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Transformation industrieller Produktionsprozesse durch staatliche Marktregulierungen am Beispiel der Green IT

Bachelorarbeit 2013 37 Seiten

VWL - Industrieökonomik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Der technische Fortschritt im Wandel der Zeit
2.2 Hypothese
2.3 Märkte und Regulierungen
2.3.1 Unregulierte Märkte
2.3.2 Staatlich „nicht marktkonforme“ Regulierungen
2.3.3 Staatlich „marktkonforme“ Regulierungen
2.4 Transformation industrieller Produktionsprozesse
2.5 Anwendung staatlicher Marktregulierungen und deren Effekte
2.6 Das praktische Beispiel der Green IT
2.6.1 Der unregulierte Markt
2.6.2 Produktionsprozesse und Einsatzbereiche der Green IT
2.6.3 Rebound Effekte
2.6.4 Transformation der Green IT durch staatliche Regulierungen

3. Schlussteil
3.1 Diskussion
3.2 Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Das einfache Wirtschaftsmodell

Abbildung 2: Das erweiterte Wirtschaftsmodell

Abbildung 3: Der allgemeine Produktionsprozess

Abbildung 4: Der Wertschöpfungskreislauf eines Unternehmens

Abbildung 5: Der transformierte Produktionsprozess

Abbildung 6: Recycling im Wertschöpfungskreislauf

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

„ Unser Lebensstil in der westlichen Welt - auf alleübertragen - würde die Erde bei weitemüberfordern. Dazu bräuchten wir mindestens fünf neue Erden. “ 1

Der Beginn der Industrialisierung im 18. Jahrhundert war der globale Startschuss der ökologischen Kritik hinsichtlich technisch-wirtschaftlicher Prozesse und industrieller Produktionsweisen. Diese Kritik besteht noch heute und so verweisen führende Wissenschaftler, Politiker und Experten weiterhin unermüdlich auf die Konsequenzen des materiellen Überflusses und des exponentiellen Wirtschaftswachstums. Eine Abkehr oder gar ein Umdenken innerhalb öffentlicher, teils monotoner, Nachhaltigkeitsdebatten scheint in absehbarer Zukunft nur beschränkt umsetzbar. Dennoch ist diese globaler Schritt längst überfällig und unvermeidlich. Aus einer aktuellen OECD Studie geht hervor, dass weitere Belastungen des Naturkapitals und des weiterhin exponentiell anwachsenden Wirtschaftswachstums, sprich des weltweiten Pro-Kopf-Verbrauchs, besonders in den Bereichen Ernährung und Energie, schwerwiegende Folgen nach sich ziehen kann und aller Voraussicht auch wird.2 In Anbetracht aktueller medialer Diskussionen und Statistiken ist die globale Entwicklung der Erdbevölkerung sehr besorgniserregend. So haben sich jüngst die aufstrebenden Schwellenländer bzw. die sogenannten BRICS- Staaten bei einem Gipfeltreffen in Südafrika zur Ausarbeitung gemeinsamer Wachstumsperspektiven getroffen. Ziel dabei war es, neue wirtschaftspolitische Strategien zu vereinbaren, wie zum Beispiel eine gemeinsame BRICS-Bank. Der Sinn und Zweck dieser alternativen Bank soll unter anderem sein, sich von dem amerikanisch-europäischen Einfluss der Weltbank, des IWF und deren Zinspolitik unabhängig zu machen.3

Auf Grund des 40 prozentigen Anteils der gesamten Erdbevölkerung von aktuell sieben Milliarden Menschen, ist der zunehmende Einfluss der BRICS-Staaten auf das Weltwirtschaftsgeschehen schon jetzt nicht mehr von der Hand zu weisen und gleichwohl wichtiger denn je. Denn hierbei wird ersichtlich, dass die ganze Welt ein Stück des „Wohlstand-Kuchens“ abhaben möchte. Doch es macht sich allgemein das subjektive Gefühl breit, dass der Wohlstand, welcher vor allem in der westlichen Zivilisation in den letzten Jahrzehnten aufgebaut wurde, nicht auf die ganze Welt übertragbar ist, ohne per se die Erde und deren Natur mit all ihren natürlichen Ressourcen in Mitleidenschaft zu ziehen. Diesen materiellen Wohlstand auf zukünftige Generationen aller Länder zu übertragen und über Jahrzehnte respektive Jahrhunderte halten zu können, übersteigt bei weitem die Traglast unserer endlichen Welt.

