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Die Arktis als menschlicher Lebens- und Wirtschaftsraum

Seminararbeit 2014 14 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Phys. Geogr., Geomorphologie, Umweltforschung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.) Die Arktis im Überblick

2.) Die Arktis als menschlicher Lebensraum

3.) Die Arktis als Wirtschaftsraum

4.) Die Folgen des Klimawandels auf den Lebens- und Wirtschaftsraum in der Arktis
4.1) Die Zukunft des menschlichen Lebensraumes in der Arktis
4.2) Die Zukunft des Wirtschaftsraumes in der Arktis

1.) Die Arktis im Überblick

Die Arktis „ist weder ein Kontinent noch ein Land, sondern sie“ (PICTHALL & GUNZI 2010: 58) umfasst das 14 Millionen Quadratkilometer große, meist eisbedeckte, Nordpolarmeer, einige Inseln, die nördlichsten Teile Nordamerikas, also Kanada und USA (Alaska), sowie die nördlichsten Teile Skandinaviens, Russlands und Asiens (vgl. PICTHALL & GUNZI 2010: 58). Als im 19. und 20. Jahrhundert Expeditionen in die Arktis unternommen wurden, entdeckte man Bodenschätze und hoffte „eine Passage zu finden, die den Seeweg zwischen Europa und Asien verringern sollte“ (VENHOFF 2010: 357). Somit gelangte die kühle Arktis immer mehr in das globale Scheinwerferlicht, was Streitereien um den Landanspruch um die Teile der Arktis aufwarf.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Arktis - Nordpol-Entdeckung/Hoheitsansprüche (Quelle: (VENHOFF 2010: Diercke -Die Welt im 21. Jahrhundert, Seite 356)

Wie man auf dieser Karte erkennen kann, wurde dieses Problem mehr oder weniger durch ein Sektorenprinzip gelöst, indem jedem Land eindeutig sein Anteil an der Arktis zugewiesen wurde. Zusätzlich wurde der „Arktische Rat“ gegründet, der sich als zwischenstaatlicher Apparat mit „den gemeinsamen Anliegen und Herausforderungen beschäftigt, denen sich die Bevölkerung und die Regierungen der Artkis gegenübersehen“ (HASSOL & BENTHACK 2005: Vorwort). Trotzdem gab und gibt es nach wie vor noch Streitereien um die Grenzen dieser Zonen, vor allem zwischen Russland und Norwegen, wie man der Karte entnehmen kann. Des Weiteren hat Russland im Jahre 2007 für Furore gesorgt, da 2 russische Forschungsunterseeboote die russische Flagge am submarinen Nordpol platzierten und somit gegen das Sektorenprinzip verstießen. Dabei ging es vermutlich um die Sicherung von Rohstoffen, ein Thema das im weiteren Verlauf dieser Arbeit noch intensiver behandelt werden wird (vgl. VENHOFF 2010: 356 f.).

Die Frage nach dem Verlauf der Grenzen der Arktis wird des Öfteren durch die 10-Grad- Juli-Isotherme geklärt, wie man auf folgender Karte erkennen kann, doch wird auch manchmal die Fläche nördlich des Polarkreises (circa 66 Grad nördlicher Breite) als Arktis bezeichnet, welche noch weitere Festlandteile miteinschließt.

Nordpolargebiet (Arktis) 1 (Quelle: VENHOFF 2010: Diercke - die Welt im 21. Jahrhundert, Seite 356) Anhand dieser Karte wird deutlich, wo die Grenzen der Arktis ungefähr verlaufen und man erhält einen ersten Überblicküber den menschlichen Lebensraum der Arktis. Der Bereich des Nordpolarmeeres ist unbewohnt, erst etwas außerhalb findet man die ersten kleinen Ballungsräume auf Grönland und Island und einigen weiteren kleinen Inseln, wie zum Beispiel auf der Victoria-Insel. Außerdem befinden sich die Festlandstädte Tiksi, Nordwik (beide Städte sind Teile des asiatischen Kontinents) und Nome (Alaska) im Bereich der Arktis, doch stellen sie keine Millionenstädte dar. Die Stadt Reykjavik auf Island ist deshalb mit ungefähr 120.000 Einwohnern der größte Ballungsraum der Arktis (vgl. VENHOFF 2010: 356). In den meisten wissenschaftlichen Arbeitenüber die Arktis werden noch weitere Festlandteile und Städte der angrenzenden Kontinente miteinbezogen, so auch teilweise in dieser.

