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Gewinnen und Fördern von Mitarbeitern in der christlichen Jugendarbeit

Abschlussarbeit des Anfangsdienstes als Pastor im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland

Ausarbeitung 2015 24 Seiten

Theologie - Praktische Theologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Mitarbeit in der Bibel

Jugendarbeit

Jugendleiter

Jugendmitarbeit

Ältere Jugendmitarbeiter

Jüngere Jugendmitarbeiter

Mitarbeiter gewinnen

Ältere Mitarbeiter gewinnen

Jüngere Mitarbeiter gewinnen

Beispiele aus der Praxis

Mitarbeiter fördern

Coaching

Beispiele aus der Praxis

Mitarbeitertreffen

Beispiele aus der Praxis

Schulungen / Teambuilding

Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

Anhang 1: Spitzenleiter eines Teams - Bill Hybels

Anhang 2: Sichere Gemeinde für Kinder & Jugendliche

Anhang 3: Vision der connection jugend

Vorwort

Im Zentrum meiner Arbeit als Jugendpastor, sehe ich es als meine Aufgabe und mein Privileg an, Jugendlichen zu helfen, sie zu begleiten, ihr von Gott gegebenes Potenzial zu entdecken und mit ihnen gemeinsam Reich Gottes zu bauen. Zu erleben, wie Jugendliche aufblühen in einer Beziehung zu Jesus Christus, fasziniert sind von ihren eigenen Fähigkeiten und diese immer mutiger einsetzen und damit andere anstecken, ist die schönste Sache, die ich als Pastor erleben darf.

In meinem Leben ist Epheser 4,12 ein treibender Leitvers, der meine Aufgabe als Pastor beschreibt. Es heißt in diesem Vers: „für ihren Dienst auszurüsten [1]. Das heißt für mich, Menschen, besonders Jugendlichen, zu helfen, Gottes Sicht und Plan für ihr Leben zu entdecken und da hinein zu wachsen. In meiner eigenen Jugendzeit durfte ich erleben, wie Mitarbeiter[2] sich in mein Leben investiertet haben und mich ermutigten, meine eigenen Gaben zu entdecken, zu entwickeln, einzubringen und gemeinsam mit ihnen, einen motivierten und Leidenschaftlichen Team eine Jugendarbeit aufzubauen.

Darum möchte ich mich in dieser Abschlussarbeit meiner Pastoren-Anfangszeit nochmal in fokussierter Art und Weise mit der Frage auseinandersetzen, wie man Mitarbeiter für eine lebendige Jugendgruppe gewinnt und fördert, die selber durch ihre Mitarbeit aufblühen und andere Jugendliche mit Begeisterung für Jesus und das Leben anstecken. In der vorliegenden Arbeit möchte ich dazu die Praxiserfahrungen aus meiner siebenjährigen ehrenamtlichen Tätigkeit als Jugendleiter und meinen fast drei Jahren als Jugendpastor reflektieren, um daraus einen persönlichen Gewinn für meine weiteren Aufgaben als Pastor zu ziehen.

Am Anfang dieser Arbeit steht eine kurze Sammlung von Bibelstellen, die mein eigenes theologisches Grundverständnis von Mitarbeit stark geprägt haben und noch prägen. Darauf folgend soll der Kontext einer solchen Mitarbeit in der Jugendarbeit angerissen werden, um dann einen Überblick über die spezifischen Voraussetzungen, Kompetenzen und Handlungsfelder von Jugendleitern und Mitarbeitern darzulegen. Aufbauend darauf werden verschiedene Möglichkeiten der Mitarbeitergewinnung und -förderung aufgezeigt, jeweils gefolgt von einem kurzen Praxisbeispiel aus meinen eigenen Erfahrungen innerhalb der „connection jugend potsdam“, also aus meiner aktuellen Gemeinde.

Mitarbeit in der Bibel

An dieser Stelle soll eine zugespitzte und subjektive Auswahl von sieben zentralen Bibelstellen dargestellt werden, die mein eigenes Verständnis von Mitarbeit und Mitarbeitergewinnung stark prägen.

Epheser 4,11-12 „Er ist es nun auch, der ´der Gemeinde` Gaben geschenkt hat: Er hat ihr die Apostel gegeben, die Propheten, die Evangelisten, die Hirten und Lehrer. 12 Sie haben die Aufgabe, diejenigen, die zu Gottes heiligem Volk gehören, für ihren Dienst auszurüsten, damit ´die Gemeinde`, der Leib von Christus, aufgebaut wird.“

Das Wort „catartistmon“ bedeutet im Vers 12 „Zurüstung“, „Ausstattung“, „Fertigstellung“, kann aber auch mit „geschult“ zum Dienst übersetzt und somit in einem pädagogischen Sinn gebraucht werden.[3] Die in Vers 11 aufgelisteten Personengruppen haben den Auftrag, alle Christen vorzubereiten und zu unterstützen, damit diese wiederrum dem Aufbau der Gemeinde dienen.