Es wird davon ausgegangen, dass bei einer jährlichen Wachstumsrate von 1,26 Prozent im Jahre 2050 ca. 9,3 Milliarden Menschen existieren werden. Weitere Prognosen zeigen zudem, dass der größte Anteil auf die BRICS-Staaten zurückgehen wird und sich die Entwicklung der OECD- Staaten bzw. Industriestaaten gegensätzlich verhält, das heißt sich der Anteil der Industrieländer im Vergleich zur gesamten Erdbevölkerung von heute 20 Prozent auf 13 Prozent im Jahre 2050 vermindert.4

Aktuellen Zahlen zur Folge verbrauchen 20 Prozent der Erdbevölkerung 80 Prozent des globalen Ressourcenvorkommens.5 Das hat zur Folge, dass sich bei wachsender Erdbevölkerung ein globaler Wettstreit um natürlicher Ressourcen abzeichnet, der sich in Vormachtstellungen mittels vertraglich friedlicher Abkommen, aber auch teils kriegerischen Maßnahmen, widerspiegeln wird. Mit Blick auf die global bestehenden Verteilungsprobleme natürlicher Ressourcen, die daraus entstandenen und noch immer bestehenden Konflikte auf der Welt, wird deutlich, dass die kommenden Generationen mit den heutigen Verteilungsmechanismen schwer zu versorgen sein werden. Nach derzeitigen Hochrechnungen werden die Preise für Erdgas und Erdöl, bei bestehender Abhängigkeit der Industrie, bis auf das Doppelte ansteigen.6 Dieser globale Wettstreit um Erdöl- und Erdgasvorkommen wird unter anderem durch die aktuelle geopolitische Situation in der Arktis verdeutlicht. Europäische Länder sowie Kanada, USA und Russland spielen bei der „Neumilitarisierung der Arktis“ eine zentrale Rolle. Auf weitere Probleme wie zum Beispiel der Konflikt im Nahen Osten, diverse Ölkatastrophen oder das öffentlich umstrittene „Fracking“, welches zur Erdgasförderung verwendet wird, sei an der Stelle nur verwiesen bzw. wird dies später noch näher erläutert.

Das allgemeine Knappheitsproblem bezieht aber bei weitem nicht nur auf natürliche Ressourcen, sondern zunehmend auf den Bereich der öffentlichen Umweltgüter. So wird die Allokation von Luft, Wasser und Boden für die nächsten Jahre eine zentrale Rolle in Politik und Wirtschaft einnehmen. Neben der aktuellen Diskussion über die Wasserprivatisierung ist das Thema der Luftverschmutzung hingegen schon länger Bestandteil öffentlicher Debatten. Obwohl innerhalb der Wissenschaft nicht eindeutig bewiesen ist, ob und wie hoch der Anteil des Menschen an der Produktion von CO2- sowie anderer Treibhausgasemissionen und somit an der globalen Erderwärmung ist, trafen sich 2012 wieder die führenden 200 Staaten zu einer UN-Klimakonferenz in Doha. Themen waren unter anderem die Verlängerung des Kyoto-Protokolls bis zum Jahr 2020 und die Abstimmung eines allgemeingültigeren Klimavertrags.7

Leider scheiterten die Klimaverhandlungen einmal mehr an finanziellen Aspekten, vor allem durch die Vereinigten Staaten und einiger anderer Staaten.8 Die Art und Weise dieser alljährig geführten Klimaverhandlungen und sonstiger Gipfeltreffen in aller Welt, wird zunehmend öffentlich kritisch betrachtet. Grund dafür sind die meist vorhersehbaren Entscheidungen in allerletzter Minute. Aus all diesen Problemen und Diskussionen wird ersichtlich, dass der Umgang mit natürlichen Ressourcen die zentrale Rolle in den nächsten Jahren und Jahrhunderten in Politik, Gesellschaft und Wirtschaft einnehmen wird. Führende Ökonomen fordern schon jetzt eine drastische Reduzierung des Verbrauchs der natürlichen Ressourcen um 50 Prozent bis 2050.9 Zudem wird schnell erkennbar, dass es zu weitaus mehr Problemen kommen wird, wenn die wachsenden Schwellenländer westliche Herstellungs- und Produktionsprozesse der Unternehmen ohne weiteres nachahmen bzw. übernehmen. Besonders der Bereich der Informationstechnologie wird in den kommenden Jahren und Jahrzehnten zunehmend in den Fokus rücken, denn gerade hier wird der Bedarf nach beispielsweise riesigen Rechenzentren, mobilen Endgeräten, schnellem Internet sowie der dafür eingesetzten Energie stetig steigen und nur schwer zu decken sein. Bei wachsender Erdbevölkerung und global zunehmender Lebensqualität ist es nun an der Zeit die bestehenden Produktionsprozesse und hergestellten Produkte der Unternehmen kritisch zu betrachten und auf deren volkswirtschaftliche Effizienz und Ressourcenverbrauch zu untersuchen.

