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Der Körper als Abbild der Gesellschaft. Weibliche Schönheitsideale im Wandel zwischen Zwang und Selbstverwirklichung

Hausarbeit 2012 15 Seiten

Soziologie - Individuum, Gruppe, Gesellschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Korpulente Körper
2.2 „normale“ Körper
2.3 dünnes Schönheitsideal

4. Schlussteil

1. Einleitung

Schönheit ist ein zentrales Thema in unserer Gesellschaft

Bei gewöhnlichen Alltagstätigkeiten sind wir stets von dieser Thematik umgeben

Zu dem allgegenwärtigen Dasein dieser zählt in erster Linie das Schönheitsdiktat - der kategorische Schönheitsimperativ - die unumstößliche Maxime „Sei schön!“.

Wir werden täglich mit Vorstellungen, wie unser Äußeres auszusehen hat übersät und uns werden unzählig viele Vorschläge unterbreitet wie wir dieses Ideal zu erreichen haben, denn anscheinend ist „Schönheit“ ein veränderbares Attribut, dass durch Zeit, Arbeit, Disziplin, modisches Wissen und Geld erreicht werden kann ähnlich wie eine gewinnbringende Investition.[1]

Der Gegenpol zu „Schönheit“ ist „Hässlichkeit“ - ein es zu verhindern geltendes Attribut, welches in Abgrenzung zur Schönheit definiert wird.

Die Selbst- und Fremdwahrnehmung des Menschen befindet sich im Spannungsfeld zwischen diesen beiden Gegensätzen.

Inwieweit Individualität, sowie persönliche ästhetische Vorlieben hierbei eine Rolle spielen werde ich in Anbetracht des begrenzten Rahmens nicht klären können.

Die Frage ist jedoch, was als „schön“, sowie im Umkehrschluss als „hässlich“ betrachtet wird und wer dieses entgegen gesetztes „Vor-“ beziehungsweise „Antibild“ bestimmt.

Auf die Frage was Schönheit ist, haben einige soziobiologisch und evolutionstheoretisch orientierte Wissenschaftler, welche in erster Linie Attraktivitätsforschung betreiben eine klare Antwort: die Symmetrie im Gesicht.

Ein symmetrischer Mensch hat einen so genannten „goldenen Schnitt“, durch welchen prozentual bestimmt werden kann, ob ein Gesicht dem Schönheitsideal entspricht und somit allgemein als „schön“ bezeichnet werden kann.

Die Bestimmung dieses Ideals erfolgt in erster Linie intuitiv zu Fortpflanzungszwecken. Hierbei bezieht man sich auf Darwins Theorien zur natürlichen Auslese, welche beinhaltet, dass makellose Partner bevorzugt werden, sodass das Risiko eines Defekts bei den Nachkommen minimiert werden kann.[2] [3]

Die Vertreter dieses theoretischen Ansatzes zur Definition von Schönheit sehen diese als ein seit Beginn der Menschheitsgeschichte anhaltendes Auswahlverfahren des potenziellen Fortpflanzungspartners, welches nicht wesentlich von anderen Faktoren beeinflusst wird und somit sich nicht im Wandel befindet, da es eine allgemein geltende Konstante in der Menschheitsgeschichte ist. Die allgemeine Gültigkeit dieser These wird jedoch von zahlreichen gesellschaftswissenschaftlichen Stimmen stark angezweifelt, da dadurch der durchaus vorhandene Diskurs über Schönheit ausfallen müsste, was offensichtlich nicht der Fall ist. Die Form der Figur, sowie die Gestaltung des Aussehens, wozu insbesondere die Mode zählt, ist jedoch einem stetigen unangezweifeltem Wandel unterworfen, wobei ich hier auf Grund der zuvor erwähnten Erkenntnisse der besagten Attraktivitätsforscher bewusst das Gesicht auslasse. Daher beziehe ich mich im Folgenden ausschließlich auf den Wandel der Körper und des weiteren äußeren Erscheinungsbildes. Das zuvor beschriebene Schönheitsdiktat unserer westlichen Kultur der Gegenwart fordert, dass der Mensch jugendlich, sportiv, positiv, sowie natürlich ist und damit einem in Perfektion schwer zu erreichenden Durchschnittstyps-Typs entspricht. Wenn man diese Form so gut wie möglich erreicht hat, gilt man allgemein als „schön“.Somit wird man stets mit diesem Attribut in Verbindung gebracht und erhält dadurch gesellschaftliche Anerkennung. Attraktivitätsforscher der Universität Texas haben festgestellt, dass attraktive Menschen nicht nur wie zuvor geschildert Vorteile bei der Partnersuche haben, sondern in erster Linie das Äußere an beruflichen Erfolg geknüpft ist, was sich im Gehalt, sowie in den Aufstiegsmöglichkeiten äußert.[4] Durch Anpassung an die normativen Bestimmungen innerhalb einer Gruppe wird man automatisch ein Teil dieser und profitiert von dessen Akzeptanz. Auf Grund dieser empfindet der Mensch ein Wohlgefallen innerhalb eines sozialen Konstrukts, fühlt sich somit angenommen und entwickelt ein auf die Resonanz der Außenwelt aufgebautes Selbstwertgefühl, woraufhin Selbstbewusstsein resultiert.[5] Der Aufbau der eigenen Identität auf diesem Prestige-Faktor führt zu einer Machtposition, welche von der Außenwelt akzeptiert und vom Menschen selbst verinnerlicht wird. Somit ist das Machtverständnis und der Machtbegriff in Zusammenhang mit dem gesellschaftlichem Schönheitsbild, wie er von Foucault und Bordieu verstanden wird, wesentlicher Bestandteil dieser Hausarbeit.