1. Petrus 4,10 „Jeder soll den anderen mit der Gabe dienen, die er ‚von Gott` bekommen hat .

Lukas 22,27 „Ich bin aber unter euch wie ein Diener“

Markus 10,43 „Wer unter euch groß sein will, soll unter euch Diener sein“

Hebräer 10,24 „Und weil wir auch füreinander verantwortlich sind, wollen wir uns gegenseitig dazu anspornen, einander Liebe zu erweisen und Gutes zu tun.“

1. Timotheus 4,12 „Niemand hat ein Recht, auf dich herabzusehen, nur weil du noch jung bist. Sei den Gläubigen ein Vorbild in allem, was du sagst und tust, ein Vorbild an Liebe, Glauben und Reinheit.“

Matthäus 9,37 -38 „Die Ernte ist groß, doch es sind nur wenig Arbeiter da. Bittet deshalb den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter auf sein Erntefeld schickt.“

Jugendarbeit

Christliche Jugendarbeit wird in den unterschiedlichsten Formen und von ganz verschiedenen Trägern mit ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeitern gestaltet. Im Rahmen dieser Arbeit wird vor allem auf Jugendarbeiten eingegangen, die regelmäßig stattfinden und Teil einer lokalen Gemeinde sind. Die Form, in der eine Jugendarbeit stattfindet, ist für die Fragestellung der Mitarbeit nicht unerheblich, da sie unterschiedliche Anforderungen und Mitarbeitsmöglichkeiten bietet. Handelt es sich um eine offene Jugendarbeit mit selbst entwickelten Events und Freizeitangeboten oder ist es ein klassischer Jugendkreis, der in erster Linie ein Angebot für die eigenen Gemeindekinder schaffen will?

Die Vision einer Jugendgruppe, also das Ziel, wozu diese Gruppe existiert und ihre Werte, bestimmt, was für Typen von Mitarbeitern gesucht und gehalten werden können.[4]

„Eine Vision gibt Kraft und bringt Menschen in Bewegung.

Eine Vision trägt dazu bei, sich mit einer Sache zu identifizieren.

Eine Vision bietet ein klares und lohnendes Ziel.

Eine Vision gewinnt neue Menschen, die sich für sie einsetzen.“[5]

Wo eine Jugendgruppe für sich eine Vision entwickelt hat, fällt es leichter, Mitarbeiter zu finden, weil man weiß, wonach man suchen muss. Im Gegensatz dazu ist es um einiges schwerer Mitarbeiter zu finden, wo eine Jugendgruppe nicht präzise weiß, was der Sinn ihrer Treffen ist und wohin sie sich entwickeln will. Diese Frage kann im Rahmen dieser Arbeit nicht ausführlicher dargelegt werden, aber sie bildet bei allen Mitarbeiterfragen die Grundlage. Das Gleiche gilt für Strukturen , Verantwortungsbereiche und Zuständigkeiten. Wo dort keine Klarheit herrscht, wird es schwierig bis unmöglich, geeignete Mitarbeiter zu finden.

Wichtig für diese Arbeit ist jedoch eine Präzisierung des Altersspektrums, welches dem Begriff der „Jugend“ zugrunde liegt. Die Frage nach dem Übergang zum Erwachsenenalter und dem Zeitpunkt, an dem man nicht mehr von Jugendlichen spricht, wird sehr unterschiedlich beantwortet, das Spektrum reicht von 18 Jahren bis zu Ende 20. In Anlehnung an Bernhard Schäfers und seine hilfreiche Unterteilung in drei Jugendphasen, orientiert sich vorliegende Arbeit an seiner ersten Phase mit der Bezeichnung „Jugendliche im engeren Sinn“[6]. Somit werden in dieser Arbeit mit der Bezeichnung „Jugend“ diejenigen Personen beschrieben, die sich vor allem innerhalb einer Altersspanne von ungefähr 13 bis 18 Jahren befinden.

Jugendleiter

Das Ziel, Mitarbeiter zu gewinnen und zu fördern impliziert, die Absicht, dass eine Jugendgruppe von mehr als einem Mitarbeiter gestaltet wird. An dieser Stelle soll der Fokus auf den Leiter einer Jugendgruppe gelegt werden, der das Ziel hat, ein Team aufzubauen. Dieser Punkt klingt banal, aber allein die Entscheidung dafür, eher im Team als alleine arbeiten zu wollen, bildet einen ersten wichtigen Schritt für mehr Mitarbeiter. Kein auch noch so begabter Jugendleiter oder voll angestellter Jugendpastor kann allen Aufgaben und Jugendlichen wirklich gerecht werden. Ein wirkliches Team aufzubauen, hilft der Arbeit, weil mehr und unterschiedlichere Persönlichkeiten und Gaben da sind, die sich gegenseitig ergänzen können. Es geht hier jedoch klar um ein Team, um Partner auf Augenhöhe, und nicht um Helfer, die einer Leitungsperson zuarbeiten.[7] Auch, wenn noch keine (geeigneten) Mitarbeiter vorhanden sind, ist es die Aufgabe des Leiters, einen Rahmen zu schaffen, in dem Mitarbeiten leicht fällt und in dem Jugendliche an die Mitarbeit herangeführt werden. Ein geeigneter Rahmen hierfür ist eine klare Vision, genaue Anforderungen an die Mitarbeiter, geeignete Räumlichkeiten und ein Zugang zu benötigten Ressourcen.