In der vorliegenden wissenschaftlichen Bachelorarbeit wird mithilfe volkswirtschaftlicher und wirtschaftspolitischer Theorien untersucht, welchen Einfluss umweltpolitische Regulierungen auf Unternehmen und Umweltqualität haben. Dabei soll erläutert werden, warum es zu staatlichen Interventionen kommt und wie diese im Einzelnen aussehen. Anhand des allgemeinen Produktionsprozesses der Unternehmen (Input-Output-Modell) wird ein alternativer Prozess modelliert, der den Faktor Umwelt und natürliche Ressourcen berücksichtigt. Danach gilt es zu untersuchen, inwieweit der Staat Einfluss auf dieses Modell nehmen kann und wie effizienzsteigernde staatliche Regulierungsmaßnahmen aussehen müssen. Am Ende soll dieses Modell auf das Beispiel der Green IT angewandt werden. Dabei soll das Konzept der Green IT erklärt und auf Ressourcenverbrauch und volkswirtschaftliche Effizienz überprüft werden. Abschließend gilt es zu untersuchen, ob die Green IT durch staatliche Regulierungen der konventionellen IT Branche entstanden ist oder andere Faktoren für das Wachstum dieser Branche verantwortlich sind. Außerdem soll analysiert werden, ob es weiterer staatlicher Interventionen bedarf, um die volkswirtschaftliche Effizienz künftig zu steigern und negative Rebound- Effekte zu vermeiden.

2. Hauptteil

Zu Beginn des Hauptteils soll ein kurzer Einblick in die Geschichte der Industrialisierung bis zur heutigen Gegenwart gegeben werden. Im Mittelpunkt stehen dabei wichtige technische Errungenschaften und deren ökologische Auswirkungen. Um das heutige globale Knappheitsproblem natürlicher Ressourcen besser zu verstehen, soll in diesem Rahmen auf einige industrielle Produktionsprozesse und volkswirtschaftliche Veränderungen verwiesen werden. Dabei sollen geschichtliche Krisen, öffentliche Kritik und getroffene Maßnahmen von Politik und Wirtschaft vermitteln, warum die gegenwärtige ökologische Entwicklung besorgniserregend ist. Nach der Abgrenzung des allgemeinen Wirtschaftsmodells und der Formulierung der Hypothese sollen mit Hilfe theoretischer Grundlagen, der Modellierung eines ökologischeren Produktionsprozesses für Unternehmen und der praktischen Anwendung an der Green IT ein Bild vermittelt werden, das erkennen lässt, warum ein generelles Umdenken in Bezug auf Umwelt, Umgang mit öffentlichen Gütern und industrieller Produktion unumgänglich ist.

2.1 Der technische Fortschritt im Wandel der Zeit

Als Thomas Newcomen 1712 die erste industriell verwendbare atmosphärische Dampfmaschine konstruierte und diese durch James Watt 1765 weiterentwickelt wurde, war dies der eigentliche Startschuss des Industriezeitalters inmitten des 18. Jahrhunderts.10 Nach vielen weiteren Experimenten erwarb Watt 1784 das weltberühmte Patent Nr. 1432 - in dem zum ersten Mal in der Geschichte auf motorisch angetriebene Fahrzeuge hingewiesen wurde. Damit war es nun möglich, Personen, Waren oder andere Gegenstände zwischen verschiedenen Punkten zu transportieren. Als 1801 Richard Trevithick, nach Ablauf des wattschen Patents, die erste gleisgeführte dampfbetriebene Eisenbahn konstruierte, hatte diese Errungenschaft einen enormen Einfluss auf die damalige Wirtschaft in Großbritannien und wurde gleichzeitig zur wichtigsten Arbeitsmaschine in allen Bereichen.11 Das hatte zur Folge, dass die Nachfrage nach Holz und Kohle für die Herstellung und Bearbeitung von Metall Anfang des 19. Jahrhunderts massiv anstieg. Für die Eisenerzeugung wurde bis zu dieser Zeit vorwiegend Holzkohle verwendet, die künstlich aus Holz durch Erhitzung ohne Sauerstoffzufuhr gewonnen wurde. Nachdem im 16. Jahrhundert Kohle ausschließlich für das konventionelle Gewerbe verwendet wurde, war es nun möglich mit Hilfe der Dampfmaschine und deren Wasserpumpenantriebs Kohle aus noch größeren Tiefen abzubauen.

