien

Auf falschen Bewertungen aufbauend, ergibt sich für die Straftäter eine weitere, nicht minder attraktive, Technik. Bei dieser werden die Objekte mehrmals nacheinander, binnen einer relativ kurzen Zeit zu je einem höheren Preis, weiterverkauft. Dabei gehören die jeweiligen Käufer allerdings allesamt zu ein und derselben kriminellen Organisation und die Geschäfte finden daher nur auf einer fiktiven Ebene statt.[42] Dadurch entsteht eine Art Zirkulation des „zu waschenden“ Geldes innerhalb der Vereinigung. Die dabei aus den einzelnen Verkäufen erzielten Überschüsse, werden als ganz normale „saubere“ Einnahmen deklariert.[43] Neben dem gewaschenen Geld ergeben sich hier einige weitere Vorteile, welche in der folgenden Passage bündig zusammengefasst werden:

“In addition to placing obstacles to discovering the true identity of the owners of the property and the real origin of the funds used in the transaction, these constructs usually also have a significant tax impact, as they generally avoid the liability for capital gains tax.”[44]

3.3 Finanzierung von Immobilien

Der zweite, in der Wirtschaftswelt vermehrt anzutreffende, Geldwäschetyp beschäftigt sich mit der Finanzierung von Immobilien. Bei dieser spielen Darlehen seit jeher eine bedeutende Rolle. Dabei kommen heutzutage sog. Intercompany Darlehen, bei welchen zwischen konzerninternen[45] oder sich nahestehenden Unternehmen[46] Geld verliehen wird, besonders häufig zum Einsatz. Die Leichtigkeit, mit welcher derartige Darlehenskonstruktionen arrangiert werden können, macht sie nicht zuletzt auch unter den Geldwäschern äußerst beliebt. Je nach Kreditart unterscheidet die FATF dabei folgende Kategorien.[47]

3.3.1 Die Loan Back Methode

Bei der Loan Back Methode gehen die Geldwäscher auf folgende Weise vor. Zunächst überweisen sie ihr inkriminiertes Kapital an eine Scheinfirma,[48] welche sie zuvor selbst, i. d. R. in einem Offshore-Land, gegründet haben. Eine Scheinfirma bietet den Gangstern den Vorteil, dass die tatsächliche wirtschaftliche Berechtigung einer Person an derartigen Unternehmen, besonders in Offshore-Ländern kaum zu ermitteln ist.[49] Im Anschluss daran gewähren sich die Straftäter ihr eigenes Geld als einen vermeintlichen Kredit, der von dem Scheinunternehmen aufgenommen und daraufhin in Immobilienobjekte investiert werden kann. Des Weiteren können die auf den Kredit zu zahlenden Zinsen als gewinnmindernde Betriebsausgaben abgerechnet werden, in Folge dessen dann weniger Steuern bezahlt werden müssen.[50]

Die FATF formuliert die Zielsetzung der sich selbst gewährten Darlehen wie folgt:

“The purpose of the loan is to give the source of the money an appearance of legitimacy and to hide the true identity of the parties in the transaction or the real nature of the financial transactions associated with it.”[51]

3.3.2 Back to Back Loans

Bei der Back to Back Loan Variante nimmt ein Geldwäscher, im Gegensatz zu der Loan Back Methode bei einem tatsächlich bestehenden, konventionellen Bankinstitut, ein Kredit auf. Diesen Kredit besichert[52] er durch sein, aus kriminellen Handlungen herrührendes Vermögen.[53] Für das aufgenommene Geld können nun Immobilien erworben werden. Im Falle eines Kreditausfalls würden die Sicherheiten durch die Bank in Anspruch genommen werden und das illegale Vermögen würde dem ordnungsgemäßen Finanzkreislauf zugeführt werden.[54] Der Bestand und die Werthaltigkeit derartiger Sicherheiten werden für gewöhnlich durch die Banken genau untersucht, im Gegensatz zu deren Ursprung, der bei den Recherchen nicht detailliert ermittelt wird.[55] So kommt es oftmals dazu, dass „(…) die Sicherheit nicht im Kredit genannt wird, oder keine verlässlichen Informationen hinsichtlich Ort, Beschaffenheit und Wert vorliegen (…)“[56], was schlussendlich dazu führt, dass die Dekuvrierung eines derartigen Systems nur schwer realisierbar ist.[57]

