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Selfie. Das Selbstporträt in den sozialen Netzwerken als Selbstdarstellung und Indikator jugendlichen Schönheitsideals

Hausarbeit 2016 39 Seiten

Theologie - Praktische Theologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Schönheit und Schönheitsideale
1.1. Definitionen
1.1.1. Schönheit
1.1.2. (Schönheits-)Ideal
1.2. Historischer und kultureller Abriss - Streben nach Schönheit
1.3. Schönheitsideale in der Gesellschaft
1.4. Schönheitsideal und Schönheitshandeln bei Jugendlichen

2. Social Media - die soziale Lebenswelt Jugendlicher?
2.1. Definition und Angebotsformen
2.2. Funktionen
2.3. Jugend und soziale Medien

3. Selfie - das Bild zur Selbstdarstellung
3.1. Begriffsbestimmung
3.2. Geschichte des Selbstporträts
3.3. Bilder in sozialen Netzwerken
3.4. Analyse des Bilderflut
3.4.1. Mediale Selbstdarstellung der „Promis“
3.4.2. Mediale Selbstdarstellung Jugendlicher
3.5. Bildbearbeitung
3.6. Zwischen Fremd-Beeinflussung und Selbstdarstellung

Schlussworte und Conclusio

Literatur

Abbildungsverzeichnis

Erstmal ein Selfie!

(Auszüge des Songtextes von SDP, Mad Maks)

(Der Songtext wurde aus urheberrechtlichen Gründen für die Veröffentlichung entfernt)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Hyperlink zum Song oder QR-Code scannen:

http://www.dailymotion.com/video/x2rawer_sdp-erstmal-ein- selfie-feat-mad-maks-audio-full-hd_music

Einleitung

Das Selfie - man könnte behaupten, jeder kennt es und fast jeder hat bereits eines gemacht. Selfies sind alltäglich, durch technische Entwicklungen, wie Smartphones und mobiles In- ternet, ist es heute nahezu jedem möglich, zu jeder Zeit und an jedem Ort der Welt ein Selfie zu machen und es in den sozialen Netzwerken hochzuladen. Das Phänomen ist in unserer heutigen Gesellschaft so präsent, dass sich unter anderem Literatur und Musik damit ausei- nander setzen. Der einleitende Songtext des Liedes „Erstmal ein Selfie“ von SDP und Mad Maks greift zentrale Begleiterscheinungen des Phänomens Selfie auf, unter anderem auch die Rolle der Schönheit und der Selbstdarstellung („Ich bin so schön, ich will, dass das die Welt sieht“). In dieser Sphäre des Selfies zwischen der Selbstdarstellung und der Frage nach Schönheit, ist diese Arbeit zu verorten. Dabei wird der These nachgegangen, inwiefern das Selfie Mittel zur Selbstdarstellung ist und welche Rolle es bei der Entwicklung des jugendli- chen Schönheitsideal spielt. Dabei stehen die sozialen Netzwerke als Publikationsplattform von Jugendlichen im Fokus der Analyse. Zur Darstellung und Begründung dieser These wird wie folgt vorgegangen:

Am Anfang wird das Thema Schönheit und Schönheitsideale erläutert, wobei nicht nur das aktuelle Schönheitsbild von Gesellschaft und speziell der Zielgruppe der Jugendlichen un- tersucht, sondern auch ein historischer und kultureller Abriss unternommen wird, um der Frage nachzugehen, wie sich das Streben nach Schönheit entwickelt hat. Es folgt die Be- trachtung von Social Media als Publikationsorgan und enorme Einflussgröße auf das ju- gendliche Leben. Hierbei werden vorab Angebotsformen und Funktionen von Social Media dargestellt, bevor konkret auf das Verhältnis von Jugend und sozialen Medien eingegangen wird. Auf den zwei Kapiteln von Schönheit und Social Media aufbauend, stellt sich konkret das Themengebiet Selfie dar, wobei immer wieder Bezüge zu den Grundlagenkapiteln her- gestellt werden. Im dritten Kapitel wird das Selbstporträt zunächst, fernab der digitalen Zeit, in historischer Perspektive betrachtet. Es folgt die allgemeine Erläuterung zu Bildern in sozialen Netzwerken, bevor konkret die Selfies von Jugendlichen und ihren medialen Vorbildern analysiert werden. Abschließend wird kurz dargestellt, welche Rolle Selfies zwischen der Fremd-Beeinflussung und Selbstdarstellung einnehmen.