Durch den schnelleren und immer effizienteren Kohleabbau wurde Eisen nun zum zentralen Rohstoff der damaligen Zeit. Schon Mitte des 18. Jahrhundert zeichnete sich ein kontinuierlicher Preisverfall des Eisens ab, der Anfang des 19. Jahrhunderts, auf Grund mangelnder Absatzmöglichkeiten, seinen Höhepunkt fand. Eisen wurde folglich zu einem hohen Maß auf Vorrat gegossen und so war es Richard Reynolds, Mitbesitzer eines britischen Eisenwerks, der früh erkannte, diesen Überschuss in Metallblöcke zu gießen und marode Holzschienen durch Metallschienen in geeigneter Größe austauschen zu lassen.12 Durch diesen Überschuss an Eisen wurde der Eisenbahnbau vorangetrieben und der Eisenindustrie gleichzeitig neue Impulse verschafft. So hat sich das Schienennetz in Großbritannien zwischen 1843 und 1867 von 2000 auf 12000 Meilen versechsfacht.13 Dies löste einen so hohen Anstieg der Nachfrage nach Holz, Kohle, Eisen und sonstigen Rohstoffen aus, dass in dieser Zeit schon Konstruktions- und Organisationsprobleme durch Bauingenieure gelöst werden mussten.14 Weitere förderliche Effekte traten auch in anderen Wirtschaftszweigen, wie der Bauwirtschaft und Maschinenproduktion, auf und so hatte sich die Industrieproduktion zwischen 1800 und 1870 verachtfacht.

Da zu dieser Zeit die Hälfte der Roheisenerzeugung in britischer Obhut lag, übernahm Großbritannien einen beachtlich hohen Anteil der gesamteuropäischen Erzeugung und Herstellung, der sich nun unter anderem auch in den Ausbau der Konsumgüterindustrie widerspiegelte. So stieg die Verbrauchernachfrage nach Produkten wie Glas, Keramik, Uhren und Möbeln und somit gleichermaßen der Verbrauch von natürlichen Rohstoffen. Obwohl das englische Militär besonders im 18. Jahrhundert in mehreren Kriegen verwickelt war und die Staatverschuldung fast das Dreifache des Bruttoinlandprodukts erreichte, welches sich eben durch diese Kriege refinanzierte, entwickelte sich die heimische Wirtschaft stetig weiter und blieb von allen äußeren Einflüssen unberührt.15 Trotz zwischenzeitlicher konjunktureller Schwankungen und Klassenkonfrontationen innerhalb der Gesellschaft stieg Großbritannien, besonders durch eigene fortschrittliche Technologien, zur Produktionsstätte der gesamten Welt auf. Dieses industriewirtschaftliche Gebilde war nach einem langen Prozess von technischen Errungenschaften nun der Durchbruch der sogenannten Industrialisierung und eröffnete den Weg zu materiellem Wohlstand und sozialer Sicherheit. Der Aufstieg zur Ökonomie weckte seinerseits Begehrlichkeiten, sodass Menschen aller Länder dieses englische Meisterwerk an technischem Fortschritt begutachteten und studierten. So war die ökonomische Ausdehnung des Westens ein natürlicher Prozess, bei dem vorwiegend finanzstarke Länder aus Europa und vor allem die Vereinigten Staaten von Amerika profitieren.

