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Der Stroop-Effekt. Eine moderne Replikation

Wissenschaftliche Studie 2016 22 Seiten

Psychologie - Allgemeine Psychologie

Leseprobe

Inhalt

Zusammenfassung

Abstract

Der Stroop-Effekt: Eine moderne Replikation

Erklärungsansätze

Hypothesen

Methode

Versuchsdesign

Versuchsaufbau

Versuchsdurchführung

Ergebnisse

Diskussion

Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

Zusammenfassung

Im Stroop-Test interferiert die Wortbedeutung mit der Benennung der Druckfarbe desselben Wortes (z.B. beim Wort „rot“ in blauer Schrift). Im Rahmen eines Experimentalpraktikums sollte dieser Effekt repliziert werden. Hierfür bearbeiteten 72 Personen (Mage = 23.5 Jahre, SD = 9.21, 82% weiblich) in einer computergestützten Laborstudie einen adaptierten Stroop-Test. Dabei sollte per Tastendruck angeben werden, ob die Druckfarbe eines Teststimulus mit einem schwarz gedruckten Vergleichswort übereinstimmt oder nicht übereinstimmt. Hierbei wurde der Kongruenzgrad der Teststimuli in drei Bedingungen manipuliert. Es zeigte sich, dass die mittlere Reaktionszeit der kongruenten Bedingung signifikant niedriger war als die der inkongruenten. Die mittlere Reaktionszeit der neutralen Bedingung (Farbrechtecke) war signifikant niedriger als die der kongruenten. Die Ergebnisse werden auf ein Modell parallel verteilter Informationsverarbeitung (Cohen, Dunbar & McClelland, 1990) sowie frühere Forschungsergebnisse bezogen und anschließend diskutiert.

Abstract

In the Stroop test, the meaning of a word interferes with the task of naming the colour the word is printed in (e.g., the word „red“ in blue print). Its been aimed for replicating this finding during an experimental training course. 72 participants (Mage = 23.5 years, SD = 9.21, 82% female) completed a computer-aided adapted version of the Stroop test in an experimental study. Participants should indicate by keypress, whether or not the meaning of a given word written in black matches the printing colour of a second word. Congruency of the second word was manipulated in three conditions. Mean reaction time on congruent trials was significantly lower than it was on incongruent trials. Mean reaction time on neutral trials (coloured rectangle) was significantly lower compared to congruent trials. The results are applied to and discussed regarding a model of parallel distributed processing (Cohen, Dunbar & McClelland, 1990) as well as past research results.

Der Stroop-Effekt: Eine moderne Replikation

Seit den Arbeiten von John R. Stroop (1935) sind Farb-Wort-Interferenzen in der experimentellen und Kognitionspsychologie weitgehend als Stroop-Effekt bekannt. Dieser konnte in zwei klassischen Experimenten zeigen, dass das Benennen der Druckfarbe von 10*10 Wörtern einer Liste deutlich länger dauert und mehr Fehlern unterliegt, wenn Druckfarbe und semantische Wortbedeutung inkongruent sind (z.B. das Wort „rot“ in blauer Schrift). Als Vergleich diente die Farbbenennung von Rechtecken. Interferenz und Fehlerhäufigkeit treten hingegen nicht auf, wenn im Vergleich zu schwarz gedruckten Wörtern die Wortbedeutung inkongruenter Wörter vorgelesen werden soll (Dyer, 1973).

Seither wurden unterschiedliche Aspekte, aber auch Modifikationen des Stroop-Tests im Anwendungskontext untersucht und diagnostisch eingesetzt (Ben-Tovim & Walker, 1991; Cox, Fadardi & Pothos, 2006; McNeil et al., 1995). Beispielsweise wurde gezeigt, dass zu ignorierende Stimuli mit steigender semantischer Assoziationsstärke zum Konzept Farbe zunehmend interferieren (Klein, 1964; Ridley, 1980). Die Vorgabe von Einzelstimuli behebt zudem strukturbedingte Listen- und Itemeffekte, welche die Farbbenennung beeinträchtigen und Einzeldurchgänge damit als solche erst reliabel erfassbar machen (Dalrymple-Alford & Budayr, 1966).