3.4 Nutzbarmachung bestimmter Berufsgruppen und Behörden für Geldwäschedelikte

Die letzte in dieser Arbeit vorgestellte Typologie handelt von der Ausnutzung bestimmter Berufsgruppen und Institutionen, wie etwa Rechtsanwälten, Wirtschaftsprüfern, Steuer- und Finanzberatern, Notaren und Amtsgerichten, für Geldwäschestraftaten. Ergebnisse verschiedener Nachforschungen ergaben, dass bei einem Einsatz der, von der Regierung gesteuerten, Geldwäschebekämpfungsmaßnahmen das Entdeckungsrisiko für herkömmliche Geldwäschesysteme erheblich ansteigt. Diese Tatsache zwingt die Geldwäscher zur ständigen Entwicklung neuerer Verfahren.[58] Dabei wird immer häufiger von der Ausnutzung bestimmter Experten aus den oben genannten Berufsgruppen profitiert. Die FATF konkretisiert den Zweck ihres Einsatzes auf folgende Art und Weise:

„These professionals act as gatekeepers by providing access to the international financial system, and knowingly or not, can also facilitate concealment of the true origin of funds.”[59]

[...]


[1] Bayer, T., Eder, F. (Mafia wäscht ihr Milliarden 2013) Die Welt, Internetquelle

[2] ebd.

[3] Vgl. dazu Scheidges, R. (Deutschland - das Paradies für Geldwäscher 2011) Handelsblatt; Rosbach, J. (Problem mit der Geldwäsche-Bekämpfung 2014) Deutschlandfunk, Internetquellen

[4] Länder mit sehr kleinen bzw. z. T. gar nicht vorhandenen Steuersätzen und einem abgesicherten Bankgeheimnis, oft für Finanzverbrechen ausgenutzt. Vgl. (Gabler Wirtschaftslexikon), Internetquelle

[5] Vgl. Fachstudie im Auftrag des Bundeskriminalamtes (BKA) (Geldwäsche im Immobiliensektor 2012), S. 7, zit. nach BKA, Zentralstelle für Verdachtsanzeigen (Jahresbericht Deutschland 2010), S. 15

[6] Vgl. Fachstudie im Auftrag des BKA (Geldwäsche im Immobiliensektor 2012), S. 7

[7] Vgl. Scheidges, R. (Deutschland - das Paradies für Geldwäscher 2011) Handelsblatt, Internetquelle

[8] Vgl. Altenkirch, L. (Techniken der Geldwäsche 2002), S. 3

[9] FATF (Money Laundering) FATF-Website, Internetquelle

[10] § 261 Abs. 1 StGB

[11] Hölscher, R., et al. (Systeme zur Geldwäschebekämpfung 2011), S. 5

[12] Vgl. Glebovskiy, A. (Wirtschaftskriminalität 2005), S. 38, zit. nach Carl, D., Klos, J. (Regelungen zur Bekämpfung der Geldwäsche 1994), S. 30

[13] Vgl. Glebovskiy, A. (Wirtschaftskriminalität 2005), S. 40, zit. nach Werner, T. A. (Wachstumsbranche Geldwäsche 1996), S. 43

[14] Vgl. Siska, J. (Geldwäsche 2007), S. 45

[15] Vgl. Löwe-Krahl, O. (Geldwäsche 2004) in Achenbach, H., Ransiek, A. (Handbuch Wirtschaftsstrafrecht 2004), S. 1002 Abs. 64

[16] Vgl. Altenkirch, L. (Techniken der Geldwäsche 2002), S. 45

[17] Vgl. Siska, J. (Geldwäsche 2007), S. 63-64

[18] Vgl. Altenkirch, L. (Techniken der Geldwäsche 2002), S. 46

[19] Vgl. Glebovskiy, A. (Wirtschaftskriminalität 2005), S. 40

[20] Vgl. Hölscher, R., et al. (Systeme zur Geldwäschebekämpfung 2011), S. 33

[21] Vgl. Altenkirch, L. (Techniken der Geldwäsche 2002), S. 25

[22] Vgl. Suendorf, U. (Geldwäsche 2001), S. 198

[23] Vgl. Siska, J. (Geldwäsche 2007), S. 48

[24] Vgl. FATF Report (Money Laundering 2007), S. 5-6

[25] ebd.