Somit hat Schönheit weit reichende Auswirkungen auf das soziale Leben eines Menschen. Die Frage nach dem Grund hierfür würde eine zu weit reichende tiefenpsychologische Aufarbeitung der Thematik erfordern, für welche der Rahmen dieser Hausarbeit nicht ausreichen würde. Andere in diesem Kontext relevanten Fragen lauten:

„Wer bestimmt was als schön gilt?“ bzw. „Warum haben sich die eindeutig voneinander abweichenden Schönheitsideale in der Geschichte der Menschheit derartig stark verandert?“

Die von mir entwickelte und in dieser Hausarbeit zu beweisende These gibt eine Antwort auf diese Fragen: „Das Schönheitsideal ist der Spiegel seiner Zeit.“

Die Auswahl dieser These erkläre ich folgendermaßen:

Bei der Recherche nach Schönheitsidealen ist mir aufgefallen, dass diverse Idealbilder von gegenwärtig favorisierten Körpern in der Geschichte oft immer wieder aufgetaucht sind und sich gewandelt haben. Somit gab es in Epochen, welche teilweise Jahrtausende voneinander entfernt sind das selbe Schönheitsideal. Auf der Suche nach einer Erklärung für diese Konnotation ist mir aufgefallen, dass bspw. in Zeiten von sozialem Wohlstand das Idealbild eines dünnen Körpers in der westlichen Hemisphäre verbreitet war. Der Zusammenhang zwischen gesellschaftlichen Ereignissen bzw. Zuständen und sozialen Schönheitsidealen scheint mir offensichtlich und im Laufe dieser Hausarbeit werde ich versuchen diesen zu beweisen, sowie mit soziologischen Mitteln in Anlehnung an Bordieus und Foucaults Theorien zu erläutern. Den Hauptteil der Hausarbeit unterteile ich in Körperformen, welche die weiblichen Schönheitsideale darstellen. Die Unterscheidung erfolgt zwischen korpulenten, „normalen“ und dünnen Körpern. Unter „normal“ verstehe ich einen aus heutiger Sicht gesund aussehenden Körper, welcher weder auffallend korpulente Merkmale aufweist, noch sonderlich dünn ist.

Diese ästethischen Idealbilder werde ich anschließend in einem weiteren sozialem Kontext betrachten, wozu ausgewählte geschichtliche Ereignisse Aufschluss über die vorherrschenden gesellschaftlichen Umstände geben werden und somit Rückschlüsse auf die Entstehung des jeweiligen Schönheitsideals zu ziehen sind. Diese empirische Auseinandersetzung mit der Thematik werde ich zuletzt im sozialwissenschaftlichen Rahmen abschließen und erwarte dadurch die Bestätigung meiner These. Im Schlussteil lasse ich die zuvor gewonnenen Ergebnisse Revue passieren und gebe in Anbetracht der zu erwartenden Bestätigung meiner These ein resümierendes Fazit ab.

