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Kants "Kritik der praktischen Vernunft". Eine Analyse der Lehrsätze II und III

Hausarbeit (Hauptseminar) 2006 9 Seiten

Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Lehrsatz II

3. Lehrsatz III

4. Fazit

1. Einleitung

Immanuel Kant (*22.April 1724; †12. Februar 1804) war ein deutscher Philosoph der Aufklärung. 1788 erscheint in Riga sein zweites Hauptwerk „Kritik der praktischen Vernunft“. Es gilt bis heute als eines der wichtigsten philosophischen Werke. In seinem Werk geht es um die Fragen „Was soll ich tun“ und „Was darf ich hoffen“1 Ziel meiner Arbeit ist es, die Lehrsätze II und III, die zu den Grundsätzen der Kritik der praktischen Vernunft gehören zu analysieren und näher zu erläutern. Beide Lehrsätze haben gemeinsam, dass sie sich auf die höchsten Bestimmungsgründe des Willens beziehen. Lehrsatz II setzt sich mit der Glückseligkeit, oder dem Prinzip der Selbstliebe auseinander, die jeder vernünftige Mensch anstrebt. Lehrsatz III setzt dieser Glückseligkeit als unabdingbaren Mitbestimmungsgrund des Willens, die Sittlichkeit entgegen. Die Frage danach, warum I. Kant diese beiden Strebungen des Menschen einander entgegensetzt beantwortet Prof. Dr. Ulrich Ruschig2 mit dem Sündenfall im Paradies Eden. Im Paradies war der Mensch zufrieden, glückselig und unsterblich. Durch den Sündenfall, das Essen der Früchte vom Baum der Erkenntnis trotz Gottes Verbot, werden die Menschen von Gott bestraft und aus dem Paradies vertrieben. Damit sind sie zu endlichen und bedürftigen Wesen geworden. Sie haben ihre Unsterblichkeit und Glückseligkeit verloren, da ihr Wille bei der Sündentat nicht durch die Vernunft bestimmt war. „Aus dem Sündenfall resultiert das Auseinanderfallen von Sittlichkeit (den Prinzipien für die vernünftige Bestimmung des Willens) und den Bedingungen für das Handeln eines menschlichen Willens.“3. Durch den Verlust der Unsterblichkeit und Glückseligkeit ist der Mensch zu einem Wesen geworden, dass bestrebt ist, seine Bedürftigkeiten zu stillen. O. Höffe hat für mich die verständlichere Erklärung für das Auseinanderfallen von Glückseligkeit und Sittlichkeit gefunden. „Weil die Sittlichkeit unbedingt und streng allgemein gültig ist, das Glück als Zufriedenheit mit dem ganzen Dasein aber von der (individuellen, sozialen und gattungsmäßigen) Konstitution des Subjekts, von seinen Neigungen, Trieben und Bedürfnissen, von seinen Interessen, Sehnsüchten und Hoffnungen sowie von den Möglichkeiten abhängt, die die natürliche und soziale Welt bieten...“4.

I. Kant definiert also daher in seinem Lehrsatz II, was diese Glückseligkeit oder auch Selbstliebe ist und wie und warum sie der Mensch zu erreichen sucht. Lehrsatz III bezieht sich darauf, inwiefern diese Lust unter Berücksichtigung der Sittlichkeit überhaupt erfüllt werden kann, oder nicht, und ob daraus ein allgemeines praktisches Gesetz erstellt werden kann, oder es sich in erster Linie doch um die Einhaltung vernünftiger Maximen handelt.