[26] Rosbach, J. (Problem mit der Geldwäsche-Bekämpfung 2014) Deutschlandfunk, Internetquelle

[27] Vgl. FATF (Money Laundering 2007), S. 5

[28] Vgl. Fachstudie im Auftrag des BKA (Geldwäsche im Immobiliensektor 2012), S. 11

[29] Vgl. Fachstudie im Auftrag des BKA (Geldwäsche im Immobiliensektor 2012), S. 12, zit. nach Nelen, H. (Real Estate and serious forms of crime 2008) S. 755 und Unger, B. (Money Laundering 2011), S. 19

[30] Vgl. FATF Report (Money Laundering 2007), S. 7

[31] Typologie oder auch Typenlehre: „ Methodisches Hilfsmittel, mit dem reale Erscheinungen geordnet und überschaubar gemacht werden, indem das als wesentlich Erachtete zum Ausdruck gebracht wird.“ (Gabler Wirtschaftslexikon), Internetquelle

[32] Vgl. Fachstudie im Auftrag des BKA (Geldwäsche im Immobiliensektor 2012), S. 113

[33] Vgl. FATF Report (Money Laundering 2007), S. 17

[34] Vgl. Fachstudie im Auftrag des BKA (Geldwäsche im Immobiliensektor 2012), S. 113

[35] Fachstudie im Auftrag des BKA (Geldwäsche im Immobiliensektor 2012), S. 113

[36] ebd.

[37] Vgl. Suendorf, U. (Geldwäsche 2001), S. 203

[38] Vgl. Siska, J. (Geldwäsche 2007), S. 93

[39] Bemessungsgrundlage für die Grunderwerbsteuer ist grundsätzlich der Wert der Gegenleistung (§ 8 Grunderwerbsteuergesetz), dieser ist im § 9 des GrEStG definiert. (Bayerisches Landesamt für Steuern), Internetquelle

[40] Fachstudie im Auftrag des BKA (Geldwäsche im Immobiliensektor 2012), S. 114

[41] ebd.

[42] Vgl. FATF Report (Money Laundering 2007), S. 17

[43] Vgl. Fachstudie im Auftrag des BKA (Geldwäsche im Immobiliensektor 2012), S. 114

[44] FATF Report (Money Laundering 2007), S. 17

[45] Definiert im deutschen Aktiengesetz § 18

[46] Definiert z. B. im IAS 24 des IASB

[47] Vgl. FATF Report (Money Laundering 2007), S. 7

[48] Scheinfirmen sind Firmen ohne Substanz, welche lediglich dem Zweck dienen, die tatsächliche wirtschaftliche Verfügungsgewalt an ihren Firmenkonten und Firmenvermögen zu tarnen. Vgl. Siska, J. (Geldwäsche 2007), S. 67

[49] Vgl. Siska, J. (Geldwäsche 2007), S. 68

[50] Vgl. Fachstudie im Auftrag des BKA (Geldwäsche im Immobiliensektor 2012), S. 107

[51] FATF Report (Money Laundering 2007), S. 7

[52] Gabler Wirtschaftslexikon definiert Kreditsicherheiten als, „Vermögensgegenstände (Sachen und Rechte), die den Gläubiger gegen das Ausfallrisiko (Kreditrisiko) aus einer Kreditgewährung absichern sollen.“(Gabler Wirtschaftslexikon), Internetquelle

[53] FATF Report (Money Laundering 2007), S. 8

[54] Vgl. Fachstudie im Auftrag des BKA (Geldwäsche im Immobiliensektor 2012), S. 107-108

[55] Vgl. Fachstudie im Auftrag des BKA (Geldwäsche im Immobiliensektor 2012), S. 108

[56] Fachstudie im Auftrag des BKA (Geldwäsche im Immobiliensektor 2012), S. 108

[57] ebd.

[58] Vgl. FATF Report (Money Laundering 2007), S. 9

[59] FATF Report (Money Laundering 2007), S. 9

Details

Seiten
22
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668233669
ISBN (Buch)
9783668233676
Dateigröße
892 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v324212
Institution / Hochschule
Hochschule für Angewandte Wissenschaften Neu-Ulm; früher Fachhochschule Neu-Ulm – Betriebswirtschaft
Note
1,7
Schlagworte
geldwäsche immobiliengeschäften beschreibung phänomens präventionsmöglichkeiten

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Titel: Geldwäsche mit Immobiliengeschäften. Beschreibung des Phänomens und Präventionsmöglichkeiten