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Warum soll es Polizeiseelsorge geben? Eine theologische Begründung

Hausarbeit 2014 8 Seiten

Theologie - Praktische Theologie

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Einstiegsfakten zur Polizeiseelsorge

3. Aufgabenbereiche der Polizeiseelsorge
3.1 Berufsethik
3.2 Einsatzbegleitung
3.3 Gespräche
3.4 Spirituelle Angebote

4 Warum Polizeiseelsorge?

5. Fazit

6. Literatur

1. Einleitung

„ Werft alle eure Sorge auf ihn, denn er k ü mmert sich um euch “

1 Petrus 5,7

In schwierigen Situationen suchen Menschen oft Hilfe im Glauben. Auch im seelsorglichen Bereich finden betroffenen Menschen Zuflucht. Eine Gruppe, die besonders betroffen ist und oft mit solchen schwierigen Situationen in Kontakt kommt, ist die Polizei. Die Beamten erleben täglich Konfliktsituationen, die sie nach außen hin neutral vertreten müssen. Dies kann einen Stau an Gefühlen verursachen. Polizeiseelsorge setzt genau an diesem Punkt an.

Im Verlauf dieser Arbeit soll erläutert werden, warum es Polizeiseelsorge geben muss und welche theologischen Hintergründe in der Arbeit der Polizeiseelsorger stecken. Zu diesem Zweck werden zuerst er die Einstiegsfakten dargestellt, um eine Basis zu bilden und eine gesamtheitlichen Zugang zu ermöglichen. Anschließend werden die Aufgabenfelder des Polizeiseelsorgers thematisiert und theologisch begründet. Zuletzt wird diskutiert, welche allgemeine und christliche Motive die Kirche veranlassen, Polizeiseelsorge anzubieten.

2. Einstiegsfakten zur Polizeiseelsorge

Polizeiseelsorge gibt es in Deutschland seit dem Ende des 1.Weltkrieges. Zu dieser Zeit lebten die Polizisten in Kasernen, waren so vom gesellschaftlichen Leben abgeschnitten und konnten auch nicht in die Kirche gehen. Aufgrund dessen kam die Kirche, in Vertretung der Polizeipfarrern und Seelsorgern, zu ihnen in die Kaserne.1 Es gibt in Deutschland insgesamt ca. 250.000 Polizeibeamte. Legt man diese Zahl auf das Verhältnis der Religionen in Deutschland um, wonach ca. 2/3 der deutschen Population Christen sind, so entspricht dies fast 170.000 christlichen Polizeibeamten.

Im Saarland wären dies, bei 2700 saarländischen Beamten, 1800 Christen. Für diese Masse an Menschen bietet die katholische und evangelische Kirche Seelsorge an.2 In Deutschland gibt es in jedem Bundesland, sowohl evangelische als auch katholische Polizeiseelsorge. Darüber hinaus gibt es die Bundespolizeiseelsorge, die für Beamte der Bundespolizei zuständig ist. Ähnliche Organisationen gibt es auch in anderen Ländern, wie der Schweiz oder Österreich. Die Landesdekane sind die Ansprechpartner in dem jeweiligen Bundesland für die katholische Kirche. Zusammen mit den Diözesanbeauftragten gibt es ca. 110 katholische Seelsorger.3 Bei der „Konferenz evangelischer Polizeipfarrerinnen und Polizeipfarrern in Deutschland“ (KEPP) arbeiten rund 60 haupt - und teilhauptamtliche und rund 140 nebenberufliche Pfarrer und Pfarrerinnen.4 Polizeiseelsorger sind ihrem Bischof unterstellt und unabhängig von staatlichen und polizeilichen Weisungen. Des Weiteren unterliegen die Polizeiseelsorger dem Beichtgeheimnis, worauf später noch einmal eingegangen wird.5 Die Seelsorge bildet eine konkrete Form, wie die Kirche ihre christliche Mitverantwortung für den demokratischen Staat wahrnimmt.6