2. Lehrsatz II

I. Kant bezeichnet in seinem Lehrsatz II die Glückseligkeit als Naturnotwendigkeit, die jedem Menschen inne wohnt, derer sich kein Individuum entziehen kann und die, darüber hinaus, ein unverzichtbarer Bestandteil des höchsten Gutes ist.5 Glückseligkeit ist die Annehmlichkeit des Lebens. I. Kant unterscheidet das Prinzip der Glückseligkeit einmal in der Hingabe eines Subjekts an ein bestimmtes Objekt, wodurch ein Gefühl der Annehmlichkeit, also Genuss entsteht, und in „die Lust aus der Vorstellung der Existenz einer Sache“6. Bei der Vorstellung der Existenz einer Sache hängt die Lust von dem Dasein einer Sache, eines Objekts ab. Dieses Streben nach Glückseligkeit oder auch nach der Befriedigung von Lust bezeichnet I. Kant als eine individuelle, subjektive Leistung des Verstandes der Menschen. Da Selbstliebe und Glückseligkeit subjektiv wahrgenommen werden und nicht objektiv, und der Wille hierbei aus dem Gefühl der Begierde entspringt, können sie kein praktisches Gesetz abgeben. Denn praktische Gesetze müssen vor allem allgemein gültig sein, und was des einen Menschen Glückseligkeit ist, stimmt nicht notwendiger Weise mit der Glückseligkeit eines anderen Menschen überein. O. Höffe schreibt „...weil das Glück nach seinen Inhalten empirisch bedingt ist, kann es nicht zum allgemeinen Gesetz dienen und nicht den Bestimmungsgrund des Sittlichen abgeben.“7 Da Glück somit kein praktisches Gesetz sein kann, ist die Glückseligkeit rein formal. Kant betont, dass es letzten Endes egal ist, ob die Lust, die zur Glückseligkeit führt, eine Verstandes- oder eine Sinnesvorstellung ist, denn es kommt nur darauf an, wie viel Vergnügen die Lust dem Subjekt bereitet und wie lange sie anhält. Beides sollte größtmöglich sein. Der Einzelne folgt stets dem Begehrungsvermögen, dass für ihn am größten ist. Bei der Glückseligkeit geht es um die Annehmlichkeit des Lebens und nicht um einen flüchtigen Moment. Allerdings kann Begehrungsvermögen und Annehmlichkeit nicht als alleinbestimmend für den menschlichen Willen verstanden werden, denn sonst wäre die Sittlichkeit ausgeschlossen und es kommt beim Handeln nicht alleine auf die Lustbefriedigung und Erlangung der Glückseligkeit an, sondern auch darauf, sittlich zu handeln. Die Moral des Menschen stammt aus seiner immer währenden Vernunft. Trotzdem sind die Bedingungen für sein Handeln nicht immer vernünftig. Vor allem dann nicht, wenn es um die Befriedigung seiner Lust geht. Denn mit der Erreichung der Glückseligkeit erhofft sich der Mensch, seinem endlichen Dasein zu entkommen. „Wenn es nun dieses vernünftige Vermögen im Menschen gibt, so hat dies zur Konsequenz, dass es sowohl vernünftige Bestimmungsgründe für den Willen, als auch nicht vernünftige Bestimmungsgründe für den Willen gibt. Damit ist der Gegensatz: Prinzip der Selbstliebe (oder eigene Glückseligkeit)

[...]


1 Höffe, Otfried: Immanuel Kant. Kritik der praktischen Vernunft, Klassiker Auslegen, Berlin 2002, S. X

2 http://www.staff.uni- oldenburg.de/ulrich.ruschig/download/Einfuehrung_in_die_Praktische_Philosophie._Vorlesungskript_SS_06_Vorles ungsskript_zur_Einfuehrung_in_die_praktische_Philosophie.pdf

3 Immanuel Kant: Kritik der praktischen Vernunft. Vorlesungsmanuskript von Prof. Dr. U. Ruschig, S.18

4 Höffe, Ottfried: Große Denker. Immanuel Kant, C.H. Beck, München 1983, S. 198

5 Höffe, Otfried: Immanuel Kant. Kritik der praktischen Vernunft, Klassiker Auslegen, Berlin 2002, S. 58

6 Immanuel Kant: Kritik der praktischen Vernunft. Vorlesungsmanuskript von Prof. Dr. U. Ruschig, S.14

7 Höffe, Ottfried: Große Denker. Immanuel Kant, C.H. Beck, München 1983, S. 198

Details

Seiten
9
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783668239050
ISBN (Buch)
9783668239067
Dateigröße
439 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v323980
Note
Schlagworte
Kant Lehrsätze Mitbestimmung praktische Vernunft Selbstliebe Willen Sittlichkeit

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