Diese Hausarbeit entstand innerhalb eines Seminars zur Praktischen Theologie zum Thema „Please hold the lineǥ - Strukturen, Chancen und Risiken medial vermittelter Kommunikation“. Bilder und speziell Selfies sind Teil solcher medial vermittelter Kommunikation, weshalb die Auseinandersetzung mit diesen innerhalb einer Hausarbeit als schwerpunktmäßige Vertiefung des Seminarthemas angesehen werden kann. Die Kommunikationsfunktion der Bilder wird in dieser Arbeit hinsichtlich der Selbstdarstellung und dem Einfluss auf das jugendliche Schönheitsideal untersucht.

1. Schönheit und Schönheitsideale

1.1. Definitionen

1.1.1. Schönheit

Was ist Schönheit? Der Begriff der Schönheit ist im wissenschaftlichen Sinne schwer zu de- finieren.1 Der Definitionsansatz im Duden versteht unter „schön“ ein „[...]Aussehen, das so anziehend auf jemanden wirkt, dass es als wohlgefällig, bewundernswert empfunden wird.“ Außerdem bedeutet „schön“, eine „[...]Art, die jemandem sehr gut gefällt, die jemandes Ge- schmack entspricht“ und als „[...] Art, die Anerkennung verdient, die als positiv, erfreulich empfunden wird“ und „so beschaffen [ist], dass Lob durchaus angebracht ist“.2

Der Begriff der „Schönheit“ ist in sich sehr komplex und deshalb schwierig zu definieren. Dennoch muss für diese Ausarbeitung eine Arbeitsdefinition getroffen werden. Hunger (2010) unterscheidet in diesem Kontext vorab allgemein zwischen ästhetischen Eigenschaf- ten des Inneren und des Äußeren. Das Innere verbindet Hunger mit dem Charakter, das Äußere bezieht sich auf Reize des Symptomatischen wie Gesundheit, Jugend und Frucht- barkeit. Erst im nächsten Schritt werden diese inneren und äußeren Aspekte des Ästheti- schen auf den Menschen übertragen, wodurch diese eine Allgemeinbedeutung, unabhängig von epochaltypischen Erscheinungen und Kultur, erhalten.3 Schönheit ist folglich allgemein nach Hunger (2010):

„[...] eine positive ästhetische Eigenschaft, die in einer besonderen Strukturiertheit des zugrundeliegenden Objektes besteht, die eine einheitliche Geschlossenheit vielfältiger Elemente in gegenseitiger Stimmigkeit bedeutet. Diese Strukturiertheit ist dabei ein prominent und deutlich wahrnehmbarer Aspekt des Objekts; die Stimmigkeit der Elemente untereinander bewirkt ein Gefühl von ‚Richtigkeit‘.“4

Diese augenscheinlich sehr abstrakte und komplexe Definition bezieht sich vordergründig auf die philosophische Auffassung von „Schönheit“. Posch (2010) dagegen behauptet, „Schönheit an sich [seiȐ schwer zu definieren. Sie entzieht sich einer wissenschaftlich korrekten Definition [...]“5. Dennoch stellt Posch weiter fest, dass Schönheit weder rein subjektiv, bedenkt man z.B. die Studien zur Proportionalität von Gesichtern, noch rein objektiv sei, in Anbetracht der verschiedenen Ansichten zur Idealfigur.6 Für diese Ausarbeitung sehr relevant und passend ist die Aufschlüsselung von Degele (2004), sie unterscheidet zwischen den Begriffen „Schönheit“, „Schönheitshandeln“ und „Attraktivität“.7 Schönheit wird verstanden als Ƿmassenmedial produzierte und im Alltag relevante Auffassungen von dem, was Schönheit als hegemoniale Norm im medial-öffentlichen Diskurs in Abgrenzung zum Nicht-Schönen oder Hässlichen ist oder sein soll. Die Attraktivität dient der Darstellung, wonach sie im Spannungsfeld von Körperschönheit und Darstellungskompetenz angesiedelt [ist]“8.

Das „Schönheitshandeln“ charakterisiert sich durch die Prozesshaftigkeit, genauer gesagt in der „gelingenden oder misslingenden Anerkennung“9 durch das soziale Umfeld, worauf beim Schön- heitshandeln der Schwerpunkt liegt. Auf Grundlage dieser verschiedenen Definitionsansätze wird in dieser Ausarbeitung, angelehnt an die Begriffsunterteilung von Degele, eine Arbeitsdefinition für Schönheit getroffen. Vorab zu sagen ist, dass hier lediglich die äußerlichen Aspekten der Schönheit nach Hunger (2010) berücksichtigt werden, da diese visuell (-medial) wahrnehmbar sind.