Gegenüber dem häufig verwendeten verbalen Antwortmodus zeigte die Empirie, dass manuelle Antwortmodi zu geringeren Interferenzeffekten führen oder sogar die Reaktionszeit in kongruenten Bedingungen gegenüber einer Kontrollbedingung senken (Ikeda, Hirata, Okuzumi & Kokubun, 2010; Redding & Gerjets, 1977). Treisman und Fearnley kritisierten bereits 1969 die Diskrepanz zwischen verbaler Antwort und Farbbenennung, da im Stroop-Test die zu ignorierende Wortbedeutung stärker mit dem geforderten Antwortmodus korrespondiere und im Fall der Farbbenennung zu mehr Interferenz führe. Hierfür wandelten sie das Versuchsdesign Stroops ab, da jeweils Karten mit zwei Stimuli auf einen von zwei Stapeln sortiert werden sollten. Dabei konnte die Wortfarbe des oberen (in-)kongruenten Wortes mit dem unteren schwarz gedruckten Wort (bzw. zwei Kontrollbedingungen) übereinstimmen oder nicht. Sie stellten wie Stroop fest, dass Wortbedeutung und –farbe interferieren, allerdings beim Vergleich über Stimuli hinweg. Zudem werden innerhalb eines Stimulus irrelevante Attribute weniger effizient selektiert. Anhand dieses Versuchsaufbaus demonstrierten Morton und Chambers (1973), dass Treisman und Fearnleys Befunde konfundiert waren. Die Probanden nahmen entgegen der Instruktion den Attributvergleich intuitiv vom unteren Stimulus ausgehend vor, da diese Strategie den auftretenden Interferenzeffekt minimiert.

Erklärungsansätze

Es herrscht weitgehend Einigkeit darüber unter welchen Bedingungen sich (Farb-Wort-)Interferenzen äußern. Jedoch konkurrieren bei der Ursachenklärung mehrere Ansätze mit jeweils variierendem Erklärungsgehalt (MacLeod, 1991). Die Zwei-Prozess-Theorie von Posner und Snyder (1975) postuliert, dass automatisierte Prozesse wie Lesen intentions-, ressourcenfrei und unbewusst ablaufen und nicht mit parallel stattfindenden Prozessen interferieren. Für die Farbbenennung als kontrollierten Prozess treffen diese Kriterien nicht zu und es wird hierbei die kognitive Ressource Aufmerksamkeit verbraucht. Diese Prozessdichotomie kann allerdings nur unvollständig Befunde erklären, wonach Lesen z.T. als kontrollierter Prozess betrachtet werden kann. Kahneman und Henik (1981) zeigten, dass das Wörterlesen im Stroop-Test geringer mit der Farbbenennung interferiert je weiter die räumliche Distanz zwischen beiden Stimuli ist. Ferner zeigten Kahneman und Chajczyk (1983) einen minimierten Stroop-Effekt, wenn ein zusätzliches irrelevantes Wort präsentiert wird. Es sind somit orts- und objektbasierte Aufmerksamkeitsausrichtung beim Lesen beobachtbar, weswegen MacLeod und Dunbar (1988) vorschlagen automatisierte Prozesse auf einem Kontinuum der Übung mit unterschiedlichen Automatisierungsgraden zu verorten.

Diese Sichtweise greifen Cohen, Dunbar und McClelland (1990) auf und schlagen ein Modell der parallel verteilten Informationsverarbeitung vor. Hierbei werden innerhalb vernetzter Aufnahme-, intermediärer sowie Ausgabeeinheiten Informationen über Module hinweg entlang aufgabenspezifischer Pfade verarbeitet (siehe Abbildung 1). Die jeweilige Automatisierung des Wortlesens und Farbbenennens wird dabei durch Aktivierungsmuster bestimmter Einheiten repräsentiert. Diese Muster variieren graduell in Abhängigkeit der Übung einer Handlung und spiegeln somit Unterschiede in der Verarbeitungsintensität wieder. Interferenz in der Stroop-Aufgabe entsteht nach dem Modell durch das Kreuzen zweier parallel ablaufender Prozesse mit unterschiedlichen Aktivierungsmustern in einer Einheit eines Moduls. Hierdurch wird die Verarbeitung eines oder beider Prozesse beeinträchtigt, während gleiche Aktivierungsmuster bei Interaktion in einer Einheit die Verarbeitung erleichtern. Zur Vermeidung hemmender Interaktion zweier Prozesse sprechen die Autoren Aufmerksamkeit eine zentrale und informationsmodulierende Rolle zu.

Hypothesen

Im Rahmen eines Experimentalpraktikums sollte der Stroop-Effekt in abgewandelter Form repliziert werden. Das Versuchsdesign wurde hierbei an die Arbeit von Morton und Chambers (1973) angelehnt. Aufgrund der einschlägigen empirischen Evidenz wurde angenommen, dass bei inkongruenten Attributkombinationen innerhalb von Stimuli die mittlere Reaktionszeit beim Attributvergleich über Stimuli hinweg länger ist als bei neutralen Kombinationen. Ferner ist die mittlere Reaktionszeit bei kongruenten Attributkombinationen kürzer als bei neutralen.

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Details

Seiten
22
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668230415
ISBN (Buch)
9783668230422
Dateigröße
739 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v323226
Institution / Hochschule
Bergische Universität Wuppertal – Lehrstuhl für Methodenlehre und psychologische Diagnostik
Note
1,0
Schlagworte
stroop-effekt eine replikation

Autor

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Titel: Der Stroop-Effekt. Eine moderne Replikation