3. Aufgabenbereiche der Polizeiseelsorge

Die Polizei hat in Deutschland die Aufgabe der Strafverfolgung und der Gefahrenabwehr. Um diesen Auftrag zu erfüllen, haben die Beamten durch den Staat die Befähigung, das staatliche Gewaltmonopol auszuüben. Diese Pflicht kann auch eine Last sein, da die Polizisten in manchen Situationen gezwungen sind, in die Grundrechte eines Menschen einzugreifen, z.B. bei der Festnahme, auf das Grundrecht der Freiheit des Menschen. Solche Umstände können den Beamten psychisch und physisch angreifen. Belastend kann auch sein, dass die Polizisten die Last des Tages mit nach Hause nehmen und so ihr Privatleben beeinflusst wird. Problematisch ist dabei nicht nur die akute Stresssituation am Ende eines Arbeitstages, sondern die langfristig prägenden negativ Erfahrungen aus dem Polizeialltag, die den Beamten auch in seinen eigenen menschlichen Beziehungen beeinflussen können.7 An dieser Stelle setzt die Polizeiseelsorge an. Sie bietet den Beamtinnen und Beamten die Möglichkeit pastorale Unterstützung zu nutzen. Wichtig ist es hier anzumerken, dass dieser Dienst sich ausdrücklich an die Beamten als Menschen richtet, und nicht in an die Organisation Polizei. Das Aufgabengebiet der Polizeiseelsorger ist weitläufig,.

Alle Arbeitsfelder gehen auf theologische Grundlagen zurück.8

3.1 Berufsethik

Als Polizist oder Polizistin kommt man im Berufsalltag oft in Situationen, in denen man sich selbst hinterfragen muss. Der Beamte muss vor jeder Entscheidung und Handlung abwägen, ob er sein Verhalten vor der Gesellschaft verantworten kann, da er für deren Schutz und Freiheit eintreten soll. In besonders heiklen Situationen wird eventuell auch die Frage aufgeworfen, ob die Verantwortung gegenüber dem Vorgesetzten oder vor Gericht erfüllt wird. Auf der personellen Ebene spielt natürlich auch die Verantwortung vor seinem eigenen Gewissen eine Rolle.9 Berufsethik ist ein Fach, welches bereits in der theoretischen Polizeiausbildung behandelt wird. Das Fach wird von den Polizeiseelsorgern unterrichtet, die versuchen, die Anwärter und Anwärterinnen auf schwierige Situationen im Polizeialltag vorzubereiten.10 Berufsethik ist ein notwendiges Fach, da man als Polizist oder Polizistin immer wieder die gesellschaftlichen und sozialen Normen hinsichtlich seiner eigenen sittlichen Vernunft prüfen muss.11

[...]


1 Claudia Kiehn; Tobias Trappe: Polizeiseelsorge - Kirche im Einsatz, in: Anja Kramer (Hg.): Seelsorgliche Kirche im 21.Jahrhundert. Modelle - Konzepte - Perspektiven, Neunkirchen - Vluyn 2005, S.170 - 183, hier S.170f.

2 Chef der Staatskanzlei: http://www.saarland.de/polizei.htm (Website der saarländischen Polizei) [abgerufen am 26.02.2014]

3 Wübbeke, Bernd: http://www.polizeiseelsorge.org/hp139/Bund.htm (Website der katholischen Polizeiseelsorge) [abgerufen am 26.02.2014].

4 Kurt Grützner: Geschichte der Konferenz evangelischer Polizeipfarrerinnen und Polizeipfarrer in Deutschland (KEPP), in: Kurt Grützner; Wolfgang Gröger; Claudia Kiehn; Werner Schiewek: Handbuch Polizeiseelsorge, Göttingen 2012, S.73 - 89, hier S.77.

5 Dieter Beese: Problemfelder der Polizei aus ethischer Perspektive, Hilden/Rhld. 2000, S.65.

6 Chef der Staatskanzlei: http://www.saarland.de/polizei.htm (Website der saarländischen Polizei) [abgerufen am 26.02.2014]

7 Kiehn; Trappe: Polizeiseelsorge, hier S.177f.

8 Wübbeke, Bernd: http://www.polizeiseelsorge.org/hp139/Bund.htm (Website der katholischen Polizeiseelsorge) [abgerufen am 26.02.2014].

9 Wübbeke, Bernd: http://www.polizeiseelsorge.org/hp139/Bund.htm (Website der katholischen Polizeiseelsorge) [abgerufen am 26.02.2014].

10 Hans W. Alberts; Thomas E. Gundlach; Jörn Jasper: Methoden polizeilicher Berufsethik. Das Hamburger Ethik - Seminar, Frankfurt am Main 2003,S. 44.

11 Beese: Problemfelder der Polizei aus ethischer Perspektive, S.23.

Details

Seiten
8
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668231665
ISBN (Buch)
9783668231672
Dateigröße
433 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v324038
Institution / Hochschule
Universität des Saarlandes – Katholische Theologie
Note
1,3
Schlagworte
Polizei Theologie Polizeiseelsorge Seelsorge

Autor

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