Schönheit ist epochaltypisch und kulturabhängig, sie ist eine hegemoniale Norm und wird massenmedial verbreitet, wodurch sie hohe Alltagsrelevanz erfährt. Sie kann durch verschie- dene Schönheitshandlungen künstlich herbeigeführt oder natürlich begründet sein. Schönheit steht im Kontext subjektiver Darstellung der Person und sozialer Anerkennung und Interak- tion.

1.1.2. (Schönheits-)Ideal

Ideal ist der „Inbegriff der Vollkommenheit, [eine] Idee, nach deren Verwirklichung man strebt“.10 Das Wort Ideal, kommt von Idee und entspringt dem altgriechischen Wort „idéa“ für Gedanke oder Vorstellungleiten. Ein Ideal ist dadurch eine erdachte Idee, welches voll- kommen und im Prinzip nicht erreichbar ist. In der heutigen Zeit ist ein Ideal jedoch eher eine Art Vorbild, welches durch finanzielle Mittel, Zeit und Anstrengung versucht wird, zu erreichen. Durch die Etablierung eines Schönheitsideals kann eine durchschnittliche Vor- stellung davon generiert werden, was von der Gesellschaft als schön eingeschätzt wird.11

"Die Gesellschaft gibt uns vor, nach welchen Kriterien wir Personen einordnen, und nennt uns auch gleich die Attribute, die wir bei ihnen als natürlich und normal erwarten können.“12

1.2. Historischer und kultureller Abriss - Streben nach Schönheit

Die selbstgefasste Arbeitsdefinition von Schönheit umfasst zwei Aspekte, die nur selten in der Literatur Beachtung finden: epochaltypisch und kulturabhängig. Dies impliziert die These, dass Schönheit nicht zu jeder Zeit und in jedem kulturellen Raum gleich aufgefasst wird, das Schönheitsideal ist somit wandelbar. Gleichzeitig muss damit ein Faktor der Defi- nition abgewogen werden: die massenmediale Verbreitung. Die damit gemeinten Massen- medien der heutigen Zeit sind Internet, Fernsehen oder Zeitungen. Doch diese Medien sind ebenso kulturellabhängig und epochaltypisch wie das darin propagierte Schönheitsideal. Aus diesem Grund gilt es, an dieser Stelle einen kurzen Überblick zu den historischen Schönheitsidealen sowie den aktuellen Schönheitsidealen in anderen kulturellen Kontexten vorzunehmen. Dies dient der Abgrenzung zu den hier thematisierten, massenmedial ver- körperten Schönheitsvorstellungen, wobei sich die Frage anschließt, wie sich die Schön- heitsideale ohne solche Medien verbreitet haben.

Bereits in der Steinzeit galten füllige Frauen mit ausladenden Hüften aufgrund der Hoff- nung auf höhere Fruchtbarkeit als besonders reizbar. In der Jungstein- zeit begann die Fertigung von Kleidung aus Fellen und Leder.13 Im Alten Ägypten (ca. 2920 bis 332 v.Chr.) nahm die Schönheit, ge- nauer gesagt die Einheit aus körperlicher und geistiger Schönheit, einen hohen Stellenwert ein. Die Toten wurden einbalsamiert, um die Schön- heit auf Ewigkeit zu konservieren. Nofretete , die erste Frau des Pharao Echnaton, symbolisiert vermutlich das Schönheitsideal der damaligen Zeit (siehe Abbildung 1): große Augen, hohe Wangenknochen, volle

Lippen. Wandmalereien deuten auf ein Ideal des weibliches Körpers Abbildung 1: Nofretete hin, welches dem heutigen durch schlanke Silhouette und hochsitzende Brüste ziemlich ähnlich ist. Auch die Männer im Alten Ägypten pflegten einen bestimmten Schönheitskult, sie waren am ganzen Körper enthaart, schminkten sich und trugen lange schwarze Perü- cken.14

Die Idealvorstellung von Griechen und Römern in der Antike (ca. 850 v.Chr. bis 400 n.Chr.) zeichnet ein Frauenbild, wonach der weibliche Körper nicht zu dick und nicht zu dünn sein sollte, die Brüste sollten klein und fest und die Hüfte gleichzeitig einladend sein. Der männliche Körper wurde bei den Griechen und Römer unterschiedlich aufgefasst. Während ein fülliger, dicklicher Mann bei den Römern als Wohlstandszeichen gedeutet wurde, galt dieser bei den Griechen als verweichlicht.15