Ferner kann man dieser Karte auch einen groben Überblicküber den Wirtschaftsraum entnehmen. Im östlichen Teil der Arktis existieren Erdgasvorräte in der Barentssee und im Karasee und bei Spitzbergen wird Kohle gefördert. Etwas westlicher auf Grönland und in der Nähe der Ellesmere-Insel gibt es Buntmetalle. Im nördlichen Teil, der Alaska, kommen Edelmetalle vor und im Beaufortsee wird Erdgas und Erdöl gefördert. So betrachtet scheint dies kein riesiges Vorkommen an Bodenschätzen zu sein, doch es werden jährlich neue entdeckt und man vermutet noch riesige Erdgas- und Erdölquellen im Bereich der Arktis, um die man sich in Zukunft wohl noch streiten wird (vgl. VENHOFF 2010: 356).

Die Arktis ist aufgrund seiner großen Eisvorkommen natürlich auch stark von der globalen Klimaerwärmung betroffen und das obwohl „nur ein relativ kleiner Prozentsatz der globalen Treibhausgasemissionen in der Arktis selbst entsteht“ (HASSOL & BENTHACK 2005: 125) Diese Erwärmung, die seit Jahrzehnten zum Schmelzen großer Eisflächen führt, wird hauptsächlich durch den Menschen verursacht. Aufgrund der „Verbrennung fossiler Energieträger (Kohle, Erdöl und Erdgas) sowie, in zweiter Linie, die Rodung von Land, haben sich die Konzentrationen von Kohlendioxid, Methan und anderen Treibhausgasen in der Atmosphäre erhöht“ (HASSOL & BENTHACK 2005: 2). Dadurch wird die Wärme, die von der Erdoberfläche abgegeben wird von der steigenden Konzentration von Treibhausgasen immer mehr absorbiert, „die die Wärme wieder nach unten abstrahlen und so die untere Atmosphäre und die Erdoberfläche erwärmen“ (HASSOL & BENTHACK 2005: 2). Wissenschaftlichen Einschätzungen zufolge wird es dadurch zu einem intensiven und langjährigem Klimawandel kommen, der die Durchschnittstemperatur weltweit um bis zu 5,8 Grad Celsius erhöhen könnte (vgl. HASSOL & BENTHACK 2005: 2). Somit könnten ab dem Jahre 2030 die Sommer komplett eisfrei sein, „da so viel Eis schmilzt, das im Winter nicht wieder gefriert“ (PICTHALL & GUNZI 2010: 58). Diese Auswirkungen betreffen natürlich nicht nur das Klima, sondern selbstverständlich auch die Bevölkerung und die Wirtschaft der gesamten Welt und der Arktis.

Die Untersuchung der beiden arktischen Räume, dem menschlichen Lebens- und Wirtschaftsraum, und die Auswirkungen, die die globale Erwärmung auf sie haben, stellt die Hauptaufgabe dieser Arbeit dar und wird in den folgenden Kapiteln hauptsächlich thematisiert.

2.) Die Arktis als menschlicher Lebensraum

Das Wort „Arktis“ hat seine Herkunft aus dem altgriechischen Wort „Arktikós“, man versteht darunter „das Land des Großen Bären“ (HASSOL & BENTHACK 2005: 4). Daher könnte man denken, dass sich der Name auf die circa 25.000, in der Arktis lebenden, Eisbären bezieht, doch er bezieht sich auf das Sternbild Ursa Major (vgl. PICTHALL & GUNZI 2010). Neben diesen, durch die Klimaerwämung vom Aussterben bedrohten, Eisbären gibt es auch Menschen, die den extremen Bedingungen trotzen und seit mehreren Generationen in der Artkis leben. Die Anzahl der dort lebenden Einheimischen und Zugezogenen lässt sich nicht so einfach bestimmen, da die Arktis, wie bereits beschrieben, keine offizielle und eindeutige Grenze hat. Die Zahl dürfte sich auf circa vier Millionen Menschen belaufen, von denen sicher viele keine Einheimischen sind, sondern Zugezogene, die „die Belastung der arktischen Umwelt durch zunehmenden Fischfang, vermehrte Jagd auf Wildtiere und industrielle Entwicklung“ (HASSOL & BENTHACK 2005: 6) erhöht haben. Die Einheimischen stellen mit 10 Prozent nur einen kleinen Anteil der arktischen Bevölkerung dar und leben größtenteils in Grönland und Kanada. Die ersten Menschen bevölkerten die Arktis vor circa 20.000 Jahren und somit nach der letzten Eiszeit (vgl. HASSOL & BENTHACK 2005: 6).