2. Hauptteil

Laut Darwins Theorien dient Attraktivität in erster Linie der Paarung. Im Tierreich fällt jedoch auf, dass die Männchen stets ein extravaganteres Äußeres aufweisen als die eher unscheinbaren Weibchen. In der Geschichte unserer Menschheit ist es jedoch eher umgekehrt: Man nennt Frauen „das schöne Geschlecht“, denn sie sind stets daran orientiert ihr Äußeres zu verbessern und wie bereits in der Einleitung erwähnt dadurch Machtansprüche zu genießen. Die Schönheitsdiskussionen, welche auf männlichen Vorlieben zur Geschlechtsverkehrspartnersuche beruhen, unterstützen diesen „Schönheitsimperativ“, wodurch der Aufwand für die Anpassung des weiblichen Äußeren an das gängige Schönheitsideal steigt. Den zuvor beschriebenen Wandel der von Frauen angestrebten Schönheitsideale in der Geschichte setze ich im folgenden mit den Merkmalen gesellschaftlicher Epochen in Verbindung, sodass ich meine These untermauern kann.

2.1 Korpulente Körper

Korpulente Schönheitsideale hatten ihr Bestehen in Zeiten, die von wirtschaftlichen, sozialen oder politischen Problemen beeinflusst sind, da die solchen den Anschein von Reichtum, Fruchtbarkeit und Gesundheit ausstrahlten, was im Gegensatz zum Zeitalter stand. Dieser evolutionstheoretische Erklärungsansatz trifft in jedem Fall auf die menschliche Frühgeschichte zu, denn die korpulente Fruchtbarkeitsstatue der „Venus von Willmersdorf“[6] sollte das anstrebenswerte Ideal in einer Zeit sein, in der in Anbetracht der mangelnden Entwicklung der Menschheit ähnlich wie im Tierreich um das Überleben gekämpft wird. Eine wohl genährte Frauenfigur symbolisierte das Dasein von Ernährung und der Möglichkeit sich erfolgreich fortzupflanzen.[7]

In der Zeit des Barocks herrschte zwar nicht in der Oberschicht, welche das füllige Schönheitsideal vertrat Armut, jedoch war dieses in der Bevölkerung stark verbreitet. Das passendste Beispiel hierfür war die Herrschaft von Louis dem XIV, denn dieser französische König verschuldete Paris während seiner Herrschaft zu Gunsten eines dekadenten Lebens und zum Leidwesen einer körperlich und finanziell ausgebeuteten Bevölkerung. Durch diesen Lebensstil wollte er seine eigene Machtposition verstärken, indem er seine Selbstwahrnehmung als reichen und gesunden „Sonnengott“ mit der öffentlichen Darstellung des solchen verband und an Prestige gewinnen wollte. Somit würde sein Königreich und er selbst im Zentrum dessen von anderen seinesgleichen bewundert werden, was für ihn ein primäres Regierungsziel darstellte.[8] Zu dieser Zeit war es am Hofe üblich sich von Malern aktmalerisch portraitieren zu lassen. Einige der bekanntesten Motive der Gemälde aus dieser Zeit wurden als Rubensdamen bekannt.

[...]


[1] Vgl.: Etcoff; Nancy: Survival of the prettiest: the science of beauty. Anchor Books, 2000

[2] Vgl.: Valenzano, Mennucci, Tartarelli, Cellerino: Shape analysis of female facial attractiveness, Vision Research, 2006

[3] Vgl.: Darwin, Charles: On the Origin of Species; Harvard Univ. Press, 2003

[4] Vgl.: Berggren, Jordahl, Poutvaara: The Looks of a Winner: Beauty, Gender and Electoral Success, Discussion Paper Nr. 2311, 2006

[5] Vgl.: Bernsdorf, Knospe: International Lexicon of Sociology, Ferdinand Enke Verlag, 1980

[6] Vgl.: Der Spiegel, 2008, 16, 152 ff.

[7] Vgl.: Hilgemann, Kinder: Atlas der Weltgeschichte, Deutscher Taschenbuch-Verlag, 2000

[8] Vgl.: Andraschko, Schönheit und soziale Ordnung, Grin Verlag, 2011

Details

Seiten
15
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783668224285
ISBN (Buch)
9783668224292
Dateigröße
396 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v323457
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
1,7
Schlagworte
körper abbild gesellschaft weibliche schönheitsideale wandel zwang selbstverwirklichung

Autor

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