Im Mittelalter (400 bis 1400 n.Chr.) wurde der Körper unterschiedlich betrachtet. Wäh- rend die Kirche eher eine negative Betrachtung des Körpers pflegte, waren sexuelle Aus- schweifungen und die Konzentration auf Körperlichkeit innerhalb der Gesellschaft weit verbreitet. Deutlich erkennbar ist jedoch, dass die Mode der damaligen Zeit klar die Gesell- schaftsschichten trennte. Der Hofadel trug prächtige Gewänder in auffälligen Farben, der einfachen Bevölkerung fehlte zum einen das Geld, sich solche Kleider zu leisten, zum ande- ren waren diese für die körperliche Arbeit unbrauchbar. Bei den Hofdamen lag der Fokus des Schönheitskultes auf dem Gesicht, denn Eigenarten des Körpers konnten durch opulen- te Gewänder verdeckt werden. Demnach galten weiße Haut, schmale Augenbrauen, rosige Wangen, rote und schmale Lippen, lange und lockige Haare sowie eine hohe Stirn als Schönheitsideal. Bereits hier wurden Praktiken ausgeübt, um dem Schönheitsideal mög- lichst nahe zu kommen, so zupften sich die Frauen die Haare am Haaransatz der Stirn aus, um diese zu vergrößern.16

In der Renaissance (1300 bis 1500 n.Chr.) wurden allgemein die Kulturgüter der Antike wiederbelebt, dies zeigt sich ebenfalls in ähnlichen Schönheitsvorstellungen. Demnach sollte auch, gemäß der Proportionslehren-Schrift „de architectura von Vitruv“ aus der Antike, der menschliche Körper perfekt in die Form von Kreis und Quadrat passen. Insgesamt war die Figur der Menschen, aufgrund der besseren wirtschaftlichen Situation, rundlicher und fülliger. Der weiße Teint des Gesichts ist wie im Mittelalter noch sehr gefragt, weshalb Frauen wie Männer Cremes aus Bleiweiß und Quecksilber nutzten, um das Gesicht aufzuhellen, was wohlbemerkt ihre Gesundheit schädigte.17

Der Barock (ca. 1600 bis 1700) ist bekannt für auffällige, meist lockige und weiße Perücken. Die Kleidung von Frauen und Männern war opulent und prunkvoll. Beide Geschlechter trugen Satinpumps mit Absätzen sowie weiß gepuderte Gesichter. Auch der Körper wurde bestmöglich transformiert und dargestellt. Die Frauen schnürten sich in enge Korsagen, um eine dünne Taille zu erhalten, womit sie ihre inneren Organe schädigten und mit Atemnot kämpften. Die Männer wollten durch rundlichere und breite Körper mächtiger und fruchtbarer wirken, dazu nutzten sie auch Hüft- und Wadenpolster.18

Das 19. Jahrhundert ist aus Perspektive des Schönheitsideals sehr vielfältig. Da nun die ersten Nähmaschinen aufkamen, war es möglich, unterschiedliche und günstigere Kleidung zu erhalten. Im Empire-Stil Anfang des 19. Jahrhunderts trugen Männer Frack, Zylinder und Hosenträge, die Farben waren eher dezent, die Schnitte klassisch. Die Frauen trugen häufig lange Kleider, die bis zur Brust geschnürt waren, dazu kombinierten sie modische Kopfbedeckungen und Accessoires wie Fächer oder Handschuhe. Die Menschen wollten sportlich und gleichzeitig schlank wirken, die Jugendlichkeit stand klar im Fokus. Die Frauen unterstrichen ebenfalls ihre Weiblichkeit durch einladende Dekolletés.19

Im 20. Jahrhundert sind innerhalb der einzelnen Jahrzehnte große Unterschiede bei Mode und Schönheit festzustellen.

In den 1920er Jahren ist das Frauenbild, geprägt durch die Nachkriegsstimmung, burschi- kos. Die Frauen waren als Arbeiter relevant, dies zeigte sich auch in ihrem Körperbild und der Vorstellung von Mode. Große Brüste und enge Taillen entsprachen nicht dem Idealbild, die Frauen rezipierten in den Printmedien Bilder von sportlichen Hollywood-Schönheiten und wollten ihnen nacheifern. Auch modisch waren große Veränderungen festzustellen, die Frauen mussten arbeiten und trugen deshalb, auch im praktischen Sinne, Hosen und kürze- re Haare.20