Im Laufe der Zeit bildeten sich somit verschiedene indigene Völker, die verschiedene Teile der Arktis bewohnen. So gibt es in Alaska Inupiat, Yupik und Aleuten, in Kanada ebenso Inupiat, hinzukommen Inuit, welche auch auf Grönland vertreten sind. Im skandinavischen und russischen Teil der Arktis leben Samen, wobei in Russland noch weitere Gruppen wie Yupik, Tschuktschen, Ewenken und Nentzen existieren (vgl. FUCHS ET AL. 2011: 30).

Eine Flut von Einwanderern erreichte die Arktis im 20. Jahrhundert, meist waren die Bodenschätze der Beweggrund und die Aussicht mit diesen viel Geld verdienen zu können.

Daraufhin begann der bis heute andauernde Kampf der Einheimischen um ihren Besitz, ihr Land oder ihre Traditionen. In einigen wenigen Fällen, in der Alaska zum Beispiel, kam es zu „Vereinbarungenüber Gebietsansprüche und zur Schaffung von weitgehend autonomen Regionen innerhalb der Nationalstaaten sowie weiteren politischen und wirtschaftlichen Maßnahmen“ (HASSOL & BENTHACK 2005: 6). Im nordeuropäischen und asiatischen Teil der Arktis wurden die Einheimischen und deren Interessen noch bis vor einigen Jahren mehr oder weniger ignoriert. So haben viele Gemeinden mit indigener Bevölkerung „mit massiven sozialen Problemen zu kämpfen, verursacht etwa durch schlechte Ausbildung, unzureichende Sozialsysteme und einen schlechten durchschnittlichen Gesundheitszustand“ (FUCHS ET AL. 2011: 31). Auf der einen Seite haben sich die medizinischen und infrastrukturellen Standards insgesamt zwar etwas durch die Zuwanderung verbessert, doch meistens sind die Ureinwohner auf sich gestellt und erhalten nur wenig Hilfe von meisten Staaten, da diese sich mehr für den Wirtschaftsraum als für den Lebensraum der Arktis interessieren.

3.) Die Arktis als Wirtschaftsraum

„Die Wirtschaft der Region beruht in erster Linie auf Natur- und Bodenschätzen, von Erdöl, Erdgas und Metallerzen bis hin zu Fischen, Rentieren, Karibus, Walen, Robben und Vögeln“ (HASSOL & BENTHACK 2005: 7). Des Weiteren kam neben dem Militär noch der Tourismus als ernstzunehmender Wirtschaftssektor hinzu. Dem gegenüberstehend leisten nach wie vor traditionelle „Subsistenz- und Tauschwirtschaften einen bedeutenden Beitrag zum Gesamtwohlergehen von Teilen der Region, indem sie erhebliche Werte erzeugen, die in offiziellen Statistiken nicht auftauchen“ (HASSOL & BENTHACK 2005: 7).

Wichtige Industrieprojekte 1 (Quelle: Menn 2013: Arktis (WirtschaftsWoche))

Wie man auf diesem Schaubild erkennen kann, ist die Arktis reich an Bodenschätzen, die in Zukunft verstärkt gefördert werden. Im Barentsse und im Beaufortsee werden weitere Offshore-Plattformen geplant, im Karasee und in der Nähe der Baffininsel sollen Tiefseehäfen entstehen und an den Randbezirken der Arktis sollen neue Bergbaustandorte entstehen. „Allein unter Grönlands Eispanzer stecken genug Seltene Erde, um 150 Jahre lang Handys, Windräder und Elektromotoren zu bauen“ (MENN 2013).

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Details

Seiten
14
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656984085
ISBN (Buch)
9783656984092
Dateigröße
1.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v323249
Note
Schlagworte
arktis lebens- wirtschaftsraum

Autor

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Titel: Die Arktis als menschlicher Lebens- und Wirtschaftsraum