Welche Kernkompetenzen und Charaktereigenschaften ein Leiter haben sollte und welche besonderes entscheidend sind für die Leitung von Mitarbeitern, werden in zahllosen Veröffentlichungen und Ratgebern mit langen Listen versucht darzulegen.[8] Ausführliche Listen, die zwar einen idealen Leiter beschreiben, aber weit von der Realität und Erreichbarkeit entfernt sind. Fredmund Malik, einer der führenden Managementexperten, beschreibt dieses Listen als nicht hilfreich und demotivierend.

„Aber es ist eine alte Wahrheit der Motivationstheorie, dass Standards, die völlig jenseits jeder Erreichbarkeit liegen, nicht nur nicht motivierend sind, sondern dass sie die Menschen entmutigen.“[9]

Sein Appell richtet sich dahin, den Fokus auf die Grundsätze des Handelns einer Führungsperson zu legen, statt auf sein Wesen und seine Persönlichkeit. Es ist wichtig, den Blick auf erlernbare Schritte, Handlungen und Werkzeuge zu legen, auf Dinge, die kopierbar sind, im Gegensatz zu Charaktereigenschaften, die man nicht von einer anderen Person kopieren kann. Darum soll in dieser Arbeit auch ein Schwerpunkt auf die praktische Seite der Mitarbeiterbegleitung gelegt werden.[10]

Trotzdem möchte ich an dieser Stelle den Versuch unternehmen, Leitung innerhalb einer Non-Profit Organisation und im speziellen in der Jugendarbeit, auf einen entscheidenden und für mich sehr zentralen Punkt zu fokussieren. Folgender Spruch bringt es für mich auf den Punkt:

„Nur wenn wir brennen, können wir andere anstecken.“

Bin ich begeistert von dem, was ich tue? Arbeite ich gern in der Jugendarbeit? Schöpfe ich Freude und Energie aus meiner Arbeit? Oder ist Jugendarbeit für mich eine Pflicht, weil es von mir erwartet wird oder es sonst keiner machen würde? Bin ich selbst begeistert von Jesus Christus? Erlebe ich es als etwas Lebensbereicherndes und Spannendes, in der Nachfolge Jesu zu stehen? Mag ich Jugendliche oder komme ich mit Menschen in dem Alter nur schwer klar? Liebe ich es, mit ihnen Zeit zu verbringen?

Für mich sind Begeisterung, Leidenschaft, Freude und Überzeugung die Grundlage der Arbeit.[11] Wo die Leidenschaft vorhanden ist, werden über kurz oder lang andere Mitarbeiter angesprochen werden.

John Wesley wird folgender Satz zugesprochen: „Wenn du begeistert bist, werden die Menschen gerne kommen und sich von der Begeisterung anstecken lassen.“

Wie wir unsere Arbeit gestalten und in welcher Haltung wir darüber sprechen, bestimmt sehr stark, wie andere darüber denken und ob sie Lust bekommen, ein Teil von dieser Arbeit zu werden. Egal, was man macht, man bleibt Vorbild. Die entscheidende Frage ist, was überwiegt: ein begeistertes oder ein resigniertes Vorbild? Sicherlich ist diese Zuspitzung auf Leidenschaft einseitig, aber gerade im Bereich Jugendarbeit gehören eine Menge Spaß, Freude und Begeisterung dazu! Zusammenfassend würde ich von Jugendleitern erwarten und mir wünschen, dass sie begeistert sind von Jesus Christus und Jugendlichen und in ihrer Arbeit alles geben, einen Rahmen (Vision/Kultur/Struktur) zu schaffen, in dem neue Mitarbeiter dazu kommen können und mit Begeisterung mitmachen!

[...]


[1] Alle Bibelstellen in dieser Arbeit werden nach der Neuen Genfer Übersetzung wiedergeben.

[2] Im Folgenden wird aus Gründen der besseren Lesbarkeit jeweils nur die weibliche oder männliche Form genannt, die jeweils das andere Geschlecht mit einbezieht.

[3] Vgl. Sellin 342.

[4] Vgl. Fields, Jugendarbeit 40.

[5] Bigger 112.

[6] Schäfers 24.

[7] Vgl. DeVries 29.

[8] Vgl. Malik 33-34.

[9] Malik 39-40.

[10] Im Gegensatz dazu betont Jim Colins in seiner Beschreibung von herausragenden Leitungspersönlichkeiten (Level 5 Leiter) vor allem die Charaktereigenschaften. Vgl. Colins 53-54.

[11] Vgl. „Begeisterungsfähigkeit ist eine wichtige Schlüsselkompetenz für die Führung im ehrenamtlichen Engagement.“ Redmann 126.

Details

Seiten
24
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668231993
ISBN (Buch)
9783668232006
Dateigröße
632 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v323344
Note
Schlagworte
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