Obwohl es im 19. Jahrhundert zu zahlreichen militärischen Kriegen kam, deren Interesse meist wirtschaftlicher Herkunft waren, wuchs der Wohlstand, gemessen an wirtschaftlichen Kennzahlen, der westlichen Zivilisation und einiger anderer Länder der Welt weiter an. In Anbetracht des Eisenverbrauchs der gesamten Welt zeigte sich jedoch schnell der extrem angewachsene Ressourcenverbrauch. So lag die Produktion von Eisen im 15. Jahrhundert noch bei einem Kilogramm, im 18. Jahrhundert bei zwei Kilogramm und im 21. Jahrhundert schon bei 500 Kilogramm pro Kopf.16 Durch diesen wachsenden Verbrauch drohte zur damaligen Zeiten ein Wettstreit um Technologien, Innovationen und natürlichen Ressourcen. Nach vielen kleinen wirtschaftlichen Krisen, wie zum Beispiel die britische Eisenbahnkrise im Jahre 1847, die amerikanische-europäische Wirtschaftskrise von 1857 und der Inflation im Deutschen Reich von 1914 bis 1923, kam es 1929 zur ersten großen Weltwirtschaftskrise.

Obwohl es der Wirtschaft nach hoher Arbeitslosigkeit, sozialem Elend, Deflation und vielen Wirtschafts- und Sozialreformen in Amerika und Europa, wie beispielsweise dem amerikanischen „New Deal“, wieder besser ging, blieb die Kritik am exponentiellen Wirtschaftswachstum und deren Ressourcenverbrauch bis heute bestehen. Das Sozialprodukts, heute besser bekannt als Bruttoinlandsprodukt, wurde vom amerikanischen Ökonom Simon Kuznets im Jahre 1934 entwickelt und diente kurzfristig als Messinstrument der wirtschaftlichen Erholung eines Landes.17 Doch warnte Kuznets vor der politischen Fehlinterpretation dieses Werkzeugs, denn aus der Berechnung des Nationaleinkommens könne nichts über das Wohlergehen einer Nation abgeleitet werden. Zudem sollte die Politik, so Kuznets, qualitatives und quantitatives Wirtschaftswachstums unterscheiden, denn nur so könne man zwischen Kosten und Nutzen abwägen.18 Auf Vor- und Nachteile des Bruttoinlandsprodukts und möglicher Alternativen zur Messung von Lebensqualität, Wohlstand und Wirtschaftswachstum, wie beispielsweise dem Nationalen Wohlfahrtsindex (NWI) oder dem Human Development Index (HDI), sei an der Stelle nur verweisen. Seit dem Bericht „Die Grenzen des Wachstums“ (engl. The Limits to Growth) des Club of Rome’s im Jahre 1972, in dem unter anderem die Ausbeutung von natürlichen Rohstoffen bei wachsender Weltbevölkerung und Umweltverschmutzung kritisiert wurde, wurden einige politische Maßnahmen getroffen. 2010 wurde dazu eine Enquete Kommission im deutschen Bundestag gegründet, deren Aufgabe es ist, dahingehend einen ganzheitlichen Wohlstands- und Fortschrittsindikator zu ermitteln.

Schlussendlich zeigt sich jedoch, es bedarf mehr als einem geeigneten Wirtschaftsmaß, vielmehr wird klarer, dass es zu einer grundlegenden Sanierung der Produktionsindustrie und deren Kreislaufwirtschaft kommen muss.

2.2 Hypothese

Bevor die eigentliche Hypothese aufgestellt werden kann, soll es erst einmal darum gehen, das allgemeingültige Wirtschaftsmodell zu erklären und auf ihre einflussreichsten Marktteilnehmer zu begrenzen, um schlussendlich dafür zu sorgen, dass der Umgang mit natürlichen Ressourcen innerhalb einer Volkwirtschaft verbessert und somit effizienter gestaltet werden kann. Im einfachen Kreislaufmodell einer Volkswirtschaft (Abbildung 1) wird ersichtlich, dass lediglich Haushalt und Unternehmen miteinander interagieren.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Das einfache Wirtschaftsmodell

Die Interaktion findet auf Faktor- und Gütermärkten statt, sprich durch den Austausch von Waren, Dienstleistungen, Arbeit und Kapital.19 Im erweiterten Kreislaufmodell einer offenen Volkswirtschaft (Abbildung 2) gibt es hingegen fünf Wirtschaftsobjekte, deren wesentliche Eigenschaft es ist, mit monetären Strömen, sprich durch Einkommen, Konsum, Sparen, Gewinnen und Investitionen, zu agieren.20 In diesem Zusammenhang spielen auch monetäre Transferleistungen, wie Steuern, Sozialabgaben, Subventionen, Haushaltsdefizite sowie Import- und Exportüberschüsse eine zentrale Rolle.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Das erweiterte Wirtschaftsmodell

Im Fokus der Hypothese soll nun ein Modell hergeleitet werden, das lediglich Interaktionen zwischen Unternehmen und dem Staat in den Mittelpunkt stellt.