In den 1950ern und 1960er Jahren kamen die ersten Ausgaben des Playboys mit der nack- ten Marylin Monroe auf dem Cover nach Deutschland. Die sexy Darstellung der weiblichen- rundlichen Frau sorgte für ein Umdenken in Deutschland. Rundungen und große Brüste galten als Schönheitsideal, gleichzeitig propagierten Zeitschriften, wie durch Make-Up an das Aussehen der Zeitschrift-Schönheiten aus Hollywood herangereicht werden kann.21 Die 1980er Jahre waren bekannt für die Aerobic-Welle aus den USA. Das Schönheitsbild der Frauen passte sich dem an, was sie in Zeitschriften und im Fernsehen sahen: Toupiertes Haar, buntes und auffälliges Make-Up, exzentrische bunte und enge Kleidung in Kombinati- on mit großen Schulterpolstern waren Trend. Es wurde versucht, Aufmerksamkeit zu erre- gen und den sportlichen Körper perfekt zu inszenieren, Rundungen und Fettpolster waren nicht gern gesehen. Damit einher ging ein regelrechter Diätwahn und die Weiterentwicklung von Schönheitsoperationen wie z.B. das Fettabsaugen.22

In den 1990er Jahren blieb der Trend unter den Frauen zu einer schlanken Figur, dies wurde durch die Mode- und Modelwelt unterstützt. Bei den Männern war eine deutliche Zunahme an Fitness-Fokussierung festzustellen, dies war besonders an einer Vielzahl von trainierten, nackten Männern in der Werbung ersichtlich.

Nachdem nun ein überwiegend westlich begrenzter historischer Abriss zur Entwicklung des Schönheitsideals unternommen wurde, stellt sich die Frage, wie Schönheit fernab der westlichen Längengrade verstanden wird.

Die größten Unterschiede lassen sich im Körperbild der Menschen feststellen. Während in westlichen Kulturen eher schlankere, sportliche Körperfiguren als ideal gelten, sind beson- ders in afrikanischen Ländern die Anforderungen anders. So gilt in Uganda ein großer Po bei Frauen als Idealbild, diese Vorliebe für Fülle beschränkt sich nicht nur auf das Gesäß. Die Frauen des Hima-Stammes müssen einige Monate vor ihrer Hochzeit in Hütten, in de- nen sie regelrecht gemästet werden. Die Mast, bei der die Frauen täglich ca. 5000 Kalorien aufnehmen, dient dem Zweck, dem Mann zu gefallen, denn in diesem Stamm ist die Frau ein Statussymbol für ihren Mann. Die Fülle des Körpers der Frau deutet auf den Wohlstand des Mannes hin.23

Sehr bekannt durch die Medien sind die Giraffenhalsfrauen des thailändischen Padaung- Volkes. Die Messingringe werden nur von den Frauen getragen und die Prozedur beginnt schon in der Kindheit. Je mehr Ringe eine Frau um den Hals geschlungen hat, je höher ist ihr Ansehen.

[...]


1 Vgl. Posch, 2009, S. 21.

2 Duden („schön“), http://www.duden.de/rechtschreibung/schoen [zuletzt abgerufen am 30.04.2016]

3 Vgl. Hunger, 2010, S.264ff.

4 Hunger, 2010, S.265.

5 Posch, 2010, S. 5

6 Vgl. Posch, 2010, S. 5ff.

7 Vgl. Degele 2004, S.11ff

8 Degele 2004, S.11ff.

9 Degele 2004, S.11ff.

10 Duden („Ideal“), http://www.duden.de/rechtschreibung/ideal [zuletzt abgerufen am 30.04.2016]

11 Vgl. Posch, 2009, S. 173ff.

12 Abels, 2006, S. 350.

13 Vgl. Hoffmann, 2011, o.S.

14 Vgl. Ebd.

15 Vgl. Thommen, 2007, S. 27f.

16 Vgl. Renz, 2006, S. 21f.

17 Vgl. Renz, 2006, S. 22ff.

18 Vgl. Renz , 2006, S.24f.

19 Vgl. Renz, 2006, S. 26ff.

20 Vgl. Posch, 1999, S. 39.

21 Vgl. Drolshagen, 1995, S. 98f.

22 Vgl. Drolshaugen, 1995, S. 121.

23 Vgl. Red („Mästern für die Schönheit“), http://www.prosieben.de/stars/red/video/maesten-fuer-die- schoenheit-clip [zuletzt abgerufen am 30.04.2016]

Details

Seiten
39
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668261488
ISBN (Buch)
9783668261495
Dateigröße
2.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v324036
Institution / Hochschule
Universität des Saarlandes
Note
1,3
Schlagworte
selfie selbstporträt netzwerken selbstdarstellung indikator schönheitsideals

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Titel: Selfie. Das Selbstporträt in den sozialen Netzwerken als Selbstdarstellung und Indikator jugendlichen Schönheitsideals