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Der Turmbau zu Babel. Eine historisch-kritische Exegese zu Genesis 11, 1-9

Quellenexegese 2015 33 Seiten

Theologie - Biblische Theologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Text
2.1 Textkritik
2.2 Arbeitsübersetzung
2.3 Textstruktur und Gliederung

3. Sprachliche Beschreibungen
3.1 Sprach- und Textanalyse
3.2 Erzähltextanalyse

4. Formgeschichte
4.1 Formkritik
4.1.1 Der handelnde Mensch (V 1-4)
4.1.2 Der reagierende Gott (V 5-9)
4.2 Gattungsbestimmung
4.3 Sitz im Leben

5. Traditionsgeschichte

6. Die Geschichte des Textes
6.1 Literargeschichte
6.1.1 Die Textkohärenz
6.1.2 Die Textabgrenzung
6.2 Überlieferungsgeschichte
6.3 Redaktionsgeschichte
6.4 Der historische Ort

7. Einzelexegese, Gesamtinterpretation und Ausblick

8. Ausblick: Biblisch-theologische und hermeneutische Reflexion

Anhang

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Vorverständnis der Exegetin bildete sich schon in früher Kindheit. Bereits im Kindergottesdienst wurde die Geschichte vom Turmbau zu Babel regelmäßig erzählt, illustriert und sogar nachgespielt. Besondere Faszination löste die Beschreibung in der Perikope aus, dass vor dem Turmbau alle Menschen eine Sprache hatten und an einem Ort lebten und die Vorstellung, dass das vielleicht bis heute so wäre, hätte es dieses Turmbau nicht gegeben. Immer wieder versuchte die Exegetin sich vorzustellen, wie die Menschen einen Turm bauen wollten, der bis zum Himmel reicht. Ob das wohl möglich sei? Wie weit sie wohl gekommen sind, bis Gott eingriff?

Die Exegetin freut sich daher im Laufe dieser Arbeit ein umfassenderes Verständnis dieses Textes zu erwerben, welches sicher einige ihrer Fragen beantworten kann.

2. Der Text

2.1 Textkritik

Die Textkritik hat die Aufgabe der Prüfung des überlieferten Textes. Sie sucht nach der ältesten zugänglichen Textgestalt und versucht die Entstehung von Varianten zu erklären.1

Für die vorliegende Perikope gibt es an drei Stellen abweichende Varianten im textkritischen Apparat.

Vers 1

Für Vers 1 findet sich sowohl in der BHS als auch in der BHK die Anmerkung, , „und einer Wörter“ודברים אחדיםdass die Septuaginta am Ende des Verses nach πᾶıιν „für sie alle“ dazu liest. Auf der Ebene der inneren Kritik kann entsprechend der Regel „lectio brevior potior“ davon ausgegangen werden, dass es sich um einen Zusatz der LXX handelt und sich im masoretischen Text die ursprüngliche Lesart findet, wovon die Exegetin auch ausgeht. Westermann hingegen meint, dass es möglich sei, dass die LXX in diesem Fall den ursprünglichen Text beinhaltet, da sich so ein „rhythmisch schöner Parallelismus“ ergäbe.2 Möglicherweise handelt es sich bei der Lesart der LXX um eine Verstärkung der Tatsache, dass die Menschen der ganzen Welt eine Sprache hatten.

Vers 8

Im achten Vers steht im Samaritanische Pentateuch und der LXX nach העיר „und denואתʚהמגדל„und sie hörten auf die Stadt zu bauen“ der Zusatz Turm“. Damit wird die Zusammengehörigkeit von Stadt und Turm, wie sie in den Versen 4 und 5 zu finden ist, nochmals aufgegriffen. Jedoch legt auch hier die Regel „Lectio brevior lectio potior“ nahe, dass es sich um eine Ergänzung aus späterer Zeit handelt. Zumal die Lesart ohne die Hinzufügung die Einfachere darstellt.

Vers 9

Eine letzte Anmerkung findet sich lediglich in der BHK. In Vers 9 gibt die LXX den Zusatz ὁ Θεός „Gott“ an. Auch inיהוהdemnach nach dem Tetragramm diesem Fall kann nach der Regel, nach der die kürzere Lesart die vermutlich ursprüngliche ist, davon ausgegangen werden, dass es sich um eine Zufügung handelt.

2.2 Arbeitsübersetzung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.3 Textstruktur und Gliederung

Da die Merkmale der Gliederung mit denen der Textstruktur verbunden sind, werden beide Schritte im Folgenden gemeinsam in einer Grafik dargestellt. Die Gliederung des Textes in 4 Abschnitte geschieht dabei anhand von den redenden Personen (-gruppen). Im Rahmen der Textstruktur wird nochmals die chiastische Struktur des Textes dargestellt, indem die parallelen Formulierungen in der Rede der Menschen sowie in der Reaktion Gottes farblich gleich gekennzeichnet sind.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3. Sprachliche Beschreibungen

Die sprachliche Beschreibung hat die Aufgabe den Gedankengang der Perikope aufzuzeigen, sowie semantische und syntaktische Besonderheiten des Textes auf der Ebene von Wort, Satz und Text herauszuarbeiten.3

3.1 Sprach- und Textanalyse

Bei Gen 11, 1-9 handelt es sich um einen größtenteils narrativen Text, der durch zahlreiche Verbalsätze gekennzeichnet ist.

In der Einleitung und in dem Handeln der Menschen (V 1-4) finden sich

vorrangig Parataxen, die durch die häufige Verwendung von „und“

gekennzeichnet sind, während in der Reaktion Gottes und dem Schlussteil (V 5-9) primär Hypotaxen zu finden sind. Dieser hypotaktische Satzbau ermöglicht es auch komplexe Gedankengänge in einer veranschaulichten Form zu beschreiben. Der Teil zeichnet sich außerdem durch einige Konjunktionalsätze (V. 5, 7, 8) aus. Des Weiteren findet sich fünf Mal das Tetragramm.

Der gesamte Text wird vom einem Chiasmus, der sechs Gegensatzpaare sowie einen Wendepunkt in V 5 beinhaltet, durchzogen.

A Die ganze Erde hat eine Sprache (V. 1) B Dort (V. 2)

C Zueinander (V. 3)

D Menschliche Zusammenarbeit (V. 3) E Lasst uns bauen für uns (V. 4)

F Eine Stadt und einen Turm (V. 4) X Gott steigt hinab (V. 5)

F´ Eine Stadt und einen Turm (V. 5) E´ die die Menschheit gebaut hat (V. 5) D´ Selbstaufforderung Gottes (V. 7) C´ Zueinander (V. 7)

B´ Von dort (V. 8)

A´ Die Verwirrung der Sprache auf der ganzen Erde (V. 9)

Die Redeanteile Gottes und der Menschen, die ausschließlich zu sich selber sprechen, beinhalten in gehäufter Form (9x) Kohortative.

Drei verschiedene Verben, die dem Wortfeld des „Bauwesens“ zuzuordnen sind, sowohl als Verb der 1. com. Pl. der PK vor alsבנהprägen den Text. So kommt auch in der 3. com. Pl. der AK und in V 8c als Infinitiv Construtus. , die beide in der 1. com. Plשרף und לבןWeitere Verben dieses Wortfeldes sind der PK vorliegen.