Unter der Maßgabe des ceteris paribus, sprich des Gleichbleibens aller Parameter und Bedingungen, soll sich das Modell zunächst auf nationaler Ebene bewegen. Zudem wird davon ausgegangen, dass der heutigen Nachfrage zunächst ein politisches oder wirtschaftliches Angebot vorausgeht, um später ein Marktgleichgewicht zu erreichen.21 Das wiederum bedeutet, dass den Haushalten respektive den Verbrauchern nur eine geringe Einflussnahme zugesprochen werden kann, da sie auf Märkten, gemessen am eigenen Budget, nur zwischen den von Unternehmen angebotenen Produkten und Dienstleistungen wählen können. Desweiteren wird in diesem Modell der Bank lediglich eine beobachtende Rolle zugewiesen, deren einzige Aufgabe darin besteht, die Abwicklung des Zahlungsverkehrs, das Verwalten von Spareinlagen und die Vergabe von Krediten zu kontrollieren. Übrig bleiben für weitere Betrachtungen Staat und Unternehmen. Genau dieser Staat kann, national betrachtet, nun mittels effektiver Marktregulierungen dafür sorgen, dass Unternehmen eigene Produktionsprozesse langfristig anpassen, sodass ökologisch negative Effekte auf Umwelt und Ökologie vermieden und volkswirtschaftliche Effizienz gesteigert werden können. Dies gilt es nun im Folgenden theoretisch und später an einem praktischen Beispiel zu beweisen.

2.3 Märkte und Regulierungen

An der Stelle sei zunächst erklärt, was Märkte eigentlich sind und welche Regulierungen damit einher gehen können. Märkte spiegeln das Zusammentreffen von Angebot und Nachfrage in abstrakter Form wider, bei denen Anbieter, also die Unternehmen, in einem Wettbewerb mit anderen Anbietern um potenzielle Konsumenten konkurrieren.22 Sollte die nachgefragte Menge der angebotenen Menge entsprechen, ist ein Marktgleichgewicht entstanden. Gleichermaßen stellt sich damit auch ein Gleichgewichtspreis ein und der Markt ist somit vollständig geräumt. Dieses Spiel der Marktkräfte ging aus der zugrundeliegenden neoklassischen Theorie von Adam Smith im Jahre 1776 hervor. Zum einem unterstellte er in seinem Buch „Der Wohlstand der Nationen“, dass die wichtigste Triebfeder jedes einzelnen der Eigennutz und das Streben nach mehr Einkommen ist. Zum anderen sorgte die Theorie der „unsichtbaren Hand“ zu einer effizienten Allokation der Ressourcen. Doch entstehen zeitweise Marktsituationen in denen die Aufteilung knapper Ressourcen nicht funktioniert. Diese Situation wird als Marktversagen bezeichnet, deren Ursache meist externe Effekte bzw. Externalitäten sind. Diese spielen im weiteren Verlauf der Arbeit noch eine zentrale Rolle, doch sollen zunächst erst einmal bestimmten Marktformen und Marktregulierungen Aufmerksamkeit geschenkt werden.

2.3.1 Unregulierte Märkte

Um Marktversagen zu vermeiden, muss neben der effizienten Ressourcenallokation das Kriterium der Pareto-Effizienz erfüllt sein. Dieser Zustand ist immer dann erreicht, wenn es bei der Verteilung knapper Güter nicht mehr möglich ist, die Wohlfahrt eines Wirtschaftsobjekts besser zu stellen, ohne gleichzeitig ein anderes Wirtschaftsobjekt schlechter zu stellen. Das heißt, wenn es auf einem Angebots- und Nachfragemarkt zu einem Marktgleichgewicht kommt, ist das Kriterium der Pareto-Optimierung erfüllt. Grundvoraussetzung ist zudem ein vollständiger Markt mit vollständiger Konkurrenz. Obwohl das Prinzip des Marktversagens, trotz aller öffentlich geführten Debatten, laut empirischen Studien, nur äußerst selten vorkommt, soll nun an der Stelle auf die verschiedenen Ursachen eingegangen werden. So entstehen unregulierte Märkte meist durch externe Effekte, asymmetrischen Informationen und natürlichen Monopolen.23

Externe Effekte treten beispielsweise immer dann auf, wenn eine ökonomische Aktivität eines Marktteilnehmers unmittelbaren Einfluss auf die Produktions- und Konsummöglichkeiten eines anderen Marktteilnehmers nimmt. Hierbei müssen positive und negative externe Effekte unterschieden werden. Zum Beispiel durch die Bereitstellung einer Landesverteidigung, die zur Sicherung des eigenen Landes dient, kommt es neben eines positiven externen Effekts zu einem positiven Nutzen der Volkswirtschaft, denn auch wenn niemand diesen Schutz in Anspruch nehmen möchte, profitieren gemeinschaftlich alle davon.24 Bei der Allokation öffentlicher Güter, wie der eben erwähnten Landesverteidigung oder der Forschung und Entwicklung, kommt es innerhalb der Umwelt hingegen des Öfteren zu negativen externen Effekten und somit zu gemeinschaftlichen Kosten und Preisverzerrungen. Als Beispiel soll dazu die ökologische Auswirkung der Umweltverschmutzung dienen, denn genau hier zeigt sich die Situation des Marktversagens. Wenn Unternehmen während der Produktion von privaten Gütern, deren Eigenschaften es ist, Konsumausschluss und Rivalität zwischen Individuen zu erzeugen, Luft- oder Wasserverschmutzungen erzeugen, ist das Prinzip der „unsichtbaren Hand“ nicht mehr gegeben. Nutzen und Kosten können vom Markt selbst nicht mehr erfasst werden, sodass individuelle Rationalität nicht mehr zu kollektiver Rationalität führt. Die Umweltkosten für die Internalisierung, sprich der Beseitigung dieses negativen Effekts, trägt in diesem Fall ausschließlich die Umwelt, da für Luft und Gewässer keine Eigentumsrechte bestehen und so niemand mit monetären Sanktionen zu rechnen hat. Ein aktuelles Bespiel aus der Wirtschaft zeigt, welche ökologischen Auswirkungen externe Effekte mit sich bringen können.

[...]


1 Vgl. Dürr (1987) - Zitat im Zusammenhang des Brundtland-Berichts 1987.

2 Vgl. OECD (2012), S.54.

3 Vgl. Putsch (2013).

4 Vgl. Kappas (2009), S. 270.

5 Vgl. Höpcke (2000), S. 173.

6 Vgl. Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit (2005), S. 65 ff.

7 Vgl. Gräf (2009), S. 4.

8 Vgl. Müller-Jung (2012).

9 Vgl. Rogall (2002), S. 114 ff.

10 Vgl. Österreichische Gesellschaft zur Erforschung des 18. Jahrhundert (1999), S. 243 ff.

11 Vgl. Österreichische Gesellschaft zur Erforschung des 18. Jahrhundert (1999), S. 247. 4

12 Vgl. Österreichische Gesellschaft zur Erforschung des 18. Jahrhundert (1999), S. 240.

13 Vgl. Butschek (2006), S. 122.

14 Vgl. Niedhart (1987), S. 33.

15 Vgl. Butschek (2006), S. 123.

16 Vgl. Freytag & Petzold (2007), S. 17.

17 Vgl. Rifkin (2004), S. 85.

18 Vgl. Rifkin (2004), S. 87.

19 Vgl. Mankiw & Taylor (2008), S. 28.

20 Vgl. Edling (2008), S.10.

21 Vgl. Dylla (2008), S. 151.

22 Vgl. Wöhe & Döring (2008), S. 414.

23 Vgl. Donges & Freytag (2004), S. 156 ff.

24 Vgl. Weimann (2005), S. 134.

Details

Seiten
37
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783668234499
ISBN (Buch)
9783668234505
Dateigröße
735 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v324178
Institution / Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg – Fakultät für Wirtschaftswissenschaft
Note
2,3
Schlagworte
Green IT IT Produktionsprozess Ressourcenverbrauch Ressourcen Regulierung Umwelt Unternehmen Produktion Input-Output-Modell Umweltpolitik Umweltökonomie seltene Erden Industrialisierung

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Titel: Transformation industrieller Produktionsprozesse durch staatliche Marktregulierungen am Beispiel der Green IT