Dem Wortfeld „Bauwesen“ lassen sich außerdem folgende Nomina zuordnen:

אבן (Ziegel),לבנהIm dritten Vers kommen die Worte (Erdpech) undחמר(Stein), מגדול (Stadt) und עיר (Lehm) vor. In V 4 erscheint erstmalig das Wortpaar חמר עיר(Turm). Ebenso in V 5. In den Versen 8 und 9 erscheint dann ausschließlich .מגדולohne den Zusatz

Ein weiteres Wortfeld ist das des „Vermischens und Zerstreuens“, zu dem die erscheint erstmalig in der Rede der Menschen. Esפוץ gehören. בלל und פוץVerben steht in V verbunden ist,פוץ, welche mit פן4e, der durch die Konjunktion eingeleitet wird. In V 8a und V 9c wird das Verb von dem Erzähler gebraucht und bezieht sich beide Male auf Gott. kommt zwei Mal vor. In V 7b steht es in der SelbstaufforderungבללDas Verb Gottes und liegt in der 1.com.PK plural vor, während es sich in V 9b ebenfalls auf Gott bezieht, jedoch diesmal in der 3. mask. Singular der AK vorliegt. Bei V 1 handelt es sich um einen Nominalsatz, der die Perikope einleitet, indem er wird demnach formelhaft verwendet undויהיden Ausgangszustand aufzeigt. Das kann nicht adäquat übersetzt werden.4

Die Redeanteile der Menschen in V 3a und V 4a sowie die wörtliche Rede Gottes eingeleitet.אמרin V 6a werden durch das Verb „und sie sprachen einer zu seinem Nächsten“ leitet in V 3ויאמרו איש אלʚרעהוDas den Entschluss der Menschen ein.

Dieser steht im Kohortativ und wird ebenso wie der Entschluss Gottes in V 7

"Auf" eingeleitet.5 Die Verwendung des Kohortativsהבהdurch die Interjektion zeigt an, dass sich die Aufforderung nicht ausschließlich an die Gesprächspartner richtet, sondern dass der Redende mit diesen einer gemeinsamen Tätigkeit nachgehen möchte.6

„Ziegel ziegeln“ und in V 3cנלבנה לבניםIn V 3b findet sich die figura etymologica „Brand brennen“. Der Gebrauch dieses Stilmittels verstärkt lautונשרפה לשרפה Berges den Eindruck einer reibungslosen Kommunikation.7

In dem Nominalsatz V 4c wird das fehlende Prädikat durch eine Präposition mit vertreten.8

הןV 6b beginnt mit „Siehe“. In seiner Funktion als Interjektion und Betonungszeichen gliedert es den Textzusammenhang (Krause, 86), lenkt die Aufmerksamkeit auf den nachfolgenden Sachverhalt und vertritt mit dem darauf .9עם אח9

In V 9a wird das allgemeine Subjekt („man“) durch die Verwendung der 3. Pers. .10עלʚכן קרא שמה בבל10

Der Text endet in V 9 mit einem abschließenden Kausalsatz.

3.2 Erzähltextanalyse

Laut Shimon Bar-Efrat besteht Gen 11, 1-9 aus zwei Akten, welche sich durch eine kontrastierende Verbindung zueinander auszeichnen. Im ersten Akt (V 1-4) stehen die handelnden Menschen mit ihren Vorhaben eine Stadt mit einem Turm, der bis in den Himmel reicht, zu bauen im Vordergrund. Es besteht eine einheitliche Sprache, die die Menschen dadurch erhalten wollen, dass sie gemeinsam in einer Stadt leben.

[...]


1 Vgl. Kreuzer, Proseminar 26.

2 Vgl. Westermann, Genesis 710.

3 Vgl. Kreuzer, Proseminar 49.

4 Vgl. Westermann, Genesis 722.

5 Vgl. Westermann, Genesis 724.

6 Vgl. Brockelmann, Syntax 4.

7 Vgl. Berges, Babel 45.

8 Vgl. Brockelmann, Syntax 23.

9 Vgl. Brockelmann, Syntax 3.

10 Vgl. Brockelmann, Syntax 33-34.

Details

Seiten
33
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668228139
ISBN (Buch)
9783668228146
Dateigröße
955 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v323668
Institution / Hochschule
Theologisches Seminar Elstal
Note
1,7
Schlagworte
turmbau babel eine exegese genesis

Autor

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Titel: Der Turmbau zu Babel. Eine historisch-kritische Exegese zu Genesis